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Ja, was jetzt – auf oder zu, Frau Eisenmann?

Zuerst wagte sich Dr. Susanne Eisenmann vor. Es ist noch nicht mal Silvester und damit noch gefühlt Lichtjahre entfernt bis zum Ende der Weihnachtsferien – insbesondere in der Coronazeit, in der jeder Tag ein neues Überraschungsei zum Vorschein bringen kann.

Zu, auf, zu, auf – so schaut Planungssicherheit aus

Aber die baden-württembergische Kultusministerin ließ schon mal verlauten, dass sie nichts davon halte, die Schulen nach den Ferien weiter geschlossen zu halten. https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/eisenmann-praesenzunterricht-in-schulen-im-januar-100.htmlNur wenig später stellte wiederum der Regierungssprecher der Bundesregierung in den Raum, dass er nicht glaube, dass ab dem 10. Januar 2020 wieder alles offen haben werden. Was genau er damit meinte, bleibt erst einmal im Dunkeln. Erst am 05. Januar 2020 wollen die Länderchefs auch über die mögliche Wiedereröffnung der Schulen beraten.

Auch manche Lehrer haben mit digitalem Unterricht so ihre Probleme

Bereits vor den Ferien ließen die Schulen im Ländle in diversen Elternbriefen verlauten, dass die Schulen „mindestens“ bis 10. Januar 2020 geschlossen bleiben. So viel Planungssicherheit war selten. Eisenmann legte die Betonung denn auch auf die Öffnung der Grundschulen, da jüngere Schüler sich schwerer tun mit digitalem Unterricht. Man möchte hier instinktiv hinzufügen: Nicht nur die Schüler, auch manche Lehrer haben damit so ihre Probleme. Aber dazu später.

Noch immer kein digitales Konzept

Die überraschende Schließung der Schulen eine Woche vor den Weihnachtsferien ließ schon diverse Eltern ins Schlingern kommen, die nebenbei noch arbeiten. Aber nicht nur das Akzeptanzproblem gegenüber dem Arbeitgeber bei einer gefühlten Arbeitsunterbrechung von mittlerweile an die 180 Tage im Coronajahr 2020 bereitet vielen Kopfzerbrechen. Hinzu kommt ein in vielen Schulen nach wie vor nicht ansatzweise vorbereitetes adäquates Homeschooling-Konzept. Vor den Ferien bekamen viele Schüler (freiwilligen) Lernstoff mit, allerdings verabschiedeten sich die Lehrer parallel dazu schon mal in die Weihnachtsferien.

Arbeitsblätter an der Schule abholen

Und auch sonst scheint man wenig dafür getan zu haben, den digitalen Unterricht voranzubringen. Digitaler Unterricht gibt es an vielen (Grund-)Schulen tatsächlich immernoch nicht. Lehrer drucken stattdessen Blätterstapel aus, die es dann in Coronazeiten mit Maskenpflicht, Abstand halten und allen anderen AHA-Regeln einzuhalten gelte. Da ist es schon ein Meilenstein, wenn Arbeitsblätter als pdf per E-Mail verschickt werden und das nicht einmal in einer Woche oder noch seltener, sondern jeden Tag das, was die Kinder am Tag darauf machen sollen. So wären es immerhin mundgerechte Häppchen und nicht ein riesiger Truthahn, den sich die Kleinen selbst irgendwie zurechtschneidern müssen.

Der Kontakt zur Lehrkraft fehlt, ist aber unabdingbar

Weiter sind da schon die Schulen, die eine Lernplattform anbieten, in welcher sie die Aufgaben zum Bearbeiten stellen. Aber auch hier braucht es einen aktiven Kontakt mit dem Lehrer, am besten täglich. Schulen wie in Mulfingen und die Anne-Sophie-Schule haben gezeigt, dass es möglich ist, jedem Schüler mit einem Tablet auszustatten. Der Hohenlohekreis ist kein armer Landkreis, hinzu kommen etliche Firmen, die in diesem Bereich sicher finanziell auch unterstützen würden. Auf diesem Tablett sollten dann nicht nur Videokonferenzen stattfinden, sondern auch digitaler Frontalunterricht. Sprich: Es reicht nicht aus, sich nach dem Wohlbefinden eines jeden einzelnen zu erkundigen – was sicher auch wichtig ist, aber zum Schulunterricht gehört nun mal auch Wissensvermittlung). Stattdessen sollte die Lehrkraft daher neue Dinge an der Tafel oder auf einem Blatt erklären und sich beziehungsweise den neuen Stoff dabei filmen. Diesen Unterricht verfolgen die Kinder dann an ihren PCs oder Tablets zu Hause und haben die Möglichkeit, durch gewisse Symbole anzuzeigen, wenn sie Fragen haben.

Aber bis es so weit ist, sitzen die Kinder eventuell ab Januar 2020 wieder weitestgehend auf sich gestellt zu Hause und arbeiten stundenlang alleine Aufgabenblätter ab, mit der Unterstützung ihrer Eltern, die nebenbei auch noch ihrer anderen Arbeit nachgehen, die sie oft noch haben. Das ist alles andere als mustergültig für das Musterländle.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann

 




Wie gefährlich sind die Querdenker?

Am Sonntag, den 13. Dezember 2020, kam Querdenken-Gründer Michael Ballweg auf die Querdenken-Demo nach Öhringen und hat mit Priscilla Dekorsi über die Ziele von Querdenken gesprochen, über mögliche rechtsradikale Tendenzen und warum er die Bundesrepublik Deutschland nicht mehr als Rechtsstaat empfindet (wir berichteten).

„Ballweg fordert die sofortige Aufhebung aller Coronamaßnahmen“

Zunächst einmal, betonte Ballweg, stehe er für Frieden und Freiheit. Dann aber wurde Ballweg schnell konkreter. Das Ziel der Querdenker-Demos sei die sofortige Aufhebung der Coronamaßnahmen und die „sofortige Einschränkung aller Grundrechte“. Wie er selbst zu Corona steht, ob er – ähnlich wie Sonja Erdmann von den Öhringer Querdenkern glaubt, Corona sei „keine Krankheit“, sondern nur „ein Konstrukt“ zur vermeintlichen staatlichen Gängelung der Bürger oder ob Ballweg die Coronamaßnahmen lediglich als zu hart betrachtet, darauf wird in dem Interview nicht näher eingegangen. Auch nicht, inwieweit er hinter Äußerungen wie „Masken können Hirnschäden zur Folge haben“ von einem Vater (unlängst ebenfalls in Öhringen auf einer Demo postuliert,wir berichteten) steht. Hier sollten und müssten die Organisatoren den Sprechern, die auf die Querdenkerbühne treten, nahe legen, zumindest die Quellen zu nennen, auf die sie sich bei derartigen Behauptungen beziehen.

„Deutschland kein demokratischer Rechtsstaat mehr“

Ballweg will sich in Öhringen denn auch weniger in Details verlieren, er hat jedoch eine eindeutige Meinung zur Bundesrepublik Deutschland: „Wenn so viele Grundrechte eingeschränkt sind, können wir im Moment nicht mehr von einem demokratischen Rechtsstaat sprechen. Auch insbesondere, wenn politische Gegner so diffamiert werden.“ In der Tat wurden seit dem zweiten Weltkrieg noch nie so viele Grundrechte eingeschränkt wie im Laufe der Coronapandemie. Die Freiheit, wann und wo auch immer hingehen zu wollen zum Beispiel (etwa nachts unterwegs zu sein), Treffen mit Freunden und Verwandten, oder die Ladenöffnungszeiten – um nur einige Beispiele zu nennen.

„Wir haben es nicht geschafft, den Skinhead zu einem Nicht-Skinhead zu machen“

Nichtsdestotrotz geht er auch kritisch mit seiner Querdenken-Initiative um, etwa wenn es um Äußerungen von Querdenken-Rednern geht, die ihr heutiges Leid mit dem Leid von der NS-Zeit gleichsetzen (wir berichteten): „Ich würde auf die historischen Vergleiche verzichten, um eben auch keine Angriffsfläche zu bieten. Und es wird sich sowieso erst in zwei, drei Jahren zeigen, ob die Vergleiche gerechtfertigt waren oder nicht.“ Zum Thema Rechtsradikale in den Querdenker-Reihen hat der ehemalige Unternehmer ebenfalls eine klare Meinung: „Ich selbst bin auf dem Dorf groß geworden. Wir hatten immer so eine Runde, wo wir abends an einem Brunnen ein Bier getrunken haben und da war auch immer ein Skinhead dabei. Wir haben es nicht geschafft, den Skinhead zu einem nicht Skinhead zu machen. Er hat es aber auch nicht geschafft, an den Tisch noch einem zum Skinhead zu machen. Und deshalb ist es wichtig: Ja, es gibt vielleicht diese Position, aber eine Demonstration ist eben auch eine Demonstration ohne Eintrittskarte und ohne Eingangskontrolle. Auch ohne Gedankenkontrolle übrigens. Und ich denke, es ist wichtig, dass man miteinander redet, statt übereinander und dann auch die Positionen austauscht. Ich rede mit allen, die friedlich für eine freiheitlich demokratische Grundordnung stehen. Und dieser Dialog ist wichtig, weil sobald ich anfange, Menschen auszugrenzen, habe ich auch das Risiko, dass die Positionen extremer werden.“

Demo ohne Eintrittskarte

Ballweg skizziert während des Interviews noch einmal seinen Weg nach – vom Unternehmer zum Coronamaßnahmen-Gegner. Er ist ein ruhiger Redner, unscheinbar im Aussehen und Auftritt und möchte, so sagt er, „dass Kinder in einem Erziehungssystem leben, in welchem sie nicht erzogen werden, gewissen Systemen zu folgen, sondern wo sie ihrer Bestimmung folgen können. Wo wir auch respektvoll mit unserer Natur umgehen und auch die Kraft der Natur nutzen, um uns selber gesund zu halten.“

Ballweg kritisiert dabei den blinden, systemtreuen Gehorsam. Das ist auch vollkommen richtig. Wer möchte wieder in einer Zeit leben, in dem nur noch gleichgeschaltetes Denken erlaubt ist? Dennoch sind seine Aussagen teilweise, weil nicht immer beleg- und nachvollziehbar – wie auch die Aussagen von so manch einem anderen Querdenken-Redner – mit Vorsicht zu genießen. Aber so ist es nicht nur mit Querdenken-Rednern, auch so manche Aussage eines Politikers darf man nicht immer für bare Münze nehmen. Was ist heutzutage noch Fakt oder Fake? Vor allem in Coronazeiten ändern sich die Fakten täglich.

Löschung von Querdenker-Videos von youtube – GSCHWÄTZ ebenfalls betroffen

Wie gefährlich sind die Querdenker? Sicherlich ist es richtig, ständig kritisch zu hinterfragen, inwieweit die massiven Grundrechtseinschnitte gerechtfertigt sind. Wichtig ist auch, nach der Pandemie diese Grundrechte wieder in vollem Umfang und so schnell wie möglich einzufordern. Dafür dürfen, sollen und müssen Bürger demonstrieren und ihre Meinung äussern. Das gehört zu einer lebendigen Demokratie. Bedenklich ist in diesem Zuge die Löschung von youtube-QuerdenkerAccounts, wie Ballweg in Öhringen angedeutet hat. Vor wenigen Tagen wurde ein von der Redaktion GSCHWÄTZ auf youtube hochgeladenes Video über eine Querdenken-Demo in Öhringen ebenfalls von youtube entfernt. Youtube gab als Grund an, dass hier medizinische Falschinformationen verbreitet würden. Unter anderem hatte ein Vater auf der Demo davon gesprochen, dass das Maskentragen bei Kindern nicht nur zu Konzentrationsproblemen führen, sondern auch schwere Hirnschäden verursachen könne. Aber berechtigt das zur Sperrung eines Videos? Wo endet die Meinungs- und Pressefreiheit?, das ist die große Frage.

Auf der einen staatliche Seite Eingriffe in Grundrechte, auf der anderen Seite Coronaleugner

Auf der anderen Seite ist es gefährlich, wenn eine mittlerweile so große Initiative der Querdenker Corona nicht als Krankheit, als reale Pandemie anerkennen würde, sondern als „Konstrukt“. Das wäre ein Schlag ins Gesicht für jede/n Arzt/Ärztin, für jede Krankenschwester, jeden Pfleger und jede/n Bürger:in, die/der diese Krankheit schon einmal hatte. Auch hier müsste Ballweg daher klar Stellung beziehen. Andererseits bleibt aber auch die Frage: Darf nicht jeder seine Meinung äußern, auch wenn sie falsch ist?

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann

 




„Da kann man wirklich wieder nur applaudieren für diese Organisation“

„Das ärgert mich wirklich“, sagt eine Anwohnerin aus Pfedelbach, die anonym bleiben möchte, am 04. November 2020 gegenüber GSCHWÄTZ. Das war der Tag, an dem die Abfallwirtschaft das letzte Mal die Leichtverpackungen in den grünen Tonnen abgeholt hat. Fortan wird dieser Müll nicht mehr in den Tonnen gesammelt und abgeholt, sondern wie früher, in Gelbe Säcke verpackt und abgeholt. Das sei günstiger, daher hat sich der Hohenlohekreis dazu entschieden, hieß es vonseiten des Kreistages (wir berichteten).

Sie sind wieder da: Gelbe Säcke wider jeder Umweltpolitik

Inwieweit diese Gelben Säcke widersprüchlich zu einer effektiven Umweltpolitik stehen, die sich der Kreis gerne auf die Fahnen schreibt, sei erstmal dahingestellt. Denn die Anwohner in Pfedelbach haben ein ganz anderes, praktisches Problem: Sie haben keine Gelben Säcke. Eigentlich, so die Anwohnerin, wollte die Stadtverwaltung die Säcke im November 2020 verteilen, doch sie und viele andere Anwohner hätten keine bekommen. Das Rathaus verwies die Anwohner Anfang Dezember 2020 darauf, dass man die Gelben Säcke im Rathaus abholen könnte.

„Und das auch noch über die Weihnachtsfeiertage

Ein weiteres Ärgernis: Am 13. Januar 2021 werden diese Gelben Säcke das erste Mal von der Abfallwirtschaft abgeholt. Aber wo soll man den ganzen Müll über sechs Wochen sammeln, fragen sich die Anwohner. „Und das über die Weihnachtsfeiertage, an denen sowieso jeder mehr Müll hat als sonst“, so die Anwohnerin. „Da kann man wirklich wieder nur applaudieren, für die Organisation.“

„Wohnen hier nur Umweltsünder?“

Auch der Comic, den die Abfallwirtschaft des Hohenlohekreis zum Thema Wiedereinführung des Gelben Sacks an alle Haushalte verschickt hat, sorgt für Unmut, insbesondere die Sprechblase: „Meinst Du, es gibt überhaupt Menschen im Hohenlohekreis, denen Mülltrennung wichtig ist?“ Da könnte man meinen, dass hier nur Umweltsünder leben würden, sagt die Anwohnerin.

 

Comic der Abfallwirtschaft, der für Unmut bei manch einem Anwohner führte.

GSCHWÄTZ hat bei der Abfallwirtschaft des Hohenlohekreises nachgefragt, wo die Menschen die Leichtverpackungen über sechs Wochen lagern können, warum die nächste Abholung teilweise erst sechs Wochen später erfolgt und wo die Säcke alternativ hingebracht werden können. Nadine Würth von der Abfallwirtschaft des Hohenlohekreises verwies darauf, dass für die Sammlung und Abfuhr die Firma „Veolia Umweltservice Süd GmbH“ in Bretzfeld vom Hohenlohekreis beauftragt wurde. „Laut Verpackungsgesetz sind wir als Abfallwirtschaft lediglich für die Information an die Bürger:innen zuständig.“

14-tägige Einsammlung der Gelben Säcke

Nadine Schaer von Veolia wiederum verwies in ihrer Antwort gegenüber GSCHWÄTZ auf die häufigere Abholung der Leichtverpackungen mit der Wiedereinführung des Gelben Sackes: „Für die Sammlung von Leichtverpackungsabfällen haben die Bewohner des Hohenlohekreises bisher die grüne Tonne genutzt, die vierwöchentlich von Veolia geleert wurde. Ab dem 01.01.2021 erfolgt die Entsorgung für die Bürger:innen über die Gelben Säcke, die im neuen Jahr 14-tägig eingesammelt werden.“

So lange keine Abholung ist eine Ausnahme, betont Veolia

Die sechswöchige Lücke in manchen Städten und Gemeinden komme wegen der Umstellungsphase zustande: „Durch die notwendigen Anpassungen der Abfuhrtouren kann es in der Umstellungsphase von Dezember 2020 bis Januar 2021 dazu kommen, dass der übliche Zeitraum zwischen zwei Leerungen bei vereinzelten Haushalten überschritten wird. Dies ist jedoch ausschließlich durch die Umstellung des Abfuhrplans bedingt und somit eine Ausnahme.“

Lagerung im Keller, der Garage, der bisherigen Grünen Tonne oder zum Recyclinghof bringen

Nadine Schaer empfiehlt: „Bürger:innen, bei denen die Abfälle mehrere Wochen nicht eingesammelt werden können, sollten ihre Abfälle in Gelbe Säcke verpackt im Keller, der Garage oder in der bisherigen grünen Tonne zwischenlagern, die weiterhin bei den Haushalten verbleibt. Sollte dies nicht möglich sein, können Verpackungsabfälle bis zum 31.12.2020, wie gewohnt, bei den Recyclinghöfen im Hohenlohekreis abgeben werden.“

Enorme Reklamation von Bürgern, die keine Gelben Säcke erhalten haben

Auch beim Landratsamt des Hohenlohekreis reklamierten zahlreiche Bürger:innen, dass sie noch keine Gelben Säcke für die Systemumstellung bekommen haben: „Aufgrund des Lockdowns kommt es zu erheblichen Problemen bei der regulären Erstverteilung der Gelben Säcke. Es konnte bisher noch nicht in allen Gemeinden die Verteilung der Gelben Säcke abgeschlossen werden. Aufgrund der enormen Reklamationen von Bürgern die keine Gelben Säcke erhalten haben, hat sich die Abfallwirtschaft mit dem von den dualen Systemen beauftragten Unternehmen Veolia Süd GmbH auf eine pragmatische Lösung im Sinne der Bürger:innen verständigt: Es können neben Gelben Säcken auch alle herkömmlichen Müllsäcke in allen Farben und Größen ab sofort mit Leichtverpackungen befüllt und im Januar zur Abfuhr bereitgestellt werden. Mit dieser vorübergehenden Lösung wird für alle Bürger:innen die Abfuhr von Leichtverpackungen sichergestellt.“

Bitte nicht zum Rathaus gehen

Weiterhin bittet Sebastian Damm, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft: „Wir bitten die Bürger:innen, nicht extra wegen des Gelben Sacks zum Rathaus zu gehen. Wenn Sie noch keinen Gelben Sack haben, nehmen Sie einen herkömmlichen Müllsack und stellen diesen zur Abfuhr im Januar bereit.“ Die Nachverteilung der Gelben Säcke läuft weiter. Die Bürger:innen sollen nach wie vor über http://www.gelbersack-hohenlohe.deund über die Hotline 0931 3227880 ihre Adresse angeben, wenn sie noch keine Gelben Säcke erhalten haben.“

Öffnungszeiten Recyclinghöfe

Laut der Abfallwirtschaft des Hohenlohekreises bleiben die Recyclinghöfe im gesamten Kreisgebiet bleiben zu den regulären Zeiten geöffnet und sind nur am 24. Dezember 2020 und 31. Dezember 2020 geschlossen. Die bereits terminierten Abfuhrtermine für Sperrmüll finden wie geplant statt. Entrümpelungen sollen dennoch vermieden werden um das Abfuhrunternehmen und die Abgabestelle in Stäffelesrain nicht zusätzlich zu belasten. „Es soll jeder Einzelne überprüfen, ob eine Entsorgung von Sperrmüll in den kommenden Wochen unbedingt nötig ist“, bittet Sebastian Damm, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft.

Die Grüngutplätze im Hohenlohekreis haben bis einschließlich Samstag, 19. Dezember 20 geöffnet und sind dann bis 6. Januar 2021 geschlossen. In dieser Zeit ist auch auf den Recyclinghöfen die Grüngutabgabe aufgrund einer Organisationsänderung nicht möglich. Die Grüngutannahme auf dem Gelände von Hauke Erden in Öhringen ist ab sofort bis 10.01.21 für private Anlieferer geschlossen.

Es gelten bestimmte Regeln

Bei der Anlieferung auf den Recyclinghöfen sind bestimmte Regeln zu beachten, die vor Ort ausgehängt sind. An erster Stelle steht der Schutz der Mitarbeiter und der Anlieferer, um eine weitere Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Die Materialien müssen zu Hause vorsortiert werden, damit das Entladen zügig erfolgen kann.  Es werden nur Anlieferungen mit haushaltsüblichen Mengen angenommen, um allen Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit der Entsorgung bieten zu können.  Die Anlieferer müssen in ihren Fahrzeugen sitzen bleiben bis sie auf den Hof fahren dürfen. Nach dem Einlass ist es einer Person gestattet, die mitgebrachten Materialien zu entsorgen. Auf dem gesamten Gelände gilt Maskenpflicht. Mitfahrer bleiben über diese Zeit im Fahrzeug sitzen. Der Sicherheitsabstand zum Personal und den anderen Anlieferern ist stets einzuhalten. Es dürfen sich maximal vier Fahrzeuge gleichzeitig auf dem Schwerpunkthof-Gelände befinden. „Wir bitten die Anlieferer sich an diese Regeln zu halten, um sich und andere zu schützen“, betont Joachim Bahr, Bereichsleiter Entsorgungsanlagen.

Mitarbeiter:innen sollen geschützt werden

Die Abfallwirtschaft trifft diese Maßnahmen, um die Mitarbeiter:innen zu schützen und die Verbreitung des Coronavirus weiter einzudämmen.  Die aktuellen Öffnungszeiten aller Entsorgungsanlagen stehen in der Abfall-App „Abfallinfo HOK“. Sie ist stets aktuell und informiert über alle anstehenden Veränderungen rund um das Thema Abfall. Sie steht in den gängigen App-Stores kostenlos zum Download zur Verfügung. Weitere Informationen auf der Homepage der Abfallwirtschaft www.abfallwirtschaft-hohenlohekreis.de. Gerne berät das Team der Service-Hotline telefonisch unter 07940 18-555.

Joachim Bahr weist auf die Anlieferregeln auf den Recyclinghöfen hin. Quelle: Abfallwirtschaft des Hohenlohekreises

Text: Dr. Sandra Hartmann

 

„Lockdown-Lösung Gelber Sack“. Flyer: Abfallwirtschaft Hohenlohekreis




An alle Eltern dieser Welt…

Der zweite harte Lockdown – eigentlich ein Shutdown – und damit einhergehend Schulschließungen kam für einen Großteil der arbeitenden Elternschaft dann doch überraschend. Zuerst hieß es, dass die Schulen bis zum 23. Dezember 2020 offen haben würden, dann kursierten die ersten Meldungen über eine mögliche Schließung bereits am 18. Dezember 2020, dann einigte man sich in Baden-Württemberg darauf, dass Eltern freiwillig entscheiden durften, ob ihre Kinder die letzten Schultage in diesem Jahr homeschooling machen sollten oder doch lieber Präsenzunterricht.

Mal so, mal so, mal doch wieder anders

Nun der Paukenschlag: Den Eltern wird die Entscheidung von der Bundesregierung kurzerhand abgenommen. Am Sonntag, den 13. Dezember 2020, verkündet diese in einer Pressekonferenz, dass in drei Tagen, also ab Mittwoch, den 16. Dezember 2020, alle Schulen schließen werden beziehungsweise ins homeschooling übergehen (wir berichteten).

Und ab ins home office, wenn’s denn möglich ist

Was aber bedeutet das für die Millionen berufstätigen Eltern, die sich ihre ohnehin schon knapp bemessenen Urlaubstage (angesichts der rund doppelten Anzahl an Schulferientagen im Jahr) eigentlich für die ohnehin schon zweiwöchigen Weihnachtsferien aufgespart haben? Glücklich sind diejenigen, die von ihren Firmen die Möglichkeit haben, ab dem 16. Dezember ebenfalls ins home office zu wechseln, um dann parallel homeschooling zu veranstalten. Wir können uns alle noch dunkel an den ersten Lockdown erinnern, bei welchem die Doppelbelastung einige Familien verständlicherweise an ihre Belastungsgrenzen gebracht hat. Aber wie erst muss es den berufstätigen Eltern gehen, die  eben nicht von zu Hause arbeiten können?

Die dürfen nun wieder bei ihrem Chef antraben

Die dürfen ab morgen wieder beim Chef antraben und geknickt sagen, dass sie ab Mittwoch wieder einmal nicht mehr zur Verfügung stehen – am besten Fall in einer Firma, die sowieso derzeit unter Coronavorzeichen Personal abbaut. Oder sie versuchen, die Großeltern zu aktivieren, sich um ihren Nachwuchs und das damit verbundene homeschooling zu kümmern – am besten mit einem kleinen Geschenk im Gepäck – Masken und Desinfektionsmittel würden sich hier anbieten.

Wenn schon Shutdown, dann doch bitte richtig

Daher: Wenn schon ein Shutdown, dann doch bitte richtig. Das heißt: Alles zumachen. Auch die Firmen. Es ist ja paradox, dass man nichts mehr machen darf, außer zu arbeiten. Eigentlich gehört auch das auf Eis gelegt und nur noch die wichtigsten Notstromversorgungsaggregate sollten offen haben –  Supermärkte, Krankenhäuser, Apotheken. Hier können dann auch Singles, deren Firma nun erst einmal mit staatlichen Unterstützungsgeldern stillgelegt ist, aushelfen, damit ihnen nicht langweilig wird in dieser bedeutungsvollen Zeit. Oder sie unterstützen verzweifelte Eltern beim homeschooling, während diese ihren systemrelevanten Berufen nachgehen können.

Wir hätten in jedem Fall ein paar gute Argumente für Sie, wenn Sie morgen Ihrem Chef gegenüber stehen und ihm erklären müssen, dass Sie ab Mittwoch nur noch bedingt einsatzfähig sind:

Die besten Ausreden

1. Ich hatte sowieso schon auffälliges Halskratzen und leicht erhöhte Temperatur, hüstel, hüstel, von daher haben Sie keinen Verlust einer arbeitenden Person zu verzeichnen, sondern einen Coronakranken weniger in Ihrem Büro.

2. Der Weihnachtsmann hat in diesem Jahr exponentiell viele Amazongeschenke zu verteilen und bat mich, ihm ab Mittwoch zu helfen – als 7. Rentier

3. Ich bin eigentlich nicht der Home-Office-Typ, denn zu Hause kann ich schlecht Privates und Berufliches trennen. Das führt dazu, dass ich Rund-um-die-Uhr arbeite. Daher schicken Sie mich bitte, bitte nicht nach Hause, um zu arbeiten

4. Ich liebe Ihre Kinder und würde mich gerne bereiterklären, völlig selbstlos, wie Sie mich kennen, sie bei mir zu Hause zu unterrichten

5. In meinem Büro krabbeln überall so komische kleine Tiere mit dickem Panzer herum. Ich weiß nicht, ob der Kamerjäger da mal…

Text: Dr. Sandra Hartmann




„Es gibt eine Überbetonung von Minderheiten, die zu Wort kommt und die Mehrheit dadurch gar nicht mehr gehört wird“

Der Dekan der evangelischen Kirche in Künzelsau, Dr. Friedemann Richert, hat ein Buch geschrieben, das nun veröffentlicht wurde. Der etwas sperrige Titel: „Das lateinische Gesicht Europas. Gedanken zur Seele eines Kontinents.“ Und auch wenn es zunächst nicht danach klingt, greift Richert in seinem Buch viele aktuelle Themen auf. GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann hat mit ihm über die Kultur und Werte des Westens gesprochen, über Zuwanderung und eine falsch verstandene Toleranz.

GSCHWÄTZ: Worum geht es in Ihrem Buch?

Richert: Hintergrund ist die Zuwanderungsthematik und gleichzeitig auch zum einen die politische Gegenwart und zum anderen die Tradition unseres Herkommens. Es geht um unsere Wurzeln.

„Leben und leben lassen“

GSCHWÄTZ: Welche Wurzeln sind das?

Richert: Wir haben eine Grundform: Leben und leben lassen. Wir zeichnen uns durch ein plurales Europa aus, durch Vielfältigkeit mit einem christlichen Fundament. Das kommt von der Antike. Wir tauschen Argumente mit anderen aus in dem Verständnis, dass der andere auch recht haben kann.

Sehen Sie diese Werte nun in Gefahr?

Richert: Es findet derzeit eine Umdeutung grundlegender gesellschaftlicher Begriffe statt. Nehmen wir nur mal den Begriff Gerechtigkeit. Gerechtigkeit hat sich einst auf die Gemeinschaft, auf das Gemeinwohl bezogen. Durch die identitäre Denkentwicklung haben wir eine ,Identitätsgerechtigkeit‘ entwickelt. Das heißt: Jeder proklamiert für sich Gerechtigkeit gegenüber der Mehrheit. Das ist legitim. Aber wir haben dadurch derzeit eine Diskriminierung, zum Beispiel gegenüber alten weißen Männern.

„Diskriminierung betrifft auch die alten weißen Frauen“

GSCHWÄTZ: Aber diese so genannten ,alten weißen Männer‘ waren doch lange genug an der Macht. Was ist schlimm daran, dass andere jetzt an diesem Thron ruckeln?

Dekan: Diese Diskriminierung betrifft ja nicht nur die alten weißen Männer, sondern auch die alten weißen Frauen – wie Alice Schwarzer zum Beispiel.

GSCHWÄTZ: Inwiefern?

Richert: Es gibt eine Überbetonung von Minderheiten, die zu Wort kommen und die Mehrheit dadurch gar nicht mehr gehört wird. Deswegen haben die rechten Parteien so einen Zulauf und die Gesellschaft spaltet sich.

GSCHWÄTZ: Was macht denn Europa für Sie aus?

Richert: Warum wollen alle nach Europa? Wir haben kulturelle Errungenschaften wie Ziegel auf den Dächern. Das kam übrigens von den Mönchen, ebenso wie die Maultaschen und das Bier. Wir haben in Europa eine Bildungskultur, deren Ursprung in den Domschulen liegt. Diese haben Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen hervorgebracht. Die Universität ist ebenfalls eine Erfindung der lateinischen Kirche. Es gibt einen gemeinsamen Bildungshorizont in Europa und eine Vielfalt an geistigen Errungenschaften. Wir haben durch die Schule den Begriff der ,Person‘, der individuellen Persönlichkeit, eingeführt. Das spiegelt sich ja auch in Worten wider wie Personenkraftwagen oder Personenwaage.

„Die Zukunft ist positiv besetzt“

GSCHWÄTZ: Aber gibt es diesen Begriff nicht in allen Kulturen?

Richert: In der arabischen, afrikanischen, asiatischen und indischen Kultur gibt es das nicht, da die Gemeinschaft das zentrale ist und nicht die Person. Neben der Person gibt es in unserer Kultur einen anderen Zeitbegriff im Vergleich zu anderen Kulturen.

GSCHWÄTZ: Können Sie das näher ausführen?

Richert: Die Zukunft ist positiv besetzt. Getreu dem Motto: „So wie die Zukunft zu denken sein kann, ist die Gegenwart zu beurteilen.“ Das entspricht dem Futur 2: „Ich werde gewesen sein“. Dieses Denken an die Zukunft ist die Voraussetzung für die Forschung. In der arabischen Kultur ist der Blick immer nach hinten gerichtet, nicht nach vorne. Warum funktioniert denn Entwicklungshilfe nicht? Die Zukunft ist für diese Kulturen eine Nicht-Zeit.

„Bei zugewanderten Kulturen wird heutzutage immer noch sehr schnell das Messer gezückt“

GSCHWÄTZ: Sie haben zu Beginn unseres Gespräches von drei Punkten gesprochen. Zwei haben Sie genannt. Den Begriff der Person, die Zeit und was ist der dritte Punkt?

Richert: Das Recht. Das Recht ist in Europa durch die Kirche namhaft geworden, die Dreiteilung vor Gericht etwa, durch den Richter, den Staatsanwalt und den Verteidiger. Wir haben ein Rechtssystem, in welchem man Verträge einhalten muss. Die Vereinigten Staaten haben im Prinzip dieselbe Vertragskultur, nur dass sie eine andere Orientierung haben. Während es bei uns nicht nur darum geht, schnell Profit zu machen, sondern man auch einen guten Ruf haben möchte, etwa beim Thema Klimaschutz.

GSCHWÄTZ: Aber das war ja nicht immer so. Immerhin gab es auch christliche Kreuzzüge.

Richert: Am 07. August 1495 hat Kaiser Maximilian I. den Ewigen Landfrieden verkündet: Konflikte dürfen nicht mehr mit Waffen und Gewalt ausgetragen werden. Hier wurde der Grundstein für den Rechtsstaat gelegt. Bei zugewanderten Kulturen wird heutzutage immer noch sehr schnell das Messer gezückt, etwa bei den Arabern.

„Ich fürchte um unseren Landfrieden“

GSCHWÄTZ: Sie kommen jetzt auf die Migrationsdebatte zu sprechen?

Richert: Die derzeitige Entwicklung ist, dass linke und rechte Ränder erstarken und dass ein bestimmter Teil der Migranten eher zu Tätlichkeiten neigt. Ich fürchte um unseren Landfrieden. Der Polizei muss ich aber an dieser Stelle zubilligen, im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten zu agieren. Obwohl allein schon die mediale Berichterstattung sehr polizeikritisch ist.

GSCHWÄTZ: Was fordern Sie?

Richert: Wir sind für alle offen, aber sie müssen unsere Kultur achten und sich zu eigen machen und da gibt es auch keinen kulturellen Nachlass, zum Beispiel dahingehend, dass Gewaltanwendung gar nicht geht und dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind. Die orthodoxe Linie hinterfragt auch nicht, die sagen sich einfach: So ist es, zum Beispiel das Kopftuchgebot für Frauen.

„Politiker sollten die christliche Kultur wieder als eine Leitkultur einfordern“

GSCHWÄTZ: Aber letzten Endes kann doch jeder seinen Glauben leben, wie er möchte?

Richert: Das sehen zumindest wir so. Wir haben eine ,positive Religionsfreiheit‘. Das bedeutet: Ich kann meinen Glauben leben, ohne dass ich von jemandem daran gehindert werde.“ Aber bei der Kopftuchfrage im Unterricht triumphiert eine Minderheit über die Mehrheit und das erzeugt eine negative Stimmung in der Gesellschaft. Politiker sollten die christliche Kultur wieder als eine Leitkultur einfordern.

GSCHWÄTZ: Meinen Sie das auch im Hinblick auf die Flüchtlingsdebatte?

Richert: Migration spaltet die Gesellschaft dermaßen. Thomas von Aquin hat gesagt: ,Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit ist Tyrannei. Aber Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit ist Willkür‘.

„Es gibt kein Recht darauf, nach Europa zu kommen“

GSCHWÄTZ: Was bedeutet das Zitat bezogen auf die Flüchtlingsdebatte?

Richert: Flüchtlinge haben etwa kein Recht darauf, in Europa an einen bestimmten Ort zu kommen und es gibt auch kein Recht darauf, nach Europa zu kommen. Wir riskieren hier unseren harmonischen Frieden.

GSCHWÄTZ: Warum?

Richert: Wenn die Flüchtlinge eine ähnliche Kultur hätten, wäre eine Integration leichter möglich. Wir können diesen Sozialstatus nicht halten, das ist nicht leistbar auf eine längere Zeit. Wir sind eine freie und offene Gesellschaft und jeder ist herzlich willkommen, der unsere Spielregeln spielt und sich zu eigen macht. Leben und leben lassen innerhalb der geltenden Gesetze muss das Ziel sein. Aber wichtig ist auch, dass wir unsere Wurzeln wieder achten, pflegen und einfordern.

 

 

 




Dornröschenschlaf für Deutschland

Ab Montag, den 02. November 2020, sinkt Deutschland für einen Monat in einen Dornröschenschlaf. So zumindest will es die Bundesregierung, die versucht, mit diversen Maßnahmen (wir berichteten https://www.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/dateien/PDF/Coronainfos/201028_Corona_Massnahmen_A4_lang_V3.pdf), den steigenden Coronazahlen Herr zu werden (aktuelle Zahlen für den Hohenlohekreis gibt es hier: https://www.corona-im-hok.de/). Kurz – und vielleicht auch etwas überspitzt – gesagt: Alles, was Spaß macht, ist ab Montag wieder weitestgehend verboten beziehungsweise es wird einem davon abgeraten, wie etwa Freunde und Familie zu treffen, Sport in einem Verein zu machen, ins Theater oder ins Kino zu gehen, auch Schwimmbäder müssen schließen, ebenso wie Restaurants und Kneipen. Dadurch sollen die Coronazahlen wieder sinken.

Erkältungszeit und schon gehen die Coronazahlen wieder hoch – das ist wenig überraschend

Das Paradox: Dass die Zahlen wieder steigen, liegt weniger an Hotspots, die in Restaurants oder Kinos entstanden sind. Diese haben in der Regel vorbildlich versucht, die zahlreichen Hygienevorschriften bestmöglich umzusetzen. So stand etwa am Eingang der Therme in Sinsheim ein Körpertemperaturscanner. Die Kinobesucher hielten Abstand zu anderen Besuchern, fast überall gab es die Möglichkeit von Onlinereservierungen wegen eines reduzierten Platzangebots aufgrund der Abstandsregelungen. Die steigenden Coronazahlen rühren vielmehr auch von der kälteren Jahreszeit, die Erkältungen sowie grippale Infekte befördern. Diese wiederum bringen Coronasymptome als Begleiterscheinung mit, ergo lassen sich wieder mehr Menschen auf Corona testen, was wiederum dazu führt, dass bei mehr Menschen Corona festgestellt wird, die sich ohne derartige Symptome vermutlich gar nicht hätten testen lassen. Des Weiteren ist ein schwächelndes Immunsystem etwa in einer kälteren Jahreszeit anfälliger für Coronaviren.

Was bringt das Herunterfahren des Freizeitbereiches?

Die Gesundheitsämter auch im Hohenlohekreis haben ihre Personalkapazität mithilfe der Bundeswehr aufgestockt  (wir berichteten). Das Ziel: Schneller Hotspots entdecken und die Menschen benachrichtigen, die Kontaktpersonen von Coronaerkrankten sind, um eine weitere Ausbreitung zu vermeiden.

Was aber bringt das Herunterfahren des Freizeitbereiches im November? Nicht viel, warnen doch Ärzte und Wissenschaftler eher davor, dass psychische Krankheiten und Angstzustände seit Corona sowieso schon zunehmen und Lockdowns die Situation verschärfen. Denn: Sport und Spaß sind eigentlich gute Heilsbringer für ein starkes Immunsystem. Nun kann man noch diszipliniert alleine im Wald joggen gehen, aber das soziale Miteinander fehlt irgendwann dann doch. Die Vereinsamung unter der Maske droht – gerade in Stimmungstief-Zeiten wie dem Herbst. Da hilft dann auch nicht die Aussicht auf Weihnachten, die Bundeskanzlerin Angela Merkel postuliert, weil jeder weiß: Auch an Weihnachten wird nichts normal sein. Die Maske wird uns noch lange begleiten.

Auch an Weihnachten wird nichts normal sein

Zum einen werden also nun entgegen der Meinung von diversen angesehen Wissenschaftler und Ärzte (wir berichteten) Freizeitaktivitäten auf ein Minimum reduziert. Zum anderen soll aber das Volk weiterhin arbeiten – bestenfalls im staatlich empfohlenen home office. Nur: Auch Büroarbeit klappt langfristig häufig besser von Angesicht zu Angesicht, insbesondere wenn man komplexere Sachverhalte gemeinsam anschauen muss. Abgesehen davon können Krankenschwestern, Pfleger, Kassierer, Ärzte und Müllarbeiter auch nicht einfach ins home office verschwinden. Sie sollen angesichts steigender Zahlen weiterhin arbeiten, aber der Freizeitausgleich wird ihnen gestrichen. Psychologisch gesehen setzt das Menschen noch mehr unter Druck – und Aggressionen und Gewalt können daraus entstehen. Auch Polizisten bekamen dies zu spüren, unter anderem unlängst in Frankfurt https://www.hessenschau.de/panorama/mit-steinen-flaschen-pfefferspray-jugendliche-attackieren-polizisten-in-frankfurt-,angriff-polizeistreife-100.html

Die Polizei – dein Freund oder Feind?

Andererseits denken führende Politiker laut darüber nach, die Kompetenzen der Polizei zu erweitern. So ruderte unlängst der SPD-Politiker Karl-Lauterbach nach heftiger Kritik unlängst wieder zurück, nachdem er angesichts der drastisch gestiegenen Corona-Infektionszahlen zuvor Kontrollen in privaten Räumen gefordert hat. „Wir befinden uns in einer nationalen Notlage, die schlimmer als im Frühjahr werden kann. Die Unverletzbarkeit der Wohnung darf kein Argument mehr für ausbleibende Kontrollen sein“, sagte Lauterbach der  Rheinischen Post. „Wenn private Feiern in Wohnungen und Häusern die öffentliche Gesundheit und damit die Sicherheit gefährden, müssen die Behörden einschreiten können.“ https://www.hna.de/politik/corona-zahlen-news-lauterbach-kontrollen-polizei-privatwohnungen-coronavirus-merkel-kassel-hna-90083279.html

Es haben sich zwei Lager gebildet

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Es ist richtig und wichtig, dass man Maßnahmen, die tief in die deutschen Grundrechte eingreifen, kritisch hinterfragt oder auch demonstriert. Das fordert schon die deutsche Geschichte von uns ein. Aber bei Gewalt hört das Verständnis auf. Auch wir merken anhand der Kommentare, die uns täglich erreichen zu diesem Thema, dass sich zwei Lager gebildet haben – die Menschen, die den Kurs der Regierung befürworten und alle Maßnahmen bestmöglich versuchen umzusetzen und diejenigen, die die Maßnahmen kritisch sehen oder gänzlich ablehnen. Zusätzlich gibt es diejenigen, die Covid-19 gänzlich in Frage stellen.

Was ist richtig, was ist falsch?

Was ist richtig, was ist falsch? Das wird sich erst rückblickend in einigen Jahren sagen lassen. Aber was jetzt wichtig ist: Dass wir einen offenen Diskurs zulassen über diese Pandemie und die Maßnahmen, mit der wir ihr begegnen. Dass wir uns trauen, unsere Meinung zu sagen, wohlwissend, dass die durch ständig neue Erkenntnisse diese nicht in Stein gemeißelt werden kann. Dass wir immer im Diskurs bleiben mit anderen, die nicht dieselbe Meinung haben wie wir. Durch den Dialog können wir vielleicht dafür sorgen, dass sorgen wir dafür der Riss, der sich allmählich durch alle gesellschaftliche Schichten zieht, nicht noch tiefer wird und eine endgültige Spaltung verursacht. Amerika dient hier als eine nicht zu unterschätzende Blaupause.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann




Was ist an diesem Lockdown denn light?

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ Erinnern Sie sich an diesen Satz? Bestimmt. Nur wer hat ihn gesagt? Nein, es war nicht der DDR-Regierungschef Erich Honecker, sondern es war Walter Ulbricht, Vorsitzender des Staatsrates der DDR. Nur wenige Wochen nach seinem historischen Satz wird die Mauer gebaut, die West- und Ostdeutschland für die folgenden 28 Jahre trennt. Natürlich kann man die Coronakrise nicht mit der Teilung von Ost und West vergleichen. Aber dennoch bringen sich Politiker auch heute wieder in eine ähnliche Lage wie Walter Ulbricht. Nach dem ersten Lockdown sollte es nach Ansicht diverser Politiker keinen zweiten geben. Nun also doch. Und zwar schneller als gedacht.

Lockdown light, aber was genau ist daran light?

Am Mittwoch, den 28. Oktober 2020, beschloss die Bundesregierung in Absprache mit den Länderchefs ein Maßnahmenpaket, dass es in sich hat und auch nicht erst wie ursprünglich geplant, ab Mittwoch, den 04. November 2020, gelten soll, sondern bereits ab Montag, den 02. November 2020. Der wesentliche Unterschied zu dem ersten Lockdown im Frühjahr: Die Schulen, Kitas, Frisöre und die kleinen Geschäfte sollen (vorerst) weiterhin geöffnet bleiben. Hier die wichtigsten Einschränkungen für den Monat November 2020 https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/alle-meldungen/meldung/pid/weitere-massnahmen-zur-einschraenkung-der-corona-pandemie/

siehe auch Grafik unten):

  • keine Reisen mehr, auch nicht zu Verwandten
  • Kontakte sollten generell auf ein Minimum reduziert werden
  • Im öffentlichen Raum dürfen sich nur noch Personen aus zwei Haushalten treffen, höchstens aber zehn Personen
  • Private Feiern sind verboten
  • Verstöße gegen die Kontaktbeschränkungen werden entsprechend von den Ordnungsbehörden sanktioniert, dafür verstärken Bund und Länder die Kontrollen
  • Restaurants, Kultur- und Freizeiteinrichtungen wie Kinos, Schwimmbäder, Theater, Freizeitparks müssen wieder schließen
  • Firmen sind angehalten, möglichst viel home office für die Mitarbeiter anzubieten
  • Übernachtungsangebote sind nur noch für notwendige und nicht touristische Zwecke gestattet.

Reichen diese Beschränkungen überhaupt aus oder macht man alles umsonst?

So schnell kann der Alltag sich wieder verwandeln in ein Maßnahmenpaket. Zwar wird der zweite Lockdown als Lockdown Light bezeichnet, aber was heißt das schon, wenn man nur an Cola light denkt, das eher schlechter als besser schmeckt als das original Cola? Denn: Wieder gilt es, weitreichende Eingriffe in die menschlichen Grundrechte hinzunehmen, um der Eindämmung des Virus genüge zu leisten, wie etwa bezüglich der Reisefreiheit. Die große Frage: Reichen diese Maßnahmen überhaupt aus, um das Virus in den Griff zu bekommen? Diverse kritische Stimmen fragen sich inzwischen, ob dieses Maßnahmen nicht die menschliche Seele und die Wirtschaft mehr belasten, als dass sie am Ende wirklich helfen, das Virus unter Kontrolle zu bringen.

Ärzte und Wissenschaftler gegen weiteren Lockdown

Nun mischt sich sogar der ansonsten sehr regierungsnahe Virologe Hendrick Streeck unter die kritischen Stimmen. Zusammen mit dem Virologen Jonas Schmidt-Chanasit und mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung haben sie ein Positionspapier (Titel: „Gemeinsame Position von Ärzteschaft und Wissenschaft“) erarbeitet, in welchem sie erörtern, warum sie einen zweiten Lockdown nicht befürworten. Dieses stellten sie in einer Online-Pressekonferenz vor, kurz bevor der zweite Lockdown von der Bundesregierung beschlossen wurde. https://www.welt.de/politik/deutschland/article218811510/Corona-Virologen-und-Aerzte-stellen-sich-gegen-Lockdown.html

Alte und Kranke müssten besser geschützt werden

Darin fordern sie unter anderem, die Alten und (Vor-)Erkrankten besser zu schützen, Vorkehrungen und Tests in Pflegeheimen und Kliniken seien nicht systematisch genug. Zudem müsse auch für Menschen der Risikogruppen, die zu Hause leben, Schutz etabliert werden – etwa Masken und Tests, um Besuch bekommen zu können.

Nicht zu unterschätzende Nebenwirkungen wie Vereinsamung

Die Ärzte und Wissenschaftler warnen zudem vor diversen nicht zu unterschätzenden Nebenwirkungen der Corona-Maßnahmen. Unter anderem sehen sie die Gefahr, dass durch die Kontaktverbote die Vereinsamung insbesondere von Kindern und Jugendlichen begünstigt  sowie „Brüche in Bildungs- und Berufsausbildungsgängen, den Niedergang ganzer Wirtschaftszweige, vieler kultureller Einrichtungen und eine zunehmende soziale Schieflage als Folge“, schreiben die Autoren in dem Papier.

Bis Weihnachten wird gar nichts in Ordnung sein

Grundsatz müsse sein, die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie so zu wählen, „dass wir schwere Verläufe wirksam mindern, ohne neue Schäden zu verursachen“. Auch das So-tun-als-ob-bis-Weihnachten-alles-wieder-in-Ordnung-sei sei nicht zielführend. Denn: Auch im nächsten und übernächsten Jahr müssten die Menschen an Weihnachten mit dem Virus leben. Daran ändere auch ein möglicher Impfstoff nichts.

Im Fazit der Experten heißt es: „Wir setzen auf Gebote anstelle von Verboten, auf Eigenverantwortung anstelle von Bevormundung.“ Verbote oder Bevormundung hätten „eine kurze Halbwertszeit“. Sie entsprächen für die Autoren nicht dem Verständnis einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Text: Dr. Sandra Hartmann

Hendrick Streeck

 

 

 

 

Am 28. Oktober 2020 beschlossene Corona-Maßnahmen. Quelle: Regierungspräsidium Baden-Württemberg




Peter Botsch stirbt an Leukämie

Am Freitagvormittag, den 09. Oktober 2020, fährt Heike Botsch (62) ihren Mann Peter (65) ins Diak nach Schwäbisch Hall. Der Grund: Die Blutwerte von Peter Botsch, der an Leukämie erkrankt war, hatten sich dramatisch verschlechtert. Dann geht alles ganz schnell. Die schlechten Blutwerte führen zu einer Blutvergiftung, diese wiederum löst ein multiples Organversagen aus. Am Sonntagvormittag, den 11. Oktober 2020, stirbt das Annaweech-Bandmitglied und der Möbelbauer Peter Botsch aus Künzelsau im Alter von nur 65 Jahren. Er hinterlässt eine Frau, zwei Kinder und 2 Enkelkinder.

Nicht damit gerechnet

Nie im Leben habe sie damit gerechnet, als sie ihren Mann am Freitag ins Krankenhaus gefahren habe, sagt seine Frau gegenüber GSCHWÄTZ auf Nachfrage. Peter Botsch habe keine schwere Form von Leukämie gehabt, sondern eine leichte. So ist Peter Botsch trotz seiner schweren Erkrankung überraschend gestorben.

Der Musiker durfte im Kreise seiner Familie im Diak in Schwäbisch auf der Intensivstation einschlafen. Wichtig ist Heike Botsch, zu sagen, dass das Team im Diak “ so bemüht und liebevoll war. Sie haben uns mitgetragen auf diesem schweren Weg.“

Unerschütterlicher Humor

„Sein unerschütterlicher Optimismus, sein Humor, seine Liebenswürdigkeit, sein Weitblick“, werden ihr fehlen. Aber auch, dass er eine Meinung hatte und diese auch gesagt habe. Unsere Jungs würden sagen: „Unser Vater ist unglaublich meinungsstabil“, sagt Heike Botsch und muss dabei schon fast schmunzeln. 41 Jahre waren sie verheiratet. Zwei Drittel ihres Lebens haben sie gemeinsam verbracht.

Öffentliche Beerdigung

Im Namen der Familie bittet Heike Botsch auch im Vorfeld der Beerdigung und bei der Beerdigung selbst um eine stille Anteilnahme und von öffentlichen Trauerbezeugungen abzusehen.

Die Beerdigung ist am Freitag, den 23. Oktober 2020, auf dem Friedhof in Künzelsau. Es ist eine öffentliche Beerdigung unter Beachtung der geltenden Coronavorschriften.

Der Zugang zur Kirche der Familie vorbehalten. Die Feierlichkeit wird nach draussen übertragen.

Text: Dr. Sandra Hartmann




Mr. Nice Guy

Irgendwann ist eben auch mal gut. Volker Lenz wollte nicht mehr. So gab der damalige Künzelsauer Rathauschef vor zehn Jahren das Regierungsruder des Kreisstädtchens frei für einen Nachfolger. Bei der Wahl durchsetzen konnte sich Stefan Neumann, der besonders durch sei junges Alter und seine charismatische Art auffiel. Die Künzelsauer wählten mit ihm auch ein neues, junges Künzelsau. Und so kam es denn eigentlich auch.

Wenn das große K nicht wär…

Denn der 37-Jährige steht wie kein anderer Bürgermeister für Familie, für Kinderfreundlichkeit und tut auch viel in dieser Hinsicht. Nicht zuletzt hat er selbst drei Kinder, für die er auch in Elternzeit gegangen ist – nicht ohne Kritik von manchen Seiten zu ernten für sein nicht ganz so bürgermeisterkonformes Verhalten in dieser Hinsicht. Aber was manchen missfällt, loben wiederum die anderen. Mitarbeiterinnen schätzen die flexiblen, familienfreundlichen Arbeitszeiten im Rathaus, seit Neumann da ist. In seinem Büro kann schon mal Kinderspielzeug liegen, weil er sich gemeinsam mit seiner Frau um den Nachwuchs kümmert. Das ist modern, keine Frage – besonders für den Hohenlohekreis.

Ein Neigschmackter

Stefan Neumann ist ein – wie sagen wir hier doch gleich? – Neigschmackter. Ihm hat es von seiner Geburtsstadt Schwedt unter anderem nach Forchtenberg als Kämmerer verschlagen. Als er hörte, dass in Künzelsau die Bürgermeisterstelle frei wird, hat er nicht lange überlegt und auch, wie er gegenüber Ganerben-Achtklässlern vor nicht allzu langer Zeit freimütig zugab, daran geglaubt, dass er die Wahl gewinnt. Neumann hat Werte wie die Familie, die er hochhält und lebt. Familienfreundliche Angebote in der Stadt haben sich seit seiner Amtszeit massiv ausgeweitet.

Alleinstellungsmerkmal Flussfreibad

In das Kocherfreibad hat die Stadt laut eigenen Aussagen eine Million Euro investiert, um es fit zu machen für die Zukunft, Flussfreibäder sind selten und so hat er gut daran getan, Künzelsau dieses Alleinstellungsmerkmal zu erhalten. Mit Neumann kam auch der Waldkindergarten auf den Taläckern, nun auch eine neue private Kita in Nagelsberg. Er setzt sich ein für grüne Ideen und erzählt von seinen Hühnern, die sie daheim halten.

Keine Hau-drauf-Methode

Neumann ist nett, beliebt und engagiert sich für Dinge, die ihm am Herzen liegen – unter anderem in der Feuerwehr. Er wurde vor zwei Jahren wiedergewählt als Bürgermeister (siehe Video https://www.youtube.com/watch?v=XfirFLH1nIk&t=123s ) und doch bröckelt seitdem etwas der Glanz des Mr. Nice Guy. Es geht um das große K und dessen Schließung, das in seiner Amtszeit vollzogen wurde. Künzelsau hat sein Krankenhaus verloren. Und so nett Neumann als Bürgermeister ist, viele hätten sich hier manches Mal einen Volker Lenz mit seiner Schröderschen Auf-den-Tisch-Hau-Methode zurückgewünscht. Doch Neumann ist dafür zu liberal, zu harmoniebedürftig. Versucht auch in der Schließung noch das beste zu sehen und hofft auf einen anständigen Gesundheitscampus – der derzeit wohl laut der Stadtverwaltung Künzelsau unter anderem ein Hospiz beinhaltet – der irgendwann noch kommen soll für Künzelsau – ebenso wie ein neues Landratsamt (neuerdings Kreishaus genannt), das irgendwann in Künzelsau gebaut werden soll. Es gibt im wahrsten Sinne noch genügend Baustellen in der Stadt. Das weiß Neumann selbst.

Baustellen

„Es gibt noch viel zu tun und gemeinsam können wir unsere Stadt weiterentwickeln“, so Stefan Neumann in einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau zu seinem Dienstjubiläum. „Es geht darum, die Aufgaben der Zukunft aktiv anzupacken. Viele Themen und Ziele haben uns bisher bewegt, wir haben zahlreiche Projekte schon auf den Weg gebracht, andere Dinge sind gerade am Entstehen.“ Dazu zähle der Ausbau des regionalen Netzwerkes Hohenlohe+, in dem die fünf Mittelzentren und Unternehmen der Region gemeinsam dem Fachkräftemangel begegnen wollen.

Stefan Neumann kurz vor seiner Wiederwahl vor zwei Jahren. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv




Frauen zurück an den Herd

Nein, das ist kein Text mit „Emanzenrumgeheule“, wie nun vielleicht man(n) etwas despektierlich äussern würde. Es geht hier nicht um die reine Selbstverwirklichung der Frau vor allem anderen – auch vor der Familie. Oder warten Sie mal. Vielleicht geht es doch ein bisschen darum in meinem Kommentar. Aber beginnen wir doch bei dem Auslöser allen Übels: bei Corona.

Harte Maßnahmen

Seit der Spanischen Grippe hat es kein Virus mehr gegeben, das die Welt zur selben Zeiten in annähernd ähnlicher Weise lahmgelegt hat wie Covid-19. Es gibt zwar bislang weit weniger Tote als bei der Spanischen Grippe, aber dafür werden länderübergreifend auch harte Maßnahmen ergriffen, um möglichst wenig Tote zu bekommen. Die Gesundheit der Menschheit steht derzeit vermeintlich an oberster Stelle.

Digitales homeschooling soll weitergehen

Um nicht neue Hotspots heraufzubeschwören, werden unter anderem Schulen monatelang geschlossen beziehungsweise nur teilweise wieder geöffnet. Angesichts steigender Zahlen und einer möglichen zweiten Welle wird viel über eine weitere Digitalisierung an den Schulen gesprochen – auch und vor allem nach den Sommerferien. Sprich: Das digitale homeschooling, der Unterricht zu Hause soll besser klappen mit besserer Ausstattung und einer besseren Vernetzung. Jede Schule kocht hier ihr eigenes Süppchen und ob letztendlich die Datenübertragung am lahmen Internet scheitert, da kann man dann noch so ein tolles individuelles Tablet zu Hause haben – geschenkt.

Kostenlose Schulungen für Eltern

Eltern wurden bereits zum Ende des alten Schuljahres angeschrieben von manchen Schulen, dass sie kostenlos eine Schulung im Bereich des digitaliserten Unterrichts besuchen dürfen. Das ist eine nette Geste. Das wird sicher viele Eltern beziehungsweise Mütter freuen, die sich seit März 2020 oft neben ihren eigentlichen Berufen dem Lehredasein zu Hause widmen. Nun auch noch Schulungen, damit das Fernlernen auch in Zukunft besser klappt. Was manche Schulen offensichtlich nicht wissen: Nicht selten wird das Fernlernen nicht durch eine digitale Überforderung der Erziehungsberechtigten gestört (im Gegenteil: hier sind viele Eltern affiner als manch ein Lehrer, der noch Arbeitsblätter abfotografiert und den Eltern in Minimalauflösung zuschickt), sondern schlicht an der fehlenden Zeit der Mütter, die sich diesem Thema häufig im Alleingang annehmen müssen, während der Ehemann seinem handelsüblichen Beruf weitergeht. Die Mütter sind es doch im überwiegenden Maße, die seit März den Spagat zwischen homeschooling, home office, Kurzarbeit und Präsenzarbeit im Büro oder an der Supermarktkasse bewältigen.

Mamis sind die Leidtragenden

Und die Firmen sind es, die dies mittragen, in dem sie die Mamis bestmöglich dabei unterstützen und gewähren lassen, obwohl es viele Berufe gibt, bei denen eine Präsenzpflicht unumgänglich und daheim arbeiten eben nicht so einfach möglich ist. Geschweige denn, dass man auch bei einem monatelangen homeoffice neben homeschooling sicherlich nicht von einem qualitativ besseren Arbeiten sprechen kann – im Gegenteil. Und da bahnt sich die nächste Frage an: Welche Firma macht das auf Dauer mit? Sind wir mal ehrlich. Wären Sie derzeit Peronsalerin, würden Sie ernsthaft Mütter einstellen, die Schulkinder haben? Vermutlich eher nicht, aus Angst, dass die Mamis bald wieder als Arbeitskräfte wegbrechen, wenn die nächste Coronawelle anrollt.

Frauen mit Schulkindern werden aus zukünfitg auf dem Arbeitsmarkt schwerer haben

Ergo: Frauen mit Schulkindern sind auf dem Arbeitsmarkt derzeit vermutlich schwerer vermittelbar als Männer oder Frauen, die bereits erwachsene Kinder haben. Und das bei einer Frauengeneration mit den besten Ausbilungsabschlüssen aller Zeiten. So viel Potenzial bleibt hier auf der Strecke. Fast jeder zweite Arbeitsplatz besetzt in Deutschland eine Frau. Bereits 2002,  also vor 18 Jahren, waren von den 36,5 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland 44 Prozent Frauen (16,2 Millionen). https://www.statistischebibliothek.de/mir/servlets/MCRFileNodeServlet/DEMonografie_derivate_00000307/1021211039014[1].pdf;jsessionid=4D713E68628F2609C3F18AB127D5A338 Diese Zahl dürfte im Laufe der Jahe bis 2020 nicht niedriger geworden sein. Im Gegenteil. 2019 gab es laut dem Statistischen Bundesamt 44, 7 Millionen Erwerbstätige  https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2019/03/PD19_075_132.html

Drei von vier Frauen sind – Stand März 2020 –  in Deutschland erwerbstätig. Das ist der dritthöchste Wert in der EU https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2020/03/PD20_N010_132.html

Wie viele Arbeitsplätze können nun seit Corona nicht mehr ordnungsgemäß ausgeführt werden und werden letzten Endes auch der Wirtschaft viel Geld kosten?

Und bitte kommen Sie mir jetzt nicht mit:

„Das Wohl der Kinder müsste den Frauen wichtiger sein als Karriere“, sagen manche Kritiker, wenn Mütter sich öffentlich und kritisch über die derzeitige Situation beklagen. Darum geht es aber nicht. Es geht nicht um Karriere. Es geht um arbeitende Frauen, die nicht selten sehr gut ausgebildet sind und erst wieder angefangen haben zu arbeiten, nachdem ihre Kinder in den Kindergarten kamen oder in die Schule. Wer kann denn ahnen, dass Corona kommt? Was hätten Frauen tun sollen? Reihenweise ihre Jobs kündigen, um das homeschooling zu gewährleisten? Also versuchen sie wie so wie oft im Leben: den Spagat zwischen allen Stühlen – was schlicht und ergreifend nicht gelingen kann. Erst recht nicht, wenn es noch mehr Coronawellen gibt, die Schulschließungen nach sich ziehen.

Es gilt hier letzten Endes auch die Frauen zu schützen vor einer Überforderung der Familien. Denn sie sind es, die auch bei Schulschließungen häufig noch weiterarbeiten müssen in ihrem angestammten Berufen und auch dort nicht vor Corona fliehen können.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann

Fast jeder zweite Arbeitsplatz besetzt heutzutage eine Frau in Deutschland. Symbolfoto. Quelle: adobe stock

Schreiben einer Schule an die Eltern bezüglich des neuen Schuljahres ab September 2020.