Ja, was jetzt – auf oder zu, Frau Eisenmann?
Zuerst wagte sich Dr. Susanne Eisenmann vor. Es ist noch nicht mal Silvester und damit noch gefühlt Lichtjahre entfernt bis zum Ende der Weihnachtsferien – insbesondere in der Coronazeit, in der jeder Tag ein neues Überraschungsei zum Vorschein bringen kann.
Zu, auf, zu, auf – so schaut Planungssicherheit aus
Aber die baden-württembergische Kultusministerin ließ schon mal verlauten, dass sie nichts davon halte, die Schulen nach den Ferien weiter geschlossen zu halten. https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/eisenmann-praesenzunterricht-in-schulen-im-januar-100.htmlNur wenig später stellte wiederum der Regierungssprecher der Bundesregierung in den Raum, dass er nicht glaube, dass ab dem 10. Januar 2020 wieder alles offen haben werden. Was genau er damit meinte, bleibt erst einmal im Dunkeln. Erst am 05. Januar 2020 wollen die Länderchefs auch über die mögliche Wiedereröffnung der Schulen beraten.
Auch manche Lehrer haben mit digitalem Unterricht so ihre Probleme
Bereits vor den Ferien ließen die Schulen im Ländle in diversen Elternbriefen verlauten, dass die Schulen „mindestens“ bis 10. Januar 2020 geschlossen bleiben. So viel Planungssicherheit war selten. Eisenmann legte die Betonung denn auch auf die Öffnung der Grundschulen, da jüngere Schüler sich schwerer tun mit digitalem Unterricht. Man möchte hier instinktiv hinzufügen: Nicht nur die Schüler, auch manche Lehrer haben damit so ihre Probleme. Aber dazu später.
Noch immer kein digitales Konzept
Die überraschende Schließung der Schulen eine Woche vor den Weihnachtsferien ließ schon diverse Eltern ins Schlingern kommen, die nebenbei noch arbeiten. Aber nicht nur das Akzeptanzproblem gegenüber dem Arbeitgeber bei einer gefühlten Arbeitsunterbrechung von mittlerweile an die 180 Tage im Coronajahr 2020 bereitet vielen Kopfzerbrechen. Hinzu kommt ein in vielen Schulen nach wie vor nicht ansatzweise vorbereitetes adäquates Homeschooling-Konzept. Vor den Ferien bekamen viele Schüler (freiwilligen) Lernstoff mit, allerdings verabschiedeten sich die Lehrer parallel dazu schon mal in die Weihnachtsferien.
Arbeitsblätter an der Schule abholen
Und auch sonst scheint man wenig dafür getan zu haben, den digitalen Unterricht voranzubringen. Digitaler Unterricht gibt es an vielen (Grund-)Schulen tatsächlich immernoch nicht. Lehrer drucken stattdessen Blätterstapel aus, die es dann in Coronazeiten mit Maskenpflicht, Abstand halten und allen anderen AHA-Regeln einzuhalten gelte. Da ist es schon ein Meilenstein, wenn Arbeitsblätter als pdf per E-Mail verschickt werden und das nicht einmal in einer Woche oder noch seltener, sondern jeden Tag das, was die Kinder am Tag darauf machen sollen. So wären es immerhin mundgerechte Häppchen und nicht ein riesiger Truthahn, den sich die Kleinen selbst irgendwie zurechtschneidern müssen.
Der Kontakt zur Lehrkraft fehlt, ist aber unabdingbar
Weiter sind da schon die Schulen, die eine Lernplattform anbieten, in welcher sie die Aufgaben zum Bearbeiten stellen. Aber auch hier braucht es einen aktiven Kontakt mit dem Lehrer, am besten täglich. Schulen wie in Mulfingen und die Anne-Sophie-Schule haben gezeigt, dass es möglich ist, jedem Schüler mit einem Tablet auszustatten. Der Hohenlohekreis ist kein armer Landkreis, hinzu kommen etliche Firmen, die in diesem Bereich sicher finanziell auch unterstützen würden. Auf diesem Tablett sollten dann nicht nur Videokonferenzen stattfinden, sondern auch digitaler Frontalunterricht. Sprich: Es reicht nicht aus, sich nach dem Wohlbefinden eines jeden einzelnen zu erkundigen – was sicher auch wichtig ist, aber zum Schulunterricht gehört nun mal auch Wissensvermittlung). Stattdessen sollte die Lehrkraft daher neue Dinge an der Tafel oder auf einem Blatt erklären und sich beziehungsweise den neuen Stoff dabei filmen. Diesen Unterricht verfolgen die Kinder dann an ihren PCs oder Tablets zu Hause und haben die Möglichkeit, durch gewisse Symbole anzuzeigen, wenn sie Fragen haben.
Aber bis es so weit ist, sitzen die Kinder eventuell ab Januar 2020 wieder weitestgehend auf sich gestellt zu Hause und arbeiten stundenlang alleine Aufgabenblätter ab, mit der Unterstützung ihrer Eltern, die nebenbei auch noch ihrer anderen Arbeit nachgehen, die sie oft noch haben. Das ist alles andere als mustergültig für das Musterländle.
Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann







