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Heilige oder Hure?

Kommt man in das Büro des Dekans des Hohenlohekreises, Dr.Friedemann Richert, in Künzelsau fallen einem nicht zuerst die vielen Bücher in der Bücherwand auf, sondern der menschliche Schädel, der da mittendrin thront. Echt ist er. Ein Geschenk, sagt Richert. Dieser Schädel habe ihn schon als Kind fasziniert. Schließlich durfte er das Ausstellungsstück mit nach Hause nehmen. Friedemann lächelt. Der menschliche Schädel. Der menschliche Geist. Eine Faszination für sich. Und so wie er sich fasziniert für diesen Schädel, so biblisch gelehrt ist Richert in diversen Themen die Kirche betreffend. Nun könnte man sagen, dass ist auch sein Job. Aber Richert liest nicht nur die Bibel, sondern auch Platon. Er ist geschichtlich bewandert. Und genau deswegen wollen wir von ihm wissen:

Wie steht er zu dem großen Artikel im Spiegel über Maria Magdalena als 12. Apostolin, als Gefährtin Jesu Christi, wenn nicht sogar Ehefrau und die jahrhundertelange Degradierung zur Hure seitens der Kirche?

Es gibt nichts Historisches über Jesus, weil es keine Rolle spielt

Nun, Herr Richert, was sagen Sie zu diesem Artikel?

Richert: „Wir müssen Folgendes verstehen: Die biblischen Schriften wurden im Jahr 302 in der Synode zu Rom zusammengelegt zu einem Kanon, die so genannte Synapse. Das sind die Schriften über Jesus Christus, Geschichten über ihn als Wunderheiler beispielsweise. Unter anderem steht darin, wie er aus Ton echte Täubchen zaubern konnte. In der Synode wurde gefragt: Was bringt den Glauben an Christus voran? Die Antwort: keine Texte, die soziogische oder kulturelle Dinge formulieren. Im Paulusevangelium finden Sie zum Beispiel überhaupt nichts Historisches über Jesus Christus, weil für den Glauben die Historie keine Bewandtnis hat.

Aber würden ein paar Fakten über das Leben von Jesus Christus nicht auch die Glaubwürdigkeit solcher Geschichten stärken?

Richert: Die Historie hat immer einen subjektiven Klang. Es gibt keine objektive Historie, weil auch Zahlen einer Interpretation bedürfen. Nehmen Sie nur einmal die Kreuzzüge. Damals im 12. / 13. Jahrhundert war es eine heilige Handlung. Aus Sicht der Muslime war es eine unheilige Handlung. Wer hat nun Recht? Das Wesen der Heiligen Schrift bestand nicht darin, zu beschreiben, wie groß Jesus Christus war, sondern es geht um den auferstandenen Christus. Es geht um die Wahrheit, die Botschaft, und nicht um die Wirklichkeit, um die Zahlen und Fakten.

Während der Regelblutung zogen sich die Frauen aus dem öffentlichen Leben zurück

Wieviel Wirklichkeit steckt denn in der Bibel?

Richert: Adam und Eva zum Beispiel sind keine realen Personen, sondern ein Sinnbild menschliches Lebens. Adam ist der aus der Erde gemachte Mensch, der sterben wird. Eva ist eine Lebensspenderin. Die Frau trägt die Gabe der Fruchtbarkeit in sich. Das zieht sich bis in die Neuzeit. In biblischer Tradition waren Frauen hoch geachtete Personen, die einer besonderen Hegung und einen besonderen Schutz benötigt haben. In der Antike gab es bei allen Völkern den Brauch, dass Frauen gestohlen wurden, um den Stamm ohne Inzucht zu erhalten und den Frauenmangel auszugleichen. Das siebte Gebot (Du sollst nicht stehlen) rührt daher. Durch die Regelblutung war der Frau die Möglichkeit eröffnet, sich aus dem gesellschaftlichen Leben zurückzuziehen.

Geschah dies freiwillig?

Richert: Das war eine gewisse Form des Bestimmens, nicht, um sie auszugrenzen, sondern um sie vor Missbrauch und Arbeitslast zu schützen. Das war eine Achtung vor der Frau als Lebensspenderin. Eine hoch angesehene Frau konnte sich in ihre Gemächer zurückziehen. Die anderen versammelten sich in Hainen und wurden dort während ihrer Periode versorgt.

Nur Männer haben die Auswahl getroffen, welche Texte in die Bibel aufgenommen wurden und welche nicht

Wie sehen Christen Frauen?

Richert: Christen sagen, die Frau ist als Gottes Ebenbild genauso geschaffen wie der Mann. Die Gleichberechtigung kam durch die Aufklärung in der Neuzeit auf. Ein Beispiel, wie sehr das Christentum zur Ehrerbietung der Frau beigetragen hat: Das Sprichwort „Sitten wie im alten Rom“ kommt daher, dass die Frau damals verliehen werden konnte und zwar als Gebäherin anderer Kinder. Die Ehe war damals ein reines Versorgungsinsitut. Durch Kaiser Augustus kam die Ein-Ehe, die Monogamie wurde gesetzlich verankert. Die Frau wurde im Christentum immer als eigenständige, würdige Person beschrieben und nie funktionalisiert.

Maria Magdalena wurde aber schlechter gemacht, als sie eigentlich war. Sie soll laut dem Spiegel keine Hure gewesen sein, wie es in der Bibel steht.

Richert: Im Zuge des Frauenverleihens wurden damals Protestgeschichten geschrieben. In der Synode wurden viele Texte nicht in den biblischen Kanon aufgenommen, weil sie nicht dem biblischen Glauben dienlich sind. Sie sind unnütz. Da gibt es noch viel mehr Texte. Die sind aber alle frei zugänglich.

Hat man Jesus Christus in den biblischen Texten dann bewusst a-sexuell gehalten?

Richert: Es ist völlig belanglos, ob er verheiratet war. Denn es ist der Wahrheit nicht dienlich und zwar, dass Jesus Christus auferstanden ist, um uns von unseren Sünden, unserer Sterblichkeit zu erlösen.

Wer hat das damals entschieden? Männer?

Richert: Es waren tatsächlich nur Männer.

Wurde die Auswahl dann nicht unter einem sehr männlichen Blick getroffen?

Richert: Dieser geschlechtsspezifische Blick ist nicht dienlich. Die Gemeinschaft der Heiligen setzt sich aus beiden Geschlechtern zusammen. Bei der Frage nach der Dreieinigkeit (Vater, Sohn, Heiliger Geist) haben Frauen mitdiskutiert und die Männer haben es dann umgesetzt.

Die Sprache im Markus-Evangelium kann mit der Sprache der Bildzeitung vergleichen

Aber nochmal zurück zu der Frage nach Maria Magdalena. Wurde sie letzten Endes durch die Texte nicht schlechter gemacht als sie war?

Richert: Dieser Text wurde als Fälschung von der Wissenschaft festgestellt.

Der Artikel im Spiegel sagt etwas anderes. Aber gut. Wenn Sie sagen, dass historische Fakten nicht dienlich sind, um die Geschichte von Jesus Christus zu erzählen, warum wird dann Maria Magdalena als Freudenmädchen tituliert? Das hätte man doch dann ebenso weglassen können?

Richert: Im Paulus- und Johannesevangelium gibt es keine Anspielung dieser Art. Markus hingegen hatte ein sehr holpriges Griechisch, so eine Sprache könnte man heute mit der Bildzeitung gleichsetzen. Lukas hingegen wollte die Gebildeten der griechischen Gemeinde ansprechen. Er greift am meisten Frauenthemen auf. Das Problem bei den Texten über Maria Magdalena ist schlicht und ergreifend, dass es um Maria Magdalena geht und nicht um Jesus Christus.

Was wissen wir denn überhaupt über den historischen Jesus? War er verheiratet?

Richert: Über den historischen Jesus weiß man nicht sehr viel, ausser dass er Zimmermann war und aus einem gebildeten Elternhaus kommt, da er lesen und schreiben konnte. Er war Wanderprediger in Israel und Galiläa, was aber damals keine Seltenheit war. Auch Menschen zu heilen, war kein Alleinstellungsmerkmal.

Menschen zu heilen war kein Alleinstellungsmerkmal

Woher weiß man, dass er Gottes Sohn war?

Richert: Das ist der Glaube. Es ist keine Wirklichkeitsbeschreibung, sondern eine Wahrheitsbeschreibung.

Dekan Dr. Friedemann Richert war seit Oktober 2011 Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Künzelsau. Davor war er 13 Jahre Gemeindepfarrer in Singelfingen. Er ist verheiratet und hat drei Kinder im Alter, darunter Zwillinge. Am 30. Juli 2023 wird er 64.




Er kann saugen, er kann wischen, nun kann er auch noch Küchenbleche reinigen

Vorwerkvertreter und Comedien Matthias Stephan ist nun auch im Fernsehen zu sehen. Im September 2023 betritt er wieder die Showbühne in Simprechtshausen 2023. Aber nun war er erst einmal zu Gast im GSCHWÄTZ Studio und berichtete er uns von den dunkelsten Ecken aus Hohenloher Haushalten.

Seit über elf Jahren verkauft der 33-Jährige Staubsauger in den Haushalten Hohenlohes – mit viel Witz bringt er oftmals dem weiblichen Publikum etwa das Dreimeterrrohr näher. Nun durfte sich Matthias Stephan in der PutzBlitzblankShow auf Kabel eins versuchen. In mehreren Folgen mussten die Kandidaten unter anderem ziemlich „eklige“ Dixi Klos reinigen, Autos und Flecken aus Polstermöbel. Nun weiß er genauestens Bescheid: „Flecken aus Sofas bekommt man mit Rasierschaum gut heraus. Weiße Zahnpasta hilft, um weiße Turnschuhe sauber zu bekommen.“ Matthias Stephan mimt nicht nur den Sauberbarden, auch zuhause ist er derjenige, der die Böden reinigt, wie er betont.

Ausflug in die Fernsehwelt

Der Ausflug in die Fernsehwelt war nett, wie er betont. Das Essen sei gut gewesen, insbesondere die vegane Currywurst.

Auch seine Ausflüge als Comedian auf die Kleinkunstbühnen in größere Städte wie Hamburg oder Frankfurt waren interessan. „Aber of haben diese Engagements mehr mit Imagepflege zu tun anstatt Geld zu verdienen“, sagt Stephan. Vor Corona wollte er seinen Vertreterberuf gänzlich an den Nagel hängen, um Vollzeit Staubsauger-Comedy zu betreiben. Nun sei er froh, nachdem die Kunst- und Kulturszene während dieser Coronajahre am Boden lag, das nicht getan zu haben.

Noch immer beglückt er da her zahlreiche Hohenloher Haushalte mi seinen Vorwerkstaubsauervorführungen und weiß genau, wer welches Gerät zu Hause stehen hat. Zurück im Hohenlohischen lässt er im September 2023 nun auch wieder seine Freitag Abend Show aufleben, die es zuvor in Gaisbach, dann im Epylog in Künzelsau zu sehen war und nun im Zeidwerds Unverpacktladen in Simprechtshausen. Er ist dabei in der Rolle des Moderators zu sehen und führt durch das Programm mit zwei bis drei weiteren Comedians, darunter auch ein Zauberer.

Karten gibt es bei der Zeidwerds-Betreiber-Familie Schmitt: @zeidwerds (Instagram)

Weitere Auftritte des so genannten „Saubermachers“ Matthias Stephan könnt ihr euch unter folgenden Links anschauen:

(6) Staubsaugervertreter Matthias Stephan in Gaisbach | GSCHWÄTZ – Das Magazin – YouTube

Matthias Stephan kann man auch für die eigene Festlichkeit buchen: Comedy & Cocktails garantiert.

Kontakt: 07938/8690 oder: 0174/687 64 99

matthias-stephan@arcor.de




„Wenn der Partner die Kontrolle über den anderen Partner verliert, gibt er ihn zum Abschuss frei“

Polizeibeamte nehmen einer Mutter am Donnerstag, den 27. Oktober 2022, ihren fünf Wochen alten Jungen von ihrer Brust, während sie es gerade stillt. Ihr Auftrag vom Familiengericht in Augsburg: das ein Monate alte Kind zum Vater zu bringen, da dieser sich vermeintlich besser um das Kind kümmern kann.

Wie ist so etwas möglich?

Die Mutter ist weder psychisch krank noch drogensüchtig oder alkoholkrank. Sie hat ein Jurastudium absolviert, ist Anfang 30 und kann immer noch nicht glauben, was ihr widerfahren ist in einem Land, in welche sie dem Rechtsstaat bislang blind vertraut hat, ja, sogar für ihn arbeitet.

Wie ist so etwas möglich? Rückblende:

Vorausgegangen war eine Beziehung mit einem studierten Ingenieur. Margarethe Katz (Name von der Redaktion geändert) hat lange braune Haare, ist hochintelligent, innerlich aber durch eine traumatische Kindheit, Missbrauchsopfer, hoch verunsichert in ihrem Selbstwert, keine Familie im Hintergrund, die ihr Halt gibt. Ein gefundenes Fressen für narzisstische Persönlichkeiten.

„Mein Exmann war der erste Mensch, dem ich vertraut und dem ich geglaubt habe“

Sie lernten sich vor zehn Jahren im Dezember 2013 kennen. „Mein Exmann war der erste Mensch, dem ich vertraut und dem ich geglaubt habe“, erinnert sich die ehemalige Jurastudentin. Die Beziehung wurde schnell ernst, nach nur drei Monaten waren sie verlobt, nach einem halben Jahr bereits verheiratet. Nach zwei gescheiterten Schwangerschaften kam ein Jahr später ihre gemeinsame Tochter auf die Welt. Sie war ein Frühchen. Es gab laut Margarethe Katz psychische Gewalt in der kurzen gemeinsamen Zeit. Worte wie „Fotze“ und „Schlampe“ gehörten angeblich zum Repertoire ihres Noch-Ehemannes. Sie solle aufhören zu arbeiten, sich lediglich um ihr Kind kümmern. Sie ging auf Abstand zu ihren Freunden, da ihr Noch-Ehemann sie warnte, dass ihre alle ihr Glück mit ihm nicht gönnen würden. Ein perfides, aber leider auch typisches Spiel von Isolation bei narzisstischen Persönlichkeiten im Rahmen einer toxischen Beziehung.

„Ich war ihm auch damals noch hörig“

Die Trennung erfolgte 2021, als ihre Tochter sechs Jahre alt. Margarethe zog aus der gemeinsamen Wohnung nach einem Streit aus, stand zunächst gänzlich alleine da. Mündlich vereinbarten die Eltern das „Nestmodell“. Das heißt, die gemeinsame Wohnung bleibt bestehen, das Kind kann in der gewohnten Umgebung aufwachsen. Wochenweise wollten sich die Eltern abwechseln mit der Betreuung. Sie wohnte bei einer Freundin, wenn sie nicht in der Wohnung war, er im Hotel, das sie finanziert. So hatten sie es vereinbart. „Ich war ihm auch damals noch hörig. Ich habe bei allem zugestimmt, ich bin durch jeden Reifen gesprungen“, erklärt sie rückblickend. Derweil kontaktiert ihr Noch-Ehemann Bernhard* die Schule, behauptet, dass er alleinerziehend sei und Margarethe psychisch krank. Später habe er unter anderem dem Jugendamt suggeriert, dass Margarethe ihn vergewaltigt habe. Er zeigt sie im Jahr darauf an. Die Anzeige gegen sie wird später fallengelassen.

Das ist nicht die einzige Anzeige, die der Kindsvater gegen sie stellt

Das ist nicht die einzige Anzeige, die der Kindsvater (KV) gegen sie stellt. „Das Erbe meines 2019 verstorbenen Vaters ist komplett weg durch die ganzen Gerichtsverfahren“, sagt sie. Kindsunterhalt wolle er haben, Trennungsunterhalt wolle er wiederum nicht zahlen (und kann er jetzt durch die ihm von Staats wegen bewilligte Elternzeit nicht mehr zahlen). Die Hälfte ihres Erbes möchte. Des Weiteren möchte er nun die Rechtsreferendarin für geschäftsunfähig erklären lassen und einen Antrag auf Vormundschaft stellen. Immer wieder stand in den vergangenen Monaten der Notarzt vor ihrer Tür, weil Bernhard diesen kontaktiert hat wegen angeblicher Eigengefährdung, sprich, er mache sich Sorgen, dass Anna sich etwas antue.

Behauptungen werden scheinbar zur Realität, wenn sie jemand nur lange genug wiederholt

Während unseres Videointerviews wirkt Margarethe Katz klar, äußert sich differenziert und kann es lediglich nicht fassen, wie es in einem Rechtssystem wie in Deutschland möglich ist, jemanden auf diese Weise durch alle Instanzen ohne jegliche Beweismittel vorzuführen und an den Pranger zu stellen. Behauptungen werden scheinbar zur Realität, wenn sie jemand nur lange genug wiederholt. Immer wieder verweist ihr Noch-Ehemann Bernhard darauf, dass sie psychisch labil sei. Es gibt mittlerweile mehrere Gutachten, die alle belegen, dass das nicht der Fall ist – und dabei hätte Margarethe allen Grund dazu, mittlerweile durch die Diffamierungen ihres Noch-Ehemannes psychisch labil zu sein. Denn auf diese Weise hat er es am Ende geschafft, dass beide Kinder bei ihm leben, selbst der Säugling, der ihr im Alter von nur 5 Wochen im Oktober 2022 von Polizeibeamten beim Stillen weggenommen wurde.

„Ich bin kein aggressiver Mensch, sondern ein Fluchttier“

„Ich gehe sehr ungern in die Konfrontation“, erklärt Margarethe. „Ich bin kein aggressiver Mensch, sondern ein Fluchttier.“ Dennoch geht sie nun rechtlich gegen ihn vor, unter anderem wegen falscher Verdächtigung, Verleumdung und übler Nachrede.

Lieber in eine Pflegefamilie, als zur Mutter, so der Kindsvater

Das am 18. März 2022 gerichtlich vereinbarte Wechselmodell bei der Tochter funktionierte genau eine Woche, dann gab Bernhard 2022 die Tochter nicht mehr her. Im Rahmen des ersten Gerichtsverfahrens zur gemeinsamen Tochter im Frühling 2022 vermutet der Kindsvater bei der Kindsmutter eine unerkannte Persönlichkeitsstörung wie Schizophrenie oder Borderline, gibt zugleich an, dass ausschließlich sie sich um die Tochter gekümmert habe und diese immer verbal misshandelt hätte. Im Herbst 2022 im Gerichtsverfahren bezüglich des frisch geborenen Sohnes macht er sich plötzlich „ernsthafte Sorgen“ um seine Frau und suggeriert, dass diese einen erweiterten Suizid begehen wolle. Sie sei schon immer psychisch labil gewesen, erklärt er. Es gehe ihm darum, dass das Kind von der Mutter getrennt wird, sprich, lieber in einer Pflegefamilie lebt, als bei der Mutter. Wie die Tochter am 28. April 2022 bis zum Ende des Jahres 2022 kommt auch der Sohn zumindest für eine Nacht aufgrund der Aussagen vom Kindsvater in die Pflegefamilie. Mittlerweile leben beide Kinder beim Vater.

Wie eine Schwerverbrecherin gefühlt

Der letzte Kontakt zwischen Margarethe und ihrer mittlerweile fast achtjährigen Tochter war am 1. Dezember 2022 und wurde abgebrochen, da Margarethe sich während der betreuten Umgänge, die sie mit ihrer Tochter führen durfte, wie eine Schwerverbrecherin gefühlt hat.

Gericht beschließt die „Herausgabe des Kindes“

Kurz vor ihrer Trennung wird Margarethe schwanger von Bernhard. Sie möchte das Kind behalten, informiert auch Bernhard, dass er nochmal Vater wird. Dieser setzt alles daran, auch das Sorgerecht für den Säugling für sich zu beanspruchen.

Sie darf ihren Sohn täglich eine Stunde zum Stillen sehen

Im September 2021 kommt Margarethes Sohn etwas zu früh bei einer Spontangeburt in Erlangen auf die Welt. Das Gericht in Augsburg beschließt derweil die „Herausgabe des Kindes.“ Der Grund: Der Kindsvater mache glaubhaft, dass er sich Sorgen und seine Frau und sein Kind macht und den Aufenthalt der Mutter nicht weiß. Daher müsse man das Kind vorsichtshalber wegnehmen oder man mache den Wunsch des Vaters wahr und die Mutter gehe in eine Mutter-Kind-Einrichtung. Margarethe möchte das zunächst nicht. Sie sucht stattdessen Hilfe bei MIA, einem Mütterverein, der Mamas in derartigen Notsituationen unterstützt und kann bei Carola Wilcke, Gründerin der Löwenmamas, der Selbsthilfegruppe des Müttervereins MIA Deutschland, für ein paar Tage bleiben. Dann stürmen Polizeibeamte im Oktober 2022 das Haus von Carola Wilcke, nehmen Margarethes Sohn mit. Über Nacht kommt er in eine Pflegefamilie und am Folgetag wird er vom Vater in Görlitz abgeholt und nach Augsburg gefahren. Stillen, abgepumpte Milch oder auch Umgang verweigert zunächst der Vater der Mutter. Der Polizeieinsatz wird im Nachhinein als überzogen bewertet. Ein Gerichtsvollzieher hätte dabei sein müssen, wie die TAZ berichtete. Carola Wilcke, die Margarethe für ein paar Tage Schutz gewährt hat, gerät ins Kreuzfeuer und mit ihr ihre beiden Pflegekinder, wie der Spiegel schreibt. Der Sohn, dem der Vater mittlerweile einen anderen Namen gegeben hat als Margarethe, lebt nun beim Vater, Margarethe darf ihren Sohn täglich eine Stunde zum Stillen sehen. Es ist demütigend, bis Dezember 2022 zieht sie ihr Dasein als „Milchkuh“ durch, dann beendet sie auch diese Farce. Auch weil der Kindsvater nicht gerade zimperlich mit ihr während dieser Zeit umgeht. Er sprich angeblich auch eine Morddrohung ihr gegenüber aus. Margarethe zieht sich seitdem zurück. Sie möchte keine Milchkuh für ihren Sohn sein, sondern einfach nur eine Mutter. Und sie möchte sich von ihrem Ehemann nicht länger demütigen lassen.

Findet hier nicht eine Täter-Opfer-Umkehr statt?

Wie kann es sein, dass aufgrund keiner Beweislage einer Mutter zwei Kinder entzogen werden? Im Gegenteil. Die Mutter verlässt den Vater wegen psychischer Gewalt in der Ehe. Der Vater wiederum bekommt am Ende das Sorgerecht für die Kinder, eines davon ein Säugling, zugesprochen. Findet hier nicht eine Täter-Opfer-Umkehr statt?

Amtsgericht verweist darauf, dass der Polizeieinsatz nie von ihnen angewiesen worden sei – Dokumente der Polizei widerlegen diese Aussage

Wir haben beim zuständigen Jugendamt und bei dem zuständigen Amtsgericht in Augsburg nachgefragt, auf das öffentliche Interesse im Zuge des Polizeieinsatzes im Oktober 2022 verwiesen. Das Amtsgericht in Augsburg verweist dabei darauf, dass sie aufgrund „der Persönlichkeitsrechte der weiteren Verfahrensbeteiligten keine Auskünfte zum konkreten Fall geben können“. Richterin Martina Triebel betont darüber hinaus auf folgenden Sachverhalt: „Allerdings möchte ich darauf hinweisen, dass es nicht zutreffend ist, dass der Polizeieinsatz durch das Familiengericht Augsburg angewiesen wurde. Die Umsetzung einer Herausgabeanordnung unterliegt nicht mehr dem Einflussbereich des Amtsgerichts.“ Aber wer hat dann diesen skurrilen Herausgabebeschluss ohne fundierte Grundlage bezüglich einer Kindeswohlgefährdung veranlasst? Auf den Dokumenten der Polizei Görlitz, die diesen Einsatz durchgeführt hat, wird wiederum auf das Amtsgericht Augsburg verwiesen, von welchem dieser Herausgabebeschluss ausgegangen sein soll.

Das passiert, wenn ein Partner die Kontrolle über den anderen Partner verliert. Dann gibt er diesen zum Abschuss frei.“

Carola Wilcke kann sich noch gut an den Abend erinnern, als die Polizeibeamten ihr Haus stürmten, um den Sohn von Margarethe Katz mitzunehmen. Diese „Zwangspsychiatrisierung“, die stattfindet, ist richtig schlimm“, sagt sie. Sprich: Ein Ex-Partner betreibt so genanntes „Blaming“ gegenüber dem anderen Ex-Partner, etwa, in Form, dass dieser vermeintlich psychische Probleme habe. Oft liegen keinerlei Beweise auf dem Tisch, aber dennoch werden den Lügen geglaubt. Nicht selten sind das jedoch genau die Menschen, die die eigentlichen Probleme haben. Das Problem, so Wilcke, sei, dass vor dem Familiengericht keine Zeugen gehört werden. Der Richter entscheidet am Ende, wer glaubwürdiger ist, ruhiger. Und das in einer emotional aufgeladenen Situation, die Frauen häufig wesentlich mehr zu schaffen macht als Männer, nämlich dann, wenn der Verlust der Kinder droht.

Wilcke sagt aber auch: „Sie dürfen nicht denken, dass das ein Unterschichtenproblem ist. Das passiert, wenn ein Partner die Kontrolle über den anderen Partner verliert. Dann gibt er diesen zum Abschuss frei.“

Text: Dr. Sandra Hartmann

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„Ich möchte nicht das Meer malen, sondern das Gefühl, das ich habe, wenn ich auf das Meer schaue“

Zum zweiten Mal haben sie sich zusammengetan und es soll wohl nicht das letzte Mal sein: Am Sonntag, den 07. Mai 2023, luden Franziska Eben von Racknitz geboren in Stuttgart Bad Cannstatt, wohnhaft in Laibach bei Dörzbach, und Bernd Schepermann aus Stuttgart zu einer Vernissage ein. Rund 60 Werke präsentieren die beiden Künstler in den beiden Ausstellungsräumen „Alte Spenglerei und „das auge“ im Herzen von Lauda-Königshofen. Der Titel: Jetzt und hier.

Unterschiedlichste Materialien

Seit über zehn Jahren hat sich die Künstlerin der abstrakten Malerei verschrieben. Kreuzigungsszenen sind zu sehen, Metamorphosen, in jedem Bild das Spiel nicht nur mit Farben, sondern auch mit unterschiedlichsten Materialien und nicht selten mehreren Schichten, die sich überlagern.

Philosophische Fragen

Schepermanns Skulpturen ergänzen sich dabei zu einem großen Ganzen. Seit acht Jahren kennen sich die beiden Künstler, beide beschäftigen sich mit philosophischen Fragen. „Ich verstehe seine Bilder und er meine“, so die 45-Jährige über die Zusammenarbeit mi dem 81-jährigen Künstler.

„Es ist mir immer das Bild am nächsten, das ich gerade fertig gemacht habe“

Ein Lieblingskunstwerk haben dabei beide nicht. „Es ist mir immer das Bild am nächsten, das ich gerade fertig gemacht habe“, erklärt Franziska Eben von Racknitz. Manchmal dauert es länger, bis ein Kunstwerk fertig ist, etwa „Dichtung und Wahrheit“: „Wir beide haben gekämpft miteinander“, erinnert sie sich, lächelt verschmitzt und betrachtet dabei das große, helle Gemälde. Eben von Racknitz stammt nicht, wie so oft, aus einer Künstlerfamilie. Es gibt Bleistiftzeichnungen von ihrer Urgroßmutter. „Aber damals wurde das noch nicht so gelebt“, sie die Künstlerin. Bernd Schepermann hat für seinen „Titan“  gar 1,5 Jahre gebraucht.

Die Bilder von Franziska von Racknitz sind alle abstrakt, sie werden nie konkret. „Ich möchte nicht das Meer malen, sondern das Gefühl, das ich habe, wenn ich auf das Meer schaue“, erklärt sie.

„Je schwieriger die Zeiten sind, desto mehr brauchen wir Kunst“

„Je schwieriger die Zeiten sind, desto mehr brauchen wir Kunst“, sagt Bernd Schepermann. Er kritisiert in diesem Zuge die apokalyptischen Reiter“, die etwa von der Politik ausgesendet werden, um „Ängste zu schüren“. Durch diese Ängste steige in vielen Menschen der Wunsch nach Kontrolle. „Künstler hingegen sehen sich nach Freiheit“, ergänzt Franziska Eben von Racknitz.

Kritisch hinterfragen

„Mit unseren Bildern möchten wir, dass die Besucher:innen kritisch hinterfragen und wieder näher zu sich selbst und zur Kunst zu kommen“, so Bernd Schepermann. Unter anderem mit der Kirche setzen sich die beiden kritisch auseinander, um zum Nachdenken anzuregen. „Nachdenken und nicht nachkauen, was andere Menschen sagen, was wir denken sollen.“

Fernab von künstlich produzierten Bildern

Zudem berge die Ausstellung „die Chance, sich mit echten Gemälden auseinanderzusetzen, fernab vom Digitalen, von künstlich produzierten Bildern“, findet Franziska Eben von Racknitz.

Die Ausstellung ist noch bis 25. Juni 2023 zu sehen und macht Lust auf mehr. „Ich habe noch tausend Bilde in mir“, so Franziska Eben von Racknitz. Wir dürfen also gespannt sein.

Franziska Eben von Racknitz und Bernd Schepermann bei der Vernissage am 07. Mai 2023 in Lauda-Königshofen. Foto: GSCHWÄTZ

Mit diesem Kunstwerk habe sie lange „gekämpft“, erzählt Franziska Eben von Racknitz. Foto: GSCHWÄTZ

Klein, aber oho: Dieses kleine Kunstwerk ganz rechts im Rahmen wurde erst kurz vor Ausstellungsbeginn von Bernd Schepermann fertiggestellt. Foto: GSCHWÄTZ

Umgedrehtes Schwert, dass ausschaut wie ein Kreuz, von Bernd Schepermann. Foto: GSCHWÄTZ

Kreuzigungsszene. Gemälde von Franziska Eben von Racknitz. Foto: GSCHWÄTZ

von Dr. Sandra Hartmann




Drei auf einen Streich

Als Klaus Hub aus Morsbach die Gemälde seinen Besitzern nach ein paar Wochen zurück gab, waren diese hin und weg von dem Ergebnis. Sie waren heller, farbenfroher, schärfer, leuchtender. Der Firnis-Schleier war weg. Auch Klaus Hub ist mit dem Ergebnis zufrieden. Als Restaurator verhilft er alten Bildern zu neuem Glanz. Und das ist gar nicht so einfach, wie es zunächst scheint. Der Vorher-Nachher-Effekt ist jedoch immens.

Wenn die Gemälde immer dunkler werden

Eines der Bilder zeigt, ziemlich dunkel, Hermannstadt. Der Schutzfirnis (ein Schutzfilm, der über ein fertiges Ölgemälde gelegt wird, um es langfristig zu erhalten und etwa vor Sonnenlicht zu schützen, so ähnlich wie ein Klarlack) hat sich über die Jahre über das über 100 Jahre alte Stadtportrait gelegt wie ein dunkler Himmel. Um den Firnis von dem Bild zu lösen, bedarf es chemischer Kenntnisse, muss der Restaurator doch zunächst ein passgenaues Lösungsmittel herstellen, welches zwar den Firnis entfernt, nicht aber das restliche Gemälde. Und er muss herausfinden, aus welchem Stoff der Firnis besteht. Denn Firnis ist nicht gleich Firnis. Er kann aus Leinöl bestehen, aus Dammar oder Mastix. Je nachdem, welchen Firnis man nimmt, werden Gemälde früher oder später immer dunkler. Aber dunkel werden sie durch den Firnis in jedem Fall. Sprich: Der Firnis ist einerseits ein Schutz für das Bild. Andererseits müssen derartige Ölgemälde nach ein paar Jahrzehnten wieder restauriert und von dem Firnis befreit werden, da sie ansonsten zu dunkel werden. Dann bekommt das Gemälde einen neuen Firnis.

Eine Überraschung tritt zu Tage

Beim Herausnehmen des Bildes aus dem Holzrahmen tritt eine kleine Überraschung zu Tage. Das Bild hat der Künstler nicht direkt auf die Holztafel gemalt, wie zunächst vermutet, sondern auf einen Malkarton, das anschließend auf der Holztafel angebracht wurde, was wiederum Auswirkungen darauf haben könnte, wie gut sich das Bild nun überhaupt reinigen und von der Firniss befreien lässt.

Bis auf den Firnis ist das Gemälde erstaunlich gut erhalten, findet Hub. Eine junge Frau aus Backnang hat es von ihrem Vater geerbt. Das Bild lagerte jahrzehntelang unter Dachziegeln und ist kaum beschädigt worden.

Erstaunlich gut erhalten

Für Klaus Hub gilt es nun, die Bräuning zu entfernen. Wie viel die Restaurierung eines solchen Bildes kostet, dazu möchte Klaus Hub keine Zahlen nennen, denn das komme immer ganz individuell auf das Gemälde an. Nur so viel: Der Preis sei nicht gekoppelt an den Wert des Bildes, sondern an den Aufwand. Jeder Kunde wird beraten und erhält einen Kostenvoranschlag.

Zwei weitere Gemälde, die er derzeit restauriert, stammen von einem Sammler. Das eine Bild zeigt eine Naturlandschaft, das andere Schlittschuhe fahrende Kinder aus einer längst vergangenen Zeit. Hier sind die Bilder nicht ganz so dunkel wie das von Hermannstadt. Aber die barockähnlichen Rahmen sind ziemlich ramponiert. Das, was hier abgebröckelt ist und/oder fehlt, macht er neu, so dass der Rahmen am Ende wieder aussieht wie damals.

Einfach nur als meisterlich zu benennen

Manche Kunstsammler, erzählt, Hub, haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Naturlandschaften, die auf den Gemälden abgebildet sind, im realen Leben zu suchen und auch zu finden.

Für Klaus Hub ist es jedes Mal eine Freude, wenn er alte Gemälde im wahrsten Sinne des Wortes wieder zu neuem Glanz und neuem Leben erweckt – und damit letztendlich auch den Besitzern eine Freude machen kann. Ein paar Tage, nachdem er die restaurierten Bilder wieder an die Besitzer zurückgegeben hat, erhält er eine E-Mail von ihnen mit folgendem Inhalt:

„Ursprünglich kommen die Gemälde aus München aus einem sehr edlen Haushalt. In dem Zustand, in welchem wir die Gemälde erwerben durften und was Sie mit Ihrer Begabung und Ihrem absoluten Können daraus gezaubert haben, ist einfach nur als meisterlich zu benennen.“




„Du kennschd halt jeden, do kannschd net ausweiche“

Völlig entspannt sitzt Fürst Kraft zu Hohenlohe-Oehringen in einem Sessel und gerät ins Plaudern:  „Ich bin ja einer der ältesten hier“, ist er sich sicher. Er hat die 50 Jahre Hohenlohekreis miterlebt, und trotz seines Namens ist er kein gebürtiger Hohenlohe: „Meine Familie ist ja erst nach dem Krieg aus Ungarn hierhergekommen“, erinnert er sich. Und er erinnert sich an weiteres Anekdotisches: „Ich hab ja noch den Büttel erlebt, der die Mitteilungen ausgerufen hat. Es ist erstaunlich, was man alles erlebt.“ Beim Festakt zum 50-jährigen Kreisjubiläum schwelgt der Fürst in Erinnerungen und kann nicht glauben, wie schnell die Zeit vergeht.

„Ich habe ja noch den Büttel erlebt“

Am Freitag, den 21. April 2023, lud das Landratsamt Menschen, die den Hohenlohekreis geprägt haben, ein, um gemeinsam das 50-jährige Bestehen zu feiern. GSCHWÄTZ-Reporter Matthias Lauterer hat sich unters Volk gemischt.

Sind wir nicht alle ein bisschen Hauptstädter?

Gegenüber vom Fürst sitzt Eberhard Gienger, Turnweltmeister und später Bundestagsabgeordneter. Er kann sich noch genau an die Gründung des Hohenlohekreises erinnern: „Wir waren 1971 in Japan. Und da haben mir meine Eltern die Nachricht geschickt, dass Künzelsau die Hauptstadt geworden ist“. Er ist gebürtiger Künzelsauer und seitdem bezeichnet er sich manchmal scherzhaft als „Hauptstädter“.

Über gut die Hälfte der Kreisgeschichte war Hemut M. Jahn Landrat

Aus Schwaben nach Hohenlohe gekommen ist Helmut M. Jahn. Er hat 31 Jahre für die Verwaltung im Kreis gearbeitet, davon 24 Jahre als Landrat. Ihm ist aufgefallen, „dass die Menschen immer noch Werte leben und zusammenhalten. Das war auch früher schon die Stütze, auch für die wirtschaftliche Entwicklung.“ Die Offenheit in der Politik sei zwangsläufig: „Du kennschd halt jeden, do kannschd net ausweiche.“ Er hat sich „seinen“ Kreis zusammen mit den Bürgermeistern erwandert, einen Lieblingsort hat er dennoch nicht: “Es gibt so viele schöne Ecken“. Jetzt ist er schon über 40 Jahre in Hohenlohe: „Es läßt mich nicht los“, meint er.

Keiner will aus Hohenlohe wieder weg

Das ist etwas, was die Gäste gemein haben: Einige sind hier geboren, andere sind nach Hohenlohe gekommen – und alle sind geblieben. Von denen, die den Kreis in seinen 50 Jahren geprägt haben, ist kaum einer wieder gegangen.

Kaum einer ist wieder gegangen

Und noch etwas haben alle gemein, es ist, als hätten sich die Gäste abgesprochen: Alle sprechen sie vom Zusammenhalt unter den Menschen, jeder freut sich über die Landschaft, jeder spricht von der mittelstandsgeprägten Industrie. Kaum einer sagt etwas Kritisches – vielleicht ausser Lars Walther, Leiter des Polizeireviers Künzelsau: Er weist auf die Personalsituation der Polizei und die große Fläche des Kreises hin, spricht damit aber seinen obersten Dienstherrn, Innenminister Thomas Strobl, an und nicht die Verantwortlichen im Kreis. An Hohenlohe gefallen ihm die bodenständigen Menschen, die aus polizeilicher Sicht nicht besonders auffällig seien. Besonders lobt er die Zusammenarbeit mit den Ämtern.

Bodenständige Menschen

Innenminister Strobl ist nicht nur für die Polizei, sondern auch für die Kommunen verantwortlich. Er verbindet mit Hohenlohe vor allem „Nachbarschaft“ – kein Wunder: er stammt aus Heilbronn. Aus dieser kurzen Entfernung spricht er den Hohenlohern eine Schlitzohrigkeit zu, die sich auch in der Durchsetzung ihrer politischen Forderungen immer wieder zeige. Wie recht er damit hat, zeigt das wissende Gelächter im Saal.

Schlitzohrigkeit

Die Veranstaltung steht unter dem Motto ZUSAMMEN WACHSEN – immer in zwei Zeilen geschrieben. Der Doppelsinn ist offensichtlich: Zum einen das gemeinsame Wachsen des Kreises, das ohne die Gemeinschaft nicht denkbar wäre. Und zum anderen das Zusammenwachsen. Die alte Rivalität zwischen dem Altkreis Öhringen und dem Altkreis Künzelsau wird mehrfach benannt. Nicht zu vergessen aber auch die Jagsttalgemeinden aus dem Altkreis Buchen und die vier Gemeinden aus  Schwäbisch-Hall, die dem Hohenlohekreis zugeschlagen wurden. Besonders für diese war das Zusammenwachsen notwendig, da die Kommunalstrukturen ganz neu aufgebaut werden mußten.

Die alte Rivalität zwischen dem Altkreis Öhringen und dem Altkreis Künzelsau wird mehrfach benannt

Gerhard Sturm ist einer der Hohenloher Gründer. Sein kleines Unternehmen ebm ist inzwischen zu einem der Weltmarktführer, von denen es im Hohenlohekreis einige gibt, geworden. Er erinnert sich: „Früher war die Region rein landwirtschaftlich geprägt, es gab eigentlich nur die Schuhfabriken“. Die massive Industrialisierung sei „irgendwo Ergebnis der Völkerwanderung nach dem Krieg.“ Mit den Flüchtlingen kamen Arbeitskräfte, die beschäftigt werden wollten – und mußten. Mit der Entwicklung „seines“ Unternehmen ist er zufrieden: „Die Firma wächst. Auch ohne mich“.

„Aus den Animositäten sind Frotzeleien geworden“

Wolfgang Freiherr von Stetten, ebenfalls langjähriger Bundestagsabgeordneter, berichtet vom Ehrgeiz der Hohenloher: „Wir wollten Baden-Württemberg zeigen, dass wir kein Unglückskreis sind.“ Nach der Kreisreform wurde dem Hohenlohekreis keine große Zukunft prophezeit: Von Sündenfall war die Rede. Das Gegenteil hat sich als wahr erwiesen: „Wir sind stärker geworden“, sagt von Stetten. Er kann sich noch gut an das Verhältnis zwischen den Öhringern und den Künzelsauern erinnern: Aber „aus den Animositäten sind Frotzeleien geworden“ – auch das ein sichtbares Zeichen des Zusammenwachsens.

Gleich die erste Sachentscheidung des Kreistags ging in die Hose

Dass die Befürchtungen eines Sündenfalls berechtigt waren, bestätigt Kreisarchivar Dr. Thomas Kreutzer. Gleich die erste Sachentscheidung auf der Tagesordnung des neuen Kreistags, die Besetzung des Kreisbrandmeisters, mußte vertagt werden: Die 33 Kreisräte und die eine Kreisrätin konnten sich nicht darüber einigen, ob sie eine Doppelspitze oder lieber einen Kreisbrandmeister und einen Stellvertreter wählen sollten. Überraschend, wie sehr sich die gesellschaftlichen Verhältnisse von vor 50 Jahren und heute gleichen: Von Kriegsangst bis zur Kommerzialisierung des Fußballs nennt Kreutzer Beispiele, die das Publikum zumindest manchmal ins Schmunzeln bringen.

Für Reinhold Würth ein Tag wie jeder andere

Kein besonderer Tag war der Tag der Kreisgründung für Prof. Reinhold Würth und seine Frau Carmen. Sie können sich nicht speziell an diesen tag erinnern: „Da hatten wir wohl andere Sorgen“, sagt Prof. Reinhold Würth verschmitzt lächelnd und seine Frau Carmen ergänzt: „Wahrscheinlich haben wir gearbeitet“.

Herzlichkeit der Menschen

Auch einer, der nach Hohenlohe zugewandert ist, ist Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann. Seine ersten Eindrücke waren „die schöne Landschaft und die Herzlichkeit der Leute“. Inzwischen fühlt er sich fest verwurzelt: Er hat hier geheiratet, seine Kinder sind hier zur Welt gekommen. Auch politisch ist er mit Hohenlohe verbunden. Besonders gut gefallen ihm die kurzen Wege: „Das zeichnet  den Kreis aus“.

Als gar nicht so kurz empfindet die Wege im Hohenlohekreis. Ihm fällt nämlich im Vergleich zu seiner Zeit in Stuttgart auf: „In Stuttgart brauchts mehr Zeit für Wege. Hier frißt man zwar viele Kilometer, ist aber trotzdem schneller da.“

Alte Bekannte

Im Anschluss an den Festakt traf man sich in gemütlicher Atmosphäre bei einem Imbiss. Viele alte Bekanntschaften wurden aufgefrischt und es zeigt sich ganz deutlich, was Helmut M. Jahn mit „Du kennschd halt jeden“ meinte.

Text & Bilder: Matthias Lauterer

 




„Um der großen Welt zu zeigen, was eine kleine Schule alles kann“

Daniel Ponier bläst sein blau-grünes Weltkugel-Kostüm auf, in dem er steckt. Der Englischlehrer ist bereit, Großes zu leisten für die 26 Schüler:innen seiner Englischklasse, der 8a der Georg-Fahrbach-Gemeinschaftsschule in Ingelfingen.

Auch Klassen aus der Schweiz nehmen an dem Wettbewerb teil

Denn die Klasse hat ein sonniges Ziel anvisiert: Sie möchte beim deutschlandweiten Wettbewerb von EF Sprachreisen den ersten Platz erzielen und damit eine Woche Malta gewinnen. Insgesamt nehmen mehr als 200 Klassen teil, aus Großstädten wie München und Darmstadt, sogar Klassen aus der Schweiz sind dabei.

Die Klasse 8a mit ihrem Englischlehrer Daniel Ponier von der Georg-Fahrbach-Gemeinschaftsschule in Ingelfingen. Foto: GSCHWÄTZ

„Wir machen hier mit, um der großen Welt zu zeigen, was eine Schule alles kann“

„Wir machen hier mit, um der großen Welt zu zeigen, dass eine kleine Schule Großes erreichen kann“, erklärt die 15-jährige Laura-Marie Tanski. Sie setzen ganz auf den Zusammenhalt und die Solidarität auf dem Land, dass man sich kennt und sich gegenseitig bei einem solchen Projekt unterstützt.

Den QR-Code abscannen und damit eine Stimme für die Klasse 8a abgeben.

Und Großes haben sie bereits als kleine Schule erreicht, denn sie befinden sich derzeit unter den Top Ten der Schulen mit den meisten Stimmen und haben damit gar nicht so schlechte Aussichten auf den Sieg.

„Gscheid Englisch lernen“

Neben dem Ziel, „gescheid Englisch zu lernen“, so Levente Philipps (13), freut sich der 14-jährige Laurens Rössler auf den Strand. Lukas Specht mag besonders die italienische Pizza. Nicole Bogucki (14) auf Spaß und „um etwas anderes gemeinsam zu erleben, als den Unterricht“. Maya Brauer (13) freut sich, „etwas anderes zu sehen als Deutschland“.

Daniel Ponier ist stolz auf seine Schüler:innen, denn mit viel Engagement und Kreativität haben sie einen TikTok-Account aufgebaut, Flyer etwa in Künzelsau in der Innenstadt verteilt und Mundpropaganda betrieben, um auf den Wettbewerb hinzuweisen und für sich selbst zu werben. Denn: Wer die meisten Stimmen hat, gewinnt.

Fast 20.000 likes auf TikTok

„Wir haben viel Arbeit und Zeit in dieses Projekt gesteckt“, sagt Nathalie Höfer (15). „Wir sind originell und lustig“, ergänzt Jonas Reichert (13). Ihr TikTok-Account erzielt bislang an die 20.000 likes, darin zeigen sie unter anderem lustige Szenen aus dem Unterrichtsalltag –  so etwa entsetzte Schülergesichter bei einem nicht angekündigten Vokabeltest oder man sieht einen tanzenden Daniel Ponier.

„Wir möchten Zeit miteinander verbringen“

„Die Reise nach Malta soll den Klassenzusammenhalt und das Vertrauen untereinander noch weiter stärken. Wir möchten Zeit miteinander verbringen und enger zusammenwachsen“, erklärt Nathalie Höfer weiter. Wenn das nicht klappen sollte, überlegen sie, ob sie zumindest weiterhin ihren recht erfolgreichen TikTok-Kanal bestücken werden.

Wer seine Stimme für die achte Klasse abgeben möchte, kann den auf dieser Seite abgebildeten QR-Code abscannen oder auf den folgenden Link klicken: Flying Classroom (ef.de)

von Dr. Sandra Hartmann




„So etwas hat es noch nie gegeben“

Das Pressegespräch zum Jahresabschluss beginnt mit einer historisch schlechten Wertentwicklung, denn, so die beiden Vorstände Andreas Siebert und Stefan Häring der Raiffeisenbank Hohenloher Land (Raiba) im Jahrespressegespräch einstimmig, „so etwas hat es noch nie gegeben“. Sowohl die festverzinslichen Wertpapiere als auch die Aktien sind im Jahr 2022 jeweils im zweistelligen Bereich gefallen. Den Grund für diese Talfahrt sieht Siebert in einer „politisch gewollten ausufernden Geldpolitik“. Diese Geldvermehrung endet nun in einer teilweise zweistelligen Inflation, die die Bürger:innen zu tragen haben. Dr. Sandra Hartmann hat mit Häring und Siebert über die aktuell schwierige wirtschaftliche Lage gesprochen, was das für  Banken und Kunden bedeutet und welche Chancen und Möglichkeiten der Hohenlohekreis hier hat.

GSCHWÄTZ: Coronapandemie, Klimakrise, Ukrainekrieg, eine exorbitant gestiegene Inflation, weniger Konsum – und nun eventuell eine steigende Arbeitslosigkeit das könnte ein gefährlicher Cocktail sein.

Siebert: Nicht im Hohenlohekreis. Wir werden durch unsere starke Firmen nicht das Problem einer hohen Arbeitslosigkeit haben, sondern eher das Problem des Fachkräftemangels. Die Babyboomer gehen allmählich in den Ruhestand und uns gehen die Menschen in allen Bereichen aus.

GSCHWÄTZ: Angesichts der Talfahrt von Aktienpapieren und festverzinslichen Wertpapieren, raten Sie Ihren Kund:innen, hier derzeit nicht mehr zu investieren?

Siebert: Jetzt sind die Werte ja gefallen. Also lohnt es sich hier wieder. Aber die Darlehenszinsen haben sich vervierfacht. Hier müssen wir leider nun anders rechnen.

Das bedeutet, möchte eine Familie ein Haus kaufen oder bauen, rechnen die Banken angesichts gestiegener Zinsen nun anders. Durch die Inflation und die gestiegenen Energiekosten muss man mehr Geld monatlich für die Lebenserhaltungskosten einplanen und kann ergo dadurch weniger in die Abzahlung eines Kredites investieren. Zusätzlich erhöht sich durch die gestiegenen Zinsen auch die Abzahlungssumme. Die Hürden für einen Kredit sind daher höher geworden.

Was lange out war, boomt nun wieder: der klassische Bausparvertrag

Ein Bereich, in dem die Raiffeisenbank dagegen zweistellig zulegen konnte, sind die Provisionserträge. Dazu zählen Kontoführungsentgelte, Wertpapierabschlüsse, Bausparvertragsabschlüsse, Aktienverträge, Maklertätigkeiten. Was lange out war, boomt nun wieder: der klassische Bausparvertrag. Denn diese punkten aktuell noch mit Darlehen von 1, die man sich jetzt noch sichern kann, bevor auch hier die Spirale nach oben beginnt.

Siebert: „Unsere Kunden sind sehr sicherheitsbewusst und es gibt eine hohe Eigenheimquote im Hohenlohekreis.“

Das Besondere bei der Raiffeisenbank Hohenloher Land: Die Kund:innen sind gleichzeitig quasi auch die Inhaber:innen. Die Genossenschaft hat rund 25.000 Mitglieder, die Anteile der Raiba erworben haben. Sie erhalten eine jährliche Dividende, die in der Regel zwischen 3 und 5 Prozent liegt. Auch diese wird wirtschaftlich angespannten Zeiten immer ausgezahlt, betont Siebert.

Viele haben angesichts der hohen Inflation zu kämpfen

Mit einer Prognose, wie es wirtschaftlich weitergehen wird, auch angesichts der Krieges in der Ukraine, sind die beiden vorsichtig. „Es wird sicher noch ein oder zwei Zinserhöhungen in den nächsten zwei Jahren geben, aber dann ist das Limit auch bei den Verbraucher:innen erreicht.“ Schon jetzt hätten viele Verbraucher:innen angesichts der hohen Inflation zu kämpfen. Dir Wirtschaft kühle sich ab, die Konzerne üben sich in Zurückhaltung mit Investitionen. Die Baubranche halte sich zurück mit Festpreisangeboten, weil die Preise nicht mehr kalkulierbar seien, so Siebert. Das Eigenheim rücke in weite Ferne.

Bis vor einem Jahr noch goldene Zeiten

Dabei „hatten wir bis vor einem Jahr noch goldene Zeiten“, so Siebert.  Dann kam der Krieg. Wichtig ist Häring und Siebert daher auch, zu betonen, dass die „DNA“ der Raiba die Regionalität sei, das Geld werde investiert in die Region, in lokale Projekte. Ob es nun der neue Toilettenwagen für den Torpedo Dörrenzimmern sei, den man mit einer Fundraising-Kampagne auf der Raiba-Plattform und einer Finanzspritze von 2.500 Euro unterstützt habe, oder den Bau und die Schaffung neuer Mietswohnungen in Forchtenberg, Oberkessach oder Niedernhall in einem ohnehin schon angespannten Wohnungsmarkt wie dem im Hohenlohekreis.

Anfang März veranstaltet die Raiba fünf Foren für ihre Mitglieder. Veranstaltungsevents, die nicht nur die Raiba mit ihren aktuellen Zahlen und Projekten vorstellt. Darüber hinaus wird noch ein Rahmenprogramm mit örtlichen Vereinen, der Polizei und Kabarettisten geboten. „Es ist uns einfach wichtig, den direkten Kontakt mit unseren Mitglieder:innen zu pflegen, auszubauen und dabei positive Erlebnisse zu schaffen“, erklärt Häring.

Zahlen, Daten Fakten

Die Raiffeisenbank Hohenloher Land hatte 2022 222 Mitarbeiter:innen (2021: 234), 13 Filialen (2021: 14), 24.458 Mitglieder:innen (2021: 24.652) und 38.376 Kund:innen (2021: 38.455). Die Bilanzsumme 2022 bewegte sich bei 1,384 Millionen Euro (2021: 1,310). Der Bilanzgewinn legte von 2.073 Millionen Euro auf 2.1 Millionen Euro zu.




Besondere Ausstellung von besonderen Menschen

Am Sonntag, den 12. Februar 2023, startet im Würth Museum in der Reinhold-Würth-Straße 15 in Gaisbach eine ganze besondere Ausstellung mit ganz besonderen Menschen. Würth zeigt 140 Exponate, Gemälde und Skulpturen von besonderen Menschen.

Die Ausstellung besticht durch ihre Vielfalt an Farben, Formen und Ausdrucksweisen. Dabei geht es Würth vor allem um eines, so die Kuratorin Kirsten Fiege, nämlich es zu einer Normalität werden zu lassen, dass Exponate von Menschen mit Beeinträchtigung eine alltägliche Plattform in Kunst und Kultur zu geben:Die Ausstellung fokussiert auf die Fähigkeiten und nicht auf die Beeinträchtigungen der Künstler:innen“, so Dr. Beate Elsen-Schwedler, stellvertretende Direktorin der Sammlung Würth, beim Presserundgang vor der offiziellen Eröffnung.

Die Ausstellung lade ein, „auf Entdeckungsreise zu gehen und möglichst ohne Vorurteile die Kunst sprechen zu lassen. Die Kunst von besonderen Menschen ist auf Initiative von Carmen und Prof. Dr. h. c. mult. Reinhold Würth seit den 1990er-Jahren selbstverständlicher Teil der Sammlung Würth mit inzwischen über 440 Werken von mehr als 100 Kunstschaffenden“, heißt es denn auch in der Pressemitteilung.

Zu sehen sind dabei unter anderem mannshohe Baumaschinen, kaleidoskopartige Gemälde und spektakuläre Zukunftsvisionen. So gibt es einen Wandschrank, der beklebt ist mit verschiedensten Datumsangaben – unter anderem mit dem Datum des 11. September. Daneben hat der Künstler vermerkt :“USA – BOING – Wolkenkratzer -Broadway Flug“. Den Schrank fertigten die Künstler Bernd Bukowski und Joachim Humpert allerdings bereits zwischen 1995 und 1997 – also viele Jahre vor 09/11. Eine Zukunftsvision, die sich nur vier Jahre später bewahrheiten sollte.

Roland Kappel baut Baufahrzeug nach. Ein mannshoher, voll funktionstüchtiger Baukran steht exponiert in der Museumshalle. Er gründete hierfür sogar eine eigene „Baufirma“ mit dem Namen Baumission. Er hat das Glück, dass er ein eine eigene Werkhalle auf dem Grund eines ehemaligen Klosters zugesprochen bekommen hat, in welcher er seine selbst gebauten Maschinen ausstellen darf.

Helmut Widmaiers Bilder hat man erst spät entdeckt und veröffentlicht. Da hatte er schon mehrere hundert Bilder gemalt. Oft geht es in seinen Werken um das „Besondere im Allgemeinen“. Auf einem seiner Bilder sieht man sechs rote Hühner und ein blaues. Vielleicht hat er sich so gefühlt – anders andere. Aber fühlt sich nicht jeder manchmal anders?

Die Gemälde und Skulpturen treffen somit auch einen Nerv der Zeit – dass es in Ordnung ist, anders zu sein, nicht konform zu gehen mit der Masse, dass es sogar gut und wichtig ist für eine Gesellschaft, um lebendig und bunt zu bleiben. Und das jeder dabei seine Stärken und besonderen Fähigkeiten in diese Welt einbringen darf und sollte.

Diverse Künstler sind an dem offiziellen Ausstellungsstart vor Ort, um ihre Werke vorzustellen. Die ausgestellten Werke kommen zumeist aus Werkstätten von Süddeutschland. Manche dieser Werke kommen danach in das Würth Museum 2 im Carmen Würth Forum und werden neben Künstlern wie Georg Baselitz oder Picasso zu sehen sein. Sie haben den Sprung zum Besonderen zwischen dem Allgemeinen damit bereits geschafft.

 

 




„Man kauft bei uns nicht die Katze im Sack“

Heute ist einer dieser Überraschungsei-Tage. Uschi Rösch hat eigentlich keinen Platz mehr für einen weiteren Hund, doch dann wird ein schwarzer Schäferhund in einem nahegelegenen Waldstück gefunden und zu ihr gebracht. Der Hund ist bei der Tierschutzorganisation Tasso registriert. Uschi Rösch, seit 2006 Leiterin des einzigen Tierheimes im Hohenlohekreis im Gewerbegebiet in Waldenburg, hofft so, die/den Besitzer:in ausfindig zu machen. Doch die Kontaktdaten sind veraltet. Nun guckt der Hund mit den großen Ohren neugierig aus dem Fenster des Aufenthaltsraums heraus und wartet geduldig.

Futterspende fürs Tierheim

Nur ein paar Minuten später kommt Miriam Stadtfeld vorbei und bringt Hundefutter, eine Spende an das Tierheim, nachdem ihr Hund Whiskey nach 13 Jahren verstorben ist. Das Tierheim kann solche Gaben gut gebrauchen, die müssen schön nicht gekauft werden, sagt Rösch pragmatisch. Träger des einzigen Tierheimes im Hohenlohekreis ist der Tierschutzverein des Hohenlohekreises. Hinter der Tierheimleiterin hängt ein Plakat an der Wand: „Tierheime schließen mehr Bünde fürs Leben als das Standesamt.“

Manche Tiere sind auch in Pflegestellen untergebracht

Derzeit warten 35 Katzen, 6 Hunde und ein paar Hasen und Meerschweinchen auf eine Weitervermittlung in ein neues Zuhause. Nicht alle Tiere kann man im Tierheim besichtigen, manche sind auch in Pflegestellen untergebracht. Wenn der Platz nicht reicht, kann es auch sein, dass man sie an das Tierheim in Heilbronn oder Schwäbisch Hall weitergibt. Das Tierheim finanziert sich hauptsächlich über Spenden, lebt aber auch von Erbschaften von Tierliebhabern. Zusä0ztlich bekommen sie einen gewissen Betrag von den jeweiligen Gemeinden für jedes in Obhut genommene Tier. Wenn beispielsweise ein Tier in einem Waldstück in Neuenstein gefunden wurde, dann muss auch die Stadt Neuenstein für die Versorgung und Vermittlung einen Festbeitragssatz an das Tierheim bezahlen. Neben Rösch als einzige Vollzeitkraft arbeiten noch drei Teilzeitkräfte in dem Tierheim sowie rund 50 Ehrenamtliche. So können auch die Sonn- und Feiertage überbrückt und die Tiere auch abends gut versorgt werden.

Extrem sauber

In dem kleinen Tierheim ist es extrem sauber. Die Katzen und Hunde sehen gepflegt aus. Die Ehrenamtlichen kommen hierher zum Katzen streicheln, Gassi gehen oder putzen auch mal ein Fenster – wie Margarethe Stubenfall aus Kupferzell. Die 70-Jährige schaut zweimal wöchentlich nach ihren geliebten Katzen, streichelt sie, spricht mi ihnen, kennt sie alle mit Namen, weiß, was sie mögen, was eher nicht, gibt ihnen Leckerli und freut sich für jede, die vermittelt wurde in eine neue Familie. Wichtig sei, dass es passe, sagt sie. Einmal wollte eine ältere Dame eine Katze haben, doch die habe zu nah an einer stark befahrenen Straße gewohnt. Das wäre nicht gut gegangen, sagt die Rentnerin, auf die Zuhause ein Kater wartet: „Ich mag ja Katzen über alles. Mein Kater versteht unglaublich viel“, erzählt sie, während sie die dankbar um sie herumtänzelnden Katzen im Tierheim streichelt.

„Man kauft bei uns nicht die Katze im Sack“

In der Tat schauen Uschi Rösch und ihr Team, dass das Haustier zu dem neuen Zuhause passt und umgekehrt. „Man kauft bei uns nicht die Katze im Sack. Unsere Mitarbeitenden schon ein Auge dafür, ob es passt oder nicht.“ Derzeit wartet etwa der Schäferhundmischling Chico auf ein passendes Zuhause. Der Besitzer hatte nicht die nötige Zeit für diesen jungen, dynamischen Hund, der sich, so Rösch, mitten in seiner „Sturm-und-Drang-Phase“ befinde. Die 54-Jährige selbst hat ebenfalls einen Hund und zwei Katzen zu Hause.

Ausgesetzte Tiere

In dem Tierheim landen Tiere, die irgendwo im Hohenlohekreis gefunden wurden, mache wurden bewusst einfach ausgesetzt, oder an das Heim übereignet, wenn sich die Besitzer:innen nicht mehr kümmern können oder verstorben sind und auch beschlagnahmte Tiere wegen Verwahrlosung oder Misshandlung werden hier abgegeben. Ein Hund sei etwa jahrelang lediglich in einer Transportbox gehalten worden, berichtet Rösch. Sie hat in ihrer jahrezehntelangen Laufbahn schon einiges erlebt. Bevor sie Leiterin des Tierheimes in Waldenburg wurde, arbeitete sie 13 Jahren im Tierheim in Heilbronn. Manche Tiere müssten erst einmal ärztlich versorgt werden, Fußbrüche seien nicht selten oder Augenverletzungen.

Immer schwieriger mit der Vermittlung

Die Vermittlung sei nicht mehr so einfach wie früher, erzählt Rösch. Der Markt sei übersättigt, vor allem bei Katzen, werde es immer schwieriger mit der Vermittlung. Junge Kätzchen, kämen schneller weg wie alte und „die Optik macht auch viel aus bei der Vermittlung.“ Scheue Tiere hätten es schwerer wie zutrauliche. „Viele Menschen haben einfach nicht die nötige Geduld“, weiß Rösch.

Mache Tiere leben nur ein paar Monate im Tierheim, bis sie vermittelt werden, andere über ein Jahr.

Uschi Rösch stellt den heutigen Neuankömmmling, den schwarzen Schäferhund nun erst einmal in die Facebook-Gruppe Kupferzell ein und wartet, ob sich jemand meldet, der diesen Hund kennt. Bis es soweit ist, bleibt er erst einmal hier.

Tierpatenschaften

Wer sich für eine ehrenamtliche Aufgabe im Tierheim interessiert, für den gibt es mehrere Möglichkeiten, sich einzubringen. Zum einen werden Menschen für die Katzen gesucht, die am Wochenende und an Feiertagen vorbeikommen, um die Katzen zu füttern, die Katzenklos zu reinigen, ihnen Medikamente zu geben und sie zu streicheln. Zum anderen werden auch dringend Pflegestellen gesucht, also Pflegefamilien, die vorübergehend ein krankes oder hilfsbedürftiges Tier bei sich aufnehmen möchten, bis es ins Tierheim kann. Das Tierheim in Waldenburg hat jedes Jahr rund 1.000 Tiere in seiner Obhut. Nur für Tierarztkosten belaufen sich dabei auf rund 100.000 Euro. Daher freut sichd as Tierheim auch imemr über Spenden.

Es gibt darüber hinaus ale und kranke Tiere, die das Tierheim versucht, in Dauerpflegestellen unterzubringen. Hier kann man eine Tierpatenschaft übernehmen und sich mit einem regelmäßigen monatlichen Beirag an den Kosten beteiligen.

Fahrer:inen sind auch immer willkommen, die die Tiere zum Tierarz fahren. Wer Mitglied im ierschutzverein des Hohenlohekreises werden möchte, zahlt 35 Euro jährlich (20 uro für Kinder/Jugendliche) und kann auch auf diese Weise das Tierheim utnerstüzen.

Kontakt:

Tierschutzverein Hohenlohekreis e.V.

& Tierheim Waldenburg

Max-Eyth-Straße 11

74638 Waldenburg

Besuchstermine nach telefonischer Vereinbarung: 07942/94 57 40

Notrufnummer bei einem gefundenen Tier: 0152/04 33 8006

Spenden:

Paypal: tierheim-tsvhok@web.de

Spendenkonto: Sparkasse Hohenlohekreis

Inhaber: Tierschutzverein Hohenlohekreis e.V.

Iban: DE45 6225 1550 0005 0403 19

BIC: SOLADES1KUN

info@tierschutzverein-hohenlohe.de

www.tierschutzverein-hohenlohe.de 

Bildergalerie

Uschi Rösch leitet das einzige Tierheim im Hohenlohekreis im Gewerbegebiet in Waldenburg seit 2006. Foto: GSCHWÄTZ

Die ehrenamtliche Mitarbeiterin Margarethe Stubenfall (70) aus Kupferzell schaut mehrmals wöchentlich vorbei, um die Katzen zu streicheln oder auch mal um ein Fenster zu putzen. Foto: GSCHWÄTZ

Die Katzen lieben sie. Foto: GSCHWÄTZ

Dieser kleine Tiger ist schon reserviert und wartet auf seine Abholung. Foto: GSCHWÄTZ

Der Hund von Miriam Stadfeld ist nach 13 Jahren gestorben. Sie spendet das übrig gebliebene Hundefutter an das Tierheim. Foto: GSCHWÄTZ

Die Katzen und Hunde sind in separaten kleinen Zimmern untergebracht, jeweils mit kleinem Auslauf ins Freie. Foto: GSCHWÄTZ

Während die Katzen zu zweit oder dritt in einem Zimmer untergebracht sind, haben die Hunde Einzelzimmer, freuen sich aber immer enorm, wenn Besucher:innen kommen. Foto: GSCHWÄTZ