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Oberginsbach gewinnt Goldmedaille

Oberginsbach – Am heutigen Freitag, den 15. Juni 2018, besuchte eine 13 Personen starke Landeskommission des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft im Rahmen des Wettbewerbes „Unser Dorf hat Zukunft“ um 8 Uhr das Dörfchen Oberginsbach. Um 14 Uhr hat die Kommission entschieden und Oberginsbach erhält die Goldmedaille.

In dem Wettbewerb geht es darum, dass die Dorfbewohner zeigen, welche Themen sie vor Ort bewegen und was die Entwicklung und das Zusammenleben in ihrem Dorf auszeichnet.

Führend in Baden-Württemberg

Oberginsbach, des 300 Einwohner kleine Dorf, hat es vom Bezirksentscheid 2017, mit 28 konkurrierenden Gemeinden, bis zum Landesentscheid in diesem Jahr geschafft und ist somit unter die besten neun Ortschaften in Baden-Württemberg gewählt worden. Vier davon haben nun eine Goldmedaille erhalten.

Von 28 teilnehmenden Ortschaften unter die besten neun geschafft

Die acht Konkurrenten von Oberginsbach waren Gaggenau-Sulzbach, Forbach-Langenbrand, Renchen-Ulm, Fröhnd, Radolfzell-Möggingen, Hechingen-Bechtoldsweiler, Ehingen-Dächingen und Dürnau.

Kurzinterview mit Martin Schmitt darüber, welche Handstände Oberginsbach machen musste, um an dem Wettbewerb teilzunehmen:

„Früher gab es den Dorf-Depp, heute eine Dorf-App“

Die Kommission wurde von den Oberginsbachern um 8 Uhr am Roten Platz direkt an der Kirche empfangen. Nach einer kurzen Begrüßung gab es einen Rundgang durch Oberginsbach. Martin Schmidt, Ortsvorsteher, betonte, dass alle Renovierungen und Restaurationen im Dorf größtenteils von den Vereinen finanziert werde. Der Oberginsbacher Marco Wolpert: „Wir haben nicht nur eine Facebook-Seite, sondern auch eine Dorf-App. Früher gab es den Dorf-Depp, heute ist es die Dorf-App. Wir möchten diese Dorf-App so umbauen, dass man sich auf dem Mitfahrbänkle ankündigen kann und das Mitfahren besser geplant werden kann.“ Dr. Konrad Rühl, Leiter der Kommission, erklärt: „Mit in die Bewertungen fließt die Wirtschaft, Soziales und Kulturelles, die Baugestaltung sowie die Grüngestaltung.“

Der Rundgang durch Oberginsbach startet mit der Besichtigung des Bürgerhauses, des Kulturkellers und der Kirche. „Es wird eine schwere Entscheidung“, betont Ingrid Bisinger, Kommissionsmitglied.

Die Feuerwehr stellt sich vor

Die Feuerwehr Oberginsbach stellt sich vor:

Da die Oberginsbacher der Kommission viel zeigen wollen, aber zeitlich begrenzt sind, wartet ein Traktor mit Anhänger auf alle. Das Neubaugebiet, die Aussiedlerhöfe, die Flüchtlingsunterkunft und der Spielplatz sowie der See werden abgefahren und vorgestellt. Die Frauengruppe aus Oberginsbach wartet schon mit Getränken, selbst gemachten Pralinen und Broten auf die Kommission.

Die Kommission bekam eine Rundfahrt durch Oberginsbach.
Foto: GSCHWÄTZ

Nur zweieinhalb Stunden Zeit, um die Kommission zu überzeugen

„Die Kommission ist nur zweieinhalb Stunden da und wir sind deshalb unter Zeitdruck, weil wir ihnen so viel wie möglich von Oberginsbach zeigen möchten“, erklärt Marco Wolpert, während die Beteiligten auf die noch fehlenden Mitglieder der Kommission warten,  die sich länger als geplant bei der Frauengruppe aufhalten. Dr. Konrad Rühl schmunzelt und sagt: „Die Kommission hört nicht. Aber die Frauengruppe hat sich so viel Mühe gegeben, da will ich ihnen die Zeit geben, um das Gespräch zu nutzen.“

Ortsvorsteher Martin Schmitt richtet ein paar Worte an den Leiter der Kommission:

Wieder beim Roten Platz angekommen endet der Rundgang. In der Zwischenzeit haben die Oberginsbacher den Roten Platz zu einem kleinen Festplatz umfunktioniert und die Sangesfreunde Oberginsbach empfangen die Kommission mit dem Oberginsbachlied. „Man weiß nie genau, was bewertet wird und natürlich ist man nervös und hofft. Aber es hat alles super geklappt“, so Oberginsbacher Norman Wolpert erleichtert.

Die Oberginsbacher nutzen dieses Event, um ihren neu gestalteten Roten Platz vor der Kirche einzuweihen. Landrat Dr. Matthias Neth ist auch anwesend und erklärt: „Das es Oberginsbach in diesem Wettbewerb soweit geschafft hat, überrascht mich nicht. Die Oberginsbacher haben einen außergewöhnlichen Zusammenhalt von Jung und Alt und auch das sieht die Kommission.“

Landrat Dr. Matthias Neth und AfD-Abgeordneter Anton Baron in Oberginsbach.
Foto: GSCHWÄTZ

Video der Weihung des Roten Platzes in Oberginsbach:




Angedrohter Rausschmiss bei Gemeinderatssitzung Ingelfingen

TSV-Vorstand Bernd Bauer legt sich mit Bürgermeister Michael Bauer an. Stadt Ingelfingen sagt: „Gemeinderatsmitglied hat sich zu mäßigen“

SCI und TSV fusionieren zum 01. Juli 2018

Bei der Ingelfinger Gemeinderatssitzung am Dienstag, den 15. Mai 2018, im Fürstensaal des Rathauses in Ingelfingen, kam es zu einer Diskussion zwischen Bürgermeister Michael Bauer und dem ersten Vorsitzenden des TSV Ingelfingen Bernd Bauer. Bernd Bauer wäre beinahe des Saales verwiesen worden, wenn er sicht nicht mäßige, erzählt Bernd Bauer. GSCHWÄTZ bat die Beteiligten um ein Statement.

Der TSV Ingelfingen und der SC Ingelfingen fusionieren zum 01. Juli 2018. Damit die Fußballabteilung in der nächsten Saison an den Meisterschaftsrunden teilnehmen kann, benötigt es eine Bestätigung für den württembergischen Fußballverband der Stadt Ingelfingen über die Nutzung der Sportplätze und der Umkleidemöglichkeiten.

„Da ich als befangen erklärt wurde, nahm ich beim Beschluss über die Nutzung der Sportplätze im Publikum platz“, erklärte Bernd Bauer, Mitglied des Gemeinderates in Ingelfingen und Vorsitzender des TSV Ingelfingen. Bürgermeister Michael Bauer genehmigte die Nutzung der Sportplätze, die Nutzung der Umkleidemöglichkeiten jedoch nicht – so hatte ich das zumindest verstanden. Ich wurde emotional und sagte zum Bürgermeister, dass er nicht lügen solle“, sagt Bernd Bauer. „Jedoch beinhaltete die Genehmigung auch die Nutzung der Heinrich-Ehrmann-Halle als Umkleidemöglichkeit für den Spielbetrieb“, so der Vorsitzende des TSV Ingelfingen weiter.

Sportplatz am Kocher in Ingelfingen

„Gemeinderat muss sich mäßigen“

Alexander Winter, der Leiter des Hauptamtes, erklärt: „Das Wesen eines Gemeinderates ist es, sich konstruktiv mit Themen der Kommunalpolitik zu befassen. Es liegt aufgrund der Diversität der handelnden Personen in der Natur der Sache, dass es vorkommen kann, dass hierbei nicht alle einer Meinung sind und mitunter die Diskussion ausgeführt wird. Die Vorgabe der Gemeindeordnung ist aber auch, sinngemäß von mir nun zitiert, dass das Gremium zumeist öffentlich zu tagen hat. Die Diskussion, auf die Ihre Anfrage abzielt, wurde in der öffentlichen Gemeinderatssitzung vom 15.05. geführt. Es ist also jedem möglich und gestattet, gerade auch der Presse, an der Sitzung teilzunehmen. Die größtmöglichen Informationen sind somit möglich. Ich bitte Sie aber um Verständnis, dass wir im Nachgang nicht en détail einen Sachverhalt aufgreifen und schildern können. Richtig ist, dass, ebenfalls in den einschlägigen Rechtsvorschriften geregelt, ein Gemeinderat, sollte er sich nicht dem Wesen des Gremiums entsprechend verhalten und sich ungebührlich artikulieren, sich zu mäßigen hat. Die Verhandlungsleitung obliegt dem Bürgermeister, der den Gemeinderat zur Ordnung zu rufen hat. Ist dies nicht möglich, kann ein Gemeinderat des Sitzungssaales verwiesen werden.“

 

Jugendspieler müssen Kochertal-Straße überqueren

Das Problem: Derzeit müssen die Fußballer des SC Ingelfingen bei Spielbetrieb, wenn sie sich in der Turnhalle umziehen, danach die stark befahrene Hauptstraße überqueren, um zu den Sportplätzen zu gelangen. Das betrifft auch die Jugendspieler. Neben den Sportplätzen am Kocher steht zwar ein Sporthäuschen, das bei Trainingseinheiten zum Umkleiden genutzt wird. Das sei aber zu klein bezüglich der künftigen Nutzung, so die einhellige Meinung von TSV und SCI. Karsten Furch, der Vorsitzende des SC Ingelfingen, stimmt der Aussage von Bernd Bauer zu: „Das mit der Abteilung Tennis geteilte Sporthäusle ist für künftige Zwecke zu klein. Aber auch die Hallennutzung ist ungünstig, da die Jugendspieler die Straße überqueren müssten.“

Bernd Bauer, der Vorstand des TSV Ingelfingen, erklärt: „Um aus dem Sporthäuschen ein Vereinsheim machen zu können, muss das Sporthäuschen aufstocken. Das würde nach ersten Schätzungen zirka 200.000 Euro kosten. Aber das Häuschen und auch der Sportplatz befinden sich im Hochwassergebiet. Zwar ist das Sporthäuschen schon erhöht gebaut, aber es könnte dennoch schwer werden, finanzielle Unterstützer zu finden. Und von heute auf morgen ist dies auch nicht umsetzbar. Auch die Fußballfelder befinden sich im Hochwassergebiet. Wenn Hochwasser herrscht, kann auf den Plätzen nicht gespielt werden was ein bis zwei mal im Jahr vorkommt.“

Die Stadt Ingelfingen hat derzeit laut eigenen Aussagen kein Geld für Projekte wie das Sportheim. Foto: GSCHWÄTZ/Rathaus Ingelfingen

Bürgermeister Bauer: „Die Gesamtfinanzierung liegt beim TSV“

GSCHWÄTZ fragte bei Bürgermeister Michael Bauern nach, ob die Stadt Ingelfingen in Erwägung zieht, die Sportplätze an einen anderen Platz zu verlegen und ob es dafür oberhaupt Möglichkeiten gibt. Bürgermeister Michael Bauer: „Möglichkeiten und Überlegungen gibt es zweifelsohne, jedoch ist auch dies aufgrund der anstehenden Projekte und Aufgaben finanziell derzeit nicht umsetzbar. Ich bitte Sie um Verständnis, da es in Ingelfingen nicht nur den TSV Ingelfingen gibt, sondern rund 60 weitere Vereine und Gruppierungen, die auf die Unterstützung der Stadt Ingelfingen zählen und deren Interessen es ebenfalls zu berücksichtigen gilt.“ Für die Vergrößerung des Sporthäuschens, das sich direkt neben den Sportplätzen befindet, bat Bürgermeister Michael Bauer an: „Die Stadt kann sicherlich eine Unterstützung finanzieller Art geben, jedoch liegt die Federführung und die Gesamtfinanzierung beim TSV Ingelfingen.“

Das neue Sportzentrum in Form der Heinrich-Ehrmann-Turnhalle in Ingelfingen hatte bereits 2011 seine Einweihung. Aber warum haben die Fußballer des SCI und dem TSV Ingelfingen keinen Platz darin gefunden? Ein zweiter Bauabschnitt war geplant. Bernd Bauer erklärt: „Das Sportzentrum wurde in zwei Bauabschnitte geteilt. Beim zweiten Abschnitt sollten weitere Baukörper parallel zur Laufbahn entstehen. Ein Baukörper sollte die Umkleidekabine der Fußballer werden und direkt darüber das Vereinsheim hinkommen. Jedoch bräuchte es dann eine Über- oder Unterführung, damit nicht immer die Straße überquert werden muss, um an die Sportplätze zu gelangen.“ GSCHWÄTZ fragte bei Bürgermeister Bauer nach, ob der zweite Bauabschnitt noch umgesetzt werden solle. „Der ursprünglich geplante zweite Bauabschnitt der Heinrich-Ehrmann-Halle kann aufgrund der großen Projekte und Aufgaben, welche aktuell und in absehbarer Zeit anstehen, leider nicht umgesetzt werden,“ so Bürgermeister Bauer.

Nach zwanzig Jahren schmelzen der TSV und der SCI wieder zu einem Verein zusammen. Jetzt fehlt nur noch ein Vereinsheim, dass der Größe dieses Vereins angemessen ist. Der TSV hat aktuell 802 Mitglieder und der SCI zirka 350 Mitglieder. Mit der Fusionierung wird es bestimmt zu einigen Doppelmitgliedschaften kommen, aber ich gehe davon aus, dass wir dennoch auf deutlich mehr als 1.000 Mitgleider kommen, erklärt Bernd Bauer.

// Fotos: GSCHWÄTZ/Archiv




Filetierung des Kerl-Areals in Niedernhall

Bei der Gemeinderatsitzung in Niedernhall am Montag, den 16. April 2018, sollte beschlossen werden, was mit dem Kerl-Areal passiert. Das zwei Hektar große Gelände, das die Stadt Niedernhall 2015 für 1,2 Millionen Euro erwarb, soll als Fläche für den Einzelhandel und/oder weitere Gewerbe vorgesehen sein. ( Zwei Hektar sind 20.000 Quadratmeter // somit hat die Stadt Niedernhall 60 Euro pro Quadratmeter bezahlt.)

Voch bevor alles Weitere besprochen wurde, verweis Bürgermeister Achim Beck darauf, dass unter anderem Klaus Richter entschuldigt sei. Beim Thema Bürgerfragen begründeten zwei Bürger ihren Unmut über die aktuelle Situation der Strafanzeige, die Klaus Richter gegen Achim Beck und den Gemeinderat gestellt hat (siehe GSCHWÄTZ Berichterstattung / Link unten). „Ich wollte Herrn Richter direkt fragen, wann er seine Leidenszeit und die Leidenszeit des Gemeinderates beenden wolle. Ich hätte einen Tipp: Er soll die Strafanzeige einfach zurücknehmen. Da er seit 24 Jahren im Gemeinderat und seit 14 Jahren stellvertretender Bürgermeister ist, hat es mich sehr gewundert, dass er durch seine Verhaltens- und Vorgehensweise eine vertrauensvolle Zusammenarbeit in der bürgerlichen Liste (Anmerkung der Redaktion: gemeint war die bürgerliche Wählervereinigung), im Gemeinderat und auch in Zusammenarbeit mit dem Herrn Bürgermeister zerstört hat. Deshalb wäre meine direkte Frage gewesen, wann er als stellvertretender Bürgermeister und wann er als Gemeinderat zurücktritt“, so ein Bürger. Ein weiterer Bürger: „Schade, dass Herr Richter nicht da ist. Er ist stellvertretender Bürgermeister und er hat bei mir eine Vorbildfunktion. Eine Vorbildfunktion verstehe ich darin, dass diese  innerhalb des Stadtrates mit dem Herrn Bürgermeister zusammen besprochen werden und das man da nicht jedes Mal auf das Gericht rennen muss. Das ist ein unmöglicher Vorgang. Es ist wirklich schade, dass Herr Richter nicht anwesend ist, sonst hätte ich ihn gefragt, warum er nicht zurücktritt und den Stadtrat seine Arbeit machen lässt.“ Weitere Worte zu diesem Thema und dem Thema Strafanzeige fielen an diesem Abend nicht.

Vielmehr wurde über die Umbauarbeiten gesprochen, die im Zuge des umstrittenen Kaufs des Kerl-Areals eventuell getätigt werden müssen.

Das Problem mit dem Kerl-Areal sei, so Bürgermeister Achim Beck, der Verkehr am Knotenpunkt der Weißbacher Straße an der Ampel mit der Abbiegung auf die Kocherbrücke (L1044/L1045/Criesbacher Straße). Die Abbiegespuren sind mit ihren 25 Metern zu kurz und somit staut sich der Verkehr. Ein Kreisverkehr wäre eine Lösung, jedoch nicht umsetzbar, ohne die Kocherbrücke zu erweitern, damit LKW´s keine Probleme beim Verlassen des Kreisverkehrs haben – somit ist ein Kreisverkehr nicht umsetzbar. Die andere Option: Die Abbiegespuren müssen verlängert werden. Das Ingenieurbüro Dreikant (Verkehrsplaner) und das Ingenieurbüro Zimmermann (Verkehrsuntersuchung) stellten die Lösung der T-Kreuzung vor. Die Criesbacher Straße könnte von der Kreuzung abgekoppelt werden und dafür schafft man eine Abbiegespur durchs Kerl-Areal. Die Linksabbiegespur in Richtung Kocherbrücke, aus Richtung Ingelfingen kommend, soll dann auf 252 Meter verlängert werden.

Da es sich aber um die Verbesserung der Wartezeit auf Straßen des Landes handelt, muss das Land sich an den Kosten beteiligen. Aber bis das geklärt ist, ob tatsächlich eine Abbiegespur durch das Kerl-Areal gezogen wird, kann nichts weiter geplant werden. „Es wird bestimmt noch ein halbes Jahr dauern, bis man genaueres zur Erschließung des Kerl-Areal sagen kann“, so Bürgermeister Achim Beck. Beck weiter: „Ich habe mir immer gewünscht, eine Abbiegespur ganz weit vorne zu haben, jetzt wird sie aber womöglich direkt an den Rossmann grenzen. Was wir so nie haben wollten, weil wir den Einzelhandel gerade in dem Bereich etwas weiterentwickeln möchten, etwa auf die Hälfte oder Zweidrittel des gesamten Fläche des Areals. Genau das ist jetzt nicht mehr möglich, nämlich, dass es ein Areal wird. Sondern man muss tatsächlich eine öffentliche Straße überqueren, wenn man dort zum Einzelhandel möchte.“ Sprich: Das Areal würde durch die neue Straße in zwei Hälften geteilt, auf der einen Seite wären Neukauf und Rossmann, auf der anderen Seite das neue Einzelhandelsareal.

// Fotos: GSCHWÄTZ

// Mehr Informationen zu diesem Thema:




„Man kann den Wohnungsmarkt in Künzelsau als angespannt bezeichnen“

// Für Familien, Alleinerziehende, Geringverdiener und Bedürftige wird es immer schwerer, bezahlbaren Wohnraum zu finden

Margot* wohnt mit ihrer Tochter in Künzelsau-Taläcker. Sie ist alleinerziehend. Während ihres Aufenthalts im Frauenhaus musste sie schnell eine günstige Wohnung finden. Sie ist auf das Geld vom Jobcenter angewiesen. Ihre 60 Quadratmeter kleine Zwei-Zimmerwohnung kostet aber anstatt der vom Jobcenter bezahlten 290,40 Euro 390 Euro kalt.  Schaut man sich in den Internetportalen um, findet man selten günstigere Wohnungen. Die Differenz von monatlich 100 Euro muss sie selbst zahlen. Durch diese 100 Euro mehr an Miete bleiben ihr monatlich zirka 150 Euro für Lebensmittel, Kleidung und sonstige Ausgaben für sich und ihre Tochter.

Ihr Vermieter Klaus Berger* hat nur Umstände: „Die Kosten für den Tiefgaragenstellplatz werden nicht vom Jobcenter übernommen. Somit muss Margot einen Stellplatz zahlen, den sie nicht nutzen kann, weil sie keinen Führerschein hat.  Untervermieten kommt nicht in Frage. Denn: „Was mache ich, wenn Margot auszieht und ich den Stellplatz sofort wieder brauche?“, fragt Berger.  Den Strom für die Tiefgarage muss er für das Jobcenter aufführen, da dies nicht von den allgemeinen Nebenkosten übernommen werde.

Seit Mai 2017 wartet der Vermieter auf die Nachzahlung für die Nebenkosten. Es kam zu einen Fehler mit dem Jobcenter und seit Januar 2018 weiß Margot, dass sie die Mehrkosten an den Nebenkosten selbst tragen muss. „Als ich mich für die Wohnung beworben habe, konnte ich dem Vermieter keinerlei Sicherheiten bieten, außer dass ich auf seine Wohnung aufpasse und sie immer sauber halte. Aber ich bin froh, dass er mich versteht und auch bei der Sache mit den Nebenkosten und dem Jobcenter hinter mir steht“, erzählt Margot.

4,84 Euro pro Quadratmeter bekommt ein Zwei-Personen-Haushalt für eine maximal 60 Quadratmeter große Wohnung in Künzelsau als Leistungsempfänger vom Jobcenter Hohenlohekreis. Dieser Stand gilt seit 2011. Das wären 290,40 Euro für die Kaltmiete. Bei Wohnungsboerse.net lag der durchschnittliche Mietpreis in Künzelsau 2017 bei 7,29 Euro pro Quadratmeter. Bei 60 Quadratmeter wäre das eine Miete 437,40 Euro – also weit mehr als der  Betrag, den Bedürftige an Wohnzuschuss bekommen. Also muss man, notgedrungen, auf Randgebiete oder Teilorte zurückgreifen.

Auch die Kosten für die Bergbahn von Taläcker nach Künzelsau, um zum Beispiel Lebensmittel einzukaufen oder mit ihrer Tochter in die Stadt zu fahren, trägt Margot selbst. Ihr Bus- und Bahnticket, um zu ihrer Teilzeitarbeitsstelle zu kommen, kostet sie monatlich 88 Euro. Das Jobcenter Hohenlohekreis sagt hierzu auf GSCHWÄTZ-Nachfrage: „Das Jobcenter erstattet auf Antrag in bestimmten Fällen Fahrtkosten für Anfahrten zu einem Termin im Jobcenter, zu einem Vorstellungsgespräch oder zu einer Teilnahme an einer Maßnahme.“

Vor zwei Monaten gab es auf Facebook an die Stadt Künzelsau eine Anfrage zum bezahlbaren Wohnen in der Kreisstadt. Die Stadt hat darauf reagiert.

Auf der Facebook-Seite der Stadt Künzelsau gab es zu der Ankündigung der Einwohnerversammlung am 04. Februar 2018 einen Kommentar mit der Frage zu bezahlbarem Wohnraum. Die Stadt Künzelsau hat angekündigt, bezahlbaren Wohnraum in Gaisbach zu schaffen. Das ändert jedoch für bedürftige Bürger wie Margot nichts. Sie bleiben auf ein Fahrzeug oder öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Denn bezahlbarer Wohnraum in der Kernstadt bleibt Mangelware.

„Man kann den Mietwohnungsmarkt in Künzelsau als angespannt bezeichnen, vor allem im preisgünstigen Segment“, bestätigt Rolf Hofacker vom Kreisbau Künzelsau. „Der Kreisbau Künzelsau verfügt über 670 Mietwohngen. Davon sind 70 Wohnungen mietpreisgebunden, sogenannte Sozialwohnungen“, so Hofacker weiter. Derzeit seien laut der Kreisbau Künzelsau 300 Mietsuchende registriert.

Alfred Huber, Vorsitzender des Mieterbundes  Heilbronn-Franken e.V. erklärt: „Die ortsübliche Vergleichsmiete wird in vielen Städten durch den Mietspiegel gebildet. Künzelsau hat offensichtlich keinen Mietspiegel.“

Auf Margot kommt 2019 eine Mieterhöhung zu, sie möchte aber versuchen, die Wohnung zu behalten, denn bei über 300 Konkurrenten eine neue günstige Wohnung zu finden, scheint schwierig.

 

„Man baut lieber teure Eigentums-, anstatt Mietwohnungen“ 

// Zur aktuell angespannten Wohnraumsituation in Künzelsau hat Nadja Fischer mit Alfred Huber, Vorsitzender des Mieterbundes  Heilbronn-Franken e.V., gesprochen.

Hat sich die Zahl der Sozialwohnungen in den letzten Jahren geändert?

Huber: In ganz Baden-Württemberg wurden 2017 nur Mittel für 1.300 Mietwohnungen, statt der möglichen 3.200 Wohnungen von den Wohnungsunternehmen beim Land beantragt. Man baut eben lieber teure Eigentumswohnungen oder Appartements als Mietwohnungen. Wir als Mieterbund Heilbronn-Franken appellieren an die Wohnungsgenossenschaften der Region Heilbronn-Franken, ihrer Verantwortung für die Bezieher kleinerer und mittlerer Einkommen gerecht zu werden und die Mietwohnungsförderung durch das Landeswohnungsprogramm in Anspruch zu nehmen.

Was hat ein Vermieter davon, eine Sozialwohnung anzubieten?

Huber: Vom Land Baden-Württemberg gibt es für den Bau von geförderten Wohnungen Zinsverbilligung beziehungsweise nachdem die Zinsen zurzeit derart niedrig sind, einen beträchtlichen Zuschuss. Abgesehen davon kann sich für den Bauherrn die Investition in eine Sozialwohnung auf lange Sicht als sichere Anlage gut rentieren.

Künzelsau ist auch eine Studentenstadt. Gab es in der Hinsicht eine Tendenz, Wohnungen bevorzugt als Wohngemeinschaften anzubieten?

Huber: Derzeit gibt es fast einen Bauboom an – teuren – Appartements für die Zielgruppe Studenten. Nichtsdestotrotz bilden viele junge Menschen aus Kostengründen Wohngemeinschaften und zahlen höhere Mieten, gar mit einer Mietbürgschaft der Eltern im Rücken. Dass Senioren und Familien bei der Bewerbung um eine bezahlbare Wohnung oft den Kürzeren ziehen, liegt auf der Hand. Für manche Hausbesitzer ist die Vermietung an Studenten zum Geschäftsmodell geworden.

 

Beliebt bei Studenten 

// Bürgermeister Stefan Neumann zum Wohnungsmarkt:

„In Künzelsau ist Wohnraum für verschiedene Zielgruppen vorhanden, der auch begehrt ist. Kleinere Wohneinheiten sind, bedingt durch die Studenten an der Reinhold-Würth-Hochschule, stark nachgefragt. Aber auch Familien wohnen gerne in der Stadt. Wir sind froh, dass die Bauträger der Region attraktive Wohnungen – auch für Familien – hauptsächlich in der Kernstadt, im Wohngebiet Taläcker und in Gaisbach schaffen. Auch die Stadtverwaltung Künzelsau vermietet Wohnungen, die größtenteils für Studenten zur Verfügung gestellt werden. Grundsätzlich sind zeitgemäße und attraktive Wohnungen in der Kernstadt begehrt. Wir sind permanent dabei, unsere Innenstadt weiterzuentwickeln. Dabei nutzen wir Sanierungsprogramme des Landes und haben in der Vergangenheit auch mit städtischen Mitteln private Maßnahmen gefördert. Weil wir weitere Bauflächen schaffen, tragen wir dazu bei, dass Wohnraum neu entsteht. Zusätzlich unterstützen wir die Sanierung und Umnutzung von vorhandener Bausubstanz.“

 

// * Die Personen wurden anonymisiert.

// Fotos: GSCHWÄTZ/Archiv