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Stimmt etwas nicht mit meinem Kind?

Die interdisziplinäre Frühförderstelle Hohenlohe (IFF) in Künzelsau öffnete am Freitag, den 05. Oktober 2018 am Tag der offenen Tür ihre Türen für alle. Wenn Eltern unsicher sind, ob ihr Kind sich richtig entwickelt hinsichtlich Kommunikation, Motorik und/oder Sozialverhalten, können sie sich seit Mai 2018 bei der IFF Rat holen. In dem IFF-Team sind Logopäden, Physiotherapeuten und Ergotherapeuten sowie Heilpädagogen und Psychologen, die alle in einem Gebäude untergebracht sind. Sie erstellen Förder- und Behandlungspläne und begleiten Kinder von der Geburt bis zu ihrer Einschulung.

Das IFF-Team (v. links): Julia Zaffran (Empfang), Veronika Gedenk (Leitung), Annika Koch (Physiotherapeutin), Beate Kärcher (Ergotherapie), Judith Mich (Logopädin), Margret Knecht (Heilpädagogin).
Foto: GSCHWÄTZ

Veronik Gedenk, die Leiterin der IFF in Künzelsau, erklärt was die ersten Schritten sind: „Man vereinbart hier bei uns einen Termin zu einem Beratungsgespräch. Wir versuchen, den Eltern die Ängste zu nehmen. Falls Handlungsbedarf besteht, muss ein Kinderarzt aufgesucht werden. Wir arbeiten sehr eng mit den Kinderärzten zusammen und erstellen eine Förderbehandlung für das Kind.“ Bei der IFF sind laut Gedenk bereits über 50 Familien die Unterstützung bei der Förderung ihres Kindes bekommen. „Manchmal sind es veränderte Lebensumstände, wenn sich die Eltern zum Beispiel trennen oder das Kind ein Geschwisterchen bekommen. Hier bekommt das Kind die Unterstützung, die es braucht, um solche Dinge zu verarbeiten“, so Gedenk.

„Mit Hilfe von Identifikationsfiguren Stärken umsetzen“

„Die Kinder haben Spaß an der Therapie. Sie dürfen sich austoben, schreien und alles rauslassen. Sie dürfen das Leben spüren und sollen wissen, dass es okay ist, wenn das Herz mal pocht“, erzählt die Physiotherapeutin Annika Koch. Die Kinder können Kinder sein, ihren Körper spüren lernen und werden gleichzeitig therapiert.

Die Kinder dürfen sich bei der Physiotherapie austoben. Foto: GSCHWÄTZ

Die Heilpädagogin Margrit Knecht berichtet von ihrer Tätigkeit mit den Kindern: „Durch spielen stärke ich die Kinder emotional. Kinder identifizieren sich mit Figuren. Zum Beispiel mit einer Polizisten-Spielzeugfigur oder mit einem Plüsch-Löwen. Sie wollen stark wie ein Löwe sein und können mit Hilfe ihrere Identifikationsfigur so ihre Stärken umsetzen.“ Sie hilft den Kindern, ihren Alltag zu bewältigen „Wenn sich Kinder schlecht konzentrieren können, kann man ihnen zum Beispiel mit Legobausteinen Farben, das Zählen und auch die Sprache beibringen.“

Die Kinder haben Spaß bei der Therapie, da sie spielerisch umgesetzt wird. Foto: GSCHWÄTZ

„Es okay, anders zu sein und Stärken und Schwächen zu haben“

Sven Seuffert-Uzler ist zuständig für die Unternehmenskommunikation der evangelischen Stiftung Lichtenstern. Er selbst hat ein Kind mit Behinderung und weiß, aus Sicht des Elternseins, die Vorteile zu schätzen, dass Logopäden, Physiotherapeuten und Ergotherapeuten sowie Heilpädagogen und Psychologen in einem Gebäude sind. „Die ganze Praxis ist mit Tiermotiven geschmückt. Die Tiere spiegeln die Verschiedenartigkeit mit allen Stärken und Schwächen wider und es okay anders zu sein und Stärken und Schwächen zu haben“, so Seuffert-Uzler.

Tiere spiegeln die Verschiedenartigkeit wider. Foto: GSCHWÄTZ

Neben dem Träger der evangelischen Stiftung Lichtenstern sind auch Krankenkassen und der örtliche Sozialhilfeträger an der Frühförderung beteiligt. Die Erstberatung und Diagnose ist kostenfrei. Die IFF ist ein vom Landkreis gefördertes Projekt.

Kontakt: IFF. Keltergasse 47; 74653 Künzelsau.
Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 8.30 bis 12 Uhr. Dienstag: 14 bis 16 Uhr.
Telefon: 07940/50 308 76.




Wer ist hier der böse Bube?

Künzelsaus Briefkästen erhielten im September 2018 Post von einem bislang unbekannten Flugblattverteiler. Der Inhalt: Ein Artikel der Internetseite Gerlachreport mit dem Titel: „Riesenskandal: Die Inkasso-Abzocker aus Künzelsau“. Darin wird die Künzelsauer Inkassofirma GPW Inkasso GmbH und deren Geschäftsführer Dieter Morscheck des Betruges bezichtigt. Auf Facebook in der Gruppe  ‚Du weißt, dass du aus Künzelsau und Umgebung bist, wenn …’ wurde ebenfalls auf den Artikel hingewiesen. Kurze Zeit später wurde der Link allerdings schon wieder gelöscht. Plant hier jemand eine Rufmordkampagne gegen die Künzelsauer Inkassofirma oder ist an den schweren Vorwürfen gegen Morscheck etwas dran?

 

Morscheck: „Erlogene und haltlose Anschuldigungen“

 

Geht man auf die Internetseite von GPW Inkasso GmbH, findet man eine Mitteilung von Morscheck. Darin heißt es unter anderem: „Ich möchte Sie darüber informieren, dass die Berichte des Gerlachreports über mich als Privatperson, als auch die Informationen über die GPW Inkasso GmbH erlogen und haltlos sind.“

GSCHWÄTZ hat bei Dieter Morscheck nachgefragt und mehrfach telefonisch mit ihm gesprochen. Morscheck sagt auf GSCHWÄTZ-Nachfrage, dass es keine laufenden Ermittlungen gegen ihn gäbe: „Ich hatte letzte Woche persönlich bei den Behörden angefragt, ob irgendwelche Strafanzeigen gegen mich oder die GPW vorliegen. Mir wurde versichert, dass keinerlei Strafanzeigen vorliegen.“ Heiner Römhild, erster Staatsanwalt der Staatsanwaltschaft Stuttgart, äußerte sich auf GSCHWÄTZ-Nachfrage: „Ich kann bestätigen, dass keinerlei Ermittlungen gegen die Privatperson Dieter Morscheck und das Unternehmen GPW Inkasso GmbH laufen.“ Auch die Staatsanwaltschaft Heilbronn bestätigte dies und fügte hinzu, dass Morschek wiederum eine Strafanzeige wegen Verleumdung gegen den Gerlachreport erstattet habe.

 

Chefredaktion des Gerlachreports mit Sitz in Washington

 

Warum aber veröffentlicht der Gerlachreport einen derart kritischen  Text über das  Inkassobüro? Morscheck erklärt gegenüber GSCHWÄTZ, dass seine Inkasso-Firma  unter anderem in Sachen Enercrox und Halbstrom unterwegs sei. „Ein Rainer von Holst, alias Peter Klein oder Jan Faber ist der Betreiber dieser Unternehmen und wird seit zwei bis drei Jahren per Haftbefehl gesucht.“ Es sei bekannt, dass er sich in die USA abgesetzt habe. „Von dort aus betreibt er den so genannten Gerlachreport. Sämtliche Personen, gegen die er dort berichtet, werden von ihm erpresst. Uns versucht er dahingehend zu erpressen, unsere Akten gegen ihn zu schließen und die Firmennamen von unserer Homepage zu nehmen. Andere Personen und Unternehmen hat er dahingehend erpresst, monatliche Zahlungen an ihn zu leisten, damit er nicht negativ über sie im Gerlachreport berichtet.“ Milla Korjus von der Chefredaktion des Gerlachreports mit Sitz in Washington betonte auf GSCHWÄTZ-Nachfrage in einer E-Mail, dass Jan Faber Chefredakteur des Gerlachreports sei und nicht mit Rainer von Holst  „identisch ist“. Peter Klein sei ebenfalls nicht mit Rainer von Holst identisch, Klein habe nichts mit dem Gerlachreport zu tun – ebenso wie von Holst. Korjus: „Diese Falschmeldungen werden seit geraumer Zeit im Internet kolportiert – nur richtig werden sie dadurch nicht.“

 

Falsch sei ebenso, dass „Dieter Morscheck oder sein zwielichtiges Unternehmen Inkassoaufträge für die mit der Person Rainer von Holst angeblich verbundenen Unternehmen hat. Das alles ist schlicht eine Lüge“, sagt Korjus. Sie weist ebenso die von Morscheck erhobenen Erpressungsvorwürfe zurück: Morscheck könne „weder einen derartigen „Erpressungsversuch“ beweisen, noch einen Vertrag vorweisen, der seine Unwahrheiten stützt. Tatsache ist, dass es eine geschickte Methode ist, die unliebsamen Berichterstattungen des :gerlachreport zu diskreditieren“.

 

von Holst: „Seine Unflätigkeiten sind offenbar Ausdruck seiner Angst“

 

Rainer von Holst distanziert sich von Morschecks Anschuldigungen per E-Mail gegenüber GSCHWÄTZ, nachdem Korjus ihm unsere Anfrage weitergeleitet hat: „Ich habe weder etwas mit dem Gerlachreport als „Betreiber“ zu tun, noch etwas mit den von Herrn Morscheck dargestellten Sachverhalten. Ich kenne den Mann gar nicht. Er hat sich auch zu keinem Zeitpunkt an mich gewendet oder um eine Stellungnahme gebeten. Selbstverständlich werde ich mich gegen jede derartige Falschbehauptungen wehren. Ich habe bereits bei Gericht eine eidesstattliche Versicherung vorgelegt, die beweist, dass ich mit dem Gerlachreport nichts zu tun habe. Über Ermittlungsverfahren gegen mich ist mir nichts bekannt. Ich bin bis heute auch nicht befragt worden. Richtig ist aber, dass unsere Kanzlei mehrere Mandanten in Verfahren gegen Dieter Morscheck und die GPW Inkasso vertritt – offenbar sind seine Unflätigkeiten Ausdruck seiner Angst, dass seine kriminellen Methoden ans Tageslicht kommen.“

Morscheck wiederum verweist auf die  Generalstaatsanwaltschaft Zentralstelle Cybercrime Bamberg, die gegen von Holst ermitteln würde. Auf GSCHWÄTZ- Nachfrage bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg, ob und warum gegen von Holst ermittelt wird, verweist der leitende Oberstaatsanwalt Lukas Knorr auf „laufende Ermittlungen“, so dass keine näheren Auskünfte erteilt werden können. Hat Morscheck diesbezüglich Strafanzeige gegen Rainer von Holst gestellt?, wollte GSCHWÄTZ von Morscheck wissen. Dieser erklärte: „Wir sind gerade dabei, weiteres Material zu sammeln. Kontakt zu der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg besteht, der Staatsanwalt ist darüber informiert.“ Aber nicht nur der Gerlachreport, auch Anwalt Ingo M. Dethloff aus Potsdam warnt auf der Internetseite anwalt.de vor der Inkassofirma GPW. Morscheck wiederum verweist darauf, dass es sich bei Anwalt Dethloff um einen „Mitbewerber“ handele, der versuche, auf diesem Wege Mandanten zu gewinnen.

 

von Holst: „Abzocker-Imperium“

 

Auch der Gerlachreport ist noch nicht fertig mit Morscheck. Milla Korjus betonte gegenüber unserer Redaktion, dass der Gerlachreport bereits mehrfach über die Firma GPW berichtet habe und das nicht ohne Grund: „Grundlage der Berichterstattungen sind umfassende Unterlagen, E-Mails, Auftragsbestätigungen und angebliche Tätigkeitsprotokolle des Unternehmens und seines Geschäftsführers Morscheck. Überprüfungen im In- und Ausland haben ergeben, dass die angeblichen abgerechneten Tätigkeiten gar nicht durchgeführt wurden oder aber das Unternehmen direkt mit Personen des Kapitalgrau- und -schwarzmarktes zusammengearbeitet hat. […]

Die Redaktion des :gerlachreport steht zu ihrer Berichterstattung und hat wesentliche Teile noch gar nicht dargestellt. Diese werden in zukünftigen Berichten verdeutlicht.“ Dem Gerlachreport lägen mehr als zwei Dutzend Fälle vor, „die die beschriebenen Methoden belegen und dokumentieren. Zusammen mit der Redaktion wurden Strafanzeigen für die betroffenen Kunden des Dieter
Morscheck und seines Unternehmens wegen des Anfangsverdachts des gewerbsmässigen Betruges entwickelt und nach Aussage der Betroffenen auch an die zuständige Staatsanwaltschaft versendet. Es mag sein, dass die Staatsanwaltschaft diese noch nicht bearbeitet hat. Tatsache ist aber, dass die Redaktion Kopien der Strafanzeigen vorliegen hat.“ Auf GSCHWÄTZ-Nachfrage, ob sie uns diese Kopien zeigen könnte, verneinte Gerlachreport.

 

Wir baten Rechtsanwalt Clemens Foidl um ein Statement

 

Fakt ist: Die von GSCHWÄTZ befragten Staatsanwaltschaften bestätigten lediglich, dass es Strafanzeigen/Ermittlungen gegen den Gerlachreport gibt, nicht jedoch gegen Morscheck und seine Büroräume. Auch Rechtswanwalt Clemens Foidl hat darin seine Kanzlei. Inkassofirma. Auch gegen Rainer von Holst stehen schwere Vorwürfe im Raum. Am 12. September 2018 veröffentliche Stiftung Warentest unter dem Titel: „Abzocker-Imperium: Zwei Mitglieder des Rainer-von-Holst-Clans verhaftet“, dass „Rainer von Holst von den USA aus deutsche Anleger abzockt.“ Zwei seiner Töchter säßen laut der Staatsanwaltschaft Augsburg, so der Artikel weiter, seit dem 17. August 2018 in Untersuchungshaft wegen Kapitalanlagebetrugs. Und das „von Holst nichts dem Gerlachreport zu tun habe“, wie Milla Korjus von der Chefredaktion betonte, scheint unglaubwürdig angesichts der Tatsache, dass sie unsere Presseanfrage an von Holst weitergeleitet hat.
Morscheck hat derweil mit der Wiederherstellung seines Rufs zu kämpfen, der unter der Berichterstattung und der Flugblattkampagne gelitten hat. „Ich erhielt viele Anrufe“, sagt er gegenüber GSCHWÄTZ. „Einige Mandanten kündigten ohne nachzufragen erteilte Mandate.“ Zu dem Verhalten des ominösen Flugblattverteilers sagt er: „Ich finde dies beschämend.“

Die Redaktion GSCHWÄTZ erhielt unterdessen anonyme Hinweise, dass es sich bei dem Flugblattverteiler um Rechtsanwalt Clemens Alexander Foidl gehandelt haben soll, der mit GPW bereits früher aneinandergeraten sei. Foidl hat seine Räumlichkeiten in demselben Gebäude, indem auch GPW-Inkasso seine Büros hat. Wir baten Foidl um ein Statement zu den an uns herangetragenen Beschuldigungen. Seine Antwort erfolgte schriftlich per Mail: „In den vergangenen Tagen habe ich erfahren, dass die Eheleute Morscheck und Morscheck-Krauß eine ihrer beiden Wohnungen im
Haus Keltergasse 63 zum Verkauf anbieten. Da auch ich Interesse an einem Erwerb habe, liegt mir viel daran, mich ins Einvernehmen zu setzen.“ Zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen äußerte er sich nicht. Pikant: Eine Mitarbeiterin von Foidl soll den Link zu dem besagten brisanten Artikel über Morscheck in der Facebookgruppe ‚Du weißt, dass du aus Künzelsau und Umgebung bist, wenn …’ veröffentlicht haben.

 

Den vollständigen Artikel lesen Sie in unserer aktuellen Oktober-Ausgabe 2018, die seit dem 01. Oktober 2018 in unseren Verkaufsstellen erhältlich ist.




Neues Wahrzeichen in Öhringen: ein Hochregallager?

Am Ende der Berliner Straße in Öhringen kann man noch in weite Ferne blicken, aber genau dort ist der umstrittene Bau eines 30 Meter hohen Hochregallagers geplant (zum Vergleich: Der steinerne Umgang des Turms evangelische Stiftskirche St. Peter und Paul in Öhringen ist 32 Meter hoch).

Laut dem Planungsentwurf des Architekturbüros Schimmel soll neben das bestehende Staplerlager des Unternehmens Schäfer+Peters ein 16 Meter hohes Zwischengebäude und ein 30 Meter hohes Hochregallager gebaut werden. Auch ein dreigeschossiges Parkdeck soll geplant sein. Dieser Bau bewegt Öhringen nun schon seit Monaten und an ihm scheiden sich die Geister. GSCHWÄTZ-Redakteurin Nadja Fischer war in Öhringen und traf sich mit Bastian Falk und Dr. Wolfgang Kammerer vom Öhringer Verein PrimaKlimaWest, der gegen den Bau auf die Barrikaden geht.

In unmittelbarer Reichweite des Gewerbegebietes ist ein Wohngebiet. Anwohner befürchten Nachteile für Ihren Wohnstandort.
Foto: GSCHWÄTZ/Kristina Dorn

GSCHWÄTZ: Was hat man zu befürchten?

Falk: Die Öhringer haben das Landschaftsbild zu befürchten. Es geht insbesondere um die Anwohner der Berliner Straße. Gerade im Winter ist die Sonne durch den Bau verdeckt. Im Sommer wird die Abkühlung nicht mehr so gegeben sein. Es wird deutlich weniger Wind in die Siedlung und die Stadt vordringen.

 

„Mancher Gemeinderat ist sogar davon überzeugt, dass man hier die Chance auf ein neues Wahrzeichen von Öhringen hat.“

 

GSCHWÄTZ: Was sagen Bürgermeister Thilo Michler und der Gemeinderat dazu?

Dr. Kammerer: Wir haben das Gutachten von 2013, das die Stadt Öhringen im Zuge des Flächennutzungsplanes hat erstellen lassen, als Hauptargument benutzt. Damals kam der Gutachter zu dem Ergebnis, dass hier nicht gebaut werden sollte. Die Stadt hat immer wieder neue Gutachten machen lassen. Sie versuchen, die Auswirkungen herunterzurechnen. Gerade bei der letzten Gemeinderatsitzung, als die zweite Runde für den Bebauungsplan eingeleitet worden ist, war von den meisten Fraktionen zu hören: Ja, es wäre ein Eingriff, aber kein dramatischer. Da die Firma Schäfer+Peters der größte Gewerbesteuerzahler ist, sind die Einnahmen wichtiger.

Falk: Mancher Gemeinderat ist sogar davon überzeugt, dass man hier die Chance auf ein neues Wahrzeichen von Öhringen hat. Da stellt sich die Frage, ob man lieber die Kirche und das Schloss oder einen riesen Monsterbau als Wahrzeichen möchte.

 

GSCHWÄTZ: Es wird gemunkelt, dass Sie von PrimaKlimaWest eine Normenkontrollklage in Erwägung ziehen.

Dr. Kammerer: Das tun wir tatsächlich. Ich habe frühzeitig Informationen eingeholt und mich mit Rechtsanwälten getroffen. Der nächste Schritt wird sein, dass ein Anwalt meine Einwendungen und die Gutachten prüfen wird. Wenn der Anwalt zu dem Schluss kommt, dass wir dieses Verfahren gewinnen können, dann werden wir das versuchen.

 

„Deshalb habe ich gesagt, dass die Stadt uns verkauft und dazu stehe ich.“

 

GSCHWÄTZ: Das Rathaus hat uns gegenüber geäußert, dass Sie in einem Artikel im Öhringer falsche Tatsachen genannt hätten und beleidigend geworden wären.

Falk: Wir haben ein Gutachten mit dem anderen Gutachten verglichen und in diesem Beitrag nur auf die Differenzen hingewiesen. Wir haben dem Gemeinderat damals nur vorgeworfen, dass ihm das Geld wichtiger sei als alles anderer. Das sehe ich aber nicht als Beleidigung. Man hat uns in den vergangenen Monaten immer nur als Lügner betitelt, aber man hat uns nie aufgewiesen, wo wir denn gelogen haben sollen. Man kam weder von der Stadt noch vom Gemeinderat auf uns zu und hat das Gespräch gesucht.

Dr. Kammerer: Ich habe mit einigen Gemeinderäten persönlich gesprochen und die geben ganz klar zu, dass es eigentlich nur ums Geld geht. Der Gemeinderat sagt, dass sie an die ganze Stadt Öhringen denken müssen. Ein großer Teil der Stadt Öhringen wird, mit Ausnahme des Landschaftsbildes, nicht stark betroffen sein. Wir, aus dem Wohngebiet der Berliner Straße, werden aber stark betroffen sein. Deshalb habe ich gesagt, dass die Stadt uns verkauft und dazu stehe ich. Uns wurde auch nie gesagt, was in dem Artikel im Öhringer falsch sein soll.

 

GSCHWÄTZ: Bürgermeister Michler soll auch im Zusammenhang mit der Debatte um das Hochregallager einen Drohbrief erhalten haben. Wissen Sie mehr darüber?

Falk: Wir wissen nur das, was in der Zeitung stand. Den Drohbrief gab es. Als wir es erfahren haben, haben wir uns auf unserer Prima-Klima-West-Facebook-Seite davon distanziert.

 

„Wir lassen prüfen, ob wir ein Normenkontrollverfahren anstreben können“

 

GSCHWÄTZ: Wie geht es die nächsten Wochen weiter?

Falk: Wir haben wieder eine Vereinssitzung, um die weiteren Schritte zu besprechen. Wir lassen prüfen, ob wir ein Normenkontrollverfahren anstreben können. Letzte Woche ist die Abgabefrist der zweiten Einwendungen abgelaufen und wir warten jetzt auf die neuen Antworten, die darauf folgen.

Dr. Kammerer: Wir hoffen, dass der Gemeinderat in seiner Sitzung im November den Bau durch unsere Beiträge ablehnt. Bei der ersten Gemeinderatsitzung im Dezember 2017 soll es zwei Stimmen gegen und 22 Stimmen für den Bau gegeben haben. Jetzt im Juli waren es sieben Stimmen dagegen und 15 dafür. Es hat sich schon etwas bewegt.

Auf diese grüne Wiese soll der Neubau kommen, sagt Bastian Falk vom Verein PrimaKlimaWest.
Foto: GSCHWÄTZ/Kristina Dorn

 

 

WAS SPRICHT LAUT DEM VEREIN GEGEN DEN BAU?

  1. Der Kaltluftstrom wäre reduziert, das heißt, die unmittelbaren Anwohner wären direkt betroffen
  2. Grundwasserspiegel: Durch den Bau wäre ein Verlust der Grundwasserneubildung zu erwarten.
  3. Naturschutz: Das Planungsgebiet liegt in einem Biotopverbund.
  4. Lärm: Es wird mit 50 bis 70 Lastwagen am Tag zu rechnen sein.
  5. Das Landschaftsbild wäre stark verändert.
  6. Sonnenlicht: Das geplante Gebäude würde zu mehr Schatten für die Anwohner führen.

Die Stadt Öhringen nimmt Stellung.
Foto: Burgen und Schlösser

Größter Steuerzahler bevorzugt? Die Stadt Öhringen nimmt Stellung zu den Vorwürfen

Die Stadt Öhringen hat innerhalb eines Tages Stellung zu den Aussagen des Vereins genommen. Anbei die Antwort der Stadt:

 

GSCHWÄTZ: Was sagen sie zu den Einwänden des Vereins gegen einen solchen Bau?

Stadt Öhringen: Die Einflüsse auf Natur und Landschaft der angedachten baurechtlichen Festlegungen und eines darauf aufbauenden möglichen Bauvorhabens wurden und werden sorgfältig bewertet. Die Einflüsse liegen in Bereichen, die den gesetzlichen und rechtlichen Anforderungen entsprechen. Die Anlieferung sowie der Versand von Waren erfolgt bisher im Betriebsalltag und auch künftig im Falle einer Betriebserweiterung ausschließlich über die Grundstückszufahrt am Zeilbaumweg. Nach Fertigstellung der Betriebserweiterung gelten die astronomischen Zusammenhänge im Hinblick auf Sonnenauf- und Sonnenuntergang generell unverändert. Ihre Frage zielt vermutlich auf Betrachter, die sich zum Zeitpunkt des Sonnenunterganges östlich des Firmengeländes aufhalten. Steht der Betrachter bei Sonnenuntergang im beschriebenen Bereich, rückt die Sonne im Falle eines Erweiterungsbaus natürlich sehr abhängig vom Betrachtungsort während des Sonnenuntergangs kurze Zeit früher aus dem Blickfeld, ehe sie ohnehin im üblichen Tageslauf hinter dem Horizont abtaucht.

 

GSCHWÄTZ: Laut PrimaKlimaWest soll Schäfer+Peters der größte Gewerbesteuerzahler in Öhringen sein.

Stadt Öhringen: Steuerliche Aussagen unterliegen dem Datenschutz. Generell steht die Stadt Öhringen Erweiterungswünschen örtlicher Unternehmen im Zuge der städtischen Wirtschaftsförderung völlig unabhängig von steuerlichen Effekten offen gegenüber. Die Auswirkungen betrieblicher Erweiterungen werden in den gängigen Verfahren stets sorgfältig geprüft und im Rahmen der (bau-)rechtlichen Vorgaben abgewogen.

 

GSCHWÄTZ: Es wurde uns gegenüber erwähnt, dass mancher Gemeinderat und vielleicht auch Sie mit dem Bau des Hochregallagers eine Chance auf ein neues Wahrzeichen in Öhringen sehen. Stimmt das?

Stadt Öhringen: Die Aufgabe der kommunalen Stadtplanung, der Kommunalpolitik und auch die Bemühungen der städtischen Wirtschaftsförderung beinhalten nicht die Schaffung von Wahrzeichen im Stadtgebiet. Auch private Investitionen orientieren sich generell und primär an betriebswirtschaftlichen Kriterien und zielen ebenfalls nicht auf den Bau von Landmarken oder die Errichtung städtischer Wahrzeichen.

 

GSCHWÄTZ: Ist der geplante Bau beschlossene Sache oder könnte es passieren, dass der Bau nicht umgesetzt wird?

Stadt Öhringen: Ein Bauvorhaben kann zu diesem Zeitpunkt keine „beschlossene Sache“ sein. Zunächst muss der (bau-)rechtliche Rahmen für Bauvorhaben geschaffen werden. Ebenso müssen die Investoren betriebsintern für sich entscheiden, ob ein Bauantrag erstellt und eingereicht wird. Dieser müsste dann geprüft und könnte bei Einhaltung der rechtlichen Vorgaben erst am Ende des erforderlichen Verfahrens genehmigt werden.

 

GSCHWÄTZ: Würde es einen alternativen Standort für das Hochregallager geben?

Stadt Öhringen: Alternative Standorte für die weitere Unternehmensentwicklung wurden in den vergangenen Jahren sehr intensiv, jedoch ohne Erfolg gesucht. Der Unternehmenssitz am Zeilbaumweg bildet daher die einzige Option, die vom Unternehmen angestrebte Betriebserweiterung zu verwirklichen.

 

 

 




Kupferzell: Tennis-Vorstände Koeberer und Bürkert wollen die 200er Marke knacken

Am 07. und 08. September 2018 feierte der Tennisclub Kupferzell sein 40-jähriges Jubiläum.

GSCHWÄTZ-Redakteurin Nadja Fischer hat sich mit den beiden Vorstandsmitgliedern Armin Bürkert (erster Vorstand) und Timo Koeberer (zweiter Vorstand) unterhalten. Beide sind seit über zehn Jahren Vorstände des Tennisclubs Kupferzell und wollten für das 40-jährige Jubiläum des Vereins etwas Besonderes bieten. „Die Planung für das Jubiläum fing schon vor eineinhalb Jahren an“, erzählt Bürkert. Sie luden den ehemaligen Tennisprofit Alexander Waske nach Kupferzell ein. „Alexander Waske passt vom Typ zu unserem Verein, er ist auch ein sehr emotionaler Spieler. Wir freuen uns, dass es geklappt hat. Waske kam donnerstags aus New York zurück. Am Freitag hat er sich ins Auto gesetzt und ist nach Kupferzell gefahren“, so Koeberer. Im Kurzinterview verraten die beiden, wie sie sich die Zukunft des Clubs vorstellen und wie sie es geschafft haben, entgegen dem Vereinstrend immer mehr zu wachsen.

GSCHWÄTZ: Sie feiern  40-jähiges Jubiläum des Tennisclubs Kupferzell. Was hat sich in 40 Jahren Tennis denn verändert?

Koeberer: Innerhalb von 40 Jahren hat sich da einiges verändert. Zu Beginn gab es sehr viele Familien – so genannte Tennisfamilien, bei denen Mutter, Vater, Sohn und Tochter auf dem Tennisplatz waren. Das hat sich dann weiterentwickelt. Es kamen viele Spieler hinzu, aber es wurden immer weniger Familien. Da haben wir eine Talzone durchschritten, in der wir viele Mitglieder verloren haben und wir immer weniger wurden. Aktuell sind wir aber auf einem sehr guten Weg. Wir haben eine sehr gute Jugendarbeit, in die wir sehr viel Zeit investieren müssen. Der Aufwand allgemein, für die Mitglieder, hat sich erhöht aber es macht sich dann auch wieder bezahlt. Das sieht man bei uns am Zuwachs.

Boris Becker und Steffi Graf waren Zugpferde für die Tennisvereine

GSCHWÄTZ: Wie schafft es der Verein denn jetzt, einen stetigen Mitgliederzuwachs zu haben?

Bürkert: Das schaffen wir zusammen. Das schaffen wir beide nicht alleine. Wir haben ein wirklich tolles Team hinter uns, unter anderem Gründungsmitglieder, die heute noch aktiv sind. Wir haben einen Trainer im Verein, der das hauptberuflich macht. Wir haben aber auch Maßnahmen in den letzten zehn Jahren ergriffen: Wir sind auf die Menschen aktiv zugegangen. Wir haben Angebote gemacht, in den Verein hineinzuschnuppern. Wir haben auch die Mitgliedsbeiträge nach unten gesenkt. In der Öffentlichkeit war weniger Resonanz da, weil Boris Becker und Steffi Graf nicht mehr da waren. Deswegen haben wir gedacht, dass wir was tun müssen. Wir sind auf die Schulen zu gegangen und haben gemeinsam Trainingseinheiten durchgeführt und so haben wir es geschafft. Auch im Verein waren wir aktiv. Wir spielen gut, wir sind aktiv, aber wir haben auch eine sehr gute Kameradschaft. Geselligkeit und Zusammenhalt ist wichtig. Und so haben wir es geschafft von 102 Mitgliedern von vor zehn Jahren auf 177 Mitglieder zu kommen. Unser Ziel ist, es, die 200 zu knacken.

GSCHWÄTZ: Wie stellt sich der Tennisclub denn die Zukunft vor?

Koeberer: Die Zukunft stellen wir uns so vor, dass wir weiter steigende Mitgliederzahlen haben, dass wir weiterhin den Spagat zwischen Freizeitangebot und Hobbyspieler auf der einen Seite und Leistungssportler und Mannschaftsspiele auf der anderen Seite hinbekommen. Die Geselligkeit und der Ausgleich zum Arbeitsalltag, abends auf die Tennisanlage zu kommen und gemütlich eine Runde Tennis zu spielen, dazusitzen und sich zu unterhalten, aber auch das Sportliche im Tennis zu sehen – das wird unsere Aufgabe sein, um den Tennisclub Kupferzell weiterhin voranzubringen.

Schnappschüsse von der Jubiläumsveranstaltung zum 40-jährigen Geburtstag

Jubiläumsfeier am 07. und 08.09.2018: 40 Jahre Tennisclub Kupferzell. Foto: GSCHWÄTZ

Jubiläumsfeier am 07. und 08.09.2018: 40 Jahre Tennisclub Kupferzell. Foto: GSCHWÄTZ

Jubiläumsfeier am 07. und 08.09.2018: 40 Jahre Tennisclub Kupferzell. Foto: GSCHWÄTZ

Jubiläumsfeier am 07. und 08.09.2018: 40 Jahre Tennisclub Kupferzell. Foto: GSCHWÄTZ

Jubiläumsfeier am 07. und 08.09.2018: 40 Jahre Tennisclub Kupferzell. Foto: GSCHWÄTZ

Jubiläumsfeier am 07. und 08.09.2018: 40 Jahre Tennisclub Kupferzell. Foto: GSCHWÄTZ

Jubiläumsfeier am 07. und 08.09.2018: 40 Jahre Tennisclub Kupferzell. Foto: GSCHWÄTZ

Jubiläumsfeier am 07. und 08.09.2018: 40 Jahre Tennisclub Kupferzell. Foto: GSCHWÄTZ

Jubiläumsfeier am 07. und 08.09.2018: 40 Jahre Tennisclub Kupferzell. Foto: GSCHWÄTZ

Jubiläumsfeier am 07. und 08.09.2018: 40 Jahre Tennisclub Kupferzell. Foto: GSCHWÄTZ

Jubiläumsfeier am 07. und 08.09.2018: 40 Jahre Tennisclub Kupferzell. Foto: GSCHWÄTZ

Jubiläumsfeier am 07. und 08.09.2018: 40 Jahre Tennisclub Kupferzell. Foto: GSCHWÄTZ

Jubiläumsfeier am 07. und 08.09.2018: 40 Jahre Tennisclub Kupferzell. Foto: GSCHWÄTZ

Jubiläumsfeier am 07. und 08.09.2018: 40 Jahre Tennisclub Kupferzell. Foto: GSCHWÄTZ

Jubiläumsfeier am 07. und 08.09.2018: 40 Jahre Tennisclub Kupferzell. Foto: GSCHWÄTZ

Jubiläumsfeier am 07. und 08.09.2018: 40 Jahre Tennisclub Kupferzell. Foto: GSCHWÄTZ

Jubiläumsfeier am 07. und 08.09.2018: 40 Jahre Tennisclub Kupferzell. Foto: GSCHWÄTZ

Jubiläumsfeier am 07. und 08.09.2018: 40 Jahre Tennisclub Kupferzell. Foto: GSCHWÄTZ

Jubiläumsfeier am 07. und 08.09.2018: 40 Jahre Tennisclub Kupferzell. Foto: GSCHWÄTZ

Jubiläumsfeier am 07. und 08.09.2018: 40 Jahre Tennisclub Kupferzell. Foto: GSCHWÄTZ

Jubiläumsfeier am 07. und 08.09.2018: 40 Jahre Tennisclub Kupferzell. Foto: GSCHWÄTZ

Jubiläumsfeier am 07. und 08.09.2018: 40 Jahre Tennisclub Kupferzell. Foto: GSCHWÄTZ

Jubiläumsfeier am 07. und 08.09.2018: 40 Jahre Tennisclub Kupferzell. Foto: GSCHWÄTZ

 

 




„Wir sind kein Swingerclub“

Vor 16 Jahren, 2002, verstarb Sylvia Bendels Mann. Irgendwann dachte sie sich, dass sie wieder unter Leute muss. Aber sie fühlte sich immer wie das dritte Rad am Wagen, wenn sie etwas mit ihren Bekannten unternahm. Und so gründete sie am 01. April 2005 den Singlestammtisch. Sie verteilte Flyer und schaltete eine Anzeige in einer Zeitung.

Sylvia Bendel hat den Stammtisch ins Leben gerufen.
Foto: GSCHWÄTZ

Beim ersten Treffen kamen 16 Frauen und zwei Männer. Die beiden Männer sind mittlerweile verstorben. „Daran sind wir aber nicht Schuld“, lacht Giesela Grau aus Forchtenberg, die schon seit vier Jahren regelmäßig den Singlestammtisch besucht.

Viele trauen sich nicht zu kommen

„Mittlerweile sind es um die 40 Personen, die zum Singlestammtisch kommen. Aber es variiert immer. Einige Leute wollen nicht, dass andere denken, sie gehen zum Singlestammtisch“, erzählt Bendel.

Die 78-jährige Annelise Sahm ist seit 2006 regelmäßig mit dabei: „Ich habe die Anzeige vom Singlestammtisch in der Zeitung gelesen. Aber ich habe mich nicht getraut, anzurufen – erst nachdem ich ein Jahr mit mir gerungen habe.“

„In der Anfangszeit unserer Treffen hatten wir ein Lokal ohne Nebenzimmer. Da kamen manche nur zum Schauen, was wir machen und dann wurde natürlich getratscht. Aber wir sind kein Swingerclub, wie einige behaupten“, so die 67-jährige. „Mein Motto ist und war schon immer: ratschen, batschen und Spaß haben. Gemeinsam sind wir stark. Wir helfen uns auch gegenseitig, wenn Hilfe benötigt wird.“

„Ratschen, barschen und Spaß haben“ – im Sonneck entstand dieses Foto. Die Atmosphäre war locker und lustig.
Foto: SCHWÄTZ

Der Singlestammtisch ist keine Singlebörse

Die Frauen und Männer, die den Singlestammtisch besuchen, sind zwischen 50 und 78 Jahre alt, verwitwet oder haben keinen Partner. Der Singelstammtisch ist aber keine Singlebörse.

„Manche Männer sind gekommen und haben geschaut, was denn für Frauen hier sind. Sie kamen auch noch ein zweites Mal, aber den Weibchen war es egal“, erzählt Bendel.

Die Frauen haben keine Lust mehr, jemanden bekochen zu müssen

Die Forchtenbergerin Giesela Grau ist 66 Jahre alt, seit vier Jahren beim Singlestammtisch und plaudert aus dem Nähkästen: „Wir haben keine Lust, Krankenschwester oder Haushälterin zu spielen. Und wenn ein Mann schon fragt, ob man kochen kann, ist alles klar.“

Auch Bendel sagt: „Ich bin bekennender Single. Mir kommt kein Mann mehr ins Haus, weder ambulant noch stationär.“

Wer Interesse hat, den Singlestammtisch zu besuchen, kann sich bei Sylvia Bendel mel- den: 07940/8541 oder unter der E-Mail: Sylvia.Bendel@web.de

Veranstaltungen des Singlestammtisches 2018:

2.9. Weindorf Stuttgart
7.9. Singlestammtisch im Scheierle
11.9. Bad Winsheim
21./22.9 Flammende Sterne Heilbronn
23.9. Schwabenbühne Asperg
30.9. Kürbisausstellung Ludwigsburg
5.10. Singlestammtisch im Sonneck
6.10. Wiesn-Gaudi in Künzelsau
17.10. Überraschungsfahrt mit Besenein- kehr
20.10.Oktoberfest Kelter Kocherstetten 2.11. Singlestammtisch im Sonneck
10.11. Theater Neuenstein
11.11. Schwabenbühne Asperg
5.12. Haibach Adler
7.12. Singlestammtisch im Sonneck




Kindergarten Pusteblume präsentiert ein anspruchsvolles Sommerfest

Was haben der Künstler Hunderwasser, eine Schildkröte, Fabergé-Eier und ein Kindergarten gemeinsam? Ein Sommerfest. Der Kindergarten Pusteblume in Ingelfingen veranstaltete am Donnerstag, den 19 Juli 2018, sein Sommerfest mit einer Aufführung und einer Vernissage.  „Das Besondere an unserem diesjährigen Sommerfest ist nicht nur unsere Aufführung, sondern parallel zu unserem Thema eine Ausstellung mit den Kinderbildern, die wir das ganze Jahr über gemalt und gestaltet haben“, erklärt Cornelia Koch, Erzieherin in der Pusteblume. Vorbilder hierfür waren unter anderem Hundertwasser und van Gogh.

Fridolin in Ingelfingen

Die Aufführung von Fridolin im Farbenland handelt im Kindergarten Pusteblume von einer Schildkröte. „Wir haben eine Geschichte über Farben gesucht, die wir mit den Kindern aufführen können. Dann ist uns ein ganz altes Bilderbuch eingefallen. Fridolin im Farbenland. Wir haben versucht, das Bilderbuch zu bekommen, leider ist es überall vergriffen. Also haben wir uns selbst an die Geschichte gemacht und die Geschichte ein bisschen erfunden, damit die Kinder sie gut nachspielen können. Es handelt von einer Schildkröte, die traurig ist, weil sie einen normalfarbigen Panzer hat und auf der Suche nach bunten Farben ist“, so Renate Gorff, Leiterin der Pusteblume. „Am Anfang, bis wir in die Geschichte reingefunden haben, war es schwierig. Dann ging es Schlag auf Schlag.“ Fridolin besucht während des Stückes Marienkäfer, Frösche, Bienen und viele weitere Tiere auf der Suche nach Schildkrötenfarbe. Aber die Tiere antworten ihm: „Unsere Farben geben wir nicht her.“ Am Ende kommt Fridolin zu der Erkenntnis: „Ich bin genau richtig, wie ich bin.“

Vernissage von Kindergartenkindern

Die Vernissage bestand aus gemalten Kunstwerken der Kinder nach Vorbildern wie Hunderwasser, van Gogh und Miro. Aber warum so anspruchsvolle Kunst wie Hundertwasser in einem Kindergarten? „Ich bin mit meiner Familie öfter im Museum in Schwäbisch Hall und habe dort auch immer wieder Hunderwasser-Bildergesehen. Er malt sehr viel, so wie Kinder auch malen – in Kreisen, in geschwungenen Linien und sehr farbenfroh. Das spricht die Kinder an“, so Koch. Die Erzieherin weiter: „Wir haben im September letzten Jahres klein angefangen, uns mit dem Thema Farben und Techniken zu beschäftigen. Aber dann waren die Kinder so begeistert von den ganzen Materialien und Techniken, dass das Projekt immer größer wurde und sehr viele Kunstwerke entstanden sind.“

kleine von Goghs entstanden

Die Kinder liesen sich von Häusern von Hundertwasser inspirieren.

Oder wie wäre es, mal selbst ein Kirchenfenster zu gestalten?

Vor den Sommerferien besucht der Kindergarten Pusteblume und Löwenzahn das Kunstmuseum in Schwäbisch Hall. Ein Bus fährt die Kinder und Erzieher nach Schwäbisch Hall, die Kosten dafür übernimmt Firma Reisser aus Ingelfingen.

Natürlich möchten die 31 Kinder der Pusteblume nach dem Museumsbesuch gerne noch ein Eis essen. Auch dafür haben sich die fünf Erzieher ein kleines Geschäftsmodell einfallen lassen. „Wir haben die Ostereier Bilder in Fabergé-Eier-Bilder umfunktioniert. Jedes gemalte Fabergé Ei kostet einen Euro. Wenn genügend Bilder der Eier verkauft werden, kann das Eis essen davon finanziert werden“, präsentiert Koch.

Der Kindergarten Pusteblume in Ingelfingen präsentierte 2018 ein anspruchsvolles Sommerfest. Foto: GSCHWÄTZ

Eindrücke von Kindern zum diesjährigen Sommerfest und zu den einzelnen Aktionen

Dominik, 6 Jahre: „Ich fand die Bienen bei der Aufführung toll. Die hatten Bonbons in den Körben.“

Louri, 6 Jahre: „Mein Lieblingsbild ist von Miro, weil er schönt malt.“

Leonie, 6 Jahre: „Die Blumen waren heute toll.“

Frieda, 5 Jahre: „Als wir mit Kartoffeln gedruckt haben, war das toll. Stempeln gefällt mir.“

Luca, 4 Jahre: „Das Stempeln mit den Kartoffeln hat mir auch Spaß gemacht.“

Selina, 5 Jahre: „Die Hunderwasser-Bilder mit den Spiralen sind toll. Und ich freue mich schon auf das Museum.“

Lisa, 6 Jahre: „Die Eier waren schön, weil man da viele Farben benutzen kann.“

Amelie, 3 Jahre: „Das Schildkrötenbild war toll, weil es hübsch war.“

 

 




Psychologische Tests mit Flüchtlingen

Am Donnerstag, den 12. Juli 2018, stellte das Integrationsnetzwerk Hohenlohe-Main-Tauber (INW) beim regionalen Fachtag 2018 in Künzelsau die ersten Zwischenergebnisse für die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt, Ausbildung und Schulbildung vor.  Es handelt sich dabei um ein Kooperationsprojekt der Landkreise Hohenlohe und Main-Tauber. Die ersten Ergebnisse zeigen: Psychologische Tests helfen nur bedingt bei der Weitervermittlung in das Berufsleben.

Das Publikum am regionalen Fachtag des INW.
Foto: GSCHWÄTZ

Das Projekt kostet 2,6 Millionen Euro. Davon finanziert der Bund 90 Prozent, die restlichen 10 Prozent finanziert der INW durch Eigenleistung. Die beiden Landkreise müssen bis zum 31. Dezember 2019 840 Teilnehmer in das Projekt aufnehmen, so die Vorgabe des Bundes. Ende 2017 wurden laut der Projektleiterin Dr. Silvia Elisabeth Keller 707 Flüchtlinge aufgenommen. Somit müssen bis Ende 2019 noch 133 Personen hinzukommen. Das sei laut Keller zu schaffen.

„Wir wollten die kognitiven Fähigkeiten der Flüchtlinge herausfinden“

In ihrem Vortrag stellte die Projektleiterin nicht nur die Ziele, sondern auch zwei Modellprojekte vor. „Caidancer-R“ ist ein Projekt, in dem ein psychologischer Test mit den Flüchtlingen durchgeführt wurde, um deren IQ zu messen. Es wurden 100 Tests für beide Landkreise eingekauft und umgesetzt. Keller erklärt: „Der Anspruch war: Wir wollten herausfinden, was die kognitiven Fähigkeiten, Eigenschaften und Interessen von Flüchtlingen sind. Ziel sei es gewesen, es eine objektive Auswertung zu erreichen“, und zwar, welcher Beruf zu wem am besten passt. Die Tests enthielten wegen der eventuell hohen Sprachbarrieren wenig Sprachelemente, sie erhielten stattdesssen viele Piktogramme (Informatiosvermittlung durch vereinfachte grafische Darstellung).“ Die Teilnehmer sollten die Aufgaben selbstständig am Computer lösen. Keller und ihr Team haben jedoch festgestellt, dass der Test trotzdem erklärungsbedürftig gewesen sei. „Piktogramme wurden teilweise falsch gedeutet. Es ist ein anderes Verständnis. Viele Menschen haben auch keinen vergleichbaren anerkannten Berufsschulabschluss mitgebracht.“ Dadurch landeten viele Teilnehmer am Ende bei demselben Ergebnis: Beruflich seien sie im „Helfer-Bereich anzusiedeln“. Darunter fallen Hilfstätigkeiten, etwa im Lager, in der Produktion oder im Handwerk.

Projekt „Mein Ordner“

Ein weiteres Modellprojekt ist „Mein Ordner“. Das INW kaufte 1.600 Ordner, die bei Beratungsgesprächen, beim Jobcenter und von Ehrenamtlichen an Flüchtlinge verteilt wurden. Die Flüchtlinge sollen darin wiederum wichtige Dokumente aufbewahren.

Modellprojekt „Mein Ordner“.
Foto: GSCHWÄTZ

Kurse, um auf den Führerschein vorzubereiten

Dem INW steht ein Ausschreibungs-Budget zur Verfügung, somit kann das INW ergänzende Angebote zum Regelsystem schaffen. „Wir haben Vorbereitungskurse für Führerscheine ermöglicht. Wir haben keine Führerscheine finanziert, sondern wir haben hier eine Hinführung zum Führerschein ermöglicht, in dem hier fachbezogener Deutschunterricht vermittelt wurde“, erklärt Keller. Die Verkehrsregeln wurden unter anderem erklärt und auch, wie die Fragebögen auszufüllen seien.

Im Hohenlohekreis und im Main-Tauber-Kreis befinden sich laut Keller insgesamt 2.714 Flüchtlinge (Zahlen beziehen sich auf den Zeitraum Oktober 2015 – Juni 2018). Das INW hat nach eigenen Aussagen 235 Flüchtlinge vermittelt – 39 in Schulen, 27 in Ausbildung und 169 in Arbeit. Aber auch durch Eigeninititiative haben die Flüchtlinge eine neue Aufgabe gefunden, so Keller.

„Die größten Hürden sind die Sprache sowie fehlende Fachkenntnisse im Vergleich zu deutschen Standards“

Das Jobcenter des Hohenlohekreises hat 360 Flüchtlinge in Arbeit vermittelt (Zeitraum: 2015 bis Mai 2018. Stand: 12. Juli 2018). Das geht aus einer Antwort auf unsere Anfrage an das Landratsamt des Hohenlohekreises  hervor. „Die vermittelten Arbeitsstellen waren hauptsächlich im gewerblichen Helferbereich, insbesondere im Lager, in der Produktion und im Handwerk. Bei nicht reglementierten Berufen, wie zum Beispiel im Büro oder im Handwerk auf Gesellenebene kann ein direkter Einstieg ins Berufsleben erfolgen. Hier entscheidet der Arbeitgeber über eine Einstellung. Bei reglementierten Berufen wie zum Beispiel Erziehung, Pflege, Ingenieure, Ärzte ist eine Anerkennung des bisherigen Abschlusses notwendig. Hier wird von staatlicher Seite, meist Regierungspräsidium, eine Gleichwertigkeitsprüfung vorgenommen. Dann gibt es entweder eine vollständige Anerkennung, eine teilweise Anerkennung oder keine Anerkennung“, heißt es in der Presseerklärung. Aber nicht nur die deutsche Bürokratie verzögert einen leichten Einstieg in das Berufsleben. „Die größten Hürden bei der Vermittlung von Geflüchteten sind die Sprache sowie fehlende Fachkenntnisse im Vergleich zu deutschen Standards“, so das Landratsamt.

 




Im Schlafzimmer fremder Frauen

Ein Staubsaugervertreter aus Buchenbach plaudert aus dem Nähkästchen.

Ein Staubsauger-Vertreter steht mit seinem Comedy-Programm deutschlandweit auf der Bühne und plaudert darüber, was sich hinter verschlossenen Türen so alles bei seinen Kunden im Kocher- und Jagsttal abspielt.

Wie wird ein Vertreter Comedian? GSCHWÄTZ hat Matthias Stephan, alias „Der Saubermacher“, gefragt.

Der Buchenbacher hat sich immer vorgenommen: „Wenn ich mal nichts mehr verkaufe, fange ich mit Auftritten an. Da ich aber doch immer wieder was verkaufe, hat mich eine Kundin ermutigt, dass ich doch trotzdem endlich mal mit den Auftritten anfangen soll.“ Und so kam es, dass der alles andere als biedere Vertreter sich in seiner Freizeit auf kleinen Bühnen herumtreibt und aller Welt Anekdoten aus seinem Vertreterdasein erzählt.

Da hing ein Nacktbild von der Frau

Der „Saubermacher“ ist in Künzelsau als Vorwerk-Staubsauger-Vertreter bekannt. Und als Staubsaugerverkäufer, der schon in unzähligen Haushalten war, erlebt man einiges: „Ich habe einen Staubsauger vorgeführt. Irgendwann bin ich mit der Dame und ihrer Tochter im Schlafzimmer gelandet. Jeder Raum hat ja einen anderen Boden. Ich war fleißig beim Saugen, irgendwann schaue ich links hinter mich an die Wand und dachte mir nur: Ach du Scheiße. Da hing ein Nacktbild von der Frau. Diese Bild war mindestens 50 auf 80 Zentimeter groß. Ich war fix und fertig.“

„Viele fragen mich: Hasch du au was gscheits glernt?“ Ja, hat er. Speditionskaufmann, danach hat er die Fachhochschulreife gemacht. „Die ging neun Monate, wie eine reguläre Schwangerschaft. Das war aber vollkommen für die Katz“, plaudert Stephan. Sechs Jahre ist er nun schon als  Vorwerk-Staubsauger-Vertreter in Künzelsau und der Region unterwegs. Sein Staubsauger ist immer mit dabei.

Der Ritzenschnüffler

Selbst das Argument des Mannes: „Schatz, spinnst du, so ein teurer Staubsauger? Da können wir drei Wochen lang All-inklusiv-Urlaub in der Türkei machen“, kennt Matthias Stephan nur zu gut. „Der Mann kauft sich dann aber die Profi-Stiel-Motorsäge für zwei Äste im Jahr. Die Frau saugt aber jede Woche mit dem Dirt Devil“, erzählt er auf der Bühne.

Stephan erklärt auch Männerprobleme mit der Größe und Länge gerne anhand des Vorwerkstaubsaugers. So erläutert er dann beispielsweise: Der Staubsaugeraufsatz, der so genannte Ritzenschnüffler, sei in alle Richtungen flexibel und justierbar.

Momentan ist der 28-jährige auf Kleinkünstler-Bühnen in ganz Deutschland unterwegs. Sein Programm geht zirka 15 Minuten. Nach passenden Auftritten sucht er selbst. Leider gibt es in der Hohenloher Region kein passendes Kleinkunst-Bühnenformat für ihn, somit sind die meisten Auftritte in der Stuttgarter Region. Was sagt sein Chef zu seinen Auftritten? „Mein Vorwerk-Bezirksmanager findet es klasse, was ich da mache. Er selbst macht viel an Fasching und er ist der Meinung, dass man mehr von meiner Sorte bräuchte“, schmunzelt der Saubermacher.

Matthias Stephan auf der Bühne mit seinem Comedy Programm.
Foto: YouTube

Mit Restalkohol Staubsauger verkaufen

„Ich habe auch schon an Heilig Abend Staubsauger verkauft oder an einem Sonntag mit Restalkohol. Aber das merkste dann. Ich musste zweimal auf‘s  Klo rennen. War ich froh, dass der Staubsauger ein Betriebsgeräusch macht. Aber der Sonntag hatte sich gelohnt. Drei Staubsauger mit gefühlten drei Promille verkauft“, erklärt der Buchenbacher, der gerne eine Holzfliege trägt. „Ich fühl‘ mich manchmal wie eine Edelprostituierte. Tagsüber ist selten jemand zu Hause, außer junge Mütter und die kaufen keinen Staubsauger ohne ihren Mann, also komme ich am Wochenende oder abends.“

Privat, etwa beim Bummel durch Künzelsau, begegnet Stephan vielen Menschen wieder, die er durch sein Vertreter-Dasein kennt. „Über Trennungen und Scheidungen bin ich immer bestens Informiert und weiß ziemlich als erster, wer sich von wem getrennt hat, wer der neue Partner wird und wer einen Trennungsstaubsauger braucht“, schmunzelt er. „Irgendwann hat aber jeder in Künzelsau und Umgebung einen Staubsauger und nur von Staubsaugerbeuteln verkaufen kann man nicht leben.“ Deshalb verkauft Stephan mittlerweile auch Werbung im Raum Würzburg. Die Werbung, die im Supermarkt auf der kleinen Werbetafel vorne im Einkaufswagen hängt oder an der Kasse auf dem Warentrennstab zu lesen ist.




Zwischen dem Raum der Stille und orangefarbenen Spints – Rundgang im neuen Ganerben-Gymnasium

Nach fünf Jahren Bauzeit sind die Sanierungs- und Renovierungsarbeiten des Ganerben-Gymnasium in Künzelsau abgeschlossen.

Bei der Einweihung am Mittwoch, den 4. Juli 2018, bekamen wir einen Einblick in das fertige Gebäude und unterhielten uns mit Edwin Straßer, dem Schulleiter des Ganerben-Gymnasiums, was er von Filmen wie „Fack ju Göhte“ hält: „Der erste Film ist natürlich überzeichnet und das was er tun soll tut er auch. Mein Film-Genre ist es nicht.“ Straßer ist sich aber sicher: „Der Raum ist der dritte Pädagoge.“ Will heißen: In Wohlfühlräumen und in einer sinnig gestalteten Umgebung lernen Schüler besser.

Das Kurzinterview mit Edwin Straßer sehen Sie im Video:

 

Sitzgelegenheiten im Aussenbereich fehlen noch

Straßer ist sich sicher, dass die Schüler jetzt, nach der Renovierung, mit mehr Elan in die Schule gehen. „Schule ist Lebensraum. Wenn man von 7.30 Uhr bis 17.30 Uhr an der Schule ist, dann muss ein Gebäude ansprechend sein. Es geht nicht nur ums Lernen“, erklärt Straßer. So ganz fertig ist das Ganerben-Gymnasium allerdings noch nicht. Es fehlen laut Straßer noch Sitzgelegenheiten im Aussenbereich sowie zum Beispiel die Renovierung der Umkleidekabinen in der Turnhalle.

Sitzgelegenheiten, die Straßer sich selbst überlegte und bei einem Schreiner in Auftrag gab

Dank Aufzügen endlich barrierefrei

Das für seine unzähligen Treppenstufen bekannte Gymnasium ist nun barrierefrei. Martin Reuter, Lehrer auf dem Ganerben-Gymnasium, erklärt, was sich geändert hat:

„Es ist wichtig, dass man Diskussionen führt. Brauchen wir eine Mensa? Jawohl, wir brauchen eine Mensa“, so Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann bei seiner Rede bei der Einweihungsfeier. Die Mensa hatte zuvor 40 bis 50 Sitzplätze, mittlerweile 122 Sitzplätz. „Die Kinder essen in Schichten. Nach der fünften Stunde haben wir eine Schicht und nach der sechsten Stunde haben wir eine Schicht, deshalb kommen wir mit den Sitzplätz jetzt ganz gut hin“, erklärt Reuter.

Früher Kunsträume, heute Mensa

 

Martin Reuter gewährt und einen Einblick in die neue Mensa. Früher befanden sich hier die Kunsträume:

Mensa

Was sich noch geändert hat:

Bibliothek mit Leseecke

Raum der Stille – er dient als Rückzugsort und wird häufig genutzt, zum Beispiel im Religionsunterricht

Diese orangefarbenen Spints gab es schon vor 20 Jahren – nun stehen sie nicht mehr im Eingangsbereich, sondern in den Klassenzimmern

„Wir sind eine starke Schul- und Hochschulstadt“

Bürgermeister Stefan Neumann ist stolz auf den „starken Schul- und Hochschulstandort“ Künzelsau. Über zehn Millionen hat die Renovierung und Sanierung des Ganerben-Gymnasiums gekostet. Davon habe drei Millionen das Land Baden-Württemberg bezuschusst. „Bildung ist heute die Ressource Nummer eins und die Mittel, die wir hier investieren, investieren wir in die Zukunft.“

 

Elektronisches Infoschild

 

„Als Spende der Architekten und Fachplaner wird in Kürze im Eingangsbereich ein Großbildschild installiert, auf dem die neuesten Infos der Schule, einschließlich der Stundenplanänderung, gleich beim Betreten sichtbar ist“, verkündet Uwe Hein vom Architekturbüro Hein-Hüttel- Lindenberg bei seiner Rede an der Eröffnungsfeier. Das Video hierzu sehen Sie hier:

 

 

Das Unwetter vom Mai 2016: 2 Millionen Schaden an bereits neuen Räumen

 

Die komplette Renovierung hat zirka 10,5 Millionen Euro gekostet. „Es war alles fertig und dann kam das Unwetter. Im Musiksaal lief das Wasser hinten vom Hang rein, durch den kompletten Musiksaal und hat dann die Fenster rausgedrückt. Alle Musikinstrumente waren hinüber. Lautsprecherboxen aus dem Musiksaal fanden wir unten am Kreisverkehr wieder“, erzählt Reuter während des Rundgang durch das Schulgebäude. Die Sanierungskosten für die Beseitigung der Unwetterschäden vom Mai 2016 lagen bei zirka zwei Millionen Euro.

Weitere Fotos von der Eröffnung

Schulchor bei der offiziellen Einweihung am 04. Juli 2018

Schulband bei der offiziellen Einweihung am 04. Juli 2018

Öffentliche Einweihung am 20. Juli 2018

Am Freitag, den 20. Juli 2018, ab 14.30 Uhr, veranstaltet die Schule ein Schulfest und das Schulgebäude steht für jeden zur Besichtigung offen.

 

Fotos: GSCHWÄTZ/Nadja Fischer

 

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Fotografie: Der Blick fürs wesentliche

Man verliert sich selbst beim Betrachten der Bilder. Jedes Detail scheint perfekt platziert. Man bekommt Fernweh und gleichzeitig fühlt man sich schon an einem anderen Ort, wenn man diese Fotos anschaut.

Nicole Endres aus Kocherstetten  hat das Fotografieren zu ihrem Hobby gemacht. Ihre erste Kamera war eine alte Olympus von ihrem Papa und sie begann mit zwölf Jahren ein paar Schnappschüsse zu machen. Die heute 37-Jährige fing aber erst vor fünf Jahren wieder aktiv das Fotografieren an. Sie kaufte sich für den Start eine Spiegelreflexkamera von Nikon.

Dartlo ein abgelegenes Bergdorf in Georgien. Die Anreise erfolgte über einen fast 3.000 Meter hohen Pass.
Foto: Nicole Endres

Die Ausrüstung

Mittlerweile fotografiert Endres mit einer Nikon D7100 Spiegelreflexkamera, besitzt fünf Objektive, zwei externe Blitze und ein Stativ. Ihre Objektive sind ein 18-55 mm Nikon und ein Weitwinkelobjektiv 11-16 mm von Tokina. Für ihre Fotoreisen hat die Fotografin ein 18-200 mm von Tamron und ein 28-300 mm von Sigma. Wenn sie Portraits machen möchte, nutzt sie eine Festbrennweite mit 50 mm.

„Man kann mit jeder Kamera schöne Fotos machen. Man braucht nur das richtige Auge dazu“, erklärt die 37-Jährige. Endres gibt Rat: „Erst sollte man sich mit der Kamera beschäftigen. Einfach ein bisschen ausprobieren und sich nicht verrückt machen, wenn es nicht klappt. Zwar sollte man die Funktionen der Kamera kennen, aber die Gebrauchsanweisung muss man nicht auswendig lernen.“

Das Foto hat Nicole Endres vor drei Jahren im Vergnügungspark Gröne Lund in Stockholm geschossen.
Foto: Nicole Endres

Auf die Perspektive kommt es an

Sie selbst hat über die Volkshochschule Heilbronn einen Fotografie-Kurs belegt und macht viele Fotoreisen. „Bei den Fotoreisen sind wir zehn bis zwölf Teilnehmer. Ein Dozent begleitet uns, führt uns an schöne Punkte und gibt uns Tipps beim Fotografieren. Abends stellen wir die Fotos vor. Es ist beeindruckend. Wir hatten alle dasselbe Motiv, aber jeder hatte andere Fotos. Keines ist gleich. Wenn man nur einen Schritt zur Seite macht, hat man schon eine andere Perspektive“, berichtet die Fotografin. „Wenn das Motiv steht, versucht man das Motiv aus verschiedenen Perspektiven zu fotografieren. Da liegt man dann auch mal in der Landschaft auf dem Boden“, erzählt sie lachend.

Bei ihrem Kurztrip nach Venedig hat die gelernte Industriekauffrau 1.200 Fotos geschossen. Sie speichert ihre Fotos als JPG- und als RAW-Datei und bearbeitet die Bilder mit dem Programm Lightroom.

Durch die Einfachheit, die Fotos nicht mehr entwickeln lassen zu müssen, bietet dies viel mehr Möglichkeiten. Aber auch ,wenn man viele Fotos schießen und sie danach bearbeiten kann, ist nicht jedes Fotos schön. „Die Natürlichkeit des Fotos sollte gegeben sein. Es muss der Realität entsprechen und sollte nicht übermäßig bearbeitet werden“, sagt Endres.

Herbstnachmittag in der Nähe von Langenburg.
Foto: Nicole Endres

Rechte am Foto

Ihre Fotos verkauft sie nicht. Geld damit verdienen könnte man, aber Endres sieht das anders: „Ich möchte nicht auf Kommando kreativ sein, wenn ich es muss. Mal hat man einen Tag, da schießt man ein Foto und geht wieder nach Hause, weil man einfach nicht kreativ ist“, so die Fotografin. Auch die Teilnahme an einem Fotowettbewerb sieht sie kritisch: „Sobald man ein Foto bei einem Wettbewerb einreicht, hat man die Bildrechte daran verloren, selbst wenn man nicht gewinnt und das Foto nicht veröffentlicht wird. Das möchte ich nicht.“