Erlebt nicht jeder Haustierbesitzer einmal den Moment, in welchem er sich fragt, was sein Tier gerade denkt? Was würde man dafür geben, um in den Kopf der mordlustigen Katze schauen zu können, dem treuen Hund erklären, dass man gleich wieder da ist oder das Pferd fragen, warum es denn jetzt so stur ist?
Alexandra Hoch aus Mulfingen ist Tierflüsterin. Sie spricht mit Tieren. Tierkommunikation – geht das wirklich? „Die Tiere öffnen ihr Herz und klagen ihr Leid“, erzählt Hoch. Bei all den Fragen, die man an seinen besten Freund, das Tier hat, auf welche begrenzt man sich da?
„Magst du mich?“, ist eine der häufigsten Fragen von Haustierbesitzern
Die häufigsten Fragen, die die 43-Jährige den Tieren von Ihren Besitzern stellt, sind: Magst du mich? Fühlst du dich wohl? Oder auch, ob das Tier Schmerzen hat. „Die Antworten der Tiere sind nicht immer die, die sich die Besitzer wünschen. „Selbst wenn ich einem Tier etwas erkläre, was sein Verhalten anbetrifft, hat es noch immer einen freien Willen. Es ist wie mit Kindern, wenn man denen etwas sagt, was sie nicht machen sollen, heißt es noch lange nicht, dass sich die Kinder daran halten. Und genauso ist es mit den Tieren“, erklärt die Tierflüsterin. Die Bitten der Tierbesitzer sind vielseitig. Sie selbst nahm sich dem Tiergespräch an, da ihr Hund eingeschläfert werden sollte. Als Tierhalter ist dies oft eine schwere Entscheidung, vor allem, wenn das Tier Lebenswillen zeigt, aber nun mal einfach alt ist. Hoch hat ein Seminar besucht, um mit Tieren kommunizieren zu können.
„Es ist wie Telefonieren. Man muss eine Verbindung aufbauen“, beschreibt Hoch. „Das Schwierige ist aber, dass man den Menschenverstand abschalten muss, weil wir Menschen zu viel zweifeln und wir nicht voreingenommen sein dürfen.“ Hoch meditiert, bevor sie mit einem Tier spricht. Für das Gespräch benötigt die 43-Jährige nur ein Foto und den Namen des Tieres. Aber wie kann man sich das vorstellen? Wie ein Telefongespräch? Nein. Sie bittet das Tier, in eine Art virtuellen Raum zu kommen.
Sie benötigt nur ein Foto und den Namen des Tieres
Aber wie kann man sich eine Unterhaltung zwischen Alexandra Hoch und einem Tier vorstellen? Sie schreibt Ihre Gespräche auf und diese Niederschrift bekommen die Tierhalter zugesandt. Die Tierflüsterin zeigt GSCHWÄTZ-Redakteurin Nadja Fischer ein paar Beispiele.
Blackie hat das Gefühl, es nie recht machen zu können
Hoch: Ich lade Pferd Blackie zu mir in meinen virtuellen Raum ein. Er kommt hereingetänzelt, schnaubend und den Kopf werfend. Er wiehert, wirkt sehr unruhig und aufgeregt.
Hallo Blackie, mein Name ist Alexandra und ich spreche im Auftrag von Menschen mit ihren tierischen Wegbegleitern. Nina hat mich gebeten, mich ein wenig mit dir zu unterhalten. Sie möchte gerne einen kleinen Einblick erhalten in dein früheres Leben und auch, wie es jetzt in dir aussieht und wie es dir geht. Ist das in Ordnung für dich, wenn ich dir ihre Fragen und Worte übermittle?
Blackie: Ja, grundsätzlich ist das schon ok. Nur was soll das, warum tut sie es denn nicht selber? Ich finde, ihr seid so schwer zu durchschauen. Manchmal habe ich fast das Gefühl, man kann es Menschen eigentlich nie so wirklich recht machen.
Hoch: Ging es dir denn gut, da, wo du vorher gelebt hast?
Blackie: Ich möchte schon meinen, ja. Ich hatte mehr Freiheiten und mehr Kontakt mit meinen Artgenossen. Dafür waren nicht alle Menschen immer nur nett zu mir. Das ist wiederum jetzt hier angenehmer.
Sisco hat Angst vor dem Schlachter
Hoch: Hallo Sisco, schön, dass du zu mir gekommen bist. Wie geht es deinen Vorderbeinen?
Sisco: Was soll mit meinen Vorderbeinen sein? Ich kann doch laufen, oder?
Hoch: Ja, natürlich kannst du laufen, Sisco. Aber ich möchte wissen, ob du Schmerzen hast?
Sisco: Schmerzen? Ihr Menschen messt diesem Thema viel zu viel Bedeutung bei. Ich werde es schon zeigen, wenn ich wirklich schlimme Schmerzen habe.
Hoch: Sisco, wir Menschen machen uns doch Sorgen um euch. Wir wollen doch, dass es euch gut geht.
Sisco: Ja, damit ihr uns nutzen könnt und reiten, damit wir nicht wertlos für euch sind. Darum sind wir euch wichtig.
Hoch: Meinst du nicht, dein Frauchen hat dich sehr gerne und macht sich wirklich Gedanken und Sorgen um dich?
Sisco: Doch. Ich weiß, dass sie uns alle gerne hat, aber trotzdem ist das auch schon in ihrem Kopf gewesen, das weiß ich, das habe ich gefühlt. Was ist, wenn es schlimmer wird mit meinen Beinen? Gibt Sie mich dann weg? Oder bin ich dann immer noch ihr lieber, toller Sisco, der mit ihr durch dick und dünn geht, oder bin ich dann nur noch ein Klotz am Bein?
Hoch: Lieber Sisco, weißt du, da kann ich dir jetzt keine Antwort geben, denn ich glaube, das könnte dein Frauchen selbst nicht. Es ist eins, sich Gedanken zu machen, was wäre, wenn der Fall der Fälle einträfe. Was man dann wirklich tut, ist eine ganz andere Sache. Ich bin mir aber ganz sicher, dass sie sich die Entscheidung auf keinen Fall leichtmachen würde. Und ich bin mir auch ganz sicher, sie würde im schlimmsten Fall alles in ihrer Macht stehende dafür tun, dass du es gut hättest, da, wo du hinkommen würdest.
Sisco: Meinst du nicht, sie würde mich zu einem Schlachter bringen, wie es so viele von euch tun – einfach ohne mit der Wimper zu zucken?
Katze Balu war nicht klar, wozu man ein Katzenklo benutzt
Hoch: Balu, nun ist es so, dass du deine Hinterlassenschaften fast schon fallen lässt, wo du gerade gehst und stehst. Das ist nicht gerade so angenehm für die restlichen Familienmitglieder. Ich sage es mal ganz direkt: Es stinkt und es ist auch einfach unhygienisch. Das ist auch der Grund, warum du nun nachts in einen Käfig gesetzt wirst.
Balu: Ach, das wusste ich nicht. Hab‘ mich schon gewundert, was das jetzt soll.
Hoch: Es ist wirklich ein großes Problem und eine extreme nervliche Belastung – inbesondere für dein Frauchen. Sie weiß nicht mehr, was Sie noch tun kann, damit du nicht überall hinkackst, sondern das Katzenklo benutzt. Du kannst natürlich alternativ auch gerne draußen in die Erde machen und es zuscharren. Meinst du, das bekommst du hin?
Balu: Weiß nicht so recht, was du mit Katzenklo meinst?
Hoch: Das Katzenklo ist so eine Schale mit Einstreu drin. Da geht die Hauskatze rein, scharrt ein kleines Loch, macht ihr großes Geschäft und scharrt es dann wieder zu.
Balu: Das ist ja lustig. Ja, manchmal bin ich da drin, aber dass das wirklich zum Reinmachen ist, war mir nicht wirklich bewusst.
Hoch: Ich appelliere an dich: Versuche, in das Katzenklo zu machen.
Balu: Wenn euch das so wichtig ist, kann ich mal darüber nachdenken. Aber einfach ist das nicht. Ich muss alte Gewohnheiten durchbrechen. Das ist in meinem Alter nicht mehr so leicht, das könnt ihr mir glauben. Auch mein Körper macht nicht mehr immer, was er soll, es liegt nicht nur am Wollen, das möchte ich damit sagen.
Verschwundene Tiere wiederfinden
Die Tierflüsterin schildert: „Schwierig ist es, mit vermissten Tieren zu kommunizieren. Bei einer vermissten Katze sah ich Bilder, als ob ich durch ihre Augen schauen würde. Dadurch konnte ich den Weg, den das Tier zurückgelegt hatte, rekonstruieren. Wir fanden die Katze auch, leider war sie bereits verstorben. Das kann ich aber in den Gesprächen mit den Tieren nicht feststellen, da die Tiere es meist selbst nicht wissen.“
Hoch kann mit jedem Tier sprechen. Jedoch macht sie das nie ohne die Einwilligung des Tierhalters. Wenn man mit jedem Tier sprechen kann, bringt man es dann überhaupt noch übers Herz, ein Tier zu essen? Die Tierflüsterin hat auch schon mit Schlachttieren gesprochen. „Die Schlachttiere, mit denen ich sprach, haben kein Problem damit, Schlachttiere zu sein, denn sie sehen es als ihre Bestimmung an. Jedoch ist der Umgang mit ihnen, auch das frühe Wegnehmen der Jungen von der Mutter, ein großes Problem für die Tiere“, berichtet die Nicht-Vegetarierin.
„Schlachttiere haben kein Problem damit, Schlachttiere zu sein“
Katja Hildebrand aus Mulfingen hat Hoch schon mehrmals darum gebeten, mit ihren Pferden und dem Hund zu sprechen: „Es ist einfach nur krass. Sie hat meine Tiere charakterlich genau so beschrieben, wie sie sind und das, obwohl Frau Hoch meine Tiere nicht kennt. Man kann so etwas nicht erklären. Es ist rational auf einer ganz anderen Ebene.“ Hildebrand ist davon überzeugt, dass Tiere uns viel zu sagen haben, wir Menschen aber nicht hinhören.
„Nicht alle Fragen können beantwortet werden, weil wir menschliche Fragen mit menschlichen Anforderungen stellen und manchmal einfach nur Antworten aus der Tiersicht bekommen“, schildert Hildebrand.
Tierkommunikation lernen
Die Grundlagen der Tierkommunikation kann man bei Alexandra Hoch lernen. Die Teilnehmer lernen in dem Seminar unter anderem, wie diese Form der Kommunikation funktioniert, wann man Tierkommunikation einsetzen und was man damit erreichen kann. Auch, was man grundsätzlich vermeiden sollte, wird thematisiert. Weitere Programmpunkte: verschiedene Übungen (entspannen, reinigen, erden, abgrenzen, öffnen) sowie Entdecken der Telepathie: Übung von Mensch zu Mensch.
Die Kosten des Seminars liegen bei 250 Euro pro Teilnehmer.
Kontakt:
Alexandra Hoch, Mulfingen.
Telefon: 07938/278