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Landrat Neth: „Wir sind sehr neugierig und wollen erfahren, wie sich die Infektion hier ausgebreitet hat“

In Kupferzell steht seit kurzem auf dem Parkplatz der Carl-Julius-Weber-Halle ein Medibus des Robert-Koch-Institutes (RKI). In diesem und einem weiteren Bus, der in Eschental beim Hotel Günzburg steht, führt das RKI ab Mittwoch, den 20. Mai 2020, rund drei Wochen lang die Studie „Corona Monitoring lokal“ durch (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/2020/05/16/robert-koch-insititut-will-2-000-kupferzeller-unter-die-lupe-nehmen/) Das RKI erhofft sich dadurch weitere Erkenntnisse rund um das Virus und seine Verbreitung. Also: Wieviele Menschen haben Antikörper gebildet. Und wieviele haben von einer Infektion überhaupt nichts bemerkt? Dadurch lassen sich Rückschlüsse auf die Dunkelziffer ziehen. Außerdem wird untersucht, welche Maßnahmen vor Ort getroffen wurden und ob die zu einem günstigeren Verlauf des Infektionsgeschehens beigetragen haben. Zur Vorstellung der Studie lud das Landratsamt Hohenlohekreis am Dienstag, den 19. Mai 2020, zu einer Pressekonferenz nach Kupferzell. Bürgermeister Christoph Spieles war danach die erste Person, die sich für einen Test zur Verfügung stellte und sich tapfer Blut als auch einen Rachenabstrich entnehmen ließ.

Freiwillige Teilnahme

Kupferzell ist die erste Gemeinde, die das RKI besucht. Über ein Zufallsverfahren beim Einwohnermeldeamt wurden 2000 Kupferzeller über 18 Jahren ausgewählt und von den Studienmachern angeschrieben. Die Teilnahme ist freiwillig. Wer sich dazu entschließt, muss sich online bei einem der beiden Studienzentren anmelden und bekommt einen Termin. Dr. Claudia Santos-Hövener, die Projektleiterin der Studie, bittet die Teilnehmer darum, nur zu kommen, wenn keine akuten Symptome vorliegen.

Rachenabstrich und Blutentnahme

Zum Termin muss die Testperson die Unterlagen, die das RKI zugeschickt hat, mitbringen und sich am Empfang melden. Dort findet die Aufklärung statt, man muss eine Einverständniserklärung unterschreiben und einen Fragebogen ausfüllen. Dann geht`s zum eigentlichen Testgeschehen mit Rachenabstrich und Blutentnahme. Während der Untersuchung werden die Schutz- und Hygienevorschriften eingehalten. Deshalb müssen die Testpersonen eine Schutzmaske tragen – entweder eine eigene oder eine vom RKI. Für angeschriebene Personen, die an der Studie teilnehmen möchten, aber nicht zum Medibus kommen können, gibt es mobile Teams, die Hausbesuche vornehmen.

Keine Zwischenergebnisse

Nach vier Wochen erhalten die Getesten eine Ergebnismitteilung per Post. „Bei einem positiven Befund erfolgt die Benachrichtigung sofort und telefonisch“, sagt Dr. Santos-Hövener. Vier bis sechs Wochen danach erfolgt außerdem eine Online-Nachbefragung. „Hier geht es nochmal um Details zum Gesundheitsverhalten, zum Infektionsschutz und um psychosoziale Einflussfaktoren“, so die Studienleiterin weiter. Zwischenergebnisse veröffentlicht das RKI nicht.

Zwei Testpersonen gleichzeitig

„Wir werden täglich von 7 bis 20.30 Uhr testen“, sagt Studienassistentin Beatrice Schlegel, eine von insgesamt rund 20 Studien-Mitarbeitern. Der Bus bietet Platz für zwei Testpersonen gleichzeitig. Weil es um die Mittagszeit zu Überschneidungen bei den Mitarbeiternteams kommt und um für einen eventuellen Mehrbedarf gewappnet zu sein, hat das THW Pfedelbach außerdem in der Carl-Julius-Weber-Halle ein Zelt und Pavillons aufgebaut, wo weitere Personen getestet werden können. „2000 Personen zu testen, ist ja auch viel Arbeit“, sind sich Beatrice Schlegel und ihre Kollegin Claudia Radek einig. Die beiden ausgebildeten Krankenschwestern sind sichtlich stolz auf den Medibus, der nagelneu ist, aber eigentlich für eine andere Studie vorgesehen war.

Faktoren, die das Virus vorantreiben oder hemmen

„Mit der Studie soll der Anteil der Bevölkerung ermittelt werden, der akut infiziert ist, und der Anteil der Personen, die die Krankheit bereits durchgemacht haben und bei denen wir davon ausgehen können, dass zumindest für einen gewissen Zeitraum eine Immunität gegen eine Neuinfektion besteht“, sagte PD Dr. Thomas Lampert, Leiter der Abteilung für Epidemologie und Gesundheitsmonitoring am RKI, während der Pressekonfernz. So sollen die Faktoren ermittelt werden, die die Ausbreitung des Virus in Deutschland vorantreiben oder hemmen. Außerdem erhoffen sich die Wissenschaftlicher Aussagen über die Bevölkerungsgruppen, die besonders betroffen sind, wobei nicht nur nach Geschlecht und Alter unterschieden wird sondern beispielsweise auch nach der Haushaltszusammensetzung. Die Studien sollen dazu beitragen, die ergriffenen Maßnahmen beurteilen zu können im Hinblick auf die Aufrechterhaltung oder die Rücknahme.

„Zahlreiche Teilnahme wichtig für valide Ergebnisse“

Sowohl Landrat Dr. Matthias Neth als auch Bürgermeister Spieles erklärten, dass sie neugierig seien auf die Ergebnisse des RKI. „Wir sind sehr neugierig und wollen auch erfahren, wie sich die Infektion hier ausgebreitet hat und wie sie in der Bevölkerung aufgetreten ist“, so Neth. Er verwies auf die dramatische Situation mit Corona und bat die Bevölkerung, an der Studie teilzunehmen, denn die sei „ein wichtiger Bestandteil“. Auch Spieles hofft auf eine „zahlreiche Teilnahme“ und appellierte an die angeschriebenen Personen sich auch zu melden, wenn sie krank sind, denn dann könnten Nachmeldungen vorgenommen werden. „Diese Studie ist für uns alle äußerst wichtig“, sagte der Bürgermeister. Auch er sei gespannt auf die Ergebnisse. Dem Appell schloss sich auch Stefan Brockmann, Referatsleitung Gesundheitsschutz beim baden-württembergischen Landesgesundheitsamt, an. „Eine zahlreiche Teilnahme ist wichtig für valide Ergebnisse“, meinte er. Die Studie liefere einen wichtigen Beitrag für Erkenntnisse zu Corona.

„Wir gehen dorthin, wo der Bedarf am Größten ist“

Insgesamt will das RKI an vier verschiedenen Orten eine solche Untersuchung durchführen. Nach in Kupferzell geht`s weiter in den Landkreis Rosenheim. Gemeinde drei und vier werden erst danach ermittelt. „Wir gehen dorthin, wo der Bedarf am Größten ist“, so Dr. Lampert. Es sollen verschiedene Gemeinden betrachtet werden für ein umfassendes Bild. Gefragt nach dem Unterschied zwischen Kupferzell und dem nordrhein-westfälischen Gangelt sagte Dr. Santos-Hövener: „Die Altersstruktur ist unterschiedlich, es sind verschiedene Regionen und verschiedene Personenstrukturen“. das RKI wolle nun begreifen, welche Unterschiede es noch gab. Für eine repräsentative Studie und verlässliche Aussagen reichen außerdem die 2000 Testpersonen. „Das RKI will nicht mehr Personen testen als nötig“, sagte Dr. Lampert. Gefragt, warum das alles so lange dauere, antwortete er: „Eine Antikörper-Testung macht nur nach einer gewissen Zeit Sinn“. Man wäre zwar gerne schneller, aber so eine Studie nehme viel Zeit in Anspruch und benötige einen gewissen Vorlauf.

Text: Sonja Bossert

Referatsleiter Stefan Brockmann, Dr. Thomas Lampert vom RKI, Landrat Dr. Neth, Studienleiterin Dr. Claudia Santos-Hövener, Gesundheitsamtsleitern Antje Haack-Erdmann und Gunnar Kreidl vom THW Pfedelbach (v.l.n.r.). Foto: Gschwätz

 

 

 

 

 




Nach Stornierungswelle folgt nun Run auf Wohnmobilvermietungen & Campingplätze

Die Chancen auf Urlaubsfreuden im Sommer 2020 steigen. Einige Länder haben mit schrittweisen Lockerungen begonnen. Reisen innerhalb Deutschlands sollen schon in den Pfingstferien wieder möglich sein und die Grenzen in Europa wieder geöffnet werden.

Keine einheitliche Richtlinie

Seit Jahren erlebt der Camping-Urlaub einen Boom, durch die Corona-Krise bekommt diese Individualpsparte nun einen weiteren Schub. Der Campingplatzspezialist ACSI schreibt auf seiner Homepage  https://www.acsi.eu/de/corona/:  „In einigen Bundesländern können Campingplätze ab Mitte Mai 2020 wieder geöffnet werden. Dies kann von Region zu Region unterschiedlich sein – auch in demselben Bundesland. Für Campingplätze in ganz Deutschland gibt es noch keine einheitliche Richtlinie“. Auf der ACSI-Homepage finden sich auch Informationen und Links zu den beliebtesten Urlaubsländern der Deutschen. Dennoch sind nun schon einige Campingplätze ausgebucht im Zuge der Coronapandemie. Deutschland ist das neue Reiseziel der Deutschen. Und auch Wohnmobilvermietungen, die während der ersten Beschränkungen im März 2020 von einer Stornierungswelle überrollt wurden, gehören nach den schrittweisen Öffnungen derzeit zu den Gewinnern der Pandemie https://www.abendblatt.de/region/norderstedt/article229097701/Ansturm-auf-Wohnmobil-Vermieter.html

Öffnung für Gäste mit autarker Versorung

Das Problem: Es gibt (bislang noch) keine einheitliche, bundesweite Regelung. Jedes Bundesland entscheidet selbst über schrittweise Lockerungen und berücksichtigt dabei auch die regionalen Infektionszahlen. Seit dem 18. Mai 2020 dürfen beispielsweise in Baden-Württemberg Campingplätze für Dauercamper sowie Reisemobile und Wohnwagen mit autarker Versorgung öffnen. Sanitärgebäude müssen bis auf weiteres geschlossen bleiben, so dass jeder Gast das eigene WC und Nasszelle nutzen muss. Eine Entsorgung der Kassetteninhalte ist aber möglich. Auch auf dem Campingplatz müssen die vorgeschriebenen Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden. So muss ein Camper einen Mund-Nasen-Schutz tragen, sobald er seinen Stellplatz verlässt. Animationsprogramme sind bis auf weiteres gestrichen, der Verkauf zum Beispiel von Brot und Brötchen soll aber möglich sein.

Unterschiede innerhalb der Bundesländer

Laut der Homepage des baden-württembergischen Innenministeriums sollen ab dem 29. Mai 2020 Beherbergungsbetriebe, Campingplätze und Wohnmobilstellplätze unter Auflagen weiter geöffnet werden. Die Auflagen werden zeitnah unter https://im.baden-wuerttemberg.de/de/aktuelle-corona-verordnung-der-landesregierung/ veröffentlicht werden. Auch das bayerische Innenministerium plant laut seiner Homepage https://www.corona-katastrophenschutz.bayern.de/faq/index.php weitere Lockerungen: „Für das Pfingstwochenende ist eine mögliche Öffnung der Campingplätze geplant.“ Weitere Informationen zu allen Bundesländern finden sich auf der Homepage der deutschen Bundesregierung unter https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/coronavirus/corona-bundeslaender-1745198

Nur 50-prozentige Belegung der Campingplätze erlaubt

In Niedersachsen dürfen laut Verordnung bereits seit dem 11. Mai 2020 „Ferienwohnungen, Ferienhäuser, Campingplätze, Wohnmobilstellplätze und Bootsliegeplätze wieder an Gäste vermietet werden“. Für Ferienwohnungen und Ferienhäuser gelten dabei laut der Homepage https://www.ms.niedersachsen.de/startseite/aktuelles/presseinformationen/niedersachsische-verordnung-zur-bekampfung-der-corona-pandemie-tritt-am-montag-in-kraft-neue-phase-mit-weiteren-lockerungen-startet-188195.html eine Wiederbelegungsfrist von sieben Tagen. Das bedeute, dass „Vermieter erst nach sieben Tagen neu vermieten dürfen.“ Außerdem dürfen Campingplätze, Wohnmobilstellplätze und Bootsliegeplätze nur zu 50 Prozent belegt werden. Tagestouristen dürfen dann auf die niedersächsischen Inseln fahren, wenn die jeweiligen Kommunen oder Landkreise dies gestatten.

Erneute Reisewarnung für Auslandsreisen

Zu Reisen ins Ausland sprach das Auswärtige Amt am 14. Mai 2020 eine weitere Reisewarnung aus. Auf der Homepage https://www.auswaertiges-amt.de/de/ReiseUndSicherheit/covid-19/2296762 heißt es wie folgt: „Vor nicht notwendigen, touristischen Reisen in das Ausland wird derzeit gewarnt, da weiterhin mit starken drastischen Einschränkungen im internationalen Luft- und Reiseverkehr, weltweiten Einreisebeschränkungen, Quarantänemaßnahmen und der Einschränkung des öffentlichen Lebens in vielen Ländern zu rechnen ist. Dies gilt bis auf weiteres fort, vorerst bis einschließlich 14. Juni 2020“.

Gelockerte Grenzkontrollen

An den Grenzen zu Frankreich, Österreich und der Schweiz sowie bei ankommenden Flügen aus Italien und Spanien soll es weiterhin bis zum 15. Juni 2020 Binnengrenzkontrollen durch die Bundespolizei geben. Sprich: In Frankreich etwa ist die Einreise für touristische Zwecke derzeit noch nicht erlaubt. Dies soll sich aber ab Mitte Juni 2020 ändern. Auch die Kontrollen an der Grenze zu Dänemark werden zunächst weiter durchgeführt. Der Termin zur Einstellung der Grenzkontrollen soll in Abstimmung mit der dänischen Regierung festgelegt werden. Es werde „am Erfordernis eines triftigen Einreisegrundes im Grundsatz festgehalten, es wird aber zusätzliche Erleichterungen für Reisen aus familiären oder persönlichen Gründen geben“. Außerdem: „Für die EU-Außengrenzen hat die Europäische Kommission vorgeschlagen, die Beschränkungen für Einreisen aus Drittstaaten bis zum 15. Juni 2020 zu verlängern. Dieser Empfehlung wird Deutschland entsprechen“.

Links zu Reiseveranstaltern

Auch der größte Reiseverbund Europas – die im August 2002 gegründete Quality Travel Alliance (QTA) – gibt auf seiner Homepage https://q-t-a.de/covid-19/ Informationen zu Corona und Reisebstimmungen weiter. Hier finden sich auch Links zu den Homepages zahlreicher Reiseveranstalter.

Text: Sonja Bossert

Ein bisschen Urlaubsluft auf dem BUGA-Gelände in Heilbronn schnuppern. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv




„Für viele Familien ein Problem, wenn sie nicht für jedes Kind einen Rechner haben“

In Zeiten von Corona lernen die Schüler von Zuhause aus, Homeschooling ist das Schlagwort der Stunde. Dazu mussten die Schulen Strukturen aufbauen, um die Kinder und Jugendlichen mit den nötigen Lernmaterialien versorgen zu können.

„Seit zwei bis drei Jahren nutzen wir das für unsere Fünftklässler“

Die Realschule in Krautheim hatte bereits eine digitale Struktur. „Wir nutzen Office 365 von Microsoft“, sagt Schulleiter Thomas Weniger. Die Schule hat seit einigen Jahren eine Lizenzvereinbarung mit dem Software-Riesen. „Wir haben einen Pauschalvertrag über alle Rechner im Haus, der nach Anzahl der Lehrkräfte bezahlt wird“, so der Rektor. Der Vertrag beinhalte auch Heimnutzungsrechte für das Kollegium und die Schüler. „Seit zwei bis drei Jahren nutzen wir das besonders für unsere Fünftklässler“, so Weniger weiter. Als im März klargeworden sei, dass die Schulen schließen, mussten nur noch die E-Mail-Adressen der Eltern eingeholt werden, damit alle direkt erreichbar sind. Worüber sich Weniger besonders freut: Alle Eltern haben geantwortet. Am letzten Schultag hätten außerdem die Schüler einen Link oder Bar-Code bekommen, mit dem sie sich direkt in ihren digitalen Klassenordner mit Arbeitsaufträgen der Fächer einloggen konnten.

„Es läuft ganz gut bei uns“

„Der Online-Unterricht läuft bei uns ganz gut“, ist Weniger überzeugt. Sowohl Zugang als auch Struktur seien recht einfach. Unterrichtet werde nach Stundenplan, für den zuvor Wochenpläne erstellt worden seien. „Wir haben einen Musterwochenplan, anhand dem die Lehrer vorgehen“, sagt er. So könnten alle einheitlich und strukturiert arbeiten. Vorher hätte es kein digitales Lernen an der Realschule gegeben, lediglich einen Server mit Tauschordnern, auf die Schüler und Lehrer Zugriff hätten.

„Es ist auch eine Belastung für die Eltern“

„Es ist ja auch eine Belastung für die Eltern, wenn eine Schule verschiedene Möglichkeiten nutzt“, so Weniger. Die hätten oft genug Probleme, das Homeschooling zuhause zeitlich zu koordinieren. „Für viele Familien ist es zudem ein Problem, wenn sie nicht für jedes Kind einen Rechner haben.“ Auch die Rückmeldungen von Seiten der Schüler sei positiv. Wenn er bei seinen Schülern anrufe, geht es ihnen zwar ganz gut, vielen sei aber langweilig. Den Umfang der Aufgaben für Zuhause finden die meisten in Ordnung.

„Videokonferenzen sind lediglich für kleine Schülergruppen“

Nach den Osterferien wurden in Krautheim wie an vielen anderen Schulen Videokonferenzen eingeführt. Diesem Heimnutzungsrecht mussten die Eltern zuvor zustimmen, was 78 Prozent auch taten. „Die Videokonferenzen sind lediglich für kleine Schülergruppen“, sagt Weniger, der selbst Englisch unterrichtet. Sie seien nicht vergleichbar mit Präsenzunterricht. „Wenn eine gewisse Schülerzahl überschritten wird, wird es schwierig, was Sinn und Zweck anbelangt“, findet er. Der Lernstoff müsse also anders aufbereitet werden.

Den Rücklauf muss der Lehrer einfordern.

Nach drei bis vier Unterrichtsstunden würde er von seinen Schülern eine Rückmeldung verlangen. Das heißt, sie müssen ihre Hausaufgaben an den Lehrer schicken. Ansonsten kontrollieren sie ihre Aufgaben anhand von eingestellten Lösungen selbst. Schulleiter Weniger ist der Kontakt wichtig: „Wenn nichts kommt, schreibe ich eine E-Mail. Kommt dann immer noch keine Reaktion, rufe ich an“. Diesen Rücklauf müsse der Lehrer einfordern, Hausaufgaben auch mal ausdrucken und korrigieren. Und dann an die Schüler ein entsprechendes Feedback geben. Meistens klappe es aber auf Anhieb.

Aufgaben müssen bis 8 Uhr online sein

Manche Lehrer geben die Hausaufgaben wochenweise, andere täglich. Das werde unterschiedlich gehandhabt, allerdings müssen die Aufgaben bis spätestens 8 Uhr online sein. Das erleichtere es den Schülern, zuhause einen Rhythmus zu finden. Momentan hält Weniger dieses Vorgehen für alternativlos. Er komme mit dem Unterrichtsfortschritt voran, zwar langsamer, aber die Qualität sieht er bei ungefähr Dreiviertel der sonstigen.

„Es besteht die Gefahr, dass Schüler abgehängt werden“

Dennoch befürchtet der Schulleiter, dass die Schere zwischen guten und schlechten Schülern noch weiter auseinandergeht. „Es besteht durchaus die Gefahr, dass Schüler abgehängt werden“, sagt er. Deshalb können in Krautheim Schüler, die Unterstützung brauchen, in die Schule kommen. „Die Lehrer melden Problemfälle an die Schulsozialarbeit“, beschreibt Weniger. Die lade die Schüler ein. Zurzeit seien das zwei, es könnten aber auch vier bis fünf Schüler sein.

„Wir halten die Abstände ein“

Kinderreiche Familien, die nicht für alle Kinder einen PC zur Verfügung haben, könnten außerdem ein Leih-Tablet bekommen. Oder auch diese Kinder kommen in die Schule. In der dann betreuten Zeit müssen die online gestellten Aufgaben gemacht werden. Das könne an einem Vormittag sein, aber durchaus auch dreimal in der Woche. „Dabei halten wir die Abstände ein“, so Weniger. Bis zu zwölf Schüler könnten so untergebracht werden.

Abschlussprüfungen im Bürgersaal

Der Blick von Thomas Weniger richtet sich nun Richtung Abschlussprüfungen. In Krautheim kommen die 63 Prüflinge in den Bürgersaal, wo mehr als der vorgeschriebene 1,50 Meter-Abstand eingehalten werden kann und eine Lüftungsanlage für Frischluft sorgt. Auch die Regeln für die vier Kinder aus der Gruppe der Risikopatienten können problemlos beachtet werden.

Tablets oder Laptops für die Lehrer

Der nächste Schritt an der Krautheimer Realschule werden Tablets oder Laptops mit Pens sein, denn die würden das digitale Korrigieren für die Lehrer erleichtern. „Im Moment nutzen unsere Lehrkräfte ihr eigenes privates Equipment“, so Weniger. Er selbst sei als Schulleiter verpflichtet, jeden Werktag vormittags in der Schule zu sein. Doch die Vorbereitung des Unterrichts mache er dann oft auch Zuhause.

Text: Sonja Bossert

Thomas Weniger, Leiter der Realschule Krautheim (links) mit Josef Kraus. Foto: GSCHWÄTZ




Polizei in Hohenlohe: Über 700 zusätzliche Stunden wegen Corona

Seit Montag, den 11. Mai 2020, wurden die Corona-Verordnungen in Baden-Württemberg weiter gelockert. Nun dürfen beispielsweise auch Personen aus zwei verschiedenen Haushalten gemeinsam im öffentlichen Raum unterwegs sein. Dennoch gelten weiterhin Hygiene- und Schutzvorschriften, deren Einhaltung von der Polizei auch kontrolliert wird.

Über 700 zusätzliche Stunden

GSCHWÄTZ fragte bei der Pressestelle des Polizeipräsidiums Heilbronn nach, ob die Polizei aktiv kontrolliert oder ob das nur nach Meldungen aus der Bevölkerung geschieht. Yannick Zimmermann von der Stabstelle Öffentlichkeitsarbeit schreibt dazu in einer Antwort-Mail: „Die Polizei überwacht die Einhaltung der Corona-Verordnung im Rahmen der Streife. Hinweise auf Straftaten und Ordnungswidrigkeiten durch die Bevölkerung werden überprüft. Dies umfasst auch Hinweise auf Verstöße gegen die Corona-Verordnung“. Mit Stand 11. Mai 2020 seien allein im Hohenlohekreis über 700 zusätzliche Stunden an Präsenzmaßnahmen durchgeführt und dabei 100 Verstöße gegen die Corona-Verordnung festgestellt worden.

„Kontrollen sind immer dynamisch.“

„Kontrollen sind immer dynamisch und der Verlauf hängt von vielen Faktoren ab“, schreibt der Polizeisprecher weiter. Deshalb sei ein Standardablauf schwer darzustellen. „Es kommt wirklich auf den Einzelfall an. Der Kollege schreibt dann gegebenenfalls eine Anzeige und schickt diese an die Bußgeldstelle.“ Über die Verhängung eines Bußgeldes und dessen Höhe entscheide dann die jeweils zuständige Bußgeldstelle – in diesem Fall das Landratsamt des Hohenlohekreises.

„Grundsätzlich widerspricht das Tragen eines Mundschutzes nicht der StVo.“

Mit der Corona-Verordnung vom 9. Mai dürfen nun auch wieder Personen aus zwei verschiedenen Haushalten gemeinsam im Auto unterwegs sein. Dabei empfiehlt die Landesregierung allen Insassen, eine Maske zu tragen, „da sie lange auf engen Raum zusammen sind und so ein besonderes Infektionsrisiko besteht“. Doch ist das überhaupt zulässig, schließlich muss der Fahrer identifizierbar sein, wenn der Wagen beispielsweise geblitzt wird. Dazu schreibt Yannick Zimmermann: „Grundsätzlich widerspricht  das Tragen eines Mundschutzes nicht der StVO“. Jedoch sei darauf hinzuweisen, „dass das Tragen von weiteren Accessoires, wie zum Beispiel einer Mütze oder einer Sonnenbrille in Kombination mit einem Mundschutz gegen die StVO verstoßen können“. Hier sei allerdings eine Einzelfallprüfung erforderlich.

Text: Sonja Bossert

 




Ohne Therapie wird Varya ihren 2. Geburtstag nicht mehr erleben

Varya ist ein kleines Mädchen, das in Russland lebt und an der genetisch bedingten Krankheit Spinale Muskelatrophie (SMA) Typ 1 leidet. Sie ist jetzt ein Jahr alt, wird ihren zweiten Geburtstag aber nicht erleben, sofern sie nicht noch das Medikament Zolgensma erhält. Eine einzelne Dosis davon könnte Varyas Leben retten, doch kostet es rund 2,2 Millionen US-Dollar und die Krankenkasse in Russland bezahlt das nicht. Varyas Eltern sind auf Spenden angewiesen. Danach könnte sich das Mädchen wieder bewegen und vielleicht sogar laufen lernen. 13 junge Mütter in Deutschland wollen die Familie unterstützen und sammeln unter https://www.gemeinsamfuervarya.de Spendengelder für die Kleine.

Rekordversuch am 14. Mai 2020

Um ihrer Initiative mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, wollen die Frauen am Donnerstag, den 14. Mai 2020, den Rekord „Am meisten gesammelte Spenden innerhalb von 24 Stunden“ für das russische Guinness-Buch aufstellen. Gezählt werden alle Spenden, die an diesem Tag in der Zeit von 0 bis 24 Uhr auf den Spendenkonten oder dem Moneypool der Deutschen Muskelstiftung mit dem Vermerk „Help for Varya Rostova“ eingehen. Zeitgleich läuft ein Spendenaufruf in Russland. „Alle Spenden an diesem Tag aus Deutschland werden von einem Notar beglaubigt und ins Russische Guinnessbuch der Rekord aufgenommen“, sagt Gschwätz-Mitarbeiterin Kristina Dorn, die die Initiative für Varya gestartet hat. „Das wäre das erste Mal, dass dieser Rekord in Russland von Deutschland aus aufgestellt werden könnte“, so die 35-Jährige weiter. Außerdem gebe es zwei Möglichkeiten bei der Eintragung. „Entweder es werden die Spender eingetragen oder die Deutsche Muskelstiftung, die Kinder aus aller Welt unterstützt“, erklärt sie. Beide Varianten gab es noch nicht.

13 Frauen wollen Berge versetzen

„Ich hatte mich zuvor bereits für zwei Kinder engagiert und wurde von den Eltern angeschrieben“, berichtet Kristina Dorn, wohnhaft in Niedernhall, von ihren Beweggründen. Zwei Monate lang schaute sich die zweifache Mutter die Aktivitäten der Familie im Internet an. Dann wurde sie aktiv, baute eine Facebook-Seite, eine Homepage und eine Instagram-Seite für Varya auf. Rasch kamen zwölf weitere Frauen hinzu, die ebenfalls die Familie unterstützen möchten. „Diese Kontakte entstanden übers Internet, wir kennen uns eigentlich nicht direkt“, sagt Kristina Dorn. Aber alle 13 „wollen gemeinsam Berge versetzen“. Gleichzeitig versucht ein Rechtsanwalt, der Initiative mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen und beispielsweise auf RTL eine Dokumentation zu platzieren.

Unterstützung von der Deutschen Muskelstiftung

Unterstützt wird der Spendenaufruf von der Deutschen Muskelstiftung. Die hat alle Unterlagen der Familie überprüft und die Richtigkeit der Angaben bestätigt. Die Stiftung nimmt die Spenden für Varya entgegen und stellt auch Spendenquittungen aus. Damit die Spende zu 100 Prozent Varya zugeordnet werden kann, sollte der Verwendungszweck „Help for Varya Rostova“ angegeben werden. Die Initiative ist auch auf Instagram unter https://www.instagram.com/gemeinsam_fuer_varya/ sowie auf Facebook unter https://www.facebook.com/helpVaryaSMATYPE1 aktiv. Die verschiedenen Spendenkonten für Varya sind auf https://taplink.cc/gemeinsam_fuer_varya gelistet.

Spendenkonten bleiben offen

Sollte mehr Geld eingehen, als für Varyas Behandlung nötig ist, kommt das anderen Kinder zugute, die an SMA erkrankt sind. Auch nach dem 14. Mai kann für Varya gespendet werden. „Die Spendenkonten bleiben offen“, sagt Kristina Dorn.

Text: Sonja Bossert

Ohne die Therapie wird Varya Rostova ihren zweiten Geburtstag nicht erleben. Foto: privat

 

 

 

 




Elternfrust im Hohenlohekreis

Viele Eltern von Kindern, die normalerweise mit Bussen des Nahverkehr Hohenlohe (NVH) zur Schule fahren würden, ärgern sich derzeit: Obwohl seit Dienstag, den 17. März 2020, kein regulärer Unterricht mehr stattfindet, wurden die Abopreise für die Monatstickets der Kinder weiterhin regulär abgebucht. Gleichzeitig empfahl der NVH, die Abos nicht zu kündigen. Das Verkehrsministerium Baden-Württemberg hatte eine Entschädigungsregelung angekündigt. Die Verhandlungen zwischen Land und den kommunalen Spitzenverbänden laufen aber seit April 2020. Wie der NVH auf seiner Homepage mitteilt, könne sich „die Entlastung gegebenenfalls bis Juni ziehen“. Die KidCard für Kinder bis einschließlich 14 Jahre kostet im Abo und für eine Tarifzone 43 Euro pro Monat. Das Sunshineticket gilt für das gesamte Netz und kostet 51,25 Euro monatlich.

„Bisher konnte noch keine Lösung gefunden werden“

Als Anfang Mai klar wurde, dass auch in diesem Monat für die meisten Kinder kein Unterricht stattfinden wird, wandte sich eine betroffene Mutter aus dem Hohenlohekreis bezüglich einer Rückerstattung der Fahrkartenkosten für April und Mai an den NVH. Die Antwort des Unternehmens vom Montag, den 04. Mai 2020, liegt GSCHWÄTZ vor. Sie besagt: „Für den Monat April 2020 kann nach heutigem Stand keine Erstattung oder Sonderreglung zugesagt werden. Es finden jedoch momentan Gespräche zwischen dem Land, den Landkreisen und Städten sowie den Verkehrsverbünden und Verkehrsunternehmen in Baden-Württemberg statt, um gegebenenfalls eine Ausgleichsregelung für die im April 2020 weitgehend nicht genutzten Schüler-Abos sicherzustellen. Für den NVH konnte bisher leider noch keine Lösung gefunden werden“. Sobald aber weitere Informationen dazu vorliegen, würden diese auf  der NVH-Homepage eingestellt. Dazu sollten sich die Eltern regelmäßig auf http://www.nvh.de informieren.

„Es ist uns nicht bekannt, bis wann mit einer Entscheidung zu rechnen ist.“

GSCHWÄTZ hakte daraufhin beim NVH nach. Birgit Kuttner, beim NVH zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, erklärte am Dienstag, den 05. Mai 2020, per E-Mail ebenfalls: „Leider gibt es hier noch keine Lösung. Es finden derzeit Absprachen zwischen dem Land Baden-Württemberg, den kommunalen Spitzenverbänden und den Verkehrsverbünden statt. Es ist uns nicht bekannt, bis wann mit einer Entscheidung zu rechnen ist“.

Rückgabe ungenutzter Tickets bis zum 15. des Vormonats

Laut NVH-Homepage können ungenutzte Monatsabschnitte bei den Schüler-Abos normalerweise bis zum 15. des Vormonats beim zuständigen ABO-Center abgegeben werden. Der Monat wird dann nicht berechnet. Dann muss aber auch – sofern vorhanden – die Bonuskarte abgegeben werden. Die Frist für die Rückgabe der Mai-Abschnitte hatte der NVH bis zum 23. April verlängert. Viele Eltern – so etwa im Landkreis Heilbronn – nutzten diese Möglichkeit, manche gaben dann auch gleich die restlichen Tickets für die Monate Juni und Juli ab, weil ja immer noch nicht klar ist, wann und in welchem Umfang der reguläre Schulbetrieb wieder startet. Gerade die älteren Schüler fahren dann häufig mit dem Fahrrad zur Schule.

Text: Sonja Bossert




„Uns war es wichtig, Sachen aus der Gegend zu haben“

„Darüber haben wir schon lange nachgedacht“, sagt Volker Bosch. Er steht in dem neuen Hofladen, den seine Familie seit dem 17. April 2020 in Laßbach betreibt. Der befindet sich direkt an der Ortsdurchgangsstraße. Ein schwarzes Schild am Straßenrand weist auf die Öffnungszeiten hin. Freitags von zehn bis 18 Uhr können die Kunden hier einkaufen.

„Das war ein ganz schönes Stück Arbeit“

Zuerst hätten Bekannte immer gesagt, das wäre doch eine tolle Idee. „Aber eigentlich geht das erst jetzt“, erzählt der 44-Jährige weiter. Schließlich haben er und seine Frau mit drei Söhnen im Alter von 13, zehn und sieben Jahren und einem landwirtschaftlichen Betrieb so schon alle Hände voll zu tun. Jetzt aber sei der Jüngste aus dem Gröbsten raus. „Also haben wir die alte Garage umgebaut“, berichtet Patricia Bosch, deren Eltern eine Getreidemühle betreiben. Gesagt, getan: Bis auf das Fachwerk wurde alles rausgerissen. „Die Bretter an der Decke haben wir durchnummeriert, abgebürstet und wieder eingesetzt – ein ganz schönes Stück Arbeit“, blickt Volker Bosch auf die zweijährige Umbauphase zurück. Alle einfache Arbeiten, die vor allem Zeit in Anspruch nehmen, wurden in Eigenleistung verrichtet. „Uns war wichtig, dass es nicht nur auf alt gemacht ist, sondern dass auch Altes erhalten bleibt“, sagt die frischgebackene Ladenbesitzerin.

„Blutwurst im Glas geht am besten“

Jetzt liegen große, beigefarbene Fliesen auf dem Boden. Die alten Balken und das Fachwerk wurden gereinigt und sind immer noch sichtbar. Sogar eine alte Türe wurde in mühseliger Handarbeit restauriert. An den Wänden stehen große Regale mit verschiedensten Mehlsorten, die Patricia Bosch aus der elterlichen Mühle bezieht. Daneben gibt es Nudeln vom Specht in Orendelsall, Secco mit und ohne Alkohol von Hans Jörg Wilhelm, Honig aus dem Jagsttal und Wein vom Weingut Karl Busch in Bretzfeld. In einem großen Küchenschrank findet man Whisky und Gin aus Schönenberg. Im Kühlschrank stehen Joghurt aus Marlach und sechs Sorten Wurst im Glas mit Fleisch von den eigenen Schweinen – die zudem noch ohne Glutamat auskommt. „Die Blutwurst läuft am besten“, sagt die 40-Jährige, die darüber selbst etwas verwundert ist.

„Das Unverpackte ist ein Experiment“

Die Bio-Eier beziehen sie aus Jungholzhausen. An einer Wand hängen große Behälter, aus denen sich die Kunden selbst Linsen aus Wachbach, Müsli oder auch Getreide abfüllen können. „Das Unverpackte ist ein Experiment“, sagt die 40-Jährige. „Verpackungen stehen ja momentan sehr in der Kritik.“ Das sei sehr interessant, denn am häufigsten habe sie bisher das Schokomüsli nachfüllen müssen.

Angebot saisonaler Ware

Im Frühsommer sollen neue Kartoffeln dazukommen, später dann eventuell Äpfel, Walnüsse oder Zwetschgen – „was es saisonal gerade so gibt“. Aber momentan bietet sie nichts Frisches wie Obst oder Gemüse an. Das Sortiment werde sich ändern, ist die Betreiberfamilie überzeugt. Schließlich stehe man noch ganz am Anfang und müsse erstmal ausprobieren, was von den Kunden angenommen werde. Was geht und wie es funktioniert. „Es wird auch immer wieder etwas hinzukommen“, sagt Patricia Bosch. So hat sie aus abgeschnittenen Zweigen von Rebstöcken Herzen für den Muttertag gebastelt und bietet sie zum Verkauf an.

„Erst jetzt haben wir gelernt, was es alles gibt“

Die Landwirte legen großen Wert auf Regionalität. „Die Ferkel beziehen wir aus Neuenstein und außerdem verfüttern wir Getreide ausschließlich aus eigemen Anbau“, sagt Volker Bosch. „Uns war wichtig, Sachen aus der Gegend zu haben“, ergänzt seine Frau. Sie wünscht sich, „dass die Leute wieder mehr Regionales schätzen würden“. Sie und ihre Familie hätten erst mit dem Laden gelernt, „was es hier alles gibt“. Patricia Bosch appelliert an die Leute: „Geht doch zum Bäcker und zum Metzger und kauft Brot und Wurst nicht nur beim Discounter“. Rückbesinnung sei wichtig, finden sie und ihr Mann.

Durchgangsverkehr als Kundenbringer

Jetzt am Anfang sei es noch schwierig einzuschätzen, wie der Laden angenommen werde. „Die Nachbarschaft kommt und viele schauen auch aus Neugier vorbei“, berichtet Patricia Bosch. Sie hätten aber in dem kleinen Ort einen „wahnsinnigen Durchgangsverkehr“ und davon möchte die Familie gerne profitieren.

Text: Sonja Bossert

 

 

Der Hofladen Kornblume bietet ein feines Sortiment an regionalen Produkten. Foto: GSCHWÄTZ

Freitags von zehn bis 18 Uhr finden die Kunden hier Honig aus dem Jagsttal oder Nudeln vom Specht. Foto: GSCHWÄTZ

Das unverpakcte Schokomüsli musste Patricia Bosch am häufigsten nachfüllen. Foto: GSCHWÄTZ

Patricia Bosch verkauft auch Selbsthergestelltes. Foto: GSCHWÄTZ




„Enormer Zulauf an Erstspendern“

„Es ist eine enorme Herausforderung“, sagt Ralf Debus, Leiter des Bereichs Spenderbindung und Spendergewinnung beim Deutschen Roten Kreuz (DRK). Er organisiert und plant die Blutspendetermine in Baden-Württemberg und steht wie viele andere auch vor einer völlig neuen Situation. „Uns sind alle Schul- und Firmentermine weggebrochen“, sagt er. So wie vorher hätten die Termine aufgrund der Hygiene- und Schutzverordnungen nicht mehr durchgeführt werden können. Alles sei wegen der veränderten Bedingungen auf den Prüfstand gekommen. So war etwa eine Frage, ob die üblichen Spendeorte wie beispielsweise Stadthallen unter den momentanen Voraussetzungen weiterhin zu nutzen sind. Einziger Pluspunkt: Weil die Kliniken aufgefordert waren, planbare Maßnahmen zurückzufahren, hätten sie auch weniger Blut gebraucht. Der Bedarf sei nach unten gegangen. Doch der steigt jetzt wieder und sei momentan bei 80 Prozent. „Wir rechnen damit, dass die Kliniken Ende Mai wieder 90 bis 100 Prozent des vorigen Bedarfs haben werden“, sagt der DRK-Mitarbeiter.

„Wir hatten einen enormen Zulauf an Erstspendern“

Über mangelndes Blut konnte sich der DRK zu Beginn der Krise nicht beklagen – im Gegenteil. „Wir hatten einen enormen Zulauf an Erstpendern“, sagt Debus. „Die meisten Menschen waren ja zuhause und hatten Zeit, endlich das zu tun, was sie schon lange vorhatten.“ Um weiterhin unter den veränderten Bedingungen Blutspende-Termine anbieten zu können, richtete das DRK Spendezentren ein – beispielsweise in Flein. Die waren jeweils eine Woche am jeweiligen Ort und wechselten dann. Schließlich wollte man alle Regionen in Baden-Württemberg abdecken. „Das machen wir noch bis Ende Mai und dann sehen wir weiter“, so Debus. Schließlich wolle das DRK zu den alten Spendeterminen zurück. Zunächst allerdings müsste geprüft werden, ob die alten Räumlichkeiten weiterhin nutzbar seien oder eventuell andere nötig sind. „Das ist eine große logistische Herausforderung für uns“, erläutert er.

„95 Prozent der Spender reservieren einen Termin“

Momentan werden die Termine nicht mehr weit im Voraus veröffentlicht. Erst wenn feststeht, dass der jeweilige Ort unter Hygiene- und Schutzbedingungen nutzbar ist, wird der Termin rund vier Wochen vorher bekanntgegeben. Damit zudem nicht zu viele Spender gleichzeitig kommen, müssen diese sich vorher auf der DRK-Homepage anmelden. „Wir haben festgestellt, dass 95 Prozent der Spender einen Termin reservieren“, sagt Debus. Die meisten würden sich freuen, denn jetzt sei der Spendetermin auch für sie besser planbar und sie müssten nicht mehr so lange warten. „Was vorher zwei bis drei Stunden gedauert hat, ist jetzt oft nach 45 Minuten erledigt“, erklärt der DRKler. Doch auch spontane Spender können weiterhin kommen, die müssen aber eventuell etwas warten. Für solche Fälle hätte das DRK aber Puffer eingebaut und letztendlich werde das vor Ort geklärt.

„Auch wir lernen aus dieser Pandemie“

Momentan müsse das DRK das Angebot wöchentlich mit den Kliniken absprechen und planen. „Normalerweise haben wir eine Vorlaufzeit von drei Monaten, zurzeit sind das zwei bis drei Wochen“, sagt Debus. Doch Blut sei nicht ewig haltbar – Thrombozyten-Konzentrate maximal vier Tage. Der DRK-Mann findet es unethisch, gespendetes Blut nicht zu verwenden und einfach zu entsorgen. Von den unnötigen Kosten ganz abgesehen. Das Unplanbare sei momentan die große Schwierigkeit und eine enorme Herausforderung. „Aber“, so der DRK-Mann weiter, „auch wir lernen aus dieser Pandemie“.

Termin in Krautheim

Der Blutspende-Termin im Eugen-Seitz-Bürgerhaus in Krautheim findet wie geplant am Montag, den 11. Mai 2020, von 14.30 bis 19.30 Uhr statt. Es wird kein Imbiss angeboten und es sollten keine Begleitpersonen oder Kinder mitbracht werden. Spendewillige, die in den vergangenen vier Wochen aus dem Ausland zurückgekehrt sind, müssen für vier Wochen nach Rückkehr von der Blutspende zurückgestellt werden. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Terminreservierung gibt es unter https://www.blutspende.de/blutspendetermine/termine/153160 .

Text: Sonja Bossert

 




Sindringen: Bunte Schlange windet sich durchs Kochertal – 97 Kocherkiesel

Durch die Gartenstraße in Sindringen schlängelt sich momentan ein ganz besonderes Tier: Eine Schlange aus bunt angemalten Steinen ziert den Gehweg vor Haus Nummer 13. Der Kopf ist rot und ähnelt einem Schlangenhaupt, den ganzen Gartenzaun entlang liegt ein Stein am anderen. Mittlerweile sind es 97 Kocherkiesel, alleine am Dienstag, den 28. April 2020, sind 35 Steine hinzugekommen. „Auf die Idee dazu hat uns mein Patenkind aus Villingen-Schwenningen gebracht“, sagt Initiatorin Gisela Hartmann. Die 57-jährige Landwirtin zeigte die Bilder Vanessa Buss. Die 18-jährige Brasilianerin lebt seit drei Monaten als Au-pair bei Familie Hartmann auf dem Teichhof und war sofort von der Idee begeistert. Gemeinsam mit den beiden Hartmann-Enkeln Richard und Amalia gestaltete sie an Ostern die ersten Steine und legte sie in der Gartenstraße ab. Seither ist die Schlange auf 62 Steine angewachsen.

Chinesisches Zeichen für Energie

Die Aktion ist für alle Kinder gedacht und auch Erwachsene dürfen mitmachen. „Ganze Familien beteiligen sich“, ist Gisela Hartmann begeistert. „Das sieht man an den Farben und wie die Steine angemalt sind.“ Häufiger würden sie und Vanessa vor der Schlange stehen und rätseln, wer wohl welchen Stein gebracht haben könnte. Auch sie selbst haben Steine bemalt. Die zweifache Oma hat das chinesische Schriftzeichen für Energie auf ihren Stein gemalt. „Ich habe das gegoogelt, weil ich nur ein Zeichen wollte“, erzählt sie. „Und bei Energie dachte ich, das ist momentan nicht wirklich schlecht.“ Vanessa Buss ließ sich auf ihrem Stein von der brasilianischen Künstlerin Tarcila do Amaral und deren Gemälde Abaporu inspirieren.

Wasserfeste Farbe verwenden

Leider ist von einigen der kleinen Kunstwerke die Farbe bereits wieder abgewischt. „Es ist ganz wichtig, wasserfeste Farbe zu verwenden“, erklärt die Landwirtin. Oder man müsse die Steine nach dem Bemalen lackieren. Dann hält die Farbe auch Wind und Wetter Stand. Die Rohlinge für die Schlange liegen daneben in einer Holzkiste. „Die Kiste war gut halbvoll, als wir sie hingestellt haben“, erklärt die Sindringerin. Sie haben die Flusskiesel zuvor gemeinsam mit den Enkeln am Kocher gesammelt. Potenzielle Künstler können sich an der Kiste bedienen, die Steine zuhause anmalen und die fertigen Objekte zur Schlange zurückbringen und einreihen.

Kunstobjekt im Kindergarten

Die beiden Hartmann-Enkel – drei und sechs Jahre alt – wollen sich regelmäßig vom Stand der Dinge überzeugen. Also parkt Vanessa Busse an der Steinschlange, wenn sie die beiden Kinder zur Notbetreuung bringt, und läuft von da aus zum Kindergarten. Wenn Corona irgendwann vorbei ist, können die Steine entweder von ihren Künstlern abgeholt werden oder sie finden eine neue Heimat im Kindergarten als kleines Kunst- und Dekoobjekt.

Hunderte bunt bemalte Steine

Die Steinschlange in Sindringen hat sogar noch Artgenossen: In Ernsbach windet sich eine am Radweg entlang Richtung Forchtenberg. Aus der anderen Richtung wächst ihr ein Gegenstück entgegen. In Berlichingen windet sich eine Steinschlange um die Kirche und auch in Pfedelbach lassen kleine und große Künstler ihrer Kreativität freien Lauf. Überall an prädestinierten Plätzen, an denen möglichst viele Menschen vorbeikommen und die kleinen Objekte sehen und bewundern können, entstehen solche Schlange. Hunderte von Steinen wurden seither bemalt und viele weitere sollen es noch werden.

Text: Sonja Bossert

Aus 97 Kocherkieseln besteht die Steinschlange in Sindringen mittlerweile. Foto: privat

Die Steinschlange in Sindringen ist innerhalb eines Tages um 35 Steine gewachsen. Foto: privat

Diese Schlange schlängelt sich durch die Sindringer Gartenstraße. Foto: GSCHWÄTZ

Damit fing alles an: Kopf der Steinschlange. Foto: GSCHWÄTZ

Das Schild am Gartenzaun ruft zum Mitmachen auf. Foto: GSCHWÄTZ

 

 

 

 




Niedernhallerin näht Masken aus bunten Stoffen

Rund 100 Mund-Nase-Masken hat Marina Reisacher bereits genäht – ausschließlich für den privaten Bereich, für Familie und Freunde. „Ich habe bereits vorher genäht und den Spaß daran möchte ich gene behalten“, sagt die Niedernhallerin, die ursprünglich aus Mainz stammt. Hauptberuflich ist sie in der Pflege auf Schloss Stetten tätig ist. Zuerst war da eine Physiotherapeutin, die sie fragte, ob sie nicht Masken nähen könne. Dann kam eine Freundin mit der gleichen Frage. „Das zog dann schnell Kreise“, blickt sie zurück.

Eine halbe Stunde für eine Maske

Immer, wenn ihre zweieinhalbjährigen Zwillinge schlafen, setzt sich die junge Mutter an ihre Nähmaschine und legt los. Rund eine halbe Stunde benötige sie für eine Maske. „Ich habe eine Schablone, damit geht das ganz schnell“, erklärt sie. Die bunten Stoffe bezieht sie über das Internet. „Die sind mittlerweile auch teurer geworden“, sagt sie. Rund zehn Euro pro Meter koste die Baumwolle zurzeit. Doch durch den leichten Baumwollstoff könne man besser atmen.

Nähmaschine gesucht

Zusätzlich zu ihren Masken kann man bei Marina Reisacher eine Art Bügel aus Kunststoff bekommen. „Den druckt ein Bekannter mit seinem 3D-Drucker“, erklärt sie. In dem Bügel können die Bänder Masken befestigt werden, der Bügel selbst liegt am Hinterkopf des Maskenträgers an. „Das ist vor allem für Menschen interessant, die die Bänder an den Ohren nicht leiden können“, erklärt die Hobby-Näherin.

Übers Wochenende hat Marina Reisacher 20 Masken angefertigt. Bei der vorletzten hat ihre Nähmaschine den Geist aufgegeben. Sie ist aber bereits auf der Suche nach einer Neuen.

Die Stadtverwaltung Niedernhall hat die Bürger im Zuge der Coronapandemie dazu aufgerufen, 4.000 Mundschutzmasken zu nähen. Rund 1.500 Masken sind so bislang bereits zusammengekommen.

Text: Sonja Bossert

Die Masken von Marina Reisacher sind aus bunten Baumwollstoffen. Foto: GSCHWÄTZ

Dieser Kunststoffbügel hält die Bänder der Maske von den Ohren ab. Foto: GSCHWÄTZ