1

„Überall waren die Chantré-Flaschen versteckt, in der Küche, in der Garage, in der Abstellkammer“

Am Freitag, den 10. Juli 2020, hat vor der 15. Großen Jugendkammer am Landgericht Heilbronn die Ex-Ehefrau eines 63-jährigen Mannes ausgesagt. Dieser wird beschuldigt, zwischen November 2008 und Dezember 2013 in seiner Wohnung in Dörzbach seine Enkelin mindestens 63 Mal schwer sexuell missbraucht zu haben (GSCHWÄTZ berichtete https://www.gschwaetz.de/2020/07/06/seitdem-spreche-ich-nichts-mehr-mit-ihr-63-jaehriger-soll-enkelin-in-mindestens-63-faellen-sexuell-missbraucht-haben/ ). Nach dem sie der Vorsitzende Richter Dr. Martin Liebisch auf ihr Zeugnisverweigerungsgericht hingewiesen hatte, wollte sie dennoch aussagen.

Sie würdigten sich keines Blickes

Das Ehepaar, das sich vor dem Heilbronner Landgericht keines Blickes würdigte, war seit 1978 verheiratet und hat zwei Kinder groß gezogen. Die Eheleute trennten sich 2018, seit 02. Juni 2020 sind sie geschieden. Der Grund für die Trennung: Streit, Sauferei des Mannes, Unzufriedenheit. Sie könne ihm nicht mehr vertrauen. Die Frau verneinte aber die Frage, ob er sie jemals betrogen habe. Im Laufe der Jahre sei ihr Sexualleben zwar unregelmäßiger geworden, aber er habe sie nie bedrängt.

Streit, Sauferei, Unzufriedenheit

Unter der Woche sei der Lkw-Fahrer ständig unterwegs gewesen. An den Wochenenden zuhause aber habe er schon früh am Morgen nach Alkohol gerochen. Sie wisse nicht, wie viel er getrunken hat, ist sich aber sicher, dass er jeden Tag zur Flasche griff. Bereits 2017 sei sie zeitweise aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen. „Er hat eine Therapie angefangen, Tabletten gegen den Alkohol bekommen und nichts mehr getrunken“, sagte die 59-Jährige. Deshalb sei sie zu ihm zurückgekehrt. Aber dann hätte er die Therapie abgebrochen und wieder angefangen zu trinken. „Überall waren die Chantré-Flaschen versteckt, in der Küche, in der Garage, in der Abstellkammer“, erinnert sie sich.

Unter Depressionen gelitten und oft heftig gezittert

Auch sonst sei das Verhältnis zu dem Mann, den sie bereits als 17-Jährige kennengelernt hatte, schwierig gewesen. „Er wollte immer Recht haben, sonst war er sauer“, sagt die Exfrau. „Man konnte nicht mit ihm reden.“ Am Anfang ihrer Beziehung hätten sie viel zusammen unternommen. Auch die beiden jüngeren Schwestern der Frau hätten sie oft mitgenommen. Als sie von Rumänien nach Deutschland gezogen seien, sei es zu Problemen gekommen. „Wir haben eine Wohnung gekauft, mussten sie aber nach fünf bis sechs Jahren wieder abgeben“, blickt die zweifache Mutter zurück. Damals hätte ihr Ex-Mann unter Depressionen gelitten und oft heftig gezittert. Er aber wollte nicht zum Arzt gehen und irgendwann sei es wieder besser geworden. Richtig glücklich sei sie nie mit ihm gewesen. „Wir waren nur am Wochenende zusammen, sonst war er als Lkw-Fahrer ständig unterwegs“, sagt sie. Sie hätten selten etwas gemeinsam unternommen. Für sie es nicht einfach gewesen, unter der Woche allein zu sein mit den beiden Kindern und gleichzeitiger Berufstätigkeit.

Oma bekam von dem Missbrauch laut eigenen Aussagen nichts mit

Die  Tochter ihres Sohnes, ihre Enkelin, sei aber immer gerne zu den Großeltern gekommen. Nur als ihre Eltern sich haben scheiden lassen – damals war sie etwa sechs Jahre alt – sei sie rund ein halbes Jahr nicht gekommen. Danach aber wieder regelmäßig. Von dem Missbrauch selbst will die Frau nichts mitbekommen haben. „Ich kann mich erinnern, dass sich die beiden nach dem Mittagessen immer hingelegt haben“, sagt die Oma. Das sei nichts Besonders gewesen. Als das Mädchen älter geworden sei, sei sie nicht mehr so oft gekommen, was sie wunderte. Erst im November 2019 hätte ihre ehemalige Schwiegertochter bei ihr angerufen und von den Vorwürfen des Mädchens erzählt. Als sie sich mit den beiden getroffen habe, hätte die Enkelin aber nicht viel gesagt. „Sie hat geweint und konnte nicht reden“, so die Oma. Aber sie hätte gesagt, wo es passiert sei.

Text: Sonja Bossert

 




„Ein Ort, der für das ganze Kochertal, sogar für Teile des Jagsttals, eine Bereicherung sein wird“

Das alte Gasthaus zur Linde in Niedernhall soll zu neuem Leben erweckt werden. Ende Dezember 2019 hat die Raiffeisenbank Hohenloher Land (Raiba) das gesamte Grundstück mit dem Wohn- und Gasthaus sowie der ehemaligen Kegelbahn vom Eigentümer erworben. Zum Kaufpreis gab Andreas Siebert, Vorstandsvorsitzender der Raiba, auf GSCHWÄTZ-Nachfrage keine Auskunft. Für die Sanierung und Renovierung wird die Bank weit über eine Million Euro investieren.

„Eine erste grobe Kostenermittlung des beauftragten Architekturbüros beläuft sich auf zirka 1,5 Millionen Euro“, so Siebert. „Derzeit werden jedoch die Anforderungen der Mietinteressenten noch überprüft und gegebenenfalls eingearbeitet.“

Gemeinsam mit der Stadtverwaltung Niedernhall hat die Raiba ein Konzept für die Sanierung des bekannten Wohn- und Gasthauses erstellt. Das Gebäude soll laut Bürgermeister Achim Beck umfassend saniert, um- und angebaut werden. Das neu gestaltete Objekt soll künftig „Haus an der Linde“ heißen, sagte Beck auf GSCHWÄTZ-Nachfrage.

Eröffnung im Herbst/Winter 2021 geplant

Losgehen soll es nach Auskunft des Bürgermeisters schon in Kürze. „Während die Eigentümer aus der Linde ausziehen, laufen im Hintergrund schon die Planungen für den Umbau und die Umnutzung“, so Beck weiter. Ursprünglich sah der Plan vor, dass das Objekt im Sommer beziehungsweise im Herbst 2021 eingeweiht und in Betrieb genommen werden kann. Diese Zielvorstellung hatte auch die Raiba, die plante, die Räumlichkeiten „bereits im zweiten Halbjahr 2021 ihrer neuen Verwendung zuführen zu können“. Durch Corona hat sich die Terminplanung leicht nach hinten verschoben. Bürgermeister Beck erklärte zum aktuellen Stand: „Das Ärztehaus steht kurz vor der Einreichung des Baugesuchs. Die Genehmigung ist nach aktuellem Stand für den Herbst 2020 geplant.“ Der Bauherr plane aber die Eröffnung nach wie vor im Jahr im Herbst/Winter 2021. Im Herbst/Winter soll es laut Bürgermeister Beck soweit sein.

„Ein Kinderarzt, eine neue Hebammenpraxis und eine Physiopraxis sollen hier einziehen“

In der heutigen Linde sollen drei unterschiedliche Praxisräume entstehen – laut Beck handelt es sich dabei um „einen Kinderarzt, der hier in Niedernhall eine Praxis einrichtet, sowie um eine neue Hebammenpraxis und eine Physiopraxis, die bereits hier vor Ort praktiziert, sich jedoch mittelfristig in den neuen Räumen sieht“. Auch Raiba-Vorstandsvorsitzender Siebert bestätigt, dass man mit „diesen Ärzten und Dienstleistern in einvernehmlichen Verhandlungen“ stehe. Konkrete Namen wollten jedoch weder er noch Achim Beck zu diesem Zeitpunkt nennen.

„Ein Ort, der für das ganze Kochertal, sogar für Teile des Jagsttals eine Bereicherung sein wird“

Die umgebauten Praxisräume und der Neubau sollen barrierefrei werden, das Gebäude Linde aber in der Ansicht und Kubatur erhalten bleiben. Bürgermeister Beck sieht das Projekt als „ein Ort, der der Gesundheitsversorgung dient, der übrigens für das ganze Kochertal, zudem sogar für Teile des Jagsttals eine Bereicherung sein wird, zumindest was die dann ansässige Kinderarztpraxis betrifft“. Und sofern „am Ende des Tages alles klappt und alle Nutzer an Bord bleiben können“.

Niedernhall steuert 160.000 Euro aus dem Stadtsäckel bei

Besonders freut Beck, dass zeitgleich die vorhandene Kegelbahn abgerissen wird. Dort soll ein Mehrfamilienwohnhaus entstehen – „auch wieder ein Beispiel für ein
innerörtliches Wohnprojekt“. Weil sich mit dem Projekt die Stadt Niedernhall um die Gesundheitsversorgung am Ort und darüber hinaus kümmere, hat der Gemeinderat in einer Sitzung im vergangenen Jahr entschieden, dieses Projekt mit 400.000 Euro aus Stadtsanierungsmitteln zu unterstützen. Davon werde die Stadt Niedernhall faktisch 40 Prozent – also 160.000 Euro – aus dem Stadtsäckel selbst bezahlen. Den Rest trägt das Land Baden-Württemberg. Diese Zahlen bestätigte auch Raiba-Vorstandsvorsitzender Andreas Siebert – „abhängig von den tatsächlichen Umbaukosten“. Überlegungen von Seiten der Stadtverwaltung Niedernhall, das Grundstück angesichts der hohen Bezuschussung aus Stuttgart mit 240.000 Euro selbst zu erwerben, gab es laut Auskunft von Bürgermeister Beck jedoch nicht.

Gasthaus war ursprünglich ein Arzthaus

Das Gasthaus Linde war ursprünglich im Jahr 1830 als Arzthaus errichtet worden, erst 1880 wurde es als Braugaststätte umgenutzt. „Mit dieser Planung führt man die Linde wieder der ursprünglichen Nutzung – also die Nutzung als Arztpraxis“, so Beck.

Text: Sonja Bossert

Achim Beck hat am 07. Dezember 2017 Klartext gesprochen

Bürgermeister Achim Beck. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Niedernhalls Bürgermeister Achim Beck sieht das Projekt als eine Bereicherung nicht nur für Niedernhall (Foto: GSCHWÄTZ), sondern für das ganze Kochertal.




„Der Tiroler See war nicht gesperrt“

Seit Anfang Juli darf in Seen in Baden-Württemberg wieder gebadet werden. In der gemeinsamen Verordnung des Kultus- und des Sozialministeriums https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/aktuelle-infos-zu-corona/coronavo-baeder-und-saunen/ heißt es: „Schwimm- und Hallenbäder sowie Thermal- und Spaßbäder, einschließlich Badeseen mit kontrolliertem Zugang, dürfen nach Maßgabe der Absätze 2 bis 6 betrieben werden. Der erlaubte Betrieb umfasst auch Nebenanlagen, die untergeordnet und für den Betrieb notwendig sind, insbesondere Sekretariat und Toiletten“. Die Betreiber müssen ein Hygienekonzept erarbeiten, das den zuständigen Behörden auf Verlangen vorzulegen ist. Die Badegäste müssen den Abstand von 1,50 Metern sowohl auf den Liegeflächen als auch im Wasser einhalten. Diese Verordnung gilt voraussichtlich bis 31. August 2020.

Baden am Breitenauer See – Das sind die Coronarageln

Seit Anfang April war ein Besuch am Breitenauer See in Obersulm nur eingeschränkt möglich. Das Seegelände durfte nur auf den Wegen und im Randbereich bis zur Absperrung betreten werden. Der Aufenthalt auf allen Liegewiesen jeglicher Art im Naherholungsgebiet war untersagt. Es galt ein Grill- und Badeverbot. Auch Wassersportaktivitäten waren untersagt. Diese Beschränkungen hob die Gemeinde Obersulm mit der „Allgemeinverfügung zur Aufhebung der Allgemeinverfügung Badegewässe in der Gemeinde Obersulm vom 08.05.2020“ wieder auf. Die Regelungen zum Infektionsschutz gelten aber weiterhin. Seit 15. Juni 2020 darf am Breitenauer See wieder gegrillt und im Wasser nach Herzenslust geplantscht werden. Das erfolgte aber auf eigene Gefahr, denn wie es auf der Homepage https://breitenauer-see.de/index.php?id=4 heißt, ist die DLRG erst seit 27. Juni wieder vor Ort.

Von Sandstrand bis Tretbootfahren

Der Breitenauer See ist knapp 40 Hektar groß mit einem rund 400 Meter langen Badestrand und einem Nichtschwimmerbereich. Behindertengerecht ausgestattete WC-Anlagen befinden sich im Bereich des Badestrandes, es gibt verschiedene Kioske und eine Seeterrasse. Platz zum Toben und Spielen bieten die Ballspielflächen, Tischtennis-Platten, Basketballkorb, Torwand, Beachvolleyballfelder, eine Boulebahn sowie einen großen Abenteuerspielplatz mit Bodentrampolin bieten ausreichend Platz zum Toben und Spielen. Man kann Tret- und Ruderboote mieten. Die Stand-up-Paddles können beim Bootsverleih nur noch mit einer vorherigen Online-Reservierung gemietet werden, die maximal drei Tage im Voraus möglich ist. Bei schlechtem Wetter sind keine Reservierungen möglich.

Wasserproben aus 13 Badeseen in Hohenlohe

Eine Vielzahl von Badeseen verteilt sich auch im Hohenlohekreis. Aus 13 davon entimmt das Gesundheitsamt laut Homepage des Landratsamtes Hohenlohekreis (https://www.hohenlohekreis.de/index.php?id=495?id=495?id=495?id=495?id=495?id=495?id=495?id=495?id=495?id=495?id=495?id=495?id=495?id=495?id=495?id=495?id=495?id=495?id=495?id=495?id=495?id=495?id=495?id=495?id=495?id=495&publish%5Bid%5D=174403&publish%5Bstart%5D=) in der Badesaison von Juni bis September alle zwei Wochen beziehungsweise einmal im Monat Proben, um eine gute Wasserqualität zu gewährleisten. Außerdem werde auf die nähere Umgebung der Badeseen sowie die dazugehörigen Einrichtungen geachtet. Die Badestellen an Kocher und Jagst werden nicht erprobt. Eine Liste der 13 Badeseen und Badeplätze findet sich auf der Homepage Touristikgemeinschaft Hohenlohe e.V. https://www.hohenlohe.de/Reiseland/Freizeitparadies/Badeseen-und-Badeplaetze.html.

Tiroler See in Forchtenberg

„Der Tiroler See war nicht gesperrt, hier konnte die ganze Zeit gebadet werden“, sagt Jessica Haag von der Stadtverwaltung Forchtenberg. Es wurden Schilder aufgestellt mit den gängigen Hygiene- und Abstandsregeln. „Die Leute halten sich dran“, ist die Erfahrung der Verwaltungsmitarbeiterin. Schließlich wolle niemand, dass der See gesperrt wird.  Der Tiroler See – oder auch Schleiferhofer See genannt – ist rund 5400 Quadratmeter groß. Auch hier gibt es ein Kiosk mit Terrasse, Kaltwasserduschen auf der Liegewiese, Toiletten und Umkleidekabinen. Rund zehn Minuten braucht man zu Fuß vom Ort an den See, allerdings stehen den Badegästen auch rund 150 kostenfreie Parkplätze im nahegelegenen Wald zur Verfügung. An den See dürfen aber keine Hunde mitgebracht werden. Ebenso verboten sind wildes Campen und Grillen. Organisierte Jugendgruppen dürfen aber nach vorheriger Anmeldung bei der Stadtverwaltung auf den Liegewiesen zelten, am Zeltplatz ist auch Grillen erlaubt, muss aber ebenfalls angemeldet werden. Zurzeit ist aufgrund der Corona-Pandemie das Zelten am See generell untersagt.

Notrufsäule statt DLRG-Wachdienst

Die DLRG ist am Tiroler See zurzeit nicht vor Ort. „Vermutlich kann die DLRG den Wachdienst aufgrund der Corona-Pandemie nicht durchführen“, sagt Jessica Haag. Allerdings gibt es jetzt am See eine Notfallsäule, an der per Knopfdruck ein GPS aktiviert wird. Dadurch werden die Einsatzkräfte alarmiert.

Kleine Badeseen wie der Garnberger See und der Diebacher See

Der rund 4000 Quadratmeter große Garnberger See bei Künzelsau ist ein ehemaliger Baggersee. Es gibt eine Liegewiese, weitere Einrichtungen sind nicht vorhanden. Geparkt wird auf einem Teil der Liegewiese. Ein kleiner Natursee ist der Hermuthäuser See mit rund 5000 Quadratmetern. Auch hier gibt es eine Liegewiese, einen Grillplatz sowie Parkplätze direkt am See. Ein kleiner Stausee ist der Diebacher See mit rund 540 Quadratmetern. Neben der Liegewiese gibt es einen Spielplatz. Die Parkplätze sind begrenzt.

Text: Sonja Bossert

 




„Der NVH steht im regelmäßigen Austausch mit den Schulträgern und Schulen bezüglich der benötigten Kapazitäten“

Am Montag, den 22. Juni 2020, kam es auf der Landesstraße zwischen Niedernhall und Weißbach zu einem Verkehrsunfall. Eine 28-jährige Frau war mit ihrem Mercedes frontal in einen entgegenkommenden Schulbus gefahren (GSCHWÄTZ berichtete unter https://www.gschwaetz.de/2020/06/22/die-schreie-der-kinder-werde-ich-nie-vergessen/). Rund 20 bis 25 Kinder und Erwachsene sollen sich in dem Bus befunden. Sieben der Kinder kamen laut Polizei leicht verletzt ins Krankenhaus. Man kann von Glücksagen, dass dieser Bus, der Schulkinder fuhr, nicht überfüllt war. Was wäre geschehen, wenn Kinder dabei gestanden hätten, weil der Bus überfüllt gewesen wäre?

Überfüllte Busse auch im Hohenlohekreis

Häufig stehen Schulkinder auch im Hohenlohekreis nach Unterrichtsende dicht an dicht in den Bussen. Es sei auch schon vorgekommen, so klagten Eltern auf der GSCHWÄTZ-Facebook-Seite (GSCHWÄTZ berichtete in der März-Ausgabe), dass ihre Kinder nach Schulschluss nicht in den Bus zusteigen konnten, weil der völlig überfüllt gewesen sei. So geschehen beispielsweise auf der Linie sieben, die von Künzelsau über Gaisbach und Kupferzell nach Waldenburg fährt. Nicht nur, dass diverse Busse auch im Hohenlohekreis bei einem normalen Schulregelbetrieb regelmäßig überfüllt sind. Doch wie verhält es sich mit einer Anschnall- und Sitzplatzpflicht in den Bussen? Dürfen Schulkinder in den Bussen so einfach stehend transportiert werden, mit der Gefahr, dass sie bei einem möglichen Unfall nicht gesichert sind?

GSCHWÄTZ hat daraufhin beim Nahverkehr Hohenlohekreis (NVH) gefragt, ob nach dem Unfall bei Niedernhall, über den über Baden-Württembergs Grenzen hinaus berichtet wurde, über eine Entlastung jener Schulbusse, die bekanntermaßen regelmäßig überlastet sind, durch den Einsatz von weiteren Bussen nachgedacht werde? Und ob der NVH plant, in seinen Bussen eine Sitz- und Anschnallpflicht einzuführen, falls es diese noch nicht geben sollte?

„Der NVH steht im regelmäßigen Austausch mit den Schulträgern und Schulen bezüglich der benötigten Kapazitäten“

Lukas Weber vom NVH antwortete darauf in einer Mail: „Grundsätzlich kann bei der Nutzung von Stehplätzen im Bus nicht von einer Überfüllung gesprochen werden; der NVH steht im regelmäßigen Austausch mit den Schulträgern und Schulen bezüglich der benötigten Kapazitäten. Hinsichtlich der von Ihnen angesprochenen Sitz- und Anschnallpflicht verweisen wir auf die gesetzlichen Regelungen des Bundes nach § 22 BOKraft und § 21a StVO“.

Die Verordnung über den Vertrieb von Kraftfahrunternehmen im Personenverkehr (BOKraft) besagt in §22 über Stehplätze: Diese „sind nur zulässig, wenn das Fahrzeug im Obusverkehr oder im Linienverkehr mit Kraftomnibussen eingesetzt wird“ sowie „Bei einem Linienverkehr mit Kraftomnibussen, der nicht Orts- oder Nachbarortslinienverkehr ist, kann die Genehmigungsbehörde die Zulässigkeit von Stehplätzen ganz oder teilweise ausschließen“. Das heißt, Fahrgäste müssen in Reisebussen einen Sitzplatz haben und dürfen während der Fahrt nicht stehen oder herumlaufen.

Laut § 21 StVO https://www.stvo.de/strassenverkehrsordnung/104-21-personenbefoerderung dürfen in Kraftfahrzeugen „nicht mehr Personen befördert werden, als mit Sicherheitsgurten ausgerüstete Sitzplätze vorhanden sind. Abweichend von Satz 1 dürfen in Kraftfahrzeugen, für die Sicherheitsgurte nicht für alle Sitzplätze vorgeschrieben sind, so viele Personen befördert werden, wie Sitzplätze vorhanden sind. Die Sätze 1 und 2 gelten nicht in Kraftomnibussen, bei denen die Beförderung stehender Fahrgäste zugelassen ist“. Also gibt es laut StVO in Schulbussen keine Sitz- oder Anschnallpflicht, denn hier ist es erlaubt, stehende Fahrgäste zu befördern.

Text: Sonja Bossert

 

 




„Security-Firma wurde eingesetzt, damit alle Quarantäneregeln eingehalten werden“

Der AfD-Landtagsabgeordnete Udo Stein (Wahlkreis Schwäbisch Hall) hatte laut einer Pressemitteilung gemeinsam mit seinem Hohenloher Fraktionskollegen Anton Baron im baden-württembergischen Landtag eine Kleine Anfrage zur Quarantäne der Schrozberger Asylunterkunft und die damit verhängten Maßnahmen eingebracht. Ihre Anfrage begründetete Baron in einer Pressemitteilung wie folgt: „Betroffene Bürger haben mich kontaktiert und auf offensichtliche Verstöße aufmerksam gemacht. Beispielsweise wurde beobachtet, wie Asylbewerber nach einem mutmaßlichen Ausbruch außerhalb der Unterkunft aufgegriffen und wieder dorthin in die Quarantäne zurückgeführt wurden. Ebenso wird von Partys mit Alkoholkonsum außerhalb der Unterkunft berichtet. Selbstverständlich wollten wir dem nachgehen“.

Beide Gebäude eingezäunt und überwacht

Aus der Antwort des baden-württembergischen Innenministeriums auf die Anfrage geht hervor, dass über eins der beiden Unterkunftsgebäude „am 25. April 2020 für 32 Personen eine Quarantäne bis zum 8. Mai 2020 verfügt“ worden war. Diese sei bis zum 11. Mai 2020 verlängert worden. Für das benachbarte zweite Unterkunftsgebäude „wurde am 28. April 2020 für 42 Personen eine Quarantäne bis zum 11. Mai 2020 verfügt“. Dazu wurden die beiden Gebäude mit einem Bauzaun umgeben. Im Zuge der Maßnahmen sei laut Innenministerium zusätzlich ein privater Sicherheitsdienst mit einer Personalstärke von zunächst zwei Personen beauftragt worden. Ab dem 28. April 2020 wurden vier Personen des Sicherheitsdienstes eingesetzt. Gleichzeitig führte das Polizeipräsidium Aalen „Überwachungsmaßnahmen an der Asylunterkunft in Schrozberg im Rahmen der Streifentätigkeit oder bei Einsätzen aus besonderem Anlass“ durch. Eine „durchgängige polizeiliche Überwachung der Einhaltung der durch das Landratsamt Schwäbisch Hall angeordneten Quarantäne“ fand allerdings nicht statt. Lediglich bei der Bekanntgabe der Quarantäne und der Einzäunung der Unterkunftsgebäude unterstützte das Polizeipräsidium Aalen laut Innenministerium temporär im Rahmen der Amtshilfe. „Hierfür wurden im Zeitraum vom 28. April 2020, 18 Uhr bis zum 29. April 2020, 06.30 Uhr insgesamt sechs Polizeibeamte für Präsenzmaßnahmen eingesetzt.“

Verstöße gegen Corona-Verordnung sind Ordnungswidrigkeiten

Für die Bewohner der Unterkunft gelten laut Innenministerium wie für die Gesamtbevölkerung in Baden-Württemberg auch „die Regelungen nach dem Infektionsschutzgesetz und der Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg“. Verstöße gegen die Bestimmungen der Corona-Verordnung stellten Ordnungswidrigkeiten dar, die mit einer Geldbuße nach dem Bußgeldkatalog zur Corona-Verordnung belegt sind. Wie aus der Antwort weiter hervorgeht, ist dem Innenministerium „kein Sachverhalt bekannt, in welchem Personen durch den beauftragten Sicherheitsdienst aufgegriffen wurden“ und in die Unterkunft zurückgebracht werden mussten. Auch lägen weder dem Landratsamt Schwäbisch Hall noch dem Polizeipräsidium Aalen Erkenntnisse darüber vor, dass während der Quarantäne größere Gruppen von Asylbewerbern außerhalb der Unterkunft in Schrozberg angetroffen worden seien, welche Alkohol konsumiert und Partys gefeiert hätten.

Laut Innenministerium befinden sich „mit Stand 04. Juni 2020 keine mit dem Coronavirus infizierten Personen in der Asylunterkunft in Schrozberg“.

Verleugnung selbst geschaffener Probleme?

Wie es in der AfD-Mitteilung weiter heißt, macht Baron darauf aufmerksam, wie sehr sich die Antworten der Landesregierung von den Beobachtungen der Bürger unterscheiden. „Die Landesregierung hat angeblich einmal mehr keine Erkenntnisse zu solchen Fragen. Die Bürger wissen jedoch selbst, was sie mit eigenen Augen gesehen haben. Die Verleugnung selbst geschaffener Probleme mit Asylunterkünften durch die Regierung muss ein Ende haben“, fordert der Abgeordnete Baron.

Doch ist es üblich, dass ein Gebäude unter Quarantänemaßnahmen eingezäunt und zusätzlich ein Sicherheitsdienst beauftragt wird? Ist das dann abhängig vom Verhalten der Bewohner oder vom jeweils zuständigen Landkreis? Die GSCHWÄTZ-Redaktion hakte bei den Landratsämtern Schwäbisch Hall und Hohenlohekreis nach.

„Die unter Quarantäne stehenden Personen hätten das Grundstück nicht verlassen und auch keinen Besuch von Dritten empfangen dürfen“

Gefragt nach den Gründen, eine Security-Firma in Schrozberg einzusetzen, äussert sich Eva Christina Scheiber von der Pressestelle des für die Asylbewerberunterkunft zuständigen Landratsamts Schwäbisch Hall wie folgt: „Die Security-Firma wurde beauftragt, weil in beiden Häusern die Bewohner unter Quarantäne standen“ und „damit alle Quarantäne-Regeln eingehalten werden“. Die unter Quarantäne stehenden Personen hätten das Grundstück nicht verlassen und auch keinen Besuch von Dritten empfangen dürfen. Insbesondere sollte die Security auch darauf achten, „dass Besucher am Zaun die Abstände- und Hygieneregeln einhalten“. Auftraggeber des Security-Dienstes war das Landratsamt Schwäbisch Hall. Der Dienst war nur für den Zeitraum der Quarantäne vor Ort. Auch der Bauzaun wurde mit dem Ende der Quarantäne wieder abgebaut.

„Isolierstation ist keine Einrichtung zur Freiheitsentziehung“

Nachgefragt beim Landratsamt Hohenlohekreis zur Situation der Corona-Isolierstation im ehemaligen Künzelsauer Krankenhaus und ob hier auch Sicherheitsdienste eingesetzt wurden, sagt Pressesprecher Sascha Sprenger: „In der Isolierstation gab es keinen Sicherheitsdienst. Bei der Isolierstation handelt es sich um ein Angebot an die Bevölkerung, nicht um eine Einrichtung zur Freiheitsentziehung. Die Personen befanden sich freiwillig in der Isolierstation, da ihnen beispielsweise eine häusliche Absonderung daheim nicht möglich war. Es gibt keine Rechtsgrundlage, die Personen am Verlassen der Isolierstation zu hindern“.

Text: Sonja Bossert

 




Stadt Künzelsau möchte eventuell Krankenhausgebäude kaufen

Die Stadtverwaltung Künzelsau hat am 06. Mai 2020 ein Schreiben an hiesige Ärzte verschickt. In dem Schreiben, das der GSCHWÄTZ-Redaktion vorliegt, schreibt die Stadtverwaltung, dass sie sich derzeit „intensiv mit der zukünftigen gesundheitlichen Versorgung sowie einer möglichen Folgenutzung für das ehemalige Krankenhaus in Künzelsau“ beschäftige. Sie sei in Gesprächen zum Erwerb des Hauses. Um diese „ganzheitlich positiv beeinflussen zu können“, wird die Mithilfe der angeschriebenen Ärzte erbeten.

Um die Planungen weiterführen zu können, möchte die Stadtverwaltung von den angeschriebenen Ärzten unter anderem wissen, ob diese zufrieden mit dem derzeitigen Praxisstandort sind und ob es Pläne für eine Praxiserweiterung oder Nachfolgeregungen für die Praxis gibt, falls der jeweilige Arzt plant, seine Tätigkeit in der Praxis niederzulegen oder in naher Zukunft in Ruhestand zu gehen. Auch für den Flächenbedarf bei einer möglichen Erweiterung interessiert sich die Stadtverwaltung und dafür, „welcher medizinische Bereich aus Sicht des Arztes wichtig für Künzelsau ist“.

Laut dem Schreiben bittet die Stadtverwaltung um eine Antwort der Ärzte bis spätestens 21. Mai 2020. Danach werden laut der Stadtverwaltung die gesammelten Informationen zusammengetragen und mit der Feinplanung begonnen.

Text: Sonja Bossert




„Weniger Gelegenheit, sich Hilfe zu holen“

Nicht raus können, niemanden treffen dürfen außerhalb der eigenen Familie und immer nur in den eigenen vier Wänden sein – was für viele eine Zumutung und Einschränkung ihres Alltags ist, kann für manche Frauen zur lebensbedrohlichen Situation werden. Nämlich dann, wenn der Partner zur Gewalttätigkeit neigt und die Frau ihm nicht ausweichen kann. Andrea Bühler vom Frauen- und Schutzhaus im Hohenlohekreis konnte bisher seit den Coronabeschränkungen noch keine „gravierenden Veränderungen“ hinsichtlich Anfragen von Frauen beim Frauenhaus feststellen. „Momentan gibt es etwas häufigere Anfragen, aber ob das ein Trend ist, weiß ich noch nicht“, sagt sie. Aber sie hält den Gedanken durchaus für realistisch.

„Häusliche Gewalt ist oft mit starker Kontrolle verbunden.“

Allerdings: Das heißt nicht unbedingt, dass es weniger Gewalt geben würde. „Häusliche Gewalt ist oft mit starker Kontrolle verbunden“, berichtet Andrea Bühler aus ihren Erfahrungen. In Zeiten von Corona seien schließlich auch Männer und Kinder zuhause, die Frauen seltener allein. So hätten sie auch weniger Gelegenheit, sich Hilfe zu holen. Deshalb rechnet die Frauenhaus-Leiterin auch damit, dass die Anfragen nach der Corona-Krise ansteigen werden.

Notfallnummer

Sind Sie Opfer von häuslicher Gewalt? Das Frauenhaus des Hohenlohekreises erreichen Sie unter Telefon 07940/58 95 4. Wenn Sie sich in einer akuten Notlage befinden, rufen Sie die Polizei unter Telefon 110. Seit 2002 gibt es das „Gewaltschutzgesetz“, danach kann dem Täter ein so genannter „Platzverweis“ erteilt werden. Der Täter darf unter anderem die Wohnung des Opfers nicht mehr betreten – auch wenn ein gemeinsamer Haushalt vorliegt. Weitere Informationen zum Gewaltschutzgesetz lesen Sie auf der Seite des Bundesjustizministeriums: https://www.gesetze-im-internet.de/gewschg/BJNR351310001.html

Kontakt: Frauen- und Kinderschutzhaus im Hohenlohekreis in Trägerschaft des Albert-Schweitzer-Kinderdorf e.V., Postfach 1157, 74641 Künzelsau, Telefon: 0 79 40 / 58 95 4, Telefax: 0 79 40 / 54 68 90
E-Mail: frauenhaus@albert-schweitzer-kinderdorf.de

http://www.frauenhaus-hohenlohe.de/

Text: Sonja Bossert

 




Keine Notbetreuung für Kind von schwer kranker Mama?

Monatelanges homeschooling und oft noch das zusätzliche Jonglieren mit home office oder einer beruflichen Tätigkeit, die nicht mit home office in Einklang gebracht werden kann – das zehrt an vielen Familien dieser Tage.

Es rumort hinter den Kulissen gewaltig

In Weißbach rumort es derzeit hinter den Kulissen ganz gewaltig, weil wohl ein Drittklässler bereits gemeinsam mit Viertklässlern beschult worden ist, obwohl er eigentlich erst nach den Pfingstferien dran gewesen wäre – wie seine Klassenkameraden auch.

Während seine Klassenkameraden sich noch im homeschooling befanden, saß dieser Schüler also bereits vorzeitig wieder im Klassenzimmer mit Viertklässlern und wurde unterrichtet.

Das berichten Eltern, die ebenfalls ihre Kinde an der Grundschule Weißbach haben, gegenüber GSCHWÄTZ. Warum und wieso das so ist? Das wollten wir von der Schulleiterin Friedegund Stiefel wissen und haben nachgefragt. 

„Das stimmt nicht“

Diese erklärt zunächst: „Das stimmt nicht. Es sind nur Viertklässler an der Schule. Es gab jahrgangsübergreifende Angebote schon vor Corona. Das findet im Moment aber  nicht statt. Erst nach den Pfingstferien kommen die Drittklässler.“

Also alles nur ein Missverständnis? Haben die Eltern da etwas falsch verstanden? Gab es vielleicht einen etwas unglücklichen Flurfunk?

Beim Staatlichen Schulamt in Künzelsau ist der Fall bekannt, da sich Eltern dort beschwert hatten. Auch bei der Schule gingen wohl Beschwerden ein.
Daraufhin sei es für den Schüler laut Aussagen von Eltern kurz vor den Pfingstferien wieder zurück zum homeschooling gegangen. Daraufhin haken wir bei Schulleiteiterin Stiefel noch einmal nach und fragen, ob sie sich sicher ist mit ihrer zunächst getätigten Aussage, dass kein Drittklässler bereits früher beschult wurde als der Rest seiner Klasse.

Schulleiterin Stiefel reagiert nun, anders als beim ersten Mal, etwas ungehalten und betont: „Stand jetzt sind nur Viertklässler im Unterricht, aber keine Drittklässler.“ Und wie sah das noch vor einer Woche aus?, fragen wir. Darauf wiegelt Stiefel ab und verweist auf den Datenschutz.

„Aus Datenschutzgründen darf ich nicht mit Ihnen über einzelne Schüler sprechen“

Schulaufsichtsbeamtin Kerstin Köber vom Schulamt betont ebenfalls, dass „Stand heute (28. Mai 2020) kein Drittklässler in Weißbach mit den Viertklässlern zur Schule geht. Kein Drittklässler darf momentan zur Schule gehen, erst nach den Ferien.“ Und wie sah es noch Anfang der Woche oder vergangene Woche aus?“, haken wir nach. Auch hier bleibt eine konkrete Antwort aus. Köber verweist nun ebenfalls auf den Datenschutz: „Ansonsten darf ich aus Datenschutzgründen nicht mit Ihnen über einzelne Schüler sprechen.“ Ein klares Nein sieht anders aus.

„Es hat auch etwas damit zu tun, dass man alle Schüler gleich behandeln und nicht manche bevorzugen sollte.“

An sich geht es vermutlich „lediglich“ um ein bis zwei Wochen, die ein Drittklässler gemeinsam mit Viertklässlern im Klassenzimmer saß und beschult wurde, während seine Klassenkameraden noch zu Hause homeschooling betrieben. Doch die Elten, die sich beschwert haben, erklären gegenüber GSCHWÄTZ: „Es hat auch etwas damit zu tun, dass man – gerade in der jetzigen Zeit – alle Schüler gleich behandeln und nicht manche bevorzugen sollte.“

Denn: Einer anderen Familie sei sogar eine Notbetreuung abgelehnt worden. Das berichten ebenfalls Eltern der Weißbacher Schule. Die Elternbeirätin der dritten Klasse, bestätigt dies auf GSCHWÄTZ-Nachfrage: „Ich habe auch von der Familie mit der kranken Mutter gehört. Die Frau hat [xxx]*. Das ist noch keine vier Wochen her, dass die Schulleitung die Notbetreuung für das Kind abgelehnt hat.“

Schulleiterin ist der Fall mit der schwer kranken Mutter nicht bekannt

Spricht man Schulleiterin Stiefel auf diesen Fall an, ist er ihr laut eigenen Aussagen gänzlich unbekannt: „Von der Familie mit der kranken Mutter weiß ich nichts.“ Stiefel verweist auf Formulare und Anträge, die Eltern und die Arbeitgeber der Eltern zunächst ausfüllen müssten, bevor eine Notbetreuung zustande kommt: „Alle Eltern müssen Anträge stellen und Arbeitgeberbescheinigungen vorlegen. Wenn die Mutter krank ist, müsste der Vater eine solche Bescheinigung vorlegen. Sollte er das nicht können, müsste eine Ausnahme mit dem Schulamt abgeklärt werden.“
Sie fährt fort: „Alle Eltern, die die Notbetreuung beantragt haben und eine solche Bescheinigung vorgelegt haben, haben auch einen Betreuungsplatz bekommen. Die Familie kann sich auch an die örtliche Jugendhilfe/ Jugendamt wenden. Wenn das bestätigt, dass die Familie den Platz braucht, kann das Kind zur Notbetreuung.“

„Das wäre belastend für Kinder und Lehrer“

Weißbach ist eine kleine Schule, laut der Aussage von Schulleiterin Stiefel gibt es aktuell rund 60 Kinder dort.

Momentan sind in Weißbach vier Kinder in der Notbetreuung. Es hätte also noch Platz in der Notbetreuung gegeben. „Acht bis zehn Kinder können aufgenommen werden. Allerdings wären das dann relativ viele, weil es für die kleineren Kinder schwer ist, so lange sitzen zu bleiben. Das wäre belastend für Kinder und Lehrer“, so die Schulleiterin.

„Die Notbetreuung soll entsprechend der normalen Schulzeit gehen, also in Weißbach von 7.30 bis 13 Uhr. Allerdings wurde das etwas verschoben auf Wunsch der Eltern, das heißt, wir fangen später an und hören auch später auf. Nach den Ferien wird sich das wieder ändern, weil ja dann weitere Kinder in die Schule kommen.“

Text: Sonja Bossert

* [xxx] Aus Persönlichkeitsschutzgründen haben wir die Krankheit, um die es sich hier handelt, nicht veröffentlicht.




„Wesentlich weniger Kunden als vorher“

Es ist wolkig und windig an diesem Donnerstagmorgen, den 21. Mai 2020, in Künzelsau. Dennoch sind einige Menschen in den Gassen und auf der Hauptstraße von Künzelsau unterwegs. Im Außenbereich der Cafès sitzen Kunden, Kinder spielen und auf den Bänken genießen andere die spärlichen Sonnenstrahlen. An den Eingangstüren der Geschäfte weisen Plakate auf die Abstandsregeln und Maskenpflicht hin. Die Kunden, die in die Läden gehen, ziehen wie vorgeschrieben Nase-Mund-Bedeckungen auf. Doch sobald sie rauskommen, nehmen sie diese wieder ab. Nur ganz wenige Menschen bedecken auch auf den Straßen Mund und Nase. Wie ist die momentane Situation für die Künzelsauer Einzelhändler und ihre Kunden zwischen Abstandhalten und Maskentragen? GSCHWÄTZ hat sich umgehört, jedoch wollten nicht alle der Angesprochenen Auskunft geben.

„Es kommt kein Einkaufsfeeling auf“ 

Ingrid Bauer von der Landmetzgerei Bauer bedauert, dass „wesentlich weniger Kunden als vor der Corona-Krise“ in den Laden kommen. Maximal vier Personen dürften sich dort gleichzeitig aufhalten. Lediglich der Mittagstisch laufe gut, allerdings gibt es die Gerichte nur zum Mitnehmen. Insgesamt 33 Mitarbeiter hat die Landmetzgerei Bauer. Zwei der sechs Mitarbeiter in Künzelsau sind zurzeit in Kurzarbeit, in den beiden anderen Geschäftsstellen in Pfedelbach und Neuenstein wird dagegen ganz normal weitergearbeitet. „Obwohl Pfedelbach ein Hotspot war, war unser Laden dort immer gut besucht“, erzählt sie. In Künzelsau hätten sie es dagegen schon bemerkt, als die umliegenden Geschäfte noch geschlossen hatten. Die Leute würden eher in einen Laden gehen, in dem sie alles bekommen könnten, und dann schnell wieder heimgehen, so ihre Einschätzung. „Es zieht jetzt wieder an, allerdings schleppend“, so Ingrid Bauer weiter. Gefragt nach der Gesichtsmaske sagt sie: „Es muss halt sein, aber ein ganzer Tag ist schwierig“. Die Mund-Nase-Bedeckung erschwere das Sprechen und Verstehen. Dennoch hätten sie schon vor der Maskenpflicht im Laden Mund und Nase bedeckt, um sich selbst als auch die Kunden zu schützen.

„Die Leute sind entspannter und ruhiger“

Renate aus Ingelfingen – ihren vollen Namen möchte sie nicht nennen – wartet vor dem Friseurshop Ralf Poslovski. Sie hat einen Termin, auf den sie ganz schön lange warten musste – nämlich vier Wochen. Vorher sei nichts frei gewesen. Jetzt muss sie in dem Laden ihre Haare waschen lassen, das habe sie vor Corona immer zuhause erledigt. Die Kundin rechnet mit einer Preissteigerung, was sie stört. „Man hatte acht Wochen zu und jetzt sollte man eben acht Wochen von Montag bis Samstag durcharbeiten, um das Verlorene wieder aufzuholen“, meint sie. „Ich habe schließlich auch nicht mehr im Geldbeutel.“ Doch kann sie in der Corona-Krise auch etwas Positives sehen: „Ich beobachte, dass die Leute Abstand halten, insgesamt entspannter und ruhiger sind und bedachter miteinander umgehen“. So mancher lasse auch mal anderen den Vortritt. Sie hofft, das sich die Menschen in Zukunft eher darüber Gedanken machen, was nötig sei und auf was man verzichten könne.

„Die Einbußen merkt man natürlich“

Bei Blumen-Laichinger ist es noch eher ruhig. „Es kommen schon Leute“, sagt Birgit Laichinger. „Allerdings nicht mehr so viele wie vorher.“ Weil nicht klar war, ob Gärtnereien und Blumenhandlungen öffnen dürfen, hätten auch sie den Laden einige Zeit geschlossen. Die Gärtnerei in Mäusdorf hat schon früher öffnen dürfen, der Laden in Künzelsau erst etwas später. Der Start verlief stockend. „Die Einbußen merkt man natürlich“, bedauert sie. Was sie außerdem aufrege: BAGeno, Baumärkte und Discounter wie Lidl hätten weiterhin Gärtnerisches verkauft. Manche ihrer Kunden würden vergessen, Masken aufzusetzen. Andere seien ganz erstaunt, dass man auch bei ihr Mund und Nase bedecken müsse. In einem Einzelfall hatte der Kunde sogar Probleme mit dem Abstand halten. Ihn habe sie deutlich auf die Abstandsregeln hingewiesen. „Natürlich nehme auch ich die Maske mal ab, wenn sonst niemand im Laden ist“, sagt sie. Sie findet aber, „dass es Schlimmeres gibt“.

„Es läuft gut hier“

Im Erdbeerstand vom Obst- und Gemüsehof Heinrich wartet Marina Maier aus Künzelsau hinter einer Plexiglasscheibe auf Kundschaft. Sie muss keine Maske tragen, „solange die Trennung da hängt“, sagt sie. Auch die Kunden müssten an dem Stand Mund und Nase nicht bedecken, aber die Abstände einhalten. „Es läuft gut hier, eigentlich wie vorher auch“, erzählt sie weiter. Die Meinungen der Erdbeerkäufer zur Maskenpflicht sei „mal so, mal so“.

„Der Nachschub ist gerettet.“

Bei der Drogerie Müller geht es an diesem Morgen ruhig zu. „Wir hatten durchgehend offen“, erzählt eine der Verkäuferinnen. „Aber auch wir haben weniger Kunden, es geht ruhiger zu.“ Viele Leute kommen wegen Masken, Desinfektionsmittel und sonstiger Hygieneartikeln. „Da ist der Nachschub gerettet“, bemerkt sie lächelnd. Der Run aufs Toilettenpapier sei aber vorbei. Wie in jedem anderen Geschäft auch sind für jede anwesende Person zehn Quadratmeter nötig – das schließt auch das Vekaufspersonal ein. „Den Abstand können wir locker halten“, sagt die Müller-Mitarbeiterin. Lange Schlange im oder vor dem Laden häten sich noch nicht gebildet.

„Wir freuen uns über den Zulauf.“

„Am Anfang der Eröffnung war natürlich noch Alles ein bisschen seltsam, erst die Abstandsregeln und dann noch die Maskenpflicht“, so Babette Bauer vom lindele. „Aber ich muss sagen, die Kunden und auch wir haben uns schnell daran gewöhnt“. Schließlich seien es Regeln zu aller Sicherheit und die Kunden würden sich daranhalten. Mitten in dem Laden werden Masken genäht und auch verkauft, was zusätzlich viel neue Kunden gebracht habe. Doch auch sonst kämen viele Kunden – „und wir freuen uns über den Zulauf“.

„Die Maske muss man annehmen“

Im Sportivo dürfen sich wegen der Personenbegrenzung vier Personen gleichzeitig aufhalten – also zwei Kunden und zwei Verkäufer. „Manchmal stehen die Kunden außen Schlange“, sagt Mitarbeiterin Thea, die dankbar ist, dass die Kunden kommen. „Wir haben aber auch schon beobachtet, dass so mancher wieder geht, wenn es ihm zu lange dauert, und am nächsten Tag wiederkommt oder in einen unserer anderen Läden geht.“ Die meisten Kunden des Ladens sind Stammkunden, „die uns gerne unterstützen möchten“. Bereits bei der Neueröffnung seien viele da gewesen, „glücklich und geduldig“. Zwar sei es schwierig mit der Maske, ein Shopping-Gefühl zu bekommen, aber „man müsse sie annehmen“. Die Kunden würden auch nicht bummeln, sondern ganz gezielt einkaufen und den Laden schnell wieder verlassen, vor allem wenn noch andere Leute draußen warten. „Das ist aber auch vom Wetter abhängig“, sagt Thea, die momentan wie die anderen Sportivo-Mitarbeiter halbtags und in Schichten arbeitet. „Sobald die Sonne scheint, will jeder ein Sommerteilchen.“

Lindele verkauft selbst genähte Masken

Dem Lindele gehe es ganz gut in der Coronazeit, sagt Babette Bauer. „Am Anfang der Eröffnung war natürlich noch alles ein bisschen seltsam , erst die  Abstandsregeln und dann noch die Maskenpflicht, aber ich muss sagen, die Kunden und auch wir haben uns schnell  daran gewöhnt. Es sind Regeln zur aller Sicherheit und die Kunden halten sich daran. Da wir im lindele auch selbst Masken nähen und verkaufen , haben wir viel neue Kunden dazugewonnen. Und auch sonst kommen zu uns viele Kunden und wir freuen uns über den Zulauf.“

„Wir wollen es so hinkriegen, dass es für alle gut ist.“

„Die Situation ist für alle schwierig“, findet Reintraut Lindenmaier von der Buchhandlung R. Lindenmaier u. A. Harsch. Es sei anstrengend mit Maske für die Verkäufer als auch die Kundschaft. Zurzeit würden alle Mitarbeiter eine Stunde Mittagspause „zum Durchatmen“ machen. „Abends sind wir platt“, sagt die Buchhändlerin. „Manche Kunden bestellen und kommen nur schnell zum Abholen“, erzählt sie. Es komme kein Einkaufsfeeling auf. „Es hat sich viel verändert“, findet sie. Während der Schließzeit hätten sie in der Buchhandlung ganz normal weitergearbeitet. „Online ging ganz gut und telefonisch wurde auch viel bestellt“, erzählt die Buchhändlerin. Innerhalb von Künzelsau hätten sie die bestellte Ware ausgefahren. Auch jetzt noch würden sie Bestellungen von Personen, die nicht in die Buchhandlung kommen können oder wollen, per Post und mit Rechnung verschicken. Kunden ohne Mund-Nase-Bedeckung schickt Reintraut Lindenmaier wieder raus. „Manche bleiben auch draußen stehen und wir bedienen sie durch die hintere Tür“, sagt sie weiter. „Wir versuchen, es so hinzukriegen, dass es für alle gut ist.“ Doch Reintraut Lindenmaier sieht auch etwas Positives: „Vielen gehen jetzt öfter in die Natur raus“. Die Menschen würden sich ihrer Umwelt wieder bewusster werden. Dennoch fürchtet sie eine zweite Corona-Welle im Herbst, „denn im Cafè verliert man den Gedanken an Abstand und dann wird es schwierig“.

 

Text: Sonja Bossert

Solche Plakate hängen – wie hier bei Blumen-Laichinger – an allen Künzelsauer Läden und weisen auf die neuen Regeln hin. Foto: GSCHWÄTZ

 

 

Am Stand von Erdbeer-Verkäuferin Marina Maier läuft es gut. Foto: GSCHWÄTZ

 

In der Buchhandlung R. Lindenmaier u. A. Harsch müssen Kunden verschiedene Ein- und Ausgänge benutzen: Foto: GSCHWÄTZ

 

 

 

 

 




Überraschende Corona-Wende: „Kinder sind wohl seltener infiziert als Erwachsene“

Im Rahmen einer Studie, die die Landesregierung von Baden-Württemberg im April 2020 in Auftrag gegeben hat und an der sich die Unikliniken Heidelberg, Freiburg, Tübingen und Ulm beteiligten, wurden rund 5.000 Menschen ohne Symptome für Covid-19 getestet – 2.500 Kinder im Alter von eins bis zehn Jahren und jeweils ein Elternteil. Laut der Homepage der Landesregierung unter https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/alle-meldungen/meldung/pid/mehr-bereiche-profitieren-von-lockerungen/ wurden dabei einerseits auf Covid-19 direkt getestet, aber auch nach Antikörpern gesucht. Mit der Studie erhoffe man sich Erkenntnisse darüber, „welche Rolle Kinder unter zehn Jahren bei der Verbreitung des Coronavirus spielen und ob es womöglich eine andere Ausgangslage gibt als bei Erwachsenen“.

„Bei Kindern fast keine unerkannten Infektionen“

Zurzeit wird die Studie noch ausgewertet, die Studienleiter haben Ministerpräsident Winfried Kretschmann jedoch schon vorab über ein paar vorläufige Erkenntnisse informiert. So hätte sich laut der Homepage gezeigt, „dass bei den Eltern und Kindern fast keine unerkannten aktuellen Infektionen mit dem Virus gefunden wurden“. Außerdem: „Die Zahl von Personen, die nach durchgemachter Infektion Antikörper gebildet haben, ist ebenfalls gering und liegt im Bereich zwischen ein und zwei Prozent“.

„Ausbreitungsrisiko bei Kindern in Notbetreuung nicht höher“

Wie die Landesregierung weiter schreibt, hätten Kindern im Vorschul- und Grundschulalter im Verlauf der Epidemie seltener als Erwachsene die Infektion durchgemacht. „Kinder werden also anscheinend nicht nur seltener krank, sondern sie sind wohl auch seltener infiziert als Erwachsene“, heißt es. Erste Ergebnisse hätten zudem gezeigt, dass das Ausbreitungsrisiko bei Kindern in Notbetreuung nicht höher sei, als bei denen die zu Hause betreut wurden. Insgesamt lasse sich daher ausschließen, dass Kinder anders als bei anderen Infektionskrankheiten besondere Treiber des aktuellen Infektionsgeschehens seien, so das Fazit der Landesregierung.

Regelmäßige Tests für Personal von Kitas und Grundschulen

Aufgrund der vorläufigen Studien-Ergebnisse wollen Ministerpräsident Kretschmann und Kultusministerin Sabine Eisenmann Kitas und Grundschulen weiter öffnen. Das Kultusministerium solle nun umgehend Konzepte für weitere Öffnungsschritte entwickeln – in enger Abstimmung mit den Trägern und den anderen Partnern. Damit einher gehe eine angepasste Teststrategie. So solle nun auch das Personal von Kitas und Grundschulen regelmäßig getestet werden, um mögliche Infektionsherde schnell zu erkennen. 

Bis zur vollständigen Vorstellung der Studie werde noch etwas Zeit vergehen – schließlich solle sie laut Ministerpräsident Kretschmann den „höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen“ genügen.

Doch keine Virenschleudern? Foto: Kinder/adobe stock