Transnet kann „Vorwürfe der Interessensgemeinschaft nicht nachvollziehen“
Die Riesenbatterie, die in Kupferzell von TransnetBW, einer Tochter von EnBW, in absehbarer Zeit gebaut werden soll, sorgt für mächtig Ärger in Kupferzell selbst. Eine Interessensgemeinschaft hat sich gebildet, die Widerstand gegen den so genannten Netzbooster leisten möchte (wir berichteten). Nun nimmt Transte gegenüber GCHWÄTZ Stellung zu den Kritikpunkten der Interessensgemeinschaft. Die Fragen im Namen von TransnetBW beantwortete Annett Urbaczka, Leiterin der Unternehmenskommunikation. Die Fragen stellte unsere GSCHWÄTZ-Redakteurin Sonja Bossert.
„Wir sind im Dialog mit der Gemeinde“
GSCHWÄTZ: Bürger bemängeln eine Intransparenz bei dem Verfahren. So sagt zum Beispiel die Interessengemeinschaft Ein Herz für Hohenlohe: „Es ist von Anfang an unheimlich viel im Dunklen, still, heimlich und leise hinter verschlossenen Türen verhandelt worden“. Können Sie solche Aussagen nachvollziehen? Wann wurde das erste Mal öffentlich darüber gesprochen/ kommuniziert mit den Bürgern der Gemeinde?
TransnetNW: Die Vorwürfe der Interessensgemeinschaft können wir nicht nachvollziehen. Seitdem im Netzentwicklungsplan (NEP) das Netzbooster-Konzept und der Standort Kupferzell bekannt gemacht wurden, sind wir im Dialog mit der Gemeinde und haben uns in den Gremien den Fragen gestellt. (Anfang 2019). Darüber hinaus wurde ein gemeinsamer Ausschuss beschlossen, er hat seine Arbeit im Juli aufgenommen. Dem Ausschuss gehören Gemeinde- und Bürgervertreterinnen und –vertreter an. Wir informieren umfangreich und transparent. Der Netzbooster wurde zum ersten Mal in Zusammenhang mit der Veröffentlichung des ersten Entwurfs des NEP 2030, Version 2019 kommuniziert (Anfang Februar 2019). In diesem NEP war erstmals die Möglichkeit aufgenommen worden, durch eine innovative Netzstabilitätsanlage die Auslastung des bestehenden Netzes zu optimieren und somit den zusätzlichen Netzausbau begrenzen zu können. Im Rahmen der Veröffentlichung sind wir bereits auf die Gemeinde beziehungsweise den Bürgermeister mit einer ersten Information zugegangen und boten an, nach Kupferzell zu kommen und die Gemeinde zu informieren.
GSCHWÄTZ: Wann hat die TransnetBW beschlossen, dass der Netzbooster nach Kupferzell kommt?
TransnetBW: Anfang Februar 2019, als der erste Entwurf des NEP Anfang veröffentlicht wurde.
GSCHWÄTZ: Warum wurde Kupferzell ausgewählt?
„Kupferzell als der geeignetste Standort“
TRansnetBW: Unter mehreren untersuchten Standorten hat sich der Standort Kupferzell aus netztechnischer Sicht als der geeignetste erwiesen. Das Übertragungsnetz im Bereich des Netzknotens Kupferzell ist schon heute hoch ausgelastet. Diese Belastung wird in den kommenden Jahren weiter steigen. Ein Netzbooster kann hier eine hohe Wirksamkeit entfalten.
Das Pilotprojekt soll zunächst auf spezifische Leitungen nördlich von Kupferzell wirken. Die Pilotphase wird aber auch für Weiterentwicklungen genutzt, um z.B. weitere Leitungen mit einzubeziehen. Der Netzknoten Kupferzell ist durch seine Anbindung Richtung Norden, Westen und Süden sowohl für ein Pilotprojekt als auch für ein Gesamtkonzept, in dem mehrere Netzbooster-Anlagen zusammenwirken, besonders geeignet.
Der Netzbooster soll in Zeiten hoher Netzauslastung bei Fehlern solange das System entlasten, bis der der Engpass durch Eingriffe der Systemführung gezielt behoben werden kann, wie bspw. Schaltmaßnahmen sowie der Einsatz von Kraftwerken.
„Wir nehmen die Sorgen der Bürger sehr ernst“
GSCHWÄTZ: Kann TransnetBW die Bedenken der Bürger verstehen in Bezug auf die Sicherheit?
TransnetBW: Wir nehmen die Sorgen der Bürger sehr ernst und suchen daher auch den Austausch, beispielsweise im oben genannten Ausschuss.
Führt ein derartiger Booster zu einer erhöhten Strahlenbelastung?
GSCHWÄTZ: Führt ein derartiger Booster zu einer erhöhten Strahlenbelastung?
TranstnetBW: Die Anlage wird so gebaut, dass die Werte der entstehenden elektromagnetischen Felder durch verschiedene Maßnahmen so reduziert werden, dass sie unterhalb aller gesetzlichen Grenzwerte liegen. Das stellen wir durch Studien und Simulationen sicher.
GSCHWÄTZ: Wo stehen weitere vergleichbare Booster in Deutschland / weltweit?
TransnetBW: In der Bundesrepublik betreibt die STEAG mehrere Batterieanlagen mit rund 90 MW zur Sicherstellung der Stromversorgung, zum Beispiel bei Ausfällen oder Lastspitzen, icht der Höherauslastung der Netze. Im Netzentwicklungsplan ist der Bau weiterer Anlagen in den Regelzonen der anderen Übertragungsnetzbetreiber vorgesehen.
GSCHWÄTZ: Wann soll das Projekt umgesetzt werden in Kupferzell?
TransnetBW: Der Netzbooster soll Anfang 2025 in Betrieb gehen, Baubeginn ist für das Jahr 2023 geplant.

Birgit Kühnle und Peter Hamann von der Interessengemeinschaft „Ein Herz für Hohenlohe“ lehnen die Riesenbatterie ab. Foto: GSCHWÄTZ

Hier soll der Netzbooster gebaut werden.















