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Überraschende Enthüllungen im WhatsApp-Verlauf von Elisabeth S.

Am achten Verhandlungstag im Fall Elisabeth S., dem 28. Januar 2019, sagten vier Polizeibeamte vor dem Landgericht Heilbronn aus, die mit unterschiedlichen Ermittlungsarbeiten betraut waren. Polizeihauptkommissar Helmut F. war für die Funkzellenbestimmung des Handys von Elisabeth S. ab dem Zeitpunkt, an dem Ole zu ihr kam bis zu ihrer Festnahme am nächsten Tag zuständig. Auch wertete er verschiedene Datenträger wie ein Laptop und USB-Sticks aus. „Es gab einen umfangreichen WhatsApp-Verkehr, der aber insgesamt eher unauffällig war“, berichtet der Polizist. Der einzige außergewöhnliche Kontakt auf dem Handy der Angeklagten war der zu Herrn Sch., zu dem sie seit 2015 eine sexuelle Fernbeziehung unterhielt. „Da gab es zwei Nacktbilder, ansonsten war da nichts Auffälliges.“ Generell waren viele Bilder von Ole T. auf dem Handy, auf denen er „immer sehr fröhlich wirkt“. Auch die Internetverläufe auf dem Laptop waren unauffällig. „Es gab unzählige Mails und Bilder von der Familie und aus Urlauben aber zum Beispiel keine Google-Suche wegen Depressionen“, so der Beamte. Helmut F. fand auch keine Hinweise dafür, ob noch jemand anderes die Angeklagte am Tattag besuchen wollte. „Das Handy war den ganzen Tag zuhause eingeloggt“, so F. Die ebenfalls überprüften Handys von Sohn Stephan S. und dem Partner Sch. waren an dem Tag nicht in Künzelsau eingebucht. „Der Whatsapp-Verlauf mit Susanne T. zeigt, wie eng der Kontakt von Elisabeth S. zu Ole war und dass noch weitere Besuche geplant waren“, erzählt F. weiter. So hatte die Mutter beispielsweise angefragt, ob Ole am 30. Juni wieder bei Elisabeth S. übernachten könne.

Verletzungen im Bereich des Kehlkopfes „am ehesten von Fingerkuppen und Fingernägeln“

Polizeikriminalkommissar Steffen L. befragte die Anwohner in der gesamten Straße, in der Elisabeth S. wohnt. „Aber die Nachbarn kannten sie kaum, nur Frau Sch. von schräg gegenüber war eine etwas engere Freundin“, berichtet der Beamte. Dementsprechend wenig haben diese Befragungen ergeben. Steffen L. sprach auch mit Oles Freund Julian im Beisein seiner Mutter. „In einem lockeren Dialog erzählte Julian, dass Ole nie etwas Negatives über seine Oma gesagt hatte“, so L. Die Mutter von Julian beschrieb Ole als eher zurückhaltendes und sehr behütetes Kind, das sich kaum etwas getraut hätte. Steffen L. machte auch die Obduktionsbilder von Ole, die aber nicht in der Öffentlichkeit gezeigt werden. Richter, Staatsanwalt und Anwälte ließen sich die Fotos im kleinen Kreis von L. erklären. „Es gab keine Einblutungen an Rücken oder Brust, nur geringfügige am Herzen“, berichtet er. Genauso wenig gab es Griff- oder Schleifspuren, aber geringfügige Verletzungen im Bereich des Kehlkopfes „am ehesten von Fingerkuppen und Fingernägeln“.

keine Hinweise auf Pädophilie oder Kinderpornografie

Kriminalhauptkommissar Andreas H. war für die Spurensicherung am Tatort und an Ole zuständig. Insgesamt fünfmal war er in dem Haus, maß die Tiefe des Wassers in der Wanne mit 24 Zentimeter und Oles Körpertemperatur mit 24,4 Grad am Abend. „Wir fanden keinerlei Kampf- oder Einbruchsspuren, optisch ließ sich das tatsächliche Geschehen nicht feststellen“, so H. Es gab auch keine Hinweise auf Pädophilie oder Kinderpornografie, etwas was laut H. heutzutage immer untersucht werden muss. Unzählige Bilder hat der Polizist vom Tatort innen und außen gemacht. „Es war dort nichts umgeworfen, kein Teppich verschoben und es gab keine Hinweise, dass etwas umgeworfen und wieder aufgestellt worden wäre.“

„Mit der Hose legt man sich nicht ins Bett“

Kriminalhauptkommissar Holger H. war bei der Spurensicherung an Elisabeth S. dabei. „Die Angeklagte war schlecht zu Fuß, als ich sie abholte“, so H. Er musste sie einhaken und stützen. „Sie wirkte nicht verwirrt, eher körperlich schwach, war aber orientiert und hat auch gleich geantwortet.“ H. erinnert sich, dass sie sagte, sie hätte den ganzen Tag nichts gegessen, sondern am Kocher im Gebüsch gelegen. Der Polizist nahm auch keinen Alkoholgeruch wahr. An der Oberbekleidung der Angeklagten – ein schwarzer Mantel, eine graue Hose und helle Mokassins – fand die Spurensicherung nur unvollständige Merkmale. „Das waren Schmutz und Gras vor allem an den Knien und hinten an der Hose“, so H. „Mit der Hose legt man sich nicht ins Bett“, meinte Richter Kleinschroth, was kaum zur früheren Aussage von Elisabeth S. passen würde, sie hätte bereits geschlafen und wäre dann in Panik davongelaufen.




Er gab den entscheidenden Hinweis zur Ergreifung von Elisabeth S.

Er gab den entscheidenden Hinweis zur Ergreifung von Elisabeth S.: Christian P., der damals in der gleichen Straße wohnte, Frau S. aber nur vom Sehen kannte. Am sechsten Verhandlungstag am 14. Januar 2019 sagten er und seine Lebensgefährtin Alexandra I. vor dem Heilbronner Landgericht aus. Bereits morgens, am Samstag, den 28. April 2018, gegen zehn Uhr hätten sie lautes Geschrei aus dem Haus der Angeklagten gehört. „Ein Mann hat gerufen: ‚Steh auf!‘ Ich kannte die Stimme nicht und dachte an einen Familienstreit“, so der 33-Jährige. Was in dem Haus passiert war, erfuhren sie erst später. Am diesem betreffenden Samstagabend wollten sie gegen 21.30 Uhr mit dem Hund eine Runde Gassi gehen, als sie sahen, wie jemand in die Garage von Elisabeth S. ging. „Ich sah im Dunkeln Frau S. laufen“, erinnert sich Alexandra I.. „Ich hab sie zuerst nicht richtig erkannt und sie lief, als wäre sie betrunken.“ Aber als die Person unter dem Absperrband der Polizei durch in die Garage ging, „dachte ich, das muss sie wohl sein“.  Dann hörten sie „Geräusche wie von einer Autotür, die auf- und zugeht“. Weil ihnen das alles komisch vorkam, rief P. die Polizei. „Die Beamten gingen in die Garage und fanden dort auf dem Rücksitz des Autos Frau S..“ Vom Gehweg vor dem Haus beobachteten die Zeugen, wie die Polizei die Frau aus der Garage führte. „Frau S. wirkte verstört und verwirrt und hatte einen wackligen Gang“, so P. weiter. Und er ist sich sicher: „Sie sagte zu der Polizistin, dass sie das alles nicht wollte.“

Ein Satz, den auch seine Freundin Alexandra I. gehört haben will, die festnehmenden Polizeibeamten aber nicht. „Ich bin mir zu eintausend Prozent sicher, dass Frau S. das sagte,“ sagte Alexandra I.. Alexandra I. wohnte früher in der gleichen Straße wie Elisabeth S. und kannte diese vom Sehen. „Sie war nie verwahrlost unterwegs, wirkte immer nett und freundlich.“

 

„Das wäre doch ein Geständnis“

 

Polizeihauptmeister Michael G. war an jenem Samstagmorgen, als Ole T. tot aufgefunden wurde, im Einsatz in Künzelsau dabei und machte Bilder von der Auffindesituation und dem Tatort. „Ich habe das Haus zweimal durchsucht, ob da vielleicht noch jemand ist“, so der Beamte. Es war auch für ihn eine emotionale und bedrückende Situation: „Ich musste die Tränen unterdrücken“. Er erinnert sich, dass die Eltern nicht ansprechbar waren, „der Vater schrie herum und die Mutter hatte ihr Kind im Arm und weinte“. Abends war G. einer der beiden Polizisten, die Frau S. festnahmen. Er führte die Frau aus der Garage „aus Sicherheitsgründen und weil sie beschwerlich lief“. Auf ihn machte Elisabeth S. einen teilnahmslosen Eindruck, sie sagte nur zweimal zu ihm: „Was ist in meinem Haus passiert?“. G. ist sich „zu 100 Prozent sicher“, dass der Satz „ich wollte das nicht“ nicht gefallen ist bei der Festnahme. „Das wäre doch wie ein Geständnis“, meint er.

Polizeikommissarin Exona G. war ebenfalls bei der Festnahme dabei. „Frau S. machte einen aufgewühlten Eindruck und redete unverständlich vor sich hin, aber ich kann mich nicht erinnern, dass bei der Festnahme groß gesprochen wurde“, sagt sie. „Sie sagte zu mir nur, dass sie im Wasser lag“. Sie erinnert sich, dass der Jackenärmel der Angeklagten feucht war. Die Polizistin ist sich unsicher, ob der Satz „ich wollte das alles nicht“, wirklich gefallen ist, sie war aber auch nicht permanent bei Elisabeth S.

Es stellt sich aber die Frage: Was hatte Elisabeth S. an, als sie von den Polizeibeamten gefunden wurde? Stand sie so neben sich und zog sich einfach eine Jacke über ihr Nachthemd? Oder zog sich Elisabeth S. in der Tatnacht komplett um und floh dann erst an das Kocherufer?

 

„Beide wirkten fröhlich und schienen sich auf die Übernachtung zu freuen“

 

Karlheinz H. ist im Nachbarhaus der Familie S. aufgewachsen und hat in der gleichen Straße einen Stukkateurbetrieb. Er ist vermutlich der letzte außer Elisabeth S., der Ole lebend gesehen hat. „Ich kenne Frau S. schon sehr lange, sie war oft bei meinem Bruder zu Gast bei verschiedenen Festen“, erinnert er sich. Aber es war kein enges Verhältnis. Ole kannte der Stukkateurmeister von der evangelischen Kinderkirche. „Der Junge kam regelmäßig über mehrere Monate“, so H. „Er hat sich immer darauf gefreut“. Er erinnert sich an ein zurückhaltendes und liebes Kind, das keinen Streit anfing und nicht aufmüpfig war. H. sah Elisabeth S. und Ole am späten Freitagnachmittag nach Hause kommen und hatte noch ein kurzes Gespräch mit den Beiden. „Sie erzählte, dass Ole bei ihr übernachtet und der Junge sagte, dass er am Sonntag zur Kinderkirche kommen würde“, erinnert er sich. „Beide wirkten fröhlich und schienen sich auf die Übernachtung zu freuen“. Er bemerkte keinerlei Auffälligkeiten. Ihm sei nun „wichtig für alle Beteiligten, dass das Schweigen gebrochen wird und die Wahrheit auf den Tisch kommt“.

 

Polizeibeamter bestätigt Kleptomanie-Vorwurf

 

Der Polizeibeamte Rudi K. vom Kriminalkommissariat in Künzelsau war bei der Durchsuchung des Hauses von Elisabeth S. dabei. Ihm fiel gleich das „teure und unbenutzte Messer auf, das auf dem Schränkchen im Obergeschoss lag“. Er hat keinen Zweifel daran, dass die Beziehung von Elisabeth S. und Ole ein „liebevolles Oma-Enkel-Verhältnis“ war. K. war auch dabei, als der Angeklagten in der JVA Schwäbisch Gmünd eine Haarprobe entnommen wurde, um festzustellen ob sie Medikamente nimmt. Er wunderte sich, „dass das einzige Problem von Frau S. schien, ob ihr Äußeres unter der Entnahme der Haare leiden würde“. Der Beamte recherchierte auch zu dem Vorwurf der Kleptomanie, der in den 70er- und 80er-Jahren gegen Elisabeth S. erhoben worden war. „In einer Buchhandlung und in einem Dessousladen wurde sie erwischt“, fand er heraus. Vieles andere seien Mutmaßungen. „Es gab keine Anzeigen, sondern ein Hausverbot.“ Danach hätte Elisabeth S. in der Stadt weiterhin nett und freundlich gegrüßt.




Wie lässt man die Puppen richtig tanzen?

Östlich der Sonne und westlich vom Mond – dort befindet sich das Marionettentheater Pendel von Marlene Gmelin und Detlef Schmelz. Was sich so geheimnisvoll anhört, ist ein altes Bauernhaus in Ingelfingen-Hermuthausen mit Werkstätten, in denen handgemachte Marionetten entstehen, und sich ein Theater für rund 45 Zuschauer verbirgt.

2016 den Staatspreis Baden-Württemberg gewonnen

Seit über 40 Jahren widmet sich das Paar den Marionetten. Ihre Leidenschaft für die Gliederpuppen hatten die Künstler während des Pädagogikstudiums in Marburg entdeckt. „Wir haben nebenher Marionetten gemacht, woraus ein Studententheater entstand“, erzählt Detlef Schmelz. Schließlich machten die beiden eine Ausbildung bei Gerhards Marionetten in Schwäbisch Hall. Heute sind sie unter dem Namen Pendel als Marionettenbildner und Theater international bekannt. Ihre Marionetten verkaufen sie an Theater, bundesweit auf Märkten sowie auf Bestellung. Zahlreiche Preise haben sie bereits bekommen – unter anderem 2016 den Staatspreis Baden-Württemberg.

Wenn sich Fuchs und Hase „gute Nacht“ sagen.
Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Die Kleidung näht Marlene Gmelin

Die Figuren von Gmelin und Schmelz muten wie Wesen aus fantastischen Welten an. Jede ist ein Unikat, das in liebevoller, rund einwöchiger Handarbeit entsteht. „Marlene ist der künstlerische Kopf, doch wir arbeiten Hand in Hand und jeder hat seine Arbeitsschritte“, sagt Detlef Schmelz. Sie zeichnet die Pläne für jede Puppe, daraus macht er Hände, Füße und das Gerüst. „Die werden aus leichten Holzblöcken geschnitzt“, erklärt er. Das Spielkreuz, das er ebenfalls selbst herstellt, ist aus einem härteren Holz. Der Kopf ist meist aus einem Holzwerkstoff – außer bei Tieren mit Schnabel oder Maul, die werden geschnitzt. Die Kleidung näht Marlene Gmelin. Sie bemalt auch Gesichter, Hände und Füße. „Im Gesicht wird nur herausgearbeitet, was zuvor modelliert wurde“, erklärt sie. Deshalb malt sie keine Falten, aber Schlitzaugen, „denn das sind die lebendigsten Augen“. Damit der Körper beim Spiel nicht mitpendelt, nur Arme, Kopf und Beine sich bewegen, ist im Körper ein Gewicht angebracht.

Detlef Schmelz und Marlene Gmelin vom Marionettentheater Pendel in Hermuthausen

Detlef Schmelz und Marlene Gmelin vom Marionettentheater Pendel in Hermuthausen.
Foto: GSCHWÄTZ

Marionetten können an die Größe des Besitzers angepasst werden

Rund ein Kilo wiegt eine Marionette, doch wirken ihre Bewegungen wegen der ausgeklügelten Gelenktechnik sehr natürlich. Marionetten, die Kunden bestellt haben, können an die Größe des Besitzers angepasst werden, denn „ist sie zu hoch oder zu niedrig, ist das beim Spiel unbequem“.

Seminare um das Marionettenspiel professionell zu erlernen

Weil immer mehr Kunden das Marionettenspiel professionell erlernen wollen, gibt das Paar Seminare in Waldenburg-Hohebuch – ein Alleinstellungsmerkmal, da solche Kurse nur wenige Theater anbieten. Manche der Teilnehmer machen das nur für sich oder nutzen es später beruflich. Es sind Rentner dabei, die in Kindergärten oder Vereinen auftreten wollen, aber zunehmend auch Jüngere und manchmal ganze Familien. Aus den Kursen entstanden Theater und Spielinitiativen, von denen viele beim Pendel-Marionetten-Festival auftreten, das alle zwei Jahre in Hohebuch stattfindet.

Geschichte ohne Worte.
Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Nur die Figuren werden beleuchtet, die Spieler tragen schwarze Kleidung

Einen internationalen Ruf hat sich das Paar mit seinem Marionettentheater erarbeitet. Zu den Aufführungen in Hermuthausen kommen Zuschauer aus dem ganzen Bundesgebiet, aus Österreich und der Schweiz. Auch als Tourneetheater sind Gmelin und Schmelz international unterwegs. „Wir zeigen sehr ruhige Stücke für Kinder und Erwachsene, die wir selbst entwickelt haben“, sagt er. Dabei lassen sie sich nicht vom wirtschaftlichen Gedanken leiten, sondern machen das, was sie selbst interessiert. Das sind poetische, hauptsächlich pantomimische Spiele, Märchen und Mythen, so dass „ jeder Zuschauer etwas anderes darin sehen kann“. Gespielt wird auf einer sparsam möblierten Bühne vor einer schwarzen Rückwand. Nur die Figuren werden beleuchtet, die Spieler tragen schwarze Kleidung und verschmelzen mit dem Hintergrund. So kommen die Bewegungen der Marionetten optimal zur Geltung.

 

Erschienen in unserem Print-Magazin Ausgabe 14 / Dezember 2017.




Das Mitfahrbänkle: „Wollen Sie mitfahren?“

Es ist Montagmorgen, halb neun. Nach den heißen Tagen der vergangenen Wochen weht ein kühler Wind durch Mulfingen. Ich sitze auf der Mitfahrerbank in der Ortsmitte und warte darauf, dass eines der zahlreichen Autos, die vorbeifahren, mich mitnimmt. Als Zielort weist der Pfeil über mir Ailringen aus. Doch erstmal geschieht – nichts. Die Autofahrer schauen freundlich-neugierig, aber keiner hält an. Vielleicht liegt es am Ziel? Fährt niemand nach Ailringen?

Sonja Bossert hat die Mitfahrbank ausprobiert. Fazit: Von Mulmigen in die Teilorte zu kommen, ist kein Problem – nur zurück nach Mulfingen. Entsprechende Bänke sollen erst im Herbst aufgestellt werden.
Foto: GSCHWÄTZ

„Es kommt wohl auf das Erscheinungsbild an.“

Also ändere ich die Richtung. Nun will ich nach Buchenbach. Ich sitze kaum wieder, höre ich es schon rufen: „Wollen Sie mitfahren?“ Die nette Fahrerin, Carla Müller aus Buchenbach, hat noch nie jemanden auf der Bank sitzen sehen und deshalb ist es heute auch für sie das erste Mal, dass sie jemanden mitnimmt. Hätte sie auch für einen Mann angehalten? „Bei einem Fremden hätte ich mir das schon überlegt“, sagt sie. „Es kommt wohl auf das Erscheinungsbild an.“ Die Idee der Mitfahrerbank findet sie gut, „besonders für ältere Menschen ist das doch geschickt“. Allerdings hat sie das Gefühl, dass die Bank noch nicht so frequentiert wird. Das könnte aber auch an der Uhrzeit liegen.

Carla Müller aus Buchenbach nimmt Sonja Bossert mit.
Foto: GSCHWÄTZ

Wer eine Fahrgelegenheit sucht, dreht die Anzeigentafel mit dem Zielort nach oben und setzt sich dann auf die Bank.

Die Bank – die ihr leuchtendes Rot einer Farbe im Gemeindelogo verdankt – steht seit etwa einem Jahr in Mulfingens Ortsmitte an der Theresienwiese. Das Konzept dahinter: Wer von Mulfingen in einen der Teilorte möchte und weder Auto noch eine sonstige Fahrgelegenheit hat, dreht die Anzeigentafel mit dem Zielort nach oben und setzt sich dann auf die Bank. Sobald ein Autofahrer vorbeikommt, der in die gleiche Richtung will, kann er den Wartenden mitnehmen.

Es sollen weitere Bänke aufgestellt werden

Ideengeber war Dr. Horst Geiger, der ursprünglich aus Rheinland-Pfalz stammt und solche Bänke dort das erste Mal gesehen hatte. Als Mitglied vom Verein ProMu Gemeinsam Zukunft Mulfingen Gestalten e.V. fand er schnell Mitstreiter. „Wir haben die Bank mit Anzeigenpfosten und den Richtungstafeln selbst konstruiert und gebaut“, erzählt Vereinsmitglied und langjähriger erster Vorsitzender Fritz Korn. Auch die Finanzierung hat der Verein übernommen, die Volksbank beteiligte sich mit Spenden. „Die Stadt hat unsere Initiative positiv aufgenommen, die Kommune steht hinter uns“, so Korn weiter. Der Standort wurde mit dem Bürgermeister abgesprochen und gemeinsam mit Mitarbeitern vom Bauhof wurde die Bank aufgestellt. Um diese kümmert sich weiterhin der Verein, den Platz drumherum pflegt der Bauhof. Im Herbst sollen weitere Bänke in den Teilorten auf der Höhe aufgestellt werden, damit man von dort auch wieder zurückfahren kann.

Friedrich Korn auf der Mitfahrbank in Mulfingen.
Foto: GSCHWÄTZ

„Der Standort direkt in der Kurve ist nicht ideal.“

Natürlich hat Fritz Korn die Bank selbst ausprobiert. „Eine Viertelstunde war nötig, dann hat jemand angehalten“, erzählt er. Oft werde die Bank auch einfach als Sitzgelegenheit genutzt. Er habe beobachtet, dass Autofahrer genau im Blick hätten, ob sich an der Bank etwas tue.

Ein Manko gibt es: „Der Standort direkt in der Kurve ist nicht ideal.“ Autofahrer aus dem oberen Jagsttal sehen Mitfahrwillige erst im letzten Moment. Auch Anhalten ist hier schlecht. Deshalb gibt es Überlegungen, die Bank für Mitfahrer ins untere Jagsttal an den Brunnen in der Hauptstraße zu verlegen. Für jene, die ins obere Jagsttal wollen, soll es dann eine zweite Bank gegenüber vom jetzigen Standort geben.

Doch wie sieht es aus, wenn ein Unfall passiert? „Das Angebot setzt auf den Freiwilligkeitscharakter bei beiden Seiten“, sagt Fritz Korn. Das Ganze geschehe auf privater Basis, im Fall der Fälle springt die Fahrzeughaftpflichtversicherung ein. Außerdem sollen Mitfahrende mindestens 16 Jahre alt sein.

Auch in Künzelsau sollen noch in diesem Jahr Mitfahrerbänke aufgestellt werden. Und zwar in Zusammenarbeit mit der Hochschule im Bereich der oberen Hauptstraße und des Reinhold-Würth-Hochschul-Campus. Einen genauen Termin gibt es allerdings noch nicht.

Mitfahrbänkle in Niedernhall. Bürgermeister Achim Beck: „Es gibt keine Zahlen, wie oft die Bänke genutzt werden. Wir gehen aber davon aus, dass diese durchaus ihren Nutzen haben.“
Foto: GSCHWÄTZ

Erstes Mitfahrbänkle in Niedernhall

Die erste Mitfahrerbank in der Region steht seit Frühjahr 2016 in Niedernhall. Mittlerweile gibt es dort vier Standorte: am Jugendhaus Giebelheide, an der Ecke Hohenloher/Schöntaler Straße auf der Giebelheide sowie an der Lindenkreuzung im Städtle und vor dem Edeka in der Criesbacher Straße. Finanziert wurden sie aus Mitteln der Bürgerstiftung, für die ein Projekt gesucht wurde, welches innovativ und zugleich auch von Bürgern für Bürger ist. Aufgestellt wurden die Bänke vom Bauhof der Stadt, der auch für die Pflege zuständig ist. Die Beschilderung hat die Firma Graf gespendet. „Mit den Mitfahrerbänken sollen die Bürger sich gegenseitig bei Fahrten unterstützen und die Anbindung für junge und alte Menschen deutlich verbessert werden“, so Bürgermeister Achim Beck. „Es gibt keine Zahlen, wie oft die Bänke genutzt werden. Wir gehen aber davon aus, dass diese durchaus ihre Nutzer haben.“




„Mobbing ist für Homosexuelle immer noch ein Thema“

Intersexuell, Transsexuell, Bisexuell: Erzieher Falk Sulek setzt sich für eine geschlechtsneutrale Sprache ein, damit sich jeder angesprochen fühlt. 
Die Gleichberechtigung aller Menschen – Gleich welcher Herkunft, welchen Geschlechts oder sexueller Neigung – sollte eigentlich für alle selbstverständlich sein, ist es aber nicht. Wir sprachen mit Falk Sulek über die Gender-Queer-Thematik und über seine persönliche Situation. Der Erzieher und psychologischer Berater lebt und arbeitet in Künzelsau. 

GSCHWÄTZ: Herr Sulek, können Sie unseren Lesern die Begriff Gender und Queer erklären?
SULEK: Wollen wir die sexuelle Identität eines Menschen beschreiben, unterscheiden wir drei Kategorien: das biologische Geschlecht (Sex), das soziale und psychische Geschlecht (Gender) und das sexuelle Begehren (Desire). Der Begriff Queer wurde immer unterschiedlich definiert. Manchmal bezieht es sich nur auf schwul-lesbische Identitäten. In der Regel schließt er heute auch Bisexuelle, Trans*Personen sowie intersexuelle Menschen ein. Queer umfasst alle Menschen, die nicht den heteronormativen Regeln unserer Gesellschaft entsprechen.

 

GSCHWÄTZ: Wird über diese Thematik heutzutage häufiger gesprochen?
SULEK: In den aktuellen Medienberichten hört und liest man mehr darüber. Es gibt positive wie auch kritische Standpunkte.

 

Aber natürlich sind diese Leute ganz normal Teil der Gesellschaft.

 

GSCHWÄTZ: Ist das Thema ein Anliegen von Ihnen, weil Sie selbst schwul sind?
SULEK: Auch, aber nicht nur, denn es geht uns alle etwas an. Jeder sollte so leben und sich äußern können, wie es ihm entspricht. Es geht um Demokratie, Gleichberechtigung, Menschenrechte und die Akzeptanz von Vielfalt in unserer Gesellschaft.

 

GSCHWÄTZ: Gibt es in Hohenlohe eine Homosexuellen-Szene?
SULEK: Überall da, wo es Menschen gibt, die homosexuell sind, gibt es meist auch eine homosexuelle Szene. Aber natürlich sind diese Leute ganz normal Teil der Gesellschaft. Sie treffen sich und
tauschen sich untereinander aus. Aber das ist ja überall so. Szenen sind schließlich nichts anderes als soziale Netzwerke.

 

Für mich ist es wichtig, alle Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind.

 

GSCHWÄTZ: Wie sieht es mit Mobbing Homosexueller aus?
SULEK: Ich persönlich habe Mobbing in Hohenlohe so bisher noch nicht erfahren. Andere haben da vielleicht andere Erfahrungen gemacht. Mobbing ist für viele
Homosexuelle leider immer noch ein Thema. Aber hier ist man im Allgemeinen sehr offen. Für mich ist es wichtig, alle Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind. Wenn jemand meiner Person gegenüber eine kritische Meinung hat, kann ich das akzeptieren, solange er mir meine Würde lässt und meine Rechte nicht verletzt.

 

GSCHWÄTZ: Auch die Eltern in der Einrichtung, in der Sie tätig sind, gehen damit ganz normal mit um?

SULEK: Ich bin noch nie Eltern begegnet, die sich mir gegenüber negativ geäußert hätten. Auch die Kinder sind da sehr offen.

 

Gendergerechte Sprache hat für mich mit Gleichberechtigung zu tun

 

GSCHWÄTZ: Sie haben kritisiert, dass die Medien – auch unser Magazin – Leute ausschließen, da sie nur die männliche Terminierung verwenden.
SULEK: Mir ist aufgefallen, dass in der Personenbeschreibung mehrheitlich das generische Maskulinum auftaucht. Und ich frage mich, warum das so ist. Hat das einen Sinn? Ist das einem bewusst? Gendergerechte Sprache hat für mich mit Gleichberechtigung zu tun, aber auch mit einer wertschätzenden Ansprache und Angesprochen-Sein – und letzten Endes auch mit Inklusion und Geschlechtergerechtigkeit.

 

GSCHWÄTZ: Wie könnte eine Umsetzung aussehen?
SULEK: Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Man kann das Geschlecht neutralisieren – zum Beispiel die Teilnehmenden statt Teilnehmer. Oder man verwendet das Binnen-I, das die männliche und die weibliche Form einschließt. Der Gender-Star und der Gender- Gap schließlich versuchen, die Vielfalt der Geschlechter zu berücksichtigen.

 

Das ist für mich ein Ausdruck von Respekt.

 

GSCHWÄTZ: Und Sie glauben, dass sich dann niemand ausgeschlossen fühlt?
SULEK: Es ist zumindest ein wichtiger Schritt, einen wertschätzenden Umgang miteinander zu etablieren. Das ist für mich ein Ausdruck von Respekt.

 

GSCHWÄTZ: Fühlen Sie persönlich sich in Publikationen ausgeschlossen? 

SULEK: Ein Akt des Meinens ist misslungen, wenn diese Personen sich nicht angesprochen fühlen. Bei mir persönlich sind das beispielsweise Veröffentlichungen, die nur von Erzieherinnen sprechen, ich bin aber Erzieher und frage mich dann, warum bin ich nicht gemeint.

 

GSCHWÄTZ: Glauben Sie, dass sich das irgendwann durchsetzen wird?

SULEK: Ich würde mir wünschen, dass wir uns alle darüber Gedanken machen, wie wir Diskriminierung abbauen und verhindern können und welche wichtige Rolle die Sprache dabei spielt. Es wird aber immer Personen geben, die das nicht für wichtig erachten.

 

Hintergrund:

Falk Sulek hat vor einiger Zeit auf unserer Facebook-Seite unser GSCHWÄTZ kommentiert. Er findet es bedauerlich, dass wir nur männliche Leser ansprechen, etwa nur „Schüler“ anstatt auch
„Schülerinnen“ schreiben. Wir haben ihn gefragt, ob wir ihn zu diesem Thema interviewen dürfen. Falk Sulek war ein sehr angenehmer Gesprächspartner, nichts desto trotz gehen auch in unserer
Redaktion die Meinungen zu diesem Thema auseinander. Sie lesen nun einen Kommentar von unserem Redaktionsmitglied und Oberstudienrat a.D. Jürgen Bitsching:

 

Gleiche Toiletten für alle

 

Die deutsche Sprache ist schön und im Allgemeinen verständlich, zeigt aber im Gegensatz zur englischen Sprache eine Schwierigkeit: die geschlechtergerechte Sprache. Es geht um die männliche Form als Bezeichnung für alle gemeinten Personengruppen. Mit dem so genannten Splitting hat man schon im 19. Jahrhundert beide Geschlechter gesondert angesprochen (Schüler(innen)). Es
folgte in den 1960er Jahren eine Schreibweise mit Schrägstrich (Schüler/-innen). Der zweiten Frauenbewegung seit den 70-er Jahren reichte dies nicht, um auch Frauen gebührend mit einzubeziehen und entwickelte das Binnen-I (SchülerInnen). Damit wurde der Unterschied zwischen Männlichem und Weiblichem beachtet, nicht jedoch alle anderen Geschlechterformen – so jedenfalls die queere Kritik. Falls sie diesen Begriff nicht kennen: Queer kommt aus dem Englischen und benennt Personen, die von der sexuellen Norm abweichen, so wie Transgender und Transsexuelle. Das sind Menschen, die sich nicht eindeutig als Mann oder Frau festlegen.

 

Gendersternchen im Koalitionsvertrag mit der SPD und den Linken

 

Nun haben die Grünen auf ihrem Parteitag in Berlin beschlossen, sich um dieses Problem zu kümmern, weil diese Gruppe bisher unsichtbar gemacht und somit diskriminiert würden. Ein Genderstern, der für alle möglichen Geschlechterformen steht, soll Abhilfe schaffen, und das funktioniert so: Die Politiker*innen. Schüler*innen usw.. Emsig und im Bewusstsein moralischer Notwendigkeit wurde dann auch das Gendersternchen im Koalitionsvertrag mit der SPD und den Linken auf 251 Seiten 298mal verwendet. Der neue Berliner Justizsenator Dirk Behrendt will „weitere Hürden im Alltag beseitigen“: Statt wie bisher getrennte Toiletten für Männer und Frauen soll es Unisex-Toiletten geben, damit sich keiner mehr über Diskriminierung beklagen kann. So müssen sich die wenigen Transvestiten nicht mehr entscheiden, auf welche Schüssel sie sich setzten sollen. Wie denkt wohl die Mehrheit der Berliner*innen darüber, die sich eindeutig entweder als Mann oder als Frau fühlt?

 

Erschienen in unserem Print-Magazin Ausgabe 05 / März 2017.




Hier kommt nicht jeder rein

Seit genau 40 Jahren gibt es in Stachenhausen einen Motorradclub: Yankees MC Stachenhausen e.V.. „Fünf Freunde mit Mopeds haben den Verein 1978 gegründet“, sagt Gerhard Schmidt, seit drei Jahren Vereinspräsident.

40 Jahre Motorradclub Stachenhausen – Die Yankees ziehen Bilanz

Damals gab es im Umkreis von etwa 20 Kilometern viele Motorradclubs, heute sind es rund zehn. Im Laufe der Jahre ist der Verein langsam gewachsen. „Zurzeit haben wir mit 36 Mitgliedern im Alter von 26 bis 57 Jahren die höchste Anzahl“, so Schmidt weiter. „Das dürfen ruhig noch mehr werden, wenn die Qualität stimmt“, zeigt er sich zufrieden. Von den fünf Gründungsmitgliedern sind noch vier dabei.

Frauen treffen sich eigenständig

Doch so einfach wird man nicht Clubmitglied. „Aufgenommen werden nur Männer, die ein Motorrad besitzen“, erklärt Schmidt, der mehrere Motorräder sein eigen nennt. „Wir wollen keine passiven Mitglieder und die Frauen treffen sich eigenständig.“ Ein halbes Jahr Kennenlernzeit muss das potenzielle Neumitglied überstehen. Nach einem weiteren Jahr als sogenannter Prospekt entscheiden die Mitglieder demokratisch über die Aufnahme. Es gab auch schon Ablehnungen und aus den unter schiedlichsten Gründen wurden Mitglieder ausgeschlossen – „wir sind schließlich kein Kindergarten“. Alle Mitglieder haben eine Kutte mit dem Vereinsemblem – „die muss auch getragen werden, denn sie zeigt, wer dazugehört und dass wir einen gewissen Stolz auf unseren Verein haben“. Auf die Lederweste nähen die Biker Abzeichen anderer Motorradclubs, die mit den Yankees befreundet sind. Bei der Auswahl der Abzeichen ist jeder frei.

Kein Kindergarten

„Wir sind ein sehr aktiver Club mit Terminen rund ums Jahr“, erklärt der Präsi. „Jedes Mitglied sollte sich regelmäßig einbringen.“ Natürlich habe man Verständnis, wenn Mitglieder aus beruflichen oder familiären Gründen nicht ganz so häufig erscheinen können. Ein Mitglied wohnt sogar an der Schweizer Grenze und kann deshalb nicht bei jedem Vereinsabend dabei sein. Dienstags und freitags trifft man sich im Clubheim, das den Yankees seit 1989 gehört – doch nicht nur zum Feiern, sondern auch zu Arbeitseinsätzen, denn die gehören schließlich auch dazu. Alle zwei Wochen gibt es eine Sitzung und viermal im Jahr eine Vorstandssitzung. „Wir stellen alle Aktionen vor und wenn es keine Bedenken dagegen gibt, wird das auch gemacht“, so Schmidt.

Gemeinsam geht es auf Ausfahrten, für die zuvor die Route festgelegt wurde. Zehn bis 20 Treffen anderer Clubs besuchen die Yankees jährlich, sie gehen auf Spalierfahrten bei Hochzeiten und einmal im Jahr trifft man sich mit zwei befreundeten Clubs – den Bikers Nieder Olm und den Yankees Söhlingen – irgendwo in Mitteldeutschland zu einer Sternfahrt. In den meisten Hotels sind die 60 bis 70 anrückenden Biker gern gesehen Gäste.

Rund 2.000 Gäste werden erwartet

Natürlich stehen auch Feste auf dem Programm. Seit den Anfangszeiten gibt es einmal im Jahr ein Motorradtreffen. Außerdem nehmen die Yankees am Maifest in Stachenhausen teil und sie veranstalten Partys wie eine Halloweenparty und eine Clubhausparty. Dieses Jahr ist das Motorradtreffen etwas Besonderes: Unter dem Motto „Sommerparty 40 years on the road“ feiern die Yankees vom 8. bis 10. Juni 2018 ihr 40-jähriges Bestehen. Erwartet werden zu dem Spektakel auf dem Festgelände in Richtung Oberginsbach bis zu 2.000 Gäste aus ganz Deutschland. Große Feier vom 08. bis 10. Juni 2018

Derzeit hat der Verein 36 Mitglieder im Alter von 26 bis 57 Jahren.

Das Jubiläums-Motorradtreffen der Yankees unter dem Motto „Sommerparty 40 years on the Road“ beginnt auf dem altbekannten Platz in Stachenhausen am 8. Juni 2018 mit der Live-Band Roughhouse. Samstags steht der Hohenlohe-Tauber-Run auf dem Programm. Danach werden T-Shirts gegen eine Spende verkauft. Mit dem Erlös wird ein gemeinnütziger Zweck unterstützt. Natürlich gibt es auch wieder das beliebte Prospekt-Spiel. Abends treten die Vorband „Die drei von der Tankstelle“ sowie als Hauptact Private Five auf. Für ausreichend Essen und Trinken ist gesorgt.  Das Treffen endet am Sonntag, den 10. Juni 2018, nach dem Frühstück. Mehr Informationen auf: www.yankees-mc.de

Motoradclubs in Ländle

Im Hohenlohekreis gibt es diverse kleinere Motorradclubs. Neben den Yankees aus Stachenhausen gibt es unter anderem die Drive Brothers mit Kontaktadresse in Künzelsau-Berndshausen, die Motorradfreunde Ohrnberg, die Firebirds Belsenberg und die Squadrons aus Dörrenzimmern.

// Fotos: privat; Sonja Bossert




Wie lebt es sich so als zehnfache Mama?

Ein Besuch im Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Waldenburg.

Es ist ruhig an diesem Morgen im Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Waldenburg. Die 58 Kinder der sechs Familien, die zurzeit hier leben, sind in der Schule oder im Kindergarten. „Am Nachmittag herrscht hier schon mehr Trubel“, sagt Eva Seibel, Pressereferentin der Einrichtung. Dann spielen die Kinder auf der verkehrsberuhigten Straße oder malen, basteln und kochen im so genannten Treff.

Zu ihren eigenen drei Kindern kamen sieben weitere dazu

Gegründet 1957 von Margarete Gutöhrlein und inspiriert von Albert Schweitzer gibt der Verein schutzbedürftigen Kindern ein Zuhause. Bundesweit gibt es zehn solcher Einrichtungen.
Auch Kerstin Fellger und ihr Mann Markus Pachmann sind seit 2015 Kinderdorf-Eltern. Zu ihren eigenen drei Kindern kamen sieben weitere dazu. „Es ist eine Herausforderung, die das ganze Leben umkrempelt“, sagt die gelernte Altenpflegerin und Erzieherin. Zunächst arbeitete sie als Erzieherin im Dorf. Ihr Mann gab dann den Anstoß für die Entscheidung, Kinderdorf-Eltern zu werden. Er arbeitet zwar extern als Schreiner, „doch der Papa ist das absolute Idol und besonders für die Jungs sehr wichtig“, erklärt die 39-Jährige.

Einen Familienurlaub planen? Eine logistische Meisterleistung für Kerstin Fellger.
Foto: GSCHWÄTZ / Sonja Bossert

Ein Elternteil muss Erzieher sein oder eine sozialpädagogische Ausbildung haben

Auch das gehört zum Konzept des Kinderdorfs: Betreut werden die Kinder von Paaren, mit einem Mann als Vorbild, das sei besonders für die Jungs wichtig. Ein Elternteil muss Erzieher sein oder eine sozialpädagogische Ausbildung haben. Mittlerweile haben sich Kerstin Fellger und ihre Familie eingelebt. Vor allem für ihre jüngste Tochter, die zehnjährige Lara, sieht sie Vorteile: „Sie hat jetzt immer jemanden zum Spielen.“ Der 17-jährige Sohn Lukas dagegen ist der coole Held der Rasselbande. Unterstützung im Alltag geben eine Hauswirtschafterin und Erzieher. Erlebnis- und Freizeitpädagogen bieten nachmittags ein Programm, ein Zirkuspädagoge trainiert mit den Kindern und eine Musikpädagogin gibt Unterricht. Die ab Zehnjährigen betreiben einmal im Monat ein Café.

Wichtig ist eine konstante Bezugsperson

Es sind Kinder aus Problemfamilien, deren Eltern sich nicht kümmern können oder wollen, die im Kinderdorf ein neues Zuhause finden. Das ging teilweise so weit, dass die Kinder nicht einmal ausreichend zu essen bekamen. Die Kinder werden vom Jugendamt aus ihren Familien genommen und können, wenn sie das entsprechende Alter haben und es Platz gibt, im Kinderdorf leben. Es gibt die Möglichkeit eines begleiteten Umgangs mit den leiblichen Eltern. Um den Start zu erleichtern, lernen sich alle schon vor dem Einzug kennen. Wichtig ist eine konstante Bezugsperson – die Eltern sollen ihre Rolle ganz bewusst leben. So sagen die Kinder mittlerweile Mama zu Kerstin Fellger.

„Hier hat man eine richtig echte Mama“

Der Alltag der Großfamilie sieht aus wie der jeder Familie – nur in anderen Dimensionen. Die zwei Waschmaschinen im Haus drehen sich ständig und die Kleidung wird in acht Körbe einsortiert. Eine logistische Meisterleistung ist die Fahrt in den Sommerurlaub. In der Woche zuvor gibt es viel zu tun: Listen schreiben, einpacken, kontrollieren, ob auch wirklich alles im Auto ist. Um abzuschalten, fährt die Hausmutter auch mal mit ihrer Ursprungsfamilie alleine weg. Doch länger als fünf Tage war das bis jetzt noch nicht. Auf Rituale legt Kerstin Fellger viel Wert – gemeinsame Mahlzeiten und Geburtstagsfeiern etwa. Einmal in der Woche räumen alle zusammen die Kinderzimmer auf. So lernen die Kinder Familienalltag kennen, den sie zuvor nicht hatten. Ein echtes Familienprojekt ist der Stall in Schwäbisch Hall, in dem acht eigene Pferde stehen. Mehrmals in der Woche fährt die Hausmutter dorthin, immer begleitet von einigen Kindern. Die Kinder leben gern im Dorf. Fragt man, sagen sie „weil man hier gutes Essen kriegt“, oder „weil Papa alles repariert und man nie allein ist“. Aber das Schönste für Kerstin Fellger ist die Antwort des Jüngsten: „Hier hat man eine richtig echte Mama“.




Cowgirl – mit eigener Ranch

Eine Meute Hunde kündigt laut bellend den Besucher an. Im Hintergrund wiehert ein Pferd und irgendwo miaut eine Katze. Lachend kommt Katrin Scheuermann aus dem Haus: „Die machen nichts, sie wollen aber jeden Besucher begrüßen.“ Willkommen auf der New Life Ranch in Künzelsau-Kemmeten.

Reiterhof als gemeinnützige GmbH

Auf dem ehemaligen Bauernhof betreibt die 32-Jährige mit einigen Mitstreitern einen Reiterhof als gemeinnützige GmbH. Name des Unternehmens: Nah zu Dir. Er steht für erlebnispädagogische Hintergründe, durch die Menschen wieder nah zu sich selbst finden und die Grenzen zwischen den Einzelnen überwunden werden können.

Mit 26 einen Hof in Eigenregie übernommen

„Mein Vater wollte hier bereits eine erlebnispädagogische Hofstelle mit Paddeln und Klettern aufbauen“, erzählt die Hofbesitzerin. Sie selbst kam 2005 mit zwei eigenen Pferden auf den Hof, den sie schließlich 2010, mit gerade mal 26 Jahren, in Eigenregie übernommen hat. Bis 2015 war Katrin Scheuermann allein hauptverantwortlich für den Betrieb. Doch das wurde irgendwann zu viel. Also hat Manuela Heere, die zuvor in einer Sauna gearbeitet und in ihrer Freizeit auf der Ranch geholfen hat, sich ganz auf den Hof und die Arbeit daran eingelassen.

Beritt und Korrekturreiten fremder Pferde

Gemeinsam bieten sie Reitunterricht, geführte Ausritte, einen jährlichen Trailritt, Kindergeburtstage und geführtes Ponyreiten an. Ein Highlight ist in den Sommerferien das Kinderferienprogramm, bei dem die kleinen Reiter im Heu übernachten. Zusätzlich machen die beiden Frauen den Beritt und Korrekturreiten fremder Pferde und Verladetraining.

„Im Haus leben wir zurzeit in einer Sechser-WG zusammen“

Nach und nach werden die Gebäude des Hofes renoviert. In der alten Scheune sind nun Pferdeboxen mit Paddocks, der Kuhstall hat einen neuen Anstrich und am Haus wird das Fachwerk freigelegt und gestrichen. Das Innere des 200 Jahre alten Wohngebäudes wird stückweise modernisiert. Hinterm Stall entstand ein großer Reitplatz. Alles geschieht so weit wie möglich in Eigenregie. „Im Haus leben wir zurzeit in einer Sechser-WG zusammen“, beschreibt Katrin Scheuermann das Hofleben. Vier der Mitbewohner helfen auch auf dem Hof mit.

Die Renovierung des Hofs kostet viel Zeit und Geld.
Foto: GSCHWÄTZ / Sonja Bossert

Zwei Pferde erhalten auf dem Hof ihr Gnadenbrot

Die gebürtige Neuensteinerin wollte schon immer einen eigenen Hof und Pferde. „Bereits als Kind wusste ich, dass ich mir vom ersten Lohn nach der Lehre ein Pferd kaufe“, erzählt die gelernte Floristin. „Es ist einfach eine Herzensgeschichte.“ So bevölkern die Ställe zurzeit etwa 20 Pferde und Ponys, ein Maultier, Zwerghühner und Hasen, zwei Hängebauchschweine, zwei Katzen und die Hundemeute. Unter den elf betriebseigenen Pferden sind zwei etwa 40 Jahre alte Senioren, die hier seit zehn Jahren ihr Gnadenbrot erhalten – eine absolute Seltenheit. „Die zwei sind wie ein altes Ehepaar“, schmunzelt Katrin Scheuermann. Zu einem ihrer Pferde hat sie zudem eine besondere Beziehung: Sem of Noah. Ihn zog sie mit der Hand auf, weil ihn seine Mutter nicht annahm. Im nächsten Jahr wird noch eine Kuh mit ihrem Kalb einziehen. Sie soll auch geritten werden – den Sattel akzeptiert sie bereits.

Die Hundezucht sei harte Arbeit

Als zusätzliches Standbein züchtet Katrin Scheuermann seit drei Jahren Entlebucher Sennenhunde gezüchtet – auch ein Kindheitstraum der Besitzerin. „Das mache ich, solange ich seelisch und körperlich dazu in der Lage bin“, erklärt sie. Die Hundezucht sei harte Arbeit und nehme viel Zeit in Anspruch. Das Abgeben der Jungtiere geschieht dann mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Wichtig ist, wie man sich die Käufer aussucht.“ So hält immer wieder neues Leben auf dem Hof Einzug. Deshalb auch der Name der Ranch – New Life. Es ist ein Kommen und Gehen, ein Wechsel und ein stetiger Neuanfang.