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Ein Angebot, das Sie nicht ablehnen können

Die Kreisverwaltung möchte, dass der Kreistag am 26. September 2022 in Öhringen beschließt, der Hohenloher Krankenhaus gGmbH freie Hand bei der Vermarktung des Krankenhausgebäudes in Künzelsau zu lassen. Insbesondere soll der Kreistag mitbeschließen, dass das Gebäude auch abgerissen werden darf, wodurch dem Kreis für den Abbruch ungenannte Kosten entstehen werden, so stünde es im Konsortialvertrag. Ein eventueller Erlös aus der „Vermarktung“ des Gebäudes und des Grundstücks soll die Finanzkraft der Betreibergesellschaft stärken.

Kreis trägt derzeit Unterhaltskosten

Unbestritten ist, dass der Kreis für den Unterhalt des Gebäudes derzeit die Kosten trägt. Dass der Kreis dieses Geld auch für andere Zwecke sinnstiftend einsetzen kann, ist ebenfalls unbestritten, gerade in der heutigen Zeit. Wie hoch diese Kosten sind? Das steht nicht im Beschlußantrag der Verwaltung. Unbestritten ist auch, dass der Kreis für die Bereitstellung von Flüchtlingsplätzen Geld erhält – auch die Höhe dieses Betrages ist bisher nicht in die Diskussion eingebracht.

Abriß wäre auch ein symbolischer Akt

Ein Abriss des Gebäudes wäre nebenbei auch ein symbolischer Akt, ein Zeichen, dass die Ära „Krankenhaus Künzelsau“ ein für allemal und unwiederbringlich vorbei ist.

Von „marode“ war lange nicht die Rede

Deutlich weniger unbestritten ist die Aussage, dass das Gebäude „marode“ sei. Kurz vor der Schließung des Krankenhauses, als es noch darum ging, einen Investor zu finden, war von „marode“ ganz und gar nicht die Rede. Die Gutachten sind der Öffentlichkeit nicht bekannt, es ist weder die konkrete Fragestellung an die Gutachter bekannt, noch sind Zeitpunkt und Anlass der Fragestellung bekannt. Geschweige denn, dass die Antworten im Detail bekannt wären.

MVZ: Versprechen nicht eingelöst

Ebenfalls nicht bekannt ist, wann es endlich das versprochene Medizinische Versorgungszentrum in Künzelsau geben wird. Dieses MVZ wurde der Bevölkerung vom Kreis als Kompensation für die Anlaufstelle Krankenhaus versprochen und besteht momentan aus einer Webseite und de facto einer Praxis für Gynäkologie – die zweite auf der Webseite genannte Praxis ist verwaist. Seit Jahren fordert Künzelsau die Einhaltung dieses Versprechens, nur: es tut sich nichts Sichtbares. Verantwortlich für den Aufbau dieses MVZ wäre die Hohenloher Krankenhaus gGmbH, die dem Hohenlohekreis und der BBT-Gruppe gehört.

Ein Sahnestück für hochpreisige Wohnungen oder ein Altenheim

Für einen eventuellen Investor könnte sich das Krankenhaus als ein Sahnestück herausstellen. Das Grundstück ist an das Ärztehaus MediKün angebunden, die komplette Infrastruktur wurde vor wenigen Jahren erneuert und ist auf dem neuesten Stand. Dazu hat es einen direkten Anschluß an den Wald. Man könnte dort stadtnahe und ruhige Wohnungen für betuchte Kreise errichten. Oder ein Altenheim. Beides Dinge, die Investoren immer wieder für Künzelsau vorschlagen. Und beides sind genau die Vorschläge, die Künzelsau vielleicht nicht am Dringendsten benötigt.

Kreisverwaltung drängt mit deutlichen Worten

Ausschnitt aus der Beschlußvorlage der Verwaltung. Foto: Sitzungsunterlagen

In ihrer Beschlußvorlage für den Kreistag fordert die Kreisverwaltung von der Stadt Künzelsau unmißverständlich auf, unmittelbar Baurecht für das Gelände zu schaffen. Diese Sätze klingen fast filmreif, ungefähr wie ein Angebot, das die Stadt nicht ablehnen kann: „Wenn Du kein Loch in der Stadt haben willst, dann tu mir halt einen kleinen Gefallen“. Marlon Brando grüßt aus der Ferne.

Eine Verwaltung will einem gewählten Parlament Vorschriften machen

Dieser Stil ist, gelinde gesagt, in einer Demokratie nicht angebracht. Eine Verwaltung kann einem demokratisch gewählten Parlament, in diesem Falle dem Künzelsauer Gemeinderat, keine Vorschriften machen, wie es abstimmen soll. Es ist, als würde „die Verwaltung“ der Stadt Künzelsau einen Fehdehandschuh hinwerfen: Sie bringt Schärfe in eine Auseinandersetzung, die vor dem Beschlußantrag noch gar nicht bestanden hat.

Ein Gschmäckle

So dringlich, wie die Kreisverwaltung das Thema formuliert, ist das Thema aber eigentlich gar nicht: Die Mietverträge der Noch-Mieter im Krankenhausgebäude laufen ja noch, einer sogar bis 2027. Und fünf Jahre wären eine lange Zeit, um Baurecht zu schaffen. Wären … wenn nicht die Verwaltung schon betonen würde, dass sie daran interessiert ist, dass die Mieter „anderweitig unterkommen“. Auch über diese Kosten steht nichts im Beschlussantrag.

Wohin geht die Tagesklinik?

Welche Räumlichkeiten in Künzelsau sollten denn beispielsweise kurzfristig für die Tagesklinik bereitstehen? Oder soll diese Institution womöglich aus Künzelsau fortgehen?

Steckt hinter dem Kostenargument möglicherweise ein ganz anderes? Steht etwa bereits ein Investor in den Startlöchern, der Interesse an dem Grundstück hat und der einen schnellen Projektbeginn wünscht?

Vorschlag für die Weiternutzung

Auf der anderen Seite ist die Stadt Künzelsau natürlich auch nicht gezwungen, Baurecht zu schaffen. Ein leerstehendes und nicht nutzbares Krankenhaus kann eine Weile als kleine Erinnerung an das Versprechen eines gut ausgestatteten MVZ erhalten bleiben. Vielleicht kann das Gebäude irgendwann zu einem Museum für stillgelegte Krankenhäuser im Land Baden-Württemberg umgewidmet werden. Manfred Lucha würde sicherlich gerne die Namenspatenschaft für ein solches Museum übernehmen.

Ein Kommentar von Matthias Lauterer




Schwerer Verkehrsunfall auf der A6 Richtung Nürnberg, Höhe Bretzfeld, Rettungskräfte vor Ort

Vermutlich aufgrund eines medizinischen Notfalls kam es am Montagmittag auf der A6 bei Bretzfeld zu einem Unfall. Ein 57-Jähriger befuhr gegen 12.40 Uhr die Autobahn in Richtung Nürnberg. Dort fuhr er plötzlich vom rechten auf den linken Fahrstreifen und kollidiert mit der Mittelleitplanke, von welcher er abgewiesen wurde und kam schließlich auf dem Standstreifen zum Stehen. Der Mann wurde aus seinem VW Bus geborgen, erlag aber noch an der Unfallstelle seinen schweren Verletzungen. Das Fahrzeug war nicht mehr fahrbereit und wurde abgeschleppt. Die Fahrbahn musste während der Unfallaufnahme bis circa 14.45 Uhr gesperrt werden.

Pressemitteilung Polizei Heilbronn




Klimademo in Künzelsau

Am Freitag, 23. September 2022, veranstalten eine Reihe von Umweltorgansisationen in Deutschland und der ganzen Welt einen erneuten Klimastreik. Über 250 Demonstrationen sind bis jetzt schon in Deutschland angemeldet, eine davon in Künzelsau.

Die Demonstration ist für 13:30 am alten Rathaus in Künzelsau geplant.




Autos mit „Z“-Symbol besprüht

Das Polizeirevier Künzelsau sucht Zeugen, nachdem Unbekannte am frühen Sonntagmorgen, 18. September 2022 in Künzelsau Fahrzeuge mit Farbe besprühten. Insgesamt sieben Pkws wurden zwischen 2.30 Uhr und 8.30 Uhr in der Leonardo-da-Vinci-Straße, der Spitzwegstraße und der Taläckerallee beschädigt. Auf alle wurde mit heller, gräulicher Farbe ein Z-Symbol auf die Motorhaube oder die Heckscheibe gesprüht.

Es wird von einem Sachschaden von mehreren hundert Euro ausgegangen. Zeugen, die verdächtige Wahrnehmungen machen konnten oder Hinweise zu den Taten oder den Tätern geben können, werden gebeten, sich unter der Telefonnummer 07940 9400 beim Polizeirevier Künzelsau zu melden.

Pressemitteilung Polizei Heilbronn




Wesen aus Märchen, Mythen und fantastischen Welten in Hohebuch

Nach langer Pause lädt der Verein Kunstform Marionette e.V.  vom 28. bis 30. Oktober 2022 zum Festival der Marionette in die Heimvolkshochschule Hohebuch ein.

Alle Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen und der Kartenreservierung:

 

 

Pressemitteilung




Möglicher Abriss des Krankenhausgebäudes in Künzelsau

Am Montag, den 26. September 2022 wird die nächste öffentliche Sitzung des Kreistags stattfinden. Beginn ist um 14:00 in der Kultura in Öhringen. Gleich zu Anfang der Tagesordnung steht der Punkt „Zukunft Krankenhausgebäude Künzelsau“.

Es geht dabei nicht etwa darum, dass dort das lange versprochene Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) ganz groß entstehen wird (wir berichteten). Es geht vielmehr darum, dass der Landkreis auf seine „Initiativrechte“ aus dem Konsortialvertrag verzichten will und die Weiternutzung oder -verwendung komplett in die Hände des Krankenhausträgers, der Hohenloher Krankenhaus gGmbH) zu legen. Ganz konkret soll der Kreistag, so beantragt es die Verwaltung, „sowohl einer Veräußerung des ehemaligen Krankenhausareals in Künzelsau als auch einem Abriss des alten Krankenhausgebäudes“ zustimmen. Außerdem sollen die Vertreter des Kreises in der Gesellschafterversammlung beauftragt werden, das Areal bestmöglich zu vermarkten. Der Kreistag möge also beschließen, der Betreibergesellschaft bei der Vermarktung völlig freie Hand zu lassen.

Keine Nutzungsmöglichkeit

Die „Substanz ist marode“, das hätten mehrere Gutachten bestätigt, gibt die Verwaltung an. Die Gutachten selbst sind der Öffentlichkeit bisher nicht bekannt, eine unabhängige Prüfung dieser Aussage ist somit derzeit nicht möglich. „Der Landkreis selbst hat nach ausführlichen Untersuchungen keine langfristige Nutzungsmöglichkeit für das Gebäude. Sämtliche Nutzungen selbst als Verwaltungsinterim wären unwirtschaftlich und ungeeignet.“ Das zumindest ist die Aussage der Verwaltung. Alle Mietverträge würden spätestens 2027 auslaufen, die Kreisverwaltung scheint sogar interessiert zu sein, die Mieter „anderweitig unterkommen“ zu lassen.

Die Hohenloher Krankenhaus gGmbH betreibt das Krankenhaus in Öhringen und einige weitere gesundheitsnahe Dienstleistungen. Getragen wird die Gesellschaft vom Hohenlohekreis und der Barmherzige Brüder Trier-Gruppe (BBT), die auch die Mehrheit der Anteile hält.

Auch der Betreiber, die Hohenloher Krankenhaus gGmbH, sieht laut dieser Sitzungsvorlage keine Möglichkeit einer Weiternutzung des Gebäudes. Angesichts der enormen Investitionsrückstände halte man auch keine „sinnvolle Sanierung des Gebäudes für möglich“.  

Ein Sahnestück für Investoren – das Künzelsauer Krankenhaus-Gelände. Foto: Sitzungsunterlagen Kreistag

Kosten trägt derzeit der Kreis

Derzeit trägt der Landkreis aufgrund seiner Zahlungsverpflichtungen aus dem Konsortialvertrag die laufenden Unterhaltungs und Instandhaltungskosten. Um den Landkreis von den zukünftigen Kosten zu entlasten und die Finanzkraft der HK gGmbH zu stärken, soll das Areal bzw. das Gebäude „vermarktet“ werden. 

Schwarzen Peter auf die Stadt Künzelsau geschoben

Die Stadt Künzelsau soll nun – das ist laut Sitzungsvorlage der Plan der Kreisverwaltung – schnellstmöglich Baurecht schaffen, da mit dem derzeitigen Bebauungsplan keine sinnvolle Vermarktung möglich sei. Ohne Baurecht würde nach einem Abrisseine Freifläche entstehen, die für den Hohenlohekreis dann zumindest keine hohen laufenden Kosten mehr bedeuten würde“. Schnell Baurecht zu schaffen, sei „zwingend notwendig“, so sagt es zumindest die Kreisverwaltung. 

Keine Aussage über Kosten

Wie hoch die laufenden Kosten sind, sagt die Verwaltung in ihrem Antrag allerdings nicht. Allerdings sagt sie, dass der Landkreis bei einem eventuellen Abriß die Abrißkosten aus eigener Tasche bezahlen muss. Eine Kostenschätzung für den eventuellen Abriss nennt die Verwaltung ebenfalls nicht.

Alternativen

Momentan sind im Krankenhaus Flüchtlinge untergebracht. Das Medizinische Versorgungszentrum, das den Bürger:innen von Künzelsau versprochen wurde, ist de facto nicht vorhanden: Eine einzige Praxis umfasst dieses Zentrum, eine Praxis für Frauenheilkunde. Die Allgemeinmedizinische Praxis ist derzeit unbesetzt. „Wir bemühen uns intensiv darum, diesen Arztsitz neu zu besetzen“, sagt Ute Emig-Lange, Pressesprecherin des Caritas Krankenhauses in Bad Mergentheim.

Ein Krankenhausgebäude mit der nötigen Infrastruktur könnte der Stadt Künzelsau helfen, gesundheitliche und gesundheitsnahe Dienstleistungen an einem zentralen Ort zusammenzuführen – ein Ärztehaus mit mehreren unterschiedlichen Praxen befindet sich ja bereits vor Ort. Durch entsprechende Vernetzung der Einrichtungen könnte eine ganz neue patientenorientierte Versorgung entstehen.

Auf der anderen Seite benötigt Künzelsau preiswerten Wohnraum. Ein Gebäude, das einerseits viele recht geräumige Zimmer mit allen benötigten Sanitäranschlüssen aufweist, andererseits aber auch Räumlichkeiten für Gemeinschaftsunternehmungen, wäre für ein Studentenwohnheim sicherlich geeignet, auch wenn es nicht im modernsten Zustand sein sollte. Auch würde ein solches Wohnheim – so war bei der Diskussion um das MUSTANG-Gelände immer argumentiert worden – Wohnraum in der Stadt schaffen, da Student:innen Mehrzimmerwohnungen freigeben und in ein solches Wohnheim ziehen würden.

Ein wahres Sahnestück

Das Grundstück ist jedenfalls durchaus ein Sahnestück, das Investoren anlocken dürfte. Vor allem, wenn es bereits baureif, das heißt: ohne Gebäude und mit Baurecht, übergeben werden könnte.

Text: Matthias Lauterer

 

 

 

 

 

 

 

 




„Auffällig ist der herbe Dialekt und der Respekt vor der Polizei“

„Woran erkennt man ein Hohenloher Gemüt bei der Polizeiarbeit?“, denkt Daniel Fessler laut nach. Daniel Fessler ist einer der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Hohenlohe und diese Frage kommt auf, als Daniel Fessler am Freitag, den 09. September der Einladung zu einem Lokaljournalismus-Workshop für Jungjournalisten in die Redaktion GSCHWÄTZ  folgt.

Zuständigkeitsbereich größer als das Saarland

Mit einer Fläche von 4.407 km² ist das Polizeipräsidium Heilbronn das größte in Baden-Württemberg und somit größer als das Saarland. 1669 Beschäftigte, davon 1394 Polizeibeamt:Innen in der Region sind für die Stadt- und Landkreise Heilbronn, Main-Tauber, Neckar-Odenwald und Hohenlohe aktiv. Damit ist ein Beamter für etwa 612 Einwohner verantwortlich.
Diese Fläche macht den Beamten die Arbeit nicht immer leicht – zumal es laut Fessler deutliche regionale Unterschiede in den Verhaltensweisen der Einwohner:innen von Süd bis Nord gibt.

Kulturelle Unterschiede zwischen den Landkreisen

„Die Leute ticken einfach anders“, beschreibt Daniel Fessler seine Erfahrungen mit den verschiedenen Landkreisen. Man könne fast schon von kulturellen Unterschieden sprechen. Wie Daniel Fessler den typischen Hohenloher beschreiben würde?

„Auffällig ist der herbe Dialekt und der Respekt vor der Polizei.“ Ja, die Hohenloher sind besonders obrigkeitshörig. Was wohl daran liegt, dass die Polizei zumeist nur bei tatsächlichen Einsätzen gesehen wird, weniger als Teilnehmer des Alltags, wie es in Städten mit viel Publikumsverkehr zu beobachten ist.

Rollläden während des Urlaubs unten lassen, sei definitiv kein Schutz vor Einbrechern

Die Kriminalität sei von einigen Faktoren abhängig, beispielsweise von der Jahreszeit, da es in den dunklen Jahreszeiten öfter zu Einbrüchen kommt. Fesslers Bemerkung am Rande: „Die Rollläden im Urlaub runter zu lassen bringt absolut keinen Schutz – für Einbrecher stellen sie, außer etwas mehr Lärm, kaum ein Hindernis dar. Dazu machen sie unverkennbar deutlich, wer gerade nicht zuhause ist.“

„Ermittlungstaktische Gründe“

Zu aktuellen Fällen kann er keine Angaben machen. Auch auf die Frage, wie es um den Motd in Belsenberg steht, antwortet er: „Hierzu kann ich aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben machen.“

Diese Aussage bedeute aber nicht unbedingt, dass es keine Fortschritte gebe. In vielen Fällen habe die Zurückhaltung der Informationen hinsichlich der Öffentlichkeit vor allem einen Grund: Weiteren Verbrechen vorzubeugen. Denn je mehr über die Ermittlungen enthüllt wird, desto leichter können Kriminelle davon lernen.

Wenige Brennpunkte im Hohenlohekreis

Dafür zeigt er Statistiken, die vor Augen führen, dass der Hohenlohekreis nicht nur „vom Gefühl her wenige Brennpunkte hat“, sondern auch auf dem Papier. So hat er in den Jahren 2017 bis 2021 jeweils die niedrigste Zahl der erfassten Kriminalfälle, unter 5000.

Zum Vergleich: Im Landkreis Heilbronn findet im gleichen Zeitraum jährlich durchschnittlich etwa 10.000 Straftaten statt.

Im Polizeipräsidium Heilbronn werden sind die meisten Straften mit 26,4% der Kategorie „sonstige Strafbestände“ zuzuordnen. Vermögens- und Fälschungsdelikte liegen mit 18,8% auf dem zweiten Platz. Er verweist auf die Webseite des Polizeipräsidiums Heilbronn, wo diese beiden sowie weitere Statistiken der vergangenen Jahre zur Einsicht hinterlegt sind: PKS-gesamt.pdf (polizei-bw.de).

Auch die Gewalt gegen Einsatzkräfte sei in den letzten Jahren angestiegen. Persönliche Erfahrungen mit körperlicher Gewalt hat er vor allem bei Einsätzen, bei denen Drogen, Alkohol oder psychische Erkrankungen im Spiel waren, gemacht.

Besonders bewegt hat ihn in der letzten Zeit der Fall von Kusel, bei dem zwei Polizisten durch Schüsse ums Leben kamen. Zum einen der Umstände wegen, da es sich um eine übliche Fahrzeugkontrolle handelte, zum anderen, weil die Beamten in seinem Alter waren.

„Ich hätte es genauso gut sein können“, sagt er.

Text: Anna-Lena Eißler

 

 




Laut LKA keine Ermittlungen im Hohenlohekreis

Sie soll bundesweit gefälschte Corona-Impfnachweise verkauft haben. Seit Januar 2022 ermitteln die Staatsanwaltschaft Freiburg und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg (LKA BW) gegen eine 41-Jährige aus dem Raum Freiburg. Diese soll im Zeitraum von März 2021 bis Februar 2022 gefälschte Corona-Impfnachweise über einen Messenger-Dienst gegen Entgelt gewerblich vertrieben haben. Den Ermittlungen zufolge versendete die 41-Jährige die Nachweise via Post und übergab diese auch persönlich

Am 14. September 2022 fanden bundesweit auf Initiative des LKA BW Durchsuchungsaktionen statt, bei der 23 Polizeidienststellen insgesamt 36 Wohnungen durchsuchten. In Baden-Württemberg waren rund 60 Kriminalbeamtinnen und Kriminalbeamte im Einsatz und durchsuchten 18 Objekte. Hierbei wurden umfangreiche Beweismittel wie beispielsweise gefälschte Impfnachweise und Datenträger sichergestellt, die derzeit ausgewertet werden.

Die Ermittlungen des LKA BW dauern an. Der 41-jährigen droht eine Anklage wegen Urkundenfälschung in mehreren Fällen.

Quelle: Landeskriminalamt Baden-Württemberg

 

 




Bürgerbudget Künzelsau: Online-Abstimmung beginnt am Montag, 19. September 2022

Nicht ohne Widerspruch verlief die Vorstellung der Projekte für das Künzelsauer Burgerbudget am Dienstag, 13. September 2022 im Künzelsauer Gemeinderat. Schon die Verwaltung war sich nicht sicher, ob drei der vorgestellten Projekte den Projektrichtlinien entsprachen und merkte an, dass eine Entscheidung über enthaltene Personalkosten vom Gemeinderat zu treffen sei. Der Vorschlag der Verwaltung lautete, die Personalkosten als eine Art Anschubfinanzierung für ein Jahr zu genehmigen.

„Wir sehen das eigentlich nicht ein“

Für die SPD/GRÜNE-Fraktion äußert Hans-Jürgen Saknus Bedenken: er plädiert dafür, Projekte mit Personalkosten nicht zuzulassen, genausowenig wie Projekte, die ausschließlich vereinsinterne Zwecke verfolgen und stellt einen entsprechenden Antrag. Verena Löhlein-Ehler (Die Freien) könnte sich vorstellen, auch Projekte mit einer Anschubfinanzierung für Personal zu unterstützen. „Man könnte das mal probieren, aber man muß das überprüfen“, sagt sie. Einen Ausschluß empfinde sie als unfair.  Wolfgang Schmelzle (FfK) mag nicht für Projekte mit Personalkosten stimmen: „Wir sehen das eigentlich nicht ein“. Robert Volpp spricht für die CDU-Fraktion und empfiehlt, die Anträge diesmal zuzulassen und den Verlauf zu beobachten.

Die Abstimmung ergab ein Ergebnis von elf Ja- und acht Nein-Stimmen für den Antrag von Hans-Jürgen Saknus. Die drei abgelehnten Projektanträge stehen daher nicht zur Abstimmung. Die weiteren acht Vorschläge wurden vom Gemeinderat einstimmig zur Abstimmung zuzulassen.

Abstimmung beginnt ab 19. September 2022

Die Stadtverwaltung Künzelsau informiert mit der folgenden Pressemitteilung über die Abstimmungsmodalitäten

Mitmachen und mitentscheiden – darum geht es beim Künzelsauer Bürgerbudget. Auch in diesem Jahr haben die Künzelsauer Vereine, Organisationen und Bürger vielseitige Projektideen vorgeschlagen. Über diese kann nun vom 19. September bis 16. Oktober 2022 abgestimmt werden. „Das Bürgerbudget läuft bereits in der vierten Runde und auch diesmal sind tolle Bürgerprojekte von und für Künzelsau mit dabei“, freut sich Bürgermeister Stefan Neumann. „Mit dem Bürgerbudget können wir bürgerschaftliches Engagement ganz konkret und unkompliziert fördern. Ich danke allen, die sich beteiligen und ihre Idee mit einbringen.“ Das Bürgerbudget ist auch dieses Jahr wieder überzeichnet. Insgesamt stehen 50.000 Euro zur Verfügung.

Foto: Robert Kneschke, shutterstock.

Online abstimmen und mitentscheiden

Die Künzelsauer Bevölkerung kann nun mitentscheiden und online abstimmen: Welche Projekte sollen mit dem Bürgerbudget gefördert werden? Acht Projekte stehen in diesem Jahr zur Auswahl. Die Abstimmung ist von Montag, 19. September bis Sonntag, 16. Oktober 2022 geöffnet. Alle Künzelsauer Einwohnerinnen und Einwohner ab 16 Jahren können sich daran beteiligen und einmal abstimmen. Über die städtische Webseite www.kuenzelsau.de/buergerbudget gelangt man zu den Projektvorstellungen und zum Online-Voting. Für Einwohnerinnen und Einwohner ohne Zugang zur Online-Abstimmung ist eine Möglichkeit zur Stimmabgabe im Bürgerbüro im Rathaus eingerichtet. Im Oktober 2022 gibt der Gemeinderat die 50.000 Euro für die Siegerprojekte des Bürgerbudgets frei und die Umsetzung der Projekte kann beginnen.

Projektvorstellung

Für folgende Projekte kann abgestimmt werden:

Aromapflege in der Begleitung von schwerstkranken und sterbenden Menschen (Hospizdienst Kocher/Jagst)
Antragsumme: 4.500 Euro

Nutzbarmachung des Tonstudios und Bandprobenraums im alten Bahnhof (Jugendkulturverein Kokolores e.V.)
Antragsumme: 9.000 Euro

Kippster für Künzelsau (AG Abfallvermeidung Klimabeirat)
Antragsumme: 5.000 Euro

Künzelsau wird verpackungsfrei (Hohenlohe for Future)
Antragsumme: 3.000 Euro

Neue Campus-Mitte: Aufwertung der Außenanlage durch zusätzliche Sitzgelegenheiten und Sport- und Spielgeräte für alle (Hochschule Heilbronn Campus Künzelsau)
Antragsumme: 8.100 Euro

Outdoor Fitnessstation (SSV Gaisbach)
Antragsumme: 18.000 Euro

Ein Trinkwasserbrunnen für die Hauptstraße (Werbegemeinschaft Künzelsau)
Antragsumme: 9.000 Euro

Schwimmfloß fürs Hallenbad TollKÜN (TSV Künzelsau Abteilung Schwimmen)
Antragsumme: 1.400 Euro

Informationen und Abstimmung

Alle Informationen rund um das Künzelsauer Bürgerbudget – auch der Link zur Online-Abstimmung – gibt es auf der städtischen Webseite unter www.kuenzelsau.de/buergerbudget. Hier und auf der städtischen Facebook-Seite werden während des Abstimmungszeitraums die Projekte näher vorgestellt.

Wie auch in den letzten Jahren stellt die Stadt Künzelsau insgesamt 50.000 Euro für die Projekte zur Verfügung. Die Antragssumme der zugelassenen acht Projekte liegt bei 58.000 Euro.

Text: Matthias Lauterer / Pressemitteilung Stadt Künzelsau




„Es tut der Region gut und es tut den Schülern gut“ 

Ein Freund langer Reden scheint Markus Kratschmayer nicht zu sein: „Wir haben das gemacht und wir machen das gerne weiter“, sagte der Betriebsleiter der Kratschmayer Kälte-Klima-Lüftung GmbH in Hohebuch, als er am 15. September ein zweites MINTec-Fahrzeug an die Innovationsregion Hohenlohe übergab.

Für ihn ist es wichtig, die Schüler:innen früh schon an das Handwerk heranzubringen, denn für Handwerksunternehmen seien junge Menschen wichtig. Das Unternehmen engagiert sich daher sehr in der Ausbildung junger Menschen: Von den 260 Mitarbeitern der Firma, so Markus Kratschmayer, seien 40 Auszubildende. „Grundsätzlich übernehmen wir jeden Azubi, der die Prüfung besteht und in der Firma bleiben will“, gibt er jungen Menschen, die sich für technische Berufe interessieren, eine Perspektive.

Markus Kratschmayer. Foto: GSCHWÄTZ

Nicht die erste Spende von Kratschmayer

Bereits vor einigen Jahren spendete die Firma ein Fahrzeug an die Innovationsregion Hohenlohe. Dieses Fahrzeug war bisher im Einsatz, um Schülern der Grundschulen im Hohenlohekreis spielerisch den Zugang zur Technik zu ermöglichen: „Viele Kinder haben zuhause gar keinen Zugang mehr zur Technik. Für die ist es toll, wenn sie etwas selber bauen können und das mit nach Hause nehmen können“, sagt Sina Specht aus der Marketingabteilung von Kratschmayer. Mirjam Rammhofer, die Geschäftsstellenleiterin des Vereins Innovationsregion Hohenlohe, weist auf die Rolle des Schulamts hin, ohne dessen Unterstützung ein solches Projekt direkt in den Schulen nicht möglich wäre.

Zur Marke geworden

Peter Lippold (links) und Matthias Maier freuen sich sichtlich. Foto: GSCHWÄTZ

Matthias Maier, einer der beiden Lehrer, die mit dem MINTec-Mobil in die Schulen fahren, stellt fest: „Das ist inzwischen eine Marke geworden“, sein Kollege Peter Lippold ist glücklich: „Mit jetzt zwei Touren können wir mehr Kinder erreichen. Die Schulen, die Eltern und die Kinder schätzen das Angebot“, weiß er und fügt, an Markus Kratschmayer gewandt, hinzu: „Und die Firmen und Betriebe kriegen vielleicht den einen oder anderen Azubi“. „Das ist ja auch ein Grund, warum wir das machen“, lacht Kratschmayer.

MINTec steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Die beiden Fahrzeuge sind vollgepackt mit Werkzeugen und Materialien, viel Holz ist zu sehen. Auf die Frage, wieviel Mathematik in dem Fahrzeug steckt, meint Lippold: „Ganz viel – das fängt beispielsweise schon damit an, wenn wir etwas messen müssen“.
Maier und Lippold berichten, dass sie regelmäßig 21 Schulen im Kreis anfahren. Jeweils zwei Stunden dauern die Unterrichtseinheiten. Als die Beiden berichten, dass einige Firmen Azubis abstellen, um die Fahrten als „Paten“ zu begleiten, wird Markus Kratschmayer hellhörig und überlegt spontan, wie er das möglicherweise organisieren könnte.

„Es tut der Region gut und es tut den Schülern gut“

Dr. Stefanie Leenen, Vorsitzende des Vereins Innovationsregion Hohenlohe. Foto: GSCHWÄTZ

Dankbar für die Spende des zweiten Fahrzeugs ist Dr. Stefanie Leenen, Vorsitzende des Vereins Innovationsregion Hohenlohe: „Es tut der Region gut und es tut den Schülern gut, und natürlich fährt auch immer ein Firmenlogo mit“ – die Unternehmen, die sich engagieren, dürfen also auch gerne etwas zurückbekommen.

Inzwischen sind es 19 produzierende Unternehmen und  7 Dienstleister, die sich zum Verein Innovationsregion Hohenlohe zusammengeschlossen haben. Dazu kommen der Hohenlohekreis, die Stadt Künzelsau sowie proREGION Hohenlohe-Franken. Die 29 Mitglieder haben sich zum Ziel gesetzt, dass der Standort Hohenlohe auch 2030 noch der bestmögliche Standort für die Unternehmen bleibt. Hauptziele des Vereins sind Standortsicherung und Strukturförderung – dazu haben die Mitglieder ein Netzwerk aufgebaut, das nicht nur aus Politik, Ministerien, staatlichen Stellen, Verwaltung oder Wissenschafts- und Bildungseinrichtungen besteht.

„Wichtig sind uns eine gut funktionierende Infrastruktur, eine hervorragende Hochschul- und Bildungslandschaft und die gute Weiterentwicklung unserer Region der Weltmarktführer und ihrer Attraktivität und Anziehungskraft auch für von weiter herkommende Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und ihrer Familien“, schreibt der Verein auf seiner Webseite.

Die MINTec-Mobile sollen „auch in der Primarstufe im Hohenlohekreis das MINTec-Angebot „Grundschultechnik“ flächendeckend ermöglichen.“

Text: Matthias Lauterer