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„Engagierte und treue Mitarbeitende sind das Rückgrat eines jeden Unternehmens.“

Nach der Corona-Pause setzt GEMÜ die lang gepflegte Tradition der Jubilarfeier fort. Die Jubilar/-innen sowie die Mitarbeitenden, die dieses Jahr in den Ruhestand verabschiedet wurden, waren am 23. September 2022 zu einem festlichen Dinner im Schloßhotel Ingelfingen eingeladen.

Festakt im Schloßhotel Ingelfingen

Im Rahmen des Festaktes im Restaurant des Schloßhotels ließ der geschäftsführende Gesellschafter Gert Müller zusammen mit Geschäftsführer Stephan Müller einige bemerkenswerte Ereignisse und Meilensteine der vergangenen Jahre und Jahrzehnte Revue passieren. Hierbei würdigten sie die Loyalität der langjährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit Ihrer Arbeit den Grundstein für zukünftige Erfolge gelegt haben.

Drei Jubilare schon 45 Jahre im Betreieb

Gert Müller gratulierte im Anschluss an seine Ansprache allen anwesenden Jubilar/-innen und Rentner/-innen und überreichte ihnen als Anerkennung ein Präsent sowie ein Fotobuch zur Erinnerung an das Jubiläumsjahr. Besonders erwähnt wurden dabei die drei Jubilare, die mit stolzen 45 Jahren Betriebszugehörigkeit ein ganz besonderes Jubiläum feiern. Beim anschließenden Essen haben die Gäste ihre persönlichen Erinnerungen und so manche lustige Anekdote der letzten Jahre ausgetauscht.

„Engagierte und treue Mitarbeitende sind das Rückgrat eines jeden Unternehmens.“

„Engagierte und treue Mitarbeitende sind das Rückgrat eines jeden Unternehmens. Allen Jubilaren und Jubilarinnen sowie unseren Rentnern und Rentnerinnen gilt unser herzlicher Dank für ihre langjährige Treue und ihren Beitrag am gemeinsamen Erfolg. Ihre Loyalität macht uns stolz und dankbar,“ so Gert Müller. „Langjährige Betriebszugehörigkeiten sind durchaus keine Seltenheit bei GEMÜ. Es ist ein Ausdruck nachhaltiger Unternehmenskultur und zeigt die Verbundenheit der Mitarbeitenden zu unserem Familienunternehmen.“

Die GEMÜ Gruppe entwickelt und fertigt Ventil-, Mess- und Regelsysteme für Flüssigkeiten, Dämpfe und Gase. Bei Lösungen für sterile Prozesse ist das Unternehmen Weltmarktführer.

Das global ausgerichtete, unabhängige Familienunternehmen wurde 1964 gegründet und wird seit 2011 in zweiter Generation von Gert Müller als geschäftsführendem Gesellschafter gemeinsam mit seinem Cousin Stephan Müller geführt.

Die Unternehmensgruppe erzielte im Jahr 2022 einen Umsatz von über 450 Millionen Euro und beschäftigt heute weltweit über 2.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon mehr als 1.200 in Deutschland. Die Produktion erfolgt an sechs Standorten: Deutschland, Schweiz und Frankreich sowie in China, Brasilien und den USA. Der weltweite Vertrieb erfolgt über 28 Tochtergesellschaften und wird von Deutschland aus koordiniert. Über ein dichtes Netz von Handelspartnern ist GEMÜ in mehr als 50 Ländern auf allen Kontinenten aktiv.

Geehrt wurden für
10 Jahre Betriebszugehörigkeit: 58 Mitarbeitende
20 Jahre Betriebszugehörigkeit: 26 Mitarbeitende
25 Jahre Betriebszugehörigkeit: 12 Mitarbeitende
30 Jahre Betriebszugehörigkeit: 7 Mitarbeitende
35 Jahre Betriebszugehörigkeit: 6 Mitarbeitende
40 Jahre Betriebszugehörigkeit: 4 Mitarbeitende
45 Jahre Betriebszugehörigkeit: 3 Mitarbeitende

In den Ruhestand verabschiedet wurden 7 Mitarbeitende.

Pressemitteilung GEMÜ

 

 

 

 

 




Kreistag stellt Freibrief für die „Vermarktung“ des Künzelsauer Krankenhausgebäudes aus

Mit 7 Gegenstimmen hat der Kreistag in seiner Sitzung vom 26. September 2022 den Antrag der Verwaltung angenommen, der Betreibergesellschaft, der Hohenloher Krankenhaus gGmbH (HK),  freie Hand bei der „Vermarktung“ des Künzelsauer Krankenhausgebäudes und des zugehörigen Grundstücks zu lassen.

„Ein Gebäude, das nicht nutzbar ist, kann nicht erhalten werden, auch nicht aus politischen Gründen“

Landrat Dr. Matthias Neth betonte zu Beginn der Diskussion: „Ein Gebäude, das nicht nutzbar ist, kann nicht erhalten werden, auch nicht aus politischen Gründen“. Er nennt einige wenige Zahlen: 2018 seien die Abrißkosten – die Fall der Fälle der Kreis aufgrund vertraglicher Bestimmungen zu tragen hätte – auf drei Millionen Euro geschätzt worden, an jährlichen Unterhaltskosten fielen im Durchschnitt jährlich 260.000 Euro an, dabei seien Mieten und andere Einnahmen bereits abgezogen.

Neth nennt keine Beispiele und gibt keinen Einblick in die Gutachten

Versuche der Nachnutzung durch die Betreibergesellschaft seien alle gescheitert. Beispiele, welche Nachnutzungsmöglichkeiten untersucht wurden, nannte er nicht.  Außerdem gebe es eine Anzahl Gutachten, die dem Gebäude bescheinigten, dass es marode sei. Auch diese Gutachten und deren Historie standen offenbar den aktuellen Kreistagsmitgliedern nicht als Entscheidungsgrundlage zur Verfügung. „Dem alten Kreistag sind diese Gutachten bekannt“, so Neth. Dem neuen Kreistag offenbar nicht.

Jetzt der richtige Zeitpunkt

Neth spricht vom Entwicklungsinteresse der Stadt Künzelsau und davon, dass sich die Interessenlage der Stadt Künzelsau und die der HK doch decken würden: „Hat der Hohenlohekreis eine Verwendung für das Gebäude?“ fragt Neth rhetorisch und gibt gleich die Antwort: „NEIN, so hart es ist und so weh es tut.“ Und da der Kündigungstermin für den ein oder anderen Mietvertrag nahe, sei jetzt der richtige Zeitpunkt, für die Entscheidung. Zur Kündigung eines Mietvertrags hätte es allerdings den Kreistag nicht gebraucht.

BBT hat Versprechungen nicht eingehalten

„Mit dem jetzigen Zustand kann niemand zufrieden sein“, meint Hans-Jürgen Saknus (SPD) und schiebt den Schwarzen Peter in Richtung in BBT, wenn er darauf hinweist, dass die BBT, der Partner des Hohenlohekreises in der HK, ihre Versprechen bezüglich der medizinischen Versorgung, nämlich ein „Gesundheitszentrum, das neue Möglichkeiten bietet, nicht wahrgemacht hätte. „Die Weiterentwicklung ist untergegangen“. Seiner Meinung nach seien keine zukunftsweisenden Angebote vorgestellt worden, dass es „viele Projekte“ gegeben hätte, sei ihm nicht bekannt. Saknus ist auch Gemeinderat in Künzelsau, er hätte sicherlich von solchen Projekte erfahren, wenn es sie denn gegeben hätte.

Keine Idee für Nachnutzung: „Hausaufgaben nicht gemacht“

„Es geht doch darum, ob es eine Idee für eine Nachnutzung gibt“. Ob ein Gebäude „marode“ sei, dieses Thema stehe und falle mit der Art der Nachnutzung, meint Künzelsaus Bürgermeister Neumann. „Die Klimakrise hat auch damit etwas zu tun, wie wir mit unseren Gebäuden umgehen“. Auch er ist der Meinung, dass sich die BBT nicht genügend Gedanken zur Nachnutzung gemacht habe, die Verzahnung von staionärem Krankenhaus und den niedergelassenen Ärzten sei nicht gelungen: „Da hat die BBT ihre Hausaufgaben nicht gemacht, ihre Verantwortung noch nicht erfüllt.“ Er könne daher „heute noch nicht zustimmen“. Einen Antrag auf Vertagung der Abstimmung stellte er allerdings nicht.

Gutachten stimmt Neumann zu

Nach Informationen, die GSCHWÄTZ vorliegen, sagt ein Gutachten genau das, was Neumann formuliert: Die Kosten für die Renovierung des Gebäudes sind abhängig von der Art der Nachnutzung. Möglicherweise bezieht sich ja Neumann auf dieses Gutachten.

Ein regelrechtes Drohszenario aufgebaut

Geradezu ein Drohszenario baut Prof. Weidmann auf, wenn er Stefan Neumann mit „Lieber Stefan“ anspricht und sagt, die Stadt Künzelsau müsse bedenken, wer der größte Arbeitgeber und der größte Investor in der Stadt sei. „Das Leben ist ein Geben und Nehmen“ sagt er. Das kann man wirklich als eine Drohkulisse auffassen – oder als eine „offer, he cannot refuse“, wie es Marlon Brando im Film „Der Pate“ ausdrückt. Es sei eine „riesen-städetebauliche Chance für Künzelsau“. Man könne doch einfach „einen Bebauungsplan drüberlegen mit gebundener Bebauung“. Weiß Weidmann etwa schon mehr, weil er von „Pflegeheim“ spricht und davon, dass die Pflege einen „hohen Aufwand für den Kreis“ bedeute?

Im Übrigen ist der Landkreis weder Künzelsaus größter Arbeitgeber noch der größte Investor: Am morgigen 27. September 2022 eröffnet beispielsweise ein größerer Arbeitgeber und Investor ein Projekt in Gaisbach, dessen Investitionskosten höher sind als der derzeit im Raum stehende Kostenrahmen für das Kreishaus.

Zwei Protagonisten des Gesundheitswesens fehlten

Christian von Stetten, der sich in der Vergangenheit sehr engagiert für das lokale Gesundheitswesen zeigte, fehlte entschuldigt. Seine Ansichten zum Thema wären sicherlich interessant gewesen. Immerhin hat er Konsequenzen aus der Situation des Gesundheitswesens in Künzelsau gezogen und ein eigenes Gesundheitszentrum errichtet.

Und auch die BBT, der von mehreren Seiten ein Großteil der Verantwortung für die Situation zugeschoben wurde, hatte keine Gelegenheit, Stellung zu beziehen und ihre Bemühungen für eine Nachnutzung darzulegen.

Der Kreistag hat jetzt mit dem Krankenhausgrundstück nichts mehr zu tun

Der Kreistag entscheidet sich bei 7 Gegenstimmen, darunter die von Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann, für den Antrag der Verwaltung. Damit liegt die Zukunft des Gebäudes und des Grundstücks nicht mehr unter der demokratischen Kontrolle des Kreistags. Stattdessen ist es jetzt die Entscheidung des Eigentümers, der Hohenloher Krankenhausgesellschaft gGmbH, was mit dem Gebäude und dem Grundstück passieren wird. In dieser Gesellschaft hält der Landkreis zwar eine Mehrheit von 51 Prozent, eine öffentliche Diskussion über die Zukunft des städtebaulichen Sahnestücks muss es nach dieser Entscheidung allerdings nicht mehr geben.

Man hatte den Eindruck, dass bei einigen Kreisrät:innen ein Gefühl der Erleichterung darüber, dass sie sich nicht mehr mit dem Thema befassen müssen, vorherrscht.

Text: Matthias Lauterer

 

 

 

 




Ins Schleudern geraten

Der Witterung nicht angepasste Geschwindigkeit war vermutlich am Sonntag, 25. September 2022, die Ursache eines Unfalls auf der Bundesstraße bei Künzelsau:

Gegen 16.30 Uhr befuhr eine 22-Jährige mit ihrem Seat Ibiza die Bundesstraße 19 zwischen Stachenhausen und Belsenberg. Dabei verlor sie auf regennasser Fahrbahn die Kontrolle über ihr Gefährt und kam von der Fahrbahn ab. Durch den Unfall wurde die 17-jährige Beifahrerin leicht verletzt. Zudem entstand Sachschaden in Höhe von circa 2.000 Euro.

Pressemitteilung Polizei Heilbronn




Respektvolle Formen der Imkerei

Der gemeinnützige Verein Mellifera e. V. vermittelt in seinem Kompaktseminar „Wege zu einer wesensgemäßen Bienenhaltung“ besonders respektvolle Formen der Imkerei. Ziel ist, die Bienen leben dabei ihre natürlichen Fähigkeiten aus, während der Imker sie verantwortungsvoll betreut. Erstmals wird das traditionelle Seminar auch online gestreamt und so als Webinar angeboten. Anbei veröffentlichen wir die Pressemitteilung des Vereins:

Was sollte ich als Neueinsteiger beachten?

Wie kann ich mein Bienenvolk seinen natürlichen Anlagen gemäß halten? Welche Bienenbehausungen bieten sich dafür an? Was sollte ich als Neueinsteiger unbedingt beachten und wie kann ich meine Bienenhaltung auf diese Weise neu ausrichten? Diese und weitere Fragen stehen im Fokus, wenn der gemeinnützige Verein Mellifera e. V. zu seinem viertägigen Kompaktseminar „Wege zu einer wesensgemäßen Bienenhaltung“ einlädt. Von Donnerstag, 10. November, bis Sonntag, 13. November, findet das Seminar sowohl in Präsenz an der Fischermühle bei Rosenfeld als auch online statt.

Welche Rollen spielen klimatische Verhältnisse?

Um ein Verständnis für die Lebensweise der Biene und ihre Eingebundenheit in Natur und Kultur zu erlangen, werden alle relevanten Bereiche betrachtet – aus den Augen der Biene und des Menschen:  Welche Rolle spielen Behausung, Standort oder klimatische Verhältnisse? Was bedeutet der Wabenkörper des Bienenvolks für das Bienenvolk und wie organisiert sich der Bienenstock im Jahreslauf? Wie hält er sich gesund und wie kann man seine Gesundheit fördern? Wie können wir die natürliche Vermehrung der Bienen im Schwarmprozess in unseren persönlichen Alltag integrieren? Wie entstehen wertvolle Bienenerzeugnisse wie Honig, Propolis oder Wachs? Die geistigen Ursprünge der wesensgemäßen Bienenhaltung werden mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen über die natürliche Lebensweise von Bienenvölkern zusammengeführt. Die Teilnehmenden erfahren, wie geistige und praktische Aspekte sich in der imkerlichen Haltung ergänzen können, um mit dem so andersartigen Lebewesen Bien in Beziehung zu treten.

In Arbeitsgruppen werden Themen vertieft und individuelle Fragestellungen mit den kompetenten und in vielfältigen (Bienen-)Bereichen tätigen Referent*innen besprochen vor Ort lädt der Lehrbienenstand und die idyllische Umgebung der Lehr- und Versuchsimkerei Fischermühle zum Spaziergang ein.

Das Seminar findet im schwäbischen Rosenfeld am Vereinssitz Melliferas statt. Das wunderschöne Gelände mit Lehrbienenstand und Skulpturen des Bildhauers Günther Mancke laden neben dem Seminar zu kleinen und größeren Streifzügen ein. Erstmals bietet Mellifera e. V. das alljährlich stattfindende Kompaktseminar „Wege zu einer wesensgemäßen Bienenhaltung“ auch als Webinar an. Für weniger als die Hälfte der regulären Teilnahmegebühr kann online teilgenommen werden. Voraussetzung für die Teilnahme ist ein internetfähiges Endgerät sowie eine stabile Internetverbindung.

Anmelden zum Seminar wie auch zum Webinar kann man sich direkt auf der Website Melliferas unter: www.mellifera.de/kompaktseminar.

Bildunterschrift: Bei der wesensgemäßen Bienenhaltung steht ganz klar die Biene, nicht der Imker im Vordergrund. Foto: Nick Leukhardt/Mellifera e. V.

 

 

 

 




„Man weiß nicht, wie lange man auf den Frieden warten muss“

Hilfesuchend und gleichzeitig helfend

Mona Almalla kommt als Flüchtling in ein ihr fremdes Land, sucht nach Integrationshilfe und hilft zunächst ehrenamtlich weiteren ankommenden Flüchtlingen.

Jeweils ein Rucksack auf dem Rücken

Eine Schulleiterin flieht mit ihrer Familie mit jeweils einem Rucksack auf dem Rücken, aus Syrien nach Deutschland und landet im Hohenlohekreis, genauer gesagt, in Künzelsau. Diese Frau ist Mona Almalla, eine Frau mit einer Geschichte mit Höhen und Tiefen. Im Jahr 2015 flüchtete die heute 53-Jährige mit ihrem Ehemann und ihren fünf Kindern im Abstand von 13 bis 24 Jahren, aus Syrien nach Deutschland. 17 Tage waren sie über die Landroute unterwegs und waren dann eine der ersten Flüchtlingsfamilien im Hohenlohekreis.

Ansteckendes und herzliches Lachen

Als ich sie zum ersten Mal sah, kam sie mir nervös und unsicher vor, aber ich hatte mich getäuscht. Im Rahmen eines von GSCHWÄTZ veranstalteten Journalismus-Workshops erklärte Mona sich bereit, sich von uns Jungjournalisten interviewen zu lassen. Selten erlebt man eine Frau mit einem so selbstsicheren Auftreten und mit einem so ansteckenden und herzlichen Lachen, wie Mona. Sie strahlt eine unglaublich positive und aufgeweckte Energie aus, welche sie auf das ganze Team übertragen hat. Selbstsicher und realistisch erzählt Mona ihre Geschichte, geht dabei auf jede Frage der Interviewenden ein und hat für alles eine Antwort. Wir merkten schnell, dass vor uns eine starke Frau steht, die sich nicht unterkriegen lässt und für sich und ihre Meinung einsteht. Aber ihre Stärke kommt nicht von irgendwo, ihre Stärke zieht sie aus ihrer Religion, welche sie auch optimistisch denken lässt. „Mein Gott gibt mir die Kraft, die ich brauche.“

„Mein Gott gibt mir die Kraft, die ich brauche“

Mit ihrer Ankunft in Deutschland lässt sie gleichzeitig viel zurück. Ihre Heimat, Freunde, Verwandte und ihren Beruf als ehemalige Schulleiterin einer Mädchenschule. Aber für sie war klar, sie möchte so schnell wie möglich wieder anfangen zu arbeiten. „Ich war traurig, so hilflos zu sein, ich möchte lieber helfen“, war ihre Überlegung. Und das machte sie auch relativ zügig mit einer ehrenamtlichen Beschäftigung im Albert-Schweizer-Kinderdorf in Waldenburg. „Ich war die Brücke für die deutsche und arabische Kultur.“ Denn sie dolmetschte und übersetzte. Sie fungierte auch als Sprachrohr für die weiteren Flüchtlinge, die nach Deutschland kamen und sich erst einmal in der neuen Kultur zurechtfinden mussten. Parallel dazu suchte sie weiter nach einem Beruf, in dem sie aufgeht und Bezahlung erhält. „Ich suche immer nach einer Lösung, nach der richtigen“, erklärt sie während des Interviews. Mittlerweile arbeitet die fünffache Mutter im Albert-Schweizer-Kinderdorf als feste Angestellte mit Bezahlung. Sie arbeitet heute mit ukrainischen Flüchtlingen zusammen und betreut die Frauen und Kinder mit ihren ersten Begegnungen und Eindrücken in Deutschland.

„Ich bin zufrieden, aber nicht glücklich“

Die studierte Lehrerin geht in ihrer neuen Tätigkeit auf, sie wird nicht nur als Mitarbeiterin eingesetzt, sondern auch als Psychologin, stützende Schulter und als erste Ansprechstelle der Flüchtlinge. „Ich bin zufrieden, aber nicht glücklich,“ sagt sie. „Es geht uns hier gut, ich habe eine Arbeit, aber es ist eben nicht unser Zuhause.“ Deutschland ist ein neues Kapitel für Mona und ihre Familie, aber mit Syrien habe sie abgeschlossen. Sie möchte nicht davon träumen eines Tages nachhause zurück zu kehren. Es wären falsche Hoffnungen, die sie sich machen würde. Dennoch kann sie auch alle verstehen, die sich diese Hoffnung machen – wie viele der ukrainischen Frauen mit ihren Kindern. Die Hoffnung, dass der Krieg in absehbarer Zeit zu Ende sein wird und sie zurück können.

Manche möchten daher erst gar nicht die deutsche Sprache lernen. Mona aber weiß besser als viele andere: „Man weiß nicht, wie lange man auf Frieden warten muss, deswegen motiviere ich, die Sprache zu lernen. Auch muss man den Kontakt zu den Deutschen suchen. Man muss sich selbst bemühen.“ Die engagierte Helferin äußert auch, dass die Hilfe, welche die Ukrainer jetzt bekommen eine anders ist, als die Syrer damals bekommen haben. Sie werden direkt integriert. Das heißt sie kommen gleich in private Wohnungen und haben es so auch einfacher die deutsche Kultur zu erlernen, wenn der Wille besteht.

Mona Almalla, eine Frau welche mit ihrer Familie nach Deutschland kommt und Hilfe sucht und am Ende anderen hilft, das durchzustehen, vor dem sie auch stand. Eine beeindruckende und fleißige Persönlichkeit, welche Ziele hat und dafür arbeitet, dabei aber nie ihre Wurzeln und Kultur vergisst.

Text: Cora-Lee Pusker




Morstein-Apotheke in Niedernhall schließt

Sabine Lechler ist der Schritt nicht leicht gefallen. Und doch gab es am Ende keine Alternative. In einem kleinen Statement im Amtsblatt Niedernhall erklärt die Apothekerin den Schritt, die Apotheke, die ihr Vater 1974 eröffnete, nun zu schließen:

„Es fällt mir nicht leicht, Ihnen mitzuteilen, dass die Morstein-Apotheke zum 31.01.2023 schließen wird. Nachdem ich seit der Übernahme der Apotheke von meinen Eltern 2017 auf der Suche nach qualifiziertem Personal erfolglos blieb, hatte ich mich zuletzt dazu entschlossen, die Apotheke zu verkaufen. Aber auch hier waren die Gespräche ohne Ergebnis.“

Bezogen auf ihren Vater und seiner Arbeit als Pharmazeut in Niedernhall sagt sie: „Er war immer sehr gerne Ihr Ansprechpartner in allen Gesundheitsfragen und hat sich in Niedernhall sehr wohl gefühlt. Umso schwerer fällt es mir, nun diesen Schritt gehen zu müssen.“

Die Apotheke in Ingelfingen betreibt die Familie Lechler weiterhin. Den Botendienst unter anderem für die Niedernhaller möchte sie beibehalten beziehungsweise ausbauen, um die Versorgung aufrechtzuerhalten.




Organisatorische Hilflosigkeit

Bezeichnend offen und ehrlich war der Austausch zwischen Ohrenbächern, Vertreter:innen der Stadt Künzelsau sowie Vertreter:inen der Netze BW am Donnerstag, den 22. September 2022 im Dorfgemeinschaftshaus bezüglich der Dauerbaustelle in dem Künzelsauer Teilort. Diverse Sätze machten deutlich: Der Stadt als Bauherr:in scheinen teilweise die Hände gebunden zu sein gegenüber dreistem Verhalten von Mitarbeiter:innen sowie eklatanten Baumängeln der verantwortlichen Baufirma. Dabei leben doch Baufirmen auch von städtischen (Folge-)-Aufträgen – sollte man meinen. Aber auch in diesem Bereich bestimmt eben das Angebot die Nachfrage.

„Eventuell monatelanger Stillstand“ prognostizieren denn auch die Verantwortlichen auf die Frage, warum man nicht endlich mal durchgreife. Die Befürchtung von der Stadt und Netze BW: Man finde eventuell erst einmal keinen Ersatz. Die Einwohner:innen argumentieren: Bevor weiter so viel „Murks“ gemacht werde, bevorzugen sie lieber Stillstand.

So unsicher erlebt man städtische Vertreter:innen selten. Und auch so handlungsarm. Auf Schreiben, Mahnungen, Anweisungen, Androhungen anderer Maßnahmen würde die Baufirma beziehungsweise die Arbeiter:innen einfach nicht reagieren. „Leider sind die beratungsresistent“, sagt etwa Simone Mitsch von den KÜNWerken. „Ständige Mängelanzeigen“ hätten keine Änderung bewirkt. Es sei „schwer schwierig, hier durchzugreifen“.

Man will als Steuerzahler:in denn auch gar nicht wissen, wie viel Geld diese Baufirma für diese nun mittlerweile fast ein Jahr andauernde Baustelle erhält.

Und wie lange die Reklamations-Nacharbeiten dauern werden, wenn die Baustelle offiziell beendet wird. 5 Jahre haben die Anwohner:innen Zeit, ihre Mängelbescheide bei der Stadt einzureichen. Schon jetzt füllen die Beschwerden mehrere Seiten.

Man wünscht sich hier doch tatsächlich einen stärkere öffentliche Hand, die durchgreift und nicht hilflos danebensteht, während einfach weitergewurschtelt wird, wie wenn nichts wäre.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann




Kinderuni 2022 an der Hochschule Heilbronn: Zukunftsthema (Klima)Wandel erleben

Bald geht’s los: Die Vorbereitungen zur Kinderuni am Sontheimer Campus der Hochschule Heilbronn (HHN) laufen auf Hochtouren. HHN-Professorin Katja Mannschreck wird am 27. September 2022 die Wissenschaftler*innen von morgen rund ums Thema „Unsere Welt im (Klima)Wandel“ faszinieren. Professorin Mannschreck lehrt und forscht seit 2015 an HHN im Fachgebiet physikalische Chemie und instrumentelle Analytik. Wir haben vorab mit der Professorin aus dem Studiengang Umwelt- und Prozessingenieurwesen gesprochen.

Wie kamen Sie zum Fachgebiet physikalische Chemie und instrumentelle Analytik?

Schon im Gymnasium habe ich eine Affinität für die Naturwissenschaften entwickelt und vor allem das Thema Atmosphärenchemie hat mich begeistert. Die Atmosphäre und unser Klima hat mich damals sehr interessiert, deshalb habe ich zunächst Chemie studiert und dann in der Atmosphärenchemie promoviert. An der HHN lehre ich im neuen Studiengang Umwelt- und Prozessingenieurwesen, wobei es ein zentraler Schwerpunkt des Studiengangs ist technische Prozesse so zu gestalten, dass sie der Umwelt möglichst wenig schaden, also möglichst wenig Ressourcen verbrauchen oder Schadstoffe in die Umwelt abgeben. Hier kommen also die Umweltchemie und die Bewertung der Umweltauswertungen zum Tragen. In der Lehre geht es intensiv darum die naturwissenschaftlichen Grundlagen und die Prozesse, die in der Umwelt ablaufen, auch mit Blick auf die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aspekte, zu erfassen.

Was haben Sie bei der Kinderuni vor?

Es geht um die Welt im Wandel und nicht nur um den Klimawandel, sondern beispielsweise auch um das Artensterben, den Bevölkerungsanstieg oder die Rohstoffknappheit. Das sind alles Themen die relevant sind. Mit einer Vorlesung möchte ich erst einmal klar machen, was das Besondere an unserem Planeten ist, der sich von anderen dahingegen unterscheidet, dass wir beispielsweise viel Wasser haben, viele Pflanzen und viele verschiedene Landschaften und Lebensräume und dass dieser Planet unsere einzige Lebensgrundlage ist. Doch wie kam es eigentlich dazu, dass wir Menschen uns so entwickelt haben, dass die Natur dadurch Schaden genommen hat? Diese Gründe werden wir uns anschauen und gemeinsam ausarbeiten.

Das Fokusthema ist der Treibhauseffekt, den man ja nicht sieht. Es handelt sich dabei um einen physikalisch-chemischen Effekt, der super spannend und in aller Munde ist. Um zu verdeutlichen wie der Treibhauseffekt funktioniert, werden wir zwei Bechergläser, nehmen, in das eine CO2 einleiten und in das andere nicht. Im Anschluss wird eine Lampe, also die Sonne, eingeschaltet und in beiden Bechergläsern werden die Temperaturen gemessen, um zu sehen ob es da einen Unterschied gibt.

Woher kommt Ihre Motivation?

Ich finde es sehr wichtig, kindgerecht ein Thema zu versachlichen und zurückzuführen auf die physikalisch-chemischen Grundlagen und in Form eines Experiments zeigen, welche naturwissenschaftlichen Grundlagen dem zugrunde liegen. Unsere Hochschule öffnet sich in verschiedenen Formaten immer mal wieder für alle und die Kinderuni ist eines davon. Junge Leute für MINT-Themen zu begeistern halte ich für ganz existenziell, weil tendenziell zu wenig Interesse vorhanden ist und natürlich kann man nicht früh genug anfangen einen positiven Eindruck von der Wissenschaft zu vermitteln.

Das Thema (Klima)Wandel liegt mir auch selber total am Herzen. Ein relevantes Zukunftsthema ist es zudem, da es vor allem die junge Generation betrifft. Wenn man sich das Handeln der Umweltpolitik ansieht, bringt die junge Generation zu dem Thema viel mehr Energie auf. Wir sehen dies zum Beispiel an der Fridays for Future Bewegung die Forderungen stellt, die wirklich sinnvoll sind. Die Kinder kommen mit dem Thema in der Schule oder den Familien in Berührung und können dann bei uns an der Hochschule sehen, dass wir das Thema sehr faktenbasiert anpacken und ernsthaft nach technischen Lösungen suchen. Das soll im Vordergrund bei der Kinderuni stehen.

Was bedeutet Wissenschaft für Sie?

In der Wissenschaft geht es um Erkenntnisse, um faktenbasiertes Wissen. In der Naturwissenschaft um die Gesetzmäßigkeiten die in der Natur gelten, welche ganz allgemeingültig sind. Deshalb kann man sie auf alle Prozesse in der Natur, aber auch in einem Reaktor oder im menschlichen Körper anwenden. Diese Gesetze gelten einfach immer. Damit unterscheidet sich die Wissenschaft ganz stark von den Fakenews, mit denen wir alle in Berührung gekommen sind, wo man sich die Dinge immer ein bisschen so hindreht, wie man sie will und wie es am besten klingt. So sieht man beim Treibhauseffekt, dass hier ganz klare Naturgesetze gelten, mit denen man den Effekt ausrechnen kann. Dieses faktenbasierte Wissen zu vermitteln, ist unser Ziel.

Die Kinderuni findet am 27. September 2022 statt. Start ist 15 Uhr in der Aula (Campus Sontheim, Max-Planckstr. 39, 74081 Heilbronn).
Alle Infos unter: Kinderuni (hs-heilbronn.de)

Hochschule Heilbronn:

Mit ca. 8.000 Studierenden ist die Hochschule Heilbronn eine der größten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg. Ihr Kompetenz-Schwerpunkt liegt auf den Bereichen Technik, Wirtschaft und Informatik. An vier Standorten in Heilbronn, Heilbronn-Sontheim, Künzelsau und Schwäbisch Hall bietet die Hochschule mehr als 50 Bachelor- und Masterstudiengänge an. Die Hochschule pflegt enge Kooperationen mit Unternehmen aus der Region und ist dadurch in Lehre, Forschung und Praxis gut vernetzt.

Pressemitteilung Hochschule Heilbronn




Künzelsau mit dem Smartphone entdecken

Ein Gang durch Künzelsaus Hauptstraße und Gassen führt an vielen historischen Gebäuden und Plätzen vorbei, die eine spannende Geschichte zu erzählen haben. Wer die Sehenswürdigkeiten in Künzelsau auf eigene Faust entdecken möchte, kann dies über eine virtuelle Stadtführung mit dem eigenen Smartphone tun. Unter http://www.kuenzelsau.de/sehenswuerdigkeiten ist eine empfohlene Route zur Erkundung der Sehenswürdigkeiten abgebildet. Als Startpunkt ideal ist das Alte Rathaus in der Künzelsauer Innenstadt. Die einzelnen Tafeln informieren kurz und bündig über die Sehenswürdigkeit, die eingebundenen QR-Codes machen es möglich, neben weiterführenden Informationen auch Archivbilder abzurufen. So führen die Tafeln – insgesamt 21 Stück – von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit.

Über 100 Sprachen möglich

Durch die Verknüpfung zur städtischen Homepage können die Texte in über 100 Sprachen angezeigt werden. Der Rundgang ist deshalb auch hervorragend für internationale Gäste geeignet.  Der Fußweg durch die Innenstadt ist etwa zwei Kilometer lang – die Tafeln am Wartberg und in Schloß Stetten nicht mit einberechnet.

Stadtführung „Künzelsau entdecken und erleben“

Wer sich lieber zu den historischen Schauorten und besonderen Kultureinrichten Künzelsaus führen lässt, ist bei der Stadtführung „Künzelsau entdecken und erleben“ richtig. Diese findet immer am ersten Samstag im Monat um 11 Uhr statt. Treffpunkt ist am unteren Eingang vom Alten Rathaus. Die Führung kostet drei Euro pro Person. Um Anmeldung wird gebeten: Stefan Kraut, Telefon 07940 129-117, E-Mail stefan.kraut@kuenzelsau.de

Bei den nächsten beiden Führungen am 1. Oktober und 5. November 2022 wird bei der Stadtführung auch die Johanneskirche besichtigt.

Pressemitteilung Stadt Künzelsau.




In Polen gestohlen – ein BMW fährt äußerst seltsame Wege

Behörden in ganz Deutschland und auch im Ausland waren mit einem verworrenen Fall beschäftigt, der am 22. September 2022 vor dem Künzelsauer Amtsgericht verhandelt wurde. Der Künzelsauer Christian S. war wegen Geldwäsche angeklagt, gegen einen diesbezüglichen Strafbefehl hatte er Einspruch eingelegt, sodass der Fall jetzt verhandelt wurde.

Christian S. wurde zu Last gelegt, einen BMW, den er wohl gutgläubig gekauft hatte, veräußert oder weitergegeben zu haben, obwohl er zwischenzeitlich wußte, dass das Fahrzeug gestohlen war. Ihm wurde daher Geldwäsche nach §261 (1) 2 vorgeworfen, eine Tat, die mit Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren belegt ist.

Schon die Anklage ist verwirrend

Schon der Weg des Fahrzeugs ist verworren, die Staatsanwaltschaft trägt vor: Das Fahrzeug wurde der polnischen BMW-Leasinggesellschaft unterschlagen und nach Deutschland verbracht, wo es von S. in Bremerhaven gekauft und dann nach Künzelsau gebracht wurde. Mehr als 30.000 Euro habe S. bezahlt. In Künzelsau wurde das Fahrzeug ohne Beanstandung zugelassen. Später wurde das Fahrzeug von der hiesigen Polizei als Diebesgut beschlagnahmt. Etwa einen Monat später wurde das Fahrzeug von der Polizei an S. zurückgegeben. Als er das Auto dann an eine Frau aus München weiterverkaufen wollte, stellte sich heraus, dass das Fahrzeug inzwischen im Schengener Informationssystem SIS ausgeschrieben war. Die Zulassungsstelle in München informierte daher die Polizei.

Da S., so sagt es die Anklageschrift, aufgrund der Vorgeschichte wissen mußte und auch gezielt auf das Veräußerungsverbot durch einen Polizeibeamten hingewiesen wurde, sei der Tatbestand der Geldwäsche erfüllt.

Der Angeklagte

Dem Angeklagten ist offenbar während der Verhandlung nicht wohl. Meist sitzt er zusammengekauert auf seinem Stuhl, sein Kopf ist gerötet, seine Finger sind ständig in Bewegung. Er ist offenbar unsicher und äußerst nervös, kein Wunder: Bisher war er nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen, war noch nie auf der Anklagebank gesessen. Meist schaut er scheinbar teilnahmslos auf den leeren Tisch vor sich, doch die innere Spannung ist ihm anzusehen.

Verteidigerin wird aktiv

Einlassungen will S. nicht machen, auch Fragen werde er nicht beantworten, teilt seine Verteidigerin Kerstin Baumann mit. S nimmt also sein gutes Recht zu schweigen in Anspruch. Noch bevor Baumann ihre Sicht des Tathergangs schildert, stellt sie infrage, dass überhaupt ein „Veräußerungsverbot“ in rechtswirksamer Form ausgesprochen wurde. Ansonsten bestätigt sie den geschilderten Tathergang, stellt ihn allerdings in ein ganz anderes Licht: Zuerst sei ihr Mandant als Geschädigter vernommen worden, erst später als Beschuldigter. „Der einzige, den ich als Geschädigten sehe, ist der Herr S.“, sagt Baumann. Er habe für ein Auto, mit dem er jetzt nichts anfangen kann, mehr als 30.000 Euro bezahlt und zahle jetzt seit rund einem Jahr 50 Euro pro Monat für eine Garage, in der der Wagen seitdem untergestellt sei: „Er läßt die Finger von dem Fahrzeug“.

Es wird immer verworrener

Die Verwirrung wird größer, als berichtet wird, dass in dem Fahrzeug mutmaßlich ein Motor eingebaut gewesen sei, der aus einem in Schweden gestohlenen Fahrzeug stammen soll und dass in Frankreich ein Fahrzeug mit derselben Fahrzeugidentifikationsnummer angemeldet worden sein soll. Und es wird auch nicht klar, warum das eingezogene Fahrzeug von den Behörden wieder an S. herausgegeben worden ist.

Richterin Rührig fasst vor den Zeugeneinvernahmen nochmal zusammen: „Das sieht man aber selbst als Laie, dass da was faul ist – dass da eine Weiterveräußerung nicht stattfinden darf, das versteht auch ein Laie“.

Zeuge bringt ein wenig Licht in die Sache

Ein wenig Licht in die Sache kann der Zeuge H. bringen. Er ist ehemaliger Polizeibeamter und war vor seiner Pensionierung mit dem Fall befasst. Das Kraftfahrzeug wurde, so sagte er aus, aufgrund einer Meldung des BKA beschlagnahmt. Das BKA hab das Fahrzeug anschließend „auseinandergenommen“ und habe festgestellt, dass der Motor offenbar original war. Die Wiederherausgabe des Fahrzeuges konnte er auch nicht nachvollziehen, sodass er sich die Anweisung von der Staatsanwältin schriftlich bestätigen ließ. Er ist sich sicher, dass er bei der Übergabe des Fahrzeugs gegenüber S. das Wort „Veräußerungsverbot“ verwendet hat und sagt: „Das muß man nicht groß erklären, dass das so angeordnet ist.“  Über den Verkäufer in Bremerhaven kann H. erstaunliche Neuigkeiten berichten: „Über den wurden noch drei weitere Fahrzeuge zugelassen. Der wurde benutzt und hat Geld bekommen dafür“ – ein bezahlter Strohmann also.

Im Hintergrund Organisierte Kriminalität?

Im persönlichen Gespräch sagt E. nach dem Prozeß, dass der Verdacht der Organisierten Kriminalität sehr naheliegend sei. Dieser Aspekt des Falls war allerdings nicht Teil des Verfahrens vor dem hiesigen Amtsgericht. Soviel ist aber klar: Es sind oder waren in diesem Tatzusammenhang weitere Verfahren anhängig. Ob die Hinterleute des Bremerhavener Strohmanns identifiziert sind und ob gegen sie ermittelt wird, wurde nicht bekannt.

Viele offene Fragen

Aber die Aussage von E. bringt nicht den ganzen Sachverhalt ans Licht, Fragen bleiben offen: Es wäre beispielsweise interessant zu wissen, mit welchen Fahrzeugdokumenten S. aus Bremerhaven zurückkam. War etwa der KfZ-Brief oder ein anderes Eigentumsdokument, das zur Zulassung vorgelegt wurde, eine Fälschung? War der Leasingnehmer etwa auch der Hintermann des Verkaufs in Bremerhaven? Und warum hat der ursprüngliche Eigentümer, die Leasinggesellschaft in Polen, das Fahrzeug bisher nicht zurückgefordert? Im Saalpublikum sprießen wilde Spekulationen über weitere mögliche Hintergründe.

Einstellung möglich?

Die Richterin bringt eine Einstellung des Verfahrens ins Spiel: „Wir müssen bedenken, dass sich der Angeklagte nicht konform verhalten hat. Andererseits ist er natürlich auch Geschädigter.“ Staatsanwältin Schmidt will sich dem „nicht verschließen“, will aber erst die weiteren Zeugen hören. Sollte nämlich Geld für den Verkauf des Autos geflossen sein, steht neben Geldwäsche auch ein Betrug oder ein versuchter Betrug im Raum.

„Sowas mache ich nicht mehr“

Die beiden Zeugen, die Käuferin M. aus München und ihr Bruder Ha., der den Wagen bei S. abgeholt hat, erklären aber, dass der Kaufvertrag noch nicht unterschrieben war – auch eine verwirrende Seltsamkeit – und auch noch kein Geld geflossen sei. Noch am Tag, an dem sie das Fahrzeug zulassen wollte, habe sie Besuch von der Kripo bekommen, sagt die Käuferin. Ihr Bruder habe ihr gesagt, dass ein Freund von ihm ein Auto zu verkaufen habe. „Ich habe mir jetzt bei einem Autohaus ein neues Auto gekauft. Sowas mache ich nicht mehr“, sagt M.

Somit konnte das Verfahren gegen eine Geldauflage von 2.000 Euro, zu zahlen an die Jugendfeuerwehr, vorläufig eingestellt werden.

Was passiert nun mit dem Auto?

Für S. ist die Sache strafrechtlich ausgestanden, vorbestraft ist er nicht. Er hat nur ein Problem: Was tun mit dem Fahrzeug? Der polnische Eigentümer hatte zwar erklärt, dass er auf seinem Eigentum beharre, hat aber bisher nichts getan, um sein Eigentum wiederzuerlangen. Stattdessen bezahlt S. die Garagenmiete und „so ein Auto wird von Rumstehen ja auch nicht besser“. Für S. ist das Thema also noch lange nicht ausgestanden, bisher hatte er Kosten von rund 40.000 Euro für das Fahrzeug, die Garagenmiete, die Geldauflage und seine Verteidigung vor Gericht. Demgegenüber steht ein Fahrzeug, das er bezahlt hat und mit dem er jetzt nichts anfangen kann.

Text: Matthias Lauterer