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Shishabar als Umschlagplatz?

Wahre Schwerarbeit verrichten musste Staatsanwalt Fuchs am Mittwoch, den 11. Oktober 2022, bei der Verhandlung gegen zwei Angeklagte aus Künzelsau, denen Drogenhandel in erheblichem Ausmaß sowie weitere schwere Straftaten im Umfeld der Drogenkriminalität zur Last gelegt werden.

Lange Liste von Straftaten

Seine Anklageschrift, für deren Verlesung er knapp eine halbe Stunde benötigte, umfasste 101 Taten, die die beiden Angeklagten teils gemeinschaftlich begangen haben sollen. Nicht nur das Handeltreiben mit Betäubungsmitteln, sondern auch der Aufbau eines Verteilernetzes und Gewalttaten wie bewaffneter Raub und Erpressung werden einem der Angeklagten vorgeworfen. Dass ein Minderjähriger zum Drogenverkauf angestiftet oder genötigt worden sein soll, dürfte für einen der Angeklagten besonders schwer wiegen. Allein die lange Liste der Paragraphen aus dem Betäubungsmittelgesetz und dem Strafgesetzbuch, gegen die die Angeklagten verstoßen haben sollen, ist eindrucksvoll.

Künzelsauer Shisha-Bar als Drogenumschlagplatz

Die beiden Angeklagten kennen sich seit einiger Zeit, der Angeklagte R. war eine Zeitlang in der Künzelsauer Shisha-Bar, die der andere Angeklagte G. zusammen mit seinem Geschäftspartner H. führte, beschäftigt. Diese Shisha-Bar, so sagt es Fuchs, sei einer der Umschlagplätze gewesen, sowohl beim Einkauf von Drogen als auch beim Verkauf.

Verteilnetz aufgebaut – auch ein Minderjähriger „angeworben“

Ein ganzes Netz von zusammenarbeitenden Straftätern, die in anderen Verfahren gesondert verfolgt werden, tut sich bei den Tatschilderungen von StA Fuchs auf: Es ist die Rede von Übergaben auf immer derselben Parkbank, von offenbar gut organisierten Zulieferern, die auch große Mengen anbieten konnten und von einem Verteilernetzwerk, das das Marihuana, das Kokain und das Amphetamin in und um Künzelsau an Konsumenten weiterverkauft haben soll. Einer der  Weiterverkäufer soll ein Minderjähriger gewesen sein. Gegen viele der von Fuchs genannten Personen laufen oder liefen bereits Verfahren, einige der Personen sind auch als Zeugen geladen.

Dazu soll R. mehrfach Geld unter Drohungen erpresst haben, einmal soll er dabei mit einem feststehenden Messer bewaffnet gewesen sein – der strafrechtlich schwerste Vorwurf: Auf eine solche Tat steht eine Mindeststrafe von fünf Jahren Haft.

Vorläufig keine Angaben zur Sache

Beide Angeklagten wollen derzeit keine Angaben zu Sache machen, zur Person machen sie allerdings Angaben:

Stefan G. sucht sofort Blickkontakt zu seiner Verteidigerin. Foto: GSCHWÄTZ

Stefan G. ist 22 Jahre alt und ist nach einer Ausbildung und Tätigkeit als Maschinen- und Anlagenführer seit 1. Juni 2020 als Gastwirt tätig, er führt zusammen mit seinem Geschäftspartner H. eine Shisha-Bar in Künzelsau. Das Geschäft lief anfangs, so berichtet Stefan M. , gut, bis das Lokal coronabedingt im November 2020 schießen musste. Er gibt an, rund 100.000 Euro geschäftliche Schulden zu haben, hauptsächlich aus einem Privatdarlehen von rund 80.000 Euro, das ihm sein Kompagnon H. zum Kauf der Shisha-Bar gewährte, dazu kommt ein kleineres Privatdarlehen von seinen Großeltern und ein Bankkredit. Privat sei er wegen eines Autokredits mit weiteren rund 8.000 Euro verschuldet. Über eine eventuelle eigene Drogensucht möchte er zumindest derzeit noch nicht antworten. Weitere Angaben machte er am ersten Verhandlungstag nicht. Verteidigt wird er von Rechtsanwältin Anke Stiefel-Bechdolf.

Zusammen mit G. ist Muhammademin R. angeklagt, ein 24-jähriger gebürtiger Syrer, der 2015 nach Deutschland geflüchtet ist, wo er mit nicht ausgeheilten Verletzungen aus dem Bürgerkrieg ankam: Ein Durchschuss im Unterschenkel sowie eine Machetenverletzung im Bauch wurden in Deutschland behandelt. Außerdem wurde er psychologisch betreut, weil er im Krieg Traumata erlitten habe. Groß aufgerichtet, durchaus selbstbewußt, betritt er den Saal, mustert die Anwesenden genau.

Verletzung aus dem Bürgerkrieg

Er gibt an, nach seinem Schulabschluß in Syrien einen deutschen Hauptschulabschluß gemacht zu haben, danach habe er eine Lehre zum Friseur begonnen, die er aber aufgrund seiner Beinverletzung abbrechen mußte. „Ich kann nicht so lange stehen“ sagt er. Sein Deutsch ist so gut, dass er dem Prozeß größtenteils in deutscher Sprache folgen kann. Sein Berufswunsch sei jetzt Lokführer, dafür sei allerdings ein Realschulabschluß notwendig, den er noch machen wolle. Begonnen habe er mit dem Realschulabschluß noch nicht, er habe erst arbeiten und Geld verdienen wollen. Er habe als festangestellte Kraft bei Stefan G gearbeitet, bis dieser ihn während der Lokalschließung entlassen mußte. In Deutschland habe er einen Onkel, der schon länger hier lebe, dazu 3 Brüder. Insgesamt habe er fünf Brüder und 3 Schwestern.

Seine Anwältinnen Andrea Combé und Kristina Brandt nutzen ihr Fragerecht, um herauszuarbeiten, dass R. nach seiner Ankunft in Deutschland alles darangesetzt hat, in Deutschland Fuß zu fassen und heimisch zu werden: Deutschkurse, der Hauptschulabschluß, der Beginn der Ausbildung. Eine Sozialarbeiterin aus Reutlingen, wo R. anfangs untergebracht war, habe ihn dabei unterstützt, eine wichtige und enge Bezugsperson.

R. betritt den Saal aufgerichtet und wirkt selbstbewusst. Foto: GSCHWÄTZ

Wie eine Mutter

„Wie eine Mutter“ habe sich W. um ihn gekümmert, auch noch, als er aus ihrem Zuständigkeitsbereich weggezogen war, sagt R. Und auch in Künzelsau sei der Kontakt nie abgebrochen.

Konflikte zwischen den Angeklagten?

Ein erster möglicher Konflikt zwischen den Angeklagten kommt ans Licht, als Stiefel-Bechtold bei R. nachfragt, ob nicht auch der Mitangeklagte G. zu den engen Bezugspersonen, „den Freunden“ von S. gehört habe? „Wer hat denn die Wohnung gefunden?“ fragt sie und „Wer hat denn die Wohnung eingerichtet und bezahlt?“ Zwar rutscht S. noch die Bemerkung „selber gefunden“ heraus, aber er will keine weiteren Angaben machen. War seine Stimme bis dahin klar und beherrscht, war bei dieser Bemerkung eine gewisse Anspannung nicht zu überhören.

Publikum unterstützt G.

Im Publikum sitzen Bekannte der Angeklagten, aber auch der Mitgeschäftsführer H und die Mutter von Stefan G. Ihre Augen sind leer, sie strahlt tiefe Traurigkeit aus.

Weitere vier Verhandlungstage angesetzt

In den nächsten Verhandlungstagen, vier weitere sind bisher angesetzt, sind insgesamt 16 Zeugen aufgerufen, darunter Polizeibeamt:innen und Personen, die in das Verteilnetzwerk eingebunden waren.

Stefan G. sucht sofort Blickkontakt zu seiner Verteidigerin. Foto: GSCHWÄTZ

 

 

Der Zuschauerraum ist gut besetzt – Freunde und Angehörige von G. wollen ihm Halt geben. Foto: GSCHWÄTZ

 

 

 

 

Das Gericht unter dem Vorsitz von VRiLG Haberzettl betritt den Saal. Foto: GSCHWÄTZ

Text: Matthias Lauterer




Wieder führt ein Schockanruf zum Erfolg

Erst Anfang Oktober 2022 verkündeten die deutsche und die türkische Polizei einen Erfolg im Kampf gegen Telefonbetrüger: Ein Call-Center in der türkischen Provinz Mersin konnte ausgehoben werden, 30 Personen wurden festgenommen.
Dass dieser Erfolg noch nicht das Ende dieser Art der Trickbetrügerei bedeutet, zeigt ein neuer Fall eines – im Sinne der Betrüger – erfolgreichen Schockanrufs im Hohenlohekreis, von dem Polizei und Staatsanwaltschaft berichten:

Hohenlohekreis: Schockanruf von falscher Anwaltskanzlei – Frau um hohen Geldbetrag betrogen

Unbekannte täuschten einer 82-Jährigen am Montag, den 10. Oktober, eine Notlage ihrer Tochter vor und brachten die Frau so dazu, Bargeld und Münzen im sechsstelligen Eurobereich zu übergeben. Gegen 13.30 Uhr klingelte das Mobiltelefon der Frau an deren Anschrift im Hohenlohekreis. Es meldete sich eine männliche Person, die sich als Mitarbeiter einer Anwaltskanzlei ausgab und behauptete, dass ihre Tochter einen Unfall verursacht habe. Bei diesem Unfall sei ein Kind getötet worden und eine Gefängnisstrafe könnte nur durch die Zahlung einer Kaution abgewendet werden.
Die Angerufene fuhr daraufhin auf Anweisung des falschen Anwalts nach Heidelberg und übergab dort gegen 17 Uhr in der Goethestraße in der Nähe des Amtsgerichts Heidelberg aus einem Pkw heraus Bargeld und Münzen in einem blau-weißen Plastikbeutel an einen jungen Mann im Alter von circa 20 bis 25 Jahren, mit schmaler Statur und mit einer Größe von ca. 1,60 bis 1,65 Metern.
Die Kriminalpolizei Künzelsau hat die Ermittlungen aufgenommen. Zeugen, die die Übergabe in der Goethestraße in Heidelberg (in der Nähe des Amtsgerichts Heidelberg) beobachten konnten oder den Abholer mit einem blau-weißen Plastikbeutel im Bereich Heidelberg gesehen haben, werden gebeten, sich unter der Telefonnummer 07940 9400 zu melden.

Um sich vor solchen Betrugsmaschen zu schützen, raten das Landeskriminalamt Baden-Württemberg und das Polizeipräsidium Heilbronn:

  • Die Polizei ruft Sie niemals unter dem Polizeinotruf 110 an.
  • Lassen Sie sich am Telefon nicht unter Druck setzen.
  • Legen Sie den Hörer auf, so werden Sie Betrüger los.
  • Werden Sie misstrauisch bei Forderungen nach
    • schnellen Entscheidungen,
    • Kontaktaufnahme mit Fremden sowie o
    • der Herausgabe von persönlichen Daten, Bargeld, Schmuck oder Wertgegenständen.
  • Wählen Sie die 110 und teilen Sie den Sachverhalt mit. Benutzen Sie nicht die Rückruftaste, da Sie sonst wieder bei den Tätern landen.
  • Sprechen Sie am Telefon nicht über Ihre persönlichen und finanziellen Verhältnisse.
  • Beraten Sie sich mit Ihrer Familie oder Personen, denen Sie vertrauen.
  • Kontaktieren sie ihre Familie oder Personen unter den Ihnen bekannten Rufnummern.

Weitere Informationen und Präventionstipps finden Sie unter www.polizei-beratung.de

 




Auf Bundesstraße 19 gewendet und Unfall verursacht

Drei Personen wurden am Mittwoch bei einem Verkehrsunfall auf der Bundestraße 19 bei Künzelsau verletzt. Ein 20-Jähriger war gegen 7.40 Uhr mit seinem VW Polo auf der B19 von Gaisbach kommend in Richtung Kupferzell unterwegs, als er sein Fahrzeug wendete. Dabei übersah er offenbar einen neben ihm in dieselbe Richtung fahrenden VW Caddy, sodass es zum Zusammenstoß der beiden Fahrzeuge kam. Durch die Kollision wurde der VW gedreht und auf die Gegenfahrbahn geschoben. Sowohl der Fahrer und die 16-jährige Beifahrerin des Polos, als auch der 69 Jahre alte Fahrer des Caddys wurden verletzt und ins Krankenhaus gebracht. An beiden PKW entstand Totalschaden in unbekannter Höhe.

Pressemitteilung Polizei Heilbronn




„Zu empfehlen sind zwei Maß- das erste und das letzte“

„15 Minuten nach Fassanstich sind alle auf den Bänken“, verspricht Renate Kilb von der Stadtverwaltung Künzelsau und Organisatorin der Wert Wies’n.

Von Donnerstag, den  06.10.22, bis Sonntag, den 9. Oktober 2022, herrscht auf dem Gelände der fünften Künzelsauer Wert Wies’n Festbetrieb. Besucher mit und ohne Tracht vergnügen sich an den Buden und Fahrgeschäften oder genießen Bands und selbstgemachtes Essen im Festzelt. Das erste Mal dauert das Fest anstatt zwei ganze vier Tage  und hat mit dem kleinen Vergnügungspark Volksfestcharakter.

Bis der Geldbeutel leer oder der Krankenwagen voll ist

Bevor man der Maß- Konsumempfehlung von Julian und Rony aus Künzelsau und Nikita aus Öhringen folgt und „genug“ trinkt, bis entweder der Geldbeutel leer oder der Krankenwagen voll ist, ist eine Stärkung wertvoll. Diese können die Besucher im Festzelt zu sich nehmen, wo sie sich zwischen Pommes mit Bratwurst über handgemachten Kartoffelsalat bis hin zu ½ Hähnchen entscheiden können. Laut Renate Kilb handelt es sich um regionale Produkte.

1.200 Besucher:innen im Festzelt

Sie freut sich besonders über den grandiosen Vorverkauf der Karten. Während das Zelt am Freitag zu ¾ voll ist, rechnet sie ab Samstagabend mit voller Besetzung von etwa 1200 Leuten.

Als Festwirt ist Roland Rachinger für alles zuständig. „Dass bis zum letzten Nagel alles ordentlich auf- und abgebaut wird“. Und doch würden auch seine Leute rasch an ihre Grenzen stoßen, wäre das Team nicht ein so gutes.

Gute Stimmung- Endlich wieder gemeinsam

Shierim Kasbar, Tochter Engy und die Freundinnen Lana, Rama und Donja sind das erste Mal auf den Wert Wies’n. Wenn sie sich ein Lied wünschen dürften, wäre es eines von der Sängerin Alvia. Müssten sie sich auch noch entscheiden, nur noch eines der typischen Oktoberfestfahrgeschäfte zu fahren, wären es ganz sicher die Boxautos.

Auch Gabriele Terkowski, Hannelore und Wilfred haben einen klaren Liedwunsch: Für sie darf „Layla“ an diesem Abend auf keinen Fall fehlen. Sie genießen es, endlich wieder gemeinsam feiern zu können, wenn jung und alt bei Livemusik mitsingen und gemeinsam lachen.

Wenn es ans trinken geht, empfehlen sie genau zwei Maß. Und zwar „das erste und das letzte“.

Auch Uwe Kauffmann, der mit seinen Bunden und dem Kinderkarussell bei den Wert Wies’n die Stellung hält, findet, man sähe den Leuten an, wie sie sich nach der langen Corona-Zeit über solche Veranstaltungen freuen. „Dieses Jahr ist es hier sehr friedlich. Die Leute wollen einfach Spaß haben“.

Security mit an Bord

Nicht nur bei der Organisation ist entspannte gemeinsame Arbeit unerlässlich, so auch bei den Sicherheitskräften wie Security und die Sanitäter:Innen des roten Kreuzes. Sie sind nicht nur an den Eingängen, sondern patrouillieren regelmäßig durch die Bänke. Obwohl eine tanzende Masse von Leuten am späteren Abend das Zelt füllt und man sich einen Weg durch das Gedränge erst bahnen muss, ist immer wieder Security zu sehen. So wirken die Männer in ihrer schwarzen, mit Taschen bestückten Kleidung etwas einschüchternd, doch sorgen für entspannte Ausgelassenheit.

Beste Voraussichten für Stefan Neumanns Wunsch, auf den er beim Fassanstich anstößt: Eine friedliche Wert Wies’n!

Schnapsleichen

Das rote Kreuz rechnet vor allem am Samstag mit einigen „Schnapsleichen“ und sieht ihnen doch entspannt entgegen. Die Rettungssanitäter zucken mit den Schultern. „So ist das nun mal. Und die Stimmung ist ja gut.“

Das finden auch Yannik Müller, Niko Chartomatsidis, Daniel Franz, Lukas Fiala, Theresa Bürkert, Thilo Kempf, Marcel Fahrbach, Fabian und Toni Kühlerwei, Marc Zeller, Klaus Zwei und Jürgen Lorenz. Die Arbeitskollegen sind gemeinsam aus Forchtenberg auf die Wert Wies’n gekommen und sind derart angetan von der ausgelassenen Stimmung, dass sie das Interview selbst in die Hand nehmen und Stichpunkte aufschreiben. Für sie sind „aus Kollegen Freunde geworden“.

Besucher:innen steigen auf die Tische

Alice und Katja sind als Andreas Gabalier Fans zufrieden mit dem Musikmix am Freitagabend. Sie geben dem Abend den Titel „Girlsnight“.

Mit den beiden Partybands „zruck zu dir“ und „Störzelbacher“ steigen in Künzelsau die Besucher auf die Tische.

Weil nur bis 24 Uhr Zeit ist, will Chris, der Sänger der Störzelbacher 3. Generation, jede Minute auf der Bühne ausnutzen. Es macht ihm Freude, auch am Wochenende unterwegs zu sein, denn damit ist die Musik gleichzeitig Beruf und Leidenschaft für ihn. Ihm ist bewusst, dass es viel Leid in der Welt gibt, darum lädt er die Besucher ein, diese Schwere zumindest für einige Stunden bei Musik und Tanz zu vergessen.

Ob Renate Kilb recht hatte mit ihrer Schätzung von 15 Minuten, bis der Bierbanktanz losgeht?

Nun, die ersten stehen schon, als Bürgermeister Neumann den Fassanstich vornimmt, bereit, endlich wieder anzustoßen.

Text: Fotos & Video: Anna-Lena Eißler




Tötungsdelikt in Belsenberg: Anklage wegen Mord und Raub

Nicht wie im Haftbefehl angegeben wegen Totschlags, sondern wegen Mordes und Raubes hat die Staatsanwaltschaft den Verdächtigen angeklagt, der seine 66-jährige Nachbarin in Belsenberg getötet haben soll. Laut Angaben der Staatsanwaltschaft hat der nunmehr Angeklagte die Tat nach seiner Festnahme gestanden. Als Motiv für die Tat nennt die Staatsanwaltschaft Habgier.

GSCHWÄTZ-Recherchen erweisen sich als richtig

Bereits im Juni konnte GSCHWÄTZ berichten, dass es sich bei dem Angeklagten um den 24-jährigen Nachbarn der getöteten Frau handelt, der nach dem Auffinden der Leiche der Presse noch Videointerviews gegeben hatte.

Ein Termin für die Verhandlung, die in Heilbronn stattfinden wird, steht noch nicht fest.

Text: Matthias Lauterer

 

 




Beschädigung an Waschanlage: rund 15.000 Euro Schaden

Unbekannte beschädigten am frühen Sonntagmorgen, 9. Oktober 2022, eine Selbstbedienungswaschanlage in Ingelfingen-Criesbach. Der oder die Täter brachen zwischen 3.30 Uhr und 4.20 Uhr an allen Automaten zum Waschen und Staubsaugen von Fahrzeugen die Behältnisse zum Einwerfen von Geld auf und entwendeten die Münzen. Hierdurch entstand ein Sachschaden von circa 15.000 Euro. Zeugen, die Hinweise zu Tat oder Tätern geben können, werden gebeten, sich unter der Telefonnummer 07940 9400 beim Polizeirevier Künzelsau zu melden.

Pressemitteilung Polizei Heilbronn




„Niemand kann das aus der Glaskugel lesen“ 

Die Kreisgemeinden beklagen sich, dass sie durch die Betreuung der Geflüchteten finanziell stark belastet werden. In einem ersten Beitrag hat GSCHWÄTZ über die Flüchtlingssituation im Kreis berichtet, jetzt kommen die Gemeinden selbst zu Wort.

143 Geflüchtete aus der Ukraine waren Ende September in der „vorläufigen Unterbringung“ durch den Kreis. Diese Menschen werden spätestens nach sechs Monaten an die Gemeinden weitergegeben. Allein in Öhringen, der größten Gemeinde des Hohenlohekreises, waren zum selben Zeitpunkt 231 Ukrainer und Ukrainerinnen privat in Wohnungen in Öhringen untergebracht, also rund eineinhalb mal so viele wie im Kreis. Nur eine dieser Personen wurde aus der vorläufigen Unterbringung bisher an Öhringen zugewiesen.

Einigermaßen zuversichtlich äußert sich Karl Michael Nicklas, Bürgermeister von Neuenstein: „Egal wie sich die Situation auf Bundes- und Landes- und Kreisebene bisher entwickelte, hatten wir die Lage immer im Griff. Ich gehe davon aus, dass wir auch in Zukunft alles gut meistern.“ Er weiß von 50 Ukrainer:innen in Neuenstein, von denen eine fünfköpfige Familie in einer städtischen Unterkunft lebt. „Wir wissen von 45 weiteren Ukrainern, die privat eine Wohnung gefunden haben“, sagt er und spricht damit eine spezielle Konstellation an:

Ukrainer:innen benötigen 3 Monate keinen Aufenthaltstitel

Menschen aus der Ukraine konnten sich ein halbes Jahr in der Bundesrepublik aufhalten, ohne dass sie sich anmelden müssten oder eine Aufenthaltsberechtigung benötigen würden. Seit dem 31.08. ist diese Frist auf 90 Tage beschränkt. Es könnte also sein, dass noch mehr Ukrainer:innen in den Gemeinden leben als behördlich erfasst sind – diese Menschen erhalten aber auch keine Leistungen von den Gemeinden. Leistungen können sie erst erhalten, wenn sie sich bei einer Gemeinde anmelden und einen Aufenthaltstitel beantragen.

„immer einwandfrei geklappt“

15 Plätze sind in Neuensteiner städtischen Unterkünften noch frei, zusätzlich kann die Stadt auf einige Wohnungen zugreifen, beispielsweise für Familien. Nicklas sagt: „Damit könnten wir ad hoc ohne fremde Hilfe ca. 30 Geflüchtete aufnehmen.“ Er geht von 6 % bis 7 % der vom Kreis betreuten Geflüchteten aus, die nach Neuenstein kommen werden. Die Zusammenarbeit mit dem Kreis lobt er, „da die bisherige Verteilung durch den Kreis immer einwandfrei geklappt hat und rechtzeitig angekündigt wird.“

„Die Lage ist angespannt, wir nähern uns definitiv der Belastungsgrenze“

Auch in der Gemeinde Pfedelbach wohnen bereits mehr ukrainische Geflüchtete als in den Unterkünften des Landkreises: „Insgesamt sind 173 ukrainische Flüchtlinge in der Gemeinde gemeldet, davon 86 von der Gemeinde untergebracht, der Rest privat. Dazu noch 36 Flüchtlinge anderer Nationalitäten in kommunalen Gebäuden“, informiert Klaus Uhl, der dortige Hauptamtsleiter. In Pfedelbach gibt es noch freie Unterkünfte: „Die Gemeinde verfügt glücklicherweise über mehrere kommunale Gebäude, die belegt werden können. Wir haben noch ca. 25 kommunale Plätze, die belegt werden können, zudem wurden der Gemeinde Wohnungen/Gebäude zur Miete angeboten; diese Option benötigen wir aktuell (noch) nicht“. Die Unterkünfte sind also in Pfedelbach nicht knapp, Uhl sieht ganz andere Probleme auf seine Gemeinde zukommen: „Die Lage ist angespannt, wir nähern uns definitiv der Belastungsgrenze. Nicht nur im Hinblick auf das Thema Unterbringung, sondern auch im Bereich der „Betreuung/Unterstützung“ nach der Unterbringung, obwohl wir ehrenamtlich engagierte Bürgerinnen und Bürger sowie Integrationsmanager haben.“

Ehrenamt an den Grenzen angelangt

Mit dieser Aussage benennt Uhl ein Problem, das auch andernorts sichtbar wird: Die Unterstützung durch Land und Bund ist zu gering, obwohl das Land rund 10 Stellen im Integrationsbereich für den Hohenlohekreis bereitgestellt hat. Das ehrenamtliche Engagement, auf das man sich in vielen Gemeinden bei Kriegsbeginn stützen konnte und auch weiterhin stützt, wird geringer. Die Gründe dafür mögen vielfältig sein: Der Arbeitsaufwand ist für die freiwilligen Helfer seit gut sechs Monaten hoch, sie sind einfach erschöpft. Und auf der anderen Seite vermissen sie auch oft die Anerkennung von Behördenseite für ihre Arbeit, was die Motivation nicht steigert.

Gemeinden ohne gemeindliche Unterkünfte

Gar keine eigenen Unterkünfte betreibt Dörzbach. Claudia Konrad vom dortigen Bürgermeisteramt: „Wir müssen Wohnraum anmieten, um Wohnraum zu bieten. Deshalb versuchen wir alle Anfragen direkt privat unterzubringen“. Die 34 Ukrainer:innen in Dörzbach sind demnach auch alle privat untergebracht. Mit etwa zwei bis drei weiteren Personen rechnet man pro Quartal in Dörzbach.

Und auch in Niedernhall wurden bislang 36 Ukrainer:innen privat untergebracht, weitere acht bis 10 Personen könnten „spontan“ aufgenommen werden, teilt Bürgermeister Achim Beck mit.

„Niemand kann das aus der Glaskugel lesen“

Die Kreisstadt Künzelsau ist in einer besonderen Situation: Sie betreut mit ihrem Integrationsteam auch Menschen, die in Kreiseinrichtungen untergebracht sind, insgesamt 129 Personen. „54 von den 129 Personen sind in Wohnungen untergebracht, die die Stadtverwaltung in Künzelsau angemietet und an die Geflüchteten untervermietet hat.“ Ingesamt stehen in Künzelsau 65 Plätze zur Verfügung, also sind noch elf Plätze frei, „Diese Angaben sind allerdings Momentaufnahmen. Durch Wegzug von Geflüchteten und die Zurverfügungstellung von privatem Wohnraum ändern sich die Kapazitäten“, betont Elke Sturm, Pressesprecherin der Kreisstadt. Sie weiß aber auch: „Niemand kann das aus der Glaskugel lesen. Die Stadtverwaltung Künzelsau wappnet sich so gut es geht, in den kommenden Monaten eine unbestimmte Zahl von Flüchtlingen – nicht nur aus der Ukraine – aufnehmen zu müssen.“

„große Besorgnis“

„Wir teilen die große Besorgnis über die Zuspitzung der Lage und können schwer abschätzen, ob die verfügbaren Plätze ausreichen werden. Wir rechnen definitiv mit Zuweisungen im Winter“, versteht Öhringens OB Thilo Michler die Sorgen seiner Kollegen aus den Hohenloher Gemeinden.

„Flüchtlingsgipfel“

Am heutigen Dienstag, 11. Oktober 2022, ist in Berlin ein „Flüchtlingsgipfel“ geplant. Dort sollen Themen wie Bundeszuschüsse oder Kapazitätserhöhungen in den Erstaufnahmeeinrichtungen auf der Tagesordnung stehen. Möglicherweise sehen die Gemeinden danach mit weniger Sorge in die Zukunft.

Text: Matthias Lauterer




Dr. Marc Wucherer wird neuer CEO bei Ziehl-Abegg

Der Aufsichtsrat der Ziehl-Abegg SE hat Dr. Marc Wucherer zum neuen Vorstandsvorsitzenden des Unternehmens berufen. Der 52-Jährige wird die neue Aufgabe im Dezember 2022 übernehmen.

Der promovierte Ingenieur mit Betriebswirtschaftsstudium startete seine Karriere bei der Siemens AG. Im In- und Ausland hatte er mehrere Managementfunktionen für verschiedene Fachbereiche inne, unter anderem als Präsident des Industriesektors in Nordostasien.

Seit 2017 war Dr. Marc Wucherer Mitglied des Vorstands der Bosch Rexroth AG mit globaler Zuständigkeit für den Vertrieb und das Marketing, sowie später zusätzlich für den Bereich der Fabrikautomatisierung. Dr. Marc Wucherer ist Vollblutmanager mit einem großen Erfahrungsschatz in vielen unternehmerischen Bereichen. Neben Kompetenz und Verlässlichkeit ist seine internationale berufliche Erfahrung eine gute Voraussetzung, um das weitere globale Wachstum von Ziehl-Abegg aktiv zu gestalten.

„Mit Dr. Marc Wucherer als CEO und den heutigen Vorstandsmitgliedern der Ziehl-Abegg SE Olaf Kanig (CFO), Dr. Sascha Klett (CTO) und Joachim Ley (COO), wird Ziehl-Abegg ein neues, herausragendes und starkes Führungsteam haben“, so Dennis Ziehl, Aufsichtsratsvorsitzender der Ziehl-Abegg SE.

Pressemitteilung Ziehl-Abegg

 




Fenster am helllichten Tag besprüht

Ein Unbekannter beschädigte am Freitagnachmittag das Milchglasfenster eines Frisörsalons in Künzelsau. Eine Mitarbeiterin bemerkte zwar, wie der Täter ein Graffiti an das Fenster in der Filiale in der Hauptstraße sprühte, allerdings konnte dieser trotzdem unerkannt in Richtung Stadtmauer flüchten. Die Scheibe wurde bereits zum wiederholten Mal mit roter Farbe besprüht. Zeugenhinweise gehen unter der Telefonnummer 07940 9400 an das Polizeirevier Künzelsau.

Pressemitteilung Polizei Heilbronn




Zwei Alkoholunfälle am Wochenende

Forchtenberg: Betrunken unterwegs – Pkw überschlagen

Vermutlich aufgrund der Alkoholisierung des Fahrers überschlug sich am Sonntagmorgen, 9. Oktober 2022,  bei Forchtenberg ein Audi A4. Der 21-jährige Fahrer war gegen 5.45 Uhr auf der Landesstraße 1048 von der Landesstraße 1045 kommend in Richtung Öhringen unterwegs. Hier kam er in einer Rechtskurve nach links von der Fahrbahn ab, fuhr gegen eine Straßenlaterne und anschließend in den Straßengraben. Dort überschlug sich das Fahrzeug, kollidierte mit einer Steinmauer und blieb liegen. Ein Alkoholtest bei dem 21-Jährigen ergab einen Wert von mehr als 1,6 Promille, weshalb vor Ort eine Blutentnahme durchgeführt wurde. Der Fahrer wurde beim Unfall verletzt und mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht.

Künzelsau: Unfall unter Alkohol – Widerstand gegen Polizei

Ein 58-Jähriger muss mit mehreren Anzeigen rechnen, da er am Samstag, 8. Oktober 2022, alkoholisiert einen Unfall verursachte und anschließend Widerstand gegen die Polizei leistete. Der Mann fuhr gegen 21.30 Uhr von den Wertwiesen mit seinem Ford Fiesta in Richtung Lindenstraße. Vermutlich aufgrund überhöhter Geschwindigkeit und seiner Alkoholisierung geriet er mit seinem Pkw beim Übergang in die Konsul-Uebele-Straße auf die Gegenfahrbahn. Dort kam ihm ein anderes Fahrzeug entgegen, das ausweichen musste. Der Ford-Fahrer wich ebenfalls aus und kam nach rechts von der Fahrbahn ab. Dort beschädigte er einen Laternenmast, ein Verkehrszeichen und eine Hauswand. Das Fahrzeug musste anschließend abgeschleppt werden. Als der 58-Jährige aufgrund seiner Alkoholisierung zur Blutentnahme ins Krankenhaus gebracht werden sollte, leistete er Widerstand gegen die Polizeibeamten. Nur unter großem Kraftaufwand konnten dem Mann die Handschließen angelegt werden und ein Transport ins Krankenhaus erfolgen. Der entstandene Sachschaden ist unbekannt.

Pressemitteilung PolizeiHN