1

Diebstahl aus mehreren Containern auf Baustelle

Unbekannte entwendeten in der Nacht auf Donnerstag, 13. Oktober 2022, Arbeitsgeräte von einer Baustelle in Forchtenberg-Wohlmuthausen. Der oder die Täter verschafften sich zwischen 18 Uhr am Mittwoch und 7 Uhr am Donnerstag Zutritt zum Gelände und brachen Materialcontainer auf. Aus diesen entwendeten sie Elektrowerkzeug im Wert von mehreren zehntausend Euro. Anschließend flüchteten sie unerkannt.

Der Polizeiposten Niedernhall sucht Zeugen, die Hinweise zu den Tätern geben können oder verdächtige Wahrnehmungen gemacht haben. Diese werden gebeten sich bei der Kriminalpolizei Heilbronn unter der Telefonnummer 07131 104 4444 zu melden.

Pressemitteilung Polizei Heilbronn




Wege nach Künzelsau: Zwölf Menschen sprechen über ihren Anfang in der Stadt

Seit Bestehen der Stadtgeschichte ist Zuwanderung in Künzelsau ein beständiges Thema. Ob geplante berufliche sowie familiäre Entscheidungen nach Künzelsau führen oder schicksalshaft kriegsbedingt und von politischen Ereignissen in den letzten 80 Jahren geprägt waren: Der Gesprächsabend am 20. Oktober 2022 mit
verschiedenen langjährigen und neuen Einwohnerinnen und Einwohnern soll zeigen, welche unterschiedlichen Wege nach Künzelsau führen und wie man hier Freundschaft und Heimat findet.

Oft nur für einen Lebensabschnitt gedacht, bleibt Künzelsau doch die Heimatstadt oder der Ausgangspunkt von spannenden Entwicklungen. Lebenswege, die nach Künzelsau geführt haben, sollen der Mittelpunkt der Talk-Runde mit dem Moderator Hans-Peter Archner sein, dessen Jugend auch von diesen Erfahrungen in Künzelsau geprägt war. Er spricht mit Zeitzeugen verschiedener Epochen aus Künzelsau und blickt zurück und in die Gegenwart.

Wie war der Anfang in der neuen Heimat Künzelsau?

Wie vor Jahren der Anfang in Künzelsau war – darüber sprechen Sigrid Maibaum, vertrieben aus Niederschlesien – jetzt Polen –, Maria Zürn und Hilde Hornung, vertrieben aus dem Böhmerwald – jetzt Tschechien. Alle drei kommen um 1950, wie auch Hans Peter Archner, als Kinder mit den Müttern aus den verlorenen Kriegsgebieten und benötigen Unterkunft und eine neue Heimat. Rund zwei Jahrzehnte später kehrt Stefan Kraut als Jugendlicher mit seinen Eltern aus Uruguay nach Künzelsau zurück. Als Sohn griechischer Gastarbeiter wird Costa Papadopoulos in Künzelsau geboren und übernimmt von seinen Eltern die Gaststätte, die er als modernes Bistro-Café Oxn weiterführt. In den 1980ern kommt Konstantia Bachtsetzi als junge Griechin mit ihrem Verlobten, einem Griechen, der in
Künzelsau aufgewachsen ist, zurück nach Deutschland. Ihre Tochter Katerina Tsiligiri wird hier geboren und geht in Künzelsau neben der üblichen deutschen Schule auch zur griechischen Schule, wie alle griechischen Kinder. 1992 beginnt Hauke Hannig sein Studium an der FH Heilbronn – Außenstelle Künzelsau. Er kommt aus der Großstadt Bremen wird hier heimisch. Den Weg über die Reinhold-Würth-Hochschule nach Künzelsau findet auch Neofit Vasilef mit seiner späteren Frau Öznur
Vasilef, er betrieb in der Hauptstraße einige Jahre zwei Modegeschäfte. Aus Kasachstan kommt Natalia Zeller 1996 über ein Lager in Esslingen nach Künzelsau-Taläcker. Sie spricht damals schon Deutsch, wie viele Menschen, die in den 90er Jahren auch aus Russland in Künzelsau heimisch geworden sind.
Alle die Genannten wissen, wie auch Ilona Nies aus Winnyzja, Ukraine, und Omar Alkhalaf aus Syrien, was es bedeutet, seine Heimat zu verlassen und in einer fremden Umgebung neu anzufangen. Nies und Alkhalaf sind seit knapp zehn Jahren in Künzelsau und betreuen heute zusammen mit einem Team bei der
Stadtverwaltung geflüchtete Menschen.

Strategie 2030
Dies ist eine Maßnahme aus der „Strategie 2030 – Wir gestalten gemeinsam unsere Zukunft in Künzelsau“. Der Gemeinderat hat im Rahmen der „Strategie 2030“ fünf Schwerpunktthemen definiert und gemeinsame Ziele für die nächsten Jahre festgelegt. Für dieses Jahr ist der Schwerpunkt Integration und Infrastruktur.

Mehrgenerationenabend in der Stadthalle bei freiem Eintritt

Der spannende und unterhaltsame Mehrgenerationenabend für alle findet am Donnerstag, 20. Oktober 2022 um 19.30 Uhr in der Stadthalle Künzelsau statt. Einlass in die Stadthalle ist ab 18.30 Uhr, Einlass in den Saal gegen 19 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Eintritt ist frei.

Pressemitteilung Stadt Künzelsau

 




Inflation wird zum sozialen Sprengstoff

Im Monat September 2022 lag die Inflationsrate bei 10 Prozent, das hat das Statistische Bundesamt destatis am gestrigen Donnerstag, 13. Oktober 2022, veröffentlicht. Das bedeutet, dass die Preise gegenüber dem Monat September 2021 um 10 Prozent angezogen haben. An eine derart hohe Preissteigerung kann sich kaum noch jemand erinnern, in der Geschichte der Bundesrepublik ist das einmalig.

GSCHWÄTZ hat schon in früheren Beiträgen darauf hingewiesen, dass die Inflationsrate allein keine Aussage darüber ist, wie sehr die Menschen von den Preissteigerungen beeinträchtigt werden. Wer wenig Geld hat und dieses Geld nahezu ausschließlich für elementare Güter wie Nahrungsmittel und Kleidung ausgeben kann, für den sind die Preissteigerungen anderer Waren wenig interessant.

Tweet Marcel Fratzscher.

Der Ökonom Marcel Fratzscher, Professor für Makroökonomie und Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), meldet sich üblicherweise im Wirtschaftsteil der großen Tages- und Wochenzeitungen zu Wort, ist auch oft in spätabendlichen Talkrunden zu sehen. Dass er sich jetzt mit eindringlichen Worten bei twitter äußert, ist ungewöhnlich:

Sozialer Sprengstoff

Er nennt die Preissteigerungen einiger unverzichtbarer Güter wie Energie und Grundnahrungsmittel – und siehe da: Die Preissteigerung gegenüber dem Vorjahr liegen bei diesen Produkten weit über der durchschnittlichen Inflationsrate von 10 Prozent und er nennt das einen „sozialen Sprengstoff“.

In der Tat sind bereits Menschen auf der Strasse, die gegen die Inflation demonstrieren – dass sie dies mit russischen Fahnen tun, ist wohl eine deutsche Besonderheit. Noch reden auf diesen Demonstrationen dieselben Redner, die schon gegen die Corona-Maßnahmen angeredet haben, auch unter den Demonstrierenden erkennt man Anti-Corona-Massnahmen-Aktivisten wieder.

Spaltung: bitterarm – halbwegs vermögend

Wenn aber Menschen in wahre Existenznot geraten, dann ist mit größeren Teilnehmerzahlen und mit ganz neuen sozialen Strukturen zu rechnen. Eine weitere Spaltung der Gesellschaft, diesmal zwischen bitterarm und noch halbwegs vermögend, wird dann stattfinden. Denn die Interessen dieser Gruppen stehen sich dann entgegen. Das ist zu befürchten, wenn nicht umgehend Massnahmen direkt gegen die Inflation oder zur Unterstützung der Bevölkerung ergriffen werden.

Der Markt ist nicht rational

„Das regelt der Markt“ ist eine oft gebrauchte Floskel, die vor allem von neoliberalen Ökonomen und Politikern genannt wird. „Der Markt“, das sind aber Menschen, die an Schaltstationen Entscheidungen treffen und die – das zeigen verhaltensökonomische Forschungen – in der Regel sehr eigennützig handeln, weder unbedingt im Sinne Ihres Unternehmens und schon gar nicht immer zum Wohle der Gesamtgesellschaft. So wird der leitende Manager eines Energiekonzerns, dessen Incentive umsatzbezogen ist, höhere Preise gerne sehen, weil er seine Prämie damit leichter erreichen kann.

„Der Markt“, das sind aber auf der anderen Seite auch Menschen, die gar nicht mehr in der Lage sind, Auswahlentscheidungen darüber zu treffen, was sie konsumieren. Sie sind gar nicht in der Lage, unter verschiedenen hochwertigen Schuhen auszuwählen: Sie sind gezwungen, sich aus den Angeboten der Discounter zu bedienen. Auch wenn ein hochwertiger Schuh möglicherweise ökonomischer wäre, haben sie das Geld nicht, eine solche ökonomische Entscheidung zu treffen.

Mit Neoliberalen Methoden kommt man nicht weit

Die wichtigste Grundannahme des neoliberalen Wirtschaftsmodells, die Rationalität aller Marktteilnehmer, ist damit nicht erfüllt, man kann also sagen: Mit neoliberaler Wirtschaftspolitik kommt man in der heutigen Situation nicht mehr weit.

Preistreiberei im Spiel

Das Beispiel des Energie-Managers ist nicht zufällig gewählt, denn gerade bei Energiekonzernen zeigt sich, dass sie Gewinner der Inflation sind: Sie schreiben derzeit besonders hohe Gewinne. Gewinn ist das, was nach Abzug aller inflationsbedingt gestiegenen Kosten übrig bleibt. Wenn also trotz gestiegener Einstandspreise die Gewinne der Energie- und Rohstoffproduzenten auf Rekordniveau sind, dann ist dieser Rekordgewinn ein Inflationstreiber. Energie ist ein Kostenfaktor in der Kalkulation bei jedem Unternehmer, der ein Produkt oder eine Dienstleistung herstellt und auf dem Markt anbietet.

Staatlicher Eingriff in den Markt

Aber dieser Inflationstreiber ist sehr wohl steuerbar. Wenn die Unternehmen dies nicht selber tun, wenn das der Markt eben nicht regelt -, dann können die Regierungen diese außergewöhnlichen Gewinne besteuern, die sogenannte Übergewinnsteuer. Nachdem deutsche Politiker eine Übergewinnsteuer lange Zeit als Ding der Unmöglichkeit erklärt haben, auch noch als sie in Spanien bereits eingeführt war, sind sie inzwischen davon begeistert: „Wir werden sie in Deutschland schnell umsetzen“, sagt Wirtschaftsminister Habeck inzwischen.

Nicht die ultima ratio

Das ändert aber nichts daran, dass die Energie weiterhin zum hohen Preis an die Industrie und die Bürger:innen verkauft wird, das Geld also erst einmal fließt und die Industrie weiterhin mit hohen Energiepreisen kalkulieren und ihre Produkte zu einem hohen Preis verkaufen müssen. Erst im Anschluß können die Mittel, die durch die Übergewinnsteuer an den Staat gehen, über Unterstützungsprogramme an Bürger und Produzenten weitergegeben werden – ein bürokratischer Aufwand, der noch gar nicht abzusehen ist. Außerdem dürfte doch das ein oder andere  Unternehmen insolvent sein, bis die Programme bei ihm ankommen.

Privatisierung von Grundversorgung war vielleicht doch nicht die richtige Lösung

Eine wichtige Voraussetzung, die eine solche Situation erst entstehen lassen konnte, waren die Privatisierungswellen von Unternehmen der bis dahin größtenteils staatlichen oder staatlich gesteuerten Grundversorgung. Strom, Gas, Telekommunikation – alles wurde vom Staat gegen eine Einmalzahlung, die längst verpufft ist, an Privatunternehmen verkauft: aus einem staatlich kontrollierten Monopol mit all seinen Schwächen wurden privat organisierte Oligopole mit ganz neuen Schwächen, die einen Scheinwettbewerb führen, im Endeffekt aber für gute Renditen der Kapitaleigner sorgen.

Direkte Preisregelung durch den Staat

Insofern wäre eine direkte Preiskontrolle des Staates für Elementargüter, was von vielen als „der Weg in den Kommunismus“ bezeichnet wird, wahrscheinlich der bessere Weg, die Inflation einzudämmen: Damit wäre der komplette Markt mit Energie und anderen Elementargütern zu überlebensfähigen Preisen versorgt, die Preise wären nicht so stark energiebelastet und könnten deutlich stabiler sein als sie es heute sind. Hätte der Staat noch Eigentum an derartigen Unternehmen, wäre das recht einfach umsetzbar: Diese Unternehmen könnten zum gewollten Preis anbieten – den Rest „regelt der Markt“. Diese Einflußmöglichkeit hat sich der Staat genommen – im Tausch gegen eine einmalige Zahlung, die sofort in den Haushalt eingeflossen und schon lange ausgegeben ist.

Text: Matthias Lauterer

 

 

 

 

 




Fußgängerin bei Unfall schwer verletzt

Schwere Verletzungen zog sich eine 72-jährige Fußgängerin am Mittwochabend bei einem Unfall in der Künzelsauer Straße in Ingelfingen zu. Die Dame war vermutlich gerade im Begriff die Künzelsauer Straße zu überqueren, als sie vom Außenspiegel einens vorbeifahrenden Volkswagen touchiert wurde. Der 20-jährige Fahrer des VW hatte die Frau vermutlich aufgrund der Lichtverhältnisse und eines defekten Abblendlichts nicht wahrgenommen. Durch die Berührung mit dem Außenspiegel stürzte die 72-Jährige und zog sich schwere Verletzungen zu, weshalb sie im Anschluss in einem Krankenhaus behandelt werden musste. Am Fahrzeug des jungen Mannes entstand Sachschaden in Höhe von circa 1.000 Euro.

Pressemitteilung Polizei Heilbronn




Shishabar als Umschlagplatz?

Wahre Schwerarbeit verrichten musste Staatsanwalt Fuchs am Mittwoch, den 11. Oktober 2022, bei der Verhandlung gegen zwei Angeklagte aus Künzelsau, denen Drogenhandel in erheblichem Ausmaß sowie weitere schwere Straftaten im Umfeld der Drogenkriminalität zur Last gelegt werden.

Lange Liste von Straftaten

Seine Anklageschrift, für deren Verlesung er knapp eine halbe Stunde benötigte, umfasste 101 Taten, die die beiden Angeklagten teils gemeinschaftlich begangen haben sollen. Nicht nur das Handeltreiben mit Betäubungsmitteln, sondern auch der Aufbau eines Verteilernetzes und Gewalttaten wie bewaffneter Raub und Erpressung werden einem der Angeklagten vorgeworfen. Dass ein Minderjähriger zum Drogenverkauf angestiftet oder genötigt worden sein soll, dürfte für einen der Angeklagten besonders schwer wiegen. Allein die lange Liste der Paragraphen aus dem Betäubungsmittelgesetz und dem Strafgesetzbuch, gegen die die Angeklagten verstoßen haben sollen, ist eindrucksvoll.

Künzelsauer Shisha-Bar als Drogenumschlagplatz

Die beiden Angeklagten kennen sich seit einiger Zeit, der Angeklagte R. war eine Zeitlang in der Künzelsauer Shisha-Bar, die der andere Angeklagte G. zusammen mit seinem Geschäftspartner H. führte, beschäftigt. Diese Shisha-Bar, so sagt es Fuchs, sei einer der Umschlagplätze gewesen, sowohl beim Einkauf von Drogen als auch beim Verkauf.

Verteilnetz aufgebaut – auch ein Minderjähriger „angeworben“

Ein ganzes Netz von zusammenarbeitenden Straftätern, die in anderen Verfahren gesondert verfolgt werden, tut sich bei den Tatschilderungen von StA Fuchs auf: Es ist die Rede von Übergaben auf immer derselben Parkbank, von offenbar gut organisierten Zulieferern, die auch große Mengen anbieten konnten und von einem Verteilernetzwerk, das das Marihuana, das Kokain und das Amphetamin in und um Künzelsau an Konsumenten weiterverkauft haben soll. Einer der  Weiterverkäufer soll ein Minderjähriger gewesen sein. Gegen viele der von Fuchs genannten Personen laufen oder liefen bereits Verfahren, einige der Personen sind auch als Zeugen geladen.

Dazu soll R. mehrfach Geld unter Drohungen erpresst haben, einmal soll er dabei mit einem feststehenden Messer bewaffnet gewesen sein – der strafrechtlich schwerste Vorwurf: Auf eine solche Tat steht eine Mindeststrafe von fünf Jahren Haft.

Vorläufig keine Angaben zur Sache

Beide Angeklagten wollen derzeit keine Angaben zu Sache machen, zur Person machen sie allerdings Angaben:

Stefan G. sucht sofort Blickkontakt zu seiner Verteidigerin. Foto: GSCHWÄTZ

Stefan G. ist 22 Jahre alt und ist nach einer Ausbildung und Tätigkeit als Maschinen- und Anlagenführer seit 1. Juni 2020 als Gastwirt tätig, er führt zusammen mit seinem Geschäftspartner H. eine Shisha-Bar in Künzelsau. Das Geschäft lief anfangs, so berichtet Stefan M. , gut, bis das Lokal coronabedingt im November 2020 schießen musste. Er gibt an, rund 100.000 Euro geschäftliche Schulden zu haben, hauptsächlich aus einem Privatdarlehen von rund 80.000 Euro, das ihm sein Kompagnon H. zum Kauf der Shisha-Bar gewährte, dazu kommt ein kleineres Privatdarlehen von seinen Großeltern und ein Bankkredit. Privat sei er wegen eines Autokredits mit weiteren rund 8.000 Euro verschuldet. Über eine eventuelle eigene Drogensucht möchte er zumindest derzeit noch nicht antworten. Weitere Angaben machte er am ersten Verhandlungstag nicht. Verteidigt wird er von Rechtsanwältin Anke Stiefel-Bechdolf.

Zusammen mit G. ist Muhammademin R. angeklagt, ein 24-jähriger gebürtiger Syrer, der 2015 nach Deutschland geflüchtet ist, wo er mit nicht ausgeheilten Verletzungen aus dem Bürgerkrieg ankam: Ein Durchschuss im Unterschenkel sowie eine Machetenverletzung im Bauch wurden in Deutschland behandelt. Außerdem wurde er psychologisch betreut, weil er im Krieg Traumata erlitten habe. Groß aufgerichtet, durchaus selbstbewußt, betritt er den Saal, mustert die Anwesenden genau.

Verletzung aus dem Bürgerkrieg

Er gibt an, nach seinem Schulabschluß in Syrien einen deutschen Hauptschulabschluß gemacht zu haben, danach habe er eine Lehre zum Friseur begonnen, die er aber aufgrund seiner Beinverletzung abbrechen mußte. „Ich kann nicht so lange stehen“ sagt er. Sein Deutsch ist so gut, dass er dem Prozeß größtenteils in deutscher Sprache folgen kann. Sein Berufswunsch sei jetzt Lokführer, dafür sei allerdings ein Realschulabschluß notwendig, den er noch machen wolle. Begonnen habe er mit dem Realschulabschluß noch nicht, er habe erst arbeiten und Geld verdienen wollen. Er habe als festangestellte Kraft bei Stefan G gearbeitet, bis dieser ihn während der Lokalschließung entlassen mußte. In Deutschland habe er einen Onkel, der schon länger hier lebe, dazu 3 Brüder. Insgesamt habe er fünf Brüder und 3 Schwestern.

Seine Anwältinnen Andrea Combé und Kristina Brandt nutzen ihr Fragerecht, um herauszuarbeiten, dass R. nach seiner Ankunft in Deutschland alles darangesetzt hat, in Deutschland Fuß zu fassen und heimisch zu werden: Deutschkurse, der Hauptschulabschluß, der Beginn der Ausbildung. Eine Sozialarbeiterin aus Reutlingen, wo R. anfangs untergebracht war, habe ihn dabei unterstützt, eine wichtige und enge Bezugsperson.

R. betritt den Saal aufgerichtet und wirkt selbstbewusst. Foto: GSCHWÄTZ

Wie eine Mutter

„Wie eine Mutter“ habe sich W. um ihn gekümmert, auch noch, als er aus ihrem Zuständigkeitsbereich weggezogen war, sagt R. Und auch in Künzelsau sei der Kontakt nie abgebrochen.

Konflikte zwischen den Angeklagten?

Ein erster möglicher Konflikt zwischen den Angeklagten kommt ans Licht, als Stiefel-Bechtold bei R. nachfragt, ob nicht auch der Mitangeklagte G. zu den engen Bezugspersonen, „den Freunden“ von S. gehört habe? „Wer hat denn die Wohnung gefunden?“ fragt sie und „Wer hat denn die Wohnung eingerichtet und bezahlt?“ Zwar rutscht S. noch die Bemerkung „selber gefunden“ heraus, aber er will keine weiteren Angaben machen. War seine Stimme bis dahin klar und beherrscht, war bei dieser Bemerkung eine gewisse Anspannung nicht zu überhören.

Publikum unterstützt G.

Im Publikum sitzen Bekannte der Angeklagten, aber auch der Mitgeschäftsführer H und die Mutter von Stefan G. Ihre Augen sind leer, sie strahlt tiefe Traurigkeit aus.

Weitere vier Verhandlungstage angesetzt

In den nächsten Verhandlungstagen, vier weitere sind bisher angesetzt, sind insgesamt 16 Zeugen aufgerufen, darunter Polizeibeamt:innen und Personen, die in das Verteilnetzwerk eingebunden waren.

Stefan G. sucht sofort Blickkontakt zu seiner Verteidigerin. Foto: GSCHWÄTZ

 

 

Der Zuschauerraum ist gut besetzt – Freunde und Angehörige von G. wollen ihm Halt geben. Foto: GSCHWÄTZ

 

 

 

 

Das Gericht unter dem Vorsitz von VRiLG Haberzettl betritt den Saal. Foto: GSCHWÄTZ

Text: Matthias Lauterer




Wieder führt ein Schockanruf zum Erfolg

Erst Anfang Oktober 2022 verkündeten die deutsche und die türkische Polizei einen Erfolg im Kampf gegen Telefonbetrüger: Ein Call-Center in der türkischen Provinz Mersin konnte ausgehoben werden, 30 Personen wurden festgenommen.
Dass dieser Erfolg noch nicht das Ende dieser Art der Trickbetrügerei bedeutet, zeigt ein neuer Fall eines – im Sinne der Betrüger – erfolgreichen Schockanrufs im Hohenlohekreis, von dem Polizei und Staatsanwaltschaft berichten:

Hohenlohekreis: Schockanruf von falscher Anwaltskanzlei – Frau um hohen Geldbetrag betrogen

Unbekannte täuschten einer 82-Jährigen am Montag, den 10. Oktober, eine Notlage ihrer Tochter vor und brachten die Frau so dazu, Bargeld und Münzen im sechsstelligen Eurobereich zu übergeben. Gegen 13.30 Uhr klingelte das Mobiltelefon der Frau an deren Anschrift im Hohenlohekreis. Es meldete sich eine männliche Person, die sich als Mitarbeiter einer Anwaltskanzlei ausgab und behauptete, dass ihre Tochter einen Unfall verursacht habe. Bei diesem Unfall sei ein Kind getötet worden und eine Gefängnisstrafe könnte nur durch die Zahlung einer Kaution abgewendet werden.
Die Angerufene fuhr daraufhin auf Anweisung des falschen Anwalts nach Heidelberg und übergab dort gegen 17 Uhr in der Goethestraße in der Nähe des Amtsgerichts Heidelberg aus einem Pkw heraus Bargeld und Münzen in einem blau-weißen Plastikbeutel an einen jungen Mann im Alter von circa 20 bis 25 Jahren, mit schmaler Statur und mit einer Größe von ca. 1,60 bis 1,65 Metern.
Die Kriminalpolizei Künzelsau hat die Ermittlungen aufgenommen. Zeugen, die die Übergabe in der Goethestraße in Heidelberg (in der Nähe des Amtsgerichts Heidelberg) beobachten konnten oder den Abholer mit einem blau-weißen Plastikbeutel im Bereich Heidelberg gesehen haben, werden gebeten, sich unter der Telefonnummer 07940 9400 zu melden.

Um sich vor solchen Betrugsmaschen zu schützen, raten das Landeskriminalamt Baden-Württemberg und das Polizeipräsidium Heilbronn:

  • Die Polizei ruft Sie niemals unter dem Polizeinotruf 110 an.
  • Lassen Sie sich am Telefon nicht unter Druck setzen.
  • Legen Sie den Hörer auf, so werden Sie Betrüger los.
  • Werden Sie misstrauisch bei Forderungen nach
    • schnellen Entscheidungen,
    • Kontaktaufnahme mit Fremden sowie o
    • der Herausgabe von persönlichen Daten, Bargeld, Schmuck oder Wertgegenständen.
  • Wählen Sie die 110 und teilen Sie den Sachverhalt mit. Benutzen Sie nicht die Rückruftaste, da Sie sonst wieder bei den Tätern landen.
  • Sprechen Sie am Telefon nicht über Ihre persönlichen und finanziellen Verhältnisse.
  • Beraten Sie sich mit Ihrer Familie oder Personen, denen Sie vertrauen.
  • Kontaktieren sie ihre Familie oder Personen unter den Ihnen bekannten Rufnummern.

Weitere Informationen und Präventionstipps finden Sie unter www.polizei-beratung.de

 




Auf Bundesstraße 19 gewendet und Unfall verursacht

Drei Personen wurden am Mittwoch bei einem Verkehrsunfall auf der Bundestraße 19 bei Künzelsau verletzt. Ein 20-Jähriger war gegen 7.40 Uhr mit seinem VW Polo auf der B19 von Gaisbach kommend in Richtung Kupferzell unterwegs, als er sein Fahrzeug wendete. Dabei übersah er offenbar einen neben ihm in dieselbe Richtung fahrenden VW Caddy, sodass es zum Zusammenstoß der beiden Fahrzeuge kam. Durch die Kollision wurde der VW gedreht und auf die Gegenfahrbahn geschoben. Sowohl der Fahrer und die 16-jährige Beifahrerin des Polos, als auch der 69 Jahre alte Fahrer des Caddys wurden verletzt und ins Krankenhaus gebracht. An beiden PKW entstand Totalschaden in unbekannter Höhe.

Pressemitteilung Polizei Heilbronn




„Zu empfehlen sind zwei Maß- das erste und das letzte“

„15 Minuten nach Fassanstich sind alle auf den Bänken“, verspricht Renate Kilb von der Stadtverwaltung Künzelsau und Organisatorin der Wert Wies’n.

Von Donnerstag, den  06.10.22, bis Sonntag, den 9. Oktober 2022, herrscht auf dem Gelände der fünften Künzelsauer Wert Wies’n Festbetrieb. Besucher mit und ohne Tracht vergnügen sich an den Buden und Fahrgeschäften oder genießen Bands und selbstgemachtes Essen im Festzelt. Das erste Mal dauert das Fest anstatt zwei ganze vier Tage  und hat mit dem kleinen Vergnügungspark Volksfestcharakter.

Bis der Geldbeutel leer oder der Krankenwagen voll ist

Bevor man der Maß- Konsumempfehlung von Julian und Rony aus Künzelsau und Nikita aus Öhringen folgt und „genug“ trinkt, bis entweder der Geldbeutel leer oder der Krankenwagen voll ist, ist eine Stärkung wertvoll. Diese können die Besucher im Festzelt zu sich nehmen, wo sie sich zwischen Pommes mit Bratwurst über handgemachten Kartoffelsalat bis hin zu ½ Hähnchen entscheiden können. Laut Renate Kilb handelt es sich um regionale Produkte.

1.200 Besucher:innen im Festzelt

Sie freut sich besonders über den grandiosen Vorverkauf der Karten. Während das Zelt am Freitag zu ¾ voll ist, rechnet sie ab Samstagabend mit voller Besetzung von etwa 1200 Leuten.

Als Festwirt ist Roland Rachinger für alles zuständig. „Dass bis zum letzten Nagel alles ordentlich auf- und abgebaut wird“. Und doch würden auch seine Leute rasch an ihre Grenzen stoßen, wäre das Team nicht ein so gutes.

Gute Stimmung- Endlich wieder gemeinsam

Shierim Kasbar, Tochter Engy und die Freundinnen Lana, Rama und Donja sind das erste Mal auf den Wert Wies’n. Wenn sie sich ein Lied wünschen dürften, wäre es eines von der Sängerin Alvia. Müssten sie sich auch noch entscheiden, nur noch eines der typischen Oktoberfestfahrgeschäfte zu fahren, wären es ganz sicher die Boxautos.

Auch Gabriele Terkowski, Hannelore und Wilfred haben einen klaren Liedwunsch: Für sie darf „Layla“ an diesem Abend auf keinen Fall fehlen. Sie genießen es, endlich wieder gemeinsam feiern zu können, wenn jung und alt bei Livemusik mitsingen und gemeinsam lachen.

Wenn es ans trinken geht, empfehlen sie genau zwei Maß. Und zwar „das erste und das letzte“.

Auch Uwe Kauffmann, der mit seinen Bunden und dem Kinderkarussell bei den Wert Wies’n die Stellung hält, findet, man sähe den Leuten an, wie sie sich nach der langen Corona-Zeit über solche Veranstaltungen freuen. „Dieses Jahr ist es hier sehr friedlich. Die Leute wollen einfach Spaß haben“.

Security mit an Bord

Nicht nur bei der Organisation ist entspannte gemeinsame Arbeit unerlässlich, so auch bei den Sicherheitskräften wie Security und die Sanitäter:Innen des roten Kreuzes. Sie sind nicht nur an den Eingängen, sondern patrouillieren regelmäßig durch die Bänke. Obwohl eine tanzende Masse von Leuten am späteren Abend das Zelt füllt und man sich einen Weg durch das Gedränge erst bahnen muss, ist immer wieder Security zu sehen. So wirken die Männer in ihrer schwarzen, mit Taschen bestückten Kleidung etwas einschüchternd, doch sorgen für entspannte Ausgelassenheit.

Beste Voraussichten für Stefan Neumanns Wunsch, auf den er beim Fassanstich anstößt: Eine friedliche Wert Wies’n!

Schnapsleichen

Das rote Kreuz rechnet vor allem am Samstag mit einigen „Schnapsleichen“ und sieht ihnen doch entspannt entgegen. Die Rettungssanitäter zucken mit den Schultern. „So ist das nun mal. Und die Stimmung ist ja gut.“

Das finden auch Yannik Müller, Niko Chartomatsidis, Daniel Franz, Lukas Fiala, Theresa Bürkert, Thilo Kempf, Marcel Fahrbach, Fabian und Toni Kühlerwei, Marc Zeller, Klaus Zwei und Jürgen Lorenz. Die Arbeitskollegen sind gemeinsam aus Forchtenberg auf die Wert Wies’n gekommen und sind derart angetan von der ausgelassenen Stimmung, dass sie das Interview selbst in die Hand nehmen und Stichpunkte aufschreiben. Für sie sind „aus Kollegen Freunde geworden“.

Besucher:innen steigen auf die Tische

Alice und Katja sind als Andreas Gabalier Fans zufrieden mit dem Musikmix am Freitagabend. Sie geben dem Abend den Titel „Girlsnight“.

Mit den beiden Partybands „zruck zu dir“ und „Störzelbacher“ steigen in Künzelsau die Besucher auf die Tische.

Weil nur bis 24 Uhr Zeit ist, will Chris, der Sänger der Störzelbacher 3. Generation, jede Minute auf der Bühne ausnutzen. Es macht ihm Freude, auch am Wochenende unterwegs zu sein, denn damit ist die Musik gleichzeitig Beruf und Leidenschaft für ihn. Ihm ist bewusst, dass es viel Leid in der Welt gibt, darum lädt er die Besucher ein, diese Schwere zumindest für einige Stunden bei Musik und Tanz zu vergessen.

Ob Renate Kilb recht hatte mit ihrer Schätzung von 15 Minuten, bis der Bierbanktanz losgeht?

Nun, die ersten stehen schon, als Bürgermeister Neumann den Fassanstich vornimmt, bereit, endlich wieder anzustoßen.

Text: Fotos & Video: Anna-Lena Eißler




Tötungsdelikt in Belsenberg: Anklage wegen Mord und Raub

Nicht wie im Haftbefehl angegeben wegen Totschlags, sondern wegen Mordes und Raubes hat die Staatsanwaltschaft den Verdächtigen angeklagt, der seine 66-jährige Nachbarin in Belsenberg getötet haben soll. Laut Angaben der Staatsanwaltschaft hat der nunmehr Angeklagte die Tat nach seiner Festnahme gestanden. Als Motiv für die Tat nennt die Staatsanwaltschaft Habgier.

GSCHWÄTZ-Recherchen erweisen sich als richtig

Bereits im Juni konnte GSCHWÄTZ berichten, dass es sich bei dem Angeklagten um den 24-jährigen Nachbarn der getöteten Frau handelt, der nach dem Auffinden der Leiche der Presse noch Videointerviews gegeben hatte.

Ein Termin für die Verhandlung, die in Heilbronn stattfinden wird, steht noch nicht fest.

Text: Matthias Lauterer

 

 




Beschädigung an Waschanlage: rund 15.000 Euro Schaden

Unbekannte beschädigten am frühen Sonntagmorgen, 9. Oktober 2022, eine Selbstbedienungswaschanlage in Ingelfingen-Criesbach. Der oder die Täter brachen zwischen 3.30 Uhr und 4.20 Uhr an allen Automaten zum Waschen und Staubsaugen von Fahrzeugen die Behältnisse zum Einwerfen von Geld auf und entwendeten die Münzen. Hierdurch entstand ein Sachschaden von circa 15.000 Euro. Zeugen, die Hinweise zu Tat oder Tätern geben können, werden gebeten, sich unter der Telefonnummer 07940 9400 beim Polizeirevier Künzelsau zu melden.

Pressemitteilung Polizei Heilbronn