„Wir stehen zu unserer Entscheidung“
„Wir informieren Sie darüber, dass der Vorstand und der Aufsichtsrat der BAGeno mehrheitlich entschieden hat, die Betriebsstelle Dörzbach schrittweise bis Mitte nächsten Jahres zu schließen“, schreibt Manuel Schülein der Redaktion GSCHWÄTZ in einer kurzen Stellungnahme am 24. Oktober 2022. Diverse Einwohner:innen Dörzbachs sind enttäuscht und können die Gründe für diesen Schritt nicht nachvollziehen. Dr. Sandra Hartmann hat sich nun mit Manuel Schuelein, dem geschäftsführenden Vorstand der BAGeno Raiffeisen eG, über die Gründe unterhalten, über die großen Umbrüche in der hiesigen Landwirtschaft und das Betriebesterben in der Landwirtschaft gesprochen.
Unzufrieden und enttäuscht
Schuelein ist zwar erst seit 2021 geschäftsführender Vorstand, arbeitet aber bereits seit 2011 bei BAGeno, zunächst als ITler. Dem 37-Jährigen ist es wichtig, transparent zu machen, was zu dieser Entscheidung geführt hat. „Uns ist es lieber, wir sprechen mit der Öffentlichkeit, als wenn über uns gesprochen wird“, sagt er denn auch gleich zu Beginn des Gesprächs.
„Wir stehen zu unserer Entscheidung“
Dass manche Einwohner:innen unzufrieden und enttäuscht, viele auch überrascht, über die Entscheidung sind, weiß er und kann es auch nachvollziehen: „Wir haben auch ein gewisses Verständnis dafür in Hohebach und Dörzbach. Trotzdem stehen wir zu der Entscheidung, tragen diese mit und können sie auch vertreten.“
Äpfel-Annahme soll weiterhin in Dörzbach möglich sein
Ab kommendem Jahr werden die Einwohner:innen Dörzbachs daher vermutlich auf ihren Raiffeisenmarkt verzichten müssen. Die bereits von diversen Anwohnern geäußerte Befürchtung, dass viele ihre Äpfel ins 10 Kilometer Marlach zu dortigen BAG-Annahmestelle fahren müssen, dem kann Schuelein entgegenwirken: „Für die Apfelannahme im nächsten Herbst und auch für die darauffolgenden Jahre lassen wir uns etwas einfallen, dass man das Obst auch künftig noch in Dörzbach abgeben kann. Wir möchten hier eine langfristige Lösung anbieten. Aber natürlich muss das dann auch von der Bevölkerung angenommen werden.
Bislang keine Gespräche mit privaten Investoren
Diverse Einwohner:innen monieren, dass die Entscheidung zur Schließung schon langer stillschweigend beschlossene Sache gewesen ei. Das weist Manuel Schuelein auf GSCHWÄTZ-Nachfrage entschieden zurück: „Wir haben vor eine Aufsichtsratssitzung gemacht. Der Vorstand und der Aufsichtsrat haben das dort mehrheitlich besprochen.“ Zuvor sei nichts abgesprochen gewesen. Er habe auch die Gerüchte gehört, dass die BAGeno wohl schon Gespräche mit Projektieren gehabt habe, um auf dem Grundstück künftig Wohnungen zu bauen. Auch das weist er entschieden zurück.
Was mit dem Grund und Boden geschieht, ist bislang nicht klar
Der Grund und die Gebäude gehören BAGeno. Ein Lagerhaus mit Raiffeisenmarkt, eine Lkw-Halle sowie eine Lagerhalle und diverse weitere Gebäude hat die BAGeno derzeit in Dörzbach. Was wird damit nun geschehen? „Wir sind für alles offen“, betont Schuelein. „Unser erster Ansprechpartner ist die Gemeinde.“ Zunächst seien Verkaufsgespräche mit der Stadtverwaltung geplant: „Nächstes Jahr wollen wir mit Andy Kümmerle sprechen, wie das weiter genutzt werden könnte.“
„Eine Nullnummer“
Doch bevor es in die Zukunft geht, ist es Schuelein wichtig, die Gründe zu erklären, wie es zu der Schließung kam: „Das war natürlich keine Entscheidung, die aus der Hüfte heraus geschossen wurde, sondern eine Wirtschaftlichkeitsfrage.“ Die BAGeno Dörzbach habe zwar keine roten Zahlen geschrieben, aber „eine Nullnummer gemacht“. Zudem stünden große Investionen an. So sei die Bodenwaage zur Annahme etwa von Äpfeln kaputt. Geschätzte Neuanschaffungskosten: 50.000 bis 60.000 Euro. Der Aufzug werde nicht mehr vom TÜV abgenommen. Das heißt: Ein neuer Aufzug müsste her. Zudem müsste das Gelände, die Wege drumherum gerichtet werden. Weit über 100.000 Euro würde das kosten, rechnet Schuelein hoch. „Und dann hätten wir immer noch eine alte Anlage gehabt.“ Sein Fazit: „Wir können die moderne Landwirtschaft nicht mehr zeitgemäß bedienen.“ Eine neue Anlage wäre, selbst unabhängig von den Kosten, am Dörzbacher Standort wegens Platzmangels nicht möglich gewesen.
Fazit: Zu viel Invest, zu wenig Ertrag
Anders in Marlach. Auf der dortigen freien Fläche hat Bageno bereits zwischen 2,5 Millionen bis 4 Millionen Euro in eine neue Silotechnik, in bessere Annahmetechniken und Möglichkeiten investiert.
Betriebe sterben
Des Weiteren gäbe es gravierende Veränderungen in der Landwirtschaft. Es gäbe laut Schuelein immer weniger Betriebe und Tiere. Die Preise für Dünger, Futter und Tierhaltung würden „explodieren“. Viele wüssten nicht mehr, wie sie weitermachen sollen. Vor allem im Schweinebereich sehe es ganz düster aus. Viele geben nun auf. Die können nicht mehr.
Auch BAGeno trifft die derzeit rasant steigenden Kosten: „Jede von unseren Betriebsstellen kostet extrem viel Geld, Energiekosten. Die Heizkosten werden uns nächstes Jahr einholen.“
Acht Mitarbeiter:innen arbeiten derzeit noch in Dörzbach. Einer davon geht in Ruhestand. „Allen anderen lägen Angebote vor für eine Übernahme in andere BAGeno-Märkte in Niederstetten, Marlach oder Ingelfingen. „Wir haben dabei versucht, die Wünsche der Mitarbeiter:innen mitzuberücksichtigen.“ Denn: Wir haben dasselbe Problem wie viele andere auch. Der Fachkräftemangel herrscht auch bei uns.“
Text: Dr. Sandra Hartmann



