1

„Wir müssen als Ländle vorausgehen“

Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann hat zum Offenen Brief der Kommunalen Landesverbände und der Wirtschaftsorganisationen an Herrn Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit dem Titel „In Sorge um unser Land“ (wir berichteten) reagiert und bestärkt den Wunsch nach Veränderungen: „Künzelsau als Hochschulstadt und Kreisstadt von Hohenlohe, eine der wirtschaftsstarken Regionen der Welt begrüßt und bekräftig die gemeinsame Initiative der Spitzenverbände. Wir müssen als Ländle vorausgehen und die Chancen der multiplen Krisen aktiv nutzen.

„Wir vernichten in Scheibchen unsere Spitzenposition“

In diesen Wochen können wir dieses noch aus einer Position der Stärke. Ein Zukunftskonvent mit einer klaren entfesselnden
Zielsetzung wäre ein echter Quantensprung. Im Moment verlieren wir uns im Kleinen und vernichten in Scheibchen unsere
Spitzenposition.“




„Die Energiekosten für Bürger:innen, Wirtschaft und Kommunen bewegen sich in einer die wirtschaftliche Existenz bedrohenden Höhe“

Anbei veröffentlichen wir einen offenen Brief der kommunalen Landesverbände und Wirtschaftsorganisationen an Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann:

Stuttgart, 27. Oktober 2022
Offener Brief: In großer Sorge um unser Land
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
die Politik ist momentan gefordert wie selten, Regierungshandeln erfolgt unter extremen Unsicherheiten und sich ständig verändernden Rahmenbedingungen. Dabei sind vielfältige Interessen und Interessensgruppen zu berücksichtigen, Mehrheiten zu organisieren und Prioritäten zu definieren. Wir wissen, dass wir uns dabei in den letzten Jahren alles in allem
in Baden-Württemberg in „guten Händen“ befunden haben.

„Vielzahl von parallel verlaufenden Krisen in einem Ausmaß, wie wir sie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht gesehen haben“

Erlauben Sie uns aber trotzdem oder gerade deswegen, dass wir uns heute als Vertreter der 1.101 Städte und Gemeinden, der 35 Landkreise, der rund 800.000 Betriebe sowie der 50 Sparkassen und rund 140 Volksbanken und Raiffeisenbanken in unserem Land mit einem sehr grundsätzlichen Anliegen an Sie wenden. Die Bundesrepublik Deutschland erlebt aktuell eine Vielzahl von parallel verlaufenden Krisen in einem Ausmaß, wie wir sie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht gesehen haben.

„Krieg mitten in Europa“

Krieg in mitten von Europa, Millionen Menschen auf der Flucht, Inflation in einer über Jahrzehnte ungekannten Höhe, Pandemie. Und über alldem wird auch in Europa die Klimakrise immer spürbarer. Vor allem die Energie- und Versorgungssicherheit ist aktuell in Frage gestellt, die Energiekosten für Bürgerinnen und Bürger, Wirtschaft und Kommunen bewegen sich in einer die wirtschaftliche Existenz bedrohenden Höhe.

Die viel zitierte Zeitenwende hat die Welt verändert

Die viel zitierte Zeitenwende hat die Welt verändert und sie muss damit auch ganz konkrete Auswirkungen auf die Prioritätensetzung zentraler Politikfelder haben. Die Verteidigungs- und Bündnisfähigkeit der Bundesrepublik Deutschland, ein verbesserter Katastrophen-, Zivil- und Bevölkerungsschutz, die Sicherung der Energieversorgung und die Aufrechterhaltung des sozialen Friedens sind Beispiele für eine neue, dringend erforderliche Prioritätensetzung. Die politisch zugesagten Entlastungen und Rettungsschirme müssen ebenfalls finanziert und administriert werden. Dabei gilt es, die langfristigen Herausforderungen des demografischen Wandels sowie einer gelingenden klimagerechten, digitalen und demografiefesten Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft nicht aus dem Blick zu verlieren.

„Banken blicken äußerst besorgt in Richtung Zukunft“

Leider müssen wir Ihnen berichten, dass die Verantwortlichen in Kommunen und Wirtschaft sowie bei den Sparkassen und Genossenschaftsbanken angesichts dieser Rahmenbedingungen äußerst besorgt in Richtung Zukunft blicken.
Doch gerade als Wirtschafts- und Industriestandort Baden-Württemberg wissen wir auch darum, was Baden-Württemberg in den zurückliegenden 70 Jahren so erfolgreich gemacht hat. Dies war in besonderem Maße eine kluge Standort- und Strukturpolitik, mit der die Grundlage für Wirtschaftskraft und Wertschöpfung und damit für den gesellschaftlichen
Wohlstand und die ganzheitliche Entwicklung unseres Landes geschaffen wurde. Wesentlichen Anteil daran hatte das gute und effiziente Zusammenwirken von Verwaltung und Wirtschaft – insbesondere auf örtlicher Ebene.

Ohne lokale Wirtschaft vieles bei Bildung, Wissenschaft und Innovation nicht machbar

Ohne diesen volkswirtschaftlichen Erfolg wären wir zukünftig nicht mehr in der Lage, ausreichend in die nachhaltige Transformation, in Bildung, Wissenschaft und Innovation zu investieren. Die Zukunftsfähigkeit wäre damit bedroht und auch der Sozialstaat käme an seine Grenzen. Und deshalb sehen wir es als unsere besondere Verantwortung an, mit diesem Schreiben einen grundsätzlichen Reformprozess anzuregen.

 „Die Zeit eines ungebremsten Draufsattelns bei Standards, Rechtsansprüchen und staatlichen Leistungszusagen ist vorbei“

Denn die Fortführung dieser volkswirtschaftlichen Stärke erfordert einen konsequenten und dringlichen
Veränderungsprozess und eine klare Priorisierung der staatlichen Kraft auf die Zukunftsfähigkeit unseres Landes.
Bisher gefundene politische Antworten und das Festhalten an Koalitionsvereinbarungen – deren Geschäftsgrundlage eigentlich nicht mehr existiert – hindern Staat und Gesellschaft die erforderlichen Veränderungen zu erreichen. Die Zeit eines ungebremsten Draufsattelns bei Standards, Rechtsansprüchen und staatlichen Leistungszusagen ist vorbei.
Wir brauchen einen Wandel hin zu einem modernen Zukunftsstaat mit verlässlichen und umsetzbaren Zusagen.

„Mut zu grundlegenden Veränderung“

Diesen Impuls wollen die Unterzeichner dieses Briefes geben und damit einen politischen Prozess zu den zentralen Fragen für unsere Zukunftsfähigkeit initiieren: Was können ein effizienter Staat und eine nachhaltige Wirtschaft künftig leisten und was nicht? Was soll eine Gesellschaft zukünftig verlässlich vom Staat erwarten können? Und welche Rahmenbedingungen braucht es dafür?

„Der Staat: „Lähmende Behäbigkeit und empfundener Stillstand“

Uns ist bewusst, die Grundlage für einen solchen Prozess bilden ein neuer Realitätssinn und der Mut zur grundlegenden Veränderung. Bei ehrlicher Betrachtung beschäftigen sich Staat, Wirtschaft und Gesellschaft viel zu oft mit
sich selbst. Nur beispielhaft wollen wir die Umsetzung des § 2b UStG, die EU-Datenschutzgrundverordnung und ihre Umsetzung bzw. Anforderungen des Datenschutzes in Deutschland, die mangelnde Zielorientierung und Fokussierung auf Effizienz und Wirkung durch die Klimaschutzregulatorik, die überbordenden Regelungen beim Bauen und die
Komplexität des Vergaberechts nennen sowie Auflagen für kleine und mittlere Banken. Die Folge sind lähmende Behäbigkeit und ein empfundener Stillstand.

Neumann fordert einen Abbau von Regulierungsstandards und eine Entbürokratisierung

Um dies zu überwinden, bedarf es einer Flexibilisierung der rechtlichen Rahmenbedingungen hin zu einer echten Subsidiarität, eines spürbaren Abbaus von Regulierungsstandards und einer konsequenten Aufgabenkritik und Entbürokratisierung. Ein Weniger aber dafür richtig, verlässlich und schnell muss zum Maßstab gesetzgeberischer Regulierung
werden. Denn gerade in Zeiten des Fachkräftemangels müssen wir jede Arbeitskraft produktiv und wirksam einsetzen.

„In großer Sorge um unser Land“

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
in Ihrer Regierungserklärung zum russischen Angriffskrieg auf die Ukraine haben Sie am 6. April 2022 im Landtag von Baden-Württemberg richtigerweise betont, dass wir alle als Teil der Gesellschaft und des Staates Verantwortlichkeiten für das Ganze haben. Wir bitten Sie, diesen Brief genau in diesem Sinne zu verstehen. In großer Sorge um unser Land sehen wir uns in der Verantwortung, zum Gelingen unseres Staates beizutragen. Um dieses Gelingen auch künftig möglich zu machen, benötigen wir einen echten Entfesselungspakt, der uns aus einem überregulierten Gesetzesrahmen befreit. Deshalb schlagen wir Ihnen vor, einen Zukunftskonvent einzuberufen. Dabei geht es explizit nicht (!) um einen weiteren „Krisengipfel“. Dieser Zukunftskonvent sollte vielmehr den Auftrag des Gesetzgebers erhalten, konkrete Vorschläge für einen solchen Ermutigungs- und
Entfesselungspakt zu formulieren.

Zukunftskonvent

Natürlich ist uns bewusst, dass durch einen derartigen Prozess mutmaßlich auch die Anpassung von Recht auf Bundes- und Europaebene als erforderlich empfohlen wird. Gleichwohl könnte sich gerade das Wirtschafts- und Innovationsland Baden-Württemberg und seine Landesregierung an die Spitze einer solchen Bewegung setzen. Mit Blick auf die dargestellten Herausforderungen sollten wir hier nicht zu viel Zeit verlieren und in einem klar definierten Format mit klarem und zeitlichem Ziel vorgehen. Wir sagen Ihnen dabei eine lösungsorientierte und engagierte Unterstützung durch Kommunen und Wirtschaft sowie der Sparkassen und Genossenschaftsbanken zu. Wir werden uns mit ganz konkreten Vorschlägen in einen solchen Zukunftskonvent einbringen. Gleichlautende Schreiben haben wir uns erlaubt an Herrn Stellvertretenden
Ministerpräsidenten und Innenminister Thomas Strobl sowie die Herren Fraktionsvorsitzende
Andreas Schwarz MdL und Manuel Hagel MdL zu senden.

Mit freundlichen Grüßen
Steffen Jäger
Präsident
Dr. Peter Kurz
Präsident
Joachim Walter
Präsident
Rainer Reichhold
Präsident
Christian O. Erbe
Präsident
Senator e.h.
Dr.-Ing. Rainer V. Dulger
Präsident
Peter Schneider
Präsident
Dr. Roman Glaser
Präsident




Dienen und helfen

Bereits zum 18. Mal wird der Hohenloher Adventskalender angeboten. Schloß Stetten wurde als reizvolles Motiv ausgewählt. Hinter 24 Türchen verbergen sich Aussichten auf insgesamt 508 schöne Gewinne im Gesamtwert von rund 30.000 Euro.

Die Fördervereine der Lions Clubs Hohenlohe, Hohenlohe-Künzelsau und Hohenloher Land werden ab Donnerstag, den 3. November im ganzen Landkreis insgesamt 8.000 Adventskalender zum Preis von jeweils 5,00 Euro zum Kauf anbieten. Verkaufsstellen sind das Ö-Center und der Obi-Markt in Öhringen, die Hohenlohe-Apotheke in Künzelsau sowie
alle Geschäftsstellen der Sparkasse Hohenlohekreis.

Mit dem Erlös werden der Arbeitskreis Ausländische Mitbürger e.V. in Öhringen, der Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V. in Krautheim sowie die Tafelläden in
Künzelsau und Öhringen mit jeweils 8.000 Euro gefördert. Die Aktion Menschen in Not erhält wieder 3.000 Euro.

Die Schirmherrschaft für diese Aktion hat erneut Landrat Dr. Matthias Neth übernommen. Jeder Kalender kann einmal gewinnen und hat auf der Rückseite die individuelle Gewinnnummer. Verlost werden hochwertige Sachpreise, sowie Einkaufs- und Verzehrgutscheine, alle von Sponsoren aus der Region zur Verfügung gestellt. Der Hauptpreis ist ein Gutschein für eine Reise nach Barcelona im Wert von 2.500 Euro.

Jeder Käufer unterstützt eine gute Sache, kann sich 24 Tage auf Überraschungen freuen und hat noch die Chance auf einen schönen Gewinn. Der Kalender ist auch ein ideales Geschenk. Die ausgelosten Gewinnnummern und die dazu gehörenden Gewinne werden ab Donnerstag, den 1. Dezember 2022 täglich im Internet unter www.hohenloher-adventskalender.de veröffentlicht.

Die Gewinne bzw. Gutscheine werden gegen Vorlage des Kalenders bei der Sparkasse Hohenlohekreis in Künzelsau, Konsul-Uebele-Str. 11 ausgehändigt. Eine Abholung in allen weiteren Geschäftsstellen der Sparkasse Hohenlohekreis kann telefonisch vereinbart werden. Es wurde darauf geachtet, dass der Kauf des Kalenders und die Gewinn- bzw. Gutscheinabholung einfach und vor Ort möglich sind.

Die Hohenloher Lions setzen ihr Leitmotiv „we serve“, also die Aufforderung zum Dienen und Helfen, mit dieser „activity“ auch in diesem Jahr um.




Ups, da ist wohl ein kleiner Fehler passiert

Haag wurde von der Stadt Kupferzell eingemeindet. Das zumindest könnte man meinen, wenn man bis vor kurzem auf ein neues Ortsschild geschaut hat. Unter Haag stand darauf: Gemeinde Kupferzell. Korrekt wäre aber Künzelsau gewesen. Ein Fehler, der nun vom Landratsamt überklebt wurde.

Wie aber kam es dazu? Es begann alles damit, dass dieses Ortsschild um den ersten Mai herum nicht mehr da war. Vermutlich ein Maischerz. Monate hat es gedauert, bis es ersetzt wurde – nur leider durch ein inhaltlich nicht ganz korrektes. So zeigte es sich im Oktober 2022 in falscher Pracht, bis das Landratsamt davon Wind bekam und den falschen Namen erst einmal notdürftig überkleben ließ.

Das Landratsamt hat gegenüber der Heilbronner Stimme nun den kleinen Fehler bei der Bestellung des neuen Schildes zugegeben. Eine Korrektur erfolge nun durch kostengünstiges Überkleben mit gelber Folie und dem Schriftzug Künzelsau.

RichtigesOrtsschild. FQuelle:privat




2,38 Promille am helllichten Tag

Nach einem Unfall entfernte sich ein 22-Jähriger am Samstagnachmittag, 22. Oktober 2022, mit seinem BMW von der Unfallstelle in Künzelsau. Der BMW kollidierte gegen 17 Uhr beim Ausparken auf einem Parkplatz vor einer Bäckerei in der Hauptstraße mit einem geparkten Audi und der Fahrer fuhr davon, ohne sich um den Schaden zu kümmern.

Aufmerksame Zeugen, konnten der alarmierten Polizei das Kennzeichen des BMW mitteilen. Eine Streife traf den BMW an der Anschrift des Halters in Künzelsau an. Hier konnte die Streife die Insassen des BMW ermitteln. Der 22-Jährige konnte von den Polizisten als Fahrer identifiziert werden. Da der junge Mann Anzeichen auf Alkoholeinfluss aufwies, wurde ein Alkoholtest durchgeführt. Dieser ergab einen Wert von 2,38 Promille.

Der BMW-Fahrer musste mit den Beamten in ein Krankenhaus und eine Blutprobe abgeben. Sein Führerschein wurde beschlagnahmt und er muss nun mit einer Anzeige rechnen.

Pressemitteilung Polizei Heilbronn




Lemia spendet über 2.000 Euro für Flüchtlingsarbeit an das Landratsamt

Fastnachtsgesellschaft Lemia Krautheim überreicht Spendenscheck an das Landratsamt Hohenlohekreis

„Närrischer Betrag“

Die Fastnachtsgesellschaft Lemia Krautheim hat dem Landratsamt Hohenlohekreis am Donnerstag, den 20. Oktober 2022, einen Spendenscheck in Höhe von 2.222,22 € für die Flüchtlingsarbeit übergeben. Der Geldbetrag ist bei der Benefiz-Veranstaltung für Geflüchtete aus der Ukraine zusammengekommen, die Lemia am 26. Juni 2022 veranstaltet hatte. Die Fastnachtsgesellschaft hat die Einnahmen selbst noch aufgestockt, um den „runden“ närrischen Betrag zu erhalten.

Bei der Übergabe im Johannitersaal im Rathaus Krautheim freute sich der Erste Landesbeamte des Hohenlohekreises, Gotthard Wirth, über die Aktion und die daraus resultierende Spende.

Er lobte das Engagement und die Idee, eine Spendensammlung mit einer Veranstaltung zu verbinden, bei der der Verein nach zwei Jahren Corona-Pandemie endlich wieder aktiv werden konnte. Lemia-Sitzungspräsidentin Sibylle Weisl bestätigte die große Begeisterung, mit der sich auch Musikkapellen und Tanzgruppen an der Veranstaltung mit Kinderfest und Bar-Abend beteiligt hatten. Krautheims Bürgermeister Andreas Köhler zeigte sich stolz auf das große bürgerschaftliche Engagement in seiner Stadt und für die Unterstützung bei der Integration von Flüchtlingen.

Für Kinder und Jugendliche

Den Mitgliedern der Lemia ist es wichtig, dass die Spende direkt ankommt und insbesondere Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine zugutekommen soll. Dr. Mark Wittlinger, zuständig für die Flüchtlingsintegration im Hohenlohekreis, sichert dies zu: „Die Hilfsbereitschaft gegenüber geflüchteten Kindern ist besonders hoch. Minderjährige leiden ganz besonders unter der Fluchtsituation. Mit Projekten und Aktionen bereitet man Ihnen eine große Freude und verschönert Ihren Alltag“, erklärte Wittlinger. Mit Hilfe der Spende können nun unter anderem geeignete Materialien für ehrenamtlich betreute Kreativkurse in den Willkommenspunkten beschafft werden. Auch die Jugendlichen werden nicht vergessen: In der Gemeinschaftsunterkunft im ehemaligen Krankenhaus Künzelsau wird ein Tischkicker aufgestellt.

Lemia-Sitzungspräsidentin Sibylle Weisl übergibt dem Ersten Landesbeamten Gotthard Wirth den Spendenscheck für die Flüchtlingsarbeit. Mit dabei: Bürgermeister Andreas Köhler (2. v. r), Integrationsbeauftragter Dr. Mark Wittlinger (3. v. r.), Götz von Berlichingen (4. v. r.) und weitere Mitglieder des Elferrats. Foto: Landratsamt HohenlohekreisQuelle: Landratsamt des Hohenlohekreises

Quelle: Landratsamt des Hohenlohekreises




„Der Wald wird nicht verschwinden, er wird sich verändern“

„Was wir jetzt tun, wird über unsere Zukunft entscheiden“, sagt Prof. Dederich von der Universität Rottenburg.

Am Donnerstag, dem 20.10.2022 haben sich etwa 300 Leute im Carmen Würth Forum versammelt, um Vorträgen, sowie einer Podiumsdiskussion zum Thema „Unser Wald im Klimawandel“ zu lauschen. Das Landratsamt Hohenlohe lädt in Kooperation mit der Adolf Würth GmbH & Co. KG Waldbesitzer:Innen, Waldliebhaber:Innen und Holzinteressierte in den passenderweise mit Holz vertäfelten Reinhold-Würth-Saal ein.

Das Ziel, wie es Norbert Heckmann, Sprecher der Geschäftsleitung der Adolf Würth GmbH & Co. KG in seinem Grußwort beschreibt ist es, „mit mehr Wissen zu kommen, als zu gehen.“ Denn der Wald ginge jeden etwas an- Waldgenießer, Jogger, auch die, die einfach gerne ein Waldbad nehmen.

„Extremwerte sind das neue normal“

„Extremwerte sind das neue Normal“, so Prof. Dr. Jürgen Bauhaus von der Waldbau-Uni Freiburg. Und es sei nicht nur der Klimawandel, der unsere Wälder zerstört, Schädlinge und neue Pflanzenarten tragen auch ihren Teil dazu bei.

Wobei „zerstören“ nicht ganz richtig ist. Er würde sich verändern, allerdings ohne menschliche Einwirkung erst in 600 bis 1000 Jahren. Und wenn „in Freiburg bald das Klima von Avignon herrscht, wird es dort auch andere Baumarten geben“. Für die Wälder im Hohenlohekreis bedeute dies, nach aktueller Prognose, dass „die Fichten in die Alpen wandern und die Eiche an Bedeutung gewinnt.“

Eiche.

Fichten wandern in die Alpen

An Bedeutung verlieren sollte laut Prof. Ludger Dederich von der Hochschule Rottenburg das Heizen mit Holz. „Plan B der Energieversorgung und der Wald zahlt die Zeche.“ So könne man nicht mit Chemie behandeltes Holz im Bau verwenden und wenn es dann nach vielen Jahren doch einmal abmontiert wird, dann dürfe man es erst verheizen.

Heizen mit Holz nicht sehr umweltfreundlich

Ähnlich wenig Verständnis hat er dafür, dass Tui als systemrelevantes Unternehmen eingestuft und mit Milliarden-Hilfspaketen versorgt werden würde, während der Wald herzlich wenig Förderung erhalte. Denn ohne Förderung funktioniere es nicht.

Die wenigsten Waldbesitzer können es sich leisten, wie Johannes Graf von Zeppelin in seinen Waldstücken vor allem die Pflanzen zu pflanzen, die er als klimawandelbeständig einstuft.

Klimawandelbeständige Pflanzen

An der Podiumsdiskussion beteiligt sind auch Ulrich Häberlein, der Geschäftsführer des Laubholzsägewerk Häberlein, Ralf Karle, 1. Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Dörzbach-Krautheim, Thomas Maier, Leiter des Forstamts des Hohenlohekreises und Bürgermeister Joachim Scholz, Kommunalwald Schöntal, die von Dr. Regina Rhodiu durch das Gespräch geführt werden. Und obwohl es viele Interessierte und Engagierte gibt, kündigt Prof. Bauhaus an, dass es eine Generationenaufgabe sei, eingeschlossen Rückschläge und „weitermachen“, dem Wald bei der Veränderung zu helfen. Es gäbe einige Möglichkeiten wie Verjüngung und Weiterbildung, die jedoch immer mit hohen Kosten verbunden seien. „Aber wir müssen uns den Herausforderungen stellen“, schließt er seinen Vortrag.

Wer an diesem Abend unter den Fremdwörterkaskaden der Referierenden nicht untergegangen ist, kann sich über eine Menge Wissen freuen- waren die Vorträge doch derart ausführlich, dass die Veranstaltung nicht wie geplant gegen 21:30 Uhr endete, sondern gegen 22 Uhr.

Thomas Maier hat auch ein Schlusswort parat, denn nicht nur im Wald müsse etwas verändert werden: Es koste Kraft, den Hohenloher von etwas zu überzeugen, das zuvor anders war.

Hohenloher:innen zu überzeugen, das ist nicht immer einfach

Nach Prof. Dederich ist es aber die Bemühungen wert: „Der Wald ist nicht selbstverständlich. Achten Sie darauf, dass auch Ihre Kindeskinder noch dort Fahrradfahren können. Was wir jetzt tun, entscheidet über unsere Zukunft.“

So unklar diese Zukunft jetzt noch ist, eines kann Bürgermeister Scholz versprechen: Eintrittsgeld für den Wald wird er nie verlangen.

TexT




VdK-Kampagne Nächstenpflege – Infostände in Künzelsau

Häusliche Pflege findet hinter verschlossenen Türen statt. Wie sich die Lage für die Betroffenen darstellt, war bislang nicht näher bekannt, obwohl in Deutschland 80 Prozent der 4,1 Millionen Pflegebedürftigen zuhause versorgt werden, im Südwesten rund 378.000 Menschen. Abhilfe will der Sozialverband VdK mit seiner großangelegten bundesweiten Pflegestudie in Zusammenarbeit mit der Hochschule Osnabrück schaffen, deren Ergebnisse inzwischen vorgestellt wurden. Außerdem hat der VdK in Bund und Land seit längerem die neue VdK-Kampagne Nächstenpflege gestartet, um gerade den Anliegen der zuhause gepflegten Menschen und pflegender Angehöriger Gehör zu verschaffen.

Der VdK-Ortsverband Künzelsau ist im Zuge dieser Kampagne für Pflegende am Freitag, 21. Oktober 2022, und am Samstag, 22. Oktober 2022, jeweils zwischen 10 Uhr und 12 Uhr mit einem Infostand am Alten Rathaus in der Hauptstraße in Künzelsau.

Pressemitteilung VdK

 

 




„Das war doch nicht gegrillt. Wir waren ganz freundlich“

Am Donnerstag 20.Oktober 2022 ist der zweite Verhandlungstag im „Künzelsauer Drogenprozeß“ angesetzt. Angeklagt sind, wie berichtet, ein Gastwirt aus Künzelsau und ein syrischer Asylbewerber, der ebenfalls in Künzelsau wohnte. Vorgeworfen wird ihnen gemeinschaftlich begangener Drogenhandel, dem Syrer R. werden zusätzlich noch weitere schwere Straftaten wie schwerer Raub vorgeworfen.

Zu Beginn wird die Sitzung zuerst für ein Rechtsgespräch unterbrochen, es geht dabei wohl um mögliche Einlassungen der Angeklagten, das Thema „gemeinschaftliches Handeln“ der Angeklagten und die sinnvolle Reihenfolge der Zeugenvernehmungen. Die Angeklagten werden für die Pause wieder in Handschellen genommen und aus dem Saal geführt. Sie schauen sich dabei nicht einmal an. Man einigt sich darauf, mehrere geladene und erschienene Polizeibeamte doch nicht am selben Tag zu befragen. Einzig der Hauptsachbearbeiter P. (da es sich um einen Fall handelt, an dem verdeckte Ermittler:innen beteiligt waren, nennen wir nicht einmal den richtigen Anfangsbuchstaben des Namens), ein junger Polizeikommissar, soll am zweiten Verhandlungstag befragt werden.

Richter Frank Haberzettl wendet sich konkret an den Angeklagten R. und weist nochmals darauf hin, dass bei entsprechenden Angaben über die schwersten der ihm vorgeworfenen Delikte – Anstiftung eines minderjährigen zum Drogenhandel, Erpressung und schwerer Raub – die Drogendelikte „nachrangig“ behandelt werden könnten. R. und seine beiden Verteidigerinnen Kristina Brandt und Andrea Combé entscheiden sich aber dagegen, sich bereits im aktuellen Prozessstatus einzulassen. Sie stellen aber in Aussicht, dass R. am nächsten Verhandlungstag Angaben machen könnte.

Gericht warnt: „Das Verfahren ist komplex“

Anfangs dreht sich die Befragung des Polizeibeamten vor allem darum, wann und wie die Ermittlungen gegen die Angeklagten R. und G. überhaupt in Gang kamen. Richter Haberzettl warnt das Publikum schon vor: „Das Verfahren ist komplex und wird mehr umfassen als nur unsere beiden Angeklagten“. Er hat damit recht, wie sich bald herausstellt.

In Gang gekommen ist das Verfahren gegen R. durch ein Verfahren gegen einen Mann aus Mulfingen. Bei der Auswertung von dessen Handy fiel ein Verdacht auf R., im Mai 2021 wurde die Wohnung von R. durchsucht, Rauschgift wurde dabei nicht gefunden. R. wurde erkennungsdienstlich behandelt, Angaben machte er damals nicht. Wenige Tage später erreicht die Polizei eine Meldung des LKA Hessen, dass ein geplanter Rauschgiftdeal mit R. nicht zustandegekommen sei, da R. nicht gekommen sei. Fast schon komisch: Er konnte nicht kommen, denn er war zu diesem Zeitpunkt auf dem Revier in Künzelsau. Das LKA hatte eine verschlüsselte Kommunikation lesen können – dass die Behörden diese Verschlüsselung entschlüsseln können, war zu diesem Zeitpunkt noch geheim. Mehrere Drogenkäufe im April und Mai 2021 konnten direkt R. zugeordnet werden.

Verbindungen zu einem großen Betrugsfall aus dem Kochertal

Aus einem anderen Verfahren – K., ein Mann aus dem Kochertal wurde wegen Telefonbetrügereien festgenommen und ist inzwischen verurteilt – gab es im Juli 2021 einen Hinweis darauf, dass in R.s Wohnung „ein backsteingroßer Block“ Kokain gewesen sein sollte. P. berichtet, dass die Geschäfte zuerst in der Wohnung durchgeführt worden sein sollen, und „im Frühjahr in die Shisha-Bar verlegt“ worden sein sollen. Bis Ende Mai 2021 war die Bar aufgrund der Corona-Maßnahmen nicht geöffnet.

Polizei will an die Hintermänner herankommen

Haberzettl hakt nach: „Wenn das 2021 bekannt geworden ist, warum dann der Zugriff erst Anfang 2022“? Die Polizei vermutete „eine größere Struktur, vielleicht eine Bande“, daher sei eine Festnahme aus ermittlungstaktischen Gründen zurückgestellt worden. Man habe die Genehmigung für eine verdeckte Ermittlung eingeholt und die verdeckten Ermittler (VE) hätten in der Shisha-Bar auch Kontakt aufnehmen können. Allerdings nur mit dem Angeklagten G. dessen Name jetzt erstmals fällt. R. habe man nicht angetroffen, möglicherweise seien die beiden zu diesem Zeitpunkt „zerstritten“ gewesen. „G. hat sich damals als Vermittler dargestellt“, berichtet R. Tatsächlich kam ein erstes Geschäft zwischen den VE und einem H. zustande, den G. als Ansprechpartner genannt hatte.

Stefan G. sucht sofort Blickkontakt zu seiner Verteidigerin. Foto: GSCHWÄTZ

Wieder kommt der oben erwähnte K. ins Spiel, der damals selbst kokainabhängig und auf Einkaufsquellen angewiesen war. Er will auch in der Shisha-Bar Drogen gesehen haben. Wem diese Drogen zuzuordnen waren, G., R. oder beiden gemeinsam, ist nicht klar.

P. war nicht an allen Ermittlungsschritten selbst beteiligt, viele Daten und Details kennt er aus den Akten oder den Berichten seiner Kollegen. „G. nur ein Vermittler, ist das glaubwürdig?“ wirft der Richter ein. P. berichtet daraufhin aus den Akten von einem Treffen G.s in Frankfurt, um eine größere Menge Marihuana zu kaufen – er kam mit leeren Händen zurück, die Händler hätten ihm keine Ware in Kommission überlassen.

Verdeckte Ermittler bezahlen Drogen

Bei einem weiteren Kauf von dem Frankfurter Großdealer waren die VE dabei. 5.000 Euro für rund ein Kilogramm Marihuana gingen über den Tisch. „Die 5.000 Euro haben wir besorgt“, sagt P. aus. Damals habe G. ein weiteres Geschäft abgesprochen und auch die Preisverhandlungen geführt. Die VE hätten zwar zu dem Großdealer Kontakt aufgebaut, seien aber von ihm immer an G. verwiesen worden.

Irgendwann sei während der Vorbereitung eines noch größeren Deals der Kontakt zwischen G. und dem Großdealer abgebrochen. Die zu diesem Zeitpunkt bereits laufende Telekommunikationsüberwachung (TKÜ) bestätigt tatsächlich, dass keine Kontakte mehr nachweisbar sind.

Eine weitere Person kommt ins Spiel

Ganz offen am Telefon sprach G. mit einer weiteren Person M. über einen 2kg-Marihuana-Deal. Tatsächlich gehandelt wurde kurz vor Weihnachten. M. wird im Prozess voraussichtlich noch als Zeuge gehört werden, er ist zwischenzeitlich rechtskräftig verurteilt, hat also kein Zeugnisverweigerungsrecht.

Die Festnahme

G. wurde schließlich am 21. Januar 2022 in Gelnhausen während eines größeren Deals festgenommen, gemeinsam mit einem Fahrer und drei Lieferanten. Zu diesem Zeitpunkt bestand für ihn bereits ein Haftbefehl. Bei einer anschließenden Durchsuchung der Shisha-Bar wurden keine Betäubungsmittel gefunden. Aber ein PIN, der die Entsperrung von G.s Handy ermöglichte: der gesamte Chatverlauf für das Gelnhausen-Geschäft war für die Ermittler sichtbar. G. selbst machte bei der Polizei keine Angaben und wurde in die JVA Schwäbisch-Hall verbracht. Er war zwischenzeitlich nochmals kurzzeitig auf freiem Fuß: Wegen eines Formfehlers sei der Haftbefehl außer Vollzug gesetzt worden, berichtet P. Der Beschwerde der Staatsanwaltschaft wurde stattgegeben -seitdem ist G. in Untersuchungshaft.

Von R. war gar nicht mehr die Rede

„Keine weiteren Erkenntnisse“ hätten sich seit der Vernehmung im Fall K. über R. ergeben. Erst im Januar 2022 kam R. wieder in den Fokus der Ermittler. Ein Jugendlicher wurde am Bahnhof in Künzelsau mit Drogen aufgegriffen und dieser machte Angaben über seinen Verkäufer, den ebenfalls noch jugendlichen Ha., über den die Spur wieder zu R. führte. Haberzettl fragt nach: „Wäre diese Tat nicht begangen worden, hätte R tätig werden können“, wenn man ihn bereits früher festgenommen hätte?  P. antwortet mit „Ja“, verweist aber nochmals darauf, dass man R-s Hintermänner identifizieren wollte. „Darum wurde die Verhaftung zurückgestellt“.

R. habe – das weiß P. allerdings auch nur aus der Akte – über einen weiteren Strohmann S. dem Ha. 50 Gramm Marihuana zum Weiterverkauf zukommen lassen, was dieser auch getan habe. HA. wollte aussteigen, wurde aber von R. gezwungen, möglicherweise mit Schlägen, weiter als Verkäufer tätig zu sein. Irgendwann habe R. von Ha. 4.000 Euro als Rückzahlung angeblicher Schulden verlangt, er drohte dabei, Ha.s Freundin vor dessen Augen zu vergewaltigen. Ha. sollte für R. einen Kredit aufnehmen oder eine Kreditkarte besorgen, was daran scheiterte, dass Ha. noch minderjährig und nicht kreditwürdig war. Die weiteren Erpressungen und Gewalttaten, die R. vorgeworfen werden, fanden im selben Zeitraum statt. Außerdem habe R. noch mindestens zwei weitere Personen, S. und W. zum Dealen gewzungen. W. ist ein weiterer Link zum Betrugsfall K.

Wichtig für die Strafzumessung

Soweit die Tatschilderungen von P. Danach wurde er von Richter Haberzettl zu einigen wichtigen Details befragt, der Minderjährigkeit von Ha.  und der gemeinschaftlichen Tatbegehung, beides Themen, die für eine eventuelle Strafzumessung wichtig sind:

„Woher wußte R., dass H. minderjährig ist?“ „Er könnte es vom Aussehen festgestellt haben.“ „Woraus entnehmen Sie als Hauptsachbearbeiter die Gewissheit?“ Die Fragen werden strenger, die Antworten unsicherer, sie beginnen immer öfter mit Floskeln wie „Ich meine“ oder sogar „ich meine gehört zu haben“. Auch die Körpersprache des Beamten wird unsicherer, sein Nacken färbt sich langsam rot. Der Richter hält ihm vor: „R. war im Besitz des Personalausweises von Ha. und wollte Kreditkarten beantragen, die wurden wegen des Alters abgelehnt. Ist das unwichtig?“

„Bisher sind das zwei getrennte Komplexe“

„Bisher sind das zwei getrennte Komplexe“, stellt Richter Haberzettl fest und fragt nach den Zusammenhängen. Die Vernehmung des K. habe ergeben, dass in der Shisha-Bar Rauschmittel gesehen wurden, antwortet P. Jetzt greift R.s Verteidigerin ein und weist den Zeugen darauf hin, dass er hier keine Interpretationen äußern soll, sondern ausschließlich eigene Wahrnehmungen oder Aktenerkenntnisse. Und Haberzettl fragt nochmal konkret nach Belegen für eine gemeinschaftliche Tat.  „G. betreibt die Bar und G. war sein Angestellter, daher gehen wir davon aus …“ und verweist auf die Aussage von K.,. der Drogen in der Bar gesehen haben will. Haberzettl stellt in den Raum „Wäre es möglich, dass R. sich der Bar einfach bemchtigt hat und sie benutzt hat?“ und fragt konkret: „Gibt es Erkenntnisse aus der TKÜ, dass G. [an den Drogendeals von R., Red.] beteiligt ist?“ Klare Antwort: „Nein“. Der Richter stellt fest, „dass man aus einer einzigen Zeugenaussage schließt, dass „gemeinschaftlich“ Taten begangen wurden.“

„Ich weiß es nicht“

P. ist die Anspannung immer stärker anzumerken, als Anke Stiefel-Bechtold, die Verteidigerin von G. fragt, ab wann denn das Telefon ihres Mandanten überwacht wurde – die Antwort muß P. schuldig bleiben. „Ein genaues Datum kann ich Ihnen nicht sagen“. Immer weniger Inhalt haben die Antworten P.s, etwa wenn Kristina Brandt fragt, woher sich K. und der oben erwähnte W. kannten: Möglicherweise aus der Autowerkstatt, „ich will mich da nicht festlegen“. Oder wenn es um die  Vernehmung von K. geht: „Wie kam es zur Vernehmung von K. in diesem Verfahren?“ „Auf Veranlassung der Kollegen in Heilbronn“. „War ihnen die Aussage von K. aus dem anderen Verfahren bekannt?“ „Soweit ich mich erinnern kann, nein.“ „Haben Sie die Vernehmungsergebnisse an die Kollegen in Heilbronn weitergeleitet?“ „Ich weiß es nicht.“

Richter Haberzettl folgt der Befragung interessiert – er sitzt jetzt nicht mehr frontal, sondern leicht schräg zum Zeugentisch, hat den Ellbogen auf dem Tisch aufgestellt und den Kopf auf die Hand gestützt.

Andrea Combé interessiert, ob die VE auf beiede Angeklagten angesetzt waren. Das bejaht P., man habe „damals nicht gewußt, das R. und G. getrennte Wege gehen“. „Gab es auch TKÜ-Massnahmen gegen R.?“ „Zu diesem Zeitpunkt nicht, wir wußten nicht, was mit R. ist, ob er vielleicht in Urlaub ist.“ „Haben Sie R. drei Monate aus den Augen verloren?“ „Wir haben keine neuen Erkenntnisse gewonnen“, weicht P. ein wenig aus.

„Das ist alles?“

Auch an den bei der Hausdurchsuchung bei R. gefundenen Mobiltelefone ist Combé sehr interessiert: Eines der vier Handys hat R. als sein eigenes bezeichnet, den PIN hat er herausgegeben. Wem die anderen Handys gehören, sagte R. bisher nicht aus. Eines der aufgefundenen Handys war ein sogenanntes „AnonHandy“.  „Wie hat man denn dieses AnonHandy meinem Mandanten zuordnen können?“ fragt sie. Ein Indiz sei, dass die PINs für das Handy von R. und das Crypto-Handy identisch waren. Auch ein Spitzname, der auf den kutlurellen HIntergrund von R. schließen lasse, sei in den Chats auf dem Crypto-Handy gefunden worden. Nochmals fragt frakt Combé: „Was konkret?“ „Ich schließe das daraus, dass es den gleichen PIN hat.“ „Das ist alles?“

Der Zeuge ist inzwischen deutlich zusammengesunken, aber die Befragung ist noch nicht am Ende, Anke Stiefel-Bechtold meldet sich noch einmal: „Wann haben Sie den Antrag auf TKÜ gestellt?“ Der Zeuge antwortet konkret: „Am 17. 9.2021, am 20.9. wurde er per Beschluß genehmigt“. „Und wann haben Sie die verdeckte Ermittlung beantragt?“ „Es könnte … Anfang September ….“ „Also vor dem TKÜ-Einsatz?“ erwiedert Stiefel-Bechtold. Sie erwartet keine Antwort, läßt die Frage bedeutungsvoll im Raum stehen.

„Ich muß doch jemanden fragen können, ab wann haben wir das und das gemacht“

Auch Richter Haberzettl scheint ein wenig ungehalten: „Ich muß doch jemanden fragen können, ab wann haben wir das und das gemacht“. Er entläßt den Zeugen und schließt die Verhandlung.

Der nächste Verhandlungstag ist am 10. November. Möglicherweise äußern sich die Angeklagten dann zu den Tatvorwürfen.
Auf die Frage, ob das bereits das berühmte „Grillen“ eines Zeugen war, antwortet Kristina Brandt: „Das war doch nicht gegrillt. Wir waren ganz freundlich“. Hätte sie keine Maske getragen, hätte man sie dabei wahrscheinlich freundlich lächeln sehen.

Text: Matthias Lauterer




In der Sudetenhalde kommen die Bauarbeiten voran

Die Baumaßnahme zur Sanierung der Sudetenhalde schreitet voran. Die Abwasser- und Wasserleitungen wurden bereits zum größten Teil verlegt und Hausanschlüsse vorbereitet und umgebunden. Im nördlichen Teil der Sudetenhalde wurde auch die Gasleitung der Netze BW bereits verlegt. In der dritten Oktober-Woche haben hier die Arbeiten zur Kabelverlegung begonnen. Bei den Kabelarbeiten werden Leitungen für Strom (Netze BW), Breitband und Straßenbeleuchtung neu verlegt. Die Bestandsleitungen der Vodafone und Telekom müssen umgelegt werden. Gleich im Anschluss daran wird der Straßenbau durchgeführt. Dies bedeutet leider eine weitere Einschränkung für die Grundstückseigentümerinnen, -eigentümer und Anwohnenden, da dann die Zufahrten zu den Privatgrundstücken nicht mehr möglich sein werden. „Zugleich bedeutet es jedoch auch, dass das Ende der Baumaßnahme so langsam absehbar ist“, so ordnet Simone Mitsch von den städtischen KünWerken die laufenden Arbeiten ein. Im südlichen Teil der Sudetenhalde sind die Maßnahmen noch in vollem Gange. Jetzt hat die Baufirma Wolff & Müller zusätzlich zu den beiden bisher tätigen Baukolonen noch eine dritte eingesetzt. Alle am Bau Beteiligten zeigen vollen Einsatz um auch hier das gesteckte Ziel zu erreichen.

Die Beteiligten am Bau sind noch zuversichtlich, dass – bis auf Restarbeiten in den Flächen seitlich des Straßenzuges – die Baumaßnahme, weitestgehend in diesem Jahr fertiggestellt werden kann – immer vorausgesetzt die Witterung spielt mit.

„Wir bitten noch einmal eingehend um Verständnis und bedanken uns für die bisher aufgebrachte Geduld und das Verständnis der direkt von der Baumaßnahme betroffenen Einwohnerinnen und Einwohner –  aber auch bei allen anderen, die durch die Baumaßnahme doch einige Umstände zu ertragen hatten“, so Simone Mitsch.

Wasserversorgungsleitung bis ans private Gebäude auf Stadt-Kosten

Die Stadt Künzelsau übernimmt bei der Erneuerung der Hausanschlussleitungen die Kosten für die Arbeiten innerhalb des öffentlichen Bereiches sowie innerhalb des Privatgrundstückes bis zur Hauptabsperrarmatur im privaten Gebäude. Diese eigentümerfreundliche Regelung ist in Künzelsau durch die Wasserversorgungssatzung der Stadt geregelt. Diese Regelung ist eine Besonderheit, weil viele Kommunen die Erneuerung der Wasserleitung bereits ab der Grundstücksgrenze berechnen.

Aktuell wird die Wasserversorgung nicht nur in der Künzelsauer Sudetenhalde erneuert, auch in Ohrenbach, Rodachshof und Siegelhof wird gebaut und überall nach den gleichen Grundlagen – der Wassersatzung der Stadt – abgerechnet. „Die zuständigen Mitarbeiter des Wasserwerks Künzelsau sind bereits mit den einzelnen Grundstückseigentümerinnen und -eigentümern in Kontakt“, erklärt Simone Mitsch.

Zahlen, Daten, Fakten

Bis zur Fertigstellung werden erneuert: zirka 370 Meter Kanal inklusive zwölf Schächte; zirka 400 Meter Wasserleitung inklusive zehn Schächte; zirka 400 Meter Breitbandleerrohre; zirka 400 Meter Straßenbeleuchtungskabel inklusive 18 Straßenbeleuchtungsmasten sowie rund 45 Hausanschlüsse Kanal (im öffentlichen Bereich), Wasserleitung und Breitband (im öffentlichen und privaten Bereich). Zudem werden 45 Stromanschlüsse der Netze BW erneuert und teilweise Gasleitungsanschlüsse verlegt. Telekom und Vodafone legten die bestehenden Versorgungsleitungen um. Der Straßenbau wird auf der Gesamtlänge von zirka 400 Metern komplett erneuert.

Der Gemeinderat hat die Tief-und Straßenbauarbeiten der Sanierung der rund 400 Meter langen Sudetenhalde für die Bruttoangebotssumme von 1, 73 Millionen Euro im Dezember 2021 an die Firma Wolff & Müller aus Waldenburg vergeben.

Pressemitteilung Stadt Künzelsau