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„Man kann da auch einen Prozeß über drei Instanzen machen“

Kein Ende in Sicht bei der Berichterstattung um das Altenheim „Alte Harmonie“ in Kocherstetten. GSCHWÄTZ berichtete unter anderem bereits über den Fund von Überwachungskameras in den Räumen der Mitarbeiter:innen und von teils relevanten Sicherheitsmängeln und von rechtlichen Schritten der Heimleitung gegen Internetkommentare.

Und über einen solchen Internetkommentar ging es in einem Prozess vor dem Landgericht in Heilbronn am 22. November 2022: Die Betreibergesellschaft der Alten Harmonie ging gegen den Verfasser einer Bewertung bei google vor, der seine Unzufriedenheit über die Leistung der Einrichtung in kurzen und deutlichen Worten geäußert hatte. Die Betreibergesellschaft verlangte Löschung des Kommentars und stellte eine Schadensersatzforderung in den Raum.

Der Beklagte, Gerd Z., ist der Schwiegersohn einer Frau, die kurz vor der Corona-Isolation in das Pflegeheim aufgenommen wurde. Er wirft dem Heim schlechte Kommunikation sowie Mängel bei der Pflege der alten Frau vor. Inzwischen wird die alte Frau in einem anderen Heim gepflegt.

Die Frage nach der Meinungsfreiheit

Richter Dr.Wolber weist zu Beginn des Prozesses darauf hin, dass in diesem Verfahren zu prüfen sei, ob die Internetbewertung eine -möglicherweise falsche- Tatsachenbehauptung sei oder ob sie von der Meinungsfreiheit gedeckt sei. Von Beginn der Verhandlung herrscht ein scharfer Ton im Saal, nicht nur zwischen den Parteien. Gleich zu Beginn mußte Dr. Wolber beide Seiten daran erinnern, dass er diese Verhandlung führt und selber entscheidet, mit wem er redet und wem er das Wort erteilt. Überhaupt wirkt der Richter auf den Zuschauer angriffslustig. Er sitzt nicht zurückgelehnt und zuhörend, sondern vorgebeugt und insistierend. Er insistiert beispielsweise auf die Vorgänge rund um die Kündigung des Heimvertrags durch den Betreiber:  „Warum haben Sie die Kündigung überhaupt akzeptiert? Sie hätten ja dagegen vorgehen können.“ Die Antwort von Z. „das Verhältnis war zerrüttet, es war kein Gespräch mit dem Heim möglich“, will er nicht hinnehmen. Dass eine Familie die alte pflegebedürftige Mutter und Schwiegermutter in ihren letzten Jahren nicht in der Obhut von Personen lassen möchte, gegen die man gleichzeitig juristisch vorgeht, mag der Richter nicht verstehen.

Emotionsreicher Vortrag

Z. ist voll von Emotionen und berichtet, dass die Schwiegermutter kurz vor der Corona-Isolation ins Heim aufgenommen wurde und dass während der Corona-Isolation kein Besuch möglich gewesen sei. „Kommunikation per Telefon war fast unmöglich, da die Schwiegermutter schwer hört.“ Von Seiten des Heimes habe die Familie nur wenig Unterstützung erfahren, sagt er aus. Das bezeichnet er als „unprofessionell“ und berichtet, dass das im neuen Heim ganz anders gehandhabt wurde. Und, das ist ein schwerer Vorwurf: Das Heim habe eine beginnende Demenz nicht richtig diagnostiziert, sondern die alte Frau als „schwierig“  bezeichnet. Genau diese „Schwierigkeiten“, so Z., seien aber Hinweise auf eine Demenz. Er ist der Meinung, dass ein Pflegeheim diese Symptome erkennen müsse.

„ich kenne ihn gar nicht“

Ständiges Kopfschütteln und Grinsen begleiten Z.s Vortrag von der Klägerbank. „Wenn man als Telefon isch, dann hat man alles besprochen“, erwidert die Geschäftsführerin des Heims, Frau Hess-Feldbach. Und: „Ich habe mit ihm nie telefoniert, ich kenne ihn gar nicht.“ Sie muss aber zugeben, dass sie mit Z. Mailkontakt hatte.

Ein Sturz oder kein Sturz?

Streitig ist ein angeblicher Sturz der alten Dame: Sie sei nachts aus dem Bett gestürzt und der Nachtdienst habe ihr gesagt, sie solle sich anstrengen und selber ins Bett kommen. „Ich wüßte nicht, dass sie gestürzt ist“, sagt Hess-Feldbach. Auf jeden Fall ist kein solcher Vorfall dokumentiert, es gibt kein Sturzprotokoll, keinen Arztbericht.

Von der Seite der Kläger kommen während Z.s Vortrag immer wieder Zwischenrufe wie „Quatsch“.

Beklagter will warnen

Richter Dr. Wolber will von Z. wissen, was er mit seiner Bewertung erreichen wollte: „Es geht nicht um die Einzelfälle, sondern um das Geschäftsgebaren der Klägerin, vor der zu warnen ist“, sagt er und betont nochmals: „Es hat keine Gespräche gegeben, wir haben keine gemeinsamen Lösungen gefunden.“

Bewertung hat keinen Bezug zu den Vorfällen

Diese Vorträge der Parteien beleuchten nur die Hintergründe, die zu der Bewertung geführt haben. Für die juristische Abwägung, ob die Bewertung stehen bleiben kann oder nicht, sind sie nicht unbedingt relevant. Dr. Wolber wirft daher ein: „Die Bewertung hat keinen Bezug zu konkreten Fällen, so ein Bewertungsportal kann auch als Pranger verwendet werden“, worauf Z. antwortet: „Ich darf doch reinschreiben, was ich empfinde.“

Genau das ist der Knackpunkt in diesem Verfahren, meint Dr. Wolber: „Überschreitet das die Grenzen der freien Meinungsäußerung? Man muss das abwägen mit den Rechten der Kläger, dem das Recht am eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb.“ Er redet den Parteien ins Gewissen: „Man kann da auch einen Prozeß über drei Instanzen machen. Ich weiß nicht, ob es eine Rechtsschutzversicherung gibt für solche Fälle“ und schlägt einen Vergleich vor: Z. möge die Bewertung löschen und keinen entsprechenden Beitrag mehr posten. Beide Parteien sollen ihre Kosten selber tragen.

Nach kurzer Beratungspause erklären sich die Parteien mit diesem Vorschlag einverstanden. Die Beklagten bestehen auf die Ergänzung, dass damit sämtliche Ansprüche aus diesem Streitgegenstand, also auch eventuelle Schadensersatzansprüche, erledigt sind. Die Verfahrenskosten dürften sich für jede Partei auf einen vierstelligen Betrag belaufen.

Regeln für Internetbewertungen

Aus den Aussagen des Richters läßt sich folgern, dass man bei Internetbewertungen eine gewisse Vorsicht an den Tag legen sollte: Man sollte stets einen Bezug zu einem konkreten Vorfall erwähnen und davon ausgehend eine Bewertung abgeben:  „Ein ganz miserables Lokal“ wäre als Bewertung also wohl justiziabel, „wir wollten am xx.xx. dort essen, mussten lange auf die Bestellung, noch länger auf das Essen warten – und dann war es kalt und versalzen. Wir haben es zurückgehen lassen“, wäre, wenn man Dr. Wolber interpretiert, wohl zulässig.

Der Schwiegermutter von Z. geht es „inzwischen gut, bis auf die Demenz.“

Text: Matthias Lauterer

 

 




„Den Journalismus vor Ort zu stärken, bedeutet, die Demokratie vor Ort zu stärken“

Auch in diesem Jahr war irgendwie alles anders als die Jahre zuvor. Unsere Redaktion GSCHWÄTZ in der Gaisbacher Straße 6 in Künzelsau haben wir teilweise für eine monatelange Kleidersammel- und Spendenaktion für ukrainische Frauen und Kinder bereitgestellt. Unverzichtbar waren und sind an dieser Stelle Ehrenamtliche, die helfen, wo sie nur können. Auch wir durften auf zahlreiche helfende, vor allem weibliche, Hände zurückgreifen, allen voran auf unsere gute Seele im Haus, Ursula Mezger, auf Marina, die dolmetscht für ukrainische Frauen, auf Margarita, die etwa an Ostern Osterhasen an die Flüchtlingskinder mit Dr. Sandra Hartmann verteilt hat, auf Christa Marks, die das wertvolle Sprachcafé im Krankenhaus in Künzelsau mit aufgebaut hat als erste wichtige integrative Willkommensmaßnahme, auf die Anne-Sophie-Schule, die das Sprachcafé mit „Brotspenden“ von Schülern und Eltern unterstützt, auf die Schulleiterin der Grundschule Amrichshausen, die spontan eine Kuchenspende aus dem Ärmel gezaubert hat, auf das Keltereck in Künzelsau, die eine größere Geldsumme für die Flüchtlinge gespendet hat. Die Not im Land ist groß, die Hilfsbereitschaft im Hohenlohekreis aber ist mindestens genauso groß. Deswegen sagen wir von der Redaktion GSCHWÄTZ zunächst einmal DANKE an alle diese besonderen Menschen. Ohne sie wäre die Welt nicht so bunt und warm in dieser derzeit recht grauen Zeit.

Türen auf für soziale Projekte

Die vorübergehende Umwandlung unseres Archivraums in eine Kleiderkammer war nicht die einzige Veränderung in unserer Redaktion. Unsere Türen waren zudem für eine Afrikaausstellung geöffnet. In unserem Besprechungszimmer und das Büro von GSCHWÄTZ-Herausgeberin Dr. Sandra Hartmann waren Bilder und Skulpturen von Künstlern aus Zimbabwe zu sehen – und auch zu erwerben. Der Erlös kam sozialen Projekt für Frauen und Kinder in Zimbabwe, initiiert von der Ingelfingerin Christa Zeller, zu Gute. Derzeit stellen wir Klimawandel-Kunstwerke des Morsbachers Klaus Hub in unseren Schaufenstern aus.

Lokaljournalismus: Wir wirken sich diese globale Krisen auf den Hohenlohekreis aus?

Die Welt ist aus den Fugen geraten. Die Corona-Pandemie, der Krieg in Europa, die Inflation und der Klimawandel sind multiple Krisenherde, die die Menschheit derzeit in Atem hält. Wie sich diese Kriege und Krisen auf unsere Region vor Ort, auf die Menschen im Hohenlohekreis auswirken, das zeigen wir in unseren Beiträgen, Artikel, Fotos und Videos. Wir informieren und unterstützen. Wir versuchen, dabei nicht nur die Probleme abzubilden, sondern auch mögliche Lösungen zu skizzieren. Wir versuchen, nicht nur Menschen zu Wort kommen zu lassen, die im allgemeinen Medienrauschen nicht gehört werden, sondern ihnen auch zu helfen.

Kostenloser Journalismus-Workshop

Im September 2022 haben wir zu unserem ersten Journalismus-Workshop eingeladen. Wir möchten Jungjournalisten kostenlos in den Bereichen Pressefreiheit & Presserecht stärken und ihnen zudem praxisnah die journalistische Schreibe, Fotografie und Videotechnik näherbringen. Denn, so Dr. GSCHWÄTZ-Herausgeberin Dr. Sandra Hartmann: „Den Journalismus vor Ort stärken, bedeutet, die Demokratie vor Ort zu stärken. An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön an unsere Teilnehmer:innen Anna-Lena Eißler, Cora-Lee Pusker und Markus Neugebauer für ihre Einsatzbereitschaft und ihr Engagement. Aber auch an unsere Referenten, dem SPD-Bundestagsabgeordneten Kevin Leiser, Mona Al Malla sowie Daniel Fessler, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Heilbronn und GSCHÄTZ-Redakteur Matthias Lauterer für ihre wertvollen Beiträge.

GSCHWÄTZ-Weihnachtsaktion: Zahle ein Abo, erhalte 2 – zum Verschenken

Für Euch unterwegs, für Euch vor Ort, für Euch kritisch dabei: Was war, was ist, was kommt: Einen ersten GSCHWÄTZ Short cut Jahresrückblick 2022 seht ihr in unserem Video oben, unter anderem mit Ausschnitten von Lemia Krautheim, Fridays for future, Mona Al Malla, dem Feuerwehrchef der Feuerwehr Künzelsau, Thomas Böhret, mit den Acht Frauen in Krautheim und vielen mehr.

GSCHWÄTZ-Weihnachtsgeschenk

Unterstützen auch Sie den Lokaljournalismus und damit die einzige Presse in Künzelsau mit einem GSCHWÄTZ-Abo ab 4,99 Euro monatlich. Noch bis 15. Dezember 2022 läuft unsere GSCHWÄTZ-2-für1-WEIHNACHTSAKTION: Bestelle einen Online-Zugang und erhalte zwei – für Deinen Partner:in, deine Freund:in, Deinen Verwandten. Der Vorteil: GSCHWÄTZ für nur 2,50 Euro monatlich lesen PLUS ein Weihnachtsgeschenk für einen am Lokaljournalismus interessierten Menschen. Nur jetzt und nur für kurze Zeit.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, eine kritische Hintergrundberichterstattung im Hohenlohekreis aufrechtzuerhalten, damit wir auch weiterhin bewegende Geschichten von Menschen, die hier leben, schreiben können, Theater, Kultur, Kinder, Frauen, soziale Themen, Wirtschaft und Politik. Wir sind da.

Text: Dr. Sandra Hartmann

>>> In diesem Video unter anderem mit dabei + + + Lemia Krautheim + + + die Acht Frauen + + + Feuerwehr Künzelsau + + + Fridays for future + + + u.v.m. >>>




Fanta Vier und Clueso beim Würth Open Air 2023

Seit 1997 lockt das traditionelle Würth Open Air tausende Besucher nach Künzelsau-Gaisbach. Beim vergangenen Festival 2022 feierten 7.500 Menschen auf dem Außenbereich des Carmen Würth Forum.

Das Würth Open Air geht am 23. und 24. Juni 2023 auf dem Gelände des Carmen Würth Forum in die 22. Runde. Auf dem Line-up für den Freitagabend stehen Die Fantastischen Vier, Clueso sowie eine Vorband. Die Künstler für den Samstag werden in den kommenden Wochen bekanntgegeben.

Die Fantastischen Vier. Foto: Moritz Künster

„Die da, die da, die da, oder die da“ – so simpel kann einer der größten Hits der deutschen Hiphop-Geschichte klingen. Mit dem Song vom Album „4 gewinnt“ feierten Die Fantastischen Vier 1992 ihren Durchbruch und stehen seitdem auf den ganz großen Bühnen der Republik. Bereits 2013 heizte die Band beim Würth Open Air auf dem Firmengelände rund 5.000 Menschen ein. Die vier Musiker haben den deutschen Hip-Hop populär gemacht und es gibt kaum einen, dem nicht mindestens ein Hit der Stuttgarter Band bekannt ist. Egal ob „Die Da!?!“, „Troy“ oder „MfG“ – die Lieder der Fantastischen Vier haben Ohrwurmgarantie.

Clueso. Foto: Christoph Köstlin

Neben den Fantastischen Vier dürfen sich Besucher auf Clueso freuen. Der 42-jährige Pop-Künstler aus Erfurt hat einen Mix aus seinen bekanntesten Hits und neuen Liedern von seinem im Jahr 2021 veröffentlichten „ALBUM“ mit dabei. Clueso gehört zu den erfolgreichsten Sängern Deutschlands. Mit seinen gefühlvollen Texten hat er sich in der Musiklandschaft einen Namen gemacht.

Die beiden Künstler verbindet eine Freundschaft. Gemeinsam haben sie 2018 den Song „Zusammen“ aufgenommen – eine Hymne auf die Freundschaft und das Miteinander.

Einlass zum Konzert ist ab 17 Uhr, Beginn um 18 Uhr.

Vorverkauf ist geöffnet

Die Karten sind im Vorverkauf ab Mittwoch, 23. November, 11 Uhr, unter www.kultur.wuerth.com, in den Museumshops in Gaisbach, unter www.eventim.de, bei den Eventim-VVK-Stellen oder telefonisch unter der Eventim-Tickethotline 01806-570070 erhältlich und kosten 65 Euro.

Pressemitteilung Würth




Ein Handy in der Untersuchungshaftzelle

Recht wenig ereignete sich am 23. November 2022, dem vierten und geplant vorletzten Prozesstag im Drogenprozess um zwei Künzelsauer Angeklagte.

Nachdem am vorhergehenden Prozesstag der Angeklagte R., bereits ein umfassendes Geständnis und der Angeklagte G. ein Teilgeständnis abgelegt hatten, waren keine Zeugen aus dem Drogenumfeld mehr erschienen. Bis auf einen, den Großhändler St. aus der Region Frankfurt war nach den Geständnissen kein Zeuge mehr geladen. St. war wegen Krankheit nicht erschienen und wies darauf hin, dass er ohnehin von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen würde. Er ist noch nicht rechtskräftig verurteilt. Aus diesem Grund verzichten das Gericht, Staatsanwalt Fuchs und die Verteidigerin von G., Anke Stiefel-Bechdolf, auf die Ladung von St. am letzten Prozesstag.

Psychiatrisches Gutachten noch nicht möglich

Einzige geladene Zeugin war die neue Sachverständige, Frau Dr. Scheibel, Chefärztin für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Weissenhof. Sie war kurzfristig für den ursprünglich benannten Gutachter eingesprungen, konnte aber in der Sitzung noch nichts aussagen, weil sie bisher nur mit G. gesprochen hatte.

Die Begutachtung muss insbesondere ergeben, ob die beiden Angeklagten möglicherweise drogenabhängig sind und daher eine Unterbringung im Maßregelvollzug in Frage kommt.

Der letzte Verhandlungstag wird wohl mit einem Urteil enden

Richter Haberzettl erläuterte nochmals die Prozeßplanung: Am geplant letzten Verhandlungstag möchte er das Gutachten gerne hören, damit im Anschluß die Plädoyers und möglichst die Urteilsverkündung folgen können. Das erste Gespräch zwischen Gutachterin und R. fand daher direkt nach der Verhandlung statt.

Doch keine gemeinschaftlich begangenen Straftaten?

Dem Staatsanwalt legte er die Überlegung nahe, für sieben Straftaten, die die beiden Angeklagten laut Anklageschrift gemeinschaftlich begangen haben sollen, einen Einstellungsantrag zu stellen. Die Aussagen der Polizisten, insbesondere des VE-Koordinators N., legen nahe, dass es keine gemeinschaftlichen Taten gegeben hat.

Handy in der Zelle gefunden

Überrascht waren die Anwältinnen von R. als Richter Haberzettl berichtete, dass in der Zelle ihres Mandanten ein Handy aufgefunden und sichergestellt wurde. Nach kurzer Unterbrechung erklärte R., dass er das Handy von einem kurdischen Mitgefangenen geschenkt erhalten habe, der aus der Haft entlassen wurde. Er habe nur seine Mutter und Freunde angerufen, sagt er. Für die Strafzumessung dürfte dieser Fund keine Bedeutung haben, wohl aber für R.s Haftbedingungen.

G. ergänzt seine Ausführungen

Nachdem Richter Haberzettl am vorhergehenden Verhandlungstag dem Angeklagten G. eine Lüge unterstellt hatte – Angeklagte dürfen übrigens lügen -, gab dessen Anwältin eine Erklärung für ihren Mandanten ab. Wichtig für die Strafzumessung ist, ob tatsächlich ein Drogengeschäft über 20 kg Marihuana abgeschlossen wurde oder ob G. das Geschäft von vornherein nie wirklich durchführen wollte. G. ließ nun erklären, dass er den Entschluss, das Geschäft nicht durchführen zu wollen, erst nach der Absprache gefasst habe. Richter Haberzettl fragt nach: „Im BTM-Strafrecht ist ein nachträglicher Rücktritt unmassgeblich. Ist Ihnen das klar?“. G. bejaht.

Dieses Eingeständnis dürfte sich auf die Strafzumessung erheblich auswirken: Schließlich war dieses Geschäft das bei weitem größte Geschäft, an dem G. beteiligt war.

Urteilsverkündung voraussichtlich am 30. November 2022

Der letzte geplante Sitzung ist für den 30. November 2022 terminiert. An diesem Tag ist mit einem Urteil zu rechnen. Für drei der Taten, die R. vorgeworfen werden und die er gestanden hat, sieht das Strafgesetzbuch eine Mindesthaftstrafe von fünf Jahren vor.

Text: Matthias Lauterer




„Wir werden die Autoindustrie nicht mehr beliefern.“

„Wir werden die Autoindustrie nicht mehr beliefern.“ Mit diesen Worten zitiert das Handelsblatt Klaus Geißdörfer, der seit fast genau einem Jahr der CEO von ebm-papst ist, kurz und knapp.

Screenshot von https://www.ebmpapst.com/automotive am 21.11.2022

Dabei sieht die Verbindung von ebm-papst und der Autoindustrie, wenn man die Webseite vom ebm-papst betrachtet, wie eine Erfolgsstory aus. Und noch am 21. November 2022 preist der Lüftungsspezialist aus Mulfingen „vier starke Produktfamilien“ für die Automobilindustrie an und bietet Interessenten weiterhin eine Zusammenarbeit im Projektgeschäft an. Trotzdem sagt Geißdörfer zum Handelsblatt: „Die gewünschte Qualität fordert uns technologisch nur bedingt und ist zu den geforderten Preisen nicht attraktiv für uns als Zulieferer.“

„Die Welt wird immer wärmer“

Im ersten Jahr seiner Tätigkeit hat Klaus Geißdörfer offensichtlich das Know-How des Unternehmens und die Zukunftsfähigkeit der Geschäftsfelder analysiert und reagiert nun auf die veränderten Zukunftsmärkte: „Wir sehen riesiges Potenzial in den nächsten zehn Jahren bei den Megatrends erneuerbare Energien, Data-Center und Klimatechnik. Die Welt wird immer wärmer“, sagt er im Handelsblatt.

Hinweise im Geschäftsbericht

Die Hinweise darauf, dass das Geschäftsfeld Automotive nicht besonders ertragreich ist, finden sich – wenn auch verschlüsselt – im Geschäftsbericht: „In den Geschäftsfeldern Automotive und industrielle Antriebstechnik dagegen wuchs der Umsatz nur leicht um +3,8% auf 338,6 Mio. EURO (Vorjahr: 326,1 Mio. EURO). Dieser Bereich steht unter dem Einfluss des Wandels in der Automobiltechnik und eines steigenden Automatisierungsgrads in der Industrie.“  So steht es in der Pressemeldung vom 23. Juni 2022 zur Jahrespressekonferenz von ebm-papst. Im vorhergehenden Corona-beeinflußten Geschäftsjahr verlor der Automotive-Sektor sogar 4,8 Prozent Umsatz.

Auch wenn sich ebm-papst traditionell nicht zur Ertragslage äußert, eine Umsatzsteigerung unter der Inflationsrate und deutlich unter den Zahlen der anderen Geschäftsbereiche, dazu ein Personalabbau von 100 Mitarbeiter:innen  – das liess bereits damals nichts Gutes ahnen. GSCHWÄTZ vermutete bereits im Juni: „Damit dürfte sich die Ertragslage dieser Geschäftsfelder nicht positiv entwickelt haben“. 

Wettbewerb der Zulieferer in einem schrumpfenden Markt nimmt zu

ebm-papst-Presseprecher Hauke Hannig bestätigt, dass der angekündigte Ausstieg bereits in der Umsetzung ist: „In unserem Geschäftsbereich Automotive leiten wir aktuell einen Phase-Out ein. Das heißt, Neuaufträge für diesen Bereich werden wir in Zukunft nicht mehr annehmen, bestehende Aufträge und Projekte werden vertragskonform abgeschlossen und Schritt für Schritt ziehen wir uns aus diesem Markt zurück.“

Über die Gründe für den Ausstieg äußert sich Hannig etwas detaillierter als Geißdörfer: „In unserem Marktsegment „Automobiltechnik“ sind wir dagegen ein vergleichsweise kleiner Zulieferer. In diesem Segment herrscht extremer Kostendruck und mittlerweile auch ein enormer Wettbewerb. Aufgrund der aktuellen Transformation innerhalb der Automobilindustrie, hervorgerufen durch das Auslaufen der Verbrenner-Technologie hin zur Elektromobilität wird der Markt für Zulieferer kleiner und der Wettbewerb der etablierten Zulieferer nimmt stark zu. Dies macht den Markt für uns wenig attraktiv und bietet kaum langfristige Perspektiven. Wir haben uns daher entschieden, die aktuell dort eingesetzten Ressourcen für das Wachstum in Air Technology und Heating Technology zu nutzen.“

Auf gut Deutsch: Die Erträge und Zukunftschancen in anderen Bereichen sind perspektivisch höher, der Aufwand im verstärkten Wettbewerb würde steigen – und die Automotive-Kunden sind nicht bereit, vernünftige Preise zu bezahlen. Andere Wettbewerber, die ausschließlich im Autozulieferbereich engagiert sind, werden sich kurzfristig über den Rückzug von ebm-papst freuen.

ebm-Papst ist Spezialist für Elektromotoren

Hannig spricht von der Transformation der Autoindustrie, hin zum Elektrofahrzeug. Eigentlich ist ebm-papst ja ein Spezialist für Elektromotoren, auch in der Größenordnung, wie man sie sich in kleineren E-Fahrzeugen vorstellen könnte. Aber genau in diesem Bereich war man bisher nicht tätig: „Wir sind nicht im Bereich des Antriebs tätig, der ein E-Auto antreibt. Vielmehr liegen unsere Aktivitäten in Nebenaggregaten wie dem Getriebe, der Abgasbehandlung oder der Elektronik- und Batteriekühlung.“ Selbst das Engagement in der Formel 1, wo ebm-papst mehrere Weltmeisterschaften mit dem Mercedes-Rennstall feiern konnte, wurde beendet.

Automotive macht „nur“ etwa 10% des Umsatzes aus

Das Geschäft mit den Autoherstellern und deren Zulieferern macht bei ebm-papst nur etwa zehn Prozent des Umsatzes aus. Gleichzeitig ergeben sich momentan erhebliche Chancen in anderen Geschäftsfeldern: „Insbesondere in unseren Kernfeldern Air Technology (Lufttechnik) und Heating Technology (Heiztechnik) haben wir als Technologieführer eine hohe Nachfrage bei energieeffizienten Lösungen und sehen dort ein bedeutendes und langfristiges Zukunftspotential. Wir werden unsere weltweiten Kapazitäten daher sukzessive erhöhen“, unter anderem hat man gerade einen neuen Produktionsstandort in den USA eröffnet.

Besonders betroffen: Die Werke von papst in St.Georgen und Herbolzheim

„Die personellen und materiellen Ressourcen, die bei ebm-papst St. Georgen angesiedelt sind, benötigen wir aufgrund hoher Nachfrage sowie einer langfristigen Marktattraktivität in unserem Geschäftsfeld Air Technology (Lufttechnik) und werden diese dort einsetzen.“ Bei papst in St.Georgen und Herbolzheim wurden in der Vergangenheit erhebliche spezielle Investitionen in die Automobiltechnik getätigt, beispielsweise in Fertigungsautomation und in Reinraumtechnik. Auch die Logistikprozesse wurden, bis hin zu den Zulieferern an die Prozesse der Automotive-Industrie angepasst.

Erste neue Produkte werden bereits in St.Georgen gefertigt: „Wir werden anstellen von Automobillösungen energieeffiziente EC-Ventilatoren an unseren Automobilstandorten von ebm-papst St. Georgen produzieren. Erste Produktionsanlagen hierfür wurden aktuell bereits am Standort Herbolzheim in Betrieb genommen und produzieren seit der vergangenen Woche in Serie.“

Bei ebm-papst keine Arbeitsplätze in Gefahr

Einen weiteren Arbeitsplatzverlust soll es in St.Georgen und Herbolzheim nicht geben, teilt Hannig mit: „Mit der Veränderung unserer Standorte Herbolzheim, Lauf und St. Georgen zu Air Technology-Standorten stellen wir diese langfristig zukunftsfähig auf und ermöglichen dem Standort und den Mitarbeitenden eine klare Perspektive im Wachstumsfeld Lufttechnik. Des Weiteren trat zum 01.07.2022 vor Ort im Schwarzwald ein Ergänzungstarifvertrag in Kraft, der über seine Laufzeit von mindestens drei Jahren betriebsbedingte Kündigungen ausschließt.“

Zulieferer in Hohenlohe sind betroffen

ebm-papst hat ein starkes Netzwerk von Zulieferern in der Region, die ihre Produkte teils direkt in die Produktionen der ebm-papst-Fertigungswerke liefern. Auch diese Zulieferer sind natürlich vom Rückzug aus dem Automotive-Geschäft betroffen. Sie stellen in teilweise hochoptimierten und ganz speziellen Fertigungsprozessen Produkte her, die dann zu den Automotive-Produkten von ebm-papst weiterverarbeitet werden. Was bedeutet die Aufgabe des Autogeschäfts für diese Zulieferer? GSCHWÄTZ fragte daher konkret nach Investitionsschutz und Arbeitsplätzen. Hannig verspricht: „Aufgrund der aktuellen Umgestaltung ist kein Arbeitsplatz in Gefahr, ganz im Gegenteil, die Ressourcen werden für die Bereiche Air Technology benötigt und hier eingesetzt. Durch die Neuausrichtung wollen und werden wir zukünftiges Wachstum generieren und unseren nachhaltigen Erfolg sicherstellen.“ Auf die Frage nach den Investitionen geht er nicht ein. Ein von GSCHWÄTZ befragter Zulieferer war zu diesem Punkt ebenfalls wortkarg und wollte nicht Stellung nehmen.

Keine Zukunft auch für Weiße Ware

Geißdörfers Analyse der Zukunftsmärkte macht auch vor einem weiteren traditionellen Geschäftsfeld von ebm-papst nicht Halt: „Neben dem Geschäftsfeld Automotive sehen wir wenig Potential im Bereich der weißen Ware, u. a. bei Zulieferteilen für Kühlschränke oder Geschirrspüler. An unseren Erfolgsprodukten für z. B. Garöfen und Dunstabzug halten wir fest. In unseren Kernsegmenten Air Technology (Lufttechnik) und Heating Technology (Heiztechnik) haben wir enormes Wachstumspotential und eine hohe Nachfrage an unseren energieeffizienten Lösungen zu verzeichnen. Hier bauen wir unsere Kapazitäten sukzessive aus.“

Text: Matthias Lauterer




„Jedes Kind sollte an Weihnachten ein Geschenk bekommen“

Am Donnerstag, den 17. November 2022, haben sich Mitglieder des Round Table Service Clubs und des Ladies‘ Circle Service Clubs an einer Zwischensammelstelle in Zweiflingen versammelt, um die zahlreichen von Hohenloher:innen gespendete Weihnachtspakete auf die Reise zu bedürftigen Kindern nach Osteuropa zu schicken, genauer: auf eine Route nach Bulgarien, Moldawien über Rumänien und in die Ukraine.

Weihnachtspäckchenkonvoi

Begonnen habe die Aktion in 2001 und seitdem beteilige sich auch der Round Table Service Club Hohenlohe daran, erklärt Nicolas Eckert.

Hier in Zweiflingen werden die Pakete von den einzelnen Sammelpunkten wie Schulen oder Kindergärten in Empfang genommen und verpackt, um so nach Hanau ins Zentrallager transportiert werden zu können.

„Was verschenkt wird, ist den Leuten selbst überlassen“

„Was verschenkt wird, ist den Leuten selbst überlassen. Meistens sind es Spiele, Schreibzeug, Kleidungsstücke oder ganze Schulrucksäcke“, sagt Klaus Thieringer.

Dazu laden die Helfer:Innen die Pakete erst aus dem Transporter, beziehungsweise dem Autokofferraum aus. Dann sortieren die Mitglieder der beiden Clubs sie in die Altersklassen vor, die durch ein Kreuz an der richtigen Stelle des Klebezettels angegeben ist: Kindergarten, Grundschule und Jugendliche. Bevor die Pakete auf die Paletten gestapelt werden können, müssen sie noch gezählt und in große Kartons verpackt werden.

17 Mitglieder des Round Tables Hohenlohe und die 12 Mitglieder des Ladies‘ Circle Hohenlohe- Öhringen haben die Aktion vorbereitet und packen nun in der zugigen Lagerhalle mit an. Bier und Apfelschorle dürfen natürlich nicht fehlen.

Deutlich weniger Päckchen als im Vorjahr

Während es 2021 um die 1800 waren, sind es dieses Jahr 1083. Als Grund sieht Fabian Wecker die „allgemeinen Probleme, mit denen zurzeit jeder konfrontiert wird.“ Dies sporne die fleißigen Helfer jedoch an, die Leute für das nächste Jahr neu zu motivieren, damit viele Geschenke verteilt werden können.

Am Schönsten ist es, und da sind sich alle einig, einmal den Konvoi zu begleiten und die Freude in den Kinderaugen zu sehen.

Darum ist es Fabian Wecker sehr wichtig, dass beim Transportfertigmachen alles ordentlich abläuft, genügend Päckchen gesammelt werden und vor allem, dass sie unbeschadet ankommen.

2-Euro-Spende

Nicht nur die Kinder in Osteuropa haben etwas von der Aktion, wie Klaus Thieringer verdeutlicht: „Kinder, die mit ihren Eltern die Päckchen packen und etwas von Ihnen abgeben lernen. Sie beginnen, ihre Privilegien zu verstehen und zu schätzen.“

„Denn jedes Kind sollte an Weihnachten ein Geschenk bekommen“, ergänzt Nicolas Eckert.

Wer nun helfen möchte, kann dies auf mehreren Wegen tun. Zum einen natürlich in Form der Geschenkpakete, oder auch mit einer Spende von mindestens 2€, die den Transport zumindest teilweise finanzieren.

Auch Spenden ohne Paket werden dringend benötigt, um dieses besondere Weihnachten mithilfe einer Menge Diesel über die Autobahnen und durch die Mautstationen zu denjenigen zu bringen, die es am nötigsten haben.

Text, Fotos & Video: Anna-Lena Eißler




Mehr Geflüchtete im Hohenlohekreis als 2015

Über eine Million der rund 40 Millionen Ukrainer:innen haben vor dem Krieg in Ihrer Heimat in Deutschland Zuflucht gesucht. Davon befinden sich rund 1.100 Personen im Hohenlohekreis. In der Kreistagssitzung vom 21. November 2022 informiert die Verwaltung über die Kosten der Unterbringung, die Höhe der Zuwendungen von Bund und Land. ausserdem muss der Kreistag den Teil der Mehrkosten, die nicht oder erst im nächsten Haushaltsjahr erstattet werden, noch für das aktuelle Haushaltsjahr genehmigen.

„Mittlerweile sind in diesem Jahr mehr Geflüchtete im Kreis untergekommen als im Jahr 2015“, stellt die Kreisverwaltung fest. Dass diese hohe Zahl von Geflüchteten, die im November 2021 nicht vorhersehbar war, den Kreis vor immense Herausforderungen stellt, ist nachvollziehbar. Anfang des Jahres 2022, als die ersten Ukrainer:innen ankamen, war noch nicht klar, inwieweit sich Bund und Land an der Unterbringung und Versorgung der Menschen, einer Pflichtaufgabe des Landkreises, beteiligen werden. Inzwischen ist klar, dass Bund und Land zumindest die finanzielle Belastung der Landkreise fast vollständig übernehmen werden – wenn auch mit Verzögerung. Aus diesem Grund muss der Kreistag die Kosten, die im Jahr 2022 entstanden sind, aber erst 2023 erstattet werden, noch in den Haushalt für 2022 aufnehmen.

Ehrenamtliche Hilfe war und ist wichtig

Einen weiteren Teil der Belastungen übernahmen freiwillige und ehrenamtliche Helfer, wie die Verwaltung anerkennt: „Die seit Kriegsbeginn in der Ukraine sprunghaft angestiegene Anzahl an Geflüchteten konnte aufgrund der enormen Solidarität in der Bevölkerung geschultert werden. So erfolgte die Unterbringung eines großen Teils der geflüchteten Menschen aus der Ukraine zunächst vor allem in Privatunterkünften.“ Aber auch einfache Hilfen wie zum Beispiel Unterstützung bei Behördengängen oder die Ausstattung mit Kleidung wurden zu einem guten Teil ehrenamtlich angeboten.

Bund und Land erstatten Kosten erst im nächsten Haushaltsjahr

Die Gesetzeslage, welcher Flüchtling aus welchem Grund welche Leistung erhält, ist nicht leicht zu durchschauen. Außerdem haben sich im Laufe des Jahres die Grundlagen geändert. Die Verwaltung erläutert: „Im Leistungsbereich haben auch Geflüchtete aus der Ukraine bis zum 31.05.2022 Hilfeleistungen zum Lebensunterhalt und Kosten der Unterkunft nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylblG) erhalten. Die bis zum 31.05.2022 entstandenen Kosten für diesen Personenkreis werden gemäß den Abrechnungsmodalitäten aus der mit dem Land im März 2022 ergänzten Verwaltungsvereinbarung im Haushaltsjahr 2023 erstattet.“
Ab dem 1. Juni 2022 gilt eine  neue Regelung, informiert die Kreisverwaltung: „Mit dem vom Bund beschlossenen Rechtskreiswechsel hat sich für geflüchtete Menschen aus der Ukraine die Anspruchsgrundlage auf Leistungsgewährung grundlegend geändert. Sobald die aufenthaltsrechtlichen Voraussetzungen vorliegen, erhalten die Anspruchsberechtigten seit 01.06.2022 Hilfeleistungen nach dem Sozialgesetzbuch (v.a. SGB II, SGB IX und SGB XII). Für den Hohenlohekreis bedeutet dieser Systemwechsel eine finanzielle Mehrbelastung, die aus heutiger Sicht größtenteils seitens des Landes ausgeglichen wird.“
Wieder anders sieht es für Alte oder Erwerbsgeminderte aus: „Mittels den geltenden Regelungen rechnet der Hohenlohekreis mit einer vollständigen Bundeserstattung bei der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung sowie einer erhöhten Bundesbeteiligung an den Kosten der Unterkunft und für Heizung (SGB II-Leistungen).“

Noch immer sind offenbar die Regelungen der Kostenübernahme durch Bund und Land nicht abschließend geregelt, es besteht noch immer eine gewisse Unsicherheit.

Millionensummen im Spiel

Die Verwaltung rechnet bis Ende 2022 insgesamt mit Transferaufwendungen in Höhe von 3,4 Mio. Euro, die an außerhalb von Landkreiseinrichtungen wohnende Geflüchtete gewährt werden. „Nach Abzug etwaiger Kostenerstattungen (ca. 1,1 Mio. Euro) werden im Haushaltsjahr 2023 rund 1,9 Mio. Euro entsprechend der Vereinbarung seitens des Landes erstattet, welche in der Haushaltsplanung 2023 entsprechend eingeplant sind. Schlussendlich beträgt der Eigenanteil des Hohenlohekreises jahresübergreifend hierfür ca. 466.000 Euro.“

Die Transferaufwendungen für Hilfeleistungen im Rahmen der Hilfe zum Lebensunterhalt, der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung bzw. nach dem SGB II erhalten, „erhöhen sich dadurch über alle Hilfearten hinweg voraussichtlich um 2,0 Mio. Euro auf nunmehr 16,9 Mio. Euro. Mittels den geltenden Regelungen rechnet der Hohenlohekreis mit einer vollständigen Bundeserstattung bei der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung sowie einer erhöhten Bundesbeteiligung an den Kosten der Unterkunft und für Heizung (SGB II-Leistungen). Nach Abzug etwaiger Erstattungen durch Bund und Land verbleibt bzgl. der Ukraine voraussichtlich eine Nettomehrbelastung von 786.000 Euro. Diese werden durch die mit dem Land vereinbarten Erstattungen im Rahmen des Rechtskreiswechsels aus heutiger Sicht zu 70 % ausgeglichen. Somit beträgt der finanzielle Eigenanteil des Landkreises rund 236.000 Euro.“

Zwischensumme: 700.000 Euro Mehrbelastung für direkte Leistungen an die Menschen

Rund 700.000 Euro, die bei den Haushaltsberatungen Ende 2021 nicht vorhersehbar waren, muss der Landkreis also tragen.

Weitere 900.000 Euro Investitionen für die Unterbringung

Der Landkreis hat bereits in Unterbringungskapazitäten investiert und tut dies weiter: „Der Landkreis selbst baut, aufgrund der gestiegenen Zuweisungszahlen, weiterhin neue Kapazitäten für die Unterbringung von Geflüchteten auf. Hierfür entsteht bei den Sachkosten ein Mehrbedarf um ca. 800.000 Euro auf nunmehr ca. 3,5 Mio. Euro. Nach Abzug sonstiger Ersätze werden diese im Rahmen der nachgelagerten Spitzabrechnung seitens des Landes vollumfänglich erstattet. Darüber
hinaus waren zur Schaffung weiterer Unterbringungsmöglichkeiten Investitionen notwendig. Aus heutiger Sicht werden bis Jahresende 2022 zusätzliche Investitionsmittel von ca. 900.000 Euro benötigt. Diese können jahresübergreifend, entsprechend der Nutzungsdauer, im Rahmen der nachgelagerten Spitzabrechnung [das ist eine Abrechnung nach nachgewiesenem Aufwand, Red.] geltend gemacht werden.“

Kreistag muss beschliessen

Der Kreistag muss am 21. November 2022 die „überplanmäßigen Aufwendungen i. H. v. netto rund 770.000 Euro im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg und der aktuellen Lage bei der Flüchtlingsaufnahme“ und die „korrespondierenden überplanmäßigen Auszahlungen im Finanzhaushalt i. H. v. 900.000 Euro“ genehmigen.

Text: Matthias Lauterer
Zitate aus der Sitzungsvorlage zur Kreistagssitzung am 21. November 2022




Über 1.000 Jahre Haftstrafen wegen Betrugsmasche „Falscher Polizist“

Insgesamt 1.128 Jahre, 6 Monate und 28 Tage Haft sowie Geldstrafen in Höhe von über 478 Millionen Türkische Lira [das sind etwa 25 Millionen Euro, Red.] verhängte das Landgericht im türkischen Izmir am 26.09.2022 gegen insgesamt 67 Beschuldigte eines Call-Center-Komplexes. [Im Durchschnitt sind das 17 Jahre Haft für jeden Verurteilten, Red.]

Die Gruppe operierte mit ihrem Modus Operandi als „Falsche Polizeibeamte“ auch in Heilbronn. Unter anderem wurden gegen die Gruppierung 16 vollendete und versuchte Taten mit einem Schaden von 866.500 Euro durch die Heilbronner Ermittler bearbeitet. Die Staatsanwaltschaft Heilbronn und das Polizeipräsidium Heilbronn richteten bereits 2018 eine Ermittlungsgruppe ein, welche im Ermittlungsverfahren „Fake“ Straftaten aus diesem Callcenter bearbeitete. Die Ermittler konnten der Gruppierung Taten aus den Bundesländern Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen zuordnen. In enger Zusammenarbeit zwischen der Staatsanwaltschaft und der Kriminalpolizei Heilbronn wurden die diese Bundesländer betreffenden Ermittlungen zentral durch die Staatsanwaltschaft Heilbronn geführt.

Auch in Deutschland wurden Beteiligte bereits verurteilt

Die hier ermittelten Personen, überwiegend Abholer und Logistiker der türkischen Gruppierung, wurden zwischenzeitlich auch in Heilbronn verurteilt. Die in einem Übernahmeersuchen an die türkischen Behörden übermittelten Ermittlungsergebnisse der deutschen Behörden führten im Dezember 2020 nach weiteren umfangreichen Ermittlungen der türkischen Behörden zur Festnahme der Haupttäter in der Türkei. Hierbei konnten Geld, Gold, Fahrzeuge und Immobilien im Wert von rund 105 Millionen Euro sichergestellt werden.

Deutsche Geschädigte dürfen hoffen

Die türkischen Justizbehörden beabsichtigen wohl, den in Deutschland wohnhaften Geschädigten sichergestellte Finanzmittel zur Entschädigung zukommen zu lassen. Um auch weiteren Betrugsopfern die Möglichkeit einer Entschädigung zu geben, hat die Staatsanwaltschaft Heilbronn in einem zweiten Ersuchen die türkischen Justizbehörden um Übernahme eines weiteren Verfahrens gebeten.

Gemeinsame Pressemitteilung der Polizei und Staatsanwaltschaft Heilbronn

 




Wen interessiert’s?

„Wir, Menschen auf der ganzen Welt, fordern Sie auf, der Forderung zahlreicher Menschenrechtsgruppen nachzukommen und die verheerenden Folgen der Fußballweltmeisterschaft in Katar für Hunderttausende von Migrant:innen anzuerkennen, einschließlich der unzähligen Menschen, die für die Profite der FIFA sterben mussten. Wir bitten Sie nicht nur um Worte, sondern um die Einrichtung eines Entschädigungsfonds für die Opfer in Höhe von 440 Millionen Dollar – dem Betrag, den die FIFA an die Siegermannschaften auszahlen will“, heißt es in einer Online-Petition von diversen Menschenrechtsorganisationen mit dem Titel: „Lasst die FIFA nicht von Missbrauch profitieren.“ Insgesamt 698.515 Unterschriften aus der ganzen Welt sind bereits für diese Forderung zusammengekommen. 750.000 sollen erreicht werden.

So politisch war bislang noch keine WM

Am Sonntag, den 20. November 2022 startet die WM in Katar – eine außergewöhnliche WM, nicht nur, weil sie im Winter stattfindet und es statt Bier vielleicht mehr Glühwein zu trinken gibt. Sondern auch, weil wohl kaum eine WM so politisch war wie diese in Katar.

Mindestens 6.500 Tote

Vorausgegangen sind Stadionbauten, bei denen zahlreiche Menschen unter widrigsten Bedingungen gearbeitet haben ud teilweise auch dabei zu Tode gekommen sind. Mindestens 6.500 Menschen sollen unter den widrigen Arbeitsbedingungen gestorben sein. In der Petition heißt es hierzu: „Stellen Sie sich vor, Sie wären so verzweifelt auf der Suche nach Arbeit, dass Sie Ihre Familie zurücklassen, um in einem dreckigen Zeltlager zu leben und der Wüstenhitze für nur einen Euro pro Stunde zu schuften. Dann sterben Sie ganz allein und Ihre Familie erhält nichts. Stellen Sie sich vor, dass diejenigen, die Sie wie einen Sklaven behandeln, Milliarden scheffeln, während Ihre Hinterbliebenen immer tiefer in die Armt abrutschen.“

DFB Verweist auf FIFA, FIFA schweigt und sitzt aus – wie so oft bei schwierigen Themen

Sollte die Fifa sich der Idee nach einem Fonds zugunsten der Arbeitsmigranten in Katar verweigern, „so erwarten wir vom DFB, dass er seine Preisgelder eigenständig für Entschädigungszahlungen verwendet. Für den gleichen Zweck sollten die DFB-Nationalspieler etwaige Siegprämien spenden“, heißt es in einem Offenen Brief der Initiative BoycottQatar2022 und anderen Fanvertretungen. Der DFB sieht den Ball jedoch weiter im Feld der Fifa – wie auch Amnesty International.+

Daher fordern Menschenrechtsorganisationen von der Fifa einen Entschädigungsfonds über 440 Millionen Dollar, was der Höhe der Preisgelder entspricht, die der Fußball-Weltverband bei der WM ausschütten will.

Es gibt neben der oben genannten zitierten und vermutlich auch bekanntesten Petition noch weitere, unter anderem von Hoffnungszeichen e.V., die sich für die Rechte von Gastarbeiter:innen einsetzen:

Katar: Für die Rechte der Gastarbeitenden | Hoffnungszeichen e.V.

Amnesty Schweiz hatte ebenfalls eine Petition für die Rechte von Gastarbeiter:innen geschaltet, die jedoch mittlerweile zu Ende gegangen ist und sammelt nun Spenden für Menschenrechte in Katar: Abgeschlossene Petition: Fussball-WM 2022 FIFA: Zeit für gerechte Arbeitsbedingungen in Katar — amnesty.ch

Wie viel verdient die FIFA an der WM?

Rund vier Milliarden Fußballfans zählt die Welt, so viele wie für keine andere Sportart sonst. Und das Event, dass die meisten begeistert, ist die WM, ausgerichtet von der Fifa. Der Weltfußballverband hat sein Hauptgeschäft längst abgeschlossen. 4,6 Milliarden Dollar Einnahmen erwartet die Fifa im WM-Jahr 2022. Mehr als die Hälfte davon bringen TV-Rechte ein (2,6 Milliarden), gefolgt vom Sponsoring (1,3 Milliarden) und Lizenzrechten (140 Millionen) – die Verträge wurden lange vor Turnierbeginn und aufkochender Boykottstimmung ausgehandelt. Das geht aus einem Bericht des Nachrichtenportals RND hervor. Demgegenüber stehen Ausgaben von 1,7 Milliarden Euro. Also bereits jetzt ein absolutes Goldeselgeschäft mit ienem Gewinn von rund 3 Milliarden Euro für die FIFA.

Aber auch, wenn sich die FIFA bereits jetzt eine goldene Nase an diesem Geschäft verdient hat, hat die meiste Macht die Zuschauer:innen. Denn wenn diese jetzt ab- anstatt einschalten und damit Werbekunden unzufrieden sind ob der geringen Einschaltquoten, wird das mit Sicherheit Auswirkungen auf die Wahl der nächsten Spielorte haben. Quasi eine Watschen, die aber halt erst bei den künftigen Entscheidungen wirkt.

Das erste Spiel von Deutschland gegen Japan ist am Mittwoch, den 23. November 2022, 14 Uhr. Wie sagte man doch gleich im Römischen Reich, in welchem ebenfalls zahlreiche Menschen während der Spiele zu Tode gekommen sind: Lasst die Spiele beginnen.

Text: Dr. Sandra Hartmann




Für bezahlbare Energiekosten und Friedensverhandlungen

Derzeit kursiert in WhatsApp ein Video mit dem Titel „Baden-Württemberg steht auf“, welches eine Großdemo in auf dem Dietrich-Bonhoeffer-Platz i Schwäbisch Hall am Samstag, den 26. November 2022, ab 14 Uhr ankündigt.

In dem 47-sekündigen Video ist „“Sven aus Schwäbisch Hall“ zu sehen, Mitorganisator der Demo und der damaligen Montagsspaziergänge. „Ich so richtig die Schnauze voll“, sagt Sven. „Das Land geht den Bach runter. Wir stehen kurz vor einem üblen Krieg und keiner tut was.“ An der Demo „lassen wir es so richtig krachen und zeigen den Organisatoren mal, wo es langgeht.“ Mit diesem markigen Satz endet denn auch der Videoclip. Welche Personen oder welche Gruppe noch konkret diese Demo mitorganisiert, wird nicht gesagt.

Als „Warm up“ gibt es um 10.30 Uhr einen Autokorso unter dem Motto: „Für bezahlbare Energiekosten und Friedensverhandlungen“. Start hierfür: Kocherwiesen, Steinbacher Straße 55, Schwäbisch Hall

Quelle: privates Video