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„Außergewöhnliche Möglichkeit“

Berlin – Im Abgeordnetenbüro von Kevin Leiser (SPD) absolvierte Luca Hoch ein vierwöchiges Praktikum.

„Mein Fazit ist, dass ich unheimlich viel gelernt habe und mitnehmen werde. Ich bin Herrn Leiser, sowie seinem Team,
extrem dankbar für diese außergewöhnliche Möglichkeit. Die Arbeit eines Bundestagsabgeordneten live mitzuerleben und
mitzugestalten war äußerst spannend. Mein Praktikum möge enden, meine Zeit im Bundestag aber nicht. Ich kann mir gut
vorstellen, dass mich mein Weg in Zukunft noch einmal in den Bundestag führt“, so Luca Hoch.

Der gebürtige Offenburger unterstütze die Mitarbeiter:innen bei ihrer Beschäftigung im Büro, wirkte bei der
Öffentlichkeitsarbeit mit und begleitete Mitarbeiter:innen sowie Kevin Leiser zu unterschiedlichen
Veranstaltungen. „Die Sitzungswochen, in denen es für alle Abgeordneten und ihre Mitarbeiter:innen sehr viel zu tun gibt, hat er super gemeistert“, sagte Kevin Leiser über den Praktikanten.

Kevin Leiser (rechts) mit Praktikant Luca Hoch. Quelle: privat




UPDATE: Leichenfund in Künzelsau

Am Donnerstag, 24. November 2022, wurde laut Angaben der Pressestelle der Polizei Heilbronn gegen 11:15 in Künzelsau eine Leiche gefunden. Die Leiche habe sich bereits in einem Zustand der Verwesung befunden.

Weitere Informationen, beispielsweise über den Fundort oder das Geschlecht der Leiche hat die Polizei noch nicht bekanntgegeben. Die Ermittlungen, ob es sich um eine Straftat oder einen natürlichen Todesfall handelt, laufen.

Update: inzwischen hat die Polizei mitgeteilt, dass es sich um eine 63-jährige Person handelt, die in einem Gebäude gefunden wurde. Derzeit geht man nicht von Fremdverschulden aus.

 




Geflüchtete werden Lokführer:innen bei der S-Bahn Stuttgart

Land, Deutsche Bahn und die Bundesagentur für Arbeit machen Geflüchtete fit für die Zukunft. Die Bahn bildet bei DB Regio in Stuttgart seit 1. Februar 2021 Geflüchtete zu Lokführer:innen aus. In der Umschulung (IHKBerufsabschluss) zum/r Eisenbahner:in im Betriebsdienst bereitet die Bahn die Auszubildenden auf einen Einsatz bei der SBahn Stuttgart ab Anfang des kommenden Jahres vor.

Das zweijährige Pilotprojekt ist Teil des von Verkehrsminister Winfried Hermann initiierten Modellprojekts „Qualifizierung Geflüchteter zu Triebfahrzeugführern“, das im Januar 2019 gemeinsam mit der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit und weiteren Eisenbahnverkehrsunternehmen gestartet wurde.

Pressemitteilung Verkehrsministerium BW




Ungarische Krippen und Volksbräuche stimmen auf Advent und Weihnachten ein: „Die schönen Tage an der Krippe“

Wer in den kommenden Wochen das Künzelsauer Stadtmuseum besucht, kann die Puppen tanzen lassen. Zu Gast ist nämlich das Museum aus Künzelsaus ungarischer Partnerstadt Marcali mit einer Sammlung traditioneller Krippen, die bis heute in der Weihnachtszeit von Haus zu Haus getragen werden, um in den Wohnzimmern biblische Szenen vorzuspielen.

Unter dem Motto „Die schönen Tage an der Krippe“ sind bis zum Februar kommenden Jahres die ungarischen Krippen vom Balaton, die vom Museum Marcali zum Teil kopiert worden sind, zu sehen. Es sind Schätze, von denen Bürgermeister Stefan Neumann begeistert ist, wie er bei der Eröffnung einräumte.

Ungarische bewegte Krippen im Stadtmuseum. Foto: Elke Sturm, Stadt Künzelsau

Alte Volksbräuche lässt das Museum lebendig werden. Das älteste Ausstellungsstück stammt von 1880. Die ungarische Version der Krippe hat die Gestalt einer kleinen Kirche, in denen Szenen aus der Bibel nachgespielt werden. Zu diesem Zweck sind Öffnungen im Boden eingelassen. Auf Führungsschienen lassen sich die Figuren im Spiel bewegen und ermöglichen eine anschauliche Darstellung wie auf einem Theaterboden in Miniaturform.

Expertin aus Marcali hat Schau zusammengestellt

Die Leiterin des Museums in Marcali, Tünde Vidak, beschäftigt sich seit 20 Jahren mit dem Thema. Die Volkskundlerin hat die Schau zusammengestellt, nachdem sie die volkskundliche Sammlung in dem Museum völlig neu geordnet hat. Inzwischen gilt sie als Expertin für die weihnachtlichen Bräuche. Dazu hat sie Konferenzen organisiert und Bücher veröffentlicht. Gegenwärtig sind die Krippen aus dem Museum in Marcali in Künzelsau.

Von Haus zu Haus

Gruppen gehen dann wieder von Haus zu Haus. Darunter sind zum Teil wilde Gesellen. Wie diese aussehen, ist auf Bildern im Museum zu sehen. Wie so eine furchterregende zottelige Figur in echt aussieht, zeigte Tünde Vidaks Mann bei der Eröffnung. Der Feuerwehrkommandant und Stadtrat ist stolz auf die Tradition, die er gerne selbst pflegt. Als Gruppenleiter geht er in der Weihnachtszeit von Tür zu Tür.

Volksbräuche vom Advent bis Dreikönig

Auch weitere Volksbräuche sind im Stadtmuseum zu sehen. Die Ausstellung präsentiert in chronologischer Reihenfolge die Sitten rund um Marcali, mit denen die Menschen in der Adventszeit, an Weihnachten bis Dreikönig das Fest der Geburt Jesu feierten. Ein typischer Weihnachtsbaum und ein Weihnachtstich zählen dazu. Ebenso der Tag der unschuldigen Kinder, der an die auf Befehl von Herodes getöteten Kinder erinnert, sowie das Dreikönigsfest. Auch die Herbergssuche der Heiligen Familie ist dabei. Frauen und Männer tragen dazu ein Bild der Heiligen Familie umher und bitten vor den Häusern singend um Eintritt. An Silvester gehen Kinder und Erwachsene umher, singen Lieder und fragen nach Spenden für Kirche oder Schule.
Solche Heischebräuche, wie Kinder von Haus zu Haus ziehen, Glückwünsche darbringen und milde Gaben erhalten, werden auch in der Ausstellung gezeigt. Stadtarchivar Stefan Kraut weist darauf hin, dass diese Bräuche auch in Hohenlohe nicht unbekannt sind. Denn früher gingen hier die Kinder mit dem „Ouklopfe Hämmerle“. Mit dem uralten Brauch besserten die Kinder ihren mageren Speiseplan auf.

Ausstellungzeiten und Begleitprogramm

Die Ausstellung im Stadtmuseum Künzelsau, Schnurgasse 4, ist bis zum 26. Februar 2023 zu sehen. Der Eintritt ist frei. Es wird auch ein Begleitprogramm angeboten:
Donnerstag, 8. D
ezember 2022, 19 Uhr, „‘Ouklopfe‘ aller Geister Hohenloher Bräuche von Advent bis Dreikönig“, Vortrag von Stefan Kraut;
Sonntag, 26. Februar 2023, 15
Uhr, Finissage mit Tünde Vidak, Direktorin des Museums Marcali.

Pressemitteilung Stadt Künzelsau

 




WM 2022: Die Welt verkauft sich an Katar

Eigentlich war es ein schönes Zeichen: Beim WM-Mannschaftsgruppenfoto von Deutschlands Nationalmannschaft vor dem Gruppenspiel gegen Japan hielten sich die Fußballer die Hand vor den Mund – als Zeichen einer nicht beziehungsweise kaufm existierenden Meinungsfreiheit in diesem Land, getreu dem Motto: „Wir lassen uns nicht den Mund verbieten.“ Aber eigentlich haben sie es doch getan.

„Wir lassen uns nicht den Mund verbieten“

Denn der Grund hierfür war, das Torwart und Mannschaftskapitän Manuel Neuer die One-Live-Binde beim Spiel gegen Japan tragen wollte als Zeichen gegen die Diskriminierung von Minderheiten und für  Tolanz gegenüber jedem, auch jedem Geschlecht, jeder Rasse und auch gegenüber gleichgeschlechtlicher Liebe. Das diesjährige WM-Austragungsland Katar verbot das Tragen dieser Binde unter Androhung von Kosequenzen. Neuer verzichtete daraufhin. Er und seine Mannschaft brachte aber als Reaktion darauf die auf ewig und vor der Weltöffentlichkeit zur Schau gestellte Geste mit der Hand vor dem Mund.

Auf ewig festgehalten

Auf Twitter, nach der Niederlage der Deutschen gegen den Underdog Japan, wurde daraufhin gespöttelt, dass Neuer auch gleich die Binde hätte tragen können. Dann wäre er eben schlimmnstenfalls gesperrt gewesen und Deutschland hätte schlimmstenfalls verloren. Denn letzten Endes haben die Deutschen das Spiel ja auch mit Neuer verloren.

Konsequenter wäre tatsächlich gewesen, die OneLove-Binde einfach zu tragen und nicht einzuknicken gegen ein Land, in dem Menschenrechte, die bei uns zu Lande gelten, nicht viel wert sind. Zu oft haben wir in der Vergangenheit unsere Werte schon durch die Hintertür verkauft, um im nächsten Moment durch Symbolpolitik etwas Schadensbehebung zu versuchen.

Keine Konsequenzen für niemanden

Konsequent wäre es gewesen, die WM erst gar nicht in einem solchen Land austragen zu lassen oder zumindest dafür zu sorgen, dass die Menschenrechte, etwa bei den Stadionbauten, verteidigt werden, bei welchen Tausende unter elenden Bedingungen starben. Konsequenzen? Keine. Aber die FIFA ist ja bekannt dafür, dass es keine Konsequenzen für gar niemanden gibt. Der Rubel muss rollen. Das scheint das einzige zu sein, was zählt.

Respekt für die deutsche Innenministerin Nancy Fraser

Man darf daher dieses Gruppenfoto auch nicht zu klein reden. Sicherlich gebührt der Mannschaft und dem Deutschen Fußballbund dafür Respekt, denn ansonsten versteckt sich der DFB gern hinter der FIFA, wenn es darum geht, eigene Entscheidungen zu treffen. Nun sind die Deutschen etwas ausgeschert. Sicherlich haben sie und der DFB dafür einem ordentlichen Druck hinter den Kulissen standhalten müssen. Während viele Politiker:innen auch anderer westlicher Nationen auf den Zuschauerrängen ebenfalls auf das Tragen der OneLove-Binde verzichtet haben, nachdem Katar diese verboten hat, hielt die deutsche Innenministerin Nancy Fraser daran fest. Auch dafür gebührt ihr Respekt.

Einwohner:innen Katars kritisieren Gruppenfoto der Deutschen

Auf Twitter indes äußern Fußballfans und Einwohner:innen von Katar Unverständnis für das deutsche Gruppenfoto, denn dem Austragungslang gegenüber sollte man schließlich Respekt zollen und die Werte, die dort vorherrschen, akzeptieren. Aber es sind nicht unsere Werte. Wir haben so lange für Gleichberechtigung, Gleichbehandlung und Toleranz gekämpft, dass wir doch jetzt nicht für einen rollenden Ball alles über Bord werfen werden, oder?

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann




„Ein Labyrinth ist kein Irrgarten“

Wie jedes Jahr haben Ehrenamtliche der evangelischen Kirchengemeinde und des Hospizdienstes in der Künzelsauer Johanneskirche ein Labyrinth aufgebaut. Zwischen den Kirchenjahren, also von Totensonntag bis zum ersten Advent, soll das Labyrinth den Menschen die Möglichkeit zur Besinnung bieten. Das Labyrinth soll zum Nachdenken oder Meditieren über den eigenen Weg im Leben anregen, über die Erwartungen an das Leben bis hin zum Lebensende, aber auch über die persönliche Beziehung zu Gott.

Labyrinthe sind uralte Symbole der Menschheit

„Labyrinthe haben eine lange Tradition, überall auf der Welt“, sagt Christine Stumpf, stellvertretende Leiterin des Hospizdienstes Kocher-Jagst. Sie nennt Beispiele aus völlig unterschiedlichen Kulturkreisen, aus Südamerika und der europäischen Frühgeschichte beispielsweise. Das Labyrinth des Minotaurus ist wohl das berühmteste Labyrinth.

Die Symbolik der Labyrinthe

„Labyrinthe stehen als Symbol für den Anfang und das Ende des Lebens, sie haben einen Eingang und einen Ausgang und eine Mitte als Symbol Gottes. Den Weg zur Mitte muss man finden“, erklärt sie. Von dieser Mitte bewege man sich im Leben mal weg, mal bewegt man sich zu ihr hin. Ganz wichtig ist ihr: „Ein Labyrinth ist kein Irrgarten“.

Der Weg ins Innere ist individuell

Mal hin und mal weg von der Mitte – wie das Leben. Foto: GSCHWÄTZ

Der Weg ins eigene Innere ist ein ganz individueller Weg, jeder hat seinen eigenen Zugang. Daher liegen unterschiedliche Materialien bereit, die dem einzelnen ein Hilfsmittel sein können: Verschiedene „Impulse“ mit Fragen, auf die jeder seine Antworten finden kann, aber auch Material zum Malen. Wer will, kann seine Gedanken in ein Labyrinthbuch eintragen.

Alles im Ehrenamt

Christine Stumpf dankt den Ehrenamtlichen der evangelischen Kirchengemeinde und des Hospizdienstes, die am Totensonntag das Labyrinth aufgebaut haben: Die Bestuhlung der Kirche wich dem Labyrinth, die Helfer:innen haben das Labyrinth anhand einer Projektion auf dem Boden aufgebracht, die Plakate aufgestellt und die Materialien bereitgelegt. „Das hat ganz harmonisch geklappt am Sonntag“.

Das Labyrinth ist am Freitag,25. November 2022 von 08:00 bis 12:00 letztmals geöffnet – danach wird die Kirche für den Adventssonntag vorbereitet.

Text: Matthias Lauterer




„Man kann da auch einen Prozeß über drei Instanzen machen“

Kein Ende in Sicht bei der Berichterstattung um das Altenheim „Alte Harmonie“ in Kocherstetten. GSCHWÄTZ berichtete unter anderem bereits über den Fund von Überwachungskameras in den Räumen der Mitarbeiter:innen und von teils relevanten Sicherheitsmängeln und von rechtlichen Schritten der Heimleitung gegen Internetkommentare.

Und über einen solchen Internetkommentar ging es in einem Prozess vor dem Landgericht in Heilbronn am 22. November 2022: Die Betreibergesellschaft der Alten Harmonie ging gegen den Verfasser einer Bewertung bei google vor, der seine Unzufriedenheit über die Leistung der Einrichtung in kurzen und deutlichen Worten geäußert hatte. Die Betreibergesellschaft verlangte Löschung des Kommentars und stellte eine Schadensersatzforderung in den Raum.

Der Beklagte, Gerd Z., ist der Schwiegersohn einer Frau, die kurz vor der Corona-Isolation in das Pflegeheim aufgenommen wurde. Er wirft dem Heim schlechte Kommunikation sowie Mängel bei der Pflege der alten Frau vor. Inzwischen wird die alte Frau in einem anderen Heim gepflegt.

Die Frage nach der Meinungsfreiheit

Richter Dr.Wolber weist zu Beginn des Prozesses darauf hin, dass in diesem Verfahren zu prüfen sei, ob die Internetbewertung eine -möglicherweise falsche- Tatsachenbehauptung sei oder ob sie von der Meinungsfreiheit gedeckt sei. Von Beginn der Verhandlung herrscht ein scharfer Ton im Saal, nicht nur zwischen den Parteien. Gleich zu Beginn mußte Dr. Wolber beide Seiten daran erinnern, dass er diese Verhandlung führt und selber entscheidet, mit wem er redet und wem er das Wort erteilt. Überhaupt wirkt der Richter auf den Zuschauer angriffslustig. Er sitzt nicht zurückgelehnt und zuhörend, sondern vorgebeugt und insistierend. Er insistiert beispielsweise auf die Vorgänge rund um die Kündigung des Heimvertrags durch den Betreiber:  „Warum haben Sie die Kündigung überhaupt akzeptiert? Sie hätten ja dagegen vorgehen können.“ Die Antwort von Z. „das Verhältnis war zerrüttet, es war kein Gespräch mit dem Heim möglich“, will er nicht hinnehmen. Dass eine Familie die alte pflegebedürftige Mutter und Schwiegermutter in ihren letzten Jahren nicht in der Obhut von Personen lassen möchte, gegen die man gleichzeitig juristisch vorgeht, mag der Richter nicht verstehen.

Emotionsreicher Vortrag

Z. ist voll von Emotionen und berichtet, dass die Schwiegermutter kurz vor der Corona-Isolation ins Heim aufgenommen wurde und dass während der Corona-Isolation kein Besuch möglich gewesen sei. „Kommunikation per Telefon war fast unmöglich, da die Schwiegermutter schwer hört.“ Von Seiten des Heimes habe die Familie nur wenig Unterstützung erfahren, sagt er aus. Das bezeichnet er als „unprofessionell“ und berichtet, dass das im neuen Heim ganz anders gehandhabt wurde. Und, das ist ein schwerer Vorwurf: Das Heim habe eine beginnende Demenz nicht richtig diagnostiziert, sondern die alte Frau als „schwierig“  bezeichnet. Genau diese „Schwierigkeiten“, so Z., seien aber Hinweise auf eine Demenz. Er ist der Meinung, dass ein Pflegeheim diese Symptome erkennen müsse.

„ich kenne ihn gar nicht“

Ständiges Kopfschütteln und Grinsen begleiten Z.s Vortrag von der Klägerbank. „Wenn man als Telefon isch, dann hat man alles besprochen“, erwidert die Geschäftsführerin des Heims, Frau Hess-Feldbach. Und: „Ich habe mit ihm nie telefoniert, ich kenne ihn gar nicht.“ Sie muss aber zugeben, dass sie mit Z. Mailkontakt hatte.

Ein Sturz oder kein Sturz?

Streitig ist ein angeblicher Sturz der alten Dame: Sie sei nachts aus dem Bett gestürzt und der Nachtdienst habe ihr gesagt, sie solle sich anstrengen und selber ins Bett kommen. „Ich wüßte nicht, dass sie gestürzt ist“, sagt Hess-Feldbach. Auf jeden Fall ist kein solcher Vorfall dokumentiert, es gibt kein Sturzprotokoll, keinen Arztbericht.

Von der Seite der Kläger kommen während Z.s Vortrag immer wieder Zwischenrufe wie „Quatsch“.

Beklagter will warnen

Richter Dr. Wolber will von Z. wissen, was er mit seiner Bewertung erreichen wollte: „Es geht nicht um die Einzelfälle, sondern um das Geschäftsgebaren der Klägerin, vor der zu warnen ist“, sagt er und betont nochmals: „Es hat keine Gespräche gegeben, wir haben keine gemeinsamen Lösungen gefunden.“

Bewertung hat keinen Bezug zu den Vorfällen

Diese Vorträge der Parteien beleuchten nur die Hintergründe, die zu der Bewertung geführt haben. Für die juristische Abwägung, ob die Bewertung stehen bleiben kann oder nicht, sind sie nicht unbedingt relevant. Dr. Wolber wirft daher ein: „Die Bewertung hat keinen Bezug zu konkreten Fällen, so ein Bewertungsportal kann auch als Pranger verwendet werden“, worauf Z. antwortet: „Ich darf doch reinschreiben, was ich empfinde.“

Genau das ist der Knackpunkt in diesem Verfahren, meint Dr. Wolber: „Überschreitet das die Grenzen der freien Meinungsäußerung? Man muss das abwägen mit den Rechten der Kläger, dem das Recht am eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb.“ Er redet den Parteien ins Gewissen: „Man kann da auch einen Prozeß über drei Instanzen machen. Ich weiß nicht, ob es eine Rechtsschutzversicherung gibt für solche Fälle“ und schlägt einen Vergleich vor: Z. möge die Bewertung löschen und keinen entsprechenden Beitrag mehr posten. Beide Parteien sollen ihre Kosten selber tragen.

Nach kurzer Beratungspause erklären sich die Parteien mit diesem Vorschlag einverstanden. Die Beklagten bestehen auf die Ergänzung, dass damit sämtliche Ansprüche aus diesem Streitgegenstand, also auch eventuelle Schadensersatzansprüche, erledigt sind. Die Verfahrenskosten dürften sich für jede Partei auf einen vierstelligen Betrag belaufen.

Regeln für Internetbewertungen

Aus den Aussagen des Richters läßt sich folgern, dass man bei Internetbewertungen eine gewisse Vorsicht an den Tag legen sollte: Man sollte stets einen Bezug zu einem konkreten Vorfall erwähnen und davon ausgehend eine Bewertung abgeben:  „Ein ganz miserables Lokal“ wäre als Bewertung also wohl justiziabel, „wir wollten am xx.xx. dort essen, mussten lange auf die Bestellung, noch länger auf das Essen warten – und dann war es kalt und versalzen. Wir haben es zurückgehen lassen“, wäre, wenn man Dr. Wolber interpretiert, wohl zulässig.

Der Schwiegermutter von Z. geht es „inzwischen gut, bis auf die Demenz.“

Text: Matthias Lauterer

 

 




„Den Journalismus vor Ort zu stärken, bedeutet, die Demokratie vor Ort zu stärken“

Auch in diesem Jahr war irgendwie alles anders als die Jahre zuvor. Unsere Redaktion GSCHWÄTZ in der Gaisbacher Straße 6 in Künzelsau haben wir teilweise für eine monatelange Kleidersammel- und Spendenaktion für ukrainische Frauen und Kinder bereitgestellt. Unverzichtbar waren und sind an dieser Stelle Ehrenamtliche, die helfen, wo sie nur können. Auch wir durften auf zahlreiche helfende, vor allem weibliche, Hände zurückgreifen, allen voran auf unsere gute Seele im Haus, Ursula Mezger, auf Marina, die dolmetscht für ukrainische Frauen, auf Margarita, die etwa an Ostern Osterhasen an die Flüchtlingskinder mit Dr. Sandra Hartmann verteilt hat, auf Christa Marks, die das wertvolle Sprachcafé im Krankenhaus in Künzelsau mit aufgebaut hat als erste wichtige integrative Willkommensmaßnahme, auf die Anne-Sophie-Schule, die das Sprachcafé mit „Brotspenden“ von Schülern und Eltern unterstützt, auf die Schulleiterin der Grundschule Amrichshausen, die spontan eine Kuchenspende aus dem Ärmel gezaubert hat, auf das Keltereck in Künzelsau, die eine größere Geldsumme für die Flüchtlinge gespendet hat. Die Not im Land ist groß, die Hilfsbereitschaft im Hohenlohekreis aber ist mindestens genauso groß. Deswegen sagen wir von der Redaktion GSCHWÄTZ zunächst einmal DANKE an alle diese besonderen Menschen. Ohne sie wäre die Welt nicht so bunt und warm in dieser derzeit recht grauen Zeit.

Türen auf für soziale Projekte

Die vorübergehende Umwandlung unseres Archivraums in eine Kleiderkammer war nicht die einzige Veränderung in unserer Redaktion. Unsere Türen waren zudem für eine Afrikaausstellung geöffnet. In unserem Besprechungszimmer und das Büro von GSCHWÄTZ-Herausgeberin Dr. Sandra Hartmann waren Bilder und Skulpturen von Künstlern aus Zimbabwe zu sehen – und auch zu erwerben. Der Erlös kam sozialen Projekt für Frauen und Kinder in Zimbabwe, initiiert von der Ingelfingerin Christa Zeller, zu Gute. Derzeit stellen wir Klimawandel-Kunstwerke des Morsbachers Klaus Hub in unseren Schaufenstern aus.

Lokaljournalismus: Wir wirken sich diese globale Krisen auf den Hohenlohekreis aus?

Die Welt ist aus den Fugen geraten. Die Corona-Pandemie, der Krieg in Europa, die Inflation und der Klimawandel sind multiple Krisenherde, die die Menschheit derzeit in Atem hält. Wie sich diese Kriege und Krisen auf unsere Region vor Ort, auf die Menschen im Hohenlohekreis auswirken, das zeigen wir in unseren Beiträgen, Artikel, Fotos und Videos. Wir informieren und unterstützen. Wir versuchen, dabei nicht nur die Probleme abzubilden, sondern auch mögliche Lösungen zu skizzieren. Wir versuchen, nicht nur Menschen zu Wort kommen zu lassen, die im allgemeinen Medienrauschen nicht gehört werden, sondern ihnen auch zu helfen.

Kostenloser Journalismus-Workshop

Im September 2022 haben wir zu unserem ersten Journalismus-Workshop eingeladen. Wir möchten Jungjournalisten kostenlos in den Bereichen Pressefreiheit & Presserecht stärken und ihnen zudem praxisnah die journalistische Schreibe, Fotografie und Videotechnik näherbringen. Denn, so Dr. GSCHWÄTZ-Herausgeberin Dr. Sandra Hartmann: „Den Journalismus vor Ort stärken, bedeutet, die Demokratie vor Ort zu stärken. An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön an unsere Teilnehmer:innen Anna-Lena Eißler, Cora-Lee Pusker und Markus Neugebauer für ihre Einsatzbereitschaft und ihr Engagement. Aber auch an unsere Referenten, dem SPD-Bundestagsabgeordneten Kevin Leiser, Mona Al Malla sowie Daniel Fessler, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Heilbronn und GSCHÄTZ-Redakteur Matthias Lauterer für ihre wertvollen Beiträge.

GSCHWÄTZ-Weihnachtsaktion: Zahle ein Abo, erhalte 2 – zum Verschenken

Für Euch unterwegs, für Euch vor Ort, für Euch kritisch dabei: Was war, was ist, was kommt: Einen ersten GSCHWÄTZ Short cut Jahresrückblick 2022 seht ihr in unserem Video oben, unter anderem mit Ausschnitten von Lemia Krautheim, Fridays for future, Mona Al Malla, dem Feuerwehrchef der Feuerwehr Künzelsau, Thomas Böhret, mit den Acht Frauen in Krautheim und vielen mehr.

GSCHWÄTZ-Weihnachtsgeschenk

Unterstützen auch Sie den Lokaljournalismus und damit die einzige Presse in Künzelsau mit einem GSCHWÄTZ-Abo ab 4,99 Euro monatlich. Noch bis 15. Dezember 2022 läuft unsere GSCHWÄTZ-2-für1-WEIHNACHTSAKTION: Bestelle einen Online-Zugang und erhalte zwei – für Deinen Partner:in, deine Freund:in, Deinen Verwandten. Der Vorteil: GSCHWÄTZ für nur 2,50 Euro monatlich lesen PLUS ein Weihnachtsgeschenk für einen am Lokaljournalismus interessierten Menschen. Nur jetzt und nur für kurze Zeit.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, eine kritische Hintergrundberichterstattung im Hohenlohekreis aufrechtzuerhalten, damit wir auch weiterhin bewegende Geschichten von Menschen, die hier leben, schreiben können, Theater, Kultur, Kinder, Frauen, soziale Themen, Wirtschaft und Politik. Wir sind da.

Text: Dr. Sandra Hartmann

>>> In diesem Video unter anderem mit dabei + + + Lemia Krautheim + + + die Acht Frauen + + + Feuerwehr Künzelsau + + + Fridays for future + + + u.v.m. >>>




Fanta Vier und Clueso beim Würth Open Air 2023

Seit 1997 lockt das traditionelle Würth Open Air tausende Besucher nach Künzelsau-Gaisbach. Beim vergangenen Festival 2022 feierten 7.500 Menschen auf dem Außenbereich des Carmen Würth Forum.

Das Würth Open Air geht am 23. und 24. Juni 2023 auf dem Gelände des Carmen Würth Forum in die 22. Runde. Auf dem Line-up für den Freitagabend stehen Die Fantastischen Vier, Clueso sowie eine Vorband. Die Künstler für den Samstag werden in den kommenden Wochen bekanntgegeben.

Die Fantastischen Vier. Foto: Moritz Künster

„Die da, die da, die da, oder die da“ – so simpel kann einer der größten Hits der deutschen Hiphop-Geschichte klingen. Mit dem Song vom Album „4 gewinnt“ feierten Die Fantastischen Vier 1992 ihren Durchbruch und stehen seitdem auf den ganz großen Bühnen der Republik. Bereits 2013 heizte die Band beim Würth Open Air auf dem Firmengelände rund 5.000 Menschen ein. Die vier Musiker haben den deutschen Hip-Hop populär gemacht und es gibt kaum einen, dem nicht mindestens ein Hit der Stuttgarter Band bekannt ist. Egal ob „Die Da!?!“, „Troy“ oder „MfG“ – die Lieder der Fantastischen Vier haben Ohrwurmgarantie.

Clueso. Foto: Christoph Köstlin

Neben den Fantastischen Vier dürfen sich Besucher auf Clueso freuen. Der 42-jährige Pop-Künstler aus Erfurt hat einen Mix aus seinen bekanntesten Hits und neuen Liedern von seinem im Jahr 2021 veröffentlichten „ALBUM“ mit dabei. Clueso gehört zu den erfolgreichsten Sängern Deutschlands. Mit seinen gefühlvollen Texten hat er sich in der Musiklandschaft einen Namen gemacht.

Die beiden Künstler verbindet eine Freundschaft. Gemeinsam haben sie 2018 den Song „Zusammen“ aufgenommen – eine Hymne auf die Freundschaft und das Miteinander.

Einlass zum Konzert ist ab 17 Uhr, Beginn um 18 Uhr.

Vorverkauf ist geöffnet

Die Karten sind im Vorverkauf ab Mittwoch, 23. November, 11 Uhr, unter www.kultur.wuerth.com, in den Museumshops in Gaisbach, unter www.eventim.de, bei den Eventim-VVK-Stellen oder telefonisch unter der Eventim-Tickethotline 01806-570070 erhältlich und kosten 65 Euro.

Pressemitteilung Würth




Ein Handy in der Untersuchungshaftzelle

Recht wenig ereignete sich am 23. November 2022, dem vierten und geplant vorletzten Prozesstag im Drogenprozess um zwei Künzelsauer Angeklagte.

Nachdem am vorhergehenden Prozesstag der Angeklagte R., bereits ein umfassendes Geständnis und der Angeklagte G. ein Teilgeständnis abgelegt hatten, waren keine Zeugen aus dem Drogenumfeld mehr erschienen. Bis auf einen, den Großhändler St. aus der Region Frankfurt war nach den Geständnissen kein Zeuge mehr geladen. St. war wegen Krankheit nicht erschienen und wies darauf hin, dass er ohnehin von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen würde. Er ist noch nicht rechtskräftig verurteilt. Aus diesem Grund verzichten das Gericht, Staatsanwalt Fuchs und die Verteidigerin von G., Anke Stiefel-Bechdolf, auf die Ladung von St. am letzten Prozesstag.

Psychiatrisches Gutachten noch nicht möglich

Einzige geladene Zeugin war die neue Sachverständige, Frau Dr. Scheibel, Chefärztin für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Weissenhof. Sie war kurzfristig für den ursprünglich benannten Gutachter eingesprungen, konnte aber in der Sitzung noch nichts aussagen, weil sie bisher nur mit G. gesprochen hatte.

Die Begutachtung muss insbesondere ergeben, ob die beiden Angeklagten möglicherweise drogenabhängig sind und daher eine Unterbringung im Maßregelvollzug in Frage kommt.

Der letzte Verhandlungstag wird wohl mit einem Urteil enden

Richter Haberzettl erläuterte nochmals die Prozeßplanung: Am geplant letzten Verhandlungstag möchte er das Gutachten gerne hören, damit im Anschluß die Plädoyers und möglichst die Urteilsverkündung folgen können. Das erste Gespräch zwischen Gutachterin und R. fand daher direkt nach der Verhandlung statt.

Doch keine gemeinschaftlich begangenen Straftaten?

Dem Staatsanwalt legte er die Überlegung nahe, für sieben Straftaten, die die beiden Angeklagten laut Anklageschrift gemeinschaftlich begangen haben sollen, einen Einstellungsantrag zu stellen. Die Aussagen der Polizisten, insbesondere des VE-Koordinators N., legen nahe, dass es keine gemeinschaftlichen Taten gegeben hat.

Handy in der Zelle gefunden

Überrascht waren die Anwältinnen von R. als Richter Haberzettl berichtete, dass in der Zelle ihres Mandanten ein Handy aufgefunden und sichergestellt wurde. Nach kurzer Unterbrechung erklärte R., dass er das Handy von einem kurdischen Mitgefangenen geschenkt erhalten habe, der aus der Haft entlassen wurde. Er habe nur seine Mutter und Freunde angerufen, sagt er. Für die Strafzumessung dürfte dieser Fund keine Bedeutung haben, wohl aber für R.s Haftbedingungen.

G. ergänzt seine Ausführungen

Nachdem Richter Haberzettl am vorhergehenden Verhandlungstag dem Angeklagten G. eine Lüge unterstellt hatte – Angeklagte dürfen übrigens lügen -, gab dessen Anwältin eine Erklärung für ihren Mandanten ab. Wichtig für die Strafzumessung ist, ob tatsächlich ein Drogengeschäft über 20 kg Marihuana abgeschlossen wurde oder ob G. das Geschäft von vornherein nie wirklich durchführen wollte. G. ließ nun erklären, dass er den Entschluss, das Geschäft nicht durchführen zu wollen, erst nach der Absprache gefasst habe. Richter Haberzettl fragt nach: „Im BTM-Strafrecht ist ein nachträglicher Rücktritt unmassgeblich. Ist Ihnen das klar?“. G. bejaht.

Dieses Eingeständnis dürfte sich auf die Strafzumessung erheblich auswirken: Schließlich war dieses Geschäft das bei weitem größte Geschäft, an dem G. beteiligt war.

Urteilsverkündung voraussichtlich am 30. November 2022

Der letzte geplante Sitzung ist für den 30. November 2022 terminiert. An diesem Tag ist mit einem Urteil zu rechnen. Für drei der Taten, die R. vorgeworfen werden und die er gestanden hat, sieht das Strafgesetzbuch eine Mindesthaftstrafe von fünf Jahren vor.

Text: Matthias Lauterer