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Flapsige E-Mail, milliardenschwerer Maskendeal und Spahns Erklärung dazu

Auch weiterhin wird Jens Spahn von dem so genannten Masken-Deal verfolgt. Gesundheitsminister haufenweise Schutzmasken ohne Ausschreibungen zu festen Preisen eingekauft. Weil der Bund oft nicht zahlte, klagten Lieferanten. Heute drohen dem Staat deswegen Risiken in Milliardenhöhe.

Jetzt kommt noch eine flapsige E-Mail ins Spiel, die die Arbeit des ehemaligen Gesundheitsministers in kein gutes Licht stellt. Flapsig schrieb Spahn im März 2020 an einen Maskenhändler: „Ja. Transport klären wir dann. Jetzt will ich erst mal rechtlich verbindlich das Zeug 😉 So, bin jetzt vorerst raus hier, praktischen Rest mit meinen Leuten klären. Danke!“

Die Masken wollte Spahn dann später doch nicht mehr – und der Händler klagt nun. Unter anderem der Spiegel hatte über die Mail berichtet, die auch eine Rolle im Bericht der Sonderbeauftragten Margaretha Sudhof zum Maskendeal spielt – den aber hält die neue Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) noch unter Verschluss. Die Opposition erhöht jetzt den Druck für eine vollständige Offenlegung der Untersuchungsergebnisse – und auch vom Koalitionspartner SPD kommt Kritik.

Die Grünen forderten zuletzt Sondersitzungen des Haushalts- und des Gesundheitsausschusses. Die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler hätten ein Recht darauf zu erfahren, wer, wann und warum so verschwenderisch mit hart erarbeitetem Steuergeld umgegangen ist, hieß es. Deutlich äußerte sich der Chef des einflussreichen NRW-Landesverbandes, Tim Achtermeyer, im Gespräch mit dieser Redaktion: „Man stelle sich mal vor, was die Union aufführen würde, wenn Annalena Baerbock 1,5 Milliarden Euro ohne Ausschreibung an ein Unternehmen in ihrem Wahlkreis vergeben hätte.“ Jens Spahn habe in der Pandemie als Gesundheitsminister Masken-Aufträge an „Bekannte und Großkonzerne in seinem Wahlkreis verteilt“, so Achtermeyer.

So soll nach Berichten von NDRWDR und SZ das Ministerium unter Spahn unter anderem das Logistikunternehmen Fiege aus Münster, dem Nachbar-Wahlkreis Spahns, zum zentralen Beschaffer von Masken und Schutzkleidung gemacht haben. „Und jetzt will die neue CDU-Ministerin den Bericht, der Licht ins Dunkel bringt, in die Keller des Bundesgesundheitsministeriums sperren und verfaulen lassen“, wettert Achtermeyer. „Zwei Jahre haben Menschen in der Pandemie gelitten. Jeder einzelne von Ihnen hat es verdient, dass das Handeln von Jens Spahn in der Pandemie transparent aufgearbeitet wird.“

Warken hatte zwischenzeitlich angekündigt, dem Haushaltsausschuss über Erkenntnisse zu den Maskenkäufen berichten zu wollen. Dafür werde auch der bislang unter Verschluss gehaltene Bericht der Sonderbeauftragten herangezogen. Kritikern reicht das nicht – und das Masken-Thema sorgt nun innerhalb der schwarz-roten Koalition für Debatten. So mehren sich auch beim Koalitionspartner SPD Stimmen, die eine Offenlegung des Berichts als Ganzes.

„Es führt gar kein Weg dran vorbei: Die Bundesgesundheitsministerin Nina Warken muss den Bericht vollständig veröffentlichen“, findet NRW-Grünen-Chef Achtermeyer. Warkens Amtsvorgänger Karl Lauterbach (SPD) hatte die Sonderbauftragte Sudhof 2024 eingesetzt und den Bericht in Auftrag gegeben. Lauterbach wiederum machte zuletzt mit einem Kuriosum Schlagzeilen: Seine Nachfolgerin hat ihm den Zugang zu seiner Tischtennisplatte im Gesundheitsministerium gestrichen. Achtermeyer kommentiert das so: „Vielleicht räumt sie Karl Lauterbachs Tischtennisplatte nur deshalb aus dem Keller des Gesundheitsministeriums, damit man dort den Masken-Bericht für alle Zeit einschließen kann.

„In der Not ist Haben wichtiger als Brauchen. Das war eine Jahrhundertkrise und eine Ausnahmesituation. Es fehlte an allem. Alles war knapp“, sagte Jens Spahn im Podcast Table.Today. Alle hätten gesagt: „Besorgt es, koste es, was es wolle“. „Natürlich sind wir finanzielle Risiken eingegangen.“

Spahn reagiert damit auf einem Bericht von Süddeutscher Zeitung, WDR und NDR. Den drei Medien liegt der bisher unter Verschluss gehaltene Bericht der Sonderermittlerin Margarethe Sudhof zu teuren Maskenkäufen in der Anfangszeit der Corona-Pandemie vor. Demnach soll Spahn die Firma Fiege aus seiner westfälischen Heimat ohne Teilnahmewettbewerb mit der Logistik der Maskenbeschaffung bevorzugt haben.

Spahn entgegnete im Interview mit Table.Today, die nun veröffentlichten Details seien „seit drei oder vier Jahren bekannt“. „Das ist alles mehrfach recherchiert worden“, sagte der Fraktionschef. Zu dem Vorwurf, dass er bei der Maskenlogistik die Firma Fiege aus der Nähe seines Wahlkreises bevorzugt habe, sagte Spahn: „Ja klar habe ich in der Notlage zuerst mit Leuten geredet, die ich kannte, um zu fragen, wer helfen kann. Und ja, wir haben alles ohne Ausschreibung gemacht. Wie hätte das gehen sollen mit einem Ausschreibungsverfahren, das drei oder sechs Monate dauert?“, sagte Spahn. „Fiege hatte damals ein fertiges Konzept für den Umgang mit der Pandemie“, sagte der CDU-Politiker.

Spahn erwartet, dass der Bericht der Sonderbeauftragten Sudhof veröffentlicht wird. „Ich bin sicher, dass das Ministerium den Bericht auswertet und transparent den Bundestag und die Öffentlichkeit darüber informieren wird. Da habe ich keine Zweifel.“ Das Verfahren, mit dem sein Ministerium damals für einen garantierten Festpreis von 4,50 Euro Masken bestellte, sieht Spahn heute kritisch.

„So ein Verfahren würde ich nie wieder machen, kann ich niemandem empfehlen. Wir haben damals alle anderen Kanäle versucht. Wir wussten gar nicht, ob wir überhaupt Angebote bekommen. Teilweise kosteten Masken 30 Euro, wir wollten nichts unversucht lassen. Warum sollten wir absichtlich zu viel und zu teuer beschaffen“, fragte Spahn.




Christian von Stetten schaltet „best lawyer“ Deutschlands gegen GSCHWÄTZ und Dr. Sandra Hartmann ein

Der CDU-Bundestagsabgeordnete des Hohenlohekreises, Christian von Stetten, hat auf den Videokommentar reagiert, in welchem Dr. Sandra Hartmann sein Verhalten kritisiert, was die Familie aus Tiefensall/Bolivien betrifft. Er bezichtigt nun die Redaktion und Dr. Sandra Hartmann der Lüge und fordert unter anderem eine sofortige Löschung des Videos. Der Anwalt weist in diesem Zuge auch auf mögliche immense Kosten für die Redaktion hin, sollte diese nicht umgehend das tun, was gefordert werde.

Abmahnung

In einem ersten Schreiben, das an die Redaktion abends gegen 21.30 Uhr via Mail erreicht hat, fordert der Anwalt, der in seiner Signatur darauf hinweist, dass er zu einem der „best lawyers 2023“ vom Handelsblatt gewählt wurde, eine umgehende Löschung des Videokommentars bis spätestens morgens 08 Uhr am nächsten Morgen. Da in der Nacht die Redaktion nicht arbeitet, konnte diese Frist allein schon aus reiner Unkenntnis schon gar nicht eingehalten werden. Die Redaktion hakte dann aber auch erst einmal nach, was genau denn von Stettens Meinung nach nicht korrekt gewesen sei, damit die Redaktion die Möglichkeit habe, den Sachverhalt zu prüfen. Daraufhin teilte der Anwalt lapidar mit, das werde er dann in seiner Abmahnung niederschreiben.

Chance vertan

In dem Video teilt Hartmann öffentlich mit, wie von Stettens Büro reagiert habe, als man von Stetten im Namen der betroffenen Familie Löwen (wir berichteten) aus Tiefensall um Hilfe gebeten habe. Zunächst zeigte man sich interessiert und erbat weitere Dokumente zu dem Fall. Als sich dann nichts mehr tat, fragte die Redaktion GSCHWÄTZ noch einmal nach. Daraufhin erhielt man zur Antwort, dass Herr von Stetten nun leider doch keine Zeit habe wegen eines anstehenden Umzuges in ein neues Büro aufgrund seiner neuen Tätigkeit als Ausschussvorsitzender. Diese Aussagen kritisierte Hartmann wiederum in einem öffentlichen Video und bemängelte diese „Prioritätensetzung“. Immerhin geht es bei dieser Familie im wahrsten Sinne um Leben und Tod (wir berichteten). Der Anwalt behauptet nun, dass das alles nicht stimme – ergo, die Redaktion habe sich das nur ausgedacht, um click baits zu generieren, sprich, unsere Reichweite zu steigern – auf Kosten des Rufs von Christian von Stetten. Diese Aussagen wiederum kommen einer Verunglimpfung unserer Redaktion gleich.

Vor Gericht wird sich zeigen, wer hier lügt und wer die Wahrheit sagt

Die Redaktion GSCHWÄTZ und Dr. Sandra Hartmann stehen nach wie vor zu ihren Aussagen. Daher werden die Videos auch nicht gelöscht. Ein Gerichtsverfahren, wie es nun der Redaktion fast schon angedroht wird, bringt dann zumindest Klarheit darüber, wer hier die Wahrheit spricht und wer hier lügt. Welche Konsequenzen das dann wiederum für einen Bundestagsabgeordneten beziehungsweise sein Büro in Berlin haben wird, bleibt abzuwarten.

 

 




„Wir bitten um Verständnis“

Marvin Löwen aus dem hohenlohischen Tiefensall hat einer der aggressivsten Hirntumorarten, ein Glioblastom, das auch  nach der Entfernung sehr schnell wieder nachwächst. In einem Videointerview hat er uns Einblicke in das Krankheitsbild gegeben und in die Behandlung in Deutschland. Die Lebensdauer ab dem Zeitpunkt der Diagnose beträgt im Durchschnitt nur noch wenige Monate.

Auch Marvin geht es täglich schlechter. Sein größter Wunsch ist es, seine Lebensgefährtin Melissa aus Bolivien in dieser schweren Zeit an seiner Seite zu wissen. Doch Melissas Visum wurde überraschenderweise abgelehnt, so dass sie nicht nach Deutschland einreisen darf (wir berichteten).

Die Familie Löwen erhoffte sich daraufhin Hilfe von lokalen Politikern und Behörden. Der CDU-Bundestagsabgeordnete für den Hohenlohekreis, Christian von Stetten, ließ sich denn auch die Dokumente zu dem Fall zusenden. Auf Nachfrage wenige Tage später  verwies das Büro von Stetten dann aber auf einen Umzug in ein neues Büro, welches der neue Ausschussvorsitzender von Stetten nun bekomme. Dies habe aktuell Priorität. Daher habe Herr von Stetten derzeit leider keine Zeit, sich dem Fall der Familie Löwen anzunehmen. Er bitte um Verständnis.

Christian von Stetten (CDU) hat wegen Umzug in neues Büro keine Zeit für krebskranken Mann

Voraus ging eine E-Mail von Christian von Stetten, nachdem wir ihn auf den Fall aus Tiefensall aufmerksam gemacht haben. Er erbat sich die Einsicht in die Dokumente, um möglicherweise unterstützend tätig zu werden. Daraufhin sendete ihm die Redaktion GSCHWÄTZ in Abstimmung mit der Familie Löwen alle Unterlagen zu. Als wir uns nach mehreren Tagen nach dem Stand der Dinge erkundigten, wurde uns mitgeteilt, dass Herr von Stetten aktuell leider doch keine Zeit habe, sich mit dem Fall zu beschäftigen, da er aufgrund seiner Wahl zum Ausschussvorsitzenden nun in ein neues Büro umziehe. Dieser Umzug dauere die kommenden zwei Wochen. Bedauerlicherweise habe er daher keine Zeit, um sich mit dem Fall näher zu beschäftigen. Das Büro bitte um Verständnis.

Knapp 12.000 Euro bekommt ein Bundestagsabgeordneter derzeit in Deutschland monatlich. Das ist weit mehr, als viele andere in Deutschland verdienen. Bezahlt wird diese so genannte Aufwandsentschädigung von Steuerzahlern, die diesem Bundestagsabgeordneten ihre Stimme gegeben und ihn damit zu ihrem Volksvertreter bestimmt haben.

Die Zeit für die Familie Löwen läuft. Eine solche Prioritätensetzung, wie wir es hier von Christian von Stetten erleben, ist einfach nur beschämend.

Foto: GSCHWÄTZ Montage I Karikatur

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann 




Ausländerbehörde Öhringen: „Wir sind geschockt“

Marvin Löwen (34) aus Tiefensall im Hohenlohekreis (Baden-Württemberg) hat ein Glioblastom. Das ist ein Hirntumor der aggressivsten Sorte, der auch nach einer OP sehr schnell wieder nachwächst und sich im Gehirn verbreitet. Die durchschnittliche Überlebenszeit beträgt nach der Diagnose 15 Monate.

Schwere Begleitsymptome

Die Begleitsymptome, unter anderem Schwindel, Gedächtnisverlust, Wahrnehmungsstörungen und Sichtfeldeinschränkungen sind gravierend. Marvin und Marvins Familie haben ihren Lebensmittelpunkt seit einigen Jahren in Bolivien. Sie bauen dort eine Klinik auf. Es wurde ihm aber angesichts der Schwere seiner Erkrankung geraten, sich in Deutschland weiterbehandeln zu lassen. Er ist derzeit Patient an der Uniklinik Würzburg.

Einreiseverbot

Melissa, Marvins Lebenspartnerin in Bolivien, wurde nun die vorübergehende Einreise nach Deutschland, um Marvin bei seiner Strahlen und Chemotherapie zu unterstützen, verweigert. Grundlage des Ablehnungsbescheides ist ein dreiseitiges Schreiben der Ausländerbehörde in Öhringen.

Der zuständige Sachbearbeiter spekuliert darin über eine mögliche Eheschließung von Marvin und Melissa in Deutschland und sieht auch die Gefahr, dass Melissa danach nicht mehr nach Bolivien zurückkehren könnte. Dass sowohl Marvin, als auch seine Eltern und ein Teil seiner Geschwister seit Jahren in Bolivien wie auch Melissa dort leben, wird in dem Schreiben nicht erwähnt – auch nicht Marvins schwere Erkrankung und die Behandlung derselben, der eigentliche Grund ihrer Reise nach Deutschland.

Warum das so ist, darüber wollte uns der zuständige Sachbearbeiter auf GSCHWÄTZ-Nachfrage keine Auskunft geben und verweist nun an das Regierungspräsidium Stuttgart, welches den Fall der Familie Löwen derzeit prüft und darüber entscheidet, wie viel gemeinsame Zeit Marvin mit Melissa noch bleibt.

Auch den CDU-Bundestagsabgeordneten für den Hohenlohekreis, Christian von Stetten, hat GSCHWÄTZ kontaktiert mit der Bitte um eine Stellungnahme zu dem Fall. Er verweist darauf, dass „mich Bürgerinnen und Bürger des Wahlkreises um Hilfe bei der Einreise von Verwandten oder Bekannten bitten“, verspricht aber: „Nach ausführlicher Sichtung der mir übermittelten Unterlagen werde ich dann tätig oder erkläre, warum eine Unterstützung nicht möglich ist. Bitte haben Sie Verständnis, wenn ich ohne Kenntnis der Aktenlage Ihnen zu einzelnen Fällen keine Auskunft geben kann.“ GSCHWÄTZ hat von Stetten daraufhin die Akten zu dem Fall zukommen lassen – in Absprache der Familie. Die Zeit für die Familie läuft.




Stefan Raab vor 10 Jahren stehengeblieben – deutsches Lied am aktuellen Zeitgeist mal so völlig vorbei

Welch eine Blamage besonders für Deutschland:  Österreich gewinnt den diesjährigen ESC, während Deutschland mit seinen österreichischen (!) Vertretern Abor und Tynna für Deutschland mit ihrem Techno-Song „Baller“ auf Platz 15 landet. Dass es dieses Mal mit Sicherheit wieder nicht unter die Top Ten reicht, haben deutsche Fans bereit beim Vorentscheid geahnt, als sich die deutsche Jury durchsetzt und Baller weiterwinkte, obwohl es wesentlich bessere Lieder gegeben hätte. Der Techno-Dance-Mix passt einfach mal so wirklich gar nicht in den ESC mit seiner völlig anderen Zielgruppe.

Wenn man zu mehr Liebe gibt, als man zurückbekommt

Der ESC braucht generationenübergreifende Songs, Lieder, die bewegen und den Spirit der aktuellen Zeit aufnehmen. So gewann JJ mit seinem Lied „Wasted love“ – vornehmlich auch aufgrund seiner engelsgleichen Stimme. Es geht um unerwiderte Liebe und der Enttäuschung, wenn man viel Liebe gibt, aber wenig zurückbekommtEs ist eine Ballade, die Pop, Oper und Techno verbindet und von dem persönlichen Erlebnis des Sängers inspiriert wurde. In dem deutschen Beitrag „Baller“ geht es zwar auch um eine enttäuschte Liebe, aber es bleibt gefühlt seicht, oberflächlich, auch angesichts des ständigen „Geballers“ rhythmischer Art. Auch die Nähe zu den Fans, heute ein entscheidender Faktor, konnte das Geschwisterpaar nie wirklich herstellen. 

Deutschlands ESC-Sommermärchen heißt nach wie vor Lena

Die Bürger:innen sehen sich derzeit wesentlich stärker nach einem sanften Nicoles „Ein bisschen“ Frieden“ (erster deutscher ESC-Sieg 1982) als nach Baller-Baller-Rumgeballer. Warum man bei dem Vorentscheid nicht bis zuletzt allein die Zuschauer hat entscheiden lassen, ist ein völliges Rätsel. Mit Sicherheit wäre dabei ein anderer Sieger beim Vorentscheid und dementsprechend auch ein anderer Platz beim ESC herausgekommen. Mit Lena hatte Raab einst ein glückliches Händchen.

Raabs Verdienst

Aber eigentlich war das auch nicht wirklich Raabs Verdient, sondern Lenas. Selten gibt es solche Talente wie Lena, die plötzlich auf der Bühne stehen und Millionen verzaubern. 2010 gewann sie für Deutschland den ESC mit ihrem locker-leichten Liedchen Satellite. Vielleicht hätte Raab damals auch lieber jemand anderem den Vorzug gegeben, aber der öffentliche Druck war zu hoch, um Lena nicht weiterkommen zu lassen. Das jedenfalls war Deutschlands ESC-Sommermärchen.




Würth im Krisenmodus – Gewinn stürzt um über 40 Prozent ab

Betriebsergebnis fällt um mehr als ein Drittel

Die Zahlen offenbaren einen tiefen Einschnitt. Das Betriebsergebnis fällt um mehr als ein Drittel. Der Gewinn sinkt von 1,14 Milliarden Euro auf nur noch 673 Millionen. Besonders auffällig ist der Rückgang der Rendite: Statt 7,1 Prozent bleiben nur noch 4,6 Prozent.

Der Schraubenriese  Würth kämpft mit über 40 % Gewinneinbruch – Konjunkturschwäche und Kosten belasten den Konzern

Der Umsatz selbst zeigt mit einem Minus von 0,9 Prozent auf 20,21 Milliarden Euro zwar nur leichte Einbußen. Doch für ein Unternehmen, das jahrzehntelang zweistelliges Wachstum forderte – und meist auch lieferte –, bedeutet das einen Paradigmenwechsel. Die wirtschaftlichen Ziele geraten spürbar unter Druck.

Strudel aus Belastungen

Würth gerät in einen Strudel aus externen Belastungen. Robert Friedmann, Sprecher der Konzernleitung, nennt eine Kombination aus schwacher Baukonjunktur, Rückgängen in der Industrie und geopolitischen Spannungen als Hauptursachen.

„Ein Rechtsruck geht durch unser Land“, kommentiert er die innenpolitische Lage. Die Aufrüstung in Europa, Handelskonflikte mit den USA und Zölle auf chinesische Produkte belasten zusätzlich. Besonders hart trifft Würth der US-Markt – zweitgrößter Absatzmarkt nach Deutschland – wegen der Abhängigkeit von Importen aus China.

Umsatz und Gewinn brechen weiter ein

Hinzu kommen drastische Kostensteigerungen. Rohstoffe wie Aceton kosten heute viermal so viel wie Ende 2020. Nickelpreise haben sich verdoppelt, Erdgas verteuerte sich um 150 Prozent. Verpackung, Transport und Personal schlagen ebenfalls stärker zu Buche.

Laut Schaich, Mitglied der Konzernführung, liege die Ursache des Gewinneinbruchs klar in diesen externen Faktoren: „Was uns fehlt, ist der konjunkturelle Rückenwind.“ Die Ertragslage verschlechtert sich nicht aus eigener Schwäche, sondern aus einem von außen verursachten Druck auf Margen und Struktur.

Sondervermögen der bundesregierung soll 2027 Aufwind verschaffen

Im Inland verliert Würth deutlich an Boden. Der Umsatz sinkt um 3,9 Prozent auf 8 Milliarden Euro. Dagegen wächst das Geschäft im Ausland um 1,2 Prozent. Besonders Südeuropa entwickelt sich erfreulich.

Im Chemiebereich, zu dem auch Liqui Moly gehört, steigen die Umsätze weiter. Investiert wurde trotzdem umfangreich: Eine halbe Milliarde Euro flossen in Übernahmen, unter anderem in Polen und Italien. Doch selbst diese strategischen Zukäufe konnten den Rückgang beim Gewinn nicht kompensieren.

Im Vertrieb bleibt der Leitungsdruck hoch

Trotz aller Rückschläge gibt man sich in Künzelsau kämpferisch. Die Eigenkapitalquote liegt bei stabilen 48 Prozent. Über 1.000 neue Beschäftigte kamen hinzu. Der Konzern versucht, offene Stellen intern zu besetzen und betont, dass Stellenabbau nicht geplant sei.

Langfristig setzt Würth auf Stabilisierung. Ein Sondervermögen der Bundesregierung ab 2027 könnte Impulse liefern. Im Vertrieb bleibt der Leistungsdruck hoch: Quartalsweise Bewertungen, variable Vergütung, materielle Anreize – all das soll die Verkäufe ankurbeln.

Offene Stellen werden intern besetzt, ein Stellenabbau ist aktuell nicht geplant

Reinhold Würth hat sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Dennoch prägt seine Philosophie den Konzern weiterhin. Die neue Führung übernimmt – mit Enkeln in Schlüsselpositionen.

Friedmann zeigt sich trotz Krise optimistisch: Im ersten Quartal 2025 stiegen die Umsätze wieder um vier Prozent. Doch angesichts des massiven Gewinneinbruchs steht fest: Der Mythos vom unaufhaltsamen Wachstum wankt. Die kommenden Monate entscheiden, ob sich Würth neu erfindet – oder mit der Krise ringen muss.




„Ich hoffe, es trifft die links grünen feministischen Mädels mal“ – Wenn Männer im Netz dazu aufrufen, Frauen zu vergewaltigen

Nach 5 Tagen hat ein Reel, das wir auf Instagram geteilt haben, bereits 1.762 Kommentare. In dem Reel geht es um eine Vergewaltigung mitten in der Stuttgarter Innenstadt. Das Opfer ist eine 15-Jährige. Die Uhrzeit soll angeblich 1 Uhr gewesen sein. Der Täter: angeblich ein Mann mit einem dunklen Teint.

Das Video geht viral durch die Decke

Wir teilen dieses Video, weil es uns in erster Linie darum geht, dass es erschreckend ist, dass im Jahr 2025 15-Jährige mitten in Stuttgart vergewaltigt werden. Das Video geht viral durch die Decke. Die Kommentarspalte explodiert – aber auf erschreckende Weise. Die meist gelikten Kommentare sind unter anderem: „Bravo Multikulti“ von „Heavenboy“, in seinem Profil sieht man einen Comicmann mit Cowboyhut. 266 Likes bekam Yashami, ein Mädchen, das unter dem Video kommentiert: „Durfte damals als 15-Jährige nicht mal mehr um 20 Uhr raus, musste schon um 19 Uhr zu Hause sein.“

Oder dieser Kommentar von Sing.Diana: „Liebe Eltern, sprecht bitte mit euren Mädels, das sie mit niemandem in der heutigen Zeit zusammen spazieren gehen dürfen.“

Wir sind schockiert. Das Opfer wird öffentlich zum Täter gemacht. „Selbst schuld, so spät nachts unterwegs zu sein“, schreiben viele. Selbst schuld? Bitte was? Das erinnert an: „Selbst schuld, hat ja einen ziemlich kurzen Rock getragen.“ Eigentlich dürfte doch eines im 21. Jahrhundert in einer zivilisierten westlichen Gesellschaft angekommen sein: Es spielt keine Rolle, welche Uhrzeit es war. Es spielt auch keine Rolle, was das Mädchen anhatte. Nichts rechtfertigt oder beschönigt diese Tat. Und jeder, der so etwas sagt, ist frauenfeindlich. Warum sprechen 90 Prozent der Kommentaren über das Verhalten des Mädchens und der Eltern (oft wird auch nur die Mutter genannt), so spät nachts noch unterwegs gewesen zu sein und warum spricht keiner über die furchtbare Tat an sich?

AfD-Anhänger machen Werbung für ihre Partei, denn mit ihnen wäre das natürlich nicht passiert

Über den Täter indes sprechen viele – viele mit blauen Herzchen, die sich eine solche Tat zunutze machen, um pauschal Hass gegen alle Ausländer und Migranten zu säen und Aufrufe für die AfD als einzig wählbare Partei zu starten (die Partei, die bekanntermaßen ja sehr frauenfreundlich ist…Ironie Ende), als ob alle Nicht-Deutschen Vergewaltiger wären und deutsche Männer ihre Frauen immer gut behandeln. Dabei verweisen sie auf absurde Studien. Denn Fakt ist nun mal: Ob jemand einen anderen Menschen vergewaltigt, ist eben nicht genetisch bedingt, es liegt nicht an der Hautfarbe, nicht an der Nationalität. Es liegt einzig und allein daran, wie jemand geprägt wurde, wie er aufgewachsen ist, wie er sozialisiert wurde. Es gibt genug Dramen in deutschen Einfamilienhäusern, die sich tagtäglich abspielen, Szenen voller physischer und psychischer Gewalt, die aber kaum jemand mitbekommt, weil sie viel seltener zur Anzeige gebracht werden und wenn sie zur Anzeige gebracht werden, oft nicht weiter verfolgt werden, als wenn es um einen unbekannten ausländischen Täter geht, der kein Familienmitglied nicht. Auch die Medien berichten wesentlich häufiger über die Taten von Ausländern. Als ein deutscher SUV-Fahrer unlängst ein paar Menschen umgefahren hat, war das kaum der Rede wert. Wenn ein Deutscher einen Femizid begeht, war er eben psychisch krank. Bei einem Ausländer liegt es an seinem Blut. Sind wir denn alle noch zu retten?

Sind wir denn alle noch zu retten?

Aber es gibt auch auch genug Menschen, die Partei für das Mädchen ergreifen, es verteidigen in den Kommentaren und die mobil machen gegen die pauschale Hetze gegen Ausländer. Es kann ja auch nicht sein, dass der Weisheit letzter Schluss hier ist, dass Frauen anderen Frauen und Mädchen raten, ab 19 Uhr zu Hause zu sein. Im Gegenteil. Frauen müssten um 2 Uhr nachts nackt durch Berlin Kreuzberg tanzen dürfen, ohne dass ihnen etwas geschieht. So sähe eine Gesellschaft der Zukunft aus. Und wenn das nur möglich ist, wenn man umgekehrt doch einfach mal über ein Zuhause-bleiben für derartige Männer, die sich und ihre Triebe nicht im Griff haben, nachdenkt. Auch präventiv ließe sich einiges verhindern, wenn die Strafen für sexuellen Missbrauch, Vergewaltigung und Femizid nicht irgendwo bei 5 Jahren plus / minus dahindümpeln würde.

Was ist das für eine verlogene Doppelmoral, bitte?

In der Kommentarspalte unseres Videos wünschen dann eben diese Hass gegen Ausländer schürenden Männer anderen Frauen, die sich für das Mädchen einsetzen, unter anderem ebenfalls eine Vergewaltigung an den Hals, wie etwa ein Mann, der sich auf Insta sssa.f4ansa nennt: „Ich hoffe, es trifft die links grünen feministischen Mädels mal.“ Oder „Halt’s Maul“ ist auch sehr gebräuchlich bei derartigen Männern. Wie diese Männer im privaten mit Frauen umgehen, die nicht ihrer Meinung sind, darüber will man gar nicht erst nachdenken.  Zuerst den großen Beschützer ob der vermeintlich furchtbaren Ausländer. Dann entpuppen sich gerade diese Männer oft selbst als Frauenhasser. Was ist das für eine verlogene Doppelmoral, bitte?

Also, in welcher Gesellschaft möchten wir leben? Wo Angst und Hass regiert oder Freiheit und Frieden? Machen wir uns klein und ziehen uns zurück, damit uns keiner  vergewaltigt oder werden wir laut, stehen auf, gehen raus und stehen ein für unser Leben in Freiheit? Wie entscheidet ihr euch?

 




Clever oder geht der Schuss nach hinten los?

Paukenschlag zum Koalitionsauftakt der neuen Großen Koalition: Noch-Innenministerin Nancy Faeser verkündet, dass der Verfassungsschutz die AfD nun nicht länger nur in einzelnen Bundesländern, sondern auf bundesweiter Ebene als gesichert rechtsextrem eingestuft habe.

Der Zeitpunkt der Entscheidung ist auffällig

Der Zeitpunkt dieser Entscheidung ist auffällig: Die Gründe, die genannt wurden, für ein Verbotsverfahren, hätte man auch bereits wesentlich früher anbringen können. Es sind keine neuen Gründe. Was sich allerdings geändert hat in den vergangenen Jahren: Die Umfragewerte der AfD befinden sich in schwindelerregender Höhe. Wenn heute Bundestagswahlen wäre, könnte die AfD stärkte Kraft werden. Auch in Baden-Württemberg erreichte die AfD bei den vorgezogenen Bundestagswahlen 30 Prozent und mehr. Im Frühjahr 2026 stehen die Landtagswahlen im Schwabenland an. Hat die Regierung möglicherweise einfach nur – zu Recht – Angst, dass die AfD das Rennen im Schwabenländle machen und einen Dominoeffekt auslösen könnte?

Le-Pen-Verbot als Blaupause für AfD-Verbot?

Auch auffällig: Im März wurde Marine LePen, die Vorsitzende der rechtspopulistischen Partei Rassemblement National, wegen Veruntreung von EU-Geldern in Frankreich verurteilt und darf nun bei den kommenden Präsidentschaftswahlen 2027 nicht antreten. Auch hier zeichnete sich ein Umfragehoch für Le Pens Partei ab. Galt das Verfahren mit Le Pen vielleicht sogar als Blaupause für das Verbotsverfahren der AfD in Deutschland?

Kommt es zu Straßenprotesten von AfD-Anhänger:innen?

In Deutschland wählt laut diversen aktuellen Umfragen aktuell jede:r dritte wahlberechtige Bürger:in die AfD. Eine gesichert rechtsextreme Einstufung könnte ein Verbotsverfahren in die Wege leiten. Dies wiederum würde einen hohen Frust bei AfD-Wähler:innen auslösen. Es würde vermutlich zu Demonstrationen kommen. Bereits jetzt kündigen manche AfD-Anhänger:innen derartige Straßenproteste im digitalen Netz an.

Auch auffällig: In den sozialen Medien wie etwa Instagram findet man auch bei gezielter Suche keine AfD-nahen Posts mehr, es werden lediglich diffamierende Posts angezeigt.

Es ist keine Frage, dass die AfD gegen Migrant:innen hetzt und diese zum großen Feindbild erkoren hat. Wenn man nur die große Abschiebeaktion begönne, würden sich alle Probleme in Deutschland in Luft auflösen, lautet das zentrale Mantra der AfD. Es gibt massive rechtsextreme und auch frauenfeindliche Äußerungen von hohen AfD-Mitgliedern.

Worum es eigentlich geht

Die eigentliche Frage ist: Ob mit diesem Weg des vermutlichen Verbotsverfahrens, das derzeit in Erwägung gezogen wird, nicht noch mehr Unmut in der Bevölkerung geweckt wird, als Probleme gelöst werden. Denn man darf eben nicht vergessen, warum ein Drittel der Wahlberechtigen die AfD wählen: nicht, weil sie rechtsextrem sind, sondern weil die aktuelle Politik so schlecht ist, dass viele Menschen einfach nur verzweifelt sind. Das politische Versagen der vergangenen Jahre ist die eigentliche Ursache. Und da hilft es nicht, das daraus resultierende Symptom zu cutten. Das wird dadurch nicht wie Zauberhand verschwinden.

 




Betrugsanrufe mit der Nummer von Hohenloher Banken

Derzeit erhält manch ein:e Bürger:in im Hohenlohekreis merkwürdige Anrufe – angeblich von seiner/ihrer Hausbank.

Auf dem Handydisplay steht dabei tatsächlich die Nummer der Volksbank in Öhringen. Eine Anita Müller, angeblich von der Sicherheitsabteilung, der Bank meldet sich. Der Bank sei aufgefallen, dass es aktuell hohe Abbuchungen die VISA-Karte betreffend gäbe – unter anderem zweimal Tickets von der Deutschen Bahn über 1.500 und 18.00 Euro. Ob diese Abbuchungen denn korrekt wären. Der Endkunde erschrickt und sagt: „Nein, natürlich nicht.“ Anita Müller beruhigt ihn: „Deswegen rufe ich Sie an. Das haben wir uns schon gedacht. Das sind wahrscheinlich betrügerische Abbuchungen, die wir aber jetzt direkt stoppen können.“ Der Hohenloher ist erleichtert.

Zum Datenabgleich nennt ihm Anita Müller alle seine Daten wie Anschrift, seine Mailadresse sowie alle Daten seine Visakarte betreffend – inklusive dem dreistelligen Geheimcode auf der Rückseite der Karte. Alles ist korrekt. Das schafft Vertrauen. „Nun gehen Sie in Ihre Online-Banking-App und bestätigen mit nur einem Klick, dass wir die Abbuchungen stornieren“, sagt Anita Müller. Also quasi ähnlich wie wenn man etwas kauft über die VISA.

Der Hohenloher Bürger wird misstrauisch. Daher möchte er kurz die Legitimation von Anita Müller prüfen und fragt nochmal nach, wo genau sich Anita Müller befindet. „Wir sind die Raiffeisenbank in Künzelsau.“ Der Hohenloher Bürger wird nun noch stutziger: „Aber die Filiale in Künzelsau gibt es doch gar nicht mehr.“ Müller versucht, noch irgendwie die Kurve zu kriegen. „Ja, also die Volksbank, die Volks- und Raiffeisenbank.“ – Die Volksbank gibt es hier in Künzelsau“, stimmt der Kunde ihr zu. Müller erwidert: „Ja, das ist doch ein- und dasselbe.“ – „Nein, das sind zwei völlig verschiedene Banken“, sagt der Hohenloher Bürger – womit er auch Recht hat. Er bittet nun darum, den Vorgang, den er bestätigen soll auf seiner Banking-App, mit seinem persönlichen Bankberater kurz telefonisch abklären zu dürfen. Müller wird daraufhin etwas unlustig. Dafür bleibe keine Zeit. „Ich muss das jetzt stoppen, sonst ist es zu spät.“ – „Kein Problem“, sagt der Hohenloher Bürger. „Ich habe noch ein zweites Telefon. Dann kann ich parallel zu unserem Anruf kurz bei meinem Berater anrufen. Das dauert eine Minute.“ Da legt Anita Müller auf.

Es handelte sich dabei vermutlich auch gar nicht um Anita Müller, sondern um eine Betrugsmasche von Betrügern, die vermutlich dabei immer wieder andere Namen benutzen. Diese Masche kommt jedoch zunächst ziemlich glaubwürdig daher –  da sogar die echte Telefonnummer der Bank erscheint. In diesem Fall die der Volksbank Öhringen.

Wer einen ähnlichen Anruf bekommt und sich nicht sicher ist, ob es sich dabei um einen Betrug handelt, sollte wissen: Unrechtsmäßige Abbuchungen stoppen Banken nicht, indem sie ihre Kund:inenn dazu auffordern, in ihrer Online-Bnkiung-App irgendetwas freizugeben. Das können Banken auch direkt sperren (in Absprache mit dem jeweiligen Kunden). Auch die Aussage: „Das muss man jetzt sperren, sonst ist es zu spät“, stimmt nicht. Banken geben manchmal Zahlungen nicht frei, bei denen sie nicht sicher sind, ob sie seriös sind  und klären das dann mit dem jeweiligen Kunden ab, um ihn vor betrügerischen Abbuchungen zu schützen. Wenn sie den Kunden nicht gleich erreichen, rufen sie ihn einfach später nochmal an, solange bleibt die Buchung einfach gesperrt (bzw. wird von der Bank nicht freigegeben).

Am  besten ist es in einem solchen Fall, immer Rücksprache mit dem persönlichen Bankberater zu halten – zumal auch die Bank ein höchstes Interesse daran hat, wenn sie von derartigen Betrugsmaschen erfährt, um wiederum andere Kund:innen zu warnen.

 




Der Selena-Effekt

Puff Daddy (oder wie er sich heute nennt: P. Diddy), Luke Mockridge, Elon Musk, Till Lindemann, Jerôme Boateng –  noch vor 20 Jahren waren das angesagte so genannte „Bad Boys“, auf die zahlreiche Mädchen und Frauen standen, obwohl sie mittlerweile bekannt dafür sind, nicht immer wirklich nett mit dem weiblichen Geschlecht umzugehen – um es einmal vorsichtig auszudrücken.

Bad guys wurden über Jahrzehnte glorifiziert

In diversen Hollywood-Filmen wurde dieser Typus Mann jahrzehntelang glorifiziert in vermeintlichen romantischen Komödien, die toxische Typen auf einen begehrenswerten Thron setzen. Man denke etwa an die extrem erfolgreiche Vampirserie Vampire Diaries, in welcher am Ende der toxische Vampir Damon gegen den nice guy Stephen gewinnt und immer noch mehr von Elena fordert. Oder an die belieben Filmreihen des Bestsellerautors Nicolas Sparks, mit Kassenschlagern wie The Choice, in welcher auch der toxische Typ als erstrebenswert präsentiert wird und am Ende der solide, ruhige, charmante Gegenpart von der Protagnistin abgewählt wird.

Ein toxischer Partner als Ideal

Die Generation Millenials (1981 bis 995) ist mit derartigen „Vorbild-Beziehungen“ so erwachsen geworden. Für eine ganze Welt schien es etwa ganz normal, dass die Pop-Ikone Britney Spears nach einen paar durchzechten Nächten das Sorgerecht für ihre Kinder verlor und über ein Jahrzehnt unter die Vormundschaft ihres Vaters gestellt wurde. Selena Gomez führte jahrelang eine toxische Beziehung mit dem ebenso erfolgreichen Sänger Justin Bieber. Am Schluss war sie nervlich am Ende, da sie jahrelang von ihrem Freund psychisch missbraucht wurde, wenn er mal wieder seine Launen hatte, sie weinte vor laufenden Kameras, insbesondere als sie erfuhr, dass Bieber sie nach nur zwei Monaten  Beziehungsende durch eine neue Partnerin, Hailey Bieber, ersetzte. Selena galt damals als die instabile, nicht Justin, obwohl er es war, weswegen sie am Boden war.

„Du bist so peinlich“

Damals nach dem Beziehungsende von Gomez und Bieber, 2018, kam Hailey zu Selena und sagte ihr, dass sie sich damit abfinden müsse, dass Bieber nun einmal jetzt Hailey liebe und dass es lächerlich sei, in der Öffentlichkeit zu weinen, sie sei so peinlich. Nun, sieben Jahre später, hat Gomez nach der Aufarbeitung aller ihrer zugefügten Wunden in ihrer Beziehung mit Bieber, zu neuem Erfolg gewunden – beruflich im filmischen wie auch im musikalischen Bereich – und auch in der Liebe. Sie ist mit Musikmacher Benny Blanko liiert, kein Traumpaar im herkömmlichen Sinne. Viele waren schockiert, da Benny kleiner als Selena ist und wohl alles andere als dem klassischen Schönheitsideal entspricht.

Er entspricht nicht dem gängigen Schönheitsideal

Selena musste daher auch das Öfteren in Interviews erklären, was sie an Benny liebt. Die schlichte Antwort: Er behandelt sie gut, er gibt ihr das Gefühl, dass auch sie wichtig ist. Er selbst sagt, das er morgens schon überlege, wie er ihren Tag besser machen könne nd sie genauso sei. Er gibt ihr ein Gefühl der Sicherheit und nicht des ständigen Dramas.

Früher waren Männer, die viele Frauen hatten begehrenswerte Aufschneider, Heute hat die Generation Alfa einen neuen Begriff für sie geschaffen: „Fuck boys“ – was im Prinzip das Pendant zu dem Begriff Schlampe darstellt, nur im Bezug auf Männer. Das bedeutet: Mädchen und Frauen nehmen sich nun das Recht heraus, genau so zu urteilen, wie es Jungs und Männer schon seit Jahrzehnten und Jahrhunderten über sie tun. Auch wird nun über Body count gesprochen. Wie hoch ist dein Body count? Nein, das ist nicht der BMI. Junge Menschen möchten wissen, mit wie vielen Menschen jemand schon im Bett war. Wobei ein hoher Body Count mittlerweile negativ wirkt und nicht mehr als positiv (bei Männern) betrachtet wird. Es hat sich viel getan in den vergangenen Jahren.

Männliche Draufgänger, die Mädchen und Frauen schlecht behandeln, möchte keiner mehr haben. Eigentlich ist es ganz einfach: Männer müssen nur nett sein gegenüber Frauen. Derweil wird Benny Blanko für seine Aussagen darüber, wie man Frauen behandeln sollte, gefeiert. Ach ja, und Justin Bieber hat nach einer überstürzten Hochzeit und ein Baby mit Hailey Bieber übrigens sein Glück beim Coachella-Festival gefunden, bei welchem er vor kurzem tagelang völlig zugedröhnt und abgemagert zu sehen war, während Hailey Bieber seinen Babysitter spielte. Manche bezeichnen auch das als Liebe.