Am Mittwoch, dem 08. Januar 2023, wird in Niedernhall das gerade fertig gewordene Gesundheitszentrum „Haus an der Linde“ eingeweiht. Es ist die Vollendung und Präsentation eines Projekts der Stadt Niedernhall und der Raiffeisenbank Hohenloher Land, vertreten durch den Niedernhaller Bürgermeister Achim Beck und den Vorstand der Raiffeisenbank, Andreas Siebert.
Anders als beim Richtfest am 25. Februar 2022 scheint die Sonne und wärmt die Wintermäntel der Besucher:Innen, die sich trotz Temperaturen unter dem Gefrierpunkt um den neuentdeckten (aber alten) Brunnen vor dem Haus an der Linde versammelt haben.
Andreas Siebert berichtet in seiner Rede von einem Prozess der Sanierung und des Neuanbauens, der von Herausforderungen wie unbekannten Wasserleitungen und Bahnschienen geprägt war, aber nun mit einer Gesamtsumme von 6 Millionen Euro zu einem Ergebnis kommt, das sich sehen lässt. Siebert sieht im „Haus an der Linde“ einen Gewinn für das ganze Kochertal. Bürgermeister Achim Beck möchte sich dem gerne anschließen, dann geht nach drei Sätzen sein Mikrophon aus. „Mir wurde ja schon gesagt, dass ich nicht so lange reden soll, aber dass es so begrenzt ist…“, scherzt er.
Dabei wird beim „Haus an der Linde“ kaum Rhetorik benötigt, um Eindruck zu schinden, das Gebäude spricht für sich. Grauer Boden und weiße Wände, am Ende des Flures sind Panoramafenster, dass jeder Gang mit Licht geflutet wird.
Im neuen Gesundheitszentrum gibt es eine Logopädiepraxis, eine Physiotherapiepraxis mit integrierter Fußpflegepraxis, eine Hebammenpraxis, außerdem psychologische Betreuung und eine Kinderarztpraxis, worauf Andreas Siebert besonders stolz ist. In den Wohnungen kann man in alle Richtungen hinausschauen, zudem sind sie barrierefrei.
Die fertigen Praxen sind mit liebevollen Deko-Details ausgestattet und Patient:Innen werden von angenehmer Wärme empfangen. Dies ist vor allem Hebamme Maren Reinhardt wichtig: „Die Familien sollen sich wie Zuhause fühlen“, sagt sie und zeigt das „Herzstück“ ihrer Praxis, den Untersuchungs-, Behandlungs-, und Besprechungsraum.
Die Praxis selbst ist ein Familienprojekt. Nicht nur, dass ihre Schwester Stephanie Lutz bei ihr angestellt ist, denn auch der „Einzug“ war eine familiäre Angelegenheit. Auch knapp einen Monat später lobt ihr Vater noch seinen Schwiegersohn, mit dessen Hilfe er alle Möbel in der Praxis alleine aufgebaut hat. Ob es nicht anstrengend ist, auch noch mit der Familie zu arbeiten? Für die Schwestern nicht. Denn „Familie, auf die kann man sich eben verlassen“, sagen sie.
Auch Antje Hebler ist froh, hier in Niedernhall ein Plätzchen für ihre Räumlichkeiten als Fußpflegerin gefunden zu haben. Nachdem in ihren sieben Jahren im ehemaligen Künzelsauer Krankenhaus sich die Bedingungen dort immer weiter verschlechterten, hätte sie beinahe aufgehört. Doch das „Haus an der Linde“ überzeugte die Niedernhallerin, ihrer Fußpflegepraxis noch eine Chance zu geben.
Das Gesundheitszentrum ist voll moderner Technik. Manchmal vielleicht etwas zu modern, wie die Physiotherapeutin Anke Tröbs erzählt: „Da war die Sache mit den Waschbecken. So war eine Patientin in der Praxis, die seine Tasche ablegen wollte und sich dafür das Waschbecken aussuchte. Nur hatte dieses einen Bewegungsmelder und bei der Tasche handelte es sich um eine Stofftasche…“ Über diese Feuertaufe kann Anke Tröbs mittlerweile lachen- und zwar gemeinsam mit den anderen Besucher:Innen im Kursraum, in dem für die Gäste der Veranstaltung ein kleines Buffett vorbereitet wurde.
Es gilt, in Anbetracht der Naturkatastrophen und Krisen, die Europa heimsuchen, bei jeder Möglichkeit, Gesundheit und Gemeinschaft gemeinsam zu feiern.
Text: Anna-Lena Eißler