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„Altes bewahren, neues beginnen“

Als Kristin Walter, Bürgermeisterkandidatin für Krautheim, von unserer Redaktion gefragt wurde, an welchem ihrer Lieblingsorte in Krautheim wir das Interview mit ihr führen sollen, war für sie gleich klar: an der Burg sollte es sein. Denn die Burg stehe sinnbildlich für ihren Leitspruch: „Altes bewahren und neues beginnen.“

Kultur, Vereine und die gelebten Werte in Krautheim

Die dreifache Mutter arbeitet seit 2,5 Jahren im Rathaus in Krautheim, derzeit noch unter Andreas Köhler. Der aktuelle Rathauschef hat im Januar 2023 seinen Rücktritt erklärt. Da habe Kristin Walter, so berichtet sie es, für sich entschlossen: „Ich packe das an, durch meine Erfahrung, die ich im Laufe der Jahre sammeln konnte, möchte ich gemeinsam mit den Krautheimern Neues beginnen und altes weiterführen.“ Das Alte, darunter versteht die Verwaltungsangestellte und gelernte Wirtschaftsfachwirtin, insbesondere die Kultur, Vereine – wie Lemia, die Blaskapellen, der TSV, die Burg oder der Reitverein – und die gelebten Werte in dem Jagsttalstädtchen.

Beim Regierungspräsidium Stuttgart

Bevor sie in Krautheim gearbeitet hat, war sievon 2015 bis 2020 stellvertretende Leiterin der Ausländerbehörde beim Regierungspräsidium Stuttgart, Außenstelle Wertheim. Hier war sie für die Bewilligung der verschiedenen Förderprogramme für Flüchtlinge zuständig.

Mehr Bürgernähe

Der Wunsch nach mehr Bürgernähe und damit direktem Kontakt mit den Menschen führte sie schließlich ins Rathaus nach Krautheim. „Mein Wunsch war es, in verschiedenster Art und Weise für die Bürger:innen tätig zu sein. Aktuell arbeitet die 42-Jährige hier als Kassenverwalterin und Marktmeisterin.

In der Verwaltung digitaler werden

Unter anderem die Herbstmesse nach Corona beziehungsweise mit einem angepasstem Coronakonzept hat sie organisiert, eine der Höhepunkte im Jahr in Krautheim. Sie möchte as Bürgermeisterin Krautheim auch in der Verwaltung in die Moderne führen, digitaler werden, vernetzter, auch mit den Vereinen, die sich mit ihren Ehrenamtlichen so sehr engagieren. „Corona hat schmerzhaft gezeigt, wie wichtig dieser Bereich ist.“

Geänderte Öffnungszeiten, mehr Bürgernähe, eine „bürgerfreundliche Kommunikation und offene Rathaustären sind mir wichtig“.

Investorensuche für das ZG-Areal nicht einfach

Sie weiß: „Die Stadtentwicklung brennt den Bürger:innen unter den Nägeln.“ Etwa das derzeit brach liegende ZG-Areal im Herzen Krautheims, das auch ihr Mitbewerber Marcel (Koppe) bemängelt hat. „Leider macht es die derzeitige Situation der Investorensuche nicht leicht“, sagt sie. Auch sie ist unzufrieden mit der Situation. Es habe eine Anfrage eines Drogeriemarktes gegeben, die sehr gut in das Innenstadtkonzept gepasst hätte. Dieser Investor sei aber wieder abgesprungen. Es habe auch verschiedenste Konzepte von der Stadt gegeben, die aber nicht umsetzbar waren. Walter würde hier „komplett neue Wege in der Ideenfindung gehen, etwa in Form einer Ausschreibung“.

Leerstände von Läden in der Innenstadt verhindern

En weiteres Problem: Auch Krautheims Einwohnerschaft altert, unter anderem die Ladenbesitzer: So findet auch nicht jeder von ihnen einen Nachfolger, wenn er oder sie in den Ruhestand geht. Leerstände bleiben nicht aus. Kristin Walter möchte hier generell mehr werben für die Stadt Krautheim, unter anderem über die sozialen Medien, um auch neue Ideen in der Stadt ankommen zu lassen, vorstellbar wären hier etwa ein Bio-Laden, eine Eventlocation oder ähnliches. Wichtig sei für die Start-up-Betreiber:innen, dass „wenn man neues erschafft, rentabel wirtschaften kann“. Sprich: Die Preise für Immobilien oder die Mieten müssen zu den Einnahmen, die hier erzielt werden können, passen.

Ausbau der Kinderbetreuung

Kristin Walter lebt derzeit in Gerichtstetten, einem Ortsteil von Hardheim. Sie war mit ihren drei Kindern (20, 12 und 8 Jahre) immer berufstätig. Daher sei es ihr auch ein besonderes Anliegen, dies auch anderen Müttern möglich machen zu können, die das möchten. Der Ausbau der Kindergarten- und Schulbetreuung in Krautheim sei wichtig, um den Frauen diese Möglichkeiten geben zu können. „Für Kinder unter einem Jahr gibt es derzeit keine Ganztagesbetreuung als Ergänzung zu den bisherigen Angeboten“, erklärt sie. Ab 2026 gäbe es für Eltern an Grundschulen einen Rechtsanspruch auf eine Ganztagesbetreuung. Den Ausbau hierfür möchte sie für Krautheim schon vorher angehen. Gelebte Werte wie Familienfreundlichkeit machen Krautheim als Stadt attraktiver und locken mehr junge Familien an. Dieser Zuzug und damit auch der Zuzug von Kaufkraft sei immens wichtig, damit sich eine Stadt weiterentwickeln könne.

Familien, Vereine, Kultur, Stadtentwicklung, Wirtschaft. Das sind die Schwerpunkte, die Kristin Walter sich im Wahlkampf gesetzt hat und die sie umsetzen möchte, wenn sie am 07. Mai 2023 von den Krautheimern gewählt werden würde.

Kristin Walter bewirbt sich als neue Bürgermeisterin in Krautheim. Foto: GSCHWÄTZ

 




Die Luft, die ich atme

Die Galerie Reichert in Kupferzell in der Künzelsauer Straße 1 präsentiert ab Freitag, den 24. März 2023, bis Sonntag, den 26. 2023 in der Galerie Reichert den Künstler Manfred Bretter. Bretter wird nicht nur seine herausragenden Gemälde präsentieren, sondern die Gäste auch mit Live Musik verwöhnen. An allen drei Tagen gibt es Livemusik von Roberto ab 18 bis 14 Uhr. Die Galerie ist am Samstag und Sonntag ab 14 Uhr geöffnet, am Freitag ab 18 Uhr. Für das leibliche Wohl ist ebenfalls bestens gesorgt.

Manfred Bretter

Der Künstler Manfred Bretter wurde 1959 in Remseck bei Stuttgart geboren. Er lebt und arbeitet als freischaffender Künstler in Vellberg-Großaltdorf. Manfred Bretters Arbeiten hängen bei Sammlern aus Deutschland (Stuttgart, Hamburg, Berlin, München, Tegernsee), Österreich, der Schweiz, Frankreich, USA , Canada …, um nur einige zu nennen. 

So beschreibt der Künstler auf seiner Internetseite seine Kunst:

„Meine Kunst reflektiert meine spirituelle Persönlichkeit. Von meiner Geburt, an konnte ich in eine Welt blicken, die für viele verschlossen scheint. Ich spüre die Tiere, die Erde, die Bäume und die Pflanzen und ganz besonders aber auch die Menschen. Oft sehe ich abstrakte Bilder Ihrer selbst. Dann spüre ich Ihr Wesen, Ihre Ängste und Stärken. Meine Kunst ist nicht Kommerziell ausgelegt. Ich werde durch Erzählungen, Begegnungen, Erfahrungen und Wahrnehmungen inspiriert und motiviert und sehe meist zuerst das Schöne. Die Luft die ich atme, das Wasser das ich trinke, die Gespräche, die Musik, dass Laufen, dass Sehen, dass Bleiben und dass Stehen, verbinden mich mit der Atmosphäre und der Situation. Das ist dann ein vibrieren durch meinen Körper und Geist. Eine feine Sensibilität durchdringt dabei mein offenes Wesen und führt mich direkt tief in den Kern meiner Seele. Die bewusste Wahrnehmung reflektiert und durchflutet mich in Bildern, die ich dann mit mir herumtrage bis ich die Selben so erlebt gemalt, aufgeschrieben oder erzählt habe. Danach fühle ich mich gut und frei.“

 




„Ich möchte zeigen, wie schön Krautheim ist“

Unlängst wurde Marcel Koppe von der Polizei Künzelsau nominiert für den Zivilicouragepreis. Der Grund: Der 38-Jährige hat einen Mann, der per Haftbefehl gesucht wurde, so lange in Krautheim festgehalten, bis die Polizei eintraf und ihn festnehmen konnte. In eben diesem eigentlich so beschaulichen Jagsttalstädtchen kandidiert Koppe nun für das Amt des Bürgermeisters.

Nominiert für den Zivilcouragepreis

Als der amtierende Bürgermeister Andreas Köhler seinen Rückrit verkündete, haben Rathausmitarbeite, Freunde und Familie ihm motiviert, für dieses Amt zu kandieren, erzählt Marcel Koppe.  Die Wahl in Krautheim ist am 07. Mai 2023. Neben Koppe tritt derzeit noch Kristin Walter an, die im Rathaus arbeitet.

Bereits jetzt hängen überall in blau gehaltene Plakate des Unteroffiziers. Auf seinen Flyern wirbt der zweifache Familienvater mit „Verstand, Weitsicht und Stärke“. „Gehen wir gemeinsam den Weg in die Zukunft von Krautheim“, schreibt er dort.

Wahlheimat Krautheim

Er stehe für „Bürgernähe, Kompetenz und Loyalität, betont er. Im GSCHWÄTZ-Interview mit Dr. Sandra Hartmann verrät er, warum er sich bewusst für seine Wahlheimat Krautheim entschieden hat: „Wir sind 2016 von Bad Mergentheim nach Krautheim gezogen, weil wir für unsere Kinder eine ländliche Umgebung wollten. Hier hatten wir auch schon Freunde. Krautheim ist klein und übersichtlich, aber hat doch alles, was man braucht“ sagt er. Er sehe, wie viel Potenzial in Krautheim stecke. Und das Ehepaar Koppe war vor allem eines: Begeistert von der Offenheit, Freundlichkeit und Herzlichkeit der Einwohner:innen.

„Ich möchte auch anderen zeigen, wie schön Krautheim ist“

„Ich möchte auch anderen zeigen, wie schön Krautheim ist, eine kleine Oase schaffen für ältere Mitbürger:innen, mehr Wohnraum anbieten, eine Eisdiele wäre für die Innenstadt sicherlich eine Bereicherung, die in die Jahre gekommenen Spielplätze zu neuem Leben erwecken und alles familienfreundlicher gestalten. Einen Jugendgemeinderat wäre beispielsweise eine tolle Idee“, sagt er. Die Jugend habe in jedem Fall Interesse daran, wie er in persönlichen Gesprächen bereits erfahren hat.

Freundliche und hilfsbereite Einwohner:innen

Als sie 2016 hierhergezogen sind, war ihr neue Nachbarschaft gleich sehr hilfsbereit, stets freundlich und gut gelaunt. Das zeichne die Menschen hier aus. Die Koppes sind froh, Krautheim als Heimat ausgewählt zu haben. Seine Frau Christine, die als Sachbearbeiterin in einer Physiotherapiepraxis vor Ort arbeitet, beschreibt ihren Ehemann als „sehr loyal, ein Organisationstalent. Und: Wenn er etwas sagt, dann hält er auch sein Wort“.

Der Wahlkampf hat für Marcel Koppe bereits begonnen, er sprach bereits mit einigen Ortsgruppen, war unter anderem bereits bei der Jugend Altkrautheim, in Oberginsbach und Horrenbach. Auch mit Landwirten aus der Region habe er sich unterhalten, wo bei ihnen der Schuh zwicke und wie die Stadt hier künftig unterstützen könne.

 

In der Innenstadtentwicklung sieht Koppe noch Luft nach oben. Das seit geraumer Zeit brach liegende ZG-Areal (wir berichteten) mitten im Herzen Krautheims gehöre angegangen. Hier lägen Millionen brach. 2020 habe die Stadt das Areal für 1,4 Millionen Euro gekauft, seitdem sei nicht viel außer dem Abriss der Gebäude passiert. Investoren seien zwischenzeitlich abgesprungen. Hier gelte es, dieses Areal so schnell wie möglich neu zu gestalten.

Offene Türen im Rathaus

Darüber hinaus stehe der gelernte Schreiner für mehr Bürgernähe. Mit ihm werde es wieder Offene Türen im Rathaus geben. Zudem möchte er die Krautheimer Herbstmesse, die seit Corona „lediglich halblebendig stattgefunden hat, wieder zu neuem Leben erwecken“.

Weitere Informationen & Kontakt:

Instagram: marcel_koppe_fuer_krautheim

Facebook: Marcel Koppe für Krautheim

Kontakt: 0176/77 88 7306

Mail: marcel-koppe-krautheim@web.de

 

 




Feuerwehren befreien einen im Fahrerhaus eingeklemmten Mann nach Unfall aus Lkw

Gegen 15.45 Uhr ereignete sich am Dienstagmittag, den 21. März 2023, ein Lkw-Unfall auf der A6 zwischen den Anschlussstellen Schwäbisch Hall und Kupferzell (Richtung Nürnberg).

Ein 58-jähriger Faher eines Zwölf-Tonners fuhr vermutlich aufgrund nicht angepasster Geschwindigkeit auf einen vor ihm fahrenden Sattelzug Volvo auf. Hierbei wurde der 58-Jährige in seinem Führerhaus eingeklemmt und musste durch die Feuerwehren Öhringen und Neuenstein aus seinem Führerhaus befreit werden.

Der Verletzte wurde mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus gebracht werden. Der Fahrer des Sattelzuges blieb unverletzt. An den beiden Lkw entstand ein Sachschaden in Höhe von etwa 35.000 Euro. Die A6 musste während der Unfallaufnahme in Richtung Nürnberg bis in die Abendstunden gesperrt werden.




Rote Linie wird braun

Betretungsverbot, verbale Attacken, Vernachlässigung der Fürsorgepflicht – die Vorwürfe gegen den Kindergarten Eberstal aus Teilen der Elternschaft sind massiv. Nach unserer Berichterstattung kommt nun im wahrsten Sinne Bewegung in die Sache.

Betreten für eine halbe Stunde ab sofort erlaubt

Die Rote Linie am Kindergarteneingang, welche die Eltern nicht übertreten durften, soll nun braun/holzfarben sein. Zudem haben die Eltern ein Schreiben des Kindergartens bekommen. Demnach dürfen sie nach vorheriger Terminabsprache den Ordner ihrer Kinder für eine halbe Stunde anschauen sowie den Gruppenraum betreten.

Anbei veröffentlichen wir den Inhalt des Schreibens:

„Liebe Eltern, wir bieten euch an: an einem Tag könnt ihr den Kindergarten kommen, um den Ordner eures Kindes und den Gruppenraum anzuschauen. Dazu stehen euch Termine von 12 bis 12.30 Uhr zur Verfügung. Um 12.30 Uhr geht ihr dann wieder mit eurem Kind nach Hause. Wir hängen in den nächsten Tagen eine Liste an der Eingangstüre aus, in die ihr euch eintragen könnt. Dazu kann sich immer nur eine Person für einen Termin eintragen.“

Als „lächerlich“ bezeichnete eine Mutter gegenüber GSCHWÄTZ dieses Angebot. Eine komplette Öffnung sei wünschenswert und nicht einmal im Jahr einen Termin, um den Kindergarten betreten zu dürfen.

Die Stadtverwaltung Ingelfingen hat zwischenzeitlich auf die GSCHWÄTZ-Presseanfrage reagiert, geht jedoch mit Verweis auf „datenschutzrechtliche Gründe“ nicht auf die konkreten Vorwürfe ein. Das Schreiben der Stadtverwaltung ist allgemein gehalten und endet lediglich mit der Signatur der Stadtverwaltung, nicht aber mit Namen, wer es denn verfasst hat, was eher ungewöhnlich ist. Anbei veröffentlichen wir auch diesen Inhalt:

„Als Träger ihrer Kindertageseinrichtungen legt die Stadt Ingelfingen Wert auf ein harmonisches Miteinander zwischen allen Beteiligten, also Kindern, Eltern, Personal und Träger.

Jede Kindertageseinrichtung der Stadt Ingelfingen hat ein pädagogisches Konzept, das jeweils mit dem Elternbeirat abgestimmt ist und umgesetzt wird, wobei eine Anpassung des pädagogischen Konzepts erfolgt, wenn dies erforderlich (z.B. wegen COVID 19) und sinnvoll ist. Es gab in den Corona-Verordnungen zeitweise Betretungsverbote für Kindertageseinrichtungen, insbesondere für Nichtimmunisierte,  die jeweils umgesetzt wurden. Die Mehrheit der Eltern in Eberstal befürwortete die während der Coronapandemie eingeführten Regelungen und wollte diese beibehalten. Dennoch wurde dem Drängen einer Einzelperson auf Aufhebung dieser Regelung nachgegeben um zu deeskalieren (Anm. d. Red.: Das Betretungsverbot wurde insofern „aufgehoben“, dass die Elternschaft einen Schritt in den Kindergarten machen dürfen, bis sie vor der besagten roten mittlerweile braunen Linie stehen). Unterschiedliche Auffassungen zum pädagogischen Konzept gibt es hin und wieder, dabei handelt es sich jedoch um Einzelfälle.

Im konkreten Fall stehen sowohl die Elternschaft als auch der Träger hinter dem pädagogischen Konzept und der Einrichtungsleitung sowie den Erzieherinnen, von ein bis zwei Ausnahmen abgesehen.

Aus datenschutzrechtlichen Gründen verbieten sich Informationen zu einzelnen Personen, wofür Sie sicher Verständnis haben.“

 




Vier Menschen über Drehleiter gerettet

Die Feuerwehr Bretzfeld wurde am späten Samstagnachmittag, den 19. März 2023, zu einem Wohnungsbrand im Ortsteil Dimbach alarmiert.

Bereits bei der Anfahrt fiel das Stichwort „Dachstuhlbrand“ und „Menschenleben in Gefahr“.

Gleichzeitig wurden die Kameraden aus Öhringen mit dem Löschzug nachalarmiert. Insgesamt befanden sich noch vier Menschen in dem Gebäude.

Die Kameraden der Abteilungen Dimbach und Waldbach bauten den ersten Löschangriff auf und begannen mit der Menschenrettung.

Nach Eintreffen der Drehleiter wurde diese sofort in Stellung gebracht. Es konnten alle vier Personen über die Drehleiter aus dem Gebäude gerettet werden.

Zwei Trupps im Innenangriff suchten die verrauchten Wohnungen nach weiteren Personen ab und führten eine Brandbekämpfung durch. Es befanden sich glücklicherweise keine weiteren Personen in diesem Gebäude.

Ein weiterer Trupp führte einen Aussenangriff durch. Durch einen schnellen und gezielten Löschangriff konnte der Brand schnell unter Kontrolle gebracht werden.

Der angeforderte Löschzug aus Öhringen konnte somit seinen Einsatz abbrechen. Aufgrund der vielen eingesetzten Atemschutzgeräte wurde der Gerätewagen Atemschutz der Feuerwehr Künzelsau zur Einsatzstelle nachalarmiert.

Aufgrund der Anzahl an verletzten Personen war ein Großaufgebot des Rettungsdienstes da. Die Kameraden der Abteilung Dimbach stellte bis tief in die Nacht eine Brandwache.

Quelle: Feuerwehr Bretzfeld




„Man hat das Gefühl, dass die da drin eine Leiche verscharrt haben“

„Da herrschen Zustände, die kann man gar nicht glauben.“ So äußerte sich unlängst eine Mutter von Eberstal über ihren Kindergarten vor Ort. Seit Corona und mit einem Wechsel im Erzieherinnenteam erkennen manche Mamis ihren Kindergarten nicht mehr wieder. Seitdem habe sich vieles verändert. Sie berichten von einem strikten Betretungsverbot, verbalen Attacken und Verletzungen der Aufsichts- und Fürsorgepflicht. Die Vorwürfe wiegen schwer. Die Stadtverwaltung Ingelfingen als Träger des Kindergartens schweigt bislang zu den Vorwürfen.

Leiche verscharrt

Am Eingangsbereich des Kindergartens in Eberstal erwartet die Besucher:innen und Eltern ein auf dem Boden aufgeklebtes rotes  Tape. Diese rote Linie dürfen sie nicht übertreten. Julia Miksche war seit gefühlt einem Jahr nicht mehr im Inneren des Gebäudes. Immer wieder habe sie nachgefragt, ob sie denn wenigstens mal kurz rein dürfe, um Selbstgemaltes und Gebasteltes von ihrer Tochter sehen zu dürfen. Bewilligt bekam sie ihren Wunsch bislang nicht. „Man hat das Gefühl, dass die da drin eine Leiche verscharrt haben“, sagt sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Papatage, Großelterntage, Feste und Feierlichkeiten im Kindergartengebäude? Fehlanzeige. Als „totale Abschottung“ bezeichnet Miksche dieses Verhalten und steht mit ihrer Meinung nicht alleine da. Die beiden Erzieherinngen begründeten gegenüber den Eltern diese „Abschottung“ wohl zunächst mit Corona, dann damit, dass mit „Abgabe“ der Kinder direkt am Eingang ein besserer Ablauf für die Kinder möglich wäre. Warum es darüber hinaus keine Zusammenkünfte mehr im Inneren des Gebäudes gibt, ist damit aber nicht wirklich erklärbar. Die Stadtverwaltung in Ingelfingen als Träger des Kindergartens hat sich bislang auf unsere beiden Presseanfragen diesbezüglich noch nicht zu den Sachverhalten geäussert.

Mutter schaltet Anwalt ein

Als sich eine Mutter beschwert habe über das „Betretungsverbot“ (der Kindergarten selbst spricht von „einer neuen Ankommenskulur“, ein Schritt bis zur roten Linie dürfen die Eltern denn auch in den Kindergarten hineinmachen, mehr aber auch nicht), sei sie vorgeladen worden zu einem Gespräch. Sie saß am Ende einer Mitarbeiterin der Stadtverwaltung Ingelfingen gegenüber, den beiden Erzieherinnen und dem dreiköpfigen Team des Elternbeirats. Dieser Mutter sei vermittelt worden, dass einzig sie Probleme damit habe, ansonsten niemand. Es kam dabei wohl zu einer Gewaltandrohung gegenüber dieser Mutter seitens des Elternbeirats. Mittlerweile haben sich die Fronten so verhärtet, dass wohl ein Anwalt seitens einer Mutter eingeschaltet wurde.

„Egal mit welchem Anliegen man komm, man wird einfach nur abgeschmettert“

Julia Miksche hat nach der Drohung gegenüber dieser besagten Mutter bei der Stadt angerufen und gesagt, dass sie so einen Elternbeirat nicht akzeptieren werde. Eine Reaktion darauf sei bislang ausgeblieben. Der Kindergarten mache gerade so weiter wie bisher. Ohnmacht mache sich daher bei manchen Eltern breit. Denn „Egal mit welchem Anliegen man kommt, man wird einfach nur abgeschmettert.“ Als sie die Erzieher:innen darauf hingewiesen hat, dass eines ihrer Kinder noch häufig in die Hose mache, dass diese aber eine medizinische  Ursache habe, sei ihr Kind trotzdem häufig nach dem Kindergarten „völlig verkackt“ aus dem Kindergarten gekommen. Sie habe nicht wirklich das Gefühl, dass hier adäquat nach derartigen Dingen geschaut werde. Sie hofft nun, mit einem Schreiben vom Kinderarzt die Erzieher:innen ermutigen zu können, danach aktiver zu schauen.

„Ach ja, sie ist beim Turnen gestürzt“

Als ihr Tochter tagelang über Schmerzen im Bein geklagt, sie sich aber den Grund dafür nicht erklären konnte, habe sie mal im Kindergarten nachgefragt und als Antwort nur gesagt bekommen: „Ach ja, sie ist beim Turnen gestürzt.“

Wer Dinge hier kritisch anspreche, werde ausgegrenzt. Dieses Gefühl hat eine andere Mama, die aber nicht beim Namen genannt werden möchte aus Angst vor den Konsequenzen, auch für ihre Kinder. Seit Corona habe sich hier viel verändert, sagt diese Mutter gegenüber GSCHWÄTZ. Zu dieser Zeit fing das Betretungsverbot im Kindergarten an. „Nur noch vollständig Geimpfte durften hinein.“ Dadurch hätten rund die Hälfte der Mamas nicht mehr hineingehen dürfen. Das war rechtlich aber nicht haltbar.“ Etliche Mütter hätten sich damals beschwert. „Dann durfte ab diesem Zeitpunkt einfach gar keiner mehr rein und das darf man bis heute nicht“, so die Mutter. Während Julia Miksche Bequemlichkeit der Erzieherinnen hinter dem gesamten Verhalten vermutet, sieht diese Mutter das Ganze als „Machtspiel“ an. Es sei auch nie das Wort „Betretungsverbot“ gefallen, sondern die Erzieherinnen haben von einer „neuen Ankommensstruktur“ gesprochen. Bei einer Unterschriftenaktion haben fünf von rund 18 Müttern gegen diese „neue Ankommensstruktur votiert, also über 25 Prozent, geändert hat sich dadurch nichts, lediglich die Eingewöhungsphasen der neuen Kindergartenkinder. Früher durften die Mamas die Kinder eine Woche lang in den für sie neuen Kindergarten begleiten, mittlerweile nur noch 1,5 Tage. Das sei auch nicht für jedes Kind einfach.

„Von Empathie weit entfernt“

„Es gibt null Einblick in den Kindergarten, es gibt null Verbindung. Man komme sich vor „wie ein Schwerverbrecher“. Manchen unzufriedenen Mamis sei von der Verwaltungsseite geraten worden, doch einfach den Kindergarten zu wechseln. Doch das ist in Zeiten knapper Kitaplätze nicht wirklich einfach.

Besonders bitter: Am Ende sind die Kinder die Leidtragenden. Auch die Mutter, die nicht mit Namen genannt werden möchte, berichtet von Vorfällen im Kindergarten, bei denen sie von ihrem Kind gesagt bekommen habe, dass die Erzieherinnen nicht eingreifen oder die Kinder adäquat unterstützen würden. Weinende Kinder würden teilweise nicht einmal getröstet werden, nur dann, wenn sie aktiv zu den Erzieherinnen hinlaufen und um Trost bitten würden. „Von Empathie sind wir in diesem Kindergarten leider weit entfernt“, schlussfolgert die Mama, die anonym bleiben möchte.

 

 

 

 




„Es braucht heutzutage Menschen, die zum Nachdenken anregen“

Buchautorin Margot Wicharz aus Unterginsbach sprach mit Dr. Sandra Hartmann über den Krieg in der Ukraine, das Friedensmanifest von Sahra Wagenknecht und Alice Schwarzer, ob es die Pflicht Deutschlands ist, Waffen zu liefern und darüber, wie jeder einzelne von uns im alltäglichen Leben Frieden stiften kann

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GSCHWÄTZ: Braucht es heutzutage ein Friedens-Manifest von einer Oppositionspolitikerin (Sarah Wagenknecht) und einer Chefredakteurin (Alice Schwarzer), weil die Bundesregierung das nicht mehr alleine hinbekommt?

Wicharz: Es braucht solche Menschen, die zum Nachdenken anregen. Ich bin aber noch nicht ganz entschieden und zweifele ab und zu daran, ob wir ganz ohne Militär auskommen. Ich bin selbst zwiegespalten, was das Thema Ukraine betrifft, ob wir Waffen liefern sollen oder nicht. Das bedeutet ja auch Hilfe verweigern.

„Das bedeutet ja auch, Hilfe verweigern

GSCHWÄTZ: Sie sagen, Sie waren vor dem Ukrainekrieg immer zu 100 Prozent Pazifistin gewesen. Was hat sich geändert? Wurden wir vielleicht auch medial zu sehr beeinflusst, mit in diesen Krieg zu ziehen?

Wicharz: Die Medien beeinflussen ganz stark, vor allem Menschen, die nicht selber denken.

GSCHWÄTZ: Und die Medien werden wiederum nicht selten von der Politik beeinflusst.

„Ich habe meine Zweifel, ob unsere Medien noch ganz frei sind“

W: Ja, da habe ich auch meine Zweifel, ob unsere Medien noch ganz frei sind. Bei Corona war das ja ähnlich, da hieß es auf der einen Seite immer impfen, impfen, impfen, aber über Impfschäden auf der anderen Seite wurde gar nichts berichtet. Beim Ukrainekrieg sollte man dieses Schwarz-weiß-Denken nicht übernehmen. Auch hier sind die Medien einseitig.

GSCHWÄTZ: Sie meinen, einseitig dahingehend, dass es hier nur vermeintlich Gut und Böse gibt und keine Grautöne dazwischen?

Wicharz: Ganz genau.

GSCHWÄTZ: Wie sind Sie vor dem Ukrainekrieg positioniert gewesen zum Thema Krieg und Frieden?

W: Ich bin seit drei Jahren Mitglied beim Forum ZFD (Ziviler Friedensdienst in Köln), bei dem meine Tochter eine Zeit lang gearbeitet hat. Ich bin eigentlich Pazifistin. Dann kam der Ukrainekrieg. Und da habe ich mich gefragt: Kann man ein Land, das so in Not ist, einfach hängen lassen oder muss man da helfen?

GSCHWÄTZ: Die Frage ist, ob man mit Waffenlieferungen den Ukrainer:innen wirklich hilft. Wie schaut es aus mit den anderen Kriegen auf der Welt. Sind Sie da noch zu 100 Prozent Pazifistin?

„Viel Wiederstand in der Bevölkerung“

Wicharz: Der Irakkrieg war auch ein Angriffskrieg. Nur durch eine Lüge konnte damals in den USA die Kriegsstimmung angeheizt werden. Vorher gab es sehr viel Widerstand in der Bevölkerung. Diese Lüge wurde später aufgedeckt – jedoch ohne Konsequenzen. Ich fand es stark und richtig von dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder, dass er da nicht mitgemacht hat. Das ist leider das Einzige, was ich an ihm gut finde. Er hat auch dafür gesorgt, dass die Kluft zwischen Arm und Reich noch größer wurde.

GSCHWÄTZ: Was aber ist der Unterschied zwischen dem Irakkrieg und dem Ukrainekrieg? Warum sind in der Ukraine Waffenlieferungen gerechtfertigt und im Irak nicht? Ist es vielleicht die räumliche Nähe zu der Ukraine, die uns da mitbeinflusst?

„Krieg ist niemals gut“

Wicharz: Nein, ganz gleich ob nah oder weit entfernt, das Leid der Menschen ist im Irak so schlimm wie in der Ukraine. Krieg ist niemals gut. Nur die Zweifel bleiben, wie man der Ukraine anders helfen könnte. Man kann auch viel mit Friedensmissionen erreichen, vor allem nach einem Krieg, wie etwa im Kosovo.

GSCHWÄTZ: Das könnte man doch auch in der Ukraine, oder?

„Ich muss erst in mir selbst Frieden schaffen“

Wicharz: Ja, aber erst wenn der Krieg vorbei ist. Im Moment sehe ich keine Chance. Es gab vor Jahren einen Appell an den Bundestag (www.dfg-vk.de), den ich auch in meinem Buch zitiert habe: „Raus Afghanistan! Militär kann keinen Frieden bringen.

Vielleicht mehr Sicherheit, aber da muss vorher Vertrauen aufgebaut werden. Da muss Versöhnung passieren.“

Wichtig ist, dass man im Kleinen anfängt, dass jeder für sich überlegt, was kann ich für den Frieden um mich herum tun. Es gibt zwei Strömungen auf der Welt. „Wer mit den Pessimisten klagt, gehört mit zum Problem.“ Ulrich Schaffer sagte das bei einer Lesung. Da habe ich mich entschieden, dass ich zur positiven Strömung gehören will. Aber ich muss erst in mir selber Frieden schaffen, das ist der erste und wichtigste Schritt. Nur dann kann ich Frieden verbreiten, wenn ich in mir ruhe.

In sich ruhen führt zu Frieden

GSCHWÄTZ: Wie ruht man denn in sich selbst?

Wicharz: Ich persönlich arbeite an meinem Selbstwert. Wenn ich ein geringes Selbstwertgefühl habe, finde ich auch keinen inneren Frieden, dann vergleiche ich mich ständig mit anderen. Heute muss ich das nicht mehr. Ich lerne meine Stärken und Schwächen immer besser kennen. Dabei hilft, wenn andere mir meine Schwächen spiegeln.  Wer allerdings bei jeder Kritik beleidigt ist, wird sich nicht weiterentwickeln. Auch ich sehe mich manchmal selbst durch die „rosarote Brille“.  Konstruktive Kritik, z. B. von den Kindern, kann da sehr hilfreich sein. Woran möchte ich noch arbeiten? Manche Schwächen hindern mich am Leben, da versuche ich mich zu verbessern. Aber es gibt auch welche, zu denen stehe ich einfach.

GSCHWÄTZ: Wir durchleben als Gesellschaft gerade auch eine ganze Reihe großer Krisen wie Klima, Corona und nun auch dieser Krieg mitten in Europa. Das sorgt vermutlich auch nicht gerade für innere Ruhe.

„Es wird viel Angst in unserer Gesellschaft verbreitet“

Wicharz: Es wird viel Angst verbreitet in unserer Gesellschaft, vor allem vor einem dritten Weltkrieg, oder sogar vor einem Atomkrieg. In der Gesellschaft hat es so viele psychisch kranke Menschen, die Angst haben. Angst ist hinderlich beim Thema Frieden. Aus der Angst heraus kann ich keine guten Entscheidungen treffen. In meinem Buch gibt es ein Kapitel:  Mut und Liebe umarmen die Angst. Wenn zum Beispiel eine Führungskraft kein gesundes Selbstwertgefühl hat, wird es sich autoritär verhalten, aus Angst, dass ein Untergebener besser ist, dadurch wird er diese(n) eher schwächen, anstatt stärken. Gute Führungskräfte mit einem gesunden Selbstwert haben keine Angst, weil sie zu ihren eigenen Fehlern problemlos stehen können und wissen: Ich bin trotz meiner Fehler viel wert.

GSCHWÄTZ: Wir sind ja umringt von Menschen, die innerlich voller Ängste sind und nach außen zu einem ganz autoritären Führungsstil neigen. Man denke nur an Donald Trump oder Wladimir Putin. Aber sind das nicht oftmals die erfolgreichsten Menschen? Sprich: Muss man nicht zwangsläufig autoritär sein, um Erfolg zu haben?

„Wir brauchen viel mehr Menschen, die mit Herz, Verstand, Mut und einem positiven Weltbild vorangehen“

Wicharz: Das ist in unserer Gesellschaft der ganz große Irrtum. Wir brauchen viel mehr solche Menschen, die mit Herz, Verstand und Mut und mit einem positiven Weltbild vorangehen. Dieser Hass untereinander ist eher eine Vergiftung der Gesellschaft. Und die Menschen, die einen derartigen Hass verbreiten, sind innerlich selbst vergiftet. Hass und Neid ist mir nicht in die Wiege gelegt. Aber ich litt viele Jahre unter Bitterkeit und die vergiftet genauso. Weil ich diese Bitterkeit überwunden habe, ist mein Krebs damals auch nicht zurückgekommen, davon bin ich heute überzeugt.

GSCHWÄTZ: In den sozialen Medien tritt ja gerade ein wahrer Boom an positiven Zitaten, Sprüchen und Affirmationen zu Tage. Muss sich Deutschland gerade selber innerlich wieder aufbauen?

Friedensbotschafter von morgen

Wicharz: Ja, angefangen bei den Kindern. Diese gilt es bereits von klein auf in ihrer Entwicklung zu bestätigen und zu bestärken, damit sie später Friedensbotschafter werden. Man sollte jedem Kind tiefe Wurzeln geben. Aber hierfür müssen die Mütter und Väter in sich ruhen und sich ihrer Sache sicher sein.

GSCHWÄTZ: Haben Sie noch einen Alltagstipp, um Konflikte schon im Keim zu unterbinden?

Wicharz: Heute kann ich meinem Bauchgefühl mehr vertrauen, weil ich darauf achte, was mich antreibt – ob mich Liebe antreibt oder Neid. Jeden Tag kann man Frieden stiften allein durch Gespräche und damit sogar das eine oder andere kleine Wunder bewirken.

Buch kaufen

Margot Wicharz plant, ein Buch über den Frieden zu schreiben. In ihrem ersten Buch, das im Verlag Tredition erschienen ist und nun neu aufgelegt wurde, hat sie offen über ihre Depressionen gesprochen. Bestellen kann man das Buch entweder direkt über den Verlag Tredition, über jede Buchhandlung oder über Amazon: Ein erfülltes Leben ist möglich: Mein Weg heraus aus Depressionen hinein in ein erfülltes Leben : Wicharz, Margot: Amazon.de: Bücher

 

 




Handy und Schmuck entwendet, Geldbeutel und Fernseher da gelassen

Am Donnerstag, den 26. März 2023, wurde am Landgericht in Heilbronn das Urteil im Totschlagprozess um die tote Frau in Belsenberg gesprochen. 12 Jahre Haft für den Angeklagten aus Rumänien, der gestanden hat, die 66-jährige Frau, seine Nachbarin, in Belsenberg erstochen zu haben. Totschlag lautet das Urteil, nicht Mord. Für Mord muss es ein Tatmotiv vorliegen in Form niederere Beweggründe wie etwa Habgier oder Hinterlist. Geht die Staatsanwaltschaft vor der Beweisaufnahme noch von Mord aus, sieht sie am Ende lediglich Totschlag als gegeben, da der Angeklagte „nur“ das Handy der alten Frau und deren Schmuck gestohlen hat, nicht aber ihren Geldbeutel oder Fernseher.

So ganz nachvollziehbar ist diese Entscheidung nicht

«Wir haben eine erdrückende Beweislage», sagte zwar der Richter bei der Urteilsverkündung. Der angeklagte Mann sei mit dem Küchenmesser zur Wohnung der Nachbarin gegangen. «Sie hatten da bereits das Ziel, sie zu töten», vermutet Richter. Warum tat er das? «Wir wissen es nicht», sagte er weiter. Es könne ein Streit sein wegen der lauten Musik des Mannes, es könne Habgier gewesen sein. «Und weil wir nicht wissen, ob ein Mordmerkmal erfüllt ist, müssen wir im Zweifel für den Angeklagten entscheiden.» Deshalb habe man sich auch entschieden, von einem Totschlag und nicht von einem Mord auszugehen.

Nicht aufgrund edler Motive gestohlen

So ganz nach vollziehbar ist diese Entscheidung nicht. Denn das Handy und der Schmuck wurden von dem Angeklagten schließlich  nicht aufgrund edler Motive gestohlen, sondern eben, um sich daran zu bereichern. Nur weil er nicht alles mitgenommen hat, was man so in der Wohnung hätte fingen können, heißt das nicht, dass es sich hierbei nicht um Habgier als Tatmotiv gehandelt haben soll. Die Frage drängt sich hier geradezu auf: Aus welchem Motiv hat er dann mehrfach mit einem Küchenmesser auf die Frau eingestochen und ihren Schmuck entwendet, wenn nicht aus Habgier? Auch aus Hinterlist kann ein Grund sein, um jemanden wegen Mordes zu verurteilen. Wenn jemand einen anderen Menschen hinterhältig ermordet. Auch dieses Motiv scheint laut der Staatsanwaltschaft nicht gegeben, obwohl der Nachbar die ältere Dame mit dem Küchenmesser erstochen hat.

Unschuldigen Nachbar vorgegaukelt

Am 24. Mai 2022 wurde die Leiche in einem Wohnhaus in Belsenberg direkt an der B19 gefunden. Zu diesem Zeitpunkt lag die Frau vermutlich schon mehrere Wochen tot auf dem Dachboden der an dem Wohnhaus angrenzenden Scheune, versteckt unter Möbeln und Gerümpel. Der Nachbar gab einem Fernsehsender kurz nach dem Fund der Leiche noch ein Interview bezüglich dieser grausamen Tat. Zu diesem Zeitpunkt war die Polizei noch auf der Suche nach dem Täter. Er selbst hat schließlich die Polizei angerufen wegen des Verwesungsgeruchs, der sich allmählich ausbreitete. Aber nicht, um sich zu stellen. Über das gestohlene Handy der Witwe sei die Polizei schließlich auf seine Spur als Täter gekommen. Der 25-Jährige hat schließlich seine Tat gestanden.

Unter Alkoholeinfluss

Da der Nachbar wohl unter Alkoholeinfluss gestanden haben soll, könnte sich das Drama im Affekt abgespielt haben. Wer unter Drogen oder Alkohol bei einer solchen Tat steht, hat im wahrsten Sinne Glück, das wirkt sich häufig strafmildernd aus. Unterliegt der Täter noch einer Sucht, kann dies möglicherweise sogar dazu führen, dass er nicht gleich vom Gerichtssaal ins Gefängnis geht, sondern erst eine Suchtterapie in einer dementsprechenden Einrichtung macht. Die Verteidigung hatte daher auch die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt gefordert.

Das Heilbronner Landgericht ist auch deshalb vorsichtig mit Verurteilungen am Mord anstatt am Totschlag, um zu vermeiden, dass die Verteidigung des Täters in Revision geht und dann die Gefahr besteht, dass das Urteil in der nächsthöheren Instanz wieder einkassiert wird.

Mord oder Totschlag

Im Strafgesetzbuch (StGB) werden Mord und Totschlag unter § 211 bzw. § 212 geregelt. So heißt es in Paragraph 211: „Der Mörder wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft.“ Und: „Mörder ist, wer aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, einen Menschen tötet.“

Der Straftatbestand Totschlag wird so beschrieben: „Wer einen Menschen tötet, ohne Mörder zu sein, wird als Totschläger mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren bestraft. In besonders schweren Fällen ist auf lebenslange Freiheitsstrafe zu erkennen.“

In beiden Fällen geht es also darum, dass eine Person eine andere getötet hat, die Gründe und der Tathergang sind aber entscheidend dafür, ob wegen Mordes oder Totschlags verurteilt wird.

Vorsätzliche Taten

Sowohl Mord als auch Totschlag müssen vorsätzlich begangen werden. Sie sind also keine „fahrlässige Tötung“ im Sinne von § 222 StGB.

Ein Täter handelt vorsätzlich, wenn er weiß, dass er durch die Tötung einer anderen Person eine Straftat begeht und die andere Person auch töten will – wenn vielleicht auch nur in dem Moment.

Planung ist kein Unterscheidungsmerkmal zwischen Mord und Totschlag. Ob eine Tat also geplant oder spontan, also im Affekt, geschieht, ist demnach kein Unterscheidungskriterium.

Ob eine Tat spontan passiert oder nicht, ist kein Unterscheidungsmerkmal zwischen Mord und Totschlag. 

Gruppe 1: Verwerfliche Beweggründe

  • Mordlust: Wenn der Täter Freude am Töten hat und das auch der Zweck der Tat ist.
  • Befriedigung des Geschlechtstriebs: Wenn der Täter oder die Täterin zur sexuellen Erfüllung tötet oder sich an der Leiche vergehen will.
  • Habgier: Wenn der Täter oder die Täterin tötet, um sich einen materiellen Vorteil zu verschaffen, z.B. Geld oder ein Erbe.
  • Niedrige Beweggründe: Das sind Motive, bei denen der Täter oder die Täterin zum Beispiel aus hemmungslosem Egoismus handelt (Rache, Eifersucht) oder auch selbstsüchtig und menschenverachtend (Rassismus, Identitätsdiebstahl).

Gruppe 2: Verwerfliche Begehungsweise

  • Heimtückisch: Wenn der Täter die Wehrlosigkeit des Opfers ausgenutzt hat, z.B. weil es geschlafen hat oder wenn es arglos war, sich also in Sicherheit wiegt und keinen Angriff erwarten konnte.
  • Grausam: Wenn dem Opfer bei der Tat besondere Schmerzen oder Qualen bereitet werden, die über das zur Tötung erforderliche Maß hinausgehen, z.B. bei Folter. Das kann aber auch durch Unterlassen geschehen – also z.B. wenn das Opfer verhungert.
  • Mit gemeingefährlichen Mitteln: Das sind Mittel, die dafür geeignet sind, eine unbestimmte Zahl an Menschen zu töten – über ein möglicherweise beabsichtigtes Opfer hinaus -, weil der Täter oder die Tätern die damit einhergehende Gefahr nicht beherrscht. Dazu gehören etwa Handgranaten, Bomben oder Maschinengewehre

Gruppe 3: Verwerflicher Zweck

  • Um eine andere Straftat zu ermöglichen: Dabei tötet der Täter oder die Täterin, um eine andere Straftat überhaupt erst möglich zu machen oder zu erleichtern.
  • Um eine andere Straftat zu verdecken: Hier tötet der Täter oder die Täterin, um eine andere Straftat zu vertuschen, etwa in dem er oder sie Zeugen, die ihn oder sie belasten könnten, tötet. Die eigentliche Straftat ist also bereits geschehen, wenn der Mord geschieht.

Mord wird immer mindestens mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft, auf Totschlag stehen mindestens fünf Jahre Freiheitsstrafe, aber auch „lebenslang“ ist möglich. Lebenslang bedeutet im deutschen Strafrecht allerdings nicht immer lebenslangen Freiheitsentzug für den Täter oder die Täterin. Denn frühestens nach 15 Jahren kann die Vollstreckung der Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden.

WIE VIELE MORDMERKMALE MÜSSEN ERFÜLLT SEIN?

Damit jemand wegen Mordes verurteilt wird, muss nur eines der oben genannten Mordmerkmale erfüllt sein, es können aber durchaus auch mehrere zutreffen.




„Ihre Kinder werden Sie verfluchen“

„Ihre Kinder werden Sie verfluchen“, sagt Alexander Kranich mit einem Augenzwinkern.

Auf Anfrage des Fördervereins Ingelfingen hält der Lehrer und medienpädagogische Berater Alexander Kranich am Mittwoch, dem 15. März 2023, abends in der Mensa der Georg-Fahrbach-Schule einen Vortrag zum Thema „Grauzonen im Netz“.

Schon 2019 gab es einen ähnlichen Vortrag, wie Christine Frank berichtet. Da das Thema Mediennutzung in den letzten Jahren mehr und mehr präsent wurde, sind Tipps zum Umgang in Familien unerlässlich. Daher nun auch der „Wiederholungstäter-Termin“.

Nachdem das HDMI-Kabel gegen eine Bluetoothbox ausgetauscht wird und nach einigen Versuchen auch funktioniert, beginnt Alexander Kranich zu erklären. Die größte Gefahr zuerst: Wenn Kleinkinder „nur die Daumen nutzen“, fehle ihnen Körpererfahrung, die laut den Forschungen von Dr. Gerald Hüther maßgeblich zur Entwicklung beitragen.

Kranich spricht mit dem trockenen Humor eines Komödianten, lässt die Eltern Apps raten und erklärt jeweils Funktion und Gefahren, ohne dabei die Perspektive der Kinder und Jugendlichen zu vergessen.

„Auch wenn es nicht immer einfach ist“

Er betont, dass bei der Medienerziehung nicht immer alles klappen kann. Selbst bei ihm nicht. Es sei nicht immer einfach, insbesondere in der Pubertät ist das Standhaftbleiben in der Medienerziehung eine „Mammutaufgabe“. Dennoch empfiehlt er es- beispielsweise hätten seine eigenen Kinder auch erst mit 16 eine Handyflatrate bekommen, womit sie überall unabhängig vom W-LAN Zugriff auf das Mobilnetz haben.

„Denen geht es nicht darum, Ihre Kinder zu schützen“

Zum Thema Pornografie hat Kranich eine gute Nachricht: Derartige Inhalte sind nun nicht mehr barrierefrei- nun erscheint beim Öffnen der Seite ein Fenster, in dem per Mausklick bestätigt werden muss, ob der Nutzer 18 ist. Ende der Überprüfung. Denn den Konzernen und Webseitenbetreiber:Innen geht es nicht darum, die Kinder zu schützen, sondern Aktivität zu generieren.

Ähnlich ist es bei Konsolenspielen, besonders bei „Egoshootern“ (Ballerspiele)- ist das spritzende Blut grün und nicht rot, sind derartige Spiele teilweise schon ab 12 freigegeben. Hier gäbe es auch deutliche Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen: Jungen fangen früher an, Videospiele zu spielen, spielen mehr und auch eher bewusst Spiele, für die sie eigentlich zu jung sind. Jedoch –zur Erleichterung vieler- gäbe es keine Studien, die eindeutig belegen, dass derartige Spiele langfristig aggressiver machen. Kranichs größte Sorge ist, dass sich das Hirn, vor allem das der jungen Spieler:Innen, an die fiktive Welt anpasst und es ihnen schwerer macht, sich in der Realität zurechtzufinden.

Über die Gefahren der sozialen Medien spricht er viel- aber ohne sie zu verteufeln.

Die richtige Begleitung

Abgesehen von Datenklau müssten sie sich mit Fakenews (und all den verschiedenen mehr-oder-weniger Wahrheiten im Netz), Mutproben-Challenges, Selbstverletzung, sowie der Verherrlichung von Essstörungen auseinandersetzen.

Kranich empfiehlt daher ein Smartphone ab zwölf – beziehungsweise je später, desto besser. Außerdem sei AKTIVE Mediennutzung immer besser als PASSIVE. Aktiv könnten Erklärvideos genutzt werden, um neue Fähigkeiten zu erlernen, wie beim Basteln, Recherchieren usw.

Begleitung anstatt Abschottung

Kranich sieht es auch als nicht sinnvoll, die Kinder vollkommen von der Mediennutzung abzuschotten- stattdessen schlägt er vor, sie zu begleiten.

Bestimmte Apps für Android oder Einstellungen bei Iphone, dass die Bildschirmzeit begrenzt wird. Verträge zur Nutzungszeit. Aber auf keinen Fall Medienkonsum, insbesondere Konsolenspiele, als Belohnung oder Strafe. Denn die machen Medien für die Kinder damit automatisch attraktiver. Stattdessen sollte mit den Kindern an die Medien herangehen, gemeinsam vielleicht das Spiel der Kinder „Zocken“ oder sich ab und an das Smartphone zeigen lassen. Sie nicht unvorbereitet in der Medienwelt aussetzen, sondern sie stärken, auch Konfrontationen zu verkraften.

Jede Familie muss ihren eigenen Kompromiss der Mediennutzung finden.

Am Schluss wünscht er viel Spaß bei der Medienerziehung und mit Augenzwinkern, prognostiziert er: „Ihre Kinder werden Sie verfluchen.“

Einige Eltern haben mitgeschrieben, andere stellen interessiert Fragen zu den verschiedenen sozialen Netzwerken, die Kranich erklärt. Für Kranich ist diese Haltung wichtig und richtig: Sich für Neues zu interessieren und die Neuheiten im Netz kennenzulernen. Nicht die Kinder einfach machen lassen, sondern sie anleiten und stärken, dass sie lernen, mit und ohne die Medien den Alltag zu meistern.

Text, Video, Fotos: Anna-Lena Eißler