Lieferengpässe bei Medikamenten auch im Hohenlohekreis bei wichtigen Medikamenten
Protest gegen den „Sparwahn“
Die Branche protestiert damit gegen den „Sparwahn“ in der Gesundheitspolitik. Für die Versorgung mit Medikamenten bleiben lediglich die Notfallapotheken geöffnet.
Einer Umfrage der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) zufolge beteiligten sich landesweit etwa 85 Prozent aller Apotheken an der Protestaktion. Rund 1200 Apotheken blieben für die Notfallversorgung geöffnet.
In Berlin zog ein „Protestmarsch“ vom Potsdamer Platz zum Bundeswirtschaftsministerium. Weitere Demonstrationen gab es unter anderem in Düsseldorf, Münster, Wiesbaden und Augsburg.
Zu viel Bürokratie im Alltag
Die ABDA kritisiert die wachsenden Anforderungen und Belastungen für die Belegschaft von Apotheken, etwa durch Lieferengpässe von Medikamenten oder durch ein zu hohes Maß an Bürokratie im Arbeitsalltag. Die Lieferprobleme hätten die Arbeit für Apotheken „noch komplizierter gemacht und kosten Kraft und Zeit“, heißt es von der ABDA.
Lieferengpässe auch im Hohenlohekreis
Die Lieferengpässe sind auch im Hohenlohekreis zu beobachten. Hier klagen unter anderem Einwohner:innen, dass es nicht immer das korrekte Antibiotikum zur Verfügung stände und daher auf andere Mittel ausgewichen werden müsse. So könne es vorkommen, dass Kinder etwa Antibiotikum für Erwachsene bekommen.
Lieferprobleme
In dem Zusammenhang kritisiert die Vereinigung die aus ihrer Sicht mangelhafte Gesundheitspolitik der Bundesregierung. Der Entwurf des sogenannten Lieferengpass-Gesetzes tauge weder dafür, „die Versorgung der Patientinnen und Patienten zu verbessern, noch dazu, die Lage der Apotheken als erste, wohnortnahe Anlaufstelle in der Arzneimittelversorgung zu unterstützen“. Und das, obwohl die Ampel-Parteien genau diese Zusagen in ihrem Koalitionsvertrag festgehalten hätten.
Existenzgefährdend
Dem gestiegenen Aufwand für die Mitarbeiter:innen und Mitarbeiter in Apotheken stellt die ABDA eine fehlende „finanzielle Anerkennung für diese Mehrarbeit“ gegenüber.
Die Branche verlangt, die fixe Pauschale von 8,35 Euro pro rezeptpflichtigem Medikament für Beratung auf zwölf Euro anzuheben. Dieser Festbetrag sei seit zehn Jahren nicht mehr angepasst worden, trotz steigender Kosten, heißt es von der ABDA weiter. Damit seien Apotheken „von der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung abgekoppelt“, was „nicht mehr nur ungerecht, sondern existenzgefährdend“ sei.
Neben der Anhebung der fixen Pauschale auf zwölf Euro solle eine zusätzliche Pauschale eingeführt werden, um das Versorgungsangebot durch die Apotheken bundesweit absichern zu können. Die ABDA kritisiert, dass andere Gesundheitseinrichtungen wie Arztpraxen oder Kliniken im Gegensatz zu Apotheken Extra-Zahlungen erhalten hätten, um eine gesicherte Versorgung zu gewährleisten.
Lauterbach sieht keine Spielräume
Doch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hatte der Forderung nach mehr Geld eine Absage erteilt. Zwar äußerte er Verständnis, aber fehlende zusätzliche Haushaltsmittel und steigende Beiträge für die gesetzliche Krankenversicherung ließen derzeit keine Spielräume für einen solchen Schritt.
Auch beim Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) stößt die Forderung nach einer höheren Vergütung auf Widerstand. Das Honorar für Mitarbeiter:innen in Apotheken steige unaufhörlich, da Apotheken zusätzlich zur Pauschale für jedes Medikament drei Prozent vom Einkaufspreis erhielten. „Mit jeder Preissteigerung, mit jedem neuen, teureren Medikament steigt auch das Honorar des Apothekers“, sagte GKV-Sprecher Florian Lanz. Würde der Festbetrag wie gefordert auf zwölf Euro pro ausgegebener Medikamentenpackung erhöht, wären das Mehreinnahmen von 2,2 Milliarden Euro für die Apotheken – ohne dass für Patient:innen irgendetwas besser würde.
Unterstützung erhält die Apothekenbranche hingegen von der FDP. Lars Lindemann, Gesundheitspolitiker der Partei, forderte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa: „Wenn der finanzielle Spielraum nicht viel zulässt, dann müssen wir die Rahmenbedingungen ändern.“ Was für ihn bedeute: Weniger Bürokratie, maximale Flexibilität und Planungssicherheit für Apotheken. Ein pauschales Nein bringe keine Lösung, warnte Lindemann und betonte: „Geschlossene Apothekentüren dürfen nicht zum Alltag werden.“
Lindemanns Parteikollegin Christine Aschenberg-Dugnus betonte, der Bundesregierung sei durchaus bewusst, „dass Apotheken derzeit durch erhöhte Abschläge und Arzneimittellieferengpässe zusätzlich belastet sind“. Sie sieht allerdings im von der Apothekenbranche kritisierten Gesetzentwurf gegen Lieferengpässe eine Maßnahme, die „an der Wurzel“ des Problems ansetze.
Auch der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Tino Sorge, äußerte im Gespräch mit dem rbb Verständnis für den Protest. „Wir müssen verstehen, dass diese Geiz-ist-Geil-Mentalität im Gesundheitswesen nicht funktioniert“, betonte er.
Die Zahl der Apotheken geht in Deutschland immer weiter zurück: Laut dpa gab es Ende März bundesweit noch knapp 18.000 Standorte – die niedrigste Anzahl seit mehr als 40 Jahren. Allein im ersten Quartal dieses Jahres wurden landesweit lediglich 17 Apotheken neu eröffnet, 146 seien hingegen in diesem Zeitraum geschlossen worden.
Auch die Zahl an Beschäftigten in Apotheken ging demnach im vergangenen Jahr leicht auf etwa 159.300 zurück. Der Gesamtumsatz der Apotheken stieg 2022 auf knapp 64,9 Milliarden Euro. Der Betriebsgewinn vor Steuern einer durchschnittlichen Apotheke sank demnach auf 162.890 Euro.
