Wir haben bei den evangelischen und katholischen Kirchengemeinden im Kocher- und Jagsttal gefragt, ob und wenn ja, welche Angebote sie für ärmere Bürger in Ihrer Gemeinde haben.
Das sind die Ergebnisse (Stand: 30.11.2016):
In der Kreisstadt Künzelsau gibt es am meisten Angebote der Kirchen für Bedürftige. Der Obdachlose, den wir in unserer Weihnachtsausgabe von GSCHWÄTZ interviewt haben (ab 01.12.2016 überall im Kocher- und Jagsttal zu kaufen), hat im Aufnahmehaus Erlacher Höhe in der Hindenburgstraße in Künzelsau Unterschlupf gefunden. In kleinen Wohngruppen versorgen sich die Bewohner dort selbst, mehrmals pro Woche gibt es warmes Essen und sie werden im Rahmen individueller Hilfeplanung durch die Sozialarbeiter der Beratungsstelle betreut. Die Wohnzeit im Aufnahmehaus ist zunächst auf drei Monate begrenzt, kann im Einzelfall jedoch verlängert werden. Innerhalb dieser Zeit werden die Hilfebedürftigen bei der Arbeits- bzw. Wohnungssuche unterstützt und gegebenenfalls in weiterführende Eingliederungsmaßnahmen vermittelt. In der Erlacher Höhe finden vorwiegend psychisch oder suchtkranke Menschen Obdach, die nicht in der Lage sind zu arbeiten. Der Dachverband ist das Diakonische Werk.
Die Künzelsauer Tafel (in dem Gebäude zwischen dem Kino Prestige und dem Wertwiesen-Parkplatz) bietet sehr günstig Grundnahrungsmittel wie Brot, Gemüse, Milch und Obst an. Öffnungszeiten: Montag 15 – 16.30 Uhr; Mittwoch 10.30 – 12 Uhr; Freitag 10.30 bis 12 Uhr. Träger ist der Kreisdiakonieverband Hohenlohekreis.
Die Kirchengemeinden in Schöntal und Ingelfingen unterstützen ebenfalls die Künzelsauer Tafel. Pfarrerin Sabine Focken vom evangelischen Pfarramt Schöntal: „Wir fördern, wo wir nur können, die Künzelsauer Tafel.“ In Ingelfingen in der katholischen Kirche können die Bürger Lebensmittel für die Tafel in Künzelsau abgeben.
Von den anderen Gemeinden im Kocher- und Jagsttal haben wir noch keine Rückmeldung auf unsere Anfrage bekommen. Vielleicht liegt das auch daran, dass es keine speziellen Angebote gibt. Vielleicht ist die Nachfrage zu gering – wie in Dörzbach. Pfarrer Markus Speer von der evangelischen Kirche erklärt: „Wir hatten einmal im Monat bis zum letzten Jahr, einen Vertreter der Diakonischen Bezirksstelle bei uns im Gemeindehaus zur Beratung, doch dies wurde aufgrund mangelnden Besuchs wieder eingestellt.“
Indirekt können Bürger auch von der Bürgerstiftung Dörzbach unterstützt werden. Alljährlich schüttet die Stiftung, deren Vorsitzender Bürgermeister Andy Kümmerle ist, Gelder aus, die einem guten Zweck zu Gute kommen. 2016 gingen unter anderem rund 350 Euro an die evangelische Kirchengemeinde Dörzbach. Auch in Weißbach ist die Nachfrage gering. Pfarrer Philipp Rottach von der evangelischen Kirchengemeinde: „Wir verweisen Menschen in einer größeren finanziellen Notsituation an die diakonische Bezirksstelle weiter. Allerdings wurde das in den letzten 4 Jahren erst einmal angefragt.“
Einen ganz bemerkenswerter Verein gibt es in Kupferzell. Der gemeinnützige Verein „Füreinander da sein“ unterstützt nicht nur Tafelläden mit selbst zusammengestellten Paketen (etwa gepackt mit Weihnachtssachen), sie helfen auch Schülern, die ins Schullandheim gehen möchten, das Geld aber fehlt. Die Ehrenamtlichen begleiten auch ältere Bürgen bei Behördengängen oder fahren die Menschen zum Arzt. Kontakt: Klaus Kempf (Vorsitzender), Kupferzell. Tel.: 07944/2801. (red)
Es gibt darüber hinaus sehr viele aktive Ehrenamtliche in Asylkreisen, etwa in Kupferzell, Krautheim, Ingelfingen und Künzelsau.
Die Menschen, die zu uns kommen, werden sehr gut aufgenommen, betreut, viele Kocher- und Jagsttäler spenden auch Kleidung für Flüchtlinge. (red)