Zum Sterben zu früh: Erstes Treffen der Projektgruppe Krankenhaus Künzelsau
Dabei wurde nicht, wie von den Bürgern des Kocher- und Jagsttals sowie der Bürgerinitiative erhofft, über ein Konzept zur Erhaltung des stationären Krankenhauses in Künzelsau gesprochen. Im Gegenteil: Landrat Neth schwor seine Getreuen darauf ein: Künzelsau muss geschlossen werden, damit Öhringen überlebt. Gegenstimmen? Keine.
Hintergrund: Das Landratsamt möchte in jedem Fall die Gelder für den Krankenhausstrukturfonds vom Land für Öhringen bekommen. Diese Gelder fließen aber nur, wenn Künzelsau als stationäres Krankenhaus geschlossen wird. Umgekehrt kann das Öhringer Krankenhaus aber ebenfalls nur überleben, wenn es Mittel aus dem Strukturfonds bekommt (siehe Pressemitteilung: „Der Erhalt und Ausbau des Öhringer Krankenhauses ist nur mit Mitteln aus dem Krankenhausstrukturfond möglich.“).
Die Bürgerinitiative (BI) war bei dem ersten Treffen der Projektgruppe nicht involviert. Gegenüber GSCHWÄTZ hat Bürgermeister Stefan Neumann den Ausschluss der Bürgerinitiative dahingehend begründet, dass „viele sensible Daten ausgetauscht werden, auch im Hinblick mit möglichen Partnern“. Dabei hätte das Wissen des BI-Sprechers Dr. Andreas Eckle, der 1986 als Chefarzt in Künzelsau eingestellt wurde und 25 Jahre für das Hohenlohe Krankenhaus gearbeitet hat, sicher gut getan, um noch einmal den Standort Künzelsau und dessen Möglichkeiten unter die Lupe zu nehmen. Aber das scheint nicht gewollt.
Wann genau die Bürgerinitiative in den Entscheidungsprozess mit einbezogen wird, ist unklar. Die Bürger dürfen laut Pressemitteilung bei „einer Veranstaltung“ „im Frühjahr“ ihre „Anregungen“ einbringen. Zur Sommerpause soll die Entscheidung fallen. Aber alles hört sich danach an, als ob schon alles GSCHWÄTZt ist. Vom Land vorgegeben, vom Landrat und den Kreisräten umgesetzt. Bürgernähe und Transparenz, Einbeziehung der Öffentlichkeit, um mit den Worten von Landrat Neth zu sprechen, sieht anders aus.
Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Kreisräte gegen den Strukturfonds entscheiden. Ansonsten muss ein Krankenhaus sterben. Und genau diese Krankenhäuser werden wir in spätestens zehn Jahren aufgrund der demografischen Entwicklung dringender als je zuvor brauchen.
Fotos: Alle aktuellen Kreisräte aus dem Kocher- und Jagsttal (21 von 39 Kreisräten sind im Kocher- und Jagsttal ansässig). Quelle: www.hohenlohekreis.de
_____________________________________________________________________________________________________________
Inhalt der offiziellen Pressemitteilung der Stadt Künzelsau und des Landratsamtes Hohenlohekreis vom 16.02.2017:
„Deutschlandweit befindet sich die Krankenhauslandschaft im Umbruch, was unter anderem auch zu einer stärkeren Zentrenbildung bei allen Kliniken führt. Auch für den Hohenlohekreis ist die gesamthafte Betrachtung der Gesundheitsversorgung von großer Bedeutung, um ein zukunftsfähiges Angebot im Kreis zu erhalten.
Landrat Dr. Matthias Neth betont: „Der Kreistag steht zu seiner Verantwortung für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung im Hohenlohekreis. Im Herbst vergangenen Jahres hat er daher mehrheitlich beschlossen, dass der akutstationäre Betrieb der Hohenloher Krankenhaus gGmbH am Standort Öhringen konzentriert wird. Der Standort Künzelsau soll dabei zu einem Medizin-Zentrum werden.“ Im Rahmen dieses neuen medizinischen Konzepts wurde daher beim Sozialministerium ein Antrag auf Investitionsförderung gestellt.
Für den Standort Künzelsau wurde jetzt gemeinsam von Landrat Dr. Matthias Neth und dem Bürgermeister der Stadt Künzelsau, Stefan Neumann, die Entwicklung eines eigenen Konzeptes gestartet. Dabei ging die Initiative von Bürgermeister Neumann in der letzten Sitzung des Kreistages aus.
Unter Berücksichtigung der Vorgaben des Krankenhausstrukturfonds (KHSFV) sollen verschiedene Interessenvertreter einbezogen werden. Es ist geplant, dass das Konzept bis spätestens zur Mitte des Jahres vorliegt, um in die Beratungen des Kreistags einfließen zu können.
„Ganz klar ist“, so Bürgermeister Neumann, „dass wir die niedergelassenen Ärzte und die Bürgerinitiative mit einbinden.“
Landrat Dr. Matthias Neth unterstreicht: „Mir ist es besonders wichtig, dass an beiden Standorten eine nachhaltige, qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung erhalten bleibt. Dies können wir aber nur durch Strukturveränderungen erreichen.“
Der Stadt Künzelsau ist es immens wichtig, dass insbesondere die Notfallversorgung und ambulante Operationen am Standort Künzelsau sichergestellt werden können – eingebunden in ein tragfähiges Gesamtkonzept in Künzelsau. Der Erhalt und Ausbau des Öhringer Krankenhauses ist nur mit Mitteln aus dem Krankenhausstrukturfond möglich. Es ist auch sinnvoll, diese einzusetzen. „Jetzt müssen wir schnell und präzise klären und mit einem Konzept definieren, was am Standort Künzelsau unter den genannten Vorzeichen in Zukunft realistisch möglich ist“, so Bürgermeister Stefan Neumann. „Unverzichtbar sind aus meiner Sicht die Notfallversorgung und die Möglichkeit von Fachärzten ambulant zu operieren – beispielsweise in Form einer Praxisklinik. Es geht darum, das Bestmögliche für Künzelsau in
Pressemitteilung Seite 2 von 2
einem sinnigen Gesamtkonzept zu erreichen. Davon hängt die Entwicklung der Stadt Künzelsau und der gesamten Region ab und beeinflusst die wirtschaftliche Entwicklung nachhaltig.“
Dazu wurde eine Projektgruppe unter der Leitung des Landrats und des Bürgermeisters ins Leben gerufen. Ziel der Projektgruppe ist, den Prozess praxisnah, realisierbar und zukunftsfähig zu gestalten. An dieser Projektgruppe nehmen Vertreter der Fraktionen des Kreistags des Hohenlohekreises und des Gemeinderats Künzelsau sowie der Geschäftsführer der Hohenloher Krankenhaus gGmbH teil. Zusätzlich wird ein Fachunternehmen die Projektgruppe mit seiner Expertise unterstützen.
Information, Transparenz und das Miteinbeziehen der Bevölkerung sind dabei ebenfalls ein wichtiges Anliegen. Die Bürgerinnen und Bürger erhalten die Möglichkeit unter Berücksichtigung der Vorgaben des KHSFV im Rahmen einer Veranstaltung im Frühjahr 2017 Anregungen zum Konzept für das Hohenloher Krankenhaus, insbesondere für Künzelsau, einzubringen.
Die Bevölkerung wird über die Ergebnisse, Impulse und Ideen und das erarbeitete Standortkonzept der Hohenloher Krankenhaus gGmbH voraussichtlich noch vor der Sommerpause informiert werden.“
Das Landratsamt möchte gerne Stellung nehmen zu unserem Artikel „Demonstration Feuerwehr Künzelsau zum Erhalt des Künzelsauer Krankenhauses“ vom 02. Januar 2017. Wir veröffentlichen nun die Darstellung des Landratsamtes, die sich auf folgenden Absatz in unserem Artikel bezieht: