Neumann unter Beschuss und jeder übersieht den eigentlichen Skandal
Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann deutet erstmals an, warum er aus dem Aufsichtsrat der Hohenlohe Krankenhaus gGmbH ausgetreten ist und er wird dafür getoastet von allen Seiten. Die eigentliche Frage lautet doch aber: Was läuft hinter den Kulissen akut falsch, dass ein Bürgermeister öffentlich so scharfe Kritik am Landrat übt?
Die Künzelsauer wurden vergangene Woche Zeuge eines Kammerspiels in drei Akten:
Akt 1: Bei der Einwohnerversammlung am Mittwoch, den 01. März 2017, gab Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann auf Drängen seiner Bürger erstmals Einblicke, warum er 2015 aus dem Aufsichtsrat der Hohenlohe Krankenhaus GmbH ausgetreten ist – nicht aus Desinteresse oder weil ihm die Ränkeleien zu unbequem wurden, wie oft gemunkelt wurde, sondern es gab wohl sehr viel gewichtigere Gründe. Für viele Bürger war sein Austreten bis dato völlig unverständlich.
Akt 2: Am Freitag, den 02. März 2017, erscheint ein großer Artikel über diese Einwohnversammlung und den Anschuldigungen Neumanns in der Hohenloher Zeitung (HZ), geschrieben von Thomas Zimmermann. Neumann wird darin unter anderem mit den Worten zitiert:„ Was mit den Künzelsauer Krankenhaus unter der Führung von Geschäftsführer und Landrat gemacht wurde, war unverantwortlich.“ Konkreter darf Neumann wegen einer Verschwiegenheitsklausel während seines damaligen Aufsichtsrats-Daseins nicht werden.
3. Akt: Am Samstag, den 03. März 2017, wurde prompt ein Dementi von Landrat Dr. Matthias Neth in der HZ veröffentlicht, der in diesem halbseitigen Artikel alle Anschuldigungen von sich weist. Weiterhin heißt es in dem Artikel der HZ: „Kritik an den Neumann-Äußerungen kam auch von den Kreisräten. Wie die HZ erfuhr, seien einige regelrecht schockiert gewesen.“
Die Kreisräte sind also schockiert gewesen von Neumanns Äußerungen und haben diese kritisiert? Das ist schon seltsam. Warum kritisieren die Kreisräte derartige Anschuldigungen sofort, ohne überhaupt nachzuhaken, was Neumann genau gemeint hat mit seinen Anschuldigungen? Dasselbe im Fall Neth: Das Dementi erfolgte prompt. Nur worauf eigentlich? Die Antwort: Landrat Neth und die Kreisräte wissen vermutlich sehr wohl, worauf Neumann angespielt hat. Die Öffentlichmachung dessen ist es, was sie alle nun um Fassung ringen lässt.
Die Bürger tappen indes noch halb im Dunkeln. Das etwas oder vielmehr einiges vorgefallen und schief gelaufen ist, wissen sie nun. Aber was genau? Wurde das Krankenhaus bewusst heruntergewirtschaftet? Will man es bewusst gegen die Wand fahren lassen? Bürgermeister Neumann und Landrat Neth sind momentan noch gemeinsam aktiv in der Projektgruppe um die Zukunft des Krankenhauses. Auch in diesem Gremium geht es nicht wirklich um Transparenz, die Treffen finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Mit den hiesigen Ärzten und der Bürgerinitiative (BI), die Landrat Neth ursprünglich noch mit ins Boot holen wollte, spricht Neth nicht direkt, sondern sendet Berater, die sich in Drittgesprächen mit der BI und den Ärzten austauschen sollen.
Will Neumann die Transparenz, die er nun angefangen hat, zu Ende bringen, gilt: Das Gremium aufbrechen, die Ärzte und die BI mit ins Boot holen durch direkte Dialoge, ohne dazwischengeschaltete Mittelsmänner. Und wenn Neumann diese direkte Kommunikation nicht durchsetzen kann, muss er öffentlich sagen, woran es liegt. Wer ist dagegen? Aber auch ein Landrat sollte sich die Zeit nehmen für direkte Dialoge mit den Bürgern. Immerhin bezahlen diese Bürger sein Gehalt.

Dabei wurde nicht, wie von den Bürgern des Kocher- und Jagsttals sowie der Bürgerinitiative erhofft, über ein Konzept zur Erhaltung des stationären Krankenhauses in Künzelsau gesprochen. Im Gegenteil: Landrat Neth schwor seine Getreuen darauf ein: Künzelsau muss geschlossen werden, damit Öhringen überlebt. Gegenstimmen? Keine.