Brief mit hoch explosivem Inhalt
Offenes Schreiben von Ärzten und Bürgerinitiative an Neth und Neumann
// Harsche Kritik an Krankenhauspolitik und Kommunikation
// Neumann nimmt Stellung und sieht „akutstationäre Betten“ als mögliche Variante
Die niedergelassenen Ärzte aus dem Kochertal und die Bürgerinitiative (BI) sind sauer: Aus der Zeitung erfuhren sie von der Projektgruppe „medizinische Versorgung“. Ursprünglich hieß es von Seiten des Bürgermeisters Stefan Neumann und des Landrats Dr. Matthias Neth, man wolle die Ärzte und die BI mit ins Boot nehmen bei der weiteren Planung Krankenhaus Künzelsau. Die Frage ist nur: Wann?
Laut einem offenen Brief von der BI und 35 niedergelassenen Ärzten aus dem Kochertal, der heute die Redaktion GSCHWÄTZ erreicht hat (den kompletten Brief sehen Sie unterhalb von diesem Artikel), habe „Die Bürgerinitiative in der Vergangenheit mehrfach Terminanfragen an Landrat Dr. Neth gestellt“. Ohne Erfolg, auch die Ärzte seien bislang von allen Gesprächen außen vor geblieben. Das stößt bei der BI und den Ärzten auf Unverständnis, „da die beste Beratung, die Kreis und Stadt nutzen können, direkt vor ihnen“ sitze.
Des Weiteren sei für die Ärzte und der BI „völlig unklar“, dass in dieser neuen Projektgruppe nur noch über „ambulante Notfallversorgung“ gesprochen werde, da die „Sicherstellung des ambulanten Versorgung nicht Sache des Landkreises“ sei, sondern alleine Sache der kassenärztlichen Vereinigung. Und diese sei gewährleistet. „Allen Beteiligten und der Bevölkerung geht es um die Sicherstellung der akutstationären Versorgung.“ Sprich: Ein Krankenhaus mit Betten für einen stationären Aufenthalt über mehrere Tage.
Laut dem Brief hatte die Hohenloher Krankenhaus GmbH bis 2011 „positive Betriebsergebnisse zu verzeichnen“. Dabei war „die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Fachärzten und Belegärzten wesentlich am Erfolg beteiligt. Danach folgten „Managementprobleme, die bis heute anhalten“.
Einen Ausweg aus dieser „derzeit angeblich schwierigen Situation“ sehen die Ärzte und die BI durch „Managementverbesserung, der Wiederherstellung des Vertrauens zu den niedergelassenen Ärzten sowie durch die Verbesserung der Kooperation und Abstimmung zwischen den beiden zu erhaltenden Betriebsteilen [Öhringen und Künzelsau]. So wäre es sinnvoll, dass etwa Patienten aus Öhringen die Stroke Unit (Anm. der Redaktion: Schlaganfalleinheit) in Künzelsau mitnutzen würden. „Die Einbindung weiterer niedergelassener Ärzte als Belegärzte würde ebenfalls schnell die Auslastung und damit das Ergebnis verbessern. Hier rechnen alle Beteiligten mit der Professionalität des neuen HK-Geschäftsführers Schopf.“
Die von der vom Landratsamt und der Stadt Künzelsau initiierte Projektgruppe favorisierte Lösung für Künzelsau, eine, so Stefan Neumann gegenüber GSCHWÄTZ nach der damals ersten Sitzung, eine „Praxisklinik für ambulante Operationen“ ist für die BI und die Ärzte für keine Lösung, da es für niedergelassenen Ärzte notwendig sei, „auch in Zukunft am Krankenhaus Künzelsau nicht nur ambulante, „sondern auch stationäre Operationen durchführen zu können“. Andernfalls werde es für die Fachärzte noch schwieriger, Nachfolger für ihre Praxen zu finden. Somit drohe auch der ambulanten Versorgung in Künzelsau langfristig das Aus.
Die Ärzteschaft und die BI hoffen daher auf zeitnahe Gespräche mit dem Landratsamt und der Stadt Künzelsau, so dass nicht noch länger „wertvolle Zeit verstreicht“ und am Ende nur „Strohhalm der Abwrackprämie“ bleibt. Ungewöhnlich deutlich ziehen sie auch die Konsequenzen: Ohne eine akutstationäre Versorgung werden die „niedergelassenen Ärzte heute und in Zukunft alle anderen Modelle NICHT unterstützen“.
Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann äußerte sich auf Anfrage von GSCHWÄTZ wie folgt zu dem Vorwurf, dass bislang die Bi und die Ärzte nicht in die Planungen mit einbezogen wurden: „Wir mussten jetzt erstmal den politischen Prozess starten und dafür haben wir unsere Gemeinderats- und Kreistagsvertreter zusammengebracht. Es war erstmal wichtig, sagen zu können: Welche Prozesse werden beleuchtet? Welche Gruppen werden mit einbezogen?“ Man wolle die BI ins Boot holen, die Belegärzte und die Kreisärzteschaft. Neumann: „Das läuft aber dann nicht im Rahmen der Projektgruppe ab, sondern in gesonderten Gesprächen“.
Zum Thema akutstationäre Versorgung als für die Ärzte als einzig mögliche Option für die Zukunft meinte Bürgermeister Neumann auf Anfrage von GSCHWÄTZ: „Einer der Varianten wird schon sein, dass es akutstationäre Betten gibt.“
Landrat Dr. Matthias Neth hingegen verwies in seiner Stellungnahme an GSCHWÄTZ zu dem offenen Brief:
„Vergangene Woche habe ich der BI mitgeteilt, dass ein Fachunternehmen, welches die Projektgruppe mit seiner Expertise unterstützt, sich bezüglich weiterer Gespräche und Terminabstimmung mit der BI und den niedergelassenen Ärzten in Verbindung setzen wird. Eine Reaktion auf diese E-Mail ist seitens der BI bislang nicht erfolgt.“
Die Bürgerinitiative reagierte prompt auf Neths Aussage und verwies auf ein Schreiben, dass der Landrat an Dr. Andreas Eckle, den Sprecher der BI, geschickt hat., nachdem Eckle wegen einem Treffen nachgefragt hatte. Darin heißt es: „Lieber Herr Eckle,
besten Dank für Ihre Mail. Wie Sie sicherlich wissen, hat sich eine Projektgruppe gegründet, die aus Vertretern der Stadt und dem Kreis besteht. Wir wollen in dieser Projektgruppe auch Ideen von Impuslgebern einfließen lassen. Dazu wird unser Beraterbüro mit Impulsgebern sprechen und sich natürlich auch mit der BI bzw. Ihnen persönlich auszutauschen. Somit werden sich die Berater bei Ihnen melden, dies wird zeitnah erfolgen.“ Aus diesem Schreiben Neths war für die BI nicht ersichtlich, dass der Landrat noch auf eine Antwort gewartet hatte.

Dabei wurde nicht, wie von den Bürgern des Kocher- und Jagsttals sowie der Bürgerinitiative erhofft, über ein Konzept zur Erhaltung des stationären Krankenhauses in Künzelsau gesprochen. Im Gegenteil: Landrat Neth schwor seine Getreuen darauf ein: Künzelsau muss geschlossen werden, damit Öhringen überlebt. Gegenstimmen? Keine.
Das Landratsamt möchte gerne Stellung nehmen zu unserem Artikel „Demonstration Feuerwehr Künzelsau zum Erhalt des Künzelsauer Krankenhauses“ vom 02. Januar 2017. Wir veröffentlichen nun die Darstellung des Landratsamtes, die sich auf folgenden Absatz in unserem Artikel bezieht: