Künzelsau: Hinweise, dass das Krankenhaus bewusst heruntergewirtschaftet wurde
Hinweise, dass das Krankenhaus Künzelsau bewusst heruntergewirtschaftet wurde
// Nach Bürgermeister Neumann, der Bürgerinitiative, den Ärzten und der Feuerwehr üben nun auch die Mitarbeiter des Krankenhauses öffentlich Kritik an Landrat Dr. Matthias Neth
Wir wissen nicht, was unser Landrat Dr. Matthias Neth dachte, als er Mitte vergangenen Jahres folgenden Brief von den Mitarbeitern des Künzelsauer Krankenhauses erhalten hat, der dem GSCHWÄTZ-Redaktionsteam vorliegt und nun erstmals in die Öffentlichkeit gelangt.
Die Kernaussage: Über Jahre wurde der Krankenhaus-Standort Künzelsau entweder fahrlässig oder vorsätzlich von dem damaligen Geschäftsführer Dr. Andor Toth geschwächt. Die Mitarbeiter baten Landrat Dr. Matthias Neth in dem Schreiben, einzuschreiten. Die Reaktion des Landrats auf dieses Schreiben ist kaum nachvollziehbar. Eine Rekonstruktion der Ereignisse.
Im dem mehr als drei Seiten langen Brief heißt es unter anderem: Den „Mitarbeiten der HK [Anm. d. Red.: Hohenlohe Krankenhaus gGmbH]“ ist es „ein sehr wichtiges Anliegen, Ihnen […] verschiedene Themen aufzuzeigen, die wir derzeit mehr als kritisch sehen und die auch Ihre Aussagen für uns nicht mehr glaubhaft aussehen lassen.“ Zu Beginn der Umstrukturierungsdebatte im März 2017 etwa habe Neth offiziell noch von zwei starken stationären Krankenhaus-Standorten gesprochen. Aber die Mitarbeiter bekamen immer mehr das Gefühl, dass der Stilllegungsplan für Künzelsau schon lange feststand und Toth der ausführende Geschäftsführer war, der nichts getan hat, um entgegenzusteuern, im Gegenteil. Nach Gesprächen mit Belegärzten soll Toth in interner Runde – und nicht zum letzten Mal – gesagt haben: „Ist doch egal, das Künzelsauer Krankenhaus wird doch sowieso bald zugemacht.“
Während das Landratsamt gegenüber GSCHWÄTZ das Ende der Belegarzttägigkeit der Praxis Drs. Mutschler, Tischler und Zugelder mit „stark gestiegenen Haftpflichtprämien“ für die Ärzte begründete, steht in dem Brief, dass Dr. Tischler in Gesprächen mit Dr. Andor Toth gehofft hatte, eine Lösung zu finden, diese seien jedoch enttäuschend verlaufen.
Auch ein Angebot des Diakonie-Klinikums in Schwäbisch Hall (Diak) über 50 Knie-Operationen jährlich habe Toth abgelehnt mit der Aussage, „das Diak würde uns doch nichts Gutes tun.“ Stimmt das, fragen die Mitarbeiter ihren Landrat und bitten ihn indirekt, der Sache nachzugehen: „Um die Wahrheit zu erfahren, wäre es interessant, nicht bei Herrn Toth, sondern im DIAK beim betreffenden Chefarzt nachzufragen.“ Von Seiten des Landratsamtes wird auf Nachfrage von GSCHWÄTZ darauf verwiesen, dass „Projektgruppensitzungen unter Einbindung des Diak gestartet“ wurden. „Seit Dezember 2016 erfolgen ambulante Operationen.“ Krankenhausintern heißt es widerum, Knieprothesen-Operationen, die einen stationären Aufenthalt nach sich ziehen, wurden abgelehnt.
Generell kritisieren die Mitarbeiter die Informationspolitik von Andor Toth scharf: „Fragen von Mitarbeitern, sofern sie überhaupt noch an die Geschäftsführung gestellt werden, werden mit zynischen und geringschätzigen Bemerkungen abgetan.“ Aber auch die Informationspolitik des Landrats steht in der Kritik: „Selbst Kollegen im Krankenhaus wissen oft nicht, was bei uns noch behandelt wird. Wie soll es dann die Bevölkerung wissen? […] Seit nunmehr zwölf Monaten wird der Strategieplan von Herrn Toth, welcher ja im Kreistag beschlossen wurde, intern diskutiert. Dies erfolgt leider nicht in klarem, vertrauensförderndem Stil, sondern mit diffusen, sich teilweise widersprechenden oder gar nicht gemachten Informationen, welche das letzte Vertrauen in die Geschäftsführung zerstören.“
Trotz allem haben die Mitarbeiter noch Hoffnung für den Standort Künzelsau, wenn sie etwa schreiben: „Wir sehen in den Strukturen sehr großes Potenzial. Nicht jedes Haus der Größe Künzelsaus könnte damit werben, dass eine Dialyseversorgung sichergestellt ist, ohne große Transportwege in Kauf zu nehmen.“
Der Brief der Krankenhaus-Mitarbeiter soll in Kopie zusätzlich noch an alle Fraktionsvorsitzenden gegangen sein. GSCHWÄTZ hat bei den einzelnen Vorsitzenden nachgefragt. Grünen-Fraktionsvorsitzende Erika Bauer meinte, sie habe keinen Brief bekommen, SPD-Fraktionsvorsitzende Irmgard Kircher-Wieland reagierte weder auf unsere Anrufe noch auf unsere E-Mail. FDP-Fraktionsvorsitzender Gerhard Feiler war kurz angebunden: „Wir können keine Transparenz durchblicken lassen, Wir sind aktuell in einem Bieterverfahren. Und alles, was dann veröffentlicht wird, stört.“
Die einzigen, die bislang bereit waren, ihr Verhalten bezüglich dem Brief zu erklären, waren der CDU-Fraktionsvorsitzende Karlheinz Börkel und Thomas Föhl von der Freiwilligen Wählervereinigung (FWV). Beide verweisen darauf, dass der Brief ohne Angabe eines Absenders in ihren Briefkästen lag. „Selbst wenn ich wollte, wie hätte ich antworten sollen?“, fragt Föhl. Da der Brief an den Landrat adressiert war, sei es darüber hinaus Aufgabe des Landrats, zu reagieren. Föhl und Börkel haben jedoch laut eigener Aussage, den Brief mit ihren Fraktionsmitgliedern besprochen und auch mit Landrat Dr. Matthias Neth darüber gesprochen. Zu den Inhalten solle man den Landrat fragen, aber Börkel betont: „Alle meine Entscheidungen, die ich bisher getroffen habe, habe ich reinen Gewissens getroffen, auch im Hinblick auf das Krankenhaus Künzelsau. Es tut mir zwar auch persönlich sehr leid, aber es geht einfach nicht anders.“
In einer offiziellen Pressemitteilung von Landrat Dr. Matthias Neth an GSCHWÄTZ heißt es:
„ Feedback und Anregungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nehme ich sehr ernst. […] Eine direkte Beantwortung war nicht möglich, da der Brief ohne Absender an mich adressiert war und unklar war, ob und um welche Mitarbeiter es sich gehandelt hat.
Grundsätzlich können anonyme Briefe vom Landratsamt Hohenlohekreis nicht beantwortet werden.“
Die Redaktion GSCHWÄTZ fragte daraufhin nach, ob der Landrat die in dem Brief erwähnten Personen angesprochen hatte, die scharfe Kritik an Andor Toth geäußert hatten, wie etwa die Praxisgemeinschaft Mutschler, Zugelder und Tischer, Dr. Grups oder das Diak, um nachfragen, inwieweit die Kritik berechtigt ist. Die Antwort des Landrats: „Da die Kommunikation mit den Belegärzten sowie den niedergelassenen Ärzten Sache des Geschäftsführers und der Chefärzte des ist, haben diese die Gespräche geführt. Dr. Andor Toth stand mit den genannten Belegärzten sowie dem Diak in regelmäßigen Austausch.“
Landrat Dr. Matthias Neth, überlies es demnach Dr. Andor Toth, der Sache nachzugehen, ob die massive Kritik an Dr. Andor Toth berechtigt ist, nämlich dass das Krankenhaus über Jahre von Toth heruntergewirtschaftet wurde.
Die Frage ist nun: Warum ist keiner eingeschritten?


