Schließung Krankenhaus „nicht plausibel“
// große Klinikverbände nicht unbedingt wirtschaftlicher
Das SWR Fernsehen war bei der gestrigen 25. Demonstration für das Künzelsauer Krankenhaus vor Ort und interviewte Krankenhausmitarbeiter und Bürger.
Auf der Demo las Dr. Andreas Eckle einen Brief von Matthias Lauterer an den Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann vor (siehe Video). Darin kritisiert Lauterer die grüne Landesregierung für ihre Krankenhauspolitik [Anm. d. Red.: diverse kleine Krankenhäuser wurden oder werden in diesem Zuge geschlossen]. Sie verstoße „gegen die elementarsten Lebensinteressen der Bürger“. Für die ansässigen Firmen hätte eine Schließung des Krankenhauses Künzelsau eine „Abwanderung der Arbeitskräfte“ zur Folge.
300 bis 400 Menschen waren zur Demo gekommen. Dr. Andreas Eckle, Vorsitzender Der Bürgerinitiative pro Krankenhaus Künzelsau, betonte, dass die Schließung des Künzelsauer Standorts „nicht plausibel“ sei. Er verwies dabei auf eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger, wonach die größten Krankenhausverbände in Baden-Württemberg 2015 245 Millionen Verlust „erwirtschaftet“ haben, allein das Defizit des Stuttgarter Klinikverbundes sei bei 50 Millionen gelegen. Die Hohenlohe Krankenhaus gGmbH (HK) hingegen habe 2011 noch 600.000 Euro Gewinn eingefahren. Sei Größe wirklich wirtschaftlicher, fragte Eckle und erntet viel Beifall von den Demonstranten.
Eckle stellte grundsätzlich das momentan von Landrat Dr. Matthias Neth und den Kreisräten favorisierte Konzept in Frage, nach den SLK-Kliniken nun wieder einen neuen Mehrheitspartner mit an Bord zu nehmen. Eckle sähe die Hohenlohe Krankenhaus gGmbH lieber unabhängig, aber mit starken Kooperationspartnern an der Seite. Als positives Beispiel für dieses Modell nannte er das Kreiskrankenhaus Crailsheim und das Diak in Schwäbisch Hall.
Eckle kritisierte in seiner Rede das Verhalten des Landratsamtes hinter den Kulissen. Unter anderem hätten Mitarbeiter des Landratsamtes die Anweisung erhalten, nicht auf die Demo für das Krankenhaus zu gehen. „Sind wir noch in einem demokratischen Rechtsstaat oder in einer türkischen Provinz?“, fragte Eckle. Auch eine kleine Spitze gegen Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann konnte sich der Vorsitzende der BI nicht verkneifen. Dieser müsse sich aufgrund der zurückliegenden anstrengenden Wochen nun beim Skiurlaub erholen und könne daher heute nicht anwesend sein.
Dr. Krist: „Wir befinden uns in einer unfassbaren Balla-Balla-Situation“
In seiner Rede an der 25. Demo zur Erhaltung des Künzelsauer Krankenhauses am Mittwoch, den 29. März 2017, attestierte Dr. Matthias Krist, praktizierender Arzt in Künzelsau, dem Krankenhaus Künzelsau, dass es „gut ausgerüstet und leistungsfähig“ sei (siehe Video). Es ist für ihn daher „zutiefst befremdlich“, dass der Landrat Dr. Matthias Neth dieses Krankenhaus aus ihm „seltsam anmutenden Gründen“ schließen möchte. Für die Rede gab es von den 300 bis 400 Demonstranten viel Applaus.
„So viel Arroganz ist untragbar“
// Künzelsauer Patient wird nicht ins Künzelsauer Krankenhaus gefahren
// Juni Entscheidung über die Zukunft des Künzelsauer Krankenhauses
Reinhard Bodynek, ehemaliger Betriebsleiter von MUSTANG, berichtet auf der gestrigen Demo (siehe Video) zur Erhaltung des Künzelsauer Krankenhauses am 30.03.2017 von einem Fall in seinem Bekanntenkreis, der aufhorchen lässt: Ein 90-Jähriger musste vergangenen Samstag vom Altenheim in Künzelsau in ein Krankenhaus gebracht werden. Der ärztliche Notdienst aus Forchtenberg wurde bestellt. Der 90-Jährige wurde aber anstatt ins nahegelene Krankenhaus Künzelsau nach Öhringen ins dortige Krankenhaus gebracht. Begründung: Das Künzelsauer Krankenhaus nehme am Wochenende keine Patienten auf.
Die Demonstranten, darunter einige Mitarbeiter und ehemalige Mitarbeiter des Krankenhauses, schütteln ungläubig den Kopf, da das Krankenhaus in Künzelsau am Wochenende selbstverständlich Patienten aufnehme. Für die Frau des 90-Jährigen, so Bodynek, sei es nun wesentlich schwieriger, ihren Mann zu besuchen, da Öhringen viel weiter weg sei. Indirekt wurde damit die Frage in den Raum geworfen, obdie Krankenwägen das Krankenhaus Künzelsau bewusst nicht mehr ansteuern.
Bodynek berichtet weiterhin, dass keine Gespräche mehr zwischen Landrat und Bürgerinitiative stattgefunden haben. „Das Landrat ist doch ein gewählter Volksvertreter (…) Man könnte aber glauben, er ist Hohenloher König.“
Drei Beratungsfirmen hätten indes hohe Summen bekommen, um die Hohenlohe Krankenhaus gGmbH zukunftsfit zu machen. Bodynek: „Dieses Geld fehlt dem Krankenhaus jetzt“.
Die nächste Mittwochsdemonstration ist nach der Osterpause am 26. April 2017.
Der Countdown für Künzelsau hat indes begonnen: Im Juni entscheiden die Kreisräte über die Zukunft des Krankenhauses.
// Mehr dazu in unserer neuen April-Ausgabe von GSCHWÄTZ. Ab heute überall im Einzelhandel.
// Möglichkeit, über die Schließung des Künzelsauer Krankenhauses zu sprechen
Hohenlohe beteiligt sich an der heutigen Earth hour, ins Leben gerufen vom WWF. Dabei werden alle Städte und Gemeinden sowie alle Menschen, alle öffentlichen Einrichtungen und alle Unternehmen unserer Region aufgerufen, am 25. März 2017 zwischen 20.30 und 21.30 Uhr Ihre Beleuchtung abzuschalten und damit ein sichtbares Zeichen für den Klimaschutz zu setzen.
Nach unserem Beitrag „Hinweise, dass das Krankenhaus bewusst heruntergewirtschaftet wurde“ vom 14. März 2017 bekam das GSCHWÄTZ-Redaktionsteam eine E-Mail von der Kreisrätin und SPD-Fraktionsvorsitzenden Irmgard Kircher-Wieland. Sie wehrte sich darin gegen den Vorwurf, dass sie weder telefonisch noch auf unsere E-Mailanfrage zum Thema Künzelsauer Krankenhaus reagiert habe. Kircher-Wieland schreibt: „Da sage ich Ihnen ganz schlicht: Des isch Gschwätz ! Koa Gschwätz vunn mir isch:

