2020 werde das Jahr sein, an dem die Spirale nach unten komme: Die Hälfte der Hausärzte seien dann über 60 Jahre alt, verabschieden sich in die Rente und das „klassische Hausarztmodell wird dann nicht mehr funktionieren“. So jedenfalls prognostiziert es der Ende Januar 2017 ins Amt berufene Landes -Demografie-Beauftragte Thaddäus Kunzmann (CDU) bei einem Treffen mit dem VdK-Vorsitzenden des OV Künzelsau, Berthold Krist im Max-Richard und Renate Hofmann-Haus, Zentrum für Demenz, in Künzelsau Ende April.
In einer anschließenden Gesprächsrunde bewertet Dr. Matthias Neth, Landrat des Hohenlohekreises, die hausärztliche Versorgung ähnlich wie der Demografiebeauftragte. Auch Neth glaubt, dass es in zehn bis 15 Jahren den klassischen Hausarzt nicht mehr geben werde. Und was dann? Um dieser Entwicklung entgegenzusteuern. Dr. Hermann Kern forderte: „Die Rahmenbedingungen für die Hausärzte im ländlichen Raum müssen verbessert werden.“ Es gäbe durchaus Möglichkeiten, die Niederlassung auf dem Land zu verbessern. Vorschläge dazu liegen vor, man müsse diese nur ernsthaft angehen. Vorweg „sollte die bestehende Zulassungssperre für den Altkreis aufgehoben werden“ [Anm. d. Red.: Mit Zulassungssperre ist gemeint, dass es staatliche Vorgaben gibt, wieviel Ärzte, zum Beispiel praktizierende Kinderärzte, es im Hohenlohekreis geben darf. Die Grundlage hierfür bilden die Einwohnerzahlen). In einer Zeit, in der über einen Ärztemangel diskutiert werde, sei dies längst überfällig.
Der VdK setze sich, so die Pressemitteilung des VdK hierzu, „für eine dezentrale und künftig veränderte hausärztliche Versorgung ein in Form von Praxisgemeinschaften mit angestellten Ärzten und medizinischen Versorgungszentren. Dabei muss der benachteiligte ländliche Raum besonders gefördert werden.“ Kunzmann betont: „Der ländliche Raum braucht eine spezielle Daseinsvorsorge, damit die Leute nicht abwandern. Dies kostet Geld.“ Er verweist dabei auf den Wettbewerb „ Quartier 2020“ an dem die Gemeinden teilnehmen sollten, um die Mammutaufgabe zu schultern. [Anm. d. Red.: Bei dem Sozialministerium Baden-Württemberg ausgerufenen Programm Quartier 2020 können Gemeinden Konzepte zur „Quartiersentwicklung“ zum Thema „Pflege und Unterstützung im Alter“ einreichen und eventuell finanzielle Unterstützung vom Land bekommen.]
Auch Landrat Neth unterstützt das Programm Quartier 2020. Damit „könnten die Kommunen gezielt ihre Wohninfrastruktur verbessern“. Er ermutigt die Gemeinden hier mitzumachen. Ein Riesenpotential sieht er auch „bei den Menschen, die länger gesund alt werden“. Diese Ressource werde heute noch nicht genutzt.
Neth betonte, dass der Landkreis nicht kleiner, aber die Siedlungspolitik sich völlig verändern werde: „Die Entwicklungsachse des Kreises liegt entlang der Autobahn A6 . Öhringen wird die Einwohnerzahl von 25.000 überschreiten, während Künzelsau, trotz Fachhochschule bei 15.000 Einwohnern stagnieren und massiv älter werden wird.“
Landesbeauftrage Kunzmann: „Im Pflegebereich werden bis 2030 etwa 50.000 neue Plätze in der stationären Pflege gebraucht bei einer Investition von 110.000 € je Platz und einem Gesamtvolumen von 5.5 Milliarden Euro. Größte Probleme werden ab 2040 entstehen , wenn die geburtenstarken Jahrgänge verstärkt pflegebedürftig werden und die Menschen fehlen , die sie pflegen.“
Was ist zu tun?
Der Sozialverband VdK startete 2016 eine Kampagne „ Weg mit den Barrieren“ für eine barrierefreie Gesellschaft. Der Fokus sollte laut dem VdK im barrierefreien Bauen, vor allem aber im barrierefreien Umbau von älteren Wohnungen liegen , damit die im Alltag eingeschränkten und pflegebedürftige Menschen möglichst lange in den eigenen vier Wänden in vertrauter Umgebung wohnen können. Ein Landeswohnbauförderprogramm soll dafür neu aufgelegt werden. Barrierefreie Bus- und Bahn- Nutzungsmöglichkeiten sowie E-Bikes seien laut dem VdK sinnvolle Ergänzungen.
Zusammen mit dem Kreisvorsitzenden Rolf Käpplinger und einigen Ortsvorsitzenden sowie VdK-Mitgliedern wurde an diesem Treffen noch das Max-Richard-und Renate-Hofmann-Haus in Künzelsau unter der Führung von Frau Muth und Frau Schiffer besichtigt, ein Demenzzentrum mit Tagespflege und offener Begegnungsstätte besichtigt. Das Haus steht unter dem Motto „ Gut alt werden“. Gerade durch die Kombination der stationären Einrichtung mit der laut Rolf Käpplinger voll belegten Tagespflege sowie der Begegnungsstätte für alle Altersgruppen erfüllt das Haus einen hohen integrativen Anspruch. Danach erfolgte noch ein Besuch des Waldorfkindergarten, der sich in einem umgebauten Bauernhaus in Morsbach befindet.
Der Sozialverband VdK Ortsgruppe Künzelsau feierte im vergangenen Jahr 70-jähriges Jubiläum. Er setzt sich für Belange der Menschen vor Ort ein. Der Verband hat laut eigener Aussage stark steigende Mitgliederzahlen zu verzeichnen.
Alle Informationen in diesem Artikel wurden uns freundlicherweise vom VdK-Sozialverband zur Verfügung gestellt.
Foto: Ärztehaus Künzelsau