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700 Jahre Amrichshausen – Ein Dorf gibt Vollgas

von Isabell Kähny

// Aus Amelungshausen wurde Amrichshausen: 700 Jahre Zeitgeschichte gebührend gefeiert

Stolz schauten am vergangenen Pfingstwochenende nicht nur die Einwohner auf die letzten sieben Jahrhunderte zurück. Es kamen viele Besucher aus den Nachbargemeinden sowie ehemalige Amrichshäuser oder Personen, die Verwandtschaft im Künzelsauer Teilort haben: unter anderem aus München, aus Hamm, aus Untertürkheim oder aus Zürich. Immer wieder fielen sich Männer und Frauen verschiedener Generationen in die Arme. Jutta Ruck schwärmte: „Mir hat das Wiedersehen mit ehemaligen Amrichshäusern am besten gefallen.“ Los ging es bereits am Samstagnachmittag mit einer Busrundfahrt zu markanten Punkten rund um Amrichshausen. Beim Festakt am Abend war die Halle bis auf den letzten Platz gefüllt. Ortsvorsteher Gerhard Rudolph sagte in seiner Begrüßung, dass 700 Jahre für die Weltgeschichte eine kurze Zeit, aber für die Bürger von Amrichshausen etwas ganz Besonderes seien. Dieser ganz besondere Charme war auch in der Halle zu spüren, denn die Anwesenden lauschten gespannt den Grußworten der Ehrengäste. Stefan Neumann, Bürgermeister von Künzelsau, gratulierte herzlich und überreichte einen Scheck in Höhe von 1.400 Euro ( zwei mal 700 Euro), ehe er „viel Spaß beim Feiern“ wünschte.

Landrat Dr. Matthias Neth stellte den Zusammenhalt und das sehr gut funktionierende Dorfleben in den Fokus seiner Laudatio. „Amrichshausen hat eine gute Zukunft“, sagte er voraus. Stadtarchivar Stefan Kraut erläuterte die 700-jährige Geschichte, bevor  Christian Freiherr von Stetten zusammenfasste: „In Amrichshausen lohnt es sich zu leben.“ Abgerundet wurde der gelungene Abend mit einem lustigen Sketch, in dem der neue Künzelsauer Bürgermeister Neumann den beschaulichen Ort Amrichshausen kennen und lieben lernte. Diana Rudolph aus Kemmeten amüsierte sich prächtig: „Den Sketch fand ich prima – genau so, wie es halt in Amrichshausen ist.“

Am Sonntag gab es einen riesigen Besucheransturm – kein Wunder, war doch einiges geboten: Schleppertreff mit Ausstellung alter landwirtschaftlicher Geräte, ökumenischer Festgottesdienst in der Kirche Mariä Geburt sowie Kirchenführungen. Im Mittelpunkt aber stand der Rundweg unter dem Motto „Amrichshausen – früher und heute“. An verschiedenen Stationen wurde über das Ort verteilt alte Handwerkskunst präsentiert: Korbflechter, Drexler, Jäger und mehr. Tina Max aus Ohrenbach fand den Moststand von Paul Kaiser sehr interessant. „Ich hatte vorher noch nie so eine alte Presse gehen. Und der Apfelsaft war auch lecker.“ Pferde, Hasen und Co in der Ortsmitte faszinierten vor allem das junge Publikum. „Die Kids waren total begeistert“, so Julia Morschel. Auch das gesellige Miteinander kam während der beiden Tage nicht zu kurz. „Es war eine tolle Stimmung“, meinte Katrin Knorr aus Schnaihof und Manuala Knittel-Völkner aus Ohrenbach fügte hinzu: „Einfach ein rundum gelungenes Fest!“ Bis in die frühen Morgenstunden wurde in der Scheunenbar gefeiert und auf die nächsten 700 Jahre angestoßen.

 

 




Mund halten

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann

„Ja, wo sind sie denn, die Bürger?“, fragt SPD-Fraktionsvorsitzende Irmgard Kircher-Wieland, bevor die öffentliche Kreistagssitzung beginnt und zeigt mit dem Finger auf leere Stuhlreihen. Tatsächlich sind an dem vergangenen Donnerstagnachmittag, den 01. Juni 2017, nicht viele Bürger, vielleicht 30 in die Mehrzweckhalle nach Waldenburg gekommen, um zu hören, was die Kreisräte zur Zukunft der beiden Krankenhaus-Standorte Öhringen und Künzelsau zu sagen haben. Aber manche Bürger haben zu dieser Zeit vielleicht auch anderes zu tun: arbeiten zum Beispiel.

Kreistagssitzungen würden generell sicherlich mehr besucht werden, wenn sie abends und (siehe manche nicht mobilen Rentner) mit Nahverkehrsmitteln einfacher zu erreichen wären.
Warum habe man denn nicht eine offizielle Bürgerinformationsveranstaltung gemacht, die im Februar vom Landratsamt angekündigt und versprochen wurde? der Niedernhaller Christian König (SPD) winkt ab: Wir haben schon `zig öffentliche Kreistagssitzungen über dieses Thema gehabt, da kann jeder Bürger gern kommen.“ Aber das ist doch etwas völlig anderes als eine Bürgerinformationsveranstaltung?, hake ich nach. Das finde er nicht, so König. Ach nein?

Betrachten wir doch mal die Fakten: Die Bürger sitzen an den öffentlichen Kreistagssitzungen in den hinteren Reihen und lauschen den Vorträgen und Wortmeldungen der Kreisräte. Die Bürger, auch die Pressevertreter, dürfen keine Fragen stellen, geschweige denn, Wortmeldungen vorbringen. Filmen sei laut Landrat Dr. Matthias Neth auch nicht erlaubt. Bei der Bürgerinformationsveranstaltung wiederum, die angekündigt wurde, wollte man die Bürger bei dem Prozess mit ins Boot nehmen und einen offenen Austausch und Dialog suchen. Bürger dürften dabei auch eigene Vorschläge einbringen. Und jetzt: Alles Pustekuchen. Wer braucht das schon? Wir machen das Ding alleine.

Der Kurs war klar: Künzelsaus Krankenhaus werde geschlossen. Der Grund: Das Geldsäckchen, vom Sozialministerium Stuttgart gefüllt mit 51,5 Millionen Euro, das scheinbar über der ganzen Sitzung an der Decke zu hängen schien. Immer wieder verwiesen Kreistagsmitglieder auf dieses Geld, das man in jedem Fall nehmen müsse. Kein Wort davon, dass der Neubau vermutlich mehr als das Doppelte kosten wird. Kann der Öhringer Krankenhausneubau diese Verschuldung in der Zukunft überhaupt wieder hereinwirtschaften? Die Kreisräte sind guter Dinge, offizielle Zahlen hierzu gibt es aber bislang nicht. Dafür wurde der Standort Künzelsau eingehend von der Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) ob seiner wirtschaftlichen Zukunftstauglichkeit geprüft. Und so ganz durchgefallen ist der Standort –Überraschung – nicht. Sehr gut ausgestattet, sei er. Mit einem breiten Angebot. Es wäre durchaus möglich, den Standort weiter zu betreiben – in kleinerem Umfang als bisher, aber immerhin. Vorstellbar wären 30 stationäre und 30 Reha-Betten.

Auch Künzelsau Bürgermeister Stefan Neumann hätte gerne diese Umsetzung gehabt für seine Stadt. Aber da gibt es dieses Säckchen, das von der Decke baumelt.Und fast alle Kreisräte schauen wie hypnotisiert auf dieses Säckchen.

Da kann man doch die Frage stellen: Warum lässt man den Standort Künzelsau überhaupt so aufwändig und – vermutlich sehr teuer – prüfen, wenn das Ergebnis schon vorher klar ist: Die Mehrheit der Kreisräte will das Säckchen, das gibt es aber nur, wenn der Krankenhausstandort Künzelsau geschlossen wird. Ergo wird Künzelsau so oder so geschlossen. Wesentlich sinnvoller wäre es daher gewesen, zu prüfen, wie wirtschaftlich zukunftsfit Öhringen ist. Denn in diesen Standort soll nun hauptsächlich der Inhalt des Säckchens fließen. Jetzt – vor den Millionen-Neubau wäre der richtige Zeitpunkt hierfür und nicht wieder erst Jahre später.




Juni-Ausgabe

Das große Sterben –  unsere Juni-Ausgabe ab sofort überall im Kocher- und Jagsttal erhältlich

// Abonnenten erhalten unser GSCHWÄTZ direkt in ihren Briefkasten

Themen unter anderem:

// Der große Krankenhausreport: Was passiert, wenn Künzelsau geschlossen wird? Bekommen wir dann ein Versorgungsproblem? Zahlen, Daten und Fakten nicht nur vom Hohenlohe Krankenhaus, sondern auch von´m Diak in Schwäbisch Hall und dem Caritas-Krankenhaus in Bad Mergentheim

// Das große Fische-Sterben: Erst die Jagst, dann der Sindelbach. Fischwasserpächter erwägen Klage gegen Verunreinigung (Foto links unten: E-Befischung Ende Mai in der Jagst. privat))

// Das große Brot backen ohne Mehl: Mühlenbeck aus Sindeldorf richtet sich vollkommen neu aus (Foto unten Mitte: Mühlenbeck-Chef Hofmann. GSCHWÄTZ/Isabell Kähny)

// 60 Jahre Berner-Festakt. Aber wo waren die Mitarbeiter? (Karikatur unten rechts/Natalis Lorenz für GSCHWÄTZ)




„Es gibt eben nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen“

// Schließung Künzelsau ist so gut wie besiegelt
// Neumann appelliert an Kreisräte
// Neth: „Ein Krankenhaus muss sich betriebswirtschaftlich rechnen“

„Ich darf alle Protagonisten in einer Mäßigung im Ton bitten“, mit diesen Worten läutete Landrat Dr. Matthias Neth die gestrige Kreistagssitzung in der Mehrzweckhalle in Waldenburg ein. Es gab an der Sitzung mehr als nur Formalitäten zu klären.

Das Hauptthema aber war: Die anstehende Entscheidung, die der Kreistag nächste Woche am Freitag, den 9. Juni 2017, in Krautheim bei seiner nächsten Sitzung trifft. In der gestrigen Sitzung nun wurde aufgezeigt, warum die Kreisräte nächste Woche den Krankenhausstrukturfonds höchstwahrscheinlich annehmen und damit zugleich den Krankenhausstandort Künzelsau schließen werden.

Neth betonte, Ziel sei, auch für Künzelsau „eine gute Versorgungsqualität“ sicherzustellen. Die vom Landratsamt Hohenlohekreis und der Stadt Künzelsau beauftragte Beratungsfirma PricewaterhouseCoopers (PwC) hat  verschiedene Szenarien für den Standort Künzelsau ausgerechnet, welche Lösung für den Hohenlohekreis – unter rein  wirtschaftlichen Prämissen – die beste wäre. Fabian Schülke von PwC: Künzelsau hat ein „umfassendes, sehr breit gefächertes Angebot“. Aber: „Der Betrieb ist alles andere als wirtschaftlich.“ PwC hat daher mehrere Szenarien, wann Künzelsau wieder wirtschaftlich wäre und kommt zu dem Schluss: Szenario A würde bedeuten, das alles so bleibt wie es ist, wäre aber nicht wirtschaftlich,. Das von PwC und auch von Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann präferierte Szenario B beinhaltet noch 30 Planbetten und 30 Reha-Betten wird,so Schülke, vom Sozialministerium Baden-Württemberg abgelehnt.

Unterm Strich bleiben, so PwC, nur Szenarien übrig ohne stationäre Betten – unter Beachtung dessen, dass die Gelder des Krankenhausstrukturfonds von Stuttgart nur ausbezahlt werden, wenn der stationäre Standort Künzelsau geschlossen werde.

Einige Kreisräte wie Ute Oettinger Griese (FDP) haben genau dieses Argument auch betont: Man dürfe die [vom Sozialministerium]  angebotenen 51,5 Millionen Euro nicht in den Wind schlagen, ansonsten „stehen wir mit heruntergelassenen Hosen da“. Erika Bauer (Grüne) sieht das ähnlich: „Nur weil es für Künzelsau nicht den gewünschten Weg gibt, solle man auf über 50 Millionen Euro verzichten?“ Das ist für sie nicht vertretbar, da man die „besmtögliche Lösung für den Landkreis“ suchen müsse.
Kupferzells Bürgermeister Joachim Schaaf sagte im Bezug auf die reine Fokussierung auf Wirtschaftlichkeit: „Selten sind Krankenhäuser mit schwarzen Zahlen zu führen.“ Landrath Neth erwiderte darauf: „Unsere Vorgehensweise war immer: Ein Krankenhaus muss sich betriebswirtschaftlich rechnen.“

Eines der beiden möglichen Szenarien beinhaltet eine geriatrische Tages-/Rehaklinik für Künzelsau [Anm. d. Red.: Geriatrie bedeutet so viel wie Altersmedizin]. Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neuman stellte fest: „De facto haben wir  damit überhaupt keine Perspektive für Künzelsau.“ Es seien nur „vage Ideen“ im Raum. Er appellierte daher an die Kreisräte, den Krankenhausstrukturfonds nicht anzunehmen. Landrat Nett: „Ich verstehe, dass Sie das Thema kommentieren möchten. Aber die Kreisräte dürfen immer noch selbst entscheiden.“

Irmgard Kircher-Wieland (SPD) lag am Ende der Kreistagssitzung noch etwas am Herzen: „Die Beschuldigungen der Bürgerinitiative [Anm. d. Red.: zum Erhalt der beiden Krankenhausstandorte in Künzelsau und Öhringen] sind härter geworden. Wir Kreisräte müssen viel ertragen.“ Aber was man nicht tolerieren dürfe: „Dass die berufliche Existenz von Dr. Andor Toth [ehemaliger Geschäftsführer der Hohenlohe Krankenhaus]  in einem anderen Landkreis massiv beschädigt worden ist. Das ist nicht tolerierbar.“ Neth stimmte zu: „Das ist für mich niederträchtig.Wo ist der Zusammenhalt im Hohenlohekreis geblieben?, fragte er.
Thomas Föhl (FWV) bedankte sich bei Landrat Dr. Matthias Neth am Ende der Sitzung unter anderem dafür, dass er „immer ein Ansprechpartner für die Bürger“ gewesen sei und dass „Sie als Landrat so unglaublich viel Zeit investieren bei diesem Thema, um den Bürgern eine ordentliche Gesundheitsversorgung zu gewährleisten.“

Stefan Neumann betonte an dieser Stelle: „Es gibt Konflikte im Kreis, die wir momentan austragen. Aber es gibt eben nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Wir reden viel zu viel übereinander [Anm. der Kreisräte: Kreisräte und BI]. Aber darüber geht die Sache verloren. Wir müssen mehr auf die Sorgen, Ängste und Nöte der Bürger hören, zum Beispiel in Form von Bürgerdialogen, damit wir die Bevölkerung bei derartigen Themen auch mitnehmen.“

Landrath Neth erwiderte: „Wir können nur die Dinge kommunizieren, die wir auch halten können.“
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// Der weitere Ablauf:
Nächste Woche trifft der Kreistag die endgültige Entscheidung. Höchstwahrscheinlich werden die Kreisräte mit überwältigender Mehrheit die Gelder aus dem Krankenhausstrukturfonds und den stationären Standort Künzelsau schließen.
Der Kreisrat richtet einen Lenkungsausschuss unter Vorsitz von Landrat Dr. Matthias Neth unter Ausschluss der Öffentlichkeit ein. Die daran Beteiligten sind zur Verschwiegenheit verpflichtet) zum weiteren Vorgehen ein.
Bieter, auch private, wie Neth betonte, können ihre Angebote für die Mehrheitsanteile der Hohenlohe Krankenhaus gGmbH bis Ende Juli abgeben. Die private Ameos-Gruppe, die an beiden Standorten Interesse bekundet hat, wird aber von einigen Kreisräten als kein geeigneter Partner gesehen. Bis Ende des Jahres soll entschieden werden, wer den Zuschlag bekommt. Letzten Endes müsse aber kein Angebot angenommen werden, wenn keines richtig passe.
Ab 2019 sollen die Räume in Künzelsau zu einer geriatrischen Tagesklinik umgebaut werden. Die ersten stationären Betten würden nach Öhringen kommen. Bis 2022 soll die Schließung des stationären Krankenhausstandortes Künzelsau abgeschlossen sein.
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// Bild: Grafik, die wir in unserer aktuellen gedruckten Juni-Ausgabe von GSCHWÄTZ veröffentlicht haben. Auf der gestrigen Kreistagssitzung haben uns Kreisräte auf Fehler angesprochen, die uns bei dieser Grafik unterlaufen sind. Daher veröffentlichen wir an dieser Stelle die Grafik nochmals möglichst fehlerfrei und entschuldigen uns hierfür. Wir haben zudem das Datum für die Entscheidung aktualisiert, da die Entscheidung den Krankenhausstandort Künzelsau betreffend vom 01. Auf den 09. Juni 2017 vertagt wurde.




Entscheidung Krankenhaus am 09. Juni 2017 in Krautheim

An dieser Stelle veröffentlichen wir eine Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises:

Die nächste Sitzung des Kreistags des Hohenlohekreises ist am Freitag, den 9. Juni 2017 um 14:00 Uhr im Eugen-Seitz-Bürgerhaus, Götzstraße 49, 74238 Krautheim. Die Sitzung hat folgende

ÖFFENTLICHE TAGESORDNUNG:

1. Hohenloher Krankenhaus gGmbH

a) Zukünftige strukturelle Veränderungen und Förderung nach
der Krankenhausstrukturfonds-Verordnung (KHSFV)

[Anm. d. Red. GSCHWÄTZ: Annahme oder Ablehnung des Krankenhausstrukturfonds. Die Annahme ist gekoppelt mit einer Schließung des Krankenhausstandortes Künzelsau]

b) Änderung Feststellungsbescheid des Regierungspräsidiums Stuttgart
vom 28.12.2010
c) Ablauf Markterkundungsverfahren und Einrichtung Lenkungsausschuss

2. Verschiedenes

Die Bevölkerung ist zur Sitzung herzlich eingeladen.

Foto: GSCHWÄTZ




Dr. Eckle: „Diese Art der Vorbereitung ist dilettantisch“

// „Landrat und Kreisräte sind nicht unsere Herrscher“
// Landrat Neth: Riesenpotenzial bei „Menschen, die länger gesund alt werden“

Bei der 31. Demo zum Erhalt der beiden Krankenhausstandorte Künzelsau und Öhringen sprach Dr. Andreas Eckle, Sprecher der Bürgerinitiative (BI), am 31. Mai 2017 vor rund 300 Demonstranten von einer „dilettantischen Vorbereitung“.

Er spielte damit auf den geplanten Krankenhausneubau in der Kastellstraße in Öhringen an und verwies darauf, dass sich unter der Erdoberfläche des geplanten Neubaus ein altes Kastell befinde. „Wenn man da ein bischen gräbt, hat man über Nacht das Landesdenkmalamt da. Diese Art der Vorbereitung ist dilettantisch. Reinhold Würth wäre das nicht passiert“, sagte Eckle augenzwinkernd. Nicht nur bei der Planung des Neubaus in Öhringen und bei der Nichtplanung des Künzelsauer Standorts geht Eckle mit den Kreisräten hart ins Gericht, sondern auch mit ihrem Amtsverständnis.

Eckle: „Wir sind in einer Demokratie. Der Landrat und der Kreisrat sind nicht unsere Herrscher, sondern von uns beauftragt. Wir erwarten, dass sie ihre Aufgaben erledigen und sich uns stellen.“

Eckle zitierte unter anderem auch Dr. Matthias Neths Aussage, die in unserer neuen Juni-Ausgabe von GSCHWÄTZ zu finden ist und die Neth bei enerm Treffen mit dem Sozialverband Vdk-Ortsverband Künzelsau  Ende April geäußert hat: Riesenpotenzial sehe Neth „bei den Menschen, die länger gesund alt werden“. Diese Ressource werde heute noch nicht genutzt. Weiter sagte er: „Die Entwicklungsachse des Kreises liegt entlang der A6. Öhringen wird die Einwohnerzahlk von 25.000 überschreiten, während Künzelsau bei 15.000 Einwohnern stagnieren und massiv älter werden wird.“

// Mehr dazu und was es für die Einwohner des Kochertals bedeutet, wenn der Krankenhausstandort Künzelsau schließt, lesen Sie in unserer neuen Ausgabe von GSCHWÄTZ. Ab sofort im Einzelhandel.




Entscheidung Krankenhaus Künzelsau am 01. Juni 2017

// Land Baden-Württemberg hat Gelder für Neubau in Öhringen bewilligt
// Bürgerinitiative richtet Appell an die Kreisräte
// angekündigte Veranstaltung, um Bürger mit ins Boot zu holen, bislang nicht erfolgt
// Auftritt von Gravity-Frontsänger Buddy bei nächster Mittwochsdemo

Am Donnerstag, den 01. Juni 2917, entscheiden die Kreisräte in einer ausserordentlichen Sitzung über die Annahme des Krankenhausstrukturfonds.

Die beantragten Gelder aus diesem Fonds hat das Ministerium für Soziales in Stuttgart nun bewilligt. In einer offiziellen Pressemitteilung heißt es: „Insgesamt sollen 51,5 Millionen Euro in den Hohenlohekreis fließen.“ Sozialminister Manfred Lucha hierzu am gestrigen Donnerstag: „Der Landkreis Hohenlohe erhält mit dieser Förderung die einmalige Möglichkeit, seine Krankenhausstruktur zukunftsfähig zu machen und seinen Bürgern eine qualitativ hochwertige
und bedarfsgerechte medizinische Versorgung zur Verfügung zu stellen.“ Für das Land Baden-Württemberg sei die Strukturmaßnahme der Hohenloher Krankenhaus gGmbH ein
Vorzeigeprojekt. „Das Fundament für die Zukunft kann nun gelegt und das Antragsverfahren beim Bundesversicherungsamt eingeleitet werden, sobald der Kreistag endlich grünes Licht gibt.“

Landrat Dr. Matthias Neth: „Das Ministerium für Soziales und Integration hat unsere Richtung bestärkt. Mit den Mitteln
von Bund und Land können wir für die Menschen im Hohenlohekreis langfristig eine hochwertige, zukunftsfähige medizinische Versorgung sicherstellen und die damit verbundenen, dringend erforderlichen Umstrukturierungen vornehmen. Davon wird der
gesamte Hohenlohekreis profitieren. Wir werden eine Sondersitzung des Kreistags einberufen, denn letztendlich muss
der Kreistag entscheiden, ob wir diesen Weg jetzt gehen wollen. Klar ist, dass wir für den Standort Künzelsau die bestmögliche Lösung finden müssen. Dafür befinden wir uns gemeinsam mit der Stadt Künzelsau in einem Prozess, der sich mit der möglichen Ausgestaltung in Künzelsau beschäftigt.“

Der Kreisräte entscheiden nun in einer ausserordentlichen Sitzung am 01. Juni 2017, ob sie die Gelder annehmen. Das Geld soll hauptsächlich in einen Krankenhaus-Neubau in Öhringen fließen. Künzelsau als staionärer Krankenhausstandort soll zugemacht und zu einem „Medizinzentrum“ umgebaut werden. Was das genau bedeutet, ist bislang noch unklar.

Die Bürgerinitiative hat in ihrer 29. Mittwochsdemonstration am 17. Mai 2017 an die Kreisräte appelliert. Dr. Andreas Eckle verweist in seiner Rede auf den Neckar-Odenwald-Kreis. Das Krankenhaus habe 2015 einen Fehlbetrag von 6,5 Millionen Euro erwirtschaftet, das Krankenhaus werde dennoch nicht geschlossen. Eckle: „Wie sagte ein Kreisrat dort: Man dürfe sich weder von Ministern noch vom AOK-Landeschef einreden lassen, dass  Wald- und Wiesenkrankenhäuser keine Chance hätten und die Zukunft nur in Größen Zentren läge.“ Auch das Hohenlohe Krankenhaus sei vor nicht allzu langer Zeit profitabel gewesen. Nicht ohne Grund seien vor einigen Jahren Millionen in die Sanierung in den Künzelsauer Standort geflossen. „War der Ausbau, die Sanierung sinnlos? War das Verschwendung öffentlicher Mittel ?  Wieso hat der Kreistag dem zugestimmt? Wieso stimmt der Kreistag der Schließung dieses spezialisierten Standortes zu? Heute so, morgen so!?“. fragt Eckle.

Landrat Dr. Matthias Neth und Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann wollten eigentlich noch die Bürger mit einbeziehen in den Entscheidungsprozess um das örtliche Krankenhaus. In einer gemeinsamen Pressemitteilung vom 16. Februar 2017 hieß es: „Information, Transparenz und das Miteinbeziehen der Bevölkerung sind dabei ebenfalls ein wichtiges Anliegen. Die Bürgerinnen und Bürger erhalten die Möglichkeit unter Berücksichtigung der Vorgaben des KHSFV im Rahmen einer Veranstaltung im Frühjahr 2017 Anregungen zum Konzept für das Hohenloher Krankenhaus, insbesondere für Künzelsau, einzubringen.“ Diese Veranstaltung gab es bislang nicht.

// An der 30. Mittwochsdemo am 24. Mai 2017 wird Gravity-Frontsänger Buddy auf der Mittwochsdemo auftreten. Los geht es um 18.30 Uhr vor dem Eingang des Krankenhauses Künzelsau.




Fotowettbewerb: So schön ist Europa

// Bis 31. Juli 2017 können Hobbyfotografen Reisebilder von landestypischen europäischen Baustilen, Brauchtümern und Landschaften einreichen

Das baden-württembergische Ministerium der Justiz und für Europa und die Vertretung der Europäischen Kommission in München laden alle Hobby-Fotografinnen und Fotografen dazu ein, ihre schönsten Reisebilder aus den 28 Mitgliedstaaten der EU für einen Fotowettbewerb einzureichen. Die besten Bilder werden von einer Jury ausgewählt und in einem Europakalender veröffentlicht. Zu gewinnen gibt es eine Reise nach Straßburg.

Zugelassen werden alle Bilder, die in einem der Mitgliedstaaten der Europäischen Union aufgenommen wurden. Jeder Teilnehmer kann bis zu drei Digitalbilder einsenden. Mitmachen kann jeder, der in Baden-Württemberg lebt, egal welchen Alters. Unter allen Einsendungen, die bis zum 31. Juli 2017 unter europa@jum.bwl.de eingehen, ermittelt eine unabhängige Jury die 13 besten Fotos. Die Bilder müssen im Querformat aufgenommen sein und eine Bildmindestauflösung von 300dpi aufweisen. Zulässig sind ausschließlich Bilder im JPEG-Format. Der E-Mail sind die Kontaktdaten (Name, Anschrift, Telefon, E-Mail), das Geburtsdatums sowie eine kurze Motiverläuterung (Ort, Baustil oder Brauchtum) beizufügen.

Weitere Informationen gibt es unter www.facebook.com/BadenWuerttembergInEuropa oder im Landratsamt Hohenlohekreis bei der

Stabsstelle Kreisentwicklung und Europaunter Tel: 07940 18-272 oder per E-Mail: Hellemann-Brenner@Hohenlohekreis.de.




97 Personen erhalten deutsche Staatsbürgerschaft

// Einbürgerungsfeier des Hohenlohekreises
// Großteil aus Griechenland
// „klares Bekenntnis zu Deutschland“

Es folgt eine Pressemitteilung des Landratsamtes Hohenlohekreis:

In einer Feierstunde im Landratsamt Hohenlohekreis ehrte Erster Landesbeamter Gotthard Wirth am Dienstag, den 23. Mai 2017, die neuen deutschen Staatsbürger. Seit der letzten Einbürgerungsfeier im Mai 2016 sind im Hohenlohekreis insgesamt 97 Personen aus 31 Nationen eingebürgert worden. Den größten Anteil hatten griechische Mitbürger, gefolgt von Mitbürgern aus Kroatien und Vietnam. Aber auch Personen aus Tschechien, Tunesien oder Amerika erhielten die deutsche Staatsangehörigkeit.

In seiner Ansprache hob Wirth die Bedeutung der Einbürgerung hervor. „Ihr klares Bekenntnis zu Deutschland, Deutsche beziehungsweise Deutscher sein zu wollen, ist eine Bereicherung für unser Land und für unseren Landkreis.“
Er ermunterte die Neueingebürgerten, sich für das gesellschaftliche und politische Leben in Deutschland zu interessieren und sich auch durch ehrenamtliches Engagement daran zu beteiligen.

// Bild: Erster Landesbeamter Gotthard Wirth und die Leiterin des Amtes für Ordnung und Zuwanderung Catharina Allerborn (hintere Reihe) zusammen mit den neuen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern bei der Einbürgerungsfeier im Landratsamt Hohenlohekreis.

 




Buddy: „Dieser Weg wird kein leichter sein“

Auf der 30. Mittwochsdemo für den Erhalt des Krankenhauses Künzelsau am 25. Mai 2017 hat Sebastian „Buddy“ Faber die Demonstranten mit zwei Liedern begeistert. Das erste Lied, das der Gravity-Frontsänger sang: Dieser Weg wird kein leichter sein von Xavier Naidoo.