// Schließung Künzelsau ist so gut wie besiegelt
// Neumann appelliert an Kreisräte
// Neth: „Ein Krankenhaus muss sich betriebswirtschaftlich rechnen“
„Ich darf alle Protagonisten in einer Mäßigung im Ton bitten“, mit diesen Worten läutete Landrat Dr. Matthias Neth die gestrige Kreistagssitzung in der Mehrzweckhalle in Waldenburg ein. Es gab an der Sitzung mehr als nur Formalitäten zu klären.
Das Hauptthema aber war: Die anstehende Entscheidung, die der Kreistag nächste Woche am Freitag, den 9. Juni 2017, in Krautheim bei seiner nächsten Sitzung trifft. In der gestrigen Sitzung nun wurde aufgezeigt, warum die Kreisräte nächste Woche den Krankenhausstrukturfonds höchstwahrscheinlich annehmen und damit zugleich den Krankenhausstandort Künzelsau schließen werden.
Neth betonte, Ziel sei, auch für Künzelsau „eine gute Versorgungsqualität“ sicherzustellen. Die vom Landratsamt Hohenlohekreis und der Stadt Künzelsau beauftragte Beratungsfirma PricewaterhouseCoopers (PwC) hat verschiedene Szenarien für den Standort Künzelsau ausgerechnet, welche Lösung für den Hohenlohekreis – unter rein wirtschaftlichen Prämissen – die beste wäre. Fabian Schülke von PwC: Künzelsau hat ein „umfassendes, sehr breit gefächertes Angebot“. Aber: „Der Betrieb ist alles andere als wirtschaftlich.“ PwC hat daher mehrere Szenarien, wann Künzelsau wieder wirtschaftlich wäre und kommt zu dem Schluss: Szenario A würde bedeuten, das alles so bleibt wie es ist, wäre aber nicht wirtschaftlich,. Das von PwC und auch von Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann präferierte Szenario B beinhaltet noch 30 Planbetten und 30 Reha-Betten wird,so Schülke, vom Sozialministerium Baden-Württemberg abgelehnt.
Unterm Strich bleiben, so PwC, nur Szenarien übrig ohne stationäre Betten – unter Beachtung dessen, dass die Gelder des Krankenhausstrukturfonds von Stuttgart nur ausbezahlt werden, wenn der stationäre Standort Künzelsau geschlossen werde.
Einige Kreisräte wie Ute Oettinger Griese (FDP) haben genau dieses Argument auch betont: Man dürfe die [vom Sozialministerium] angebotenen 51,5 Millionen Euro nicht in den Wind schlagen, ansonsten „stehen wir mit heruntergelassenen Hosen da“. Erika Bauer (Grüne) sieht das ähnlich: „Nur weil es für Künzelsau nicht den gewünschten Weg gibt, solle man auf über 50 Millionen Euro verzichten?“ Das ist für sie nicht vertretbar, da man die „besmtögliche Lösung für den Landkreis“ suchen müsse.
Kupferzells Bürgermeister Joachim Schaaf sagte im Bezug auf die reine Fokussierung auf Wirtschaftlichkeit: „Selten sind Krankenhäuser mit schwarzen Zahlen zu führen.“ Landrath Neth erwiderte darauf: „Unsere Vorgehensweise war immer: Ein Krankenhaus muss sich betriebswirtschaftlich rechnen.“
Eines der beiden möglichen Szenarien beinhaltet eine geriatrische Tages-/Rehaklinik für Künzelsau [Anm. d. Red.: Geriatrie bedeutet so viel wie Altersmedizin]. Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neuman stellte fest: „De facto haben wir damit überhaupt keine Perspektive für Künzelsau.“ Es seien nur „vage Ideen“ im Raum. Er appellierte daher an die Kreisräte, den Krankenhausstrukturfonds nicht anzunehmen. Landrat Nett: „Ich verstehe, dass Sie das Thema kommentieren möchten. Aber die Kreisräte dürfen immer noch selbst entscheiden.“
Irmgard Kircher-Wieland (SPD) lag am Ende der Kreistagssitzung noch etwas am Herzen: „Die Beschuldigungen der Bürgerinitiative [Anm. d. Red.: zum Erhalt der beiden Krankenhausstandorte in Künzelsau und Öhringen] sind härter geworden. Wir Kreisräte müssen viel ertragen.“ Aber was man nicht tolerieren dürfe: „Dass die berufliche Existenz von Dr. Andor Toth [ehemaliger Geschäftsführer der Hohenlohe Krankenhaus] in einem anderen Landkreis massiv beschädigt worden ist. Das ist nicht tolerierbar.“ Neth stimmte zu: „Das ist für mich niederträchtig.Wo ist der Zusammenhalt im Hohenlohekreis geblieben?, fragte er.
Thomas Föhl (FWV) bedankte sich bei Landrat Dr. Matthias Neth am Ende der Sitzung unter anderem dafür, dass er „immer ein Ansprechpartner für die Bürger“ gewesen sei und dass „Sie als Landrat so unglaublich viel Zeit investieren bei diesem Thema, um den Bürgern eine ordentliche Gesundheitsversorgung zu gewährleisten.“
Stefan Neumann betonte an dieser Stelle: „Es gibt Konflikte im Kreis, die wir momentan austragen. Aber es gibt eben nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Wir reden viel zu viel übereinander [Anm. der Kreisräte: Kreisräte und BI]. Aber darüber geht die Sache verloren. Wir müssen mehr auf die Sorgen, Ängste und Nöte der Bürger hören, zum Beispiel in Form von Bürgerdialogen, damit wir die Bevölkerung bei derartigen Themen auch mitnehmen.“
Landrath Neth erwiderte: „Wir können nur die Dinge kommunizieren, die wir auch halten können.“
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// Der weitere Ablauf:
Nächste Woche trifft der Kreistag die endgültige Entscheidung. Höchstwahrscheinlich werden die Kreisräte mit überwältigender Mehrheit die Gelder aus dem Krankenhausstrukturfonds und den stationären Standort Künzelsau schließen.
Der Kreisrat richtet einen Lenkungsausschuss unter Vorsitz von Landrat Dr. Matthias Neth unter Ausschluss der Öffentlichkeit ein. Die daran Beteiligten sind zur Verschwiegenheit verpflichtet) zum weiteren Vorgehen ein.
Bieter, auch private, wie Neth betonte, können ihre Angebote für die Mehrheitsanteile der Hohenlohe Krankenhaus gGmbH bis Ende Juli abgeben. Die private Ameos-Gruppe, die an beiden Standorten Interesse bekundet hat, wird aber von einigen Kreisräten als kein geeigneter Partner gesehen. Bis Ende des Jahres soll entschieden werden, wer den Zuschlag bekommt. Letzten Endes müsse aber kein Angebot angenommen werden, wenn keines richtig passe.
Ab 2019 sollen die Räume in Künzelsau zu einer geriatrischen Tagesklinik umgebaut werden. Die ersten stationären Betten würden nach Öhringen kommen. Bis 2022 soll die Schließung des stationären Krankenhausstandortes Künzelsau abgeschlossen sein.
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// Bild: Grafik, die wir in unserer aktuellen gedruckten Juni-Ausgabe von GSCHWÄTZ veröffentlicht haben. Auf der gestrigen Kreistagssitzung haben uns Kreisräte auf Fehler angesprochen, die uns bei dieser Grafik unterlaufen sind. Daher veröffentlichen wir an dieser Stelle die Grafik nochmals möglichst fehlerfrei und entschuldigen uns hierfür. Wir haben zudem das Datum für die Entscheidung aktualisiert, da die Entscheidung den Krankenhausstandort Künzelsau betreffend vom 01. Auf den 09. Juni 2017 vertagt wurde.