Note 1,9 für Wirtschaft, Note 3,9 für öffentlichen Nahverkehr
// Bürgermeister, Gemeinderäte und Ortsvorsteher bewerten Hohenlohekreis
// Dörzbach, Krautheim, Ingelfingen, Künzelsau und Kupferzell sehen Probleme bei Gesundheitsversorgung
// Handlungsbedarf beim öffentlicher Nahverkehr
// in vielen Teilorten keine Lebensmittelversorgung mehr
// im September/Oktober Befragung ausgewählter Bürger
Die Folie des Beamers zeigt eine Tabelle, die in drei unterschiedliche Farben aufgeteilt ist: Grün, gelb und orange. Grün bedeutet: gute Qualität. Grün hinterlegt sind: Arbeitsplätze (Platz 1), Wirtschaft (Platz 2), Vereine (Platz 3), Lebensqualität, Kinderbetreuung, Bildung und Zusammenleben und Gemeinschaft.
Das bedeutet: der Hohenlohekreis steht insgesamt in diesen Feldern gut da. Wer sagt das? Bürgermeister, Ortsvorsteher und Gemeinderäte des Hohenlohekreises, die an einer aktuellen Umfrage des Beratungsbüros Plan_N teilgenommen haben.
Während Wirtschaft im Durchschnitt mit der Note 1,9 bewertet wurde, liegt der öffentliche Nahverkehr mit der Note 3,9 auf dem letzten Platz. Im unteren Drittel mit der Note 3,1 bewegt sich das Thema Gesundheitsversorgung sowie Tourismus (Note 3,2), Naturschutz liegt mit der Note 2,7 im Mittelfeld.
Das Landratsamt hat die Studie in Auftrag gegeben. Unter dem Titel „Zukunft HOK“ soll bis Herbst 2018 aufgezeigt werden: Wie steht der Hohenlohekreis insgesamt da? Was sind die Stärken des Kreises, wo sind Defizite? Am Auswertungsende sollen bestenfalls, so Gotthard Wirth, erster Landesbeamter des Landratsamtes Hohenlohekreis, schon konkrete Projekte stehen, mit welchen man den Defiziten entgegensteuern könne. Ein großes Problem sei der Fachkräftemangel und damit verbunden „Menschen von ausserhalb generell in den Hohenlohekreis zum leben und arbeiten zu locken“.
In der ersten Befragungsrunde nun kamen kommunale Vertreter, also Bürgermeister, Gemeinderäte und Ortsvorsteher aller 16 Gesamtgemeinden mit ihren 117 Teilorten zu Wort – (wobei die Befragung und Auswertung noch läuft; 300 von insgesamt 785 befragten Personen haben Stand heute an der Umfrage teilgenommen), zudem wurden die Städte und Gemeinden sowie die Teilorte auf eine detaillierte Bestandsaufnahme abgeklopft (was gibt es vor Ort, was fehlt?).
Die ersten Ergebnisse zeigen: 61 Prozent der Befragten sehen einen großen Handlungsbedarf in der Gesundheitsversorgung (wobei Wirth beim heutigen Pressegespräch betonte, dass vor allem im Jagsttal wohl nicht so sehr das wegfallende Krankenhaus in Künzelsau eine Rolle spiele, sondern der drohende Ärztemangel). Gemeinden, die besonders Probleme in der Gesundheitsversorgung sehen, sind laut Dr. Barbara Malburg-Graf von Plan_N:
Dörzbach, Krautheim, Ingelfingen, Künzelsau und Kupferzell. 39 Prozent der Befragten sehen beim Thema Wohnen Handlungsbedarf. Iinwiefern – ob zu wenig Wohnraum und/oder zu teure Wohnangebote etc. – lies sich aus den ersten Ergebnissen noch nicht ableiten. Aber unter anderem zeigt die Bestandsaufnahme, dass es beispielsweise in rund Zwei Dritteln von 35 Teilorten unter 1000 Einwohner keine Lebensmittelversorgung mehr gibt. Immer mehr Tante-Emma-Läden verschwinden etwa. Bei der Gesundheitsversorgung sieht es ähnlich mau aus: In 41 Orten unter 1450 Einwohner gäbe es keinen Allgemeinarzt und/oder keine Apotheke. Weißbach etwa habe laut Malburg-Graf keine Apotheke.
Das größte Defizit in den Teilorten sehen die befragten kommunalen Vetreter beim Thema öffentlicher Nahverkehr.
Rund 100.000 Euro sind laut Wirth für die Erarbeitung eines Zukunftskonzepts für den Hohenlohekreis im Haushalt eingeplant. Die Projekte und Maßnahmen, die sich daran bestenfalls anschließen, sind dabei noch nicht mit eingerechnet.
Wie geht es nun weiter?
In einzelnen Arbeitsgremien mit unterschiedlichen Schwerpunkten erarbeiten unter anderem Kreisräte und Experten zu den jeweiligen Sachgebieten (etwa das staatliche Schulamt beim Thema Bildung) die weiteren Schritte. Laut Martin Hellermann-Brenner von der Stabsstelle Kreisentwicklung im Landratsamt sind für September/Oktober Bürgerbeteiligungen geplant mit jeweils zwölf Bürgern aus vier Gebietskulissen, die nach dem Zufallsprinzip ausgewählt werden. Die vier Gebietskulissen teilen sich wie folgt auf:
Gebiet 1: Jagsttal
Gebiet 2: Kochertal (Künzelsau, Kupferzell, Waldenburg, Neuenstein)
Gebiet 3: Forchtenberg, Niedernhall, Weißbach Ingelfingen
Gebiet 4: Öhringen, Bretzfeld, Zweiflingen, Pfedelbach
Zusätzlich sei im Februar 2018 eine Bürgerforum für alle Kreisbewohner geplant, eine Veranstaltung, bei der Einwohner ihre Interessen bekunden können.
Bild 1 // In Weissbach gibt es zwar einen kleinen Supermarkt, aber keine Apotheke
Bild 2 // Ein Theater gibt es in Dörzbach (hier zu sehen: Stefanie Goes und Christoph Soldan mit dem erst kürzlich verstorbenen Peter Härtling. Foto: privat). Aber in der Geswundheitsversorgung sehen kommunale Vertreter Handlungsbedarf
Bild 3 // Der Tourismus könnte mehr angekurbelt werden. Hier zu sehen: Der Hollenbacher See, der in unserer aktuellen GSCHWÄTZ-Ausgabe auf dem 1. Platz bei unserem Badeseen-Ranking landet. Foto: GSCHWÄTZ
Bidl 4 // Der naturwissenschaftliche Raum im Ganerben-Gymnasium. Foto: Ganerben-Gymnasium