Im September 2023 sollen wieder gleichzeitig alle Handys und Sirenen aufheulen. Was bei den vorangegangenen Mal im Dezember 2022 nicht wirklich gut geklappt hat, soll dieses Mal vermutlich besser werden. Bürger:innen fragen sich, was es damit auf sich hat. Möchte sich die Regierung auf einen möglichen Kriegsangriff vorbereiten?
In Deutschland werden am 14. September erneut die Warnsysteme getestet – zum bundesweiten Warntag.
Hochwasser, Großbrand oder Fliegerbombenfund: In Krisen- oder Katastrophenfällen ist es wichtig, dass die Bevölkerung rechtzeitig gewarnt werden kann. Daher findet am 14. September 2023 wieder ein bundesweiter Warntag statt.
Spätestens nach der verheerenden Flutkatastrophe im Ahrtal im Sommer 2021 war klar, wie wichtig funktionierende Warnsysteme sind. Damals wurden viele Menschen nicht rechtzeitig über die Gefahren durch das Hochwasser informiert. In der Folge wurde unter anderem das sogenannte Cell Broadcast Warnsystem eingeführt, um Handynutzer unabhängig von der Installation einer Warnapp auf Katastrophen aufmerksam machen zu können.
Der bundesweite Warntag hat zum Ziel, die bestehenden Warnsysteme zu prüfen und die Menschen darüber zu informieren, wie sie im Notfall handeln sollen. 2020 fand er erstmalig statt – mit gravierenden Pannen. 2021 fiel er aus, 2022 gab es erneut einen Test, bei dem eine weitaus positivere Bilanz gezogen wurde.
Was gilt es am bundesweiten Warntag am 14. September 2023 zu beachten? Alle Informationen auf einen Blick.
Warntag 2023: Warum heulen die Sirenen?
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) löst um 11 Uhr einen Probealarm in Deutschland mit der höchsten Warnstufe 1 aus. Ein Warntext wird an alle verschickt, die an das Warnsystem des Bundes angeschlossen sind – beispielsweise Rundfunksender und App-Server. Diese versenden dann die Probewarnung. Da es sich um einen Test handelt, müssen diejenigen, die diese Warnung empfangen, nichts weiter tun. Um 11.45 Uhr folgt dann die Entwarnung.
Nur wer eine spezielle App hat, wird informiert
Warnapps sollen unverzüglich über Gefahrenlagen informieren. Die offizielle Warnapp des Bundes ist „NINA (Notfall-Informations- und Nachrichten-App)“. Sie wurde vom BBK entwickelt. Die App ermöglicht sowohl Warnungen für frei wählbare Gebiete, als auch den aktuellen Standort anzeigen zu lassen. Über „NINA“ werden folgende Warnungen verschickt:
- Warnmeldungen des Bevölkerungsschutzes
- Wetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes
- Hochwasserinformationen
Die Probewarnung am 14. September über „NINA“ bekommt nur, wer die App auf seinem Smartphone installiert hat.
Neben NINA gibt es weitere Warnapps: „KATWARN“ wurde vom Fraunhofer-Institut entwickelt. Nutzer erhalten hier sowohl Benachrichtigungen von Bund und Ländern, als auch Warnhinweise von den Betrieben kritischer Infrastrukturen. Zudem gibt es die Anwendung „BIWAPP (Bürger Info & Warn App)“, ebenfalls von einem privaten Entwickler. Sie warnt vor Katastrophenlagen und bietet zudem Informationen zu lokalen Ereignissen wie geschlossenen Schulen oder gesperrten Straßen.
Über ein anderes Warnsystem werden alle Betroffenen gewarnt
Das Cell Broadcast Warnsystem ergänzt die bereits vorhandene Warnstruktur bestehend aus Sirenen, Rundfunk, TV oder Apps. Auch ohne eine installierte App alarmiert der Cell Broadcast die Menschen in dem gefährdeten Bereich. Alle Menschen, die mit ihrem Handy in der betroffenen Funkzelle eingeloggt sind, bekommen dann automatisch eine Benachrichtigung. Übermittelt wird die Warnung über alle deutschen Netzbetreiber.
Ein halbes Jahr nach seiner Einführung in Deutschland ist das Cell Broadcast in Sachsen fünfmal eingesetzt worden (Stand: 23. August 2023). In allen Fällen ging es dabei um konkrete Gefahren. So wurde unter anderem im April im Zusammenhang mit dem Fund einer Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gewarnt.
In ganz Deutschland erfolgten in den sechs Monaten seit der Einführung der Handy-Warnungen am 23. Februar 138 Meldungen zu Ereignissen wie Großbränden, Kriegsbomben, heftigen Gewittern, Orkanböen, Starkregen, und Überflutungen. In Nordrhein-Westfalen gab es 39 Warnungen, in Mecklenburg-Vorpommern nur eine. An zweiter Stelle steht Rheinland-Pfalz mit 34 Warnungen, gefolgt von Niedersachsen mit 20.
Diverse Bürger:innen könnten sich auch vorstellen, dass die Bevölkerung über diese Systeme bei einem möglichen Kriegsangriff zum Einsatz kommen, falls der Ukraine-Krieg sich noch auf andere Länder ausdehnen sollte. Auch möglich wäre ein Einsatz dieser Warnsysteme bei einer erneuten Pandemie zum Erreichen möglichst vieler Bürger:innen.

Über welche Kanäle werden Menschen noch gewarnt?
Grundsätzlich müssen sich Bundesländer und Kommunen um die einzelnen Kommunikationswege kümmern, der Bund löst den Probe-Warnfall am 14. September lediglich aus. Außer über Sirenen, Warn-Apps sowie das sogenannte Cell Broadcast gibt es auch noch folgende Warnmöglichkeiten:
- Medien/Presse: Fernseh- und Radiosender sollen im Katastrophen- oder Verteidigungsfall ihr Programm für eine Warnung unterbrechen beziehungsweise einen Lauftext einblenden. Das ist auch deshalb wichtig, weil Bürger, wenn sie einen Sirenenalarm hören, konkrete Informationen brauchen, damit sie wissen, wie sie sich in Sicherheit bringen können. Ihre Teilnahme am Warntag haben mehrere Dutzend Öffentlich-Rechtliche und private Sender zugesagt. Auch auf deren Internetseiten soll gewarnt werden.
- Informationstafeln: In zahlreichen Großstädten, aber auch auf vielen Bahnhöfen soll im Katastrophenfall oder bei einem Probealarm auf den Leuchttafeln eine Warnung angezeigt werden.
Wie sollten Menschen auf eine Warnung reagieren?
Mit jeder Warnung erhält die Bevölkerung in der Regel auch Empfehlungen, was sie zum Schutz tun kann oder wie sie auf die Bedrohung reagieren soll. Auch gibt es Hinweise, wo weiterführende Informationen zu finden sind. Das BBK informiert auf seiner Internetseite ausführlich über Tipps und Empfehlungen, angepasst auf die einzelnen Notsituationen.
Mit verschiedenen Vorsorgemaßnahmen können sich Menschen außerdem schon vorab auf Notsituationen vorbereiten. Dazu zählt, sich über bestehende Warnmeldungen zu informieren und beispielsweise bei angekündigten starken Unwettern das Zuhause möglichst nicht zu verlassen. Auch sollten alle Bundesbürger einen Vorrat an Lebensmitteln für zehn Tage vorhalten können, so das BBK.
Am bundesweiten Warntag am 14. September muss die Bevölkerung allerdings nicht reagieren. Es wird keine Handlungsempfehlung geben.