1

Frisch gedruckt: Unsere GSCHWÄTZ-Januar-Ausgabe

// Interne Prüfungen beim Deutschen Roten Kreuz (DRK): Was unterscheidet Malteser, ASB und diverse andere Verbände vom DRK Hohenlohe? Sie zahlen Steuern beim Verkauf von Kleiderspenden aus Altkleidercontainern. Derzeit laufen interne Untersuchungen, ob es rechtens ist, dass der DRK Hohenlohe keine Steuern diesbezüglich abführt. Was sagt der Präsident des DRK, Landrat Dr. Matthias Neth, dazu?

// Hetzer oder Held? Dr. Andreas Eckle äussert sich im Interview zu den Vorwürfen gegen seine Person, die von Kreisräten, dem Landrat und der hiesigen Tagespresse gegen ihn erhoben wurden und sagt, warum das Krankenhaus Künzelsau nie hätte geschlossen werden dürfen

// 30 Jahre Gonzo live. Der Musiker aus Künzelsau, der weltweit Auftritte hat, öffnet uns seine Türen zu seinem Palast und hat mit uns über Tinder, Star Wars und das Wichtigste in seinem Leben gesprochen.

Ab heute überall zu kaufen: Unsere frisch gedruckte GSCHWÄTZ-Januar-Ausgabe // Mehr wissen // Wir lieben unser Ländle //




Dr. Krist entlastet BI-Sprecher Andreas Eckle

An der  37. Mittwochsdemo der Bürgerinitiative Pro Krankenhaus Künzelsau (BI) am 20. Dezember 2017 vor dem Krankenhauseingang in Künzelsau gab es einige Menschen, die sich zu Wort gemeldet  und Dr. Andreas Eckle, den Sprecher der BI, verteidigt haben. Vorausgegangen waren in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder Angriffe gegen den BI-Sprecher von Seiten des Kreistags und der hiesigen Tagespresse, der Heilbronner Stimme, die Eckle vorwarfen, eine Hetzkampagne gegen den ehemaligen Krankenhaus-Geschäftsführer Dr. Andor Toth zu betreiben, so dass dieser letzten Endes eine Stelle am Zollernalb-Klinikum nicht bekam. Nachdem Eckle in den vergangenen Wochen dadurch immer mehr unter Druck geraten war, haben sich nun mehrere Bürger wie Ärzte öffentlich geäussert, Eckle verteidigt und entlastet.

Besonders das kurze Statement von Dr. Matthias Krist lies die zirka 200 anwesenden Demonstranten aufhorchen. Der HNO-Arzt aus Künzelsau wollte eigentlich nichts sagen, wie er betonte. Aber „nachdem ich gesehen habe, wie auf intrigante Weise mit Herrn Eckle in der Öffentlichkeit umgegangen wird, möchte ich eine Aussage machen“. Und das, was er zu sagen hatte, hatte Gewicht: „Ich bin persönlich von verschiedenen Leuten, Ärzten und Nicht-Ärzten, aus dem Zollernalbkreis in meiner Praxis angerufen worden. Diese Leute waren bereits informiert über Herr Toth, inklusive der Prozesse, die er verloren hatte.“ Krist wurde von den Anrufern gefragt, ob das alles stimme, was man von Toth gehört habe. Krist entgegnete: „Ja, das stimmt. Das heißt“, so Krist weiter, „wir sind angerufen worden. Wir haben niemanden angerufen.“

Kreisräte und die hiesige Tagespresse, die Heilbronner Stimme, warfen der BI und Eckle in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder vor, Schuld an der Nicht-Einstellung Toths im Zollernalbkreis zu sein und unter anderem im Zollernalbkreis angerufen und Stimmung gegen Toth gemacht zu haben. Dr. Andor Toth war bis Anfang des Jahres 2017 Geschäftsführer der Hohenloher Krankenhauses gGmbH (HK), bevor der Kreisrat beschlossen hat, einen anderen Geschäftsführer hierzu einzustellen. Kritiker werfen Toth Missmanagement vor.

Auch einige Bürger haben sich zu Wort gemeldet, unter anderem Robert Beck. Er kritisierte die Abwertung der Demonstranten in der regionalen Tagespresse: „Hier demonstrieren nur normale Bürger. Für uns ist die Schließung des Krankenhauses Künzelsau ein Verbrechen am Bürger und der Gesundheitsversorgung vor Ort im ländlichen Raum.“

Auch der AfD-Landtagsabgeordnete Anton Baron war vor Ort an der Demo ebenso wie der stellvertretende SPD-Kreisvorsitzende Hans-Jürgen Saknus und der Hohenlohe-unzensiert-Blogger Matthias Lauterer. Man wolle das Bieterverfahren, das demnächst abgeschlossen sein müsste, abwarten und verfolgen, wer nun der neue Mehrheitseigener der HK werde, so die BI zum weiteren Vorgehen. Interesse bekundet hatten unter anderem das Caritas-Krankenhaus in Bad Mergentheim sowie das Diak in Schwäbisch Hall. Der private Investor Ameos war interessiert an beiden Standorten, sowohl an Künzelsau als auch an Öhringen.

 




Es klopft bei Wanja in der Nacht

Hier erzählt das Marionettentheater Pendel, Marlene Gmelin und Detflef Schmelz, in Ingelfingen-Hermuthausen mit ihren selbst gebauten Marionetten eine bezaubernde Wintergeschichte, in der es darum geht, wie in schweren Zeiten Freund und Feind zusammenrücken. Wir durften im Theater vor Ort bei der Aufführung „Es klopft bei Wanja in der Nacht“ filmen. Die nächsten Termine des Theaters sind:

// Samstag, den 30. Dezember 2017, 15 Uhr, „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzchen“, 60 Minuten, für Erwachsene und Kinder ab fünf Jahren

// Freitag, den 06. Januar 2018, 15 Uhr, „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzchen“, 60 Minuten, für Erwachsene und Kinder ab fünf Jahren

// Samstag, den 27. Januar 2018, 15 Uhr, Wintergeschichten, 40 Minuten, für Kinder ab drei Jahren

// Sonntag, den 28. Januar 2018, 15 Uhr, Geschichten ohne Worte, 50 Minuten, für Erwachsene und Kinder ab fünf Jahren

// Freitag, den 30. März 2018, 15 Uhr, „Peter und der Wolf“, 50 Minuten, für Erwachsene und Kinder ab fünf Jahren

// Montag, den 02. April 2018, 15 Uhr, „Peter und der Wolf“, 50 Minuten, für Erwachsene und Kinder ab fünf Jahren

http://www.pendelmarionetten.de




Nikolaus goes Motorrad

Text Peggy Schmidt; Fotos Uwe Rothenberger

Bereits zum zweiten Mal fand in Künzelsau der „Christmas rides for kids“ statt. Am 16. Dezember 2017 trafen sich
gegen elf Uhr Uhr knapp ein Dutzend als Nikolaus und Engel verkleidete Motorradfahrer am Mc Donalds
in Künzelsau und drehten mit ihren weihnachtlich geschmückten Bikes ein paar Runden durch die Stadt.
Warum? Alles für einen guten Zweck. Denn die Fahrt endete am alten Rathaus in Künzelsau wo fleißig
Bratwürste, Glühwein „Heißer Hirsch“, Punsch, Waffeln und Cup Cakes bis zum Nachmittag verkauft
wurden. Die kompletten Einnahmen und Spenden werden ans Diakonie Krankenhaus nach Schwäbisch Hall
gespendet, nämlich für die „Klinik Clowns“. Die Clowns sorgen dafür, dass Kinder, die einige Tage und
Wochen stationär aufgenommen werden eine tolle und lustige Abwechslung erleben können. So klappt es
dann auch viel besser mit dem gesund werden. „Umso mehr freut es uns das wir im Januar 2018 einen
Scheck in Höhe von 1200 Euro überreichen können“, sagt Joachim Schmitt von den „Christmas rides for kids“.

Finden Sie diese Aktion auch toll? Dann unterstützen Sie den „Christmas rides for kids“ auch im nächsten
Jahr, der Termin steht schon fest. Am 15. Dezember 2018 werden erneut Weihnachtsmänner und Engel auf ihren
heißen Öfen durch Künzelsau knattern, um auch im darauf folgenden Jahr wieder Kinderherzen in
Krankenhäusern, beim Anblick der lustigen „Klinik Clowns“, höher schlagen zu lassen.

Ein ganz besonderer Dank geht an die diesjährigen Sponsoren: Bäckerei Kühner aus Künzelsau, Firma G&M aus Bönnigheim,
Firma Rath aus Langenburg, Ambulanter Pflegedienst Gabriele Bessel aus Herrentierbach, Mett-
Messtechnik aus Niedernhall, Tui ReiseCenter aus Künzelsau, Acht Grad plus GmbH aus
Vokertshausen, dem Duo Stage, die uns musikalisch mit tollen Songs den Tag bereichert haben und dem
Fotografen Uwe Rothenberger aus Künzelsau und an die vielen freiwilligen Helfer.
Mehr Info unter www.hohenlohe-harley-run.com

 

 

 

 




25 Jahre Weihnachtsmarkt Waldenburg

Zum nunmehr 25. Weihnachtsmarkt lädt die Stadt Waldenburg am 16. und 17. Dezember 2017. Gestern abend gab es eine feurige Vorstellung von Fairy Elements. In diesem Rahmen ließ Waldenburgs Bürgermeister Markus Knobel am gestrigen Samstagabend die 25 Jahre im wahrsten Sinne in Flammen aufgehen.

An laut der Stadt über 50 Marktständchen können die Besucher noch bis heute abend Sockenwärmer trinken, Bommelmützen einkaufen oder Kunsthandwerk betrachten. Heute abend gibt es laut der Stadt ebenfalls eine Feuershow mit Fackeljonglagen und Feuerspucken.




Experiment: Mit Burka durch Öhringen

Wir wollten mit unserem Experiment herausfinden: Wie gestaltet sich der Alltag mit einer Burka auf dem Land. GSCHWÄTZ-Redakteurin läuft mit Vollverschleierung durch die Kleinstadt Öhringen.

Folgende Sprüche bekam Nadja Fischer dabei unter anderem zu hören:

„Wenn so etwas frei herumlaufen würde, würde ich das nicht akzeptieren.“

„Das arme Mädchen.“

„Das habe ich in Öhringen noch nie gesehen. Aber sie ist auch bloß ein Mensch.“

„Jetzt guck dir des amole ou.“

„Ich finde das unmöglich.“

„Die sollen heimgehen.“

„Schau an. Ein Smartphone hat sie.“

„Darum haben wir AfD gewählt.“

„Vorsicht, schau mal was da kommt.“

„Schämst du dich nicht?“

„Man muss die hässlich sein.“

Da uns eine Passantin bedrängte, haben wir uns dazu entschlossenen das Experiment vorzeitig abzubrechen.  Alle Daten und Fakten zu der Flüchtlingssituation im Hohenlohekreis finden Sie in unserer aktuellen GSCHWÄTZ-Ausgabe die es noch bis Ende Dezember an allen unseren Vertriebsstellen zu kaufen gibt.

 




Zoll Heilbronn beschlagnahmte 2016 fast eine halbe Million Schmuggelzigaretten

Im Zuge einer Kontrolle des Hauptzollamtes Heilbronn auf der Autobahn 6 in Hohenlohe stellten vergangene Woche Beschäftigte der Kontrolleinheit Verkehrswege 145 illegal eingeführte Kleinverkaufspackungen unterschiedlicher Tabaksorten sicher. Anbei veröffentlichen wir eine aktuelle Pressemitteilung des Hauptzollamtes Heilbronn:

Auf Befragen nach mitgeführten verbrauchsteuerpflichtigen Waren gab der Lenker eines bulgarischen Lastkraftwagens zunächst nur eine geringe Menge Tabak an. Bei der Kontrolle der Fahrerkabine fand der Zoll immer größere Mengen an Feinschnitt, versteckt in diversen Fächern und Schubladen. Am Ende der Kontrolle hatten sich auf diese Weise 45 Dosen á 190 Gramm sowie weitere 100 Päckchen á 50 Gramm Feinschnitttabak angesammelt. Der vorschriftswidrig eingeführte Tabak war mit luxemburgischen Tabaksteuerzeichen versehen und angeblich für seine Kollegen bestimmt. Laut Frachtpapieren hatte der Fahrer des Gespanns Großbritannien als Fahrtziel.

Der Zoll leitete vor Ort ein Steuerstrafverfahren gegen den Fahrer wegen des gewerblichen Verbringens verbrauchsteuerpflichtiger Waren ein und stellte den Tabak sicher. Seine Fahrt, ohne die sichergestellten 13,55 kg Feinschnitt, durfte der Schmuggler erst fortsetzen, nachdem er die fällige Tabaksteuer in Höhe von mehr als 1.000 Euro entrichtet hatte.

„Die Kontrolleinheiten Verkehrswege des Zolls sind bundesweit präsent und tragen dem Umstand offener Grenzen Rechnung“, so David Martin Einsatzleiter vor Ort. „Ihre Aufgaben sind die Bekämpfung des Schmuggels von verbrauchsteuerpflichtigen Waren und der Geldwäsche, sowie die Überwachung des grenzüberschreitenden Warenverkehrs, einschließlich der sogenannten Verbote und Beschränkungen. Zum Schutz der Bevölkerung ziehen sie dabei Arzneimittel, Produktfälschungen, Rauschgift oder Waffen aus dem Verkehr“.

// Wieviel Tabak ist erlaubt?

Grundsätzlich können Privatpersonen bei Reisen innerhalb der Europäischen Union für ihren persönlichen Bedarf Waren abgabenfrei mitbringen, ohne diese beim Zoll anmelden zu müssen. Bei Tabak unterstellen die Zollbehörden der Mitgliedstaaten eine Richtmenge von einem Kilogramm, bis zu der eine Verwendung zu privaten Zwecken nicht angezweifelt wird. Bei Mengen wie im vorliegenden Fall ist jedoch von gewerblichem Handeln auszugehen. Die Kontrolleinheit Verkehrswege des Hauptzollamts Heilbronn hat im Kalenderjahr 2016 mehr als 7.500 Personen kontrolliert und fast eine halbe Million Schmuggelzigaretten aus dem Markt genommen. Ferner beschlagnahmte sie unter anderem 19 Waffen, darunter Spring- und Butterflymesser und Schlagringe.

Foto // Vergangene Woche bechlagnahmte das Zoll in einem Lkw auf der A6 13,5 Kilo Tabak. Foto: Zoll Heilbronn




Eine Frage der Ehre

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann über die Solebad-Debatte in Niedernhall und warum Bürgermeister Achim Beck viel Mut bewiesen hat
 
Keine Frage. Es wäre auch günstiger gegangen. 30.000 Euro für eine PR- und Mitmachkampagne mit anschließender Auswertung – das ist viel Geld. Man hätte auch über das Niedernhaller Mitteilungsblatt Informationen und Fragebögen verbreiten können und Mitarbeiter des städtischen Rathauses hätten Plakate kleben können – ohne ein teures Beratungsbüro, das alles organisiert.
 
Im Bezug auf die Auswertung zeichnet sich schon jetzt eine große Mehrheit ab, die das Solebad keinesfalls aufgeben will – natürlich darf man dabei nicht vergessen, dass sich in der Regel eher diejenigen bei Mitmachaktionen beteiligen und sich zu Wort melden, die sich für das Solebad einsetzen. Denjenigen, denen es egal ist, werden sich schon allein aus Desinteresse weniger häufig beteiligen.
 
Was Achim Beck mit der wirklich sehr originell gestalteten Kampagne gelungen ist, ist für Aufmerksamkeit zu sorgen – und zwar weit über den Tellerrand von Niedernhall hinaus. Und das war auch beabsichtigt. Offen und deutlich kritisiert er das Regierungspräsidium Stuttgart am vergangenen Donnerstag bei der Auftaktveranstaltung mit seiner bisherigen Absage, das Gesundheitsbad finanziell zu unterstützen. Das ist mutig und ein wichtiger Schritt in einem Land, in dem man entweder ganz arm oder ganz reich sein muss, um Geld vom Staat zu bekommen. So ist es auch mit den Städten und Kommunen. Kurstädte und Metropolen bekommen hohe staatliche Zuwendungen. Finanzschwache Kommunen ebenso. Und die Städte und Gemeinden dazwischen?
 
Fast sarkastisch merkt Beck – völlig zu Recht – an: Ohne die finanzielle Unterstützung bei der Sanierung oder dem Neubau werden wir zur finanzschwachen Kommune. Dann hätten wir wieder Anspruch auf Hilfen.“ Es ist ein Fehler im System. Und es trifft Städte und Kommunen im ländlichen Raum, die dadurch immer mehr ausbluten und kämpfen müssen für Zuschüsse jedweder Art. Achim Beck hat einen ersten Schritt getan und Stuttgarts Verteilungsprinzip kritisiert. Weitere Bürgermeister, lokale Politiker und Entscheidungsträger müssen folgen.



Beck zieht blank: So schaut die Zukunft des Solebades Niedernhall aus

Gleich zu Beginn der Auftaktveranstaltung zur Zukunft des Solebades in Niedernhall am Donnerstag, den 07. Dezember 2017, in der Stadthalle Niedernhall entschuldigt sich Matthias Burgbacher. Sein Beraterbüro Plan:kooperativ hat die Plakate mit provokativen Überschriften wie: Niedernhall bleibt. Das Solebad auch?“, entworfen und überall in Niedernhall verteilen lassen. Diese PR-Kampagne sollte in erster Linie Aufmerksamkeit erregen, so Burgbacher. „Aber nicht jeder habe das so verstanden, so kritische Stimmen aus dem Publikum.

Der Bürgermeister indes will nicht in eine Ecke gedrängt werden. Sanierung, Neubau, Schließung – alles sei offen beim Solebad Niedernhall, betont Achim Beck. Aber ein paar Sachen sind ihm wichtig:

  1. Bürgerbeteiligung

Deshalb gab es am vergangenen Donnerstag eine Auftaktveranstaltung für alle interessierten Bürger mit der Kernfrage: Ob und wenn ja, wie es weitergehen soll mit dem defizitären und sanierungsbedürftigen Solebad. Fast alle Stühle waren belegt. Beck wollte im Vorfeld schon bei möglichst vielen Menschen Gehör finden und dass sich in Niedernhall und darüber hinaus Menschen über das Solebad unterhalten, Meinungen austauschen, diskutieren um eine bestmögliche Lösung. Daher hat die Stadt Niedernhall das Beratungsbüro Plan:kooperativ unter anderem beauftragt, Plakate entwerfen lassen mit provokativen Überschriften wie: Niedernhall bleibt. Das Solebad auch? Bei einigen Bürgern kam diese Zuspitzung nicht so gut an. Sein Ziel hat Beck aber erreicht: Das Solebad ist derzeit in vieler Munde. Plan:kooperativ layoutet aber nicht nur Plakate, sondern wickelt den gesamten Bürgerbeteiligungsprozess zum Thema Solebad ab. Schon bei der Neuausrichtung des Kelterareals hat Beck die Dienste von Plan:kooperativ in Anspruch genommen. Nach der Auftaktveranstaltung wollen die Berater Fragebögen an die Bürger und Besucher des Solebades verteilen, Anfang Januar soll eine Aktionswoche folgen, in der alle Bürger und Interessierten eingeladen sind, das Solebad einmal anders zu erleben: Mit Wein oder als After-Work-Erlebnis oder als Familienbad. Am Ende wertet Plan:kooperativ die Ergebnisse aus und präsentiert  sie den 15 Köpfen im Gemeinderat. Manch ein Bürger hat bei der gestrigen Veranstaltung allerdings die Kosten der PR-Kampagne kritisiert.  Diese belaufen sich auf immerhin 30.000 Euro, die für Beck angesichts der eventuell anstehenden Neubaukosten von rund 8 Millionen allerdings nicht wirklich ins Gewicht fallen.

  1. Beck fordert Zuschüsse

Was ihn richtig „frustriert“ habe, sagt Achim Beck an der Auftaktveranstaltung zur Solebad-Debatte, sei dass es zumindest bislang keine Aussicht auf Landeszuschüsse für das Solebad gebe. Beck fordert für das Gesundheitsbad Zuschüsse vom Land für die Sanierung beziehungsweise den Neubau ein. Das Regierungspräsidium erteilte ihm bislang eine Absage. Für diese Zuschüsse zieht Beck blank, sprich, er legt klar und deutlich offen, welche Ausgaben Niedernhall in den kommenden zehn Jahren zu stemmen hat, unter anderem die Sanierung des Bildungszentrums und die  Grundschule, die mit insgesamt 9,3 Millionen ins Gewicht fallen, wobei es hierfür aber insgesamt 2,3 Millionen Fördermittel gibt. Auch der Hochwasserschutz kostet über 5,6 Millionen Euro, kann aber mit 70 Prozent mit Fördergeldern bezahlt werden. Hinzukommen die Sanierung und der Ausbau der Kläranlage mit 3 Millionen Euro und ein Straßenbauprogramm von zwei Millionen. Ob es für solche Fälle wie dem Solebad keine Rücklagen gibt?, fragt ein Besucher. 5 Millionen seien an Rücklagen vorhanden, allerdings müssen in den nächsten Jahren auch noch andere Dinge bezahlt werden, wie etwa ein neues Feuerwehrfahrzeug, so der Bürgermeister. Bislang begründete das Regierungspräsidium seine Absage damit, dass Niedernhall weder Kurort noch finanzschwach sei und auch bei den Förderprogrammen zur Erhaltung des Ländlichen Raumes (ELR) nicht berücksichtig werden könne, da, so Beck, „die Bäder, die der Erholung oder der Gesundheitsförderung dienen, nicht gefördert werden.“ Sein Fazit: „Die Gesundheit der Menschen im ländlichen Raum wird nicht unterstützt.“

Mütter, die sich bei der Auftaktveranstaltung zu Wort gemeldet haben, und auch Beck plädieren dafür, das Solebad –  sollte es zu einem Neubau kommen –  für die nur einen Steinwurf entfernte Grundschule und das Bildungszentrum und damit für einen Schwimmunterricht für die Schüler zu öffnen. Das Solewasser sei  laut einem ortsansässigen Arzt unbedenklich für Kinder, so Beck auf Nachfrage eines Zuhörers, allerdings sollten die Kinder nur 20 Minuten darin baden und dann pausieren. Durch die Öffnung für einen Schulschwimmunterricht tue sich vielleicht auch nochmal die Chance auf einen Fördertopf des Landes auf. Der Bürgermeister betont:

„Ohne Zuschüsse, Zuwendungen oder Mittel von Dritten wird die Finanzierung für mich undenkbar“

  1. Sympathisiert mit Neubau-Variante mit Öffnung für Familien an bestimmten Tagen

Bei einer Sanierung des Altbaus sieht Achim Beck die Gefahr eines „Fasses ohne Boden“. Besser zu kalkulieren seien die Kosten, wenn man einen Neubau mache und diesen an bestimmten Tagen, etwa am Wochenende, für Familien mit Kindern öffne, um eine breitere Masse anzusprechen. Eine Sanierung bedeute auch, dass das Solebad für etwa zwei Jahre geschlossen bleiben würde, so Beck. Er befürchtet, dass sich Kunden dann in andere Bäder nach Bad Mergentheim oder Schwäbisch Hall umorientieren. Was würde bei einem Neubau mit dem alten Gebäude passieren? Da die Stadt sich seit längerem überlegt, neben dem Solebad Wohnmobilstellplätze für Touristen zu platzieren,  hatte ein Zuhörer vorgeschlagen, die alten  Räume zu einer Art Bistro für die Camper umzuwandeln.

Auf folgende Links klicken, um die Rede von Achim Beck im Video zu sehen:

https://youtu.be/190GFGbcMWk

https://youtu.be/9ObRVKw67x0

https://youtu.be/hZZ8WaTQhoA

 


Zitate:

„Die Gesundheit der Menschen im ländlichen Raum wird nicht unterstützt.“

(Bürgermeister Achim Beck kritisiert die Absage des Regierungspräsidiums für eine finanzielle Förderung des Solebades)

„Ich kann Ihnen heute nicht garantieren, wie es dann letztendlich auch mit dem Freibad aussieht“

(Bürgermeister Achim Beck im Bezug auf eine mögliche Schließung des Solebades)

// Bürgerstimmen

„Stirbt das Solebad, stirbt das Freibad.“

„Ihre PR-Aktion hat viel Diskussion ausgelöst.“

„Ohne Touristen stirbt Niedernhall.“

„Die schütteln den Kopf, wie wir hier mit dem Geld umgehen.“

„Wir geben 30.000 Euro dafür aus, dass wir betteln wollen.“

„Wir brauchen keine Zuschüsse. Wir schaffen das so.“

„Die PR-Kampagne war nicht gerade glücklich. Vor allem älteren Bürgern war nicht ganz klar, dass es nur eine PR-Aktion war.“

„Es wäre jammerschade, wenn wir auf das Solebad verzichten müssten.“

„Wir könnten das Solebad umbennen in Gesundheitstempel.“

„Ich gehe mit meiner Frau seit 60 Jahren ins Solebad und bin seitdem gesund.“

„Wir als Gemeinderäte empfinden die Beteiligungsaktion als gute Sache und ich wünsche mir, dass jeder mitmacht.“

„Eventuell wären Firmen oder Privatpersonen bereit, uns zu unterstützen.“

„Ä altes Ding saniere, do hasch ä Glump. Beim Neubau hasch was Gscheits.“

„Wir könnten die Gewerbesteuer erhöhen, um das Solebad zu finanzieren.“

„Eine Interaktion zwischen dem Solebad und der Schule fehlt. In der Nachbargemeinde wird schwimmen integriert in den Schulbetrieb.“

„Die Schwimmfähigkeit der Kinder zu fördern, wäre wichtig.“

„Es gibt keine objektbezogenen Rücklagen.“

(Achim Beck auf die Frage, ob denn keine Rücklagen gebildet wurden)

„Die Veranstaltung war sehr informativ, auch die Schaubilder waren gut. Wer sich informiert, kann auch mitentscheiden.“ (Helga und Dieter Maisenhölder aus Niedernhall)

______________________________________________________________________________________________________________________________________

Zahlen, Daten & Fakten im Überblick

1. Schreibt das Solebad rote Zahlen?

Das Solebad feiert im Mai 2018 30-jähriges Bestehen.

Als das Solebad vor 30 Jahren aufgemacht wurde, rechnete man mit 100 Besuchern durchschnittlich am Tag. Es ist besser gelaufen als prognostiert: 226 Badegäste hatte das Solebad in den vergangenen 30 Jahren im Durchschnitt. Allerdings sind die Zahlen in den vergangenen Jahren rückläufig. Waren es zu den Hochzeiten um das Jahr 2002 300 Besucher täglich, sind es heute nur noch 180. Das Solebad schreibt im Durschnitt jedes Jahr 300.000 Euro Verlust.

Niedernhalls Bürgermeister Achim Beck legt die Zahlen des Solebades offen.

Wer war schon mal im Solebad?, fragte Matthias Burgbacher bei der Auftaktveranstaltung.  7 Prozent der Besucher sind Niedernhaller, der Rest Auswärtige. Die überwiegende Zahl der Besucher ist älter als 60.

2. Wie sanierungsbedürftig ist das Solebad?

Sehr, so Gerold Winter vom Büro Fritz Planung GmbH aus Aalen. Der Ingenieur hat mit seinem Team das Solebad in Niedernhall auf Herz und Nieren abgeklopft. Dabei sind nicht gerade appetitliche Fotos entstanden (siehe Video). Vielleicht könne man noch drei oder vier Jahre so weitermachen, aber dann kämen immer größere Reparaturen. Das Salz der Sole habe sich überall abgelagert und reingefressen. Das Becken ist undicht, der Estrich durchnässt. Dies schädigt mittelfristig die Bauteile. Hinzu kommen extrem hohe Wärmeverluste an den Fenstern und Dächern. Auch statische Risse gebe es. Eine Sanierung würde über 6,5 Millionen kosten, schätzt Winter bei der gestrigen Auftaktveranstaltung in der Niedernhaller Stadthalle. Ein Neubau rund 8 Millionen – je nachdem, welche Wünsche das neue Bad erfüllen soll.

3. Sanierung in unterschiedlicher Form

Es gibt auch die Möglichkeit einer Sanierung plus Umbau/Ausbau.  „Sanierung und Optimierung des Bestandes“, heißt die Variante 1 des Planungsbüros Fritz. Hier sollen neben der Sanierung noch Ruhe- und Aufenthaltsflächen geschaffen werden sowie ein Personalraum. Zusätzliche Kosten: 800.000 Euro. Käme noch ein Gastronomiebereich hinzu, läge man bei rund 1 Million Euro. Mit Nichtschwimmerbereich kostet das Ganze rund 3,5 Millionen – zusätzlich zu den 6,5 Millionen Sanierungskosten.

4. Wie sicher sind die Neubaukosten / Sanierungskosten?

Gerold winter von Fritz Planung hat auf diese Publikumsfrage auf die rund 180 Bäder verwiesen, die sein Büro bislang gebaut/umgebaut hat. Die Kosten seien gut kalkuliert, aber 15 Prozent kann die Prognose letzten Endes davon abweichen. Bei 8 Millionen wären das 1,2 Millionen Euro.




Burka auf dem Land – Geht oder geht nicht?

Unser Autor Dr. Felix Kribus hat sich wieder ins Getümmel gestürzt und war dieses Mal in Ingelfingen und Künzelsau unterwegs, um die Bürger zu unserem Brennpunktthema des Monats Dezember zu befragen: Flüchtlinge auf dem Land. Konkret ging es um das von Österreich eingeführte Burka-Verbot seit dem 01. Oktober 2017. Wir wollten wissen: Ist dieses Verbot sinnvoll oder nicht? Im Video sehen Sie die Antworten. Was ist Ihre Meinung zu diesem Thema? Schreiben Sie uns. Wir freuen uns, von Ihnen zu lesen.