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Hohenloher Krankenhaus // Vierstündiger Abstimmungsmarathon über Mehrheitsanteile

Nach vier Stunden Kreistagssitzung am 21. März 2018 in Pfedelbach ist es amtlich: Die BBT-Gruppe kauft die Mehrheitsanteile (51 Prozent) der Hohenlohe Krankenhaus gGmbH (HK). Alle Mitglieder des Kreistages haben dafür gestimmt. Vier Kreistagsmitglieder waren nicht anwesend (Christian von Stetten, Joachim Schaaf, Gudrun Struve, Professor Dr. Christoph A. Karle). Über 100 Bürger waren gekommen, um den Abstimmungsprozess zu verfolgen. Es gab zahlreiche Wortmeldungen, Fragen an die BBT-Gruppe seitens der Kreisräte, aber auch Lob an den Landrat für sein Vorgehen. Nach vier Stunden wurde zügig abgestimmt. Alle Hände gingen nach oben und gaben der BBT-Gruppe den Zuschlag.

Der Kaufpreis werde nicht verraten, so Landrat Dr. Matthias Neth auf GSCHWÄTZ-Nachfrage, auch die BBT-Gruppe wollte sich dazu nicht konkret äussern. Um die 800.000 Euro soll die Vorgängergesellschaft, die regionale Gesundheitsholdung Heilbronn-Franken (RGH) noch bekommen. Wieviel der Landkreis erh#lt, ist nicht bekannt. Allerdings betonte die BBT-Gruppe, dass dieses Geld nicht in den Landkreis allgemein fließe. Das Geld bleibe stattdessen im HK beziehungsweise in dem neuen Verbund, um dort, also in der Gesundheitsversorgung, auch direkt genutzt werden zu können.

// Rund die Häflte der Hohenloher geht in Krankenhäuser ausserhalb des Hohenlohekreises //

Die BBT-Gruppe präsentierte sich bei der Kreistagssitzung als neuer Partner, dem es wichtig sei, die lokale Gesundheitsversorgung vor Ort zu stärken. Mit einem qualitativ hochwertigen Angebot sollen wieder mehr Patienten in die HK gehen. Derzeit würden rund die Hälfte der Hohenloher in andere Krankenhäuser ausserhalb des Kreises gehen. Der Standort Öhringen soll ein solider Grund- und Basisversorger werden mit vier Schwerpunkten: Onkologie (Krebserkrankungen), Kardiologie (Herz-Kreislauf-Erkrankungen), Orthopädie und Altersmedizin.

Die Angleichung der Löhne und die Gehälter an den öffentlichen Dienst sei angestrebt, so die BBT-Gruppe. Eine Versicherung hierfür konnten die BBT-Vertreter hierfür allerdings nicht aussprechen. Betriebsbedingte Kündigungen gebe es bis 2021 nicht. Thomas Rudoph, Geschäftsführer von Oberender und Partner, die das Markterkundungsverfahren betreut haben, lobte das „maximal zielorientierte Arbeiten des Steuerungskreises“. Projektleiter Maximilian Mai betonte: „Jeder konnte seine Interessensbekundung abgeben.“ Der Lenkungsausschusses habe sich bewährt, stimmte auch Künzelsaus‘ Bürgermeister Stefan Neumann zu, der mit in dem Gremium saß, um in sieben Sitzungen über die Frage zu entscheiden, wer Mehrheitseigner der HK wird.

// Ingelfingens Bürgermeister: „kein gutes Angebot“ //

Für den Standort Künzelsau gibt es bislang keine konkreten Pläne. Kreistagsmitglied Michael Bauer (CDU) weiß, dass „wir in dieser Verhandlungsposition keine Forderungen stellen können.“ Aber nach Beschäftigung mit dem 500-Seiten-Vertrag komme er zum dem Schluss: „Es ist kein gutes Angebot. Schulnote: ausreichend.“ Weiter führte er aus: „Die einzige Alternative wäre gewesen, es allein zu versuchen, aber dazu hätte es Mut bedarft. Ich persönlich hätte mir diesen Mut gewünscht, denn das finanzielle Risiko tragen nun wir.“

Er bedauerte, dass es für den Standort Künzelsau nur „vage Absichtsvermutungen“ gebe. Landrat Dr. Matthias Neth betonte indes, wie auch diverse andere Kreistagmitglieder, dass es die richtige Entscheidung gewesen sei, diesen Krankenhausstandort zu schließen und im Gegenzug die knapp 50 Millionen Fördermittel für den Neubau zu bekommen. Denn: Von anfangs 25 Interessenten sei letzten Endes nur einer übriggeblieben, der ein Angebot für die HK abgegeben habe. Alle Interessenten, einschließlich der BBT-Gruppe hätten betont, dass für sie der Standort Künzelsau nicht interessant gewesen sei. Es gab jedoch auch Interessenten, die abgesprungen sind, weil sie „die Zukunftsaussichten des Standortes Öhringen als negativ bewertet“ haben, so heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes hierzu.

// Die Zukunft der Gesundheitsversorgung im Hohenlohekreis //

Matthias Warmuth, Geschäftsführer der BBT-Gruppe betonte, dass die Medizin in Zukunft ambulanter werde. Die Einführung der Fallpauschalen von der Bundespolitik machen es kleineren Krankenhäusern schwerer, zu überleben. Daher sei ein solcher Verbund, wie nun zwischen der HK und BBT geschlossen werden, sinnvoll. Und „die, die übrigbleiben nach dieser Marktbereinigung müssen sich in der ländlichen Gesundheitsversorgung stärker engagieren, in Zusammenarbeit mit den Ärzten vor Ort.“ Auch für die (zukünftigen) Mitarbeiter sei ein solcher Verbund attraktiver, da sie etwa die Möglichkeit hätten, sich hausintern weiterzubilden. Warmuth betonte zudem die Gemeinnützigkeit ihrer BBT-Gruppe. Will heißen: „Wir haben keine Gewinnabführungsabsichten.“ Allerdings betonte er auch, dass jedes Haus für sich schwarze Zahlen schreiben müsse.

Eine schlanke Personalstruktur, kurze Entscheidungswege und eine starke Gesellschafterversammlung, die auch aus Kreistagsmitgliedern bestehe, soll es laut Thomas Weber, kaufmännischer Direktor der BBt-Gruppe, geben. Und: Entscheidungen auf Gesellschafterversammlungen müssen einstimmig getroffen werden, so stehe es im über 500 Seiten starken Vertragswerk. Eine Trennungsklausel (was geschieht im Falle einer Trennung?) gebe es hingegen nicht. Geschäftsführer Warmuth betonte jedoch, dass die BBT-Gruppe „kein Geld mitnehmen werde“, falls es soweit kommen sollte.

Landrat Dr. Matthias Neth betonte, dass es neben dem Krankenhaus nun noch zahlreiche andere Baustellen gebe, die es gelte, anzugehen, unter anderem den Pflegenotstand, die Weiterentwicklung des Rettungsdienstes, den Kampf gegen den Ärztemangel sowie die Aufrechterhaltung der Notfallversorgung, denn auch in diesem Bereich solle laut politischen Vorgaben gespart werden. Er sehe mittlerweile auch diverse Themenfelder, „wo die kommunale Ebene immer mehr unter Druck kommt“.

// Wer zahlt was?//

Der Hohenlohekreis zahlt den geplanten Neubau in Öhringen, der bis 2022 stehen soll. Zudem trägt der Kreis die bislang aufgehäuften „Altlasten“ in Form der Verluste der vergangenen Jahre. Auch die Umsetzung und Finanzierung eines neuen Gesundheitskonzepts für Künzelsau liegt in kommunaler Hand. Allerdings will die BBT-Gruppe innerhalb der nächsten fünf Monate dem Kreistag vier oder fünf mögliche Konzepte hierzu vorstellen. Künzelsaus‘ Bürgermeister Stefan Neumann betonte, dass die Umsetzung dieses Zukunftskonzeptes nicht alleine die Stadt Künzelsau tragen könne, sondern hier angewiesen sei auf Unterstützung des Landkreises.

// Die Bürgerinitiative nimmt Stellung: „Hoch spezalisiertes Krankenhaus vernichtet“ //

„Die Bürgerinitiative wird die weiteren Schritte sehr genau verfolgen und entsprechend agieren“, heißt es in einer Stellungnahme von Seiten der Bürgerinitiative (BI). Problematisch sehen sie, dass „die Kosten aus der bisherigen Aufstellung des Hohenloher Krankenhaueses zu 100 Prozent beim Kreis“ bleiben. „Dazu gehören Belastungen aus den Vorjahren, Kosten für den Weiterbetrieb in Künzelsau, Kosten für die Schließung des Standortes Künzelsau und Kosten für die Nachnutzung des Standortes Künzelsau.“ Fast schon „kreativ scheint das Voranpreschen von [Künzelsaus‘; Anmerkung der Redaktion) Bürgermeister Neumann. Man muss den Bürgern einfach Begriffe um die Ohren werfen, die sich gut anhören, aber nicht weiter ausgeführt werden – so wie die neueste Erfindung von Hr. Neumann – ein Gesundheitscampus.“ Seit Monaten verspreche Landrat Dr. Matthias Neth, konkrete Konzept für den Standort Künzelsau vorzulegen. Bislang sei jedoch nichts dahingehend geschehen, kritisiert die BI. So kommt die Initiative zu dem Schluss:

„Eines hat Landrat Dr. Neth aber ganz sicher geschafft – das Mittelzentrum Künzelsau weiter zu schwächen und ein kleines aber hoch spezialisiertes Krankenhaus mit Intensivstation, Dialyseanbindung, Kardio MRT, lokaler Schlaganfalleinheit und Fachabteilungen wie Allgemein- und Unfallchirurgie mit stationärer Schmerztherapie durch die Anästhesie, Innerer Medizin, Geriatrie und nicht zuletzt die Belegabteilungen HNO, Gynäkologie und Urologie zu vernichten.“

// Zitate //

Landrat Dr. Matthias Neth: „Der Kreistag ist seinen Aufgaben mustergültig nachgekommen, auch wenn der Druck für manche unerträglich geworden ist.“

Thomas Föhl, Kreistagsmitglied und Fraktionsvorsitzender der FWV: „Ein Landrat kann nichts dafür, dass sich das Gesundheitssystem so verändert hat.“

Thomas Dubowy, Arzt aus Krautheim (FWV): „Ich möchte auch der Bevölkerung gegenüber ehrlich sein. Bezüglich der Notfallversorgung herrschen viele Ängste. Natürlich wünscht sich jeder eine solche Versorgung vor Ort. Aber ich sage Ihnen: Das brauchen sie gar nicht. Das brauchen sie in einer Nähe von 20 Kilometern. Das ist absolut ausreichend.“

Matthias Warmuth, Geschäftsfüher der BBT-Gruppe: „Wir streben eine langfristige Partnerschaft an.“

Thomas Weber, kaufmännischer Direktor der BBT-Gruppe: „Die Aufrechterhaltung der 24-Stunden-Notfallversorgung kann man lösen, aber sie wird Geld kosten.“

Karlheinz Börkel, Kreistagsmitglied und Bürgermeister von Schöntal a.D. (CDU): „Wir haben nun einen besseren Partner gefunden.“

Ute Oettinger-Griese, Kreistagsmitglied und Unternehmerin (FDP): „Wir haben sehr schlechte Erfahrungen mit unserem alten Partner gemacht und werden daher sehr genau darauf achten, dass das funktioniert.“

Martin Tuffentsammer, Kreistagsmitglied und Bürgermeister von Forchtenberg a.D. (CDU): „Wenn der Landrat nicht so gekämpft hätte, hätten wir diesen Zuschuss nicht bekommen.“ Er könne sich für Künzelsau beispielsweise ein medizinisches Versorgungszentrum wie in Forchtenberg vorstellen.

Mitarbeiterin des Krankenhauses Künzelsau, die anonym bleiben möchte: „Wie soll das funktionieren, wenn Künzelsau geschlossen wird? Wir haben derzeit wieder so viele Patienten. Wo sollen die künftig alle hingehen?“

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Wer sind die barmherzigen Brüder und mehr Informationen lesen Sie in diesem Artikel:

 

Text: Dr. Sandra Hartmann; Fotos: Nadja Fischer




Video // Exotische Luxustiere – „Ich kann mit ihnen spielen wie mit einem Hund“

// Treu, intelligent, neugierig und verspielt- der Papagei. Ein Haustier das mit einer Lebenserwartung von 100 Jahren einen Menschen überlebt. Ein Papageienliebhaber hat uns seine Luxustiere gezeigt.

Von Kindesbeinen an interessierte sich Daniel Rütter* für Papageien. Seinen ersten Wellensittich bekam er als Siebenjähriger. Der Vater spendierte ihm eine Voliere, sprich einen großen Käfig, dazu. Dann begann der Filius mit der Zucht. „Interessiert hat mich alles, was mit Großsittichen zu tun hatte“, so Daniel. Mit 14 Jahren war Schluss mit dem Hobby, denn dann waren Partymachen und Ausgehen angesagt. „Tiere brauchen Verantwortung und wenn ich aus dem Partyalter raus bin, dann möchte ich richtige Papageien“, hatte er sich schon damals vorgenommen. Vor 30 Jahren aber – in Daniels Jugend – waren Papageien fast unbezahlbar. Damals musste ein Liebhaber mindestens 5.000 Mark für einen Papageien hinblättern, da sie Wildfänge waren und keine Nachtzuchten aus Deutschland, so wie heute üblich.

Als Erwachsener hat Daniel Rütter seinen Traum wahrgemacht: In einem kleinen Holzblockhäuschen im Hohenlohekreis beherbergt er nun sieben Papageien.

Besonders gefällt Daniel  das Erscheinungsbild, die satten, kombinierten Farben, von rot nach Regenbogen, von indigoblau nach orange – und die langen Federn. „Außerdem sind die Tiere sehr anhänglich und intelligent. Ich lagere die Nüsse in einem Kasten. Da haben die drei Mal beim Öffnen zugeguckt, und haben den dann aufgemacht, wie sie es wollten. Außerdem können Papageien gewisse Summen zählen, wenn man das mit ihnen trainiert.“

*Name von der Redaktion geändert. Wir bitten um Verständnis, dass der Papageienbesitzer anonym bleiben möchte.

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// Fotos, Video und Text: GSCHWÄTZ/Dr. Felix Kribus




Wackelt auch Öhringen?

Ein Kommentar von Matthias Lauterer.

Am Mittwoch, den 21. März 2018, (frühzeitige Platzbelegung könnte angeraten sein, denn der Verein Mehr Demokratie e.V. hat sich zu dem Thema Volksantrag angesagt) wird also angeblich über die Zukunft der medizinischen Versorgung des Hohenlohekreises entschieden. Eine wirkliche Entscheidung ist es wohl nicht, denn es gibt nur einen einzigen Anbieter, der noch in der Lostrommel steckt.

Und eine Abstimmung über die Zukunft der medizinischen Versorgung ist es auch nicht: Es ist genaugenommen nur eine Entscheidung über den zukünftigen Betreiber des Krankenhauses. Über das „Drumherum“ wird gar nicht entschieden, dafür bestünden immerhin „Modelle“ oder „Varianten“, die aber noch „zu konkretisieren“ seien und über ein „Konzept“ müsse noch entschieden werden.

Nichtsdestotrotz ist jetzt schon klar, daß es eine riesige Mehrheit geben wird, denn die Entscheidung ist ja ganz offensichtlich „alternativlos“. Wir und der Kandidat müssen uns da keine Sorgen machen: Am Ende wird die BBT als alleiniger Bieter den Zuschlag erhalten – wahrscheinlich zu sehr vorteilhaften Bedingungen, da  Landrat Matthias Neth den vorgeblichen Verlustbringer Krankenhaus gewißlich wenigstens für die nächste Zeit erstmal vom Hals haben will.

Und man wird wohl in einer Pressemitteilung noch betonen, wie toll es doch sei, daß man einen „lokal engagierten“ Partner „gewonnen“ habe, mit dem „die Zukunft der Medizinversorgung im Hohenlohekreis gesichert“ ist.

Es bleibt die Frage offen, warum von den vielen Anbietern auf dem „Gesundheitsmarkt“ – eine „eine zweistellige Zahl an Interessenten“ folgte schließlich „der Aufforderung zur Abgabe einer Interessenbekundung“ – überhaupt nur einer übriggeblieben ist – und vor allem, warum ein zweiter Anbieter ganz kurz vor dem Ende des Verfahrens sich überraschend entschlossen hat, doch kein Gebot abzugeben.

Nun, laut Sitzungsvorlage liegen den Absagen vieler Bieter „negative Bewertungen bzgl. der Zukunftsaussichten des Standorts Öhringen“ zugrunde …
Nur gut, daß diese Haupthäuser durch die stündliche Buslinie nach Mergentheim … ach, nein, über den Stundentakt wird ja auch schon wieder nachgedacht …

Und warum erfährt man wieder nichts, was über das eigentliche Krankenhaus hinausgeht? Die Vernetzung der Fachärzte mit den stationären und ambulanten Strukturen, die heutzutage von den beiden Krankenhäusern im Hohenlohekreis in guter Qualität angeboten werden? Die notwendige Verstärkung der Rettungsdienste und Transportdienste? Dazu heißt es nur:
„Dieses Nachnutzungskonzept der BBT-Gruppe für Künzelsau zeigt fünf verschiedene Modelle oder Varianten auf, die von BBT nach Übernahme der Geschäftsanteile an HK innerhalb definierter Fristen noch weiter zu konkretisieren sind. Ein Nachnutzungskonzept für Künzelsau ist einzig kommunal zu finanzieren. Über ein entsprechendes Konzept muss der Kreistag im Laufe des Jahres 2018 entscheiden.“

Ich gehe selbstverständlich zuversichtlich davon aus, daß unser Landrat bereits für ganz kurz nach dem 21.3. eine große Informationsveranstaltung für die Bürger geplant hat, um die fünf Modelle vorzustellen und die Meinung und den konstruktiven Input der Bürger abzuholen.

Leider sind weiterhin nur inhaltsleere Worthülsen im Umlauf – jetzt ist plötzlich nicht mehr das vom Landrat so bezeichnete Medizinische Versorgungs Zentrum MVZ aktuell sondern jetzt bereichert der Künzelsauer Bürgermeister Stefan Neumann seinen Wahlkampf und unseren Wortschatz in einem Statement fürs Gschwaetz durch das wohlklingende Wort Gesundheitscampus (ich sehe gerade: das Wort ist noch so frisch, das steht noch gar nicht auf meinem Bingo-Kärtchen), ohne allerdings zu sagen, was das überhaupt sein soll und wie sich dieser von einem ebenso undefinierten MVZ unterscheiden soll.

Stefan Neumann befindet sich schon im Wahlkampfmodus – aber mit inhaltsleeren Worthülsen ist niemandem gedient und das Thema ist zu wichtig, als daß es durch noch so toll klingende Wortschöpfungen zu erschlagen wäre.

Nein – es müssen endlich Konzepte und Zahlen öffentlich kommuniziert werden und es braucht eine konstruktive Beteiligung der Betroffenen: der Bürger und vor auch von denjenigen, die heute und in Zukunft die medizinische Versorgung der Bürger gewährleisten! Ob ich das dem  Bürgermeister oder dem Landrat sage oder an eine  Parkuhr predige … wir werden irgendwann überrascht mit einer Versorgung, die „nachhaltig und für die Zukunft tragfähig“ ist.

Den kompletten Kommentar gibt es auf:

https://matthiasausk.blogspot.de/2018/03/wahlkampf-und-worthulsenalarm-rund-um.html

 




Die barmherzigen Brüder wollen das Hohenlohe Krankenhaus übernehmen // Neumann: „Rettungsdienst muss ausgebaut werden“

Die barmherzigen Brüder, kurz BBT-Gruppe genannt, übernehmen aller Voraussicht nach die Mehrheitsanteile an der Hohenlohe Krankenhaus gGmbH (HK). Der Kreistag des Hohenlohekreises entscheidet in seiner nächsten Sitzung am kommenden Mittwoch, den 21. März 2018, um 14.30 Uhr in Pfedelbach, ob er dem Angebot zustimmt. Bis zum Schluss des Bieterverfahrens gab es noch einen zweiten Mitbewerber, der sein Angebot jedoch zurückgezogen hat. Der Name des Mitbewerbers ist bislang nicht bekannt. Das geht aus einer aktuellen Sitzungsvorlage zum nächsten Kreistag hervor.

 

// Gesundheitscampus soll kommen //

 

Künzelsaus‘ Bürgermeister Stefan Neumann äusserte sich nur wenige Stunden nach Veröffentlichung der Sitzungsvorlage zu dem voraussichtlich neuen Mehrheitseigner in einer schriftlichen Stellungnahme: „Falls sich der Kreistag für das Angebot der BBT-Gruppe entscheidet, gewinnt unser Kreis einen starken strategischen Partner in der Gesundheitsversorgung, welcher von Anbeginn mit in die Verantwortung geht. Für Künzelsau sehe ich bei einer Entscheidung für diesen Partner eine große Chance, den Standort als Gesundheitscampus in eine gute Zukunft zu überführen. Gleichzeitig bleiben die Forderungen der Stadt Künzelsau bestehen, dass begleitend zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung in Künzelsau unter anderem auch der Rettungsdienst weiter ausgebaut werden muss.“

Wie genau das Krankenhausgebäude in Künzelsau nach der geplanten Schließung im Jahr 2022 genutzt werden soll, ist noch nicht bekannt. In der Sitzungsvorlage zur kommenden Kreistagssitzung heißt es: „Die BBT-Gruppe hat für den Standort Öhringen ein medizinisches Konzept erstellt, ebenso ein medizinisches Konzept für den Standort Künzelsau. Dieses Nachnutzungskonzept der BBT-Gruppe für Künzelsau zeigt fünf verschiedene Modelle oder Varianten auf, die von BBT nach Übernahme der Geschäftsanteile an die HK innerhalb definierter Fristen noch weiter zu konkretisieren sind. Ein Nachnutzungskonzept für Künzelsau ist einzig kommunal zu finanzieren.Über ein entsprechendes Konzept muss der Kreistag im Laufe des Jahres 2018 entscheiden. Des Weiteren beinhaltet das Konzept der BBT-Gruppe ein Investitionskonzept zum Klinikneubau Öhringen sowie ein Zielkonzept für die im gesamten Hohenlohekreis vorhandenen Seniorenheime.“

 

// Landrat: „Sicherstellung einer hochwertigen Versorgung“ //

 

Der Landrat des Hohenlohekreises, Dr. Matthias Neth, hat sich in einer offiziellen Pressemitteilung zu der bevorstehenden Krankenhausentscheidung geäussert: „Ich freue mich, dass wir das Markterkundungsverfahren zu einem Ende bringen konnten und dem Kreistag nach breiter Markterkundung und intensiver Verhandlungen die bestmöglich erreichbare Partnerschaft vorschlagen können. Wir haben eine breite öffentliche Ansprache aller möglichen Interessenten und Investoren sichergestellt, für jeden stand das Verfahren offen. Mein Dank gilt an dieser Stelle den Mitgliedern des Lenkungsausschuss für ihren engagierten Einsatz im Rahmen der sieben Sitzungen und auch darüber hinaus.“

Neth ist „davon überzeugt, dass diese strategische Partnerschaft im Hohenlohekreis langfristig die Krankenhausversorgung sicherstellen wird und für den Hohenlohekreis große Chancen bietet. Gemeinsam in einem großen Verbund und durch eine strategische Zusammenarbeit mit allen Partnern der Region ist die Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen und modernen Versorgung in Medizin und Pflege unser Ziel. Jetzt liegt es am Kreistag, das Bieterangebot zu bewerten und über die Übertragung der Unternehmensanteile zu entscheiden.“

Die Bürgerinitiative, die für den Erhalt des Krankenhausstandortes Künzelsau gekämpft hat, wollte sich erst nach der Kreistagssitzung am kommenden Mittwoch, den 21. März 2018,  zu dem eventuell neuen Mehrheitseigner, den barmherzigen Brüdern, äussern.

 

 

// Kosten Künzelsau //

 

Künzelsau sei der größte Kostenträger innerhalb der HK für die Jahre bis zur Schließung. In der Sitzungsvorlage heißt es: „Die Hauptkosten sind hierbei vor allem der Weiterbetrieb des Standortes Künzelsau, der pro Jahr weiterhin zirka fünf Millionen Euro kosten wird. Ebenso sind Belastungen aus den Vorjahren, die Schließungskosten Künzelsau und die Kosten der Nachnutzung in Künzelsau in jedem Fall vom Hohenlohekreis zu erbringen. Für das Jahr 2018 bedeutet dies, dass zuzüglich zu den schon veranschlagten 5,373 Millionen Euro weitere 2,5 Millionen Euro bereitzustellen sind.“ Der geplante Neubau in Öhringen schlägt mit 100 Millionen zu Buche, so die derzeitigen Schätzungen – rund die Hälfte davon soll das Land Baden-Württemberg im Rahmen des Krankenhausstrukturfonds tragen.
Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann betonte in seiner Pressemitteilung: „Der Landkreis steht weiterhin in der Verantwortung für den Mittelbereich Künzelsau und ich sehe den Willen des Kreistages, des Landrates und der BBT-Gruppe hier ein gutes und nachhaltiges Ergebnis zu erzielen.“
// Bilanz des Hohenloher Krankenhauses //
Das HK hat bis zum Jahr 2011 schwarze Zahlen geschrieben. Die vergangenen Jahre hat sich das Defizit jedoch jährlich vergrößert. 2015 lag das Defizit bei 1,7 Millionen Euro, 2016 bei 2,1 Millionen Euro, 2017 bei 4,4 Millionen Euro. Das Krankenhaus weist in seinen Bilanzen allerdings auch erhebliche Rückstellungen auf. 2016 lagen diese Rückstellungen bei 7,4 Millionen Euro, allein 3,6 Millionen Euro für Risikovorsorge.

// Wer sind die barmherzigen Brüder? //

Hinter der BBT-Gruppe verbergen sich die barmherzigen Brüder Trier gGmbH mit Sitz in Koblenz. Die Gruppe hat laut der Sitzungsvorlage des Landratsamtes rund 80 Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens, unter anderem Krankenhäuser und Seniorenheime. In der Region ist die BBT-Gruppe unter anderem Mehrheitsgesellschafter des Caritas-Krankenhauses Bad Mergentheim, des Krankenhauses Tauberbischofsheim und der Sanitas Tauberfranken (Physiotherapiepraxis und Physiotherapieschule).
Fotos // GSCHWÄTZ/Archiv



Video // Rathausgeflüster: Ingelfingens Bürgermeister Michael Bauer

// Ingelfingerns Bürgermeister ist kein Fan von allem

Unsere alt Fraa ist der Meinung, dass es dem Ingelfingenr Bürgermeister nicht schaden könnte, ein bisschen mehr Mister Charming zu sein.

Zur diesjährigen Prunksitzung in Ingelfingen ist der Bürgermeister Michael Bauer nicht aufgetaucht und auch ansonsten zeigt er wenig Gesprächsbereitschaft. Na, dann hoffen wir, dass die Ingelfinger künftig ein unterhaltsames Programm bieten, damit der Bürgermeister auch Spaß hat.

 

 

// Den ganzen Text lesen Sie in der aktuellen März-Ausgabe.

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Kupferzell // Es knallt fast jeden Tag auf der A6

Auf dem Streckenabschnitt zwischen Heilbronn und Kupferzell der A6 kommt es fast an jedem Arbeitstag in beiden Fahrtrichtungen zu einem Unfall. Im vergangenen Jahr 2017 gab es 254 Unfälle bei 260 Arbeitstagen. Richtung Nürnberg (Osten) waren es 112 Unfälle und Richtung Mannheim (Westen) waren es 142 Unfälle, so Herr Gerhard Zeh vom Polizeipräsidium Heilbronn auf GSCHWÄTZ-Nachfrage. 2016 ereigneten sich auf demselben Streckenabschnitt sogar 300 Unfälle, wohingegen es 2015 „lediglich“ 224 Unfälle waren.

Richtung Osten (Nürnberg):             2017: 112 Unfälle // 2016: 148 Unfälle // 2015: 93 Unfälle

Richtung Westen (Mannheim):        2017: 142 Unfälle // 2016: 152 Unfälle // 2015: 131 Unfälle

Gesamt:                                               2017: 254 Unfälle // 2016: 300 Unfälle // 2015: 224 Unfälle

 

// Aktuelle Verkehrsunfallstatistik für den Raum Heilbronn //

 

Laut der aktuellen, am 16. März 2018, vom Polizeipräsidium Heilbronn veröffentlichten Verkehrsunfallstatistik im Zuständigkeitsbereich Heilbronn, sei die hohe Zahl von Verkehrsunfällen mit Lkw-Beteiligung „bemerkenswert, die letztlich mit der hohen Schwerverkehrsbelastung der Autobahnen korrespondiert. An 396 der insgesamt 928 Verkehrsunfälle mit bedeutendem Sachschaden beziehungsweise mit Personenschaden im gesamten Heilbronner Zuständigkeitsbereich waren Lkw beteiligt, was einem Anteil von 42,6  Prozent entspricht. Bei deutlich mehr als der Hälfte der Unfälle mit Personenschaden haben Lkw-Fahrer die Unfälle verursacht.“

Positik ist: Die Zahl der Personen, die 2017 im Rahmen von Verkehrsunfällen verletzt wurden, ging  im Vergleich zum Jahr 2016 um 22 Prozent zurück. Die Zahl der dabei schwer Verletzten sank um 24 Prozent.

 

// Unfallursachen //

 

Nicht angepasste oder überhöhte Geschwindigkeit (333 Unfälle) sowie mangelnder Abstand (172 Unfälle) sind auf den Autobahnen laut der Unfallstatistik die häufigsten Hauptunfallursachen. Bei den Unfällen mit Personenschaden liegen Abstandsverstöße mit 47 Prozent noch vor den Geschwindigkeitsverstößen (44 Prozent) an erster Stelle.
Im Bereich der Verkehrstüchtigkeit war 36 mal Übermüdung des Fahrzeugführers die Unfallursache, in 19 Fällen lag die Ursache im vorangegangenen Alkoholgenuss. Drei Verkehrsteilnehmer standen unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln und fünf Fahrer nahmen mit sonstigen körperlichen Mängeln am Verkehr teil.

 

// Gaffer, Handybenutzer, Standstreifenparker: Überwachungsschwerpunkte 2018 //

 

2018 will die Polizei verstärkt kontrollieren, ob Fahrer mit Mobiltelefonen am Ohr unterwegs sind, da mehr als jeder zehnte Unfall dadurch resultiere, dass die Fahrer mit dem Handy oder dem Navigationsgerät hantieren.
Da es immer wieder zu gefährlichen Situationen komme, wenn Lkw an den Zu- und Ausfahren von Parkplätzen halten, werde auch in diesem Bereich verstärkt kontrolliert werden, betont Karl Himmelhan, der Leiter der Verkehrsunfallaufnahme der Verkehrspolizeidirektion. Erster Polizeihauptkommissar Joachim Feucht weiß, dass „blockierte Rettungsgassen die Retter viel Zeit kosten, die für die Versorgung der Verletzten an der Unfallstelle dringend gebraucht wird. Hierdurch können entscheidende Minuten verloren gehen, die über Leben und Tod eines Verunglückten entscheiden. Neben der verstärkten Überwachung dieses Phänomens durch die Polizei hat auch der Gesetzgeber mit einer drastischen Erhöhung des Bußgeldes reagiert.“

In immer stärkerem Maße führe das Verhalten von Gaffern und rücksichtslosen Schaulustigen zu gefährlichen Situationen auf den Autobahnen. Dadurch verlängere sich nicht nur der Stau durch den Unfall, sondern es komme dadurch auch zu Folgeunfällen.

// Foto: GSCHWÄTZ/Archiv. Aufgenommen im November 2016 bei einer Polizeikontrolle auf der A6




Wir sind so gut im Russland-Bashing – Aber sind wir wirklich so viel besser?

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann

Ein Russland-Kenner, der heute morgen in SWR 1 zu den Russland-Wahlen am kommenden Sonntag, den 18. März 2018, zu hören war, war sich sicher: Wladimir Putin gewinnt die Wahl, weil er sehr populär in Russland sei, obwohl er viele innenpolitische Baustellen habe. Als Beispiel nannte er die Gesundheitspolitik, die Bildungspolitik und die Infrastruktur. Da musste man als Zuhörer schon fast schmunzeln. Genauso gut könnte er von Deutschland gesprochen haben. Wir sind wirklich gut darin, unsere östlichen Nachbarn, allen voran Russland und Wladimir Putin zu kritisieren oder über die USA den Kopf zu schütteln, wie das Volk nur einen Donald Trump zum Präsidenten wählen konnte. Bei unserem eigenen innenpolitischen Scherbenhaufen zucken wir lediglich mit den Schultern oder – noch schlimmer – die Parallelen, etwa zu Russland, fallen uns gar nicht auf.

Ja, hätte denn ersthaft jemand am Sieg von Angela Merkel gezweifelt – obwohl es reihenweise Pleiten, Pech, Pannen und vor allem Stillstand bei innenpolitischen Problemen in den vergangenen Jahren gab? Es hat sich weniger als nichts getan in der Gesundheitspolitik, in der Bildungspolitik und der Infrastruktur. Viel versprochen, noch weniger gehalten, stattdessen wurde vieles heruntergekürzt. Lediglich die Diätenerhöhung war sicher. Und was sich jetzt frisch gedruckt auf dem Koalitionspapier lesen lässt, interessiert sowieso das Gros der Bevölkerung nicht mehr, weil die Umsetzung dieser ganzen Heilsversprechen ohnehin in den Sternen steht.

// Deutschlands Baustelle 1 //

Unsere Gesundheitspolitik hat sich in den vergangenen Jahren in allen Bereichen verschlechtert: zahlreiche Krankenhäuser wurden deutschlandweit geschlossen, in der Stadt und auf dem Land herrscht Ärztemangel, der in den kommenden Jahren noch größer werden wird, Rettungsdienste beklagen eine so dünne Personaldecke wie noch nie, die staatlichen Pflegeheime sind zwar teuer, aber Pflegekräfte bekommen trotzdem nur ein Azubigehalt oder häufen Überstunden ohne Ende an.

// Deutschlands Baustelle 2 //

Deutschland war mal Klassenprimus in der Bildungspolitik – Sie erinnern sich vielleicht noch, das war zu einer grauen Vorzeit. Das ehemalige Musterländle Baden-Württemberg hatte stets Platz 2 bei den Pisastudien sicher, nach Bayern. Nun dümpeln unsere Kinder im Lesen, Schreiben und Rechnen auf den hintersten Plätzen herum. Viele Schulen beklagen einen Mangel an Lehrern, so dass es zu immer mehr Unterrichtsausfällen kommt und die Klassen immer größer werden. Geld wurde vor allem an den Grundschulen jahrelang nicht investiert – dort, wo der Samen für Bildung gesetzt wird.

// Deutschlands Baustelle 3 //

Über Infrastur sprechen wir lieber erst gar nicht. So wurde manch ein fast nie benutztes landwirtschaftliches Sträßchen im Kocher– und Jagsttal wurde bestens asphaltiert. Die A6 aber – die Problemzone für alle Pendler – ist so stark belastet, dass es andauernd zu Unfällen kommt. Permanente Baustellen und Unfälle zusammen – ergibt was? Richtig. Staus. Wartezeiten. Stillstand. Frust. Wann kommt der Ausbau?

Wohin sind in den vergangenen Jahren die sprudelnden Steuereinnahmen geflossen, die der ehemalige Finanzminister Woflgang Schäuble postuliert hat? Das fragen sich viele Bürger zu Recht.

A propos Altlasten: Wo ist eigentlich der beinahe-Aussenminister Martin Schulz (SPD) abgeblieben?

Foto: adobe stock




Welchen Dialekt sprechen wir? Schwäbisch oder fränkisch?

Wo spricht man welchen Dialekt und wo sind die geographischen Grenzen eines Dialektes? Mit diesen Fragen beschäftigte sich das Ludwig-Uhland-Institut der Universität Tübingen, unter der Leitung von Prof. Dr. Hubert Klausmann und Prof. Dr. Bernhard Tschofen. Das dreijährige Projekt hat die Dialektvarianten in ganz Baden-Württemberg erfasst. Nun ist der erste deutsche Sprachatlas Baden-Würtembergs fertig.

In einem dreijährigen Projekt haben die Wissenschaftler Menschen nach ihrem Dialekt befragt und aufgenommen, wie sie gewisse Wörter aussprechen. Die Mundartaufnahmen des Sprachatlases von Nord-Baden-Württemberg (SNBW) wurden zwischen 2009 und 2012 durchgeführt. Hierzu haben die Wissenschaftler 57 Personen befragt. Auch Anna-Rosa Walter aus Diebach und Fritz Messer aus Ingelfingen wurden interviewt.

Bei den Fragen ging es um Besonderheiten der lokalen Mundart. Zum Beispiel, wie wird bei ihnen das Wort „Buben“ ausgesprochen. Die Schwaben sagen „Buba“, die Franken „Buwa“. Aber auch unterschiedliche Wörter bei gleicher Bedeutung sind gebräuchlich: hochdeutsch „Flur“, schwäbisch „Gang“ und fränkisch „Ern“.

Nach dem Sprachatlas sprechen die Hohenloher ostfränkisch. Wie sich das anhört, kann man sich auf der Internetseite der Universität Tübingen zu Gemüte führen. Der sprechende Sprachatlas ist online zu finden: http://www.wiso.uni-tuebingen.de/faecher/empirische-kulturwissenschaft/ta-sprache/sprechender-sprachatlas.html

 

Karte: Ludwig-Uhland-Instiut der Universität Tübingen 2017




Es ist vollbracht – Die GroKo kommt – Was sagen die Bürger zur langen Regierungsbildung?

Man mag es kaum glauben, was aus Berlin die vergangenen Tage gemeldet wird: Die SPD, CDU und CSU haben sich zu einer großen Koalition durchringen können. Vorausgegangen sind monatelange Gespräche und Verhandlungen. GSCHWÄTZ-Reporter Dr. Felix Kribus wollte von den Hohenloher Bürgern wissen, wie sie die  sechsmonatigen Verhandlungen um eine neue Regierungsbildung fanden und musste lange ausharren, bis ihm einige wenige Passanten geantwortet haben. Die meisten haben dankend abgewunken, als sie das Thema GroKo – Merkel – SPD hörten. Soviel zum Thema Politikverdrossenheit. Vor sechs Monaten wurde gewählt.

Die SPD, die erst entschied, sich demütig in der Opposition zurechtzufinden, kam zu neuen Ehren, als sich Jamaika als Totgeburt erwies. Dadurch ist die angezählte SPD, die sich aktuell mit Grabenkämpfen um Personalfragen zerlegt, wieder phönixgleich aus der Asche gestiegen. Nicht ganz unbeteiligt daran – die ewige Kanzlerin. Wie teuer hat sie sich ihren aktuellen Machterhalt bei der SPD erkauft, darüber machen sich nicht nur Kritiker aus den eigenen Parteireihen Gedanken. Hier unsere nicht repräsentative Umfrage.

„Frau Merkel hat sich den Machterhalt sehr teuer erkauft, schon allein mit dem Finanzministerium, was abgegeben wurde und immer in CDU-Hand war, jetzt in SPD Hand. Das ist ein großer Verlust. Wenn die Groko scheitert, wird es Neuwahlen geben. Dann wird Frau Merkel in den wohlverdienten Ruhestand gehen müssen.“
// Kirsten Seber, Dörrenzimmern

„Das sind ja klar persönliche Motive von Angela Merkel. Ohne die SPD hätte die CDU ja komplett ihre Macht verloren. Das ist für Angela Merkel wichtig, dass sie jetzt die Koalition zustande bekommt. Da wird sie sich jetzt dementsprechend dafür einsetzen. Wenn die SPD nein sagt, dann würde ich vermuten, dass es zu einer Minderheitsregierung kommt. Das würde ich auch hoffen, das ist ja auch der richtige demokratische Weg.“
// Caspar Holberg, Künzelsau

„Grundlegend finde ich diesen Machterhalt völlig schwachsinnig, weil es die demokratische Grundidee völlig verfehlt. Der demokratische Volkswille war nicht so angedacht, dass es erneut eine große Koalition gibt. Dementsprechend denke ich, dass sie sich den Machterhalt ziemlich teuer erkauft hat. Das hat zu ihrem
Gesamtimage nicht positiv beigetragen. Sollte die SPD dem Koalitionsvertrag nicht zustimmen, dann wird es auf eine Minderheitsregierung hinauslaufen müssen, was meiner Meinung nach auch das einzig Richtige ist. Das wird politisch zwar einen größeren Aufwand darstellen, man würde aber den deutschen demokratischen Willen durchsetzen und wäre nicht darauf aus, sich künstlich an der Macht zu halten..“
// Daniel Ruth, Künzelsau

„Ob sich Angela Merkel was erkaufen muss, weiß ich nicht. Angela Merkel ist eine Frau, die schon ewig regiert. Das Land stand noch nie am Abgrund. Mit der CDU hat bis jetzt immer alles funktioniert. Wenn die SPD zur GroKo nein sagt, haben sie Pech gehabt, wenn sie nicht wollen. Wenn die immer so zwiespältig sind, mal ,ja´, mal ,nein´. Das ist nicht normal. Mein Mann und ich finden die SPD nicht mehr so glaubwürdig. “
// Karin Rach, Künzelsau

„Angela Merkel setzt alles daran, die Koalition fortzusetzen. Vielleicht auch, um Helmut Kohl zu übertreffen. Sie weiß, wenn es Neuwahlen gibt, wird es anders ausgehen. Wenn man bedenkt, dass die SPD zwanzig Prozent der Wählerstimmen bekommen hat, regiert aber so, als hätte sie sechzig, siebzig Prozent der Stimmen bekommen. Ich denke, bei einer Neuwahl wird Frau Merkel erneut antreten und sie wird auch wieder gewählt werden.
// Uwe Scheerer, Gaisbach

// Die neuen Minister //

Hier sehen Sie die – zumindest aktuell aufgestellten Minister für die neue Regierung – im Überblick.

Kanzlerin: Angela Merkel (CDU)

Aussenminister: Heiko Maas (SPD)

Justizminister: Olaf Scholz (SPD)

Arbeitsminister: Hubertus Heil (SPD)

Justizministerin: Katarina Barley (SPD)

Familienministerin: Franziska Giffey (SPD)

Umweltministerin: Svenja Schulze (SPD)

Wirtschaftsminister: Peter Altmaier (CDU)

Gesundheitsminister: Jens Spahn (CDU)

Landwirtschaftsministerin: Julia Klöckner (CDU)

Verteidigungsministerin: Ursula von der Leyen (CDU)

Bildungsministerin: Anja Karliczek (CDU)

Kanzeramtsminister: Helge Braun (CDU)

Innenminister: Horst Seehofer (CSU)

Verkehrsminister: Andreas Scheuer (CSU)

Entwicklungsminister: Gerd Müller (CSU)




3D-Malerei in Kiau // Video zum neuen Street-Art-Projekt

von Nadja Fischer

Zur Begleitung von Alexander Gersts Mission „Horizons“ 2018 stehen in den kommenden 90 Tagen neun Street-Art-Projekte in der Stadt Künzelsau an. Neun nationale und internationale Künstler kommen nach Künzelsau und stellen ihre Street-Art-Kunstwerke zur Schau.

Den Auftakt machen Adry del Rocio und Ruben Poncia mit 3D-Malerie. Mit einer bestimmten Acylfarbe und Pinselen haben die beiden Alexander Gerst innerhalb von dreieinhalb Tagen auf den Wertwiesen-Parkplatz gemalt. Seit Donnerstag, den 08. März 2018, ist das Kunstwerk fertig: „Ich bin sehr auf das Gesicht von Alexander Gerst gespannt, wenn er sich auf dem Wertwiesen-Parkplatz sieht“, sagt Bürgermeister Stefan Neumann bei der offiziellen Pressevorstellung.

Die 3D-Wirkung entsteht nur, wenn man auf einer bestimmten Position steht. Dann sieht es so aus, als ob man sich mitten im Kunstwerk befindet. Je nachdem wie das Wetter ist und auch wie oft das Kunstwerk betreten wird, wird das Bild bis zu zwei Jahre auf der Straße zu sehen sein. Auf die Frage, ob es dem Künstler nichts ausmacht, dass das Kunstwerk irgendwann nicht mehr existent sein wird, antwortete Ruben Poncia: „Alles ist vergänglich, aber die Fotos der Besucher bleiben.“ Die Adolf Würth GmbH & Co. KG und ebm-papst Mulfingen GmbH & Co. KG unterstützen die Aktion als Groß-, die Sparkasse Hohenlohekreis als Kleinsponsor.

Die Künstler erklären, wie sie das 3D-Kunstwerk angefertigt haben:

Wir haben Künzelsaus‘ Bürgermeister Stefan Neumann gefragt, wie er zu Street-Art gekommen ist und was das Projekt gekostet hat. Seine Antwort seht ihr in dem Video:

// Fotos und Videos: GSCHWÄTZ