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Tod eines Siebenjährigen // Zurückhalten mit Spekulationen

„Wir wissen, dass derzeit viele Gerüchte und Spekulationen im Umlauf sind“ aufgrund des Todes eines Siebenjährigen in Künzelsau, sagt Carsten Diemer, Polizeihauptkommissar des Polizeipräsidiums Heilbronn, auf GSCHWÄTZ-Nachfrage, dass es zwar momentan viele Gerüchte und Spekulationen gebe, dass aber die Polizei selbst bis dato lediglich fünf Pressemitteilungen zu dem Tod des Jungen veröffentlicht habe. Darüber hinaus gebe es bislang keine neuen Erkenntnisse.

Folgende Erkenntnisse gibt es – basierend auf den offiziellen Pressemitteilungen des Polizeipräsidiums Heilbronn und der Staatsanwaltschaft – zum jetzigen Zeitpunkt:

Zu einem Großeinsatz der Polizei kam es am Samstag, den 28. April 2018, in Künzelsau, nachdem ein vermutliches Tötungsdelikt gemeldet wurde. Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen wollten Eltern am Vormittag ihren siebenjährigen Sohn bei der 69-jährigen Tatverdächtigen in ihrem Haus in Künzelsau abholen.
Zuvor haben Bürger das Ehepaar in der Künzelsauer Innenstadt gesehen. Da niemand öffnete, baten die Eltern einen Nachbarn um Hilfe und gelangten so in das Haus, so die damalige Pressemitteilung der Polizei, Im Mededienbericht des Nachrichtenmagazins Focus heißt es, der Vater habe den Jungen gefunden. Der Siebenjährige lag tot in einer Badewanne. Da die 69 Jahre alte Bekannte, die auf den Jungen seit mehreren Jahren immer wieder aufpasste, verschwunden war, leitete die Polizei eine Suchaktion ein. Obwohl mehr als zehn Streifen der Schutz- und Kriminalpolizei, ein Polizeihubschrauber und ein Mantrailer im Einsatz waren, ergab sich zunächst keine Spur der Frau. Am Samstagabend, gegen 21.30 Uhr, konnte die 69-Jährige nach einem Zeugenhinweis in Künzelsau gefunden und vorläufig festgenommen werden.

Die 69-jährige Frau wurde am Sonntagnachmittag, den 29. April 2018, auf Antrag der Staatsanwaltschaft Heilbronn einer Haftrichterin beim Amtsgericht Öhringen vorgeführt.
Dort wurde Haftbefehl gegen sie erlassen. Die 69-Jährige wurde anschließend in eine Justizvollzugsanstalt in Baden-Württemberg eingeliefert. Sie sitzt seitdem in Untersuchungshaft und und wird nun anwaltschaftlich vertreten. Die 69-Jährige schweigt mittlerweile zu den Tatvorwürfen. Von möglichen anderen oder weiteren Tatbeteiligten hat die Polizei bislang nicht gesprochen.




„Innerhalb des Rathauses kann man sicher noch einige Dinge effizienter gestalten“

Künzelsau // Interview mit Bürgermeisterkandidatin Ruth Hildegard Henrich

 

GSCHWÄTZ:  Warum haben Sie sich für das Amt des Bürgermeisters in Künzelsau beworben?

Henrich: Ich wurde von Bürgern gebeten. Von selbst wäre ich nicht auf die Idee gekommen. Ich habe bis dahin gar nicht gewusst, dass in Künzelsau Bürgermeisterwahl ist (lacht).

 

GSCHWÄTZ: Warum sehen Sie sich als geeignet an für das Amt des Bürgermeisters?

Henrich: Ich habe jahrzehntelange Verwaltungserfahrung und besitze analytisches Denken. Mir geht es  darum, das Beste aus den Leuten herauszuholen und die bestmögliche Dienstleistung an den Menschen zu erbringen. In dieser Hinsicht bin ich sehr amerikanisch. Hier in Deutschland dauert alles ziemlich lange hinsichtlich der Bürokratie. Sehr viel ist den europäischen Standards zum Opfer gefallen. Innerhalb des Rathauses kann man sicherlich noch ein paar Dinge effizienter gestalten. Das habe ich schon am eigenen Leib erfahren. Ich bin eine Person, der Dinge auffallen, die anderen nicht auffallen.

 

GSCHWÄTZ: Sehen Sie es als Bonus an, eine Frau  zu sein?

Henrich: Ich habe lange für das US-Militär gearbeitet. Auch wenn ich optisch das genaue Gegenteil bin, bin ich doch in meinen Arbeitsweisen sehr männlich. Ich bin auch streng als Chef.

 

GSCHWÄTZ: Würden Sie sich als durchsetzungsstark bezeichnen?

Henrich: Hartnäckigkeit ist mein zweiter Vorname. Wenn ich etwas durchsetzen will, dann schaffe ich das auch. Ich berate schließlich Geschäftsführer, da muss man sich auch durchsetzen können.

 

GSCHWÄTZ: Bislang sieht man noch keine Plakate oder Flyer von Ihnen. Auch die Menschen wollen Sie kennenlernen. Wann werden Sie in den Wahlkampf ziehen?

Henrich: Allein das Wort Wahlkampf irritiert mich schon sehr. Ich ziehe schließlich nicht in den Krieg. Ich stelle mich vor als der, der ich bin. Als ich mich aufstellen ließ, bekam ich nette Mails: „Endlich eine Alternative für Künzelsau“.  Ich habe für Wahlkampf nicht die Zeit. Ich mache das nicht, um mein Ego zu verwirklichen, sondern es geht mir um die Sache.

 

GSCHWÄTZ: Wo möchten Sie denn Schwerpunkte setzen?

Henrich: Ich habe brennende Themen für Künzelsau. Wichtig ist: Wir haben Gewerbetreibende und ganz einfache Menschen, die Verbraucher. Bei den Gewerbetreibenden wäre die Gewerbesteuer, die Vergabe von Aufträgen an ortsansässige Unternehmen oder Anreize zu schaffen, um Unternehmenszentralen von Firmen hier ansässig zu machen, wichtige Themen. Bei den Verbrauchern ist das Thema Strom interessant und wo er in Zukunft herkommt oder das Thema kostenloses Parken. Auch die medizinische Versorgung der Bürger ist ein Thema.

 

GSCHWÄTZ: Was haben Sie beim Thema Gesundheitsversorgung konkret für Ideen?

Henrich: Hier wird kein König gewählt. Jeder sollte seine Ideen einbringen. Es leiden viele Kommunen daran, dass viele Leute nur ihr Ego voranbringen wollen, viele denken nur parteipolitisch und denken nicht über zwei Generationen hinweg. Man müsste hier auch nochmal die Sinnhaftigkeit von Projekten prüfen. Hinsichtlich der Gesundheitsversorgung habe ich schon eine Idee, was man machen könnte. Da könnte Künzelsau Vorbild werden. Ich bin da ganz gut vernetzt.

 

GSCHWÄTZ: Inwiefern?

Henrich: Mit neuen Ansätzen in der Wirtschaft, in der Industrie- und Handelskammer.

 

GSCHWÄTZ: Manch ein Bürger moniert, dass Sie keine Kämmerin waren oder sind, wie viele Bürgermeister hierzulande, bevor Sie zum Bürgermeister gewählt wurden.

Henrich: Ich komme aus dem Bereich Finanzverwaltung, eine bessere Qualifikation kriegen Sie nicht.

 

// Ruth Hildegard Henrich //

Ruth Hildegard Henrich ist am 20. Juli 1958 in Neuwied am Rhein geboren. Heute wohnt die 59-Jährige in Zweiflingen. Henrich (geschieden; keine Kinder) ist Unternehmens- und Managementberaterin mit einer eigenen Praxis in Bad Friedrichshall. Sie ist unter anderem Burnout-Beraterin und bietet „mental coaching“ an. Sie coacht laut eigenen Angaben unter anderem Führungskräfte, Sportler und Paare, um psychische und physische Stärke zu erlangen.

Laut ihrem vierseitigen Lebenslauf hat sie 2004 ihren Master in Business Administration in New Orleans (USA) gemacht, zuvor war sie unter anderem Leiterin einer Bankzweigstelle des US Militärs (Defense Liaison Office), war beim Department of State (Auswärtigem Amt) als Controllerin tätig, betreute Finanzverwaltungen der U.S. Botschaften in Europa, dem Nahen Osten und Washington D.C. und war zuständig für die Budgetplanung und -Einhaltungsüberwachung für das Auswärtige Amt (USA) hinsichtlich der Verwaltungen der diplomatischen Niederlassungen der USA in Deutschland. Seit 2011 ist sie offiziell als Business- und Management Coach zertifiziert. 2016/2017 hat sich Henrich zur Fitnesstrainerin in den Ladyfitness Studios in Heilbronn, Neckarsulm, Bad Friedrichshall und Mosbach weitergebildet und daraufhin eine Fitness-Akademie für Personal-Training gegründet. Kurse gibt sie unter anderem beim Finanzamt Öhringen. Www.bijang.de

 

// Henrich persönlich kennenlernen //

Am Mittwoch, den 16. Mai 2018, können sich die Bürger einen Eindruck von Ruth Hildegard Henrich machen. Dann stellen sich alle Kandidaten in der Stadthalle in Künzelsau vor. Los geht es um 20 Uhr in der Stadthalle in Künzelsau

 

Das Interview führte Dr. Sandra Hartmann; Foto // GSCHWÄTZ/Archiv/Rathaus Künzelsau




Taläcker // „Bau eines Kindergartens heute doppelt so teuer“

// Video Taläckerfest // Rede Bürgermeister Stefan Neumann

In seiner Rede zum Taläckerfest anlässlich des 25-jährigens Bestehens des Kindergartens in der Leonardo-da-Vinci-Straße am 10. Mai 2018 machte Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann unter anderem darauf aufmerksam, dass der Bau eines Kindergartens damals noch 1,5 Millionen gekostet habe, heute sei ein solcher Bau doppelt so teuer.

 




Warum trinken Männer am Vatertag so viel Bier?

// Neue Idee von „Naturerfahrung“

Auch in vielen Teilen im Hohenlohekreis werden heute wieder viele Gruppen mit – manchmal noch selbst gebautem – Bollerwagen, einem Kasten Bier und Grillgut losziehen, um den Vatertag, der immer auf Christi Himmelfahrt fällt, zu feiern.Christi Himmelfahrt ist immer am 40. Tag nach Ostern.

 

Doch wie kam es überhaupt zu dieser Tradition? Der MDR war dem Vatertag auf der Spur und schreibt hierzu:

„Im 19. Jahrhundert beginnen die Herrenpartien, die eine neue Idee von Naturerfahrung darstellten“, erklärt Dagmar Hänel von der Volkskundeabteilung des LVR-Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte. „An Sonn- und Feiertagen gingen die Männer raus in die Natur, hatten Spaß und tranken auch Alkohol.“ Der Vatertag war geboren.

 

// Freizeitverhalten wird eingeübt //

 

Die Entstehung der Herrenpartie fällt in die Zeit der Industrialisierung und der Entwicklung einer neuen Freizeitgesellschaft, erläutert der Kulturwissenschaftler Gunther Hirschfelder von der Universität Regensburg. „Es sind Arbeiterschichten, die ein bürgerliches Freizeitverhalten einüben“, so Hirschfelder. „Ab 1870 nimmt diese Herrenpartie eine gewisse Eigendynamik und wird zu der heutigen Vatertagsform.“

Es fand damals ein regelrechter gesellschaftlicher Wandel statt. „Seit dieser Zeit ist gemeinsame Freizeit ein erkämpftes Recht“, sagt Kulturwissenschaftler Hirschfelder. „Unter Bismarck gab es dagegen noch kaum Freizeit.“ Die neu gewonnene Freizeit wussten die Herren sehr gut zu nutzen.

Doch warum sind bei den Touren schon zu Beginn nur Väter dabei? „Im 19. Jahrhundert sind Vereine häufig von Männern dominiert, was man auch an der Tradition der Junggesellenvereine erkennt“, erklärt Volkskundlerin Hänel. „Wenn man Junggeselle ist, heiratet man irgendwann und wird Vater.“ Außerdem diente der Vatertag auch dazu, Jüngere in die Tugenden und Untugenden der Männlichkeit einzuführen. Vornehmlich ging es dabei ums Rauchen, Trinken und die Frauen.

 

// Biergärten sind die Folge //

 

In der Folge entstand auch eine entsprechende Infrastruktur für die Vatertagstouren. „In den Wäldern wurden Ausflugslokale und Biergärten eröffnet“, sagt Volkskundlerin Dagmar Hänel vom LVR-Institut. Der Brauch der feucht-fröhlichen Männerrunde bleibe seitdem bestehen.

In der Nachkriegszeit blieb der Vatertag noch eine richtige Herrenpartie, zumindest bis in die 60er Jahre. Die Herren zeigten dabei eine große Kreativität und besonderen Witz. „Im Laufe der 70er und 80er Jahre wurde das Ganze allerdings etwas altmodisch“, sagt Kulturwissenschaftler Hirschfelder.

In dieser Form wird der Vatertag nur im deutschsprachigen Raum gefeiert. In den USA wird der Vatertag am dritten Sonntag im Juni begangen. Seit 1974 ist der „Father’s Day“ dort ein offizieller Feiertag, an dem die Väter in der Regel Unternehmungen mit ihren Söhnen machen. Auch der US-Präsident hält dann eine Ansprache.

 

// Einer der unfallreichsten Tage des Jahres //

 

Der Vatertag ist übrigens einer der unfallreichsten Tage des Jahres. Er verzeichnet nach Angaben des statistischen Bundesamtes fast drei mal so viele durch Alkohol bedingte Verkehrsunfälle wie im restlichen Jahr. Das ist ein absoluter Rekordwert. Kein Wunder: Viele angetrunkene Männer sind auch mit dem Fahrrad unterwegs.“

 

Mittlerweile wird der Vatertag häufig gemeinsam mit Frauen und Kindern begangen, vielerorts werden Radtouren ohne Bollerwagen gemacht.

 

Den MDR-Artikel mit lustigen Fotos von Männern, die früher und heute am Vatertag feuchfröhlich unterwegs waren, gibt es hier zu sehen:

https://www1.wdr.de/wissen/mensch/vatertag-122.html

 

 




„Mama, du brauchst keine Angst zu haben“

// Gonzos letzte Stunden

Es ist ihr schwer ums Herz, so schwer wie es einem nur sein kann, wenn man ein Kind verloren hat. Vor ein paar Tagen hat sie noch um den siebenjährigen Jungen geweint, der in Künzelsau gestorben ist. Nun trauert Mirjana Krolo um Gonzo, ihren eigenen Sohn. Der 47-jährige Musiker ist am Donnerstagabend, den 03. Mai 2018, an einer, so die 75-Jährige „Herzkrankheit“ verstorben. Nachmittags gegen 14 Uhr hätten sie noch gemeinsam Kaffee getrunken. Abends konnte er den für seine Band Gonzo’N’Friends geplanten Auftritt im Wildpark Bad Mergentheim nicht mehr wahrnehmen. Für sie das einzig Beruhigende: „dass er am Schluss nicht alleine war.“ Eine „gute Vertraute sei bei ihm gewesen“, sagt Mirjana gegenüber GSCHWÄTZ.

 

Laut der Freundin, so die Mutter, habe er sich irgendwann hingelegt, weil es ihm so warm wurde. Da sich sein Zustand verschlechterte, habe die Bekannte den Notarzt gerufen. Eine Reanimation habe nichts mehr gebracht.

 

// Woran ist Gonzo gestorben ? //

 

Laut Mirjana Krolo hat Gonzo sich erst vor drei Wochen im Krankenhaus in Öhringen „durchchecken“ lassen. Bei den Tests sei alles in Ordnung gewesen, so Gonzo damals zu seiner Mutter. Mirjanas Vater sei ebenfalls an einem Versagen des Herzens, an einem Herzinfarkt gestorben, berichtet Mirjana Krolo. Er sei  jedoch 71 Jahre alt geworden.  „Die beste Spezialklinik der Welt hätte nichts mehr machen können“, ist sich die gelernte Schneiderin daher sicher. Und dennoch zerreisst es ihr das Herz. „Wie soll ich jetzt noch weiterleben?“, fragt sie.  Mirjana hat noch einen Sohn und eine Enkelin – Gonzos 20-jährige Tochter. Gonzo selbst sei damals auch 20 gewesen, als sein Vater an Hepatitis B gestorben sei, so Mirjana.

 

Sie selbst hat ebenfalls gesundheitliche Probleme, ist im vergangenen Jahr schwer gestützt. Gonzo habe immer zu ihr gesagt: „Mama, du brauchst keine Angst zu haben“ und bot ihr finanzielle Unterstützung an.

 

// Die Band trauert mit ihr //

 

Gonzos Band habe mit ihr getrauert. Sie seien am Donnerstagabend noch zusammengesessen. Das habe ihr gut getan. Vielleicht spielt die Band auch ein Lied an der Beerdigung. Das würde ihr sehr gefallen.

 

// Gonzos letzter Eintrag in Facebook //

 

Am Donnerstagmorgen um 10 Uhr, also nur wenige Stunden vor seinem Tod, hat Gonzo seinen letzten Post auf Facebook an an seine knapp 4.000 Anhänger geschickt. Darin steht:

„Dein ist dein ganzes Herz, du bist mein Reim auf Schmerz.“

 

Wann die Beerdigung ist, steht noch nicht fest.

 

// Josip Krolo Gonzo //

Im Januar haben wir ein Exklusiv-Interview in unserer gedruckten Ausgabe veröffentlicht und ein Video gedreht in seiner Wohnung in Weissbach. Er hatte einige musikalische Pläne und schaute optimistisch in die Zukunft:

 




„Man geht in den Wahlkampf, weil man gewinnen möchte“

Video-Interview: Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann über die Höhen und Tiefen seiner Amtszeit und welche Vision er für Künzelsau hat.

Kurz bevor es richtig losgeht mit dem Bürgermeisterwahlkampf in den einzelnen Ortsteilen und der Bürgermeisterwahl am 03. Juni 2018 haben wir am 23. April 2018 mit Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann über seine Zeit als Chef der Kreisstadt und seine Vision für die Zukunft gesprochen.

GSCHWÄTZ: Können Sie sich noch an den Tag vor acht Jahren erinnern, als Sie zum neuen Bürgermeister gewählt wurden?
Neumann: Es war ein sehr heißer Tag damals und es war ein wunderschönes Gefühl.

GSCHWÄTZ: Hätten Sie mit diesem Ergebnis gerechnet?
Neumann: Man tritt schon an, um zu siegen. Man geht in den Wahlkampf, weil man gewinnen möchte. Das war damals der Fall und das ist auch heute der Fall.

GSCHWÄTZ: Wenn Sie zurückdenken an die vergangenen acht Jahre, was waren besondere Momente?
Neumann: Gern erinnere ich mich zurück an die Stadtfeste, denn die sind ein Highlight für Künzelsau und für die gesamte Region. Da kommen Künzelsauer von der ganzen Welt her, um sich dort zu treffen. Was sicher auch ein besonderes Highlight war, war die Eröffnung des Carmen-Würth-Forums. Und auch die Welcome-back-Party mit Alexander Gerst.
Alexander Gerst fliegt bald wieder in den Weltraum. Wie begleitet Künzelsau dieses Ereignis?
Neumann: Wir versuchen, das angemessen zu begleiten. Wir sind ja in Kooperation mit der deutschen Luft- und Raumfahrt. Es wird unter anderem eine Startveranstaltung am Alten Rathaus am 06. Juni 2018 geben.

GSCHWÄTZ: Es gab ja nicht immer Sternstunden in den vergangenen Jahren.Wie haben Sie das Hochwasser 2016 erlebt?
NEUMANN: Das war ein ganz prägendes Ereignis. Bei mir persönlich was es so, dass ich abends noch eine WhatsApp von einer Kollegin bekommen habe, die in Braunsbach [Anm. der Redaktion: Braunsbach wurde am stärksten von dem Hochwasser verwüstet] Theater gespielt hat. Ich habe die Kinder noch ins Bett gebracht. Dann ging auch schon mein Melder los. Ich bin gar nicht mehr über die Kocherbrücke gekommen, weil das Wasser schon so hoch gestanden ist.

GSCHWÄTZ: Was haben Sie dann gemacht?
Neumann: Ich habe das Auto auf dem Gehweg abgestellt und bin zu Fuß zur Feuerwehrwache gelaufen.

Gesundheitsversorgung : „Es war eine unglaublich kräfezehrende Zeit“

GSCHWÄTZ: Wie haben Sie die Zeit erlebt rund um die Schließung des Künzelsauer Krankenhausstandortes?
Neumann: Es ist eine unglaublich kräftezehrende Zeit, die ja auch einen gewissen zeitlichen Vorlauf hat. Das hat ja schon mit meiner Tätigkeit als Aufsichtsrat begonnen und mich über die ganzen Jahre begleitet und begleitet mich ja heute immernoch, denn auch mit der Wahl des neuen Partners, der BBT-Gruppe, ist das Thema ja nicht ausgestanden, sondern es gibt viele offene Fragen, die es noch zu klären gilt und wo wir uns auch einbringen müssen.

GSCHWÄTZ: Wie geht es weiter mit der Gesundheitsversorgung für Künzelsau? Kennen Sie die Konzepte, die angedacht sind?
Neumann: Es gibt Konzepte und Varianten. Diese müssen aber noch ausformuliert werden. Das eine ist, was jetzt auf dem Papier steht, das andere ist, was man am Ende des Tages letztendlich leben kann. Wir können alle keine Lösung gebrauchen, die ein, zwei oder drei Jahre hält, sondern wir müssen Perspektiven auftun. Mit dem neuen Partner haben wir diese Möglichkeit, aber da gehört noch mehr dazu, als der neue Partner.

GSCHWÄTZ: Hohenlohes Landrat Dr. Matthias Neth könnte sich ein medizinisches Versorgungszentraum (MVZ) ähnlich dem in Forchtenberg vorstellen.
Neumann: Ein MVZ kann für mich nur ein Teil der Lösung sein. Es ist sicherlich richtig, dass vermehrt Ärzte ins Angestelltenverhältnis gehen möchten. Aber wir haben ja einen ganzen Komplex zu bespielen, der jetzt da ist. Das MVZ kann ein Kernelement sein, weil wir davon ausgehen, dass der ambulante Bereich gestärkt wird. Wir wollen aber auch die Möglichkeiten nutzen, die es in Künzelsau gibt. Wir haben beispielsweise Operationsmöglichkeiten. Die Frage ist: Kann man das in die Zukunft führen – auch in einem ambulanten Zentrum? Welche Fachrichtung kann man noch hinzugewinnen? Welche gesundheitsnahen Dienstleistungen kann man noch hinzuziehen? Das sind Fragen, sie es noch zu klären gilt, wo aber auch das Sozialministerium sicherlich seinen Teil dazu beitragen kann.

Medien: „Das eine ist, was man über die Medien wahrnimmt, das andere, was im OFF tatsächlich stattfindet.“

GSCHWÄTZ: Manche Bürger bemängeln, dass Sie sich zu wenig für das Krankenhaus Künzelsau eingesetzt haben.
Neumann: Das eine ist, was man wahrnimmt über die Medien und das andere, was im OFF tatsächlich stattfindet – sei es im Kreistag oder in Gesprächen, die wir mit dem Ministerium oder Ärztevertretern führen. Man kann davon ausgehen, dass sich der Bürgermeister und auch andere verantwortliche Personen in die Sache richtig reinknien, weil wir nicht nur ein persönliches, sondern ein städtisches Interesse haben, wie wir das Ganze nun weiterentwickeln. Da kann man sich natürlich an Wörtern stören oder an Meinungen. Aber unsere Aufgabe ist es, verantwortungsbewusst zu handeln und dann auch für die Zukunft einen Nutzen zu stiften. Die Gesundheitsversorgung hört mit der Schließung des Krankenhauses nicht auf und da muss jeder seinen Teil dazu beitragen – auch der Bürgermeister von Künzelsau.

GSCHWÄTZ: Künzelsaus Innenstadt hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Es hat sich einiges getan. Aber dennoch gibt es offene Baustellen, wie etwa das Peka-Areal. Wie geht es da weiter?
Neumann: In den nächsten Monaten werden wir den Kaufvertrag abschließen, der Bauantrag wird eingereicht. Wir haben erst diese Woche die letzten Details besprochen. Ich gehe davon aus, dass es mit der Baustelle ab Herbst und in den Wintermonaten so richtig losgeht. Ab Baubeginn rechnet man mit 18  Monaten Bauzeit, bis alles fertig ist.

GSCHWÄTZ: Ein weiteres großes Vorhaben ist der Neubau des Landratsamtes.
Neumann: Wir machen in diesem Jahr einen städtebaulichen Wettbewerb, um die ideale Stelle fürs Landratsamt zu finden. Es geht nicht nur ums Landratsamt, sondern auch um die Mitarbeiter. Die kommen großteils mit dem Auto. Wir schauen uns daher an, wo ein guter Standort für das Verwaltungsgebäude wäre und wo ein Parkhaus entstehen könnte.

Begrenzter Wohnungsmarkt: „Wir sehen den Trend zum urbanen Wohnen“

GSCHWÄTZ: Wo sehen Sie Künzelsau in den nächsten fünf bis zehn Jahren?
Neumann: Wichtig ist, dass sich Künzelsau positiv weiterentwickelt, dass wir den Schwung, den wir derzeit haben, auch mitnehmen und weiterführen. Künzelsau ist eine sehr lebenswerte Stadt, aber dafür muss man am Ball bleiben.

GSCHWÄTZ: Einige Bürger bemängeln den knappen Wohnungsmarkt.
Neumann: Künzelsau ist gefragt. Wir sehen den Trend zum urbanen Wohnen. Daher schaffen wir Wohnflächen in der Innenstadt. In Gaisbach haben wir eigene Flächen für Geschosswohnungsbau, wo wir modellhaft zeigen wollen, das preisgünstiges Wohnen möglich ist.

Im Rathaus in Künzelsau legen wir Stefan Neumann jeweils zwei Bilder vor, zwischen denen er sich entscheiden muss.

Fußball: VfB Stuttgart oder FC Bayern München?
Neumann: VfB Stuttgart. Ich habe ja bei der Landeshauptstadt Stuttgart angefangen zu arbeiten. Und mein Traum als Verwaltungspraktikant war eine Stelle im gehobenen Dienst im Sportreferat zu bekommen. Das sitzt nämlich direkt im Stadion. Meine Frau ist übrigens Bayern-München-Fan.

Musik: „lieber Après-Ski als Toten Hosen“

Helene Fischer oder Lena Meyer-Landrut?
Neumann: Ich würde mich dann eher für Helene Fischer entscheiden.

Andreas Gabalier oder die Toten Hosen?
Neumann: Ich entscheide mich für Après-Ski und damit Andreas Gabalier.

Dörzbachs Bürgermeister Andy Kümmerle oder Forchtenbergs Bürgermeister Michael Foss?
Neumann: Ich komme mit beiden richtig gut aus. Michael Foss hat bei uns mal ein Praktikum gemacht. In Forchtenberg habe ich auch meine berufliche Laufbahn begonnen. Deshalb entscheide ich mich für Michael Foss.

Landrat Dr. Matthias Neth oder BI-Sprecher Andreas Eckle?
Neumann: Das sind zwei Herren, die ich beide sehr gut kenne und ich komme auch mit beiden gut aus. Ich weiss nicht genau, wie das Innenverhältnis zwischen den Zweien ist. Mit dem Landrat haben wir natürlich viele Berührungspunkte, nicht nur das Krankenhaus, zum Beispiel auch der Neubau das Landratsamtes. Deshalb würde ich mich für Matthias Neth entscheiden.

// Stefan Neumann //

Stefan Neumann (35) wurde am 05. November 1982 in Schwedt geboren. Der Diplom-Verwaltungswirt war Kämmerer von Forchtenberg und Putzbronn, bevor er im Juli 2010 zum Bürgermeister von Künzelsau gewählt wurde. Neumann ist verheiratet und hat drei Kinder im Alter von fünf, drei und eins.
Das Video-Interview mit Neumann wurde in Künzelsau gedreht.

// Gegenkandidaten //

Ob es ein Wahlkampf wird, werden die Bürger am Montag, den 07. Mai 2018, in der Gemeinderatssitzung in Künzelsau erfahren. Dort wird verkündet, ob es Gegenkandidaten gibt und wenn ja, wer es ist.

Die Bürgermeisterwahl in Künzelsau ist am 03. Juni 2018.

Das Interview führte Dr. Sandra Hartmann; Videodreh und Schnitt: Dr. Felix Kribus

Das ganze Interview sowie Fotos vom Videodreh gibt es in unserer aktuellen GSCHWÄTZ-Ausgabe des Monats Mai – jetzt überall im Einzelhandel abonnieren über unseren GSCHWÄTZ-Shop: www.gschwaetz.de/gschwaetz-shop/

 




Künzelsau // Tod eines Siebenjährigen – Polizei bittet Bürger um Mithilfe

// Wer kann Angaben über die 69-Jährige machen?
 
Die polizeilichen Ermittlungen, wie und warum ein Siebenjähriger Ende letzter Woche im Haus einer 69-Jährigen in Künzelsau gestorben ist, gehen mit Hochdruck weiter. Die Staatsanwaltschaft und die das Polizeipräsidium Heilbronn bitten nun die Bürger um Mithilfe.
 
Beamte der Ermittlungsgruppe Schippberg suchen nun Zeugen, die die Frau am Freitagabend in Begleitung des Jungen gesehen haben. Außerdem werden Personen gesucht, die Hinweise über den Aufenthaltsort der Frau zwischen Freitagabend, den 27. April 2018, und der Rückkehr zu ihrem Wohnhaus am Samstagabend, den 28. April 2018, gegen 21.30 Uhr, geben können.
 
Ermittlungen zufolge war die zirka
1,70 Meter große Frau, die eine kräftige Statur hat und weißes kinnlanges Haar trägt, mit einer beigen Freizeithose und einem knielangen dunklen Mantel bekleidet. Zeugenhinweise gehen an die Telefonnummer: 07131/104-4444.

 

// Hintergrund //

 

// Großeinsatz der Polizei nach vermutlichem Tötungsdelikt

Zu einem Großeinsatz der Polizei kam es am Samstag, den 28. April 2018, in Künzelsau, nachdem ein vermutliches Tötungsdelikt gemeldet wurde. Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen wollten Eltern am Vormittag ihren siebenjährigen Sohn bei einer Bekannten abholen. Da niemand öffnete, baten sie einen Nachbarn um Hilfe und gelangten so in das Haus. Dort fanden sie den Sohn leblos auf. Da die 69 Jahre alte Bekannte verschwunden war, leitete die Polizei eine Suchaktion ein. Obwohl mehr als zehn Streifen der Schutz und Kriminalpolizei, ein Polizeihubschrauber und ein Mantrailer im Einsatz waren, ergab sich zunächst keine Spur der Frau. Am Samstagabend, gegen 21.30 Uhr, konnte die 69-Jährige nach einem Zeugenhinweis in Künzelsau gefunden und vorläufig festgenommen werden.

Die 69-jährige Frau wurde am Sonntagnachmittag, den 29. April 2018, auf Antrag der Staatsanwaltschaft Heilbronn einer Haftrichterin beim Amtsgericht Öhringen vorgeführt.
Dort wurde Haftbefehl gegen sie erlassen. Die 69-Jährige wurde anschließend in eine Justizvollzugsanstalt eingeliefert.
Gerichtsmediziner haben herausgefunden, so meldet die Polizei am Montag, den 30. April in einer Pressemitteilung, dass Gewalteinwirkung gegen den Hals des Jungen todesursächlich war. Der Siebenjährige wurde am Samstag in einer Badewanne tot aufgefunden, ist aber den bisherigen Ermittlungen zufolge nicht ertrunken. Die Tatverdächtige wird anwaltschaftlich vertreten und schweigt mittlerweile zu den Tatvorwürfen.

Quelle // Pressemitteilungen des Polizeipräsidiums Heilbronn und der Staatsanwaltschaft Heilbronn




„Betty sagt schade“

// Biomüll-Kontrolle mit Rainer Mugler

// Video-Interview mit Bio-Kontrolleur

von Nadja Fischer

Mit einem kleinen Trolley, auf dem sich ein Karton befindet, läuft Rainer Mugler ganz in orange gekleidet durch die Straßen. Rainer Mugler klappt den Deckel der Biomülltonne auf, um einen Blick hineinwerfen zu können. Sofort steigt ein beißender Geruch die Nase hoch und es kommen ihm kleine Fliegen entgegen. Aus Reflex macht man einen kleinen Schritt zurück, nur einen kleinen, denn man muss noch erkennen können, was sich in der Biotonne befindet.

Wir begleiteten Rainer Mugler von der Abfallwirtschaft Hohenlohekreis am Freitag, den 27. April 2018, bei der Kontrolle der Biotonnen. Treffpunkt war um 9.30 Uhr in Schöntal-Bieringen an der Ecke Gartenstraße/Rosenweg. Wir wollten wissen: Was machen die Hohenloher bei der Befüllung der Biotonne namens Betty falsch?

Die meisten Hohenloher haben das Grundprinzip verstanden: keine Plastikfolie in die Betty. Nach einem kurzen, geschulten Blick in die Tonne fasst der 53-jährige in den Karton, der sich auf dem Trolley befindet, und zieht zwei Zettel heraus. Auf dem einem ist zu lesen „Betty sagt schade“ und auf dem anderen „Betty sagt Dankeschön“. Die Bürger sollen wissen, so Mugler, ob sie alles richtig gemacht haben. Neben dem zutreffenden Zettel hinterlässt Mugler auch ein Bündel Papier-Biomülltüten. In den Biomülltonnen, die wir gemeinsam kontrollierten, war der Müll in Zeitungspapier gehüllt. Das ist völlig in Ordnung. „Wichtig ist, dass keine normalen Plastikmülltüten benutzt werden, um die Haushaltsreste zu verpacken“, erklärt Mugler. Er erzählt fassungslos vom schlimmsten Fall, den er bei einer Kontrolle gesehen hat: „Die Tonne war von oben bis unten voll mit Plastik. Diese Sachen, die gehen nicht. Entweder schiebe ich die Tonne auf die Seite ober aber wenn ich es raus tun kann, tue ich es raus und lege es auf die Seite.“

Der Weg kreuzt sich mit dem des Müllfahrzeuges. Die gerade kontrollierte Tonne wird geleert. Der Besitzer der Tonne kommt nach der Leerung direkt nach draußen, um sie aufzuräumen. „War alles in Ordnung“, fragt er. Mugler antwortet, dass alles bestens war. „Es gibt sehr gute Gebiete. Zweiflingen war sehr gut, Mulfingen war nicht schlecht. Aber es gibt auch Gebiete, da kann es vorkommen, dass es bei jedem fünften oder sechsten Haushalt etwas zu bemängeln gibt. Es kommt dann vor, dass einzelne Straßen und Gebiete nicht gut sind. In dem Moment wo Anonymität auftaucht, wird es schwierig“, erklärt Mugler, ohne nächer darauf einzugehen, welche Gemeinden schlechter bei der Mülltrennug sind.

// Was ist erlaubt und was nicht) //

Ganz wichtig ist, dass kein Katzenstreu, kein Hundekot oder verstorbene Haustiere in der Betty landen. Obst und Gemüse ist oft in Folie verpackt. Wenn das Obst oder Gemüse vergammelt ist, muss man erst die Folie entfernen bevor es in die Betty gelangt. Auch Batterien, Steine oder Glas müssen richtig entsorgt werden und dürfen nicht in der Biotonne zu finden sein. Selbst bei Blumensträußen muss man die Bänder entfernen. Denn nur ohne Störstoffe kann hochwertiger Kompost und Erde entstehen. Mugler: „Ich denke, es rentiert, sich zu sortieren. Wir haben 60 Prozent Biomaterial, welches wir nutzen können um vernünftige Dinge herzustellen wie Strom. Aber dazu brauchen wir eine sehr gute Qualität. Der kleine Punkt: Achtsamkeit. Aber wir schaffen das.“ Denn aus dem Biomüll kann Gas gewonnen werden, was wiederum zur Erzeugung von Strom genutzt werden kann.

 

Rainer Mugler im Gespräch:

 

// Fotos und Video: GSCHWÄTZ




„Es wurden Fehler gemacht“

// Video-Interview mit Hans-Jürgen Saknus in Künzelsau und im Hotel-Restaurant Nicklass in Ingelfingen.

So rund ging es innerhalb der SPD schon lange nicht mehr – betrachtet man die vergangenen Monate, in der es die SPD in einer Achterbahnfahrt in die Regierung geschafft hat. Wir wollten vom stellvertretenden SPD-Kreisverbandsvorsitzenden des Hohenlohekreises, Hans-Jürgen Saknus, wissen: Wie sehr hat es wirklich innerhalb der Partei gekracht, über Fehler bei der Integration im Ländle, die fragwürdige Bildungs- und Gesundheitspolitik der Landesregierung. Weitere Themen: Warum Trump seiner Meinung nach ein Trampel ist, Jennifer Aniston besser als Angelina Jolie und warum Stefan Neumann Thilo Michler schlägt.

 

GSCHWÄTZ: Sie sind ja schon lange in der Politik tätig. Warum haben Sie sich für die SPD entschieden?

Saknus: Als ich Konfirmand war, hat mir unser Pfarrer gesagt, dass er SPD wählt. Das hat mich stutzig gemacht, weil ich gedacht habe, der müsste doch CDU wählen, wegen dem christlich im Namen. Aber er erklärte mir, dass es auch um Solidarität geht. Das hat sich in der kirchlichen Jugendarbeit fortgesetzt. Hier sind sehr viele mit der SPD verbandelt.

 

GSCHWÄTZ: Die SPD hat sich ja in den vergangenen Monaten bei den zähen Regierungsverhandlungen nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Wo ist eigentlich Martin Schulz abgeblieben?

Saknus: Es sind Fehler gemacht worden und die Fehler hat er auch eingestanden. Er hat zu vehement eine Nein-Politik verfolgt. Er tritt nicht in die Regierung ein. Die SPD geht sofort in die Opposition – was ja auch gut ankam, denn man war auch regierungsmüde. Aber wenn der Bundespräsident sagt, ihr müsst in Koalitionsgespräche gehen und man sich im politischen Wettbewerb aufstellt, dann kann man sich nicht verweigern.

 

GSCHWÄTZ: Also hat sich Ihrer Meinung die richtige Seite durchgesetzt – die alte Garde, die gedrängt hat, in die Regierung zu gehen, gegen die Jusos, die für eine starke Opposition geworben haben?

Saknus: Ich habe absoluten Respekt vor dem Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert. Er hat das toll gemacht und hat auch viele von den älteren mitgenommen, die gesagt haben: So können wir nicht weitermachen. Ein Weiter-so kann es auch für mich nicht geben, auch nicht in einer Neuauflage einer Großen Koalition – wobei beide Parteien so viel Punkte verloren haben, dass man nicht mehr von einer Großen Koalition sprechen kann.

 

GSCHWÄTZ: Eigentlich ist die SPD keine Volkspartei mehr, oder?

Saknus: Das ist die Problematik. Wir müssen uns als SPD wirklich überlegen, für wen wir stehen und für welche Ziele wir eintreten. Wir brauchen wieder eine Vision für die Zukunft und nicht das Klein-Klein im politischen Betrieb.

 

GSCHWÄTZ: Wie kann diese Vision aussehen?

Saknus: Die SPD muss deutlich Position beziehen, dass wir wieder eine Umverteilung von oben nach unten brauchen. Wir müssen einstehen für Geringverdiener, für die, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, für Familien, für Alleinerziehende. Viele leben am Existenzminimum. Diese Dinge gilt es zu ändern. Der Mindestlohn war ein erster Schritt.

 

// Haben wir ein Integrationsproblem? //

 

GSCHWÄTZ: Vor kurzem hat ein junger Asylbewerber die Scheiben des Jobcenters in Künzelsau eingeschlagen. Haben wir ein Integrationsproblem?

Saknus: Der junge Mann hat sicher ein Problem gehabt, sonst hätte er die Scheiben nicht eingeschlagen. Das ist nicht zu rechtfertigen oder kleinzureden. Aber ich vermute großen Frust dahinter. Asylverfahren dauern bei uns einfach viel zu lange, bis da die entsprechenden Entscheidungen getroffen sind. Wir sind hier ebenso unterbesetzt wie im Bereich Justiz, bei der Polizei und bei der Bundespolizei. Hinzu kommt, dass die jungen Menschen oft aus Ländern kommen, die diese Menschen nicht problemlos wieder zurücknehmen. Verhandeln Sie mal mit Libyen.

 

// Unterbesetzt bei der Polizei und in der Justiz //

 

GSCHWÄTZ: Wie schwer ist es für Neuankömmlinge, Arbeit zu finden?

Saknus: Arbeit zu finden ist nicht schwer, wenn der entsprechende Rechtsstatus geklärt ist. Wir haben aktuell in Öhringen 154 Menschen, die einen Rechtsstatus als Flüchtling oder Asylant haben. Sie haben eine Arbeitserlaubnis. Wir konnten hier auch schon gute Erfolge vorweisen. Über ein Drittel von ihnen hat Arbeit gefunden beziehungsweise ist in einer Ausbildung. Ein Drittel befindet sich in Schulungsmaßnahmen. Und der Rest teilt sich auf. Ich habe nur einen Menschen, der in einer Maßnahme beim Jobcenter ist.
Wie lange dauert es, bis entschieden wird, ob ein Flüchtling bleiben darf?
Saknus: Das Bundesamt für Migration (BAMF) möchte, dass innerhalb eines halben Jahres die Entscheidung darüber fällt – am besten noch schneller. Aber wir haben Asylbewerber, die sind schon über drei Jahre hier und wissen nicht, wie es mit ihnen weitergeht. Ich kann nachvollziehen, wenn diese Menschen Frust schieben. 18 Prozent aller Fälle bundesweit sind unbearbeitet und damit völlig offen in ihrem Ausgang.

 

// Hohenlohes Gesundheitspolitik: „Man darf die Augen nicht vor der Realität verschließen“ //

 

GSCHWÄTZ: Die BBT-Gruppe hat die Mehrheitsanteile des Hohenloher Krankenhauses (HK) bekommen. War die Entscheidung des Kreistages richtig?

Saknus: Wenn ich es richtig sehe, war es die einzige Entscheidung, die möglich war, denn es gab nur einen Anbieter. Ich finde es gut, dass es ein Träger ist, der gemeinnützig aufgestellt ist und dass sie nach Tarif zahlen wollen. Das ist auch eine unserer Forderungen. Und sie haben viel Erfahrung im Seniorenbetreuungsbereich.

 

GSCHWÄTZ: Kann es passieren, dass es dem Neubau in Öhringen wie Künzelsau ergeht und geschlossen wird, wenn er es nicht in die schwarzen Zahlen schafft?

Saknus: Durch die Schließung des Künzelsauer Standortes wird es ja künftig weniger Betten geben. Da ist man an einer kritischen Grenze, ein Krankenhaus zu führen.Man wird sehen, ob sich das Krankenhaus am Markt beweisen wird. Man darf die Augen nicht vor der Realität verschließen und muss hier schon genau hinschauen.

 

GSCHWÄTZ: Was bleibt in Künzelsau übrig von der Gesundheitsversorgung?

Saknus: Wenn ich Strukturveränderungen mache und kleine Krankenhäuser schließe – unsere Landesregierung praktiziert das ja – muss sie auch bereit sein, in neue Modelle zu investieren, etwa in ein medizinisches Versorgungszentrum, das ambulante wie auch teilstationäre Lösungen anbietet.

 

GSCHWÄTZ: Ihr Herzensanliegen auf bundespolitischer Ebene war ja eine Bürgerversicherung – eine Versicherung sowohl für private als auch gesetzlich Versicherte. Kommt die Versicherung nun?

Saknus: Das ist ein längerer Prozess. Aber wir brauchen einen Topf, denn wir können es uns nicht leisten, zwei parallele Systeme zu fahren. Wir sind das einzige Land in Europa, dass das noch so macht.

 

// Lehrermangel im Ländle //

 

GSCHWÄTZ: Immer mehr Schulen auch bei uns im Ländle verzeichnen einen Lehrermangel. Ist der Beruf zu unattraktiv geworden?

Saknus: Nein. Wir haben vielmehr ein Problem mit der Landesregierung, die nicht klar sagt, ob sie Lehrerplätze abbauen oder neue Lehrer einstellen möchte. Wir haben zu wenig Studienplätze und gleichzeitig viele Lehrer, die in Ruhestand gehen.

 

GSCHWÄTZ: Baden-Württemberg war ja mal Musterländle, was Pisa-Tests betrifft. Mittlerweile sind wir auf die vorletzten Plätze abgerutscht. Woran liegt das?

Saknus: Wir haben einen Reformstau. Vor allem die Gemeinschaftsschulen, die es seit ein paar Jahren in Baden-Württemberg gibt, werden nicht richtig unterstützt.

 

GSCHWÄTZ: Manche Schulleiter hier bei uns haben genug von den vielen Reformen in den vergangenen Jahren.
Saknus: Mit Reformen meine ich nicht, dass von oben etwas herunterverordnet wird, sondern im Gegenteil: dass die Schulen wieder mehr Freiheiten bekommen. Schulleiter bräuchten Unterstützung, es müsste mehr Sozialarbeiter an Schulen geben, aber das ist alles wieder zusammengestrichen worden.

 

Im Hotel-Restaurant Nicklass in Ingelfingen haben wir Herrn Saknus jeweils zwei Bilder vorgelegt, zwischen denen er sich entscheiden sollte.

 

GSCHWÄTZ: Fußball: VfB Stuttgart oder FC Bayern München?
Saknus: Bayern München ist ein toller Verein beziehungsweise eine tolle Mannschaft mit tollen Erfolgen, aber das Herz schlägt ganz klar im Schwabenland für den VfB. Aber ich muss gestehen, ich bin auch ein Franken-Fan. Ich bin gern beim FC Nürnberg.

GSCHWÄTZ: Haben Sie Fußball gespielt?
Saknus: Ja, in der Jugend habe ich viel gespielt und ich war auch 13 Jahre lang beim SSV Gaisbach
Jugendtrainer.

GSCHWÄTZ: Jennifer Aniston oder Angelina Jolie?
Saknus: Ich finde beide Frauen total bezaubernd. Aber vom Typ her würde ich eher Jennifer Aniston wählen.

GSCHWÄTZ: Hillary Clinton oder Angela Merkel?
Saknus: Auch wenn Hillary Clinton einer demokratischen Partei angehört, würde ich mich für Angela Merkel entscheiden. Sie ist ja eine Person, die viele SPD-Positionen gerne übernimmt (lacht).

GSCHWÄTZ: Donald Trump oder Wladimir Putin?
Saknus: Ich finde, Donald Trump ist ein Trampel. Er regiert über Twitter. Das geht gar nicht. Alles zweifelt am Bündnis mit den USA. Von daher muss ich mich für Putin entscheiden. Der macht das feiner. Wir müssen auch Lösungen finden mit Russland, mit dem Osten.

GSCHWÄTZ: Öhringens Bürgermeister Thilo Michler oder Künzelsaus‘ Bürgermeister Stefan Neumann?
Saknus: Jetzt bringen Sie mich aber in einen echten Konflikt. Thilo Michler ist mein Chef in Öhringen. Ich wohne aber in Künzelsau und bin dort auch Gemeinderat (überlegt). Da ich Jugendreferent bin, entscheide ich mich für die Jugend und nehme Stefan Neumann. Er ist ein bisschen jünger als Thilo Michler. Aber ich kann mit beiden gut.

 

// Hans-Jürgen Saknus //

Hans-Jürgen Saknus (59) ist stellvertretender SPD-Kreisverbandsvorsitzender des Hohenlohekreises. Der Wahlkünzelsauer wurde am 07. November 1956 geboren, hat nach der Realschule und einer Schreinerlehre Religions- und Gemeindepädagogik studiert, ist verheiratet und hat drei mittlerweile erwachsene Kinder. Saknus arbeitet bei der Stadt Öhringen als Jugendreferent und Integrationsbeauftragter. Während unserer Interviews präsentierte sich Saknus offen, kritisch und als jemand, der sozial Benachteiligten helfen möchte.
Video-Interview in Künzelsau und Ingelfingen Das Video-Interview mit Hans-Jürgen Saknus wurde in Künzelsau und Ingelfingen gedreht.

 

Das Interview führte Dr. Sandra Hartmann; Dreh und Schnitt: Dr. Felix Kribus;




Soll Stefan Neumann nochmal Bürgermeister der Kreisstadt werden?

Video-Umfrage von GSCHWÄTZ-Reporter Dr. Felix Kribus

Die Bürgermeisterwahl in Künzelsau naht. Stefan Neumann geht als Favorit ins Rennen, das am 03. Juni 2018 ausgetragen wird. Problemerprobt setzte sich Neumann fürs Krankenhaus ein, will Künzelsau kinder- und seniorengerechter gestalten. Der Citybus soll expandieren und prosperieren. Beim Krankenhaus, Hochwasser und Peka-Areal gehen die Meinungen über seinen Einsatz allerdings auseinander. Unter ihm lernte Künzelsau sparen und zum Beispiel dürfen Hauseigentümer deshalb jetzt mehr Grundsteuer bezahlen, nachdem die Stadt über 60 Millionen Euro an Gewerbesteuer zurückzahlen musste. Wer sich noch zur Wahl stellt, steht bei Redaktionsschluss noch in den Sternen und so lautet die aktuelle GSCHWÄTZ-Umfrage, die unser Videojournalist Felix Kribus gemacht hat, ob Stefan Neumann wieder zum Bürgermeister gewählt werden soll oder nicht.

„Ich wünsche mir, dass Stefan Neumann nochmals Bürgermeister wird, weil er ein patenter Mensch ist. Er geht auf Leute zu und hat immer ein offenes Ohr. Alles was in den letzten Jahren in Künzelsau angelegt worden ist, ist in Ordnung. Mir gefällt es hier und ich möchte nirgends woanders wohnen wie in Kü’au. Früher habe ich in Niedernhall gewohnt. Niedernhall gefällt mir auch, aber ich bin schon 45 Jahre hier.“
// Hannelore Simeonidis, Künzelsau

„Also ich kenne den Bürgermeister nicht so gut, aber ich möchte gerne einer werden. Ich melde mich.“
// Arthur Schmidt, Künzelsau

„Ich bin dafür, dass Stefan Neumann wiedergewählt wird. Ich bin überrascht, er macht viel für die Kinder, für die Jugendlichen. Für die Kleinkinder sind die Spielplätze wieder hergerichtet worden. Und von dem her finde ich es ganz toll, dass die jungen Leute wieder hergezogen werden. Er hat auch seine schlechten Seiten, aber ich lass‘ mich überraschen, wer sich noch alles aufstellen lässt. Auf jeden Fall ist das Krankenhaus Thema Nummer eins für mich, da hätte er sich mehr reinknien sollen und ein bisschen mehr dahinterstehen sollen. Für uns ist das Krankenhaus wichtig. Was damals auch zum Nachteil war: zum Hochwasser 2016 war er auch nicht ganz so aktiv. Da hätte er mehr vor Ort sein sollen.“
// Daniela Beyer, Künzelsau

„Ich habe mit ihm schon verschiedene Mal in der Bürgersprechstunde gesprochen. Stefan Neumann ist mir sehr sympathisch und deshalb will ich, dass er wiedergewählt wird. Er hat sich eingesetzt dafür, dass das Krankenhaus erhalten bleibt, obwohl es nicht viel oder nichts genützt hat.“
// Walter Ickinger, Künzelsau

„Ich finde Stefan Neumann gut. Er hat seine Sachen bis jetzt gut gemacht, zum Beispiel am alten Peka-Kaufhaus-Areal, da da jetzt wieder etwas Neues hinkommt.“
// Hilde Pfeiffer

„Meiner Meinung nach ‚ja‘, weil er für Künzelsau schon sehr viel getan hat. Es hat sich sehr viel geändert. Das Stadtbild ist moderner geworden, die Fussgängerzone. Es ist nicht schön, dass nichts getan wurde, dass das Krankenhaus bleibt. Wir haben auch sehr viele Altenheime hier und die könnten ein Krankenhaus gebrauchen.“
// Hannelore Schäffer, Künzelsau

 

Die komplette Umfrage können Sie nachlesen in unserer gedruckten Mai-Ausgabe 2018 – ab sofort überall im Handel erhältlich – oder als Abo direkt in Ihren Briefkasten. Einfach über unseren Online-Shop oder telefonisch bestellen: 07940/93 555 7.

 

// Wir lieben unser Ländle //