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Spiel mit mir

Wenn Computerfans aufeinander treffen – Zu Besuch auf einer LAN-Party in Forchtenberg

Es ist der Mensch nicht gern allein. Neben Tupperpartys für Frauen gibt’s heute LAN-Partys. Das heißt: Vorwiegend junge und auch jung gebliebene Männer schleppen ihren PC in eine größere Halle, verbinden ihn mit anderen Rechnern und spielen miteinander zum Beispiel Trackmania: ein Computerspiel, in dem man einen Rennwagen in rasender Geschwindigkeit über die virtuelle Piste jagt. Was den Teilnehmern wichtig ist: nicht alleine zuhause vorm PC sitzen. Im beschaulichen Forchtenberg fand vom 05. bis 07. Oktober 2018 zum vierten Mal in Folge statt. Der Kulturclub Fokus hatte zur LAN-Party geladen und etwa 60 Spielfreudige haben sich zwei Tage und zwei Nächte um die Ohren geschlagen. Gute Auffassungsgabe und kurze Reaktionszeit sind bei den Spielern gefragt. Darüber hinaus hat Videoreporter Dr. Felix Kribus versucht, ihr Spielerherz zu ergründen und ihnen gleichzeitig auf die Finger beziehungsweise auf die Tastatur und die Maus zu schauen.

4. Kultur-LAN-Party in der alten Turnhalle in Forchtenberg. Foto: GSCHWÄTZ

LAN-Party

LAN steht laut dem KulturLAN-Veranstalter, Sebastian Zürn, für ,local area network‘: „Das heißt, man baut in einem Raum oder einer Halle in Netzwerk auf. Jeder Gast bringt seinen eigenen Computer von zu Hause mit und dann wird miteinander gespielt.“

Sebastian Zürn, Veranstalter von KulturLAN, erklärt, was eigentlich LAN bedeutet. Foto: GSCHWÄTZ

Gespielt werden Rennspiele ebenso wie Fussballspiele oder Rollenspiele. Foto: GSCHWÄTZ

4. Kultur-LAN-Party in der alten Turnhalle in Forchtenberg. Foto: GSCHWÄTZ

Waseem Agha, Veranstalter der KulturLAN, ist zufrieden. Foto: GSCHWÄTZ

Christian aus Backnang lobt die gute Atmosphäre bei der KulturLAN. Foto: GSCHWÄTZ




Die kleinste Bücherei im Jagsttal

Geht man lieber in den Buchladen und kauft sich ein Buch oder geht man in die Bücherei und leiht es sich? Liest man überhaupt noch?

Wenn man ein Buch lesen möchte, kauft man sich eines. Klassisch im Buchladen oder online mit der Option eines E-Books. Aber die Tatsache, dass man sich ein Buch in einer Bücherei leihen kann, scheinen einige zu vergessen oder zu verdrängen. Gut, in vielen Büchereien muss man Anträge ausfüllen, einen Jahresbeitrag zahlen und hat auch noch eine Karte mehr im Portemonnaie, weil man einen Büchereiausweis braucht. Schafft man es nicht innerhalb der Leihfrist das Buch fertig zu lesen oder vergisst es gar abzugeben, gibt es Strafzahlungen.

Anstatt eines Computers gibt es in der Bibliothek Zettelkästen.
Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Nicht in Hohebach. Im Kirchturm in Hohebach befindet sich eine kleine Bücherei. Auf charmante Weise scheint dort die Zeit stillzustehen. Der Eingang befindet sich auf der Rückseite der Kirche beim Kirchturm. Jeden Samstag von 13.30 Uhr bis 14.30 Uhr steht die schwere Türe zum Kirchturm offen und somit weiß man, dass Frau Elisabeth Häfele da ist und die Bücherei geöffnet hat. Man geht über die Wendeltreppe ein Stockwerk nach oben und tritt in einen Raum voller Bücher. Um es genau zu nehmen, in einen Raum mit 2.701 Büchern.

Auch regionale Autoren kann man in der Bücherei finden

Die 93-jährige Elisabeth Häfele hat zwar nicht jedes Buch gelesen, aber sie findet für jeden das passende Buch. Von Joanne K. Rowling, Ken Follett, Charlotte Link bis hin zu Karl May, Astrid Lindgren, Cornelia Funke und J. R. R. Tolkien sind fast alle  bekannten Autoren vertreten.

Auch regionale Autoren wie Gertrud Zelinsky und Ulrike Schweikert kann man finden. Elisabeth Häfele ergänzt: „Da dies eine kirchliche Bücherei ist, gibt es hier natürlich auch kirchliche Bücher.“

Die Auswahl ist bunt gemischt und reicht von Bestsellern bis hin zu Nischenthemen.
Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Einige Schüler kommen, wenn sie Lektüre für Referate benötigen und nutzen die kirchliche Literatur. Kinder besuchen die Bibliothek und durchstöbern die Kinderbuch-Ecke. Jedoch bei weitem nicht mehr so viele wie früher. „Viele haben das Interesse an Büchern verloren“, stellt Elisabeth Häfele fest.

Einen Computer oder Anmeldeformulare sucht man hier vergebens. In Hohebach funktioniert das Prinzip mit dem Zettelkasten noch gut. Die 92-jährige erklärt: „Wenn man sich ein Buch ausleiht, wird der Name und die Anschrift notiert. Wenn man mit lesen fertig ist, bringt man das Buch zurück.“ In der Bücherei in Hohebach gibt es keine Leihfrist oder Mahngebühren und es funktioniert.

Man muss sich nicht unbedingt ein Buch leihen, auch das Stöbern kann Spaß machen. Und siehe da. Für jeden Geschmack scheint etwas dabei zu sein.

Erschienen in unserem Print-Magazin Ausgabe 16 / Februar 2018

 




Besuch in einer Joghurtmanufaktur in Marlach

Es ist ein warmer Frühlingstag, als ich auf dem Hof von Familie Reuther in Marlach ankomme. Ich sehe mich erst einmal etwas um, werde dabei neugierig aus großen Augen beobachtet und mit einem lauten „Muuuhhh“ begrüßt. Die vierbeinigen Kolleginnen liefern die Grundlage für das Milchhandwerk Marlach. Aus der Rohmilch vom Hof ihres Bruders Bernd Reuther macht Karin Reuther-Gruschka Joghurt in zahlreichen Sorten, die ausschließlich über den Hofladen und regional vertrieben werden.

 

Über 20 Joghurtsorten

Von der Idee bis zum ersten Becher Joghurt vergingen gut fünf Jahre. Die Idee selbst keimte in Karin Reuther-Gruschka auf, als ihr Bruder 2009 den neuen Aussiedlerhof am Ginsbacher Weg in Marlach baute. Unter Freunden und Bekannten wurde sie wegen ihres Traumes oft belächelt, nicht zuletzt da sie und ihr Mann beide aus der Textilbranche stammen. Doch sie ließ sich nicht abbringen und arbeitete kontinuierlich an der Realisierung ihrer kleinen Hofmolkerei. Neben dem Bau erfolgten zahlreiche Aus- und Weiterbildungen in Molkereifachschulen in Kempten, Wangen und Triesdorf, bis sie schließlich im November 2014 den Betrieb im neuen Gebäude aufnehmen konnte. Nach inzwischen rund zweieinhalb Jahren bietet sie unter dem Namen „mhm… milch. handwerk. marlach.“ bereits über 20 Joghurtsorten an. Zudem gibt es in dem kleinen Selbstbedienungsladen Molkedrinks, Blütenhonig von Marlacher Bienen und frische Rohmilch, die sich die Kunden aus dem Milchautomaten zapfen.

Der Joghurt trägt die Namen von Kühen.
Foto: GSCHWÄTZ/Cwik

Vollzeit im Milchhandwerk und pro Woche mehrere hundert Liter Joghurt herstellen.

Nachdem Frau Reuther-Gruschka die Hofmolkerei anfangs nebenberuflich betrieb, musste sie ihren ursprünglichen Job aufgrund der schnell steigenden Nachfrage bald darauf auf 50 Prozent reduzieren. Mittlerweile arbeitet sie Vollzeit im Milchhandwerk und stellt zweimal pro Woche jeweils rund 300 Liter Joghurt aus frischer Rohmilch her. Diese Rohmilch wird direkt vom Hof ihres Bruders in den Pasteur gepumpt, in dem sie etwa 20 Minuten lang auf 85 Grad erhitzt und damit pasteurisiert wird. Im Anschluss kühlt der Pasteur die Milch auf 42 Grad ab und sie fügt die Joghurtkulturen hinzu. Bei dieser Temperatur ruht die Milch dann über Nacht für etwa neun bis zehn Stunden und es entsteht Joghurt. Da Frau Reuther-Gruschka ihren Joghurt gerne etwas säuerlicher mag, achtet sie am Morgen darauf, dass der ph-Wert dementsprechend maximal 4,5 erreicht.

Herstellung des Joghurts ohne Zusatz von Zucker.
Foto: privat

Die Reuthers stellen nach eigener Angabe Produkte mit Charakter her.

Den Joghurt gibt es in zwei verschiedenen Grundvarianten: der normalen, etwas flüssigeren und der abgetropften, die in der Konsistenz etwas an Quark erinnert. Für die abgetropfte Variante wird vom fertigen Joghurt ein Teil abgeschöpft und auf ein dünnes Vlies gegeben. So tropft die Molke aus dem Joghurt und das fertige Produkt erhält eine festere Konsistenz. Aus der Molke werden im Anschluss Molkedrinks hergestellt. Der abgetropfte Joghurt wird auf einem Fruchtspiegel in einen Becher abgefüllt und der normale Joghurt als Naturjoghurt oder vermischt mit einer Fruchtzubereitung als Fruchtjoghurt abgefüllt. Die Reuthers stellen nach eigener Angabe Produkte mit Charakter her. Daher tragen die Joghurts die Namen der Kühe und heißen beispielsweise Violetta (Vanille), Hanna (Himbeere), Edda (Erdbeere) oder Maja (Pfirsich-Maracuja).

 

„Unsere Kunden ist Regionalität wichtiger als bio.“

Bis auf die Fruchtzubereitungen kommen alle Zutaten beim Milchhandwerk aus der Region und das Futter für die Milchkühe ist frei von Gentechnik. Auf die Nachfrage, ob bio ein Thema wäre, sagt Frau Reuther-Gruschka: „Unsere Kunden ist Regionalität wichtiger als bio.“ Doch was unterscheidet den Joghurt der Hofmolkerei vom industriell hergestellten Joghurt? In der industriellen Produktion wird der Milch zuerst Fett entzogen und anschließend im gewünschten Maß wieder zugeführt. Die Milch wird neben dem Pasteurisieren homogenisiert. Das bedeutet vereinfacht dargestellt, dass die Fettmoleküle unter großem Druck in winzig kleine Partikel zerteilt werden. Dadurch setzt sich in der Milch beziehungsweise im späteren Joghurt keine Rahmschicht am oberen Rand ab. Auf den Zusatz von Milchpulver, Zucker oder Verdickungsmitteln wird darüber hinaus verzichtet. Zucker ist lediglich in den Fruchtzubereitungen enthalten. Für Ungeduldige liegen im Hofladen Löffel bereit. Die Kunden legen den entsprechenden Betrag in die Kasse. Das funktioniert super. „Joghurtesser sind ehrliche Menschen“, sagt Sven Gruschka lachend.

Text: Nadine Cwik

Erschienen in unserem Print-Magazin Ausgabe 09 / Juli 2017




Lieber Gott – Haben Sie das von den Nachbarn gehört?

Bei uns geht immer alles geordnet zu. Wir sind eine Musterfamilie. Wir streiten auch nie. Nie. Niemals. Sie etwa? Schön, wenn zumindest nach außen der Schein gewahrt werden kann, man wäre Teil einer harmonischen kleinen Familie. Schade nur, dass unser Haus so viele Türen und Fenster hat. Da bei uns ein reger Durchgangsverkehr herrscht, kann es schon mal passieren, dass die Haustür für Stunden sperrangelweit offen steht und es keiner bemerkt. Etwas ungünstig ist diese Situation nicht nur, wenn Einbrecher gerade ihre Runde drehen, sondern auch, wenn ein kleiner Streit zwischen zwei Erwachsenen ein bisschen eskaliert. Anfangs war der Übeltäter unser Sohn, der gelogen hat. Nach einer Stunde war ich der Übeltäter, weil ich nicht konsequent durchgriff, und mein Mann, weil er zu selten zu Hause ist.

Wer hat nun mehr Schuld an dem Pinoccio-Dasein unseres Sohnes?

Mein Sohn war irgendwann verschwunden, während wir uns noch immer darüber stritten, wer von uns nun mehr Schuld an dem Pinoccio-Dasein unseres Sohnes hatte. Nun gibt es ja zwei Sorten einer Austragung eines Streits. Zum einen die gesittete, geordnete, ruhige, wohlbesonnene, bei der Erwachsene rationelle Argumente austauschen, um sich am Ende mit einem Kompromiss zu einigen. Und es gibt unsere Art des Streits.

Mein Mann führt heimlich eine Liste

Mein Mann und ich denken beide, dass derjenige, der lauter schreit, auch mehr Recht hat. Zwischendurch kann es auch passieren, dass wir ausfallend werden und beide neigen wir dazu, längst zurückliegendes Fehlverhalten des Partners nun wieder auf den Tisch zu bringen (Verhalten, das selbstverständlich rein gar nichts mit dem aktuellen Fall zu tun hat) und alles, wirklich alles, aufzusummieren, was man in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten falsch gemacht hat.

Haben Sie den Streit bei den Müllers gehört? Heute wieder in Stereolautstärke.
Karikatur: GSCHWÄTZ / Natalis Lorenz

Ich muss gestehen, mein Mann ist dabei viel besser als ich, weil er einfach ein besseres Gedächtnis hat. Ich vergesse sofort alles wieder, bin dafür auch nicht lange nachtragend, weil ich irgendwann gar nicht mehr weiß, warum. Bei meinem Mann habe ich eher das Gefühl, dass er heimlich eine Liste schreibt mit allem, was ihm so an mir auffällt und ihn stört und anstatt gleich etwas zu sagen, entlädt sich diese Fehlverhaltensliste, bäng, in so einem Streit. Nach zwei Stunden Vorhaltungen fühle ich mich dann immer wie die schlechteste Mutter und Ehefrau der Welt.

Dann kommt der Höhepunkt. Wenn sich die Gemüter Gott sei Dank irgendwann wieder beruhigt haben und wir nach draußen gehen wollen, um mit den Nachbarn noch ein Schwätzchen zu halten, stellen wir fest, dass unsere Haustür sperrangelweit offen steht. In Scham und Schande schließen wir so geräuschlos wie möglich die Tür und bleiben erstmal drin.

Eine Kolumne von Christine Müller

Jeden Monat nimmt Christine Müller unsere Leser mit in ihren hohenlohischen Alltag. Christine Müller ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Karikatur: Natalis Lorenz




Probealarm der funkansteuerbaren Sirenen im Hohenlohekreis

Die nächste Probealarmierung der funkansteuerbaren Sirenen für die Feuerwehren des Hohenlohekreises findet am Samstag, 6. Oktober 2018 statt.
Dabei werden die funkansteuerbaren Sirenen aller Städte und Gemeinden sowie Ortsteile im Hohenlohekreis zwischen 11 Uhr und 12 Uhr ausgelöst.

 

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes Hohenlohekreis




Er wäre viel lieber Förster geworden

Eine Zeitreise zurück in die Vergangenheit: Klosterapotheke in Schöntal

Die Klosterapotheke in Schöntal ist anders als andere Apotheken. Sie strahlt einen ganz eigenen Charme vergangener Zeiten aus. Betritt man das Gebäude, fühlt man sich in eine längst vergangene Zeit zurückversetzt. „Ich wäre viel lieber in die Försterei“, sagt Peter Holch heute, wenn er an die Zeit zurückdenkt, bevor er die Klosterapotheke in Schöntal in den 1950er Jahren
übernahm. Durch seine selbstlose Entscheidung blieb die Apotheke jedoch in Familienbesitz, in dem sie sich seit 1872 befindet. In dem Jahr starb der damalige Besitzer und Apotheker Polack in jungen Jahren an Tuberkulose. Er war der erste Mann von Holchs Großmutter. Nach seinem Tod ging die Apotheke in ihren Besitz über.

„Meine Großmutter durfte die Apotheke nicht betreiben, da sie keine Apothekerin war“

Doch das Apothekerhandwerk war seit jeher mit vielen Restriktionen verbunden. „Meine Großmutter durfte die Apotheke nicht betreiben, da sie keine Apothekerin war“, so Peter Holch über die damalige Zeit. „Sie musste einen Apotheker als Verwalter einsetzen.“ Ihr Schwager sprang damals kurzerhand ein und gab ihr somit die Zeit, einen dauerhaften Nachfolger zu finden. Diesen fand sie in Carl d’Alleux, der viele Jahre später ihr zweiter Mann wurde. Aus der 1896 geschlossenen Ehe gingen zwei Kinder hervor: ein Sohn und eine Tochter, die Mutter von Peter Holch.

Neben dem Apothekerhandwerk liebte Carl d’Alleux das Fotografieren. „Ich wundere mich, wie er dafür noch die Zeit gefunden hat“, schmunzelt Peter Holch, „war die Arbeit als Apotheker damals doch noch sehr viel zeitintensiver als heute“. Der Tatsache, dass er die Zeit dazu fand oder sie sich bewusst nahm, verdanken wir heute sehr viele Fotografien, die als Zeitzeugen das damalige Leben dokumentieren und bereits von der Kulturstiftung Hohenlohe in Büchern veröffentlicht wurden.

Von außen wie von innen scheint die Zeit stehengeblieben zu sein.
Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Auch die Försterei hatte in der Familie eine große Tradition

Nach dem Tod seiner Großeltern war die Apotheke erst einmal verpachtet und Peter Holch machte sich die Entscheidung nicht leicht, ob er das Familienerbe antreten wolle. Das Gebäude war seinerzeit in einem sehr schlechten Zustand und er selbst fühlte sich als junger Mensch vom Wald deutlich mehr angezogen, als von Salben und Pasten. Denn auch die Försterei hatte in der Familie eine große Tradition. Doch in fremde Hände sollte die Apotheke nicht fallen und so wandte er sich nach langem Für und Wider dem Apothekertum zu, absolvierte seine Ausbildung und übernahm im Jahre 1954 den Familienbetrieb.

Die Klosterapotheke ist wie eine etwas verschrobene alte Dame, die ein wenig altbacken daher kommt

Inzwischen ist er stolze 88 Jahre alt und hat die Geschäfte längst an seine Tochter Ulrike übergeben. „Für Ulrike wird es jedoch schwer werden, einen Nachfolger zu finden. Es gibt wenig Apothekernachwuchs in der heutigen Zeit“, sagt Holch nachdenklich. Und der ohnehin schon dünn gesäte Nachwuchs wünscht sich vermutlich einen hochmodernen Arbeitsplatz auf der Höhe der Zeit. Doch genau das ist sie nicht, die Klosterapotheke: modern. Und genau deshalb lieben sie ihre Kunden, weil sie eben nicht so ist, wie andere Apotheken. Sie ist einfach anders, sie ist eine etwas verschrobene alte Dame, die ein wenig altbacken daher kommt und gleichzeitig aus der Masse hervorsticht.

Manche der Einrichtungsgegenstände sind fast 200 Jahre alt.
Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Die alten Einrichtungsgegenstände stammen laut Kunsthistorikern aus dem Zeitraum um 1830/40.

Betritt man die Apotheke, spürt man deutlich die vergangenen Zeiten, die in den altehrwürdigen Mauern fortzudauern scheinen. Die Klosterapotheke Schöntal wurde nicht zwanghaft immer wieder modernisiert, wie es in der Apothekerbranche in den letzten Jahrzehnten rundherum geschah. Die alten Einrichtungsgegenstände stammen laut Kunsthistorikern aus dem Zeitraum um 1830/40. Dieser konnte aufgrund ihrer Bemalung eingestuft werden und die Familie Holch wollte sich nie davon trennen. Die Apotheke hat sich dadurch etwas bewahrt, das die Menschen heute begeistert und vielleicht auch manchmal etwas innehalten lässt. Innehalten vom Alltagsstress, denn dieser fällt augenblicklich von einem ab, wenn man das alte Gebäude gegenüber des Klosters betritt. Es riecht nach Vergangenheit und man hat den Eindruck, dass Carl d’Alleux jeden Moment um die Ecke kommen könnte, um ein Glasbehältnis mit dem entsprechenden Medikamentennamen zu beschriften.

 

Text & Fotos: Nadine Cwik




Kidnapping in Criesbach

Mit einem Messer bedrohte ein 43-jähriger Moldauer am vergangenen Freitag, den 28. September 2018, in Criesbach einen 23-jährigen BMW-Fahrer und erzwang hierdurch eine fast dreistündige Irrfahrt über zirka 200 Kilometer durch den Hohenlohekreis. Gegen 7.30 Uhr, befand sich der junge Mann mit seinem schwarzen BMW der 1er- Reihe im Bereich der Einmündung der Kochertalstraße in Ingelfingen-Criesbach. Dem 43-Jährigen gelang es in das Auto des Geschädigten einzusteigen. Unter Messerandrohung zwang er den Fahrer loszufahren. Die Fahrt ging in Richtung Innenstadt Künzelsau in die Stuttgarter Straße. Auf Höhe einer dortigen Bäckerei stieg der mutmaßliche Täter kurz aus und soll hierbei auch Passanten in einer nicht-deutschen Sprache angesprochen haben. Bis zu einer Baustelle in Dörzbach ging anschließend die Irrfahrt weiter. Schlussendlich konnte sich der 23-Jährige dort mit Hilfe mehrerer Bauarbeiter aus der bedrohlichen Lage befreien. Der Tatverdächtige konnte vorläufig festgenommen werden und sitzt zwischenzeitlich auf Antrag der Staatsanwaltschaft Heilbronn, Außenstelle Schwäbisch Hall, in Untersuchungshaft. Die Kriminalpolizei Künzelsau sucht Zeugen des Vorfalls. Insbesondere die unbekannte Passanten die in der Künzelsauer Innenstadt von dem Moldauer in fremder Sprache angesprochen wurden, werden darum gebeten, sich bei der Kriminalpolizei Künzelsau, Telefon 07940/940 0, zu melden.

 

Quelle: Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft und des Polizeipräsidiums Heilbronn, Aussenstelle Schwäbisch Hall

Foto: GSCHWÄTZ/Archiv




Halloweenparty mit den TETs in Forchtenberg

Das Volksbildungswerk Forchtenberg veranstaltet am Samstag, den 27. Oktober 2018, in der alten Turnhalle in Forchtenberg (Mühlweg 13) eine Halloweennacht. Einlass ist um 20.30 Uhr; Beginn 21 Uhr. Die Partyband TETs sorgt für Musik und gute Stimmung. Eintritt: 8 Euro im Vorverkauf. 9 Euro an der Abendkasse.
Vorverkaufsstellen: Mexx‘s Getränkeservice in Forchtenberg; Tabak Brückbauer in Künzelsau; Bürgerbüro im Rathaus Forchtenberg
Einlass ab 16 Jahren (mit „Muttizettel“).

Quelle: Volksbildungswerk Forchtenberg

Fotos: Volksbildungswerk Forchtenberg

 

 




Entsetzte Kinderaugen in Gommersdorf: Baumhaus muss abgerissen werden

Sehr kreativ waren Kinder in Gommersdorf. Sie bauten über den Sommer ein Baumhaus an der Jagst. Nun sind Behörden eingeschritten und ordneten an, das Baumhaus abzureissen.

Ein Sommermärchen geht zu Ende

Leider scheint es unseren Kindern in der heutigen Zeit nicht mehr vergönnt zu sein sich in der Natur auszuleben. Seltene Bachforellen, Muscheln und Vögel haben Vorrang! Um diese nicht zu vertreiben, mussten die Gommersdorfer Teenager ihr Baumhaus an der Jagst wieder abbauen. Sie hatten so viel Spaß beim Bauen und Baden und haben nach der Meinung vieler vom Ort Großes geleistet. Das sahen die zuständigen Mitarbeiter vom Landratsamt zwar genauso, aber dennoch bestand man darauf, dass das Erbaute innerhalb kürzester Zeit wieder verschwinden musste. Auch das vielleicht kommende Hochwasser spielte dabei eine Rolle, wenngleich das Baumhaus so hoch war, dass somit nicht nur dieses, sondern auch halb Gommersdorf unter Wasser gestanden wäre.
Schade nur, dass man unseren Kindern in der Natur keinen Raum mehr gibt und somit Alternativen wie Handy, PC, Fernsehen und Playstation gefördert werden.

FOTOS & TEXT // SUSANNE DÖRR

[Anm. d. Red.: Laut Susanne Dörr mussten die Kinder aus Gommersdorf das Baumhaus, das am Sportplatz an der Brücke stand, in zwei Tagen niederreißen. Herr Höfner vom Landratsamt bedauerte wohl den Beschluss. Der Entscheid kam scheinbar von der Landesregierung Baden-Württemberg. Diese hat sich auf GSCHWÄTZ-Nachfrage bislang noch nicht dazu geäussert.]




Stundenlohn von 3,16 Euro – Lohnt sich arbeiten überhaupt noch?

Rita* ist 34 Jahre alt, wohnt im Kochertal, und ist alleinerziehende Mutter eines achtjährigen Sohnes. Sei geht arbeiten und bekommt finanzielle Unterstützung vom Staat. Die Bundesagentur für Arbeit errechnet ihr als Regelbedarf 712 Euro monatlich. 416 Euro für Rita und 296 Euro für ihren Sohn. Der Mehrbedarf für Alleinerziehende beträgt in Ritas Fall 49,92 Euro. Dazu kommen die Grundmiete und die Nebenkosten für die beiden mit 475 Euro. Somit hat Rita einen Gesamtbedarf von 1.237,52 Euro zur Verfügung. Zusätzlich hat sie einen Job.

„Ich möchte meinem Sohn ein Vorbild sein und bin vormittags, während er in der Schule ist, als Reinigungskraft arbeiten“, erzählt Rita. In ihrem Job verdient sie 650 Euro netto. Auf ihren Verdienst bekommt sie einen Freibetrag von 237,50 Euro, somit werden ihr 412,50 Euro als Einkommen angerechnet. „Der Grundfreibetrag ist 100 Euro hoch. Zusätzlich werden nach Abzug des Grundfreibetrages noch 20 Prozent des Einkommens als Freibetrag angerechnet“, erklärt Petra Fischer von der Bundesagentur für Arbeit. Für Ritas Gesamteinkommen fließen auch der Kindesunterhalt und das Kindergeld mit ein. Somit hat sie ein Gesamteinkommen von 807,50 Euro. Zieht man nun das Gesamteinkommen vom Gesamtbedarf des Zwei-Personen- Haushaltes ab, erhält Rita von der Bundesagentur für Arbeit monatlich einen Betrag von 430,02 Euro auf ihr Konto. Ihr Lohn, der Kindesunterhalt, das Kindergeld und die Unterstützung von der Bundesagentur für Arbeit ergeben zusammen 1.475,02 Euro. Sie zahlt 615 Euro Miete und ihre Monatsfahrkarte zur Arbeit kostet 86 Euro. Zieht man die Beträge ab, bleiben ihr im Monat 774,02 Euro für sich und ihr Kind zum Leben.

Die Krux: Dadurch dass Rita soziale Unterstützung bekommt, darf sie von ihrem Verdienst nur 237,50 Euro von 650 Euro behalten. Wenn man dieses Gehalt auf die geleisteten Arbeitsstunden umrechnet, bleibt ein Stundenlohn von gerade mal 3,16 Euro.

Lieber zu Lidl als zum Tafelladen

„Die meisten Kleidungsstücke kaufe ich im DRK-Kleiderladen in Künzelsau. Das ist ein Second-Hand-Laden für Kleidung. Da bekomme ich Hosen für unter zehn Euro. Manchmal hängt an einer Jeans sogar noch das Etikett dran, auf dem der Ladenpreis steht. Ich habe mal eine Jeans, die scheinbar 120 Euro gekostet hat, für vier Euro im DRK-Kleiderladen gekauft“, so die 34-Jährige.

„Ich frage mich auch jeden Tag: Lebe ich für den Moment oder lege ich Geld auf die Seite? Aber dann entscheide ich mich meist, das Geld für meinen Sohn zu investieren. Er hat zwar nicht immer das Neueste vom Neusten, aber ich gebe mein Bestes.“

„Mitarbeiter der Agentur für Arbeit nicht immer feinfühlig“

Mit dem zur Verfügung stehenden Geld kommt sie ganz gut zurecht. Sie kauft ihre Lebensmittel nicht bei der Tafel ein, denn: „Ich brauch‘ das nicht. Lidl und Netto sind auch günstig und wenn man darauf achtet, was gerade im Angebot ist, kann man da auch viel Geld sparen.“ Ihr Sohn isst in der Schule zu Mittag. Das Mittagessen dort kostet drei Euro. „Dieses Geld muss ich vorstrecken. Die Agentur für Arbeit übernimmt zwei Euro und den einen Euro muss ich selbst zahlen. Dafür muss ich natürlich einen Antrag ausfüllen, meine Lohnabrechnungen einreichen, meine Kontoauszüge und meine Kundeninformationen meiner Bank offenlegen und einen Nachweis der Unterhaltszahlung vorlegen. Alles ist immer mit sehr viel Bürokratie verbunden und die Mitarbeiter der Agentur für Arbeit gehen nicht immer feinfühlig mit einem um.“

Nach dem Frauenhaus wieder von Null angefangen

Susanne* packte nur das Nötigste ein und floh mit ihren vier Kindern vor ihrem Mann. Sie kam ins Frauenhaus Hohenlohe. Das Frauenhaus ist aber nur eine kurze Zwischenstation, denn sie muss sich ein neues Leben aufbauen. In Künzelsau, wo sie niemanden kennt. Sie braucht eine Wohnung, in der fünf Personen Platz finden. Die Wohnung muss eingerichtet werden und sie und die Kinder benötigen Kleidung. Das Jobcenter unterstützt sie – bis zu einem gewissen Grad. Für alles, was sie für den Neustart benötigt, bekommt sie einen Betrag zur Verfügung gestellt. Eine Sitzgelegenheit für das Wohnzimmer darf bis zu 105 Euro kosten. Für Töpfe, Geschirr, Gläser, Besteck, Pfanne, Geschirrtücher, Abfalleimer, Besen und alle nichtelektrischen Küchengeräte bekommt sie für ihren Fünf-Personen-Haushalt 157 Euro. Für die Waschmaschine darf Susanne 260 Euro ausgeben. Vier Matratzen für insgesamt 266 Euro, ein Kinderbett für 40 Euro, fünf Decken und Kissen für 200 Euro. Die Bettwäsche dazu bis zu 100 Euro.

„Als ich Gardinen kaufen wollte, musste ich erst zum Hela in Künzelsau und mir schriftlich ein Angebot holen, das nur ein paar Tage gültig ist. Dann muss ich zum Jobcenter und das Angebot dort abgeben. Wenn man im Jobcenter länger für die Bearbeitung braucht, muss ich nochmal zum Hela und mir nochmal ein schriftliches Angebot zu demselben Produkt geben lassen. Nach dem dritten Mal denken die Verkäufer dort bestimmt auch, dass ich komisch bin oder sie ärgern will. Aber was soll ich tun?“, erzählt Susanne etwas beschämt.

200 Euro für Kleidung für vier Personen

Da Susanne bei ihrer Flucht nicht kofferweise packen konnte, benötigten sie und ihre Kinder auch Kleidung. „Wir haben insgesamt 200 Euro für uns vier und 55,50 Euro für mein Baby für Kleidung bekommen. Man hat mir aber erst einmal Vorwürfe gemacht, wieso ich nicht mehr von zu Hause mitgenommen hatte und nur mit einer Tasche los bin“, so die 39-Jährige.

„Ein Computer ist kein notwendiger Bedarf“

Susanne muss sich viel vom Mund wegsparen: „Meine Tochter braucht für die Schule eigentlich einen Computer. Der ist aber teuer. Natürlich habe ich nach einem Zuschuss gefragt. Die Antwort war aber: Nein.“ In dem Schreiben hießt es: Leider handelt es sich bei einem PC nicht um einen notwendigen Bedarf im Sinne des SGB II (nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch).

Wer Anspruch auf staatliche Unterstützung hat, sollte sich optimalerweise gut auskennen im Paragrafendschungel.
Foto: lmago

Caritas spendete ihr 200 Euro

Als Susannes zweite Tochter zur Reha musste, bekam sie eine Liste, auf der stand, welche Kleidungsstücke und wie viele von den einzelnen Kleidungsstücken ihre Tochter mitbringen solle. „So viele Klamotten hatten wir nicht. Sie brauchte eine Regenjacke und so vieles mehr. Für die Zusatzkleidung kam das Jobcenter nicht auf. Ich habe dann bei der Caritas angefragt. Die hatten leider keine passende Kleidung, aber sie haben mir 200 Euro gespendet, damit ich die Kleidung kaufen konnte“, berichtet die vierfacher Mutter. Ein großes Lob für die Mutter ist, wenn ihre Kinder erzählen, dass ihre Mitschüler kaum glauben können, dass sie Hartz IV beziehen, „weil sie ja alles haben.“ Zumindest schaut es nach außen so aus. So eine Außenwirkung ist Susanne lieber. Besser als: „Schaut mal, die haben wenig Geld zur Verfügung Geld.“

Aussicht auf bessere Zeiten

„Ich habe nächste Woche ein Probearbeiten als Reinigungskraft“, freut sich Susanne. Das Problem: Der Job ist abends. „Ich habe hier keine Familie, aber mittlerweile Freunde, auf die ich mich verlassen kann. Somit kann ich ein paar Stunden arbeiten gehen. Meine Freundin passt in dieser Zeit auf meine Kinder auf. Sie arbeitet vormittags. Ich habe ihre Kinder, wenn Ferien sind. Man muss sich arrangieren und sich gegenseitig helfen.“

*Namen wurden von der Redaktion geändert

Das Jobcenter zahlt die staatliche Unterstützung an die Betroffenen aus.

Hartz IV-Bezieher in Hohenlohe

Auf GSCHWÄTZ-Nachfrage hat uns Petra Fischer von der Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofshim einige Fragen zu Hartz IV beantwortet.

GSCHWÄTZ: Wie hoch ist der aktuelle Harz-IV-Betrag im Hohenlohekreis?

Fischer: Für einen alleinstehenden Empfänger von Arbeitslosengeld-zwei-Leistungen liegt der monatliche Satz bei 416 Euro. Für volljährige Mitglieder einer Bedarfsgemeinschaft liegt der Satz bei 374 Euro. Kinder bis fünf Jahre erhalten 240 Euro monatlich. Für Kinder von sechs bis 14 Jahren liegt der Satz bei 296 Euro. Bei Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren liegt er bei 316 Euro.

GSCHWÄTZ: Wie hoch ist die finanzielle Unterstützung bei der Anschaffung von Schulmaterial?

Fischer: Insgesamt 100 Euro: zum Schuljahresbeginn zum 1. August 70 Euro und zum 1. Februar 30 Euro.

GSCHWÄTZ: Wie viele Harz-IV-Empfänger hat der Hohenlohekreis?

Fischer: Der Stand im Mai 2018 liegt bei 2.510 Regelleistungsberechtigten.

GSCHWÄTZ: Wie viele erwerbstätige Leistungsbezieher hat der Hohenlohekreis?

Fischer: Erwerbstätige, erwerbsfähige Leistungsbezieher gibt es, laut dem Stand von Februar 2018, 460 im Hohenlohekreis.