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Erster Advent am Schloß in Künzelsau

Am Mittwoch, den 5. Dezember 2018, 19 Uhr, wird der Künzelsauer „Advent am Schloß“ von Bürgermeister Stefan Neumann auf dem Schloßplatz beim Hotel-Restaurant Anne-Sophie eröffnet. An fünf Tagen, bis in das zweite Adventswochenende hinein, wird die Vorweihnachtszeit gefeiert.

In den vergangenen drei Jahren wurde in Künzelsau die Waldweihnacht vom ersten bis zum zweiten Adventswochenende gefeiert. Das Veranstaltungskonzept, unter der Woche zum After-Work mit Glühwein undweihnachtlichen Speisen einzuladen, kam laut der Stadtverwaltung gut an. Für dieses Jahr hat die Stadtverwaltung Künzelsau das bisherige Konzept überarbeitet und das Ergebnis sind ein Ortswechsel auf den Schloßplatz und den Innenhof des Schloßgymnasiums, eine Verkürzung der Marktzeit und ein deutlicher Ausbau des Kunsthandwerkermarktes am Wochenende mit zahlreichen Kunsthandwerkern.

Ausbau des Kunsthandwerkermarktes und After-Work

Gemeinsam mit den Standbetreibern ist es gelungen, das Konzept weiter auszubauen und in verschiedenen Bereichen zu erneuern. Am zweiten Adventswochenende wird es einen großen Kunsthandwerkermarkt geben, der auf dem Vorhof des Schloßgymnasiums seinen Platz findet. Dieser findet am Samstag, 8. Dezember 2018, und Sonntag, 9. Dezember 2018, jeweils von 11 Uhr statt. Es haben sich laut der Stadt zahlreiche Kunsthandwerker mit unterschiedlichen Angeboten an selbstgemachten, kreativen und weihnachtlichen Produkten angemeldet. An den drei Tagen unter der Woche wird täglich ab 16 Uhr im After Work-Charakter auf dem Schloßplatz gefeiert. „Die Standbetreiber sind erneut aufgefordert, ihrem Ideenreichtum freien Lauf zu lassen und kreative Weihnachtsgetränke und -speisen anzubieten“, heißt es in der Pressemitteilung der Stadt. „Die Rückmeldungen lassen erkennen, dass sich die Besucher auf jede Menge weihnachtliche Köstlichkeiten freuen dürfen.“

Täglich wechselndes Bühnenprogramm

Täglich gibt es ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm, gestaltet unter anderem von Kindergärten, Chören und Bands.
Ergänzend dazu werden am zweiten Adventswochenende Aktionen für die Kleinen angeboten. auch die Künzelsauer Einzelhändler sind wieder dabei: Die Werbegemeinschaft veranstaltet am Freitag, den 7. Dezember 2018, ihr traditionelles Christmas-Shopping in der Innenstadt. An diesem Tag haben teilnehmende Geschäfte bis 21 Uhr geöffnet.

Öffnungszeiten:

Mittwoch, 5. Dezember2018, und Donnerstag, 6. Dezember 2018: 16 Uhr bis 21 Uhr

Freitag, 7. Dezember: 16 Uhr bis 22 Uhr

Samstag, 8. Dezember: 11 Uhr bis 22 Uhr

Sonntag, 9. Dezember: 11 Uhr bis 21 Uhr

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau




Falsche Polizistin sorgt in Schöntal, Niedernhall, Dörzbach und Öhringen für Verwirrung

Anrufe einer angeblichen Polizeibeamtin wurden der richtigen Polizei aus Schöntal, Niedernhall, Dörzbach und Öhringen gemeldet. Von Dienstagnachmittag, den 09. Oktober 2018, bis Mittwochmittag, den 10. Oktober 2018, gingen dort Anrufe einer Frau ein, die sich als Polizeibeamtin der Polizei Hohenlohe ausgab. Angeblich seien Einbrecher festgenommen worden, bei denen ein Notizbüchlein mit der Adresse der angerufenen Person aufgefunden wurde. Die Frau versuchte, Informationen über Wertsachen und Geldbeträge zu erlangen. Zu einem schädigenden Ereignis kam es nicht. Um sich vor der Betrugsmasche „falscher Polizeibeamten“ zu schützen, weisen das LKA Baden-Württemberg und das Polizeipräsidium Heilbronn auf folgende Dinge hin:

1. Die Polizei ruft niemals unter dem Polizeinotruf 110 an.

2. Nicht unter Druck setzen lassen

3. Einfach auflegen

4. keine Herausgabe von persönlichen Daten, Bargeld, Schmuck oder Wertgegenstände. Mit Fremden nicht über persönliche und finanzielle Verhältnisse sprechen

5. 110 wählen und Polizei verständigen. Achtung: Nicht die Rückruftaste betätigen, da man ansonsten wieder bei den Tätern landet.

Mehr Informationen: www.polizei-beratung.de




Heilbronn: Durch Arbeitgeberin zwei Leichen gefunden

// neue Erkenntnisse

Nachdem am Mittwochnachmittag, den 10. Oktober 2018, in Heilbronn zwei Leichen gefunden wurden, haben die Staatsanwaltschaft und die Kriminalpolizei die Ermittlungen aufgenommen. Die beiden Toten wurden gefunden, nachdem die Arbeitgeberin eines 47-Jährigen ihren Mitarbeiter als vermisst gemeldet hatte. Die Polizei beauftragte die Berufsfeuerwehr Heilbronn, die Tür zur Wohnung des Mannes zu öffnen, da auf das Klingeln niemand öffnete. In der Wohnung lagen die beiden Leichen. Nach den ersten Ermittlungen wird davon ausgegangen, dass es sich um den 47-Jährigen und seine gleichaltrige Lebensgefährtin und Mitbewohnerin handelt. Die Todesumstände werden derzeit noch untersucht. Die genauen Todesursachen sollen durch eine Obduktion geklärt werden.

Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Heilbronn und des Polizeipräsidiums Heilbronn vom 11.12.2018

Foto: GSCHWÄTZ/Archiv




Marionetten-Festival in Hohebuch

Der Verein KunstForum Marionette unter der Leitung von Marlene Gmelin und Detlef Schmelz aus Ingelfingen-Hermuthausen veranstaltet zum sechsten Mal das PendelMarionettenFestival
in Waldenburg-Hohebuch. Von Freitag, den 02. November 2018, ab 15 Uhr, bis Sonntag, den 04. November 2018, führen verschiedene Marionettentheater unterschiedliche Stücke auf. Gmelin und Schmelz präsentieren mit ihren selbst gemachten Marionetten unter anderem das Stück „Peter und der Wolf“. Das Marionettentheater Zauberfaden von Christel Albrecht und Ursula Doll aus Lautenbach spielt das Kinderstück „Die mutigen Freunde“ (ab vier Jahre). Los geht es am Freitag um 15 Uhr mit einer Taschenlampenführung im Gewölbekeller in Hohebuch, in dem allerlei
seltsame Wesen leben.

Kartenreservierungen unter www.pendelmarionetten.de
Es wird kein Eintritt verlangt. Aber nach den Vorstellungen bitten, so die Veranstalter, „notleidende Marionetten um milde Gaben. Es gibt eine Wechselstube, in der freundliche Klappmaulfiguren größere Scheine in Kleingeld wechseln.“

6. Pendel MarionettenFestival in Waldenburg-Hohebuch.
Flyer: KunstForm Marionette e.V.

Programm des 6. Pendel Marionetten Festival.
Flyer: KunstForm Marionette e.V.

Programm des 6. Pendel Marionetten Festival.
Flyer: KunstForm Marionette e.V.

Programm des 6. Pendel Marionetten Festival.
Flyer: KunstForm Marionette e.V.




Spiel mit mir

Wenn Computerfans aufeinander treffen – Zu Besuch auf einer LAN-Party in Forchtenberg

Es ist der Mensch nicht gern allein. Neben Tupperpartys für Frauen gibt’s heute LAN-Partys. Das heißt: Vorwiegend junge und auch jung gebliebene Männer schleppen ihren PC in eine größere Halle, verbinden ihn mit anderen Rechnern und spielen miteinander zum Beispiel Trackmania: ein Computerspiel, in dem man einen Rennwagen in rasender Geschwindigkeit über die virtuelle Piste jagt. Was den Teilnehmern wichtig ist: nicht alleine zuhause vorm PC sitzen. Im beschaulichen Forchtenberg fand vom 05. bis 07. Oktober 2018 zum vierten Mal in Folge statt. Der Kulturclub Fokus hatte zur LAN-Party geladen und etwa 60 Spielfreudige haben sich zwei Tage und zwei Nächte um die Ohren geschlagen. Gute Auffassungsgabe und kurze Reaktionszeit sind bei den Spielern gefragt. Darüber hinaus hat Videoreporter Dr. Felix Kribus versucht, ihr Spielerherz zu ergründen und ihnen gleichzeitig auf die Finger beziehungsweise auf die Tastatur und die Maus zu schauen.

4. Kultur-LAN-Party in der alten Turnhalle in Forchtenberg. Foto: GSCHWÄTZ

LAN-Party

LAN steht laut dem KulturLAN-Veranstalter, Sebastian Zürn, für ,local area network‘: „Das heißt, man baut in einem Raum oder einer Halle in Netzwerk auf. Jeder Gast bringt seinen eigenen Computer von zu Hause mit und dann wird miteinander gespielt.“

Sebastian Zürn, Veranstalter von KulturLAN, erklärt, was eigentlich LAN bedeutet. Foto: GSCHWÄTZ

Gespielt werden Rennspiele ebenso wie Fussballspiele oder Rollenspiele. Foto: GSCHWÄTZ

4. Kultur-LAN-Party in der alten Turnhalle in Forchtenberg. Foto: GSCHWÄTZ

Waseem Agha, Veranstalter der KulturLAN, ist zufrieden. Foto: GSCHWÄTZ

Christian aus Backnang lobt die gute Atmosphäre bei der KulturLAN. Foto: GSCHWÄTZ




Die kleinste Bücherei im Jagsttal

Geht man lieber in den Buchladen und kauft sich ein Buch oder geht man in die Bücherei und leiht es sich? Liest man überhaupt noch?

Wenn man ein Buch lesen möchte, kauft man sich eines. Klassisch im Buchladen oder online mit der Option eines E-Books. Aber die Tatsache, dass man sich ein Buch in einer Bücherei leihen kann, scheinen einige zu vergessen oder zu verdrängen. Gut, in vielen Büchereien muss man Anträge ausfüllen, einen Jahresbeitrag zahlen und hat auch noch eine Karte mehr im Portemonnaie, weil man einen Büchereiausweis braucht. Schafft man es nicht innerhalb der Leihfrist das Buch fertig zu lesen oder vergisst es gar abzugeben, gibt es Strafzahlungen.

Anstatt eines Computers gibt es in der Bibliothek Zettelkästen.
Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Nicht in Hohebach. Im Kirchturm in Hohebach befindet sich eine kleine Bücherei. Auf charmante Weise scheint dort die Zeit stillzustehen. Der Eingang befindet sich auf der Rückseite der Kirche beim Kirchturm. Jeden Samstag von 13.30 Uhr bis 14.30 Uhr steht die schwere Türe zum Kirchturm offen und somit weiß man, dass Frau Elisabeth Häfele da ist und die Bücherei geöffnet hat. Man geht über die Wendeltreppe ein Stockwerk nach oben und tritt in einen Raum voller Bücher. Um es genau zu nehmen, in einen Raum mit 2.701 Büchern.

Auch regionale Autoren kann man in der Bücherei finden

Die 93-jährige Elisabeth Häfele hat zwar nicht jedes Buch gelesen, aber sie findet für jeden das passende Buch. Von Joanne K. Rowling, Ken Follett, Charlotte Link bis hin zu Karl May, Astrid Lindgren, Cornelia Funke und J. R. R. Tolkien sind fast alle  bekannten Autoren vertreten.

Auch regionale Autoren wie Gertrud Zelinsky und Ulrike Schweikert kann man finden. Elisabeth Häfele ergänzt: „Da dies eine kirchliche Bücherei ist, gibt es hier natürlich auch kirchliche Bücher.“

Die Auswahl ist bunt gemischt und reicht von Bestsellern bis hin zu Nischenthemen.
Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Einige Schüler kommen, wenn sie Lektüre für Referate benötigen und nutzen die kirchliche Literatur. Kinder besuchen die Bibliothek und durchstöbern die Kinderbuch-Ecke. Jedoch bei weitem nicht mehr so viele wie früher. „Viele haben das Interesse an Büchern verloren“, stellt Elisabeth Häfele fest.

Einen Computer oder Anmeldeformulare sucht man hier vergebens. In Hohebach funktioniert das Prinzip mit dem Zettelkasten noch gut. Die 92-jährige erklärt: „Wenn man sich ein Buch ausleiht, wird der Name und die Anschrift notiert. Wenn man mit lesen fertig ist, bringt man das Buch zurück.“ In der Bücherei in Hohebach gibt es keine Leihfrist oder Mahngebühren und es funktioniert.

Man muss sich nicht unbedingt ein Buch leihen, auch das Stöbern kann Spaß machen. Und siehe da. Für jeden Geschmack scheint etwas dabei zu sein.

Erschienen in unserem Print-Magazin Ausgabe 16 / Februar 2018

 




Besuch in einer Joghurtmanufaktur in Marlach

Es ist ein warmer Frühlingstag, als ich auf dem Hof von Familie Reuther in Marlach ankomme. Ich sehe mich erst einmal etwas um, werde dabei neugierig aus großen Augen beobachtet und mit einem lauten „Muuuhhh“ begrüßt. Die vierbeinigen Kolleginnen liefern die Grundlage für das Milchhandwerk Marlach. Aus der Rohmilch vom Hof ihres Bruders Bernd Reuther macht Karin Reuther-Gruschka Joghurt in zahlreichen Sorten, die ausschließlich über den Hofladen und regional vertrieben werden.

 

Über 20 Joghurtsorten

Von der Idee bis zum ersten Becher Joghurt vergingen gut fünf Jahre. Die Idee selbst keimte in Karin Reuther-Gruschka auf, als ihr Bruder 2009 den neuen Aussiedlerhof am Ginsbacher Weg in Marlach baute. Unter Freunden und Bekannten wurde sie wegen ihres Traumes oft belächelt, nicht zuletzt da sie und ihr Mann beide aus der Textilbranche stammen. Doch sie ließ sich nicht abbringen und arbeitete kontinuierlich an der Realisierung ihrer kleinen Hofmolkerei. Neben dem Bau erfolgten zahlreiche Aus- und Weiterbildungen in Molkereifachschulen in Kempten, Wangen und Triesdorf, bis sie schließlich im November 2014 den Betrieb im neuen Gebäude aufnehmen konnte. Nach inzwischen rund zweieinhalb Jahren bietet sie unter dem Namen „mhm… milch. handwerk. marlach.“ bereits über 20 Joghurtsorten an. Zudem gibt es in dem kleinen Selbstbedienungsladen Molkedrinks, Blütenhonig von Marlacher Bienen und frische Rohmilch, die sich die Kunden aus dem Milchautomaten zapfen.

Der Joghurt trägt die Namen von Kühen.
Foto: GSCHWÄTZ/Cwik

Vollzeit im Milchhandwerk und pro Woche mehrere hundert Liter Joghurt herstellen.

Nachdem Frau Reuther-Gruschka die Hofmolkerei anfangs nebenberuflich betrieb, musste sie ihren ursprünglichen Job aufgrund der schnell steigenden Nachfrage bald darauf auf 50 Prozent reduzieren. Mittlerweile arbeitet sie Vollzeit im Milchhandwerk und stellt zweimal pro Woche jeweils rund 300 Liter Joghurt aus frischer Rohmilch her. Diese Rohmilch wird direkt vom Hof ihres Bruders in den Pasteur gepumpt, in dem sie etwa 20 Minuten lang auf 85 Grad erhitzt und damit pasteurisiert wird. Im Anschluss kühlt der Pasteur die Milch auf 42 Grad ab und sie fügt die Joghurtkulturen hinzu. Bei dieser Temperatur ruht die Milch dann über Nacht für etwa neun bis zehn Stunden und es entsteht Joghurt. Da Frau Reuther-Gruschka ihren Joghurt gerne etwas säuerlicher mag, achtet sie am Morgen darauf, dass der ph-Wert dementsprechend maximal 4,5 erreicht.

Herstellung des Joghurts ohne Zusatz von Zucker.
Foto: privat

Die Reuthers stellen nach eigener Angabe Produkte mit Charakter her.

Den Joghurt gibt es in zwei verschiedenen Grundvarianten: der normalen, etwas flüssigeren und der abgetropften, die in der Konsistenz etwas an Quark erinnert. Für die abgetropfte Variante wird vom fertigen Joghurt ein Teil abgeschöpft und auf ein dünnes Vlies gegeben. So tropft die Molke aus dem Joghurt und das fertige Produkt erhält eine festere Konsistenz. Aus der Molke werden im Anschluss Molkedrinks hergestellt. Der abgetropfte Joghurt wird auf einem Fruchtspiegel in einen Becher abgefüllt und der normale Joghurt als Naturjoghurt oder vermischt mit einer Fruchtzubereitung als Fruchtjoghurt abgefüllt. Die Reuthers stellen nach eigener Angabe Produkte mit Charakter her. Daher tragen die Joghurts die Namen der Kühe und heißen beispielsweise Violetta (Vanille), Hanna (Himbeere), Edda (Erdbeere) oder Maja (Pfirsich-Maracuja).

 

„Unsere Kunden ist Regionalität wichtiger als bio.“

Bis auf die Fruchtzubereitungen kommen alle Zutaten beim Milchhandwerk aus der Region und das Futter für die Milchkühe ist frei von Gentechnik. Auf die Nachfrage, ob bio ein Thema wäre, sagt Frau Reuther-Gruschka: „Unsere Kunden ist Regionalität wichtiger als bio.“ Doch was unterscheidet den Joghurt der Hofmolkerei vom industriell hergestellten Joghurt? In der industriellen Produktion wird der Milch zuerst Fett entzogen und anschließend im gewünschten Maß wieder zugeführt. Die Milch wird neben dem Pasteurisieren homogenisiert. Das bedeutet vereinfacht dargestellt, dass die Fettmoleküle unter großem Druck in winzig kleine Partikel zerteilt werden. Dadurch setzt sich in der Milch beziehungsweise im späteren Joghurt keine Rahmschicht am oberen Rand ab. Auf den Zusatz von Milchpulver, Zucker oder Verdickungsmitteln wird darüber hinaus verzichtet. Zucker ist lediglich in den Fruchtzubereitungen enthalten. Für Ungeduldige liegen im Hofladen Löffel bereit. Die Kunden legen den entsprechenden Betrag in die Kasse. Das funktioniert super. „Joghurtesser sind ehrliche Menschen“, sagt Sven Gruschka lachend.

Text: Nadine Cwik

Erschienen in unserem Print-Magazin Ausgabe 09 / Juli 2017




Lieber Gott – Haben Sie das von den Nachbarn gehört?

Bei uns geht immer alles geordnet zu. Wir sind eine Musterfamilie. Wir streiten auch nie. Nie. Niemals. Sie etwa? Schön, wenn zumindest nach außen der Schein gewahrt werden kann, man wäre Teil einer harmonischen kleinen Familie. Schade nur, dass unser Haus so viele Türen und Fenster hat. Da bei uns ein reger Durchgangsverkehr herrscht, kann es schon mal passieren, dass die Haustür für Stunden sperrangelweit offen steht und es keiner bemerkt. Etwas ungünstig ist diese Situation nicht nur, wenn Einbrecher gerade ihre Runde drehen, sondern auch, wenn ein kleiner Streit zwischen zwei Erwachsenen ein bisschen eskaliert. Anfangs war der Übeltäter unser Sohn, der gelogen hat. Nach einer Stunde war ich der Übeltäter, weil ich nicht konsequent durchgriff, und mein Mann, weil er zu selten zu Hause ist.

Wer hat nun mehr Schuld an dem Pinoccio-Dasein unseres Sohnes?

Mein Sohn war irgendwann verschwunden, während wir uns noch immer darüber stritten, wer von uns nun mehr Schuld an dem Pinoccio-Dasein unseres Sohnes hatte. Nun gibt es ja zwei Sorten einer Austragung eines Streits. Zum einen die gesittete, geordnete, ruhige, wohlbesonnene, bei der Erwachsene rationelle Argumente austauschen, um sich am Ende mit einem Kompromiss zu einigen. Und es gibt unsere Art des Streits.

Mein Mann führt heimlich eine Liste

Mein Mann und ich denken beide, dass derjenige, der lauter schreit, auch mehr Recht hat. Zwischendurch kann es auch passieren, dass wir ausfallend werden und beide neigen wir dazu, längst zurückliegendes Fehlverhalten des Partners nun wieder auf den Tisch zu bringen (Verhalten, das selbstverständlich rein gar nichts mit dem aktuellen Fall zu tun hat) und alles, wirklich alles, aufzusummieren, was man in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten falsch gemacht hat.

Haben Sie den Streit bei den Müllers gehört? Heute wieder in Stereolautstärke.
Karikatur: GSCHWÄTZ / Natalis Lorenz

Ich muss gestehen, mein Mann ist dabei viel besser als ich, weil er einfach ein besseres Gedächtnis hat. Ich vergesse sofort alles wieder, bin dafür auch nicht lange nachtragend, weil ich irgendwann gar nicht mehr weiß, warum. Bei meinem Mann habe ich eher das Gefühl, dass er heimlich eine Liste schreibt mit allem, was ihm so an mir auffällt und ihn stört und anstatt gleich etwas zu sagen, entlädt sich diese Fehlverhaltensliste, bäng, in so einem Streit. Nach zwei Stunden Vorhaltungen fühle ich mich dann immer wie die schlechteste Mutter und Ehefrau der Welt.

Dann kommt der Höhepunkt. Wenn sich die Gemüter Gott sei Dank irgendwann wieder beruhigt haben und wir nach draußen gehen wollen, um mit den Nachbarn noch ein Schwätzchen zu halten, stellen wir fest, dass unsere Haustür sperrangelweit offen steht. In Scham und Schande schließen wir so geräuschlos wie möglich die Tür und bleiben erstmal drin.

Eine Kolumne von Christine Müller

Jeden Monat nimmt Christine Müller unsere Leser mit in ihren hohenlohischen Alltag. Christine Müller ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Karikatur: Natalis Lorenz




Probealarm der funkansteuerbaren Sirenen im Hohenlohekreis

Die nächste Probealarmierung der funkansteuerbaren Sirenen für die Feuerwehren des Hohenlohekreises findet am Samstag, 6. Oktober 2018 statt.
Dabei werden die funkansteuerbaren Sirenen aller Städte und Gemeinden sowie Ortsteile im Hohenlohekreis zwischen 11 Uhr und 12 Uhr ausgelöst.

 

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes Hohenlohekreis




Er wäre viel lieber Förster geworden

Eine Zeitreise zurück in die Vergangenheit: Klosterapotheke in Schöntal

Die Klosterapotheke in Schöntal ist anders als andere Apotheken. Sie strahlt einen ganz eigenen Charme vergangener Zeiten aus. Betritt man das Gebäude, fühlt man sich in eine längst vergangene Zeit zurückversetzt. „Ich wäre viel lieber in die Försterei“, sagt Peter Holch heute, wenn er an die Zeit zurückdenkt, bevor er die Klosterapotheke in Schöntal in den 1950er Jahren
übernahm. Durch seine selbstlose Entscheidung blieb die Apotheke jedoch in Familienbesitz, in dem sie sich seit 1872 befindet. In dem Jahr starb der damalige Besitzer und Apotheker Polack in jungen Jahren an Tuberkulose. Er war der erste Mann von Holchs Großmutter. Nach seinem Tod ging die Apotheke in ihren Besitz über.

„Meine Großmutter durfte die Apotheke nicht betreiben, da sie keine Apothekerin war“

Doch das Apothekerhandwerk war seit jeher mit vielen Restriktionen verbunden. „Meine Großmutter durfte die Apotheke nicht betreiben, da sie keine Apothekerin war“, so Peter Holch über die damalige Zeit. „Sie musste einen Apotheker als Verwalter einsetzen.“ Ihr Schwager sprang damals kurzerhand ein und gab ihr somit die Zeit, einen dauerhaften Nachfolger zu finden. Diesen fand sie in Carl d’Alleux, der viele Jahre später ihr zweiter Mann wurde. Aus der 1896 geschlossenen Ehe gingen zwei Kinder hervor: ein Sohn und eine Tochter, die Mutter von Peter Holch.

Neben dem Apothekerhandwerk liebte Carl d’Alleux das Fotografieren. „Ich wundere mich, wie er dafür noch die Zeit gefunden hat“, schmunzelt Peter Holch, „war die Arbeit als Apotheker damals doch noch sehr viel zeitintensiver als heute“. Der Tatsache, dass er die Zeit dazu fand oder sie sich bewusst nahm, verdanken wir heute sehr viele Fotografien, die als Zeitzeugen das damalige Leben dokumentieren und bereits von der Kulturstiftung Hohenlohe in Büchern veröffentlicht wurden.

Von außen wie von innen scheint die Zeit stehengeblieben zu sein.
Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Auch die Försterei hatte in der Familie eine große Tradition

Nach dem Tod seiner Großeltern war die Apotheke erst einmal verpachtet und Peter Holch machte sich die Entscheidung nicht leicht, ob er das Familienerbe antreten wolle. Das Gebäude war seinerzeit in einem sehr schlechten Zustand und er selbst fühlte sich als junger Mensch vom Wald deutlich mehr angezogen, als von Salben und Pasten. Denn auch die Försterei hatte in der Familie eine große Tradition. Doch in fremde Hände sollte die Apotheke nicht fallen und so wandte er sich nach langem Für und Wider dem Apothekertum zu, absolvierte seine Ausbildung und übernahm im Jahre 1954 den Familienbetrieb.

Die Klosterapotheke ist wie eine etwas verschrobene alte Dame, die ein wenig altbacken daher kommt

Inzwischen ist er stolze 88 Jahre alt und hat die Geschäfte längst an seine Tochter Ulrike übergeben. „Für Ulrike wird es jedoch schwer werden, einen Nachfolger zu finden. Es gibt wenig Apothekernachwuchs in der heutigen Zeit“, sagt Holch nachdenklich. Und der ohnehin schon dünn gesäte Nachwuchs wünscht sich vermutlich einen hochmodernen Arbeitsplatz auf der Höhe der Zeit. Doch genau das ist sie nicht, die Klosterapotheke: modern. Und genau deshalb lieben sie ihre Kunden, weil sie eben nicht so ist, wie andere Apotheken. Sie ist einfach anders, sie ist eine etwas verschrobene alte Dame, die ein wenig altbacken daher kommt und gleichzeitig aus der Masse hervorsticht.

Manche der Einrichtungsgegenstände sind fast 200 Jahre alt.
Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Die alten Einrichtungsgegenstände stammen laut Kunsthistorikern aus dem Zeitraum um 1830/40.

Betritt man die Apotheke, spürt man deutlich die vergangenen Zeiten, die in den altehrwürdigen Mauern fortzudauern scheinen. Die Klosterapotheke Schöntal wurde nicht zwanghaft immer wieder modernisiert, wie es in der Apothekerbranche in den letzten Jahrzehnten rundherum geschah. Die alten Einrichtungsgegenstände stammen laut Kunsthistorikern aus dem Zeitraum um 1830/40. Dieser konnte aufgrund ihrer Bemalung eingestuft werden und die Familie Holch wollte sich nie davon trennen. Die Apotheke hat sich dadurch etwas bewahrt, das die Menschen heute begeistert und vielleicht auch manchmal etwas innehalten lässt. Innehalten vom Alltagsstress, denn dieser fällt augenblicklich von einem ab, wenn man das alte Gebäude gegenüber des Klosters betritt. Es riecht nach Vergangenheit und man hat den Eindruck, dass Carl d’Alleux jeden Moment um die Ecke kommen könnte, um ein Glasbehältnis mit dem entsprechenden Medikamentennamen zu beschriften.

 

Text & Fotos: Nadine Cwik