Text von Matthias Lauterer
Bürgermeister Beck stellte die Gemeinderatssitzung am Montag, den 28. Januar 2019, unter das Motto des englischen Philosophen Herbert Spencer „Das große Ziel der Bildung ist nicht Wissen, sondern Handeln.“ – ein durchaus passendes Motto, denn Haupttagesordnungspunkt war der Neubau der Grundschule. Etwa 35 Bürger waren gekommen, um die Sitzung zu verfolgen.

Geplanter Neubau der Grundschule in Niedernhall.
Foto: Büro Thiele und Knorr
Karin Thiele vom Büro Knorr und Thiele stellte den aktuellen Stand der Planung des Neubaus der Grundschule Niedernhall dar und ging insbesondere auf Änderungen gegenüber dem vorhergehenden Planungsstand ein. So muss auf den Standort im Wasserschutzgebiet Rücksicht genommen werden: Da ein übliches Fundament nicht genehmigungsfähig ist, muss aufwändig eine entsprechend dimensionierte 45 Zentimeter dicke Bodenplatte erstellt werden. Außerdem ist das Gebäude um 90 Zentimeter gegenüber dem heutigen Tennisplatzniveau zu erhöhen, um einem hundertjährigen Hochwasser zu trotzen.
Alles das sind natürlich Maßnahmen, so Bürgermeister Beck „die auch Mehrkosten verursachen“.
Die Planung sieht vor, dass im Erdgeschoss die Garderobe, die Räume für die Ganztagesbetreuung, der Werkbereich sowie der Lehrerbereich untergebracht werden, dazu eine Fläche für Veranstaltungen, die als Atriumbereich unter einem großen Oberlicht gestaltet ist. Die acht Unterrichtsräume sind im Obergeschoss geplant, dazu für je zwei Unterrichtsräume eine sogenannte Lerninsel und ergänzend eine Begegnungszone. Im Dachgeschoss wird in Erweiterung der vorhergehenden Planung die Steuerung der Lüftungsanlage errichtet, außerdem wird es von dort Wartungszugänge aufs Dach geben.
Detaillierte Betrachtungen über die konstruktive Gestaltung der Klassenzimmer, Integration der Heiz- und Lüftungsanlage sowie die Gestaltung der Rettungswege schließen sich an.
Insgesamt ergibt sich ein Kostenansatz von zirka 8,2 Millionen Euro brutto – was gegenüber der ersten Schätzung von vor zwei Jahren, die noch von zirka 6,6 Millionen Euro ausging, eine Erhöhung um knapp 24 Prozent darstellt. Gründe für diesen Kostensprung seien vor allem die Höherlegung des Gebäudes, die Lüftungsanlage sowie der starke Anstieg der allgemeinen Baukosten, derzeit rechnet man mit 5 Prozent pro Jahr. Außerdem seien an einigen Punkten, zum Beispiel den Bodenbelägen oder den Fenstern, höhere Investitionen zugunsten von geringeren Folgekosten angesetzt worden.
Über Fördermittel ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine endgültige Aussage zu machen, man kann aber von einer Förderung zwischen ein und zwei Millionen Euro ausgehen.
Eine eventuelle Photovoltaikanlage würde zusätzlich etwa 300.000 Euro kosten, kann aber unabhängig vom Neubau auch jederzeit später realisiert werden.
Beck leitete mit dem Statement: „Wir sind in einer Kostensituation, wo wir uns überlegen müssen, wie wir da wieder herunterkommen“, die Diskussion ein, in der auch erste Ansätze zur Kostendämmung genannt wurden: Roland Bolz schlug eine andere Dachkonstruktion vor, Reiner Fischer regt an, wenigstens teilweise auf die umlaufenden Treppen zu verzichten und Klaus Richter findet: „Eine außenliegende Beschattung [des Oberlichts] ist gigantisch teuer“.
Bei der Abstimmung darüber, dass die Verwaltung beauftragt wird, „gemeinsam mit dem Büro Knorr und Thiele das Baugesuch fertigzustellen und einzureichen“ sowie darüber, dass der Technische Ausschuss bei der Ausführungsplanung mitwirken soll, herrscht Einstimmigkeit.
Die Verwaltung geht im Moment davon aus, dass ein Baubeginn aufgrund des langwierigen Verfahrens erst ab April 2020 möglich sein wird.