Wie nahezu kein anderes Land weltweit hat Deutschland in den Coronjahren auf wochenlange Shutdowns gesetzt und sowohl Ladengeschäfte als auch Ämter, Behörden, Schulen und Kindergärten geschlossen. Die Angst vor dem Virus war groß. Aber man wollte auch nicht in Stillstand verharren, sondern es sollte zumindest gefühlt alles so weitergehen wie gehabt.
Die Pandemie hat die Menschen verändert
Das hieß für Schüler: bl0ß keinen Lernstoff verpassen. Und für Eltern: über Wochen als Lehrer und Pädagoge agieren, unterschiedliche Klassen zu Hause unterrichten – neben ihren Fulltimejobs. Im Juli 2020 standen viele Eltern kurz vor dem Burn-out. Dann kamen die Sommerferien und eine gewisse Entspannung setzte ein. Und doch: Die Nachwehen dieser Fahrweise spürt man heute mehr denn je. Nach Corona ist eben nicht vor Corona.
Nach Corona ist eben nicht vor Corona
Die Pandemiejahre bleiben auch im Kopf hängen, hat etwas mit den Familien gemacht, hat auch Lernstofflücken hinterlassen. Wie sollte es auch anders sein? Intelligenter wäre es gewesen, dass Land wirklich komplett herunterzufahren in dieser Zeit und einfach mal zu sagen: „Dann wird jetzt eben vier Wochen lang nichts gelernt.“ So waren die Auswirkungen hinsichtlich Stress weitaus höher. Etliche Familien zerbrachen in dieser Zeit – und auch danach. Nach Corona ging es direkt weiter, nicht mit einer Pandemie, sondern mit dem Ukrainekrieg. Auch hier versuchten die Deutschen zu helfen, wo es nur ging. Auch danach gab es keine Entspannung. Derzeit schwächelt die Wirtschaft wie lange nicht mehr, die Inflation treibt die Preise in die Höhe, die Gehälter kommen dabei nicht mit und seit diesem Jahr kämpfen die Deutschen mit dem Gazakrieg an noch mehr Fronten.
Die Welt hat sich verändert, auch durch den Klimawandel. Der Konsum von Medien erreicht bei Kindern und Jugendliche neue Spitzenwerte. Viele Eltern haben mittlerweile ganz andere Sorgen und/oder weder die Zeit noch die Kraft, dagegen anzurennen. Auch vielen Lehrern sitzen die Coronajahre noch in den Knochen.
Die erschreckenden PISA-Ergebnisse, die nun veröffentlicht wurden, hinterlassen, wenn überhaupt, mittlerweile bei vielen oftmals übernervösen Deutschen nur noch ein müdes Achselzucken, nach dem Motto: So what? Man verfällt nicht mehr automatisch in das typische deutsche Syndrom, sofort wieder an dem Bildungssystem herumdoktern zu wollen, zu verändern, den Erfolgsdruck der Schüler:innen weiter zu erhöhen. Und das ist vielleicht auch gut so.
PISA-Studie 2023:
Am 5. Dezember 2023 hat die OECD die Ergebnisse der PISA-Erhebung 2022 vorgestellt.
Rund 690 000 Schülerinnen und Schüler aus 81 Ländern und Volkswirtschaften hatten an der Erhebung teilgenommen – stellvertretend für 29 Millionen Schülerinnen und Schüler in aller Welt. Schwerpunktbereich war die Mathematik.
PISA 2022 ist die erste groß angelegte Studie, in die Daten zu den Leistungen der Schülerinnen und Schüler, zu ihrem Wohlergehen und zur Bildungsgerechtigkeit aus der Zeit sowohl vor als auch nach der Pandemie einfließen.
31 Ländern und Volkswirtschaften ist es trotz der schwierigen Umstände gelungen, ihre Mathematikleistungen wenigstens auf dem Niveau von PISA 2018 zu halten.
„Insgesamt kam es in der PISA-Erhebung 2022 zu einem beispiellosen Rückgang des OECD-Leistungsdurchschnitts. Verglichen mit 2018 sank er in Lesekompetenz um 10 Punkte und in Mathematik um fast 15 Punkte. Der Leistungsrückgang in Mathematik ist dreimal so hoch wie jede vorherige Veränderung von einer PISA-Erhebung zur nächsten.“ Auf die Coronapandemie könne laut den Organisatoren der PISA-Studie der Leistungsrückgang nur teilweise zurückgeführt werden. Die Leistungen in Lesekompetenz und Naturwissenschaften hätten bereits vorher zu sinken begonnen und auch bei den Mathematikleistungen seien in diversen Ländern schon vor 2018 negative Trends zu beobachten.
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