„Ich habe schon immer gewusst, dass ich mein Geld selber verdienen muss. Alle anderen wollen es nur“
Der Rathaussaal im dritten Stock war am Freitagabend zum alljährlichen Neujahrsempfang bis auf den letzten Platz belegt. Die Veranstaltung war schon vor Wochen schnell ausgebucht. Vermutlich hätten noch viele mehr Künzelsauer:innen hören wollen, was dieser Mann zu sage hatte: Trigema-Macher Wolfgang Grupp.
Das Publikum schien förmlich auch auf derartige Zoten zu warten
Der 81-Jährige, der auch locker 20 Jahre jünger geschätzt werden könnte, hielt über eine Stunde einen freien Vortrag über Wirtschaft, sei eigenes kleines Wirtschaftswunder, die Bedeutung der Familie und der Werte in der heutigen Zeit. Diverse mittlerweile berühmte und auch teilweise kontrovers diskutierte Zitate kannte der ein oder andere im Publikum bereits. Doch das tat der gute Stimmung im Saal keinen Abbruch. Im Gegenteil. Das Publikum schien förmlich auch auf derartige Zoten zu warten.
Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann bemerkt gleich zu Beginn, sei Wolfgang Grupp nicht nur ein „Botschafter des Mittelstandes“, der immer wieder habe große Herausforderungen meistern müssen. „Gleichzeitig sind Sie auch wahrlich nicht auf den Mund gefallen und daher geradezu perfekt für diesen Abend.“
Nach Künzelsau zu kommen, sei für ihn eine Ehre gewesen
Wolfgang Grupp beginnt denn auch mit Worten, die jedem Anwesenden herunterlaufen wie Öl. Gerne sei er er bereit gewesen, nach Künzelsau zu kommen. Denn hier seien sie am Start: die großen Unternehmer, die international erfolgreichen Hidden Champions, allen voran natürlich Reinhold Würth mit seinem – man ist schon fast geneigt zu sagen; Imperium. Passend dazu saß die junge Führungsriege von Würth, die dritte Generation, in der ersten Reihe: Maria, Sebastian und Benjamin Würth, daneben Wolfgang und Christian von Stetten (CDU), auch der AfD-Landtagsabgeordnete Anton Baron saß in der ersten Reihe, ebenso wie Matthias Uebele, Erster Vorsitzender der Werbegemeinschaft in Künzelsau. Von Familie Berner und dem CDU-Landtagabgeordneten Arnulf on Eyb war indes nichts zu sehen.
Deshalb bedaure er es sehr, so Grupp, dass derzeit wieder eine Art Neid-Mentalität herrsche. Früher seien Arbeitnehmer:innen stolz auf die Villen ihrer Chefs gewesen. Denn: Je größer die Villen, desto erfolgreicher die Chefs und damit das Unternehmen, für das man arbeite. Zustimmendes Gemurmel aus dem Publikum.
Bekenntnisse eines „Schaffers“
Gegen die rund 86.000 Würth-Mitarbeitenden scheinen die 1.200 Mitarbeitenden von Wolfgang Grupp geradezu verschluckt zu werden. Doch man darf nicht verkennen, dass Wolfgang Grupp in einer aussterbenden Branche noch immer als einziger die Fahne hochhält, und zwar, Textilien noch immer vollkommen in Deutschland zu produzieren. Er sei, bekennt er ehrlich, denn auch nicht nur der größte, sondern auch der kleinste Textilproduzent, weil mittlerweile der einzige. Aber es sei machbar und schaffber.
Bemerkenswert daran ist, dass Wolfgang Grupp die Firma seines Vaters laut eigenen Aussagen 1969 mit rund 5 Millionen Euro Schulden übernommen hat, in wenigen Jahren zur Schuldenfreiheit führte und seitdem nie wieder einen Kredit über die Bank genommen habe. Die Firma habe 100 Prozent Eigenkapitalquote. Wobei man dazu ergänzen muss, dass auf der anderen Seite bereits ein Umsatz von rund 9 Millionen Euro stand. Im Jahr 1972 wurde er alleiniger Geschäftsführer und Inhaber. Bis 1975 hatte er den Umsatz auf 28,1 Millionen Euro gesteigert und sämtliche Schulden getilgt.
Spätestens da hat Grupp alle Lacher auf seiner Seite
Seine Mitarbeitenden seien das Herzstück. Sie seine eine große Trigema-Familie, man kümmere sich umeinander. Es sei ein Wechselspiel des Gebens und Nehmens. Auch hier die Parallelen zum Übervater Würth. Wer bei Würth arbeitet, ist Würth. Er wird durch die vielen Benefits, die es gibt, und Social-Meet-and-Greets auch in der Freizeit schnell Teil der großen Würth-Familie. Viele Mitarbeitende arbeiten in beiden Firmen, bis sie in Rente gehen. Loyalität wird groß geschrieben.
Fehler dürfen Mitarbeitende natürlich machen – nur kein zweites Mal, lautet ein Zitat des Burladinger Unternehmers an diesem Abend in Künzelsau. Die Zuschauer:innen sind amüsiert. Der nächste Schenkelklopfer folgte denn auch sogleich im Anschluss: „Wir haben als Firma nur ein Bankkonto. Wenn Sie Geld haben, reicht Ihnen eine Bankverbindung. Wenn Sie keines haben, nützen Ihnen auch zehn Bankverbindungen nichts.“ Spätestens da hat Grupp alle Lacher auf seiner Seite. Oder das bereits deutschlandweit bekannte Zitat, das er an diesem Abend ebenfalls nochmals wiederholte: „Jeder, der zu mir sagt, dass er ein großes Problem hat, ist ein Versager.“ Denn am Anfang sei dieses Problem ja noch klein gewesen. Ergo habe man zu lange gewartet bei der Problemlösung. Deutschlandweit stand Grupp wegen dieser Aussage heftig in der Kritik und korrigierte sich dahingehend, dass zum Beispiel bei einer plötzlich eintretenden schweren Krankheit niemand etwas dafür könne.
Weitere Kalauer und Geschichten aus dem Nähkästchen folgten, insbesondere seine Familie und seine Frau betreffend. Eine Spitze konnte er sich denn auch nicht gegen Künzelsau verkneifen.
Teil 2 dazu lesen Sie morgen auf unserer Seite.

Volles Rathaus: Die Zuhörer:innen waren begeistert. Foto: GSCHWÄTZ























