Bereits am Freitag, den 14. März 2020, kamen zahlreiche Schüler in Baden-Württemberg mit einem mit Büchern, Heften sowie diversen Aufgabenblättern und Informationsschreiben der Schulen vollgepackten Schulranzen nach Hause mit dem Inhalt, was sie denn die nächsten Wochen zu lernen hätten, falls es zu Schulschließungen komme.
Zu dieser Zeit stand teilweise noch nicht einmal fest, was um zirka 14 Uhr dann offiziell vom Regierungspräsidium Stuttgart verkündet wurde: Die Schulen und Kindergärten machen auch im Ländle zu – so wie in einigen anderen anderen Bundesländern auch. Allerdings startet das Musterländle erst am Dienstag, den 17. März 2020, mit den Maßnahmen, Denn: die Lehrer sollen noch ausreichend Gelegenheit haben, ihre Schützlinge mit Unterrichtsmaterialien und Hausaufgaben für die nächsten Wochen zu versorgen, so die Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann.
Getreu dem Motto: „Schaffe, schaffe, weitermache“
Ganz nach dem Motto: „Schaffe, schaffe, weitermache“ – soll schließlich kein zeitlicher Lernverlust angesichts der sich immer weiter ausbreitenden Pandemie entstehen, so dass man dann – wie es manche Lehrer bereits zu den Eltern formuliert haben – nahtlos nach den Osterferien weitermachen könne. Manche Lehrer haben Eltern bereits dazu verdonnert, nicht nur Wiederholungsaufgaben mit den Kindern durchzugehen für diese Zeit, sondern auch das Lernen des neuen Stoffs. Also letztendlich das, was eigentlich die pädagogische Aufgabe des Lehrers wäre. Mit dem Vermerk, dass es direkt nach den Osterferien schließlich mit Klassenarbeiten weitergehe. Natürlich möchte ich an dieser Stelle betonen, dass es viele Lehrer gibt, die den Eltern keineswegs derartiges abverlangen. Aber eben nicht alle.
Eltern plagen derzeit ganz andere Sorgen
Nun ist es ja nicht so, dass viele Eltern – beziehungsweise oft sind es ja immer noch die Mamis – aktuell ganz andere Sorgen plagen, denn die Hausfrau ist ja mittlerweile ein Auslaufmodell. Sprich: Die Mamis sind ja bereits mit einem anderen Job berufstätig und müssen derzeit erst einmal schauen, wie versorge ich nun die nächsten Wochen meine Kinder? Zu den Großeltern soll man sie nicht geben. Geschweige denn, wer und wie und wann bringe ich dann auch noch meinem oder im schlimmsten Fall noch meinen Kindern den neuen Lernstoff bei? Es gibt ja noch die Freistellung durch den Arbeitgeber, aber das endet nicht selten in unbezahltem Urlaub und dass kann sich eben nicht jeder einfach mal so über einen längeren Zeitraum leisten.
Dann bleibt ja noch das Kurzarbeitsarbeitergeld, das nun Firmen leichter bekommen sollen, wenn Mitarbeiter wegen dem Coronavirus ausfallen. Nur: Zählt das auch für Mitarbeiter, die nicht erkrankt sind, sondern lediglich wegen Maßnahmen wie Schulschließungen nicht zur Arbeit kommen können? Des Weiteren darf man nicht unterschätzen, wie es einer Firma an den Kragen geht, wenn sie über längere Zeit Mitarbeiter zu Hause lässt, selbst wenn der Staat dies finanziell unterstützt. Denn: Die Arbeit muss ja letzten Endes doch von irgendwem gemacht werden.
Und jetzt kommen Sie mir bloß nicht mit home office
Und jetzt kommen Sie mir bloß nicht mit home office. Wer ernsthaft glaubt, dass jeder Arbeitnehmer ohne Probleme Kinder hüten und acht Stunden zu Hause jeden Tag für seine Firma arbeiten kann, der glaubt auch noch an die lila Kuh. Nicht zu vergessen die Vermittlung des neuen Lernstoffes, die nun auch noch obendrauf kommt. Das macht der Arbeitnehmer dann locker neben seiner Home-Office-Tätigkeit. Ist klar.
Ach ja – was machen eigentlich die Lehrer und Erzieher in dieser Zeit überhaupt? Ihr Klassenzimmer putzen und den Kindergarten neu gestalten, lauteten diverse Aussagen hierzu. Und wer zahlt nochmal die Löhne und Gehälter? Richtig, das sind ja die Eltern, die mit home-office, Kinderbetreuung und lehrpädagogischem Auftrag beschäftigt sind.
Alles richtig gemacht im Land der Dichter und Denker, oder?
Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann