1

Offener Brief von Öhringens Bürgermeister: „Zusammenhalt war seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr so wichtig wie jetzt“

Öhringens Oberbürgermeister Thilo Michler wendet sich mit einem Offenen Brief an die Bevölkerung. In dem vierseitigen Schreiben mahnt er angesichts der Coronakrise zum Zusammenhalt und dazu, Gebote zu befolgen. Anbei veröffentlichen wir das Schreiben in voller Länge:

Coronakrise: Offener Brief von Öhringens Bürgermeister Thilo Michler, Seite 1. Screenshot

Coronakrise: Offener Brief von Öhringens Bürgermeister Thilo Michler, Seite 2. Screenshot

Coronakrise: Offener Brief von Öhringens Bürgermeister Thilo Michler, Seite 3. Screenshot

Coronakrise: Offener Brief von Öhringens Bürgermeister Thilo Michler. Screenshot




Öhringer Woche wird abgesagt

Wie in den letzten Tagen und Wochen bereits abzusehen war, fällt auch die Öhringer Woche der aktuellen Situation zum Opfer. Laut einer Pressemitteilung wird die Woche, die mit vielen Aktionen und Events vom Donnerstag, den 23. April 2020, bis Sonntag, den 03. Mai 2020, in der Innenstadt, im Ö-Center und im Steinsfeldle geplant war, vom Handels- und Gewerbeverein Öhringen (HGV) abgesagt. „Wir finden es natürlich sehr schade, dass die Öhringer Woche in diesem Jahr nicht stattfinden kann und leiden mit unseren Mitgliedern, die es aktuell sehr schwer haben. Angesichts der derzeitigen Lage hat für uns die Gesundheit unserer Kunden und Mitarbeiter allerdings oberste Priorität. Wir unterstützen daher wo wir können, um die weitere Ausbreitung zu verlangsamen“, so Petra Häffner, Vorstand des Handels- und Gewerbevereins, laut der Mitteilung.

Unter die Absagen fallen der Kindernachmittag am Donnerstag, den 23. April, die Night of Music am Freitag, den 24. April, Grüner Samstag mit Frühlings- und Bauernmarkt am 25. April, der Verkaufsoffene Sonntag mit Mobilitätstag am 26. April, das Streetfood Festival am Ö-Center vom 25. bis 26. April, das Fest „Ums alte Rathaus“ ebenfalls vom 25. bis 26. April sowie der Öhringer Stadtlauf am Sonntag, den 03. Mai. 

Sobald sich die Situation wieder entspannt hat, will der HGV über einen Ersatztermin sprechen und die vielen Aktionen und Events nachholen.

Quelle: Stadtverwaltung Öhringen




Noch Plätze im Flieger zurück nach Deutschland frei – Timmy Hatton & seine Frau dürfen nicht mit – Aserbaidschaner helfen

Während sich auch in Deutschland die Ereignisse angesichts der Coronakrise überschlagen, verändern sich die Umstände auch in Aserbaidschan. Nach unserer Berichterstattung und unserem YouTube-Video über den Fall Timmy Hatton (Artikel siehe unten) meldeten sich Aserbaidschaner bei dem Ehepaar und bieten ihre Hilfe und Unterstützung vor Ort an. Die Hattons sind dankbar. Unter anderem wird ihnen eine kostenlose Unterkunft für ihre Zeit in Aserbaidschan angeboten.  Die Ehefrau eines Polizisten hat während des Quarantäneaufenthalts auf die Hunde aufgepasst. Nun will sie ihnen helfen, eine passende Klinik für die Geburt zu finden. Aktuell hat Aserbaidschan noch eine relativ kleine Zahl an gemeldeten Coronafällen gegenüber Deutschland.

Charterflug nach Deutschland

Dann überschlagen sich nochmal die Ereignisse. Am 18. März 2020 geht ein Charterflug nach Deutschland mit freien Plätzen – im Rahmen der Reiserückrufwelle im Zuge der Corona-Pandemie. Die Hattons versuchen noch einmal alles in Bewegung setzen. Die Ansprechpartnerin der Hattons in der Deutschen Botschaft ist im Urlaub, wird ihnen gesagt. Der Leiter der Visastelle der Botschaft in Baku (Aserbaidschan) verweist  darauf, dass Timmy Hattons türkische Frau Duygu schwanger sei und kein Visum für Deutschland habe. Es bleibt den Hattons keine Zeit mehr, ein Attest vom Arzt zu holen, der bestätigt, dass Duygu noch fliegen kann. Das Büro von Christian von Stetten hat laut den Hattons versucht, die Botschaft zu erreichen, jedoch ohne Erfolg. Doch der  Kontakt mit dem Außenministerium ist erfolgreich, Duygu dürfe in dieser Situation nach Deutschland einreisen.

Das Büro von Christian von Stetten schaltet sich ein

Die Visastelle in Baku verweist nun jedoch auf die Lufthansa, die darüber entscheidet, ob die Hattons in diesem Charterflug mitfliegen dürfen. Die Hattons antworten, dass die Lufthansa bereit wäre, sie mitzunehmen. Die darauf folgende Antwort der Visastelle ist ernüchternd: „Ich bitte um Verständnis, dass es noch zahlreiche weitere deutsche Staatsangehörige gibt, die an der Rückholmaßnahme interessiert sind.“

 




Erste Corona-Patienten im Krankenhaus Öhringen – „Bei HK, aber auch in allen Krankenhäusern in der Region werden harte Wochen auf uns zukommen“

Die Hohenloher Krankenhaus gGmbH (HK) hat alle Vorbereitungen für eine große Erkranktenzahl getroffen und Quarantänestationen errichtet“, versichert Hohenlohes Landrat Dr. Matthias Neth in einem Informationsschreiben vom 21. März 2020. Corona-Patienten seien schon stationär aufgenommen. „Ich habe größten Respekt vor der Leistung der Mitarbeiter bei der Hohenloher Krankenhaus gGmbH und danke von Herzen für das Engagement“, so der Landrat. „Es werden bei der HK aber auch in allen Krankenhäusern in der Region und im Land harte Wochen auf uns zukommen.“

BBT-Gruppe schafft in Öhringen zusätzliche Beatmungsplätze

Ute Emig-Lange von der BBT-Gruppe, dem Mehrheitseigner der HK, erklärt auf GSCHWÄTZ-Nachfrage: „Im Hohenloher Krankenhaus Öhringen haben wir zusätzliche Intensivkapazitäten geschaffen. Im Regelfall verfügen wir über sieben Intensivplätze, diese haben wir nun auf insgesamt zwölf Intensivplätze mit Beatmungskapazität aufstocken können. Dazu kommen zwei weitere Beatmungsgeräte, die wir zum Beispiel für andere Notfall-Operationen und Kaiserschnitte bereithalten. Denn wir müssen auch alle nicht infektiösen Patienten weiter versorgen.“ Auf die Frage, ob es noch genügend Schutzausstattung sowie Teststäbchen gäbe, bejahte Ute Emig-Lange dies für die Krankenhäuser und Altenheime der BBT-Gruppe.

Ausgangspunkt unserer Fragestellung war die Beobachtung, dass Mitarbeiter am Empfang noch Mitte März 2020 keine Schutzkleidung wie etwa Mundschutz trugen (wir berichteten). Es wurde daher darüber spekuliert, inwieweit das HK keine Schutzkleidung mehr hat. https://www.gschwaetz.de/2020/03/17/oehringer-krankenhaus-in-corona-zeiten-keine-spur-von-aufregung/

Offiziell 257 Infizierte im Hohenlohekreis

Laut dem Sozialminisiterium hat der Hohenlohekreis derzeit offiziell gelistet 257 Infizierte (Stand 23. März 2020). Das sind 25 Infizierte mehr als am Vortag und bedeutet eine Steigerung um rund 10 Prozent. Aktuell werden angesichts der Knappheit der Teststäbchen nicht mehr alle Coronaverdachtsfälle getestet, sondern von Ärzten diagnostizert als möglicher Coronainfizierter. Die Zahlen werden dadurch noch weniger exakt sein als bislang. In Baden-Württemberg insgesamt stieg die Zahl der offiziell registrierten Infizierten auf 5.333.

https://sozialministerium.baden-wuerttemberg.de/de/gesundheit-pflege/gesundheitsschutz/infektionsschutz-hygiene/informationen-zu-coronavirus/




Zu wenig Schutzkleidung in Hohenloher Gesundheitseinrichtungen – Landrat ersucht Firmen & Privatpersonen um Hilfe

Krankenhäuser, Altenheime, Arztpraxen – hier arbeiten und sind Menschen, die sich derzeit ganz besonders schützen müssen, unter anderem mit speziellen Schutzmasken und Handschuhen. In einem Offenen Brief wenden sich der Landrat Dr. Matthias Neth, Thomas Philippiak (der Vorsitzende der Innovationsregion Hohenlohe) und der Ärztliche Direktor der Hohenloher Krankenhaus gGmbH, Dr. Werner Reinosch, an die Betriebe, Firmen Unternehmen und Privatpersonen im Hohenlohekreis, und haben um Unterstützung gebeten.

„Derzeit erreicht uns eine Vielzahl an Anfragen von Gesundheitseinrichtungen, denen es an Schutzausrüstung mangelt“, schreiben die Unterzeichner. Die Unterzeichner des Offenen Briefes  sprechen den Mitarbeitern in den Gesundheitseinrichtungen wie Arztpraxen, ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen, Praxen für Physiotherapie und anderen ihren Dank und Anerkennung aus und betonen zugleich: „Oberste Priorität hat der Schutz der Mitarbeiter, um eine bestmögliche Versorgung der Coronavirus-Patienten zu gewährleisten und Risikogruppen vor einer Coronavirus-Erkrankung zu schützen“, so die Unterzeichner.

Bei steigenden Fallzahlen zeichne sich ein zunehmender Engpass an Atemschutzmasken und medizinischer Schutzkleidung sowie Nitril-Handschuhen ab, da bereits georderte Lieferungen auf dem Transportweg hängen bleiben und sich verzögern. Um diesen Engpass zu überbrücken, werden dringend Spenden benötigt.

Wer Masken, Schutzkleidung oder Handschuhe beisteuern kann, soll sich mit dem Gesundheitsamt des Hohenlohekreises unter CV-PSA@hohenlohekreis.de oder telefonisch unter 07940 18-309 in Verbindung setzen.

Die Unterzeichner hoffen, dass Gesundheitseinrichtungen durch die Mithilfe der Hohenloher Unternehmen, Betriebe und Firmen und Privatpersonen dringend benötigte Schutzausrüstung zur Verfügung gestellt werden kann, die in den Betrieben, so die Unterzeichner, „aufgrund der Corona-bedingten Produktionsausfälle derzeit nicht benötigt wird“.

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises




Super-Gau Großveranstaltung Rebenglühen in Bretzfeld mit mehreren Infizierten – Rückverfolgung Kontaktpersonen schier unmöglich

Am so genannten Rebenglühen in Bretzfeld vom 06. bis 08. März 2020 gab es mehrere Coronainfizierte, die das Virus wiederum an andere Besucher weitergaben. Das Prekäre: Eine solche Veranstaltung kann eine Kettenreaktion auslösen. Mehrere tausend Personen könnten mit den Infizierten Kontakt gehabt haben und möglicherweise ebenfalls angesteckt worden sein. Für das Landratsamt des Hohenlohekreises ein Super-Gau, stellt es sie doch vor die laut eigenen Aussagen schier unmögliche Aufgabe, hier alle Kontaktpersonen ausfindig zu machen.

Über 1.300 Kontaktpersonen konnten hinsichtlich aller Infizierten (nicht nur die des Rebenglühens) ausfindig gemacht werden

Laut dem Landratsamt des Hohenlohekreises seien rund 250 Mitarbeiter des Landratsamtes derzeit sieben Tage die Woche im Schichtdienst damit beschäftigt, die Coronalage im Hohenlohekreis zu bewältigen. Dabei sei insbesondere die Ermittlung von Kontaktpersonen mit COVID 19 erkrankten Personen die Hauptaufgabe, denn nur so können weitere Infektionsketten unterbrochen werden, so das Landratsamt in einer Pressemitteilung.

Dafür sei eine eigene Aufbauorganisation innerhalb des Landratsamtes geschaffen worden. „Wir haben eine komplett neue Struktur im Gesundheitsamt aufgebaut und die Büroarbeitsplätze in mehreren Verwaltungsgebäuden entsprechend umgerüstet“, so Annette Schmidt, kommissarische Amtsleitung des Personal- und Organisationsamtes. Aus allen Verwaltungsbereichen des Landratsamtes sei Personal abgezogen worden, um diese Mammutaufgabe erfüllen zu können.

Rund 1.350 Kontaktpersonen von COVID 19 infizierten Personen konnten so alleine in den letzten Wochen ermittelt werden. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, alle Kontaktpersonen zu erreichen – ob per Mail, telefonisch aber auch auf dem Postweg, um sie über die angeordnete Quarantäne zu informieren“, so Mike Weise, Verwaltungsleiter der Besonderen Aufbauorganisation im Gesundheitsamt. Besonders wichtig ist es, dass infizierte Personen den Mitarbeitern des Landratsamtes immer alle Kontaktpersonen im betroffenen Zeitraum vollständig angeben. Insbesondere bei größeren Veranstaltungen macht dies aber immer wieder Probleme – aber etwa auch bei Personen, die viel in Kundenkontakt sind, wie etwa Kassierer.

Die Hälfte keinerlei Symptome

Die Fallermittlungen haben nun ergeben, dass gleich mehrere infizierte Personen bei der Großveranstaltung Rebenglühen in Bretzfeld vor zwei Wochen gewesen waren. „Hier die Kontakte nachzuvollziehen ist objektiv kaum möglich“, erklärt die Leiterin des Gesundheitsamts, Dr. Antje Haack-Erdmann. Insbesondere deshalb, da gut die Hälfte der Infizierten keinerlei Symptome aufweisen und gar nicht wüssten, dass sie infiziert sind. Diese Personen bemerkten auch oft gar nicht, dass sie überhaupt krank waren.

„Aufgrund der aktuellen Erkenntnisse kann nicht ausgeschlossen werden, dass Besucher des Rebenglühens vor zwei Wochen in Kontakt mit infizierten Personen gekommen sind“, so Haack-Erdmann. „Daher sei es wichtig, dass Besucher des Rebenglühens, bei denen die typischen Symptome auftreten, telefonisch Kontakt zum jeweiligen Hausarzt aufnehmen“, so Bretzfelds Bürgermeister Martin Piott. Eine individuelle Nachverfolgung aller Kontakte ist aufgrund der hohen Besucheranzahl nicht möglich.

Besucher des Rebenglühens sollten bei Symptomen Hausarzt kontaktieren

Für alle Fragen zum Coronavirus ist das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises werktags von 8 bis 18 Uhr sowie am Wochenende von 9 bis 16 Uhr unter der Telefonnummer 07940 18-888 zu erreichen. Außerhalb dieser Zeiten ist ein Anrufbeantworter geschaltet.
Grundsätzlich gilt weiterhin der Appell zuhause zu bleiben. Neben den allgemeinen Hygienetipps, wie regelmäßiges und gründliches Händewaschen, sollte vor allem Abstand zu anderen Personen gehalten werden.




Landratsamt Hohenlohe sagt: „Coronadiagnose kann auch ohne Test gestellt werden“ – Ist das so? – Zahlen fortan weniger aussagekräftig

„Um eine Corona-Infektion feststellen zu können, sind nicht zwingend Tests nötig.“ Das sagt das Landratsamt des Hoenlohekreises in einer Pressemitteilung von Sonntag, den 23. März 2020. Aus medizinischer Sicht sei eine Diagnose aufgrund klinischer Befunde ausreichend. „Stellt ein Arzt die Symptome fest, gilt die COVID 19 Infektion als nachgewiesen“, so die Leiterin des Gesundheitsamts Dr. Antje Haack-Erdmann. Die Datenlage im Hohenlohekreis genüge, um abschätzen zu können, dass das Krankheitsbild auf eine Coronavirus-Infektion zurückzuführen sei, so Haack-Erdmann. Warum aber verzichtet der Hohenlohekreis nun auf konkrete Tests? Ganz einfach. Weil es keine mehr gibt.

Dieses Vorgehen sei nötig, so das Landratsamt, da die Testkapazitäten derzeit bundesweit erschöpft seien. Durch eine teilweise Umstellung auf eine Diagnose soll sichergestellt werden, dass benötigte Testkapazitäten für Risikogruppen zur Verfügung stehen. Um eine für den Hohenlohekreis einheitliche und rechtssichere Regelung zu finden, sei das Gesundheitsamt im intensiven Dialog mit der Kreisärzteschaft. Künftig gelten im Hohenlohekreis Personen, die klinische Symptome zeigen, als erkrankt. „Egal, ob die Diagnose Corona durch einen Abstrich bestätigt wurde oder aufgrund der klinischen Symptome gestellt wird, alle Patienten werden entsprechend ihrer Symptome gleich gut behandelt. Durch einen Test ändert sich nichts an dieser Behandlung, er ist für die weitere Therapie also nicht notwendig.“, unterstreicht Dr. Susanne Bublitz von der Ärzteschaft Öhringen. Wichtig sei allerdings, dass alle Erkrankten und deren Kontaktpersonen sofort in Quarantäne gehen, um weitere Infektionsketten zu unterbrechen.

Doch was sind die klinischen Symptome? Das Problem war schließlich von Beginn an, dass die Corona-Symptome der einer starken Grippe ähneln und nicht bei jedem gleich verlaufen. So haben manche Betroffenen beispielsweise Schnupfen, andere wiederum nicht.

Der Hohenlohekreis verweist darauf, dass sein Vorgehen rechtlich geregelt sei in einer sogenannten Allgemeinverfügung des Hohenlohekreises. Demnach gelten sowohl auf COVID 19 getestete als auch diagnostizierte Personen als erkrankt. Alle erkrankten Personen müssen sich unmittelbar für zwei Wochen in häusliche Quarantäne begeben. Das gilt auch für ihre Kontaktpersonen. Die Quarantäne endet in der Regel nach 14 Tagen. Dies ist allerdings nur der Fall, wenn die Erkrankten 48 Stunden vor dem Ende der Quarantäne symptomfrei sind. Die genauen Regelungen der Allgemeinverfügung sind unter http://www.corona-im-hok.de abrufbar.

Ob mit diesem neuen Diagnoseverfahren die Zahlen nicht immer mehr ins Ungenaue abrutschen, bleibt abzuwarten. Hinzu kommen die vielen Menschen, die Symptome zeigen, aber sich nicht melden. Die Dunkelziffer dürfte daher sowieso schon um ein Vielfaches höher sein.

Das Landratsamt weist ausdrücklich darauf hin, dass die Quarantäneanordnung unbedingt einzuhalten ist. Verstöße werden mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder mit einer Geldstrafe geahndet.

Grundsätzlich gilt laut dem Landratsamt weiterhin der Appell, Zuhause zu bleiben. Neben den allgemeinen Hygienetipps, wie regelmäßiges und gründliches Händewaschen, sollte vor allem Abstand zu anderen Personen gehalten werden.




Girl’s day telefonisch – Zoll sucht Nachwuchs

Die außergewöhnliche Situation, bedingt durch die Coronavirus Pandemie, hat uns veranlasst, neue Wege zu wählen und dabei auf ein lang bewährtes Kommunikationsmittel zu setzen,“ so Thomas Wahl, stellvertretender Leiter der über 500-köpfigen Bundesbehörde in Heilbronn. „Da leider die so wichtigen persönlichen Kontakte aufgrund der vielen abgesagten Präsenzveranstaltungen wegfallen, schenken wir den jungen Leuten unser Ohr für ihre Fragen am Telefon,“ so Wahl weiter. Das geht aus einer Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn hervor.Am 26. März 2020 zwischen 09:00 und 16:00 Uhr können Jugendliche den Telefontag des Hauptzollamtes Heilbronn unter der Nummer 07131 / 8970 – 1050 nutzen, um im persönlichen Gespräch alles rund um Ausbildung, Studium und mögliche spätere berufliche Tätigkeitsfelder zu erfahren.

Zusatzinformationen:

Der Zoll ist heute eine moderne Bürger- und Wirtschaftsverwaltung des Bundes, deren Tätigkeitsspektrum von der reinen Dienstleistung bis zum hoheitlichen Handeln reicht. In ganz Deutschland sind rund 39.000 Zöllnerinnen und Zöllner für die Sicherung der Staatsfinanzen, den Schutz der Sozialsysteme sowie den Umwelt- und Verbraucherschutz zuständig.

Interesse geweckt? Für alle, die sich für eine Ausbildung oder ein duales Studium beim Zoll interessieren, sind neben einem persönlichen Gespräch die Homepages http://www.zoll.de und http://www.talent-im-einsatz.de unerlässlich. Hier erhält man alle Infos, die man über den Zoll als Arbeitgeber, die verschiedenen Berufswege und eine mögliche Bewerbung wissen muss.




Niedernhall: Einkaufen in Zeiten von Corona

Am Freitag, den 20. März 2020, sieht man eine lange Warteschlange vor dem Edeka-Supermarkt in Niedernhall. So etwas sah man bislang noch nie. Gibt es hier etwas umsonst? Handelt es sich hier um Hamsterkäufer angesichts ungewisser Coronazeiten? Die Warteschlange ist jedoch das Symptom der neuen Regelungen beim Einkaufen, die die Stadt Niedernhall kürzlich erlassen und veröffentlicht hat (wir berichteten), um damit die neuen Bestimmungen des Landes zu erfüllen. Um die Ansteckung auch in den Supermärkten zu verringern, dürfen etwa in den größten Supermarkt in Niedernhall nur noch 30 Menschen gleichzeitig hinein und einkaufen. Die anderen Kunden warten draussen, bis sie reindürfen – unter einer Beachtung eines Mindestabstandes von 2m zu den anderen Kunden.

 




„4 Stunden versuche ich nun schon, meinen Hausarzt zu erreichen“ – „Angst, wie aussätzig behandelt zu werden“ – Künzelsauerein beschreibt ihren Weg zum Corona-Test

Carola M. möche nicht mit Namen genannt werden, aber die Künzelsauerin möchte darüber berichten, wie das Prozedere war, das sie vergangene Woche bezüglich eines Coronatests durchlaufen hat.
Carola M.s Hals brennt, sie hat Schuckbeschwerden, Atemprobleme. Hat sie etwa der Coronavirus erwischt? „Vier Stunden habe ich versucht, meinen Hausarzt zu erreichen.“ Ohne Erfolg. Ständig habe das Besetztzeichen geantwortet. Die Mutter weiß, dass es vielen derzeit so gehe. Dennoch, sie will nicht länger warten, ruft beim Gesundheitsamt an. Sie erklärt ihr Problem einer Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes, diese sagt, sie müsse einfach weiter versuchen, ihren Hausarzt zu erreichen. Oder einen anderen Arzt anrufen. Oder ein Krankenhaus kontaktieren. „Ich soll zu Hause abwarten, bis es schlimmer wird und dann ein Krankenhaus anrufen oder einen Krankenwage rufen. Sehr beruhigend“, findet Carola M. und beschließt für sich: „Wenn ich die nächsten Stunden wieder nicht durchkomme, fahre ich hin zum Arzt und bleibe vor der Tür, bis mir geholfen wird.“
Ob ich Kontakt zu Infizierten hatte, wurde sie gefragt. Nicht bewusst. Aber sicher weiß sie es nicht. Wo ich letzte Woche vor zirka neun Tagen gewesen sei, wird sie gefragt. Im Carmen-Würth-Forum bei einem Konzert, bei einem einem Elternstammtisch, im Sportverein, bei einer Schulung. Zusätzlich arbeitet sie an einem Arbeitsplatz, andem sie viel Kontakt mit Menschen hat. „In den USA könnte ich mich jetzt ins Auto setzen und einen Abstrich machen lassen. Das ist hier nicht möglich“, sagt Carola M.. Ihr Frust ist groß, doch dann tut sich was.
Irgendwann kommt Carola M. bei ihrem Hausarzt durch und bekommt für den nächsten Tag einen Termin zwecks Abstrich. Da der Arzt in Kupferzell wegen des Coronavirus‘ seine Praxis schließen musste, fährt sie nach Braunsbach. Der Arzt vor Ort sei sehr gut in seinem Vorgehen, lobt Carola M.: „In einem Zelt, das neben der Praxis steht, werden die Abstriche von dem Arzt genommen. Seine Frau schreibt die Rezepte vor der Tür im Freien. Alle Patienten stehen mindestens 2m voneinander getrennt. Das ist ein Team dort und die arbeiten gut zusammen. Man müsste sich bei den Anwohnern bedanken für ihre Geduld und die Einschränkung,die sie jetzt haben. Andere wären schon längst ausgeflippt, wenn sie eine Abstrichstelle vor dem Wohnzimmerfenster oder der Haustür hätten. Die leisten hier echt super Arbeit“, sagt Carola M.. „Die Ärzte arbeiten ununterbrochen, ohne Pause, ohne etwas zu trinken, durch.“ Hierfür zolle sie ihnen großen Respekt und fordert, dass die Arztpraxen entlastet werden müssten, unter anderem beim Telefondienst.
Carola M. habe die Erfahrung gemacht, dass die Leute hier im Hohenlohekreis sich nicht trauen, sich als coronainfiziert zu outen. „Sie haben Angst, für immer wie Aussätzige behandelt zu werden.“

Als sie das negative Testergebnis nur drei Tage später kommt, ist sie dennoch erleichtert. Sie hat kein Corona.

Für Carola M. hat sich der Alltag seit dem Ausbruch des Virus‘ nun grundlegend geändert. Ihre Kinder lässt sie nicht mehr auf Straße mit den anderen Kindern spielen wegen der Ansteckungsgefahr. Aber es gibt auch etwas Positives: „

„Heute Mittag war ich im Garten, ich habe den Frühling viel stärker war genommen als die Jahre davor. Die Vögel die Sonnenstrahlen, alles war ruhiger als sonnst. Es ist schön, wenn die Familie zusammen Zuhause ist. Normalerweise haben wir so viele Termine. Wir haben nun Zeit zusammen und diese Zeit genieße ich.“