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Künzelsau: „Wir wollen präsent sein“ – Hohenlohe4future melden sich am 24. April in Künzelsau und Öhringen zurück

Durch die Corona-Pandemie finden die Demonstrationen der die Fridays-for-future-Bewegung (fff) derzeit nur noch im Netz statt. Bereits seit längerer Zeit plante die fff-Bewegung am 24. April 2020 die nächsten Demonstrationen auf den Straßen weltweit. Dann grätschte die Corona-Pandemie dazwischen. Doch das Engagement gegen den Klimawandel geht weiter. Wir sprachen mit Vertretern von Hohenlohe4future (Hff) in Künzelsau.

GSCHWÄTZ: Wie viele Menschen sind bei Hohenlohe4future aktiv, in welchem Alter und von welchem Wohnort?

Hff: Wir sind zirka 15 Personen, die den „harten Kern“ bilden und die sich regelmäßig treffen und die Aktionen planen und das weitere Vorgehen besprechen. Viele weitere fleißige Hände helfen uns dann aber bei den Durchführungen und beim Bewerben. Die meisten sind aus Künzelsau und den umliegenden Gemeinden, einige aus dem Jagsttal und einige wenige aus Öhringen. Die Altersspanne ist dabei ziemlich groß, sie reicht von SchülerInnen 17 Jahre, bis hin zu RenterInnen – es ist also alles dabei.

GSCHWÄTZ: Gibt es angesichts der Coronapandemie noch konkrete Planungen für Aktionen am globalen Klimaaktionstag am 24. April 2020? Wenn ja, in welcher Form und wo?

Hff: Ja, die gab es. Allerdings ist die Planung im Moment bis auf weiteres auf Eis gelegt, was auch mit von den fridaysforfuture auf Bundesebene entschieden wurde. Es wird wegen der Coronakrise (leider) definitiv keine Demonstrationen an diesem Tag geben. Unsere Idee im Moment ist eine Informations- und Austauschveranstaltung zum Thema Klima und Nachhaltigkeit in der Künzelsauer Innenstadt. Wir möchten dazu eine Kombination aus wissenschaftlichen Informationen, Informationen darüber, was man selbst machen kann und Informationen darüber, was unsere Pläne als Hohenloheforfuture sind, präsentieren. Außerdem wollen wir nachhaltige Beispiele aufzeigen und dafür mit den Second-Hand-Läden und dem Weltladen zusammen auftreten. Da es in Öhringen eine Fridays-for-future-Grupppe gibt, die für dort etwas plant, werden wir wieder etwas in Künzelsau machen, so dass die For-future-Bewegung in zwei Städten im Hohenlohekreis präsent ist.

Wählen fff-Mitglieder automatisch grün?

GSCHWÄTZ: Sie sind engagiert im Klimaschutz. Wählen Sie dann automatisch auch grün oder anders formuliert: Spiegeln die Grünen die Ziele von fff wieder?

Hff: Die Bewegung an sich und auch wir positionieren uns zu keiner bestimmten Partei. Wir möchten viel mehr darauf aufmerksam machen, dass die Klimakrise ein Thema ist, das alle, egal zu welcher Partei man sich zugehörig fühlt, etwas angeht, da es unser aller Zukunft ist.

GSCHWÄTZ: In einer aktuellen Stellungnahme setzen Sie sich für ein „grüneres“ Künzelsau ein. Auch Ganerben-Achtklässler haben sich von Bürgermeister Stefan Neumann unlängst eine verstärkte Begrünung in Künzelsau bei einem Treffen im Rathaus gewünscht, unter anderem wünschen sie sich mehr Bäume am Wertwiesen, so dass hier ein Park entsteht, der grüner ist als jetzt. Gehen Ihre Gedanken in eine ähnliche Richtung?

Hff: Wie haben Anfang dieses Jahres Arbeitsgruppen gebildet und eine davon befasst sich mit dem Thema „Begrünung in der Stadt“, wo es unter anderem auch um solche Punkte geht.

GSCHWÄTZ: Was machen Sie privat, um „grüner“ zu leben?

Hff: Uns als Gruppe ist es auf jeden Fall wichtig, als gutes Beispiel voranzugehen. Natürlich gibt es dafür unterschiedliche Ansätze, die einen leben vegan oder vegetarisch, die anderen essen nur wenig Fleisch und die meisten achten dabei auch darauf, dass es biologische Lebensmittel sind. Viele von uns nutzen das Auto so wenig wie möglich, fahren mit den Zug in den Urlaub oder machen alle in alltäglichen Fahrten mit dem Fahrrad. Die einen kaufen nur second Hand, die anderen achten bei einer Neuanschaffung auf nachhaltig zertifizierte Kleidung und andere Gegenständen. Prinzipiell gilt hier natürlich immer die Frage: Brauche ich das? Kann ich mir das leihen? Kann ich mir das selber machen? Ein durchdachter und nachhaltiger Konsum ist uns wichtig. Ökostrom, Solathermie, Photovoltaik, grüne und blühende Gärten, all das kann man bei verschiedenen Mitgliedern unserer Gruppe finden. Trotzdem sind auch wir natürlich nicht perfekt und lernen immer Neues dazu und wollen und müssen uns auch noch weiterentwickeln.

Sind Elektroautos wirklich grüner?

GSCHWÄTZ: Es gibt Kritiker, die sagen, dass manche vermeintlich grünen Dinge nicht grün sind, im Gegenteil – etwa das Elektroauto und die Elektroroller, die letzten Endes die Umwelt ebenso belasten. Wie stehen Sie zu derartigen Aussagen? Ist Elektro der grüne Ausweg oder muss – wie an deren Bereichen auch – noch weiter an besseren grünen Technologien geforscht werden?

Hff: Prinzipiell ist der individuelle Verkehr an sich nicht unbedingt die „grüne“ Lösung, egal ob Elektro- oder Verbrennermotor. Auf jeden Fall muss weiter geforscht werden, da es bestimmt in Zukunft auch weiterhin Autos geben wird. Trotzdem muss zusätzlich eine Verkehrswende stattfinden, hin  zu einem Punkt, an dem so wenig Auto wie möglich gefahren wird. Ausgebaute Rad- und Fußwege müssen das Radfahren und Laufen wieder attraktiver machen. Genauso müssen die öffentlichen Verkehrsmittel attraktiver werden, in dem dieser, vor allem auf dem Land, weiter ausgebaut wird und die Preise günstiger werden. Ansonsten müssen Konzepte wie Carsharing, Ridesharing und Mitnahmenetzwerke weiter wachsen, damit auch diese mehr beziehungsweise überhaupt genutzt werden.

Klimaschutz in Hohenlohe im Jahr 2020

Anbei veröffentlichen wir eine Presseerklärung von Hohenlohe4future zum Thema Klimaschutz in Hohenlohe im Jahr 2020:

„Zu Beginn des Jahres 2020 könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Klimaschutzbewegung schon wieder auf dem Rückzug ist. Die Freitagsdemonstrationen der Fridays-for-future-Bewegung machen keine Schlagzeilen mehr, weil sie nicht mehr mit derselben Intensität wie im vergangenen Jahr stattfinden und derzeit andere Themen in den Vordergrund gerückt sind.

In Hohenlohe hat sich jedoch eine stabile Gruppierung unter der Überschrift „Hohenlohe4future“ gebildet, die sowohl in Öhringen als auch Künzelsau aktiv ist. Die Gruppenmitglieder sind untereinander bestens vernetzt.

Gespräche mit Bürgermeister Neumann – Konzepte aktiv umsetzen

In Künzelsau besteht die Gruppe aus zirca 15 Teilnehmern, die sich regelmäßig, etwa alle drei Wochen treffen, um Konzepte und Aktivitäten zu diskutieren und zu planen. So fand bereits ein sehr erfolgreiches Gespräch mit dem Künzelsauer Bürgermeister Neumann statt, in dem deutlich wurde, dass die Stadtverwaltung Künzelsau und Hohenlohe4future grundsätzlich an einem Strang ziehen. Auch wenn allen bewusst ist, dass für einige Veränderungen auf jeden Fall Zeit und Engagement nötig sein wird, ist die Bereitschaft groß, sich aktiv für eine bessere Zukunft für alle Hohenloher und die nachfolgenden Generationen einzusetzen. Die Hohenlohe4future-Mitglieder sehen sich hier in der Rolle der aktiven Bürgerinnen und Bürger, die nachfragen, Konzepte vorlegen und auch bereit dazu sind, bei der Umsetzung aktiv mitzuhelfen.

Bei Hohenlohe4future in Künzelsau werden derzeit folgende Themen in Arbeitsgruppen vertieft: Radfahren in Künzelsau und Hohenlohe, Mobilität in Hohenlohe, Begrünung und Mikroklima in der Stadt, Landwirtschaft und Ernährung.

Darüber hinaus unterstützen die Erwachsenen von Hohenlohe4future alle Jugendlichen und Schüler, die sich für Klimaschutz engagieren und eigene Aktionen planen.

Wer aktiv mitwirken möchte bei Hohenlohe4future kann sich an folgende Kontaktadresse wenden: kuenzelsau@parentsforfuture.de

 

 

 




Schwerer Unfall auf der A6: Hubschrauber im Einsatz

Am Sonntag, den 19. April 2020 gegen 19 Uhr kam es auf der A6 zwischen Nürnberg und Heilbronn auf Höhe Feuchtwangen-Nord und Kreuz Feuchtwangen/Crailsheim zu einem Unfall mit Verletzten.
Die Fahrbahn wurde auf einen Fahrstreifen verengt, es gab eine Unfallaufnahme auf dem rechten Fahrstreifen. Ein Rettungshubschrauber war laut Augenzeigen im Einsatz.



Ab sofort 1,99 Euro monatlich für GSCHWÄTZ – Warum?

Kennen Sie den Witz: Sagt der eine zum anderen: „Kann jeder Journalist werden?“ Antwort der andere: „Klar. Und mit diesem schönen Messerset kann auch jeder Chirurg werden.“

So einfach ist es eben dann doch nicht. Journalismus ist nicht einfach nur irgendetwas bloggen. Journalismus ist in erster Linie Handwerk. Dazu gehört zunächst die Recherche. Beim Lokaljournalismus, so wir wir ihn uns für den Hohenlohekreis auf die Fahnen geschrieben haben, sollten gute Journalisten nah am Volk sein, rausgehen, mit den Bürgern sprechen, wissen, was die Menschen bewegt, was vor Ort geschieht. Interviews mit Betroffenen jedweder Couleur führen und am Ende aus den gewonnen Eindrücken einen unabhängigen Artikel schreiben, analysieren, kommentieren anhand von Fakten – nicht durch Anzeigen verzahnt mit der Politik und/oder Wirtschaft, über die sie schreiben.

Als wir 2016 GSCHWÄTZ ins Leben gerufen haben, war dies unser Anspruch und ist es bis heute geblieben. Wir haben deshalb auf Werbepartnerschaften mit Google, lokalen Firmen und stattlichen Institutionen verzichtet. Auf unserer Internetseitseite poppen nicht unzählige Werbeanzeigen auf, wodurch man beim Lesen manchmal gar nicht mehr weiß, wo der Artikel weitergeht. Auf unserer Internetseite gibt es Lokaljournalismus pur, von hier. Unabhängig, kritisch. Alles unter der großen Frage: Was bedeutet das für mein Ländle? Wir sind da. Wir sind vor Ort. Und wir schreiben im Interesse der Menschen, die hier leben, stets auf der Suche nach der Wahrheit.

Entscheiden Sie selbst, ob Sie den Lokaljournalismus vor Ort mit 1,99 Euro monatlich unterstützen möchten, damit er auch weiterhin stark bleibt.

Wir sagen schon mal DANKE.

Ihr GSCHWÄTZ-Redaktionsteam




„Sehr viele Patienten kommen aus dem Krankenhaus in Öhringen“ – Klinik-Mitarbeiterin über Corona-Alltag auf der Intensivstation

In einem Interview mit GSCHWÄTZ berichtet eine Pflegefachkraft für Anästhesie- und Intensivmedizin wie sich derzeit ihr Berufsalltag in der Coronapandemie darstellt. Brigitta H. (der Name wurde auf Wunsch geändert) arbeitet in einer Klinik in Baden-Württemberg. Sie ist seit über 20 Jahren auf Intensivstationen mit Beatmungsplätzen tätig, doch eine solche Situation hat sie noch nicht erlebt.

Covid-Patienten lassen sich schwieriger beatmen

Es kämen auch in anderen Jahren Patienten durch Folgen einer saisonale Grippe auf Intensivstation, aber nicht in der Häufigkeit wie zur Zeit. Brigitta H. erklärt weiter, dass der Anteil an Patienten, die beatmet werden müssen und das mit teils schweren Verläufen, deutlich höher ist als zu anderen Zeiten einer saisonalen Grippe. Die Patienten mit Covid-19 lassen sich zudem sehr viel schwieriger beatmen. Sie müssten unter der Beatmung oft in Bauchlage gebracht werden. Bei schweren Verläufen einer normalen Grippe kann man gut beobachten, dass diese Patienten von einer solchen Bauchlagerung unter der Beatmung schnell profitieren, dass dauert bei Patienten mit Covid-19 sehr viel länger.

GSCHWÄTZ-Mitarbeiterin Carla Mosel hat Brigitta H. einige Fragen gestellt, wie die derzeitige Situation auf ihrer Intensivstation ist.

Mitarbeiter haben ihre Schutzkleidung selbst organisiert

GCHWÄTZ: Wie sieht Ihr Alltag im Moment aus und reicht das Pflegepersonal auf Ihrer Intensivstation?

Brigitta H.: Das Personal mit entsprechendem Fachhintergrund reicht keineswegs aus. Die Besetzung in den einzelnen Schichten ist zum Teil um 50 Prozent geringer als das eigentlich der Fall ist und das bei voller Belegung der Intensivstation. Derzeit besteht mein Alltag auch viel daraus, dass ich Hilfskräfte einlernen muss, die uns dann hauptsächlich bei der Körperpflege der Patienten unterstützen können. Das kostet natürlich auch wieder Zeit. Unsere Übersunden sind in den letzten vier Wochen in die Höhe geschellt. Ich hätte eigentlich derzeit eine Woche Urlaub gehabt, den ich aufgrund der jetzigen Situation aufgegeben habe. Wenn auch andere Kollegen nicht solche Entbehrungen bringen würden, wäre eine qualifizierte Versorgung der Patienten gar nicht möglich. Aus dem Grund wurden auch Kollegen auf Intensivstation zurückgeholt, die eigentlich in anderen Bereichen arbeiten und das teilweise schon sehr lange.

GCHWÄTZ: Steht Ihnen und Ihren Kollegen ausreichend Schutzkleidung zur Verfügung?

Brigitta H.: Leider muss man auch hier sagen, dass wir uns da zum größten Teil selbst organisiert haben, um Schutzausrüstung zu bekommen. Eine Kollegin hat durch ihren Ehemann Kontakte zu einer Firma in Düsseldorf. Sie ist dann persönlich dort hingefahren, um die Schutzausrüstung abzuholen. Das war nur durch diesen Kontakt möglich. Von den Fachkräften für Hygiene gibt es die Order, dass wir Materialien, die eigentlich zum einmaligen Gebrauch gedacht sind, mehrfach verwenden müssen. Dazu gehören auch die FFP-2-Masken, die man zum Schutz über Nase und Mund trägt. Würden wir das nicht tun, hätten wir wahrscheinlich schon lange keine Schutzkleidung mehr.

Pizza vom Lieferservice

GSCHWÄTZ: Wie ist die Stimmung auf Ihrer Station?

Brigitta H.: Derzeit haben wir noch eine relativ gute Stimmung, da man sich gegenseitig motiviert. Schön ist auch zu sehen, dass Angehörige und auch Leute aus der Bevölkerung es einem danken. Wir bekommen im Moment einfach mal vom Lieferservice Pizza gebracht, die Angerhörige bestellt haben. Da geht es uns ja nicht um die Pizza an sich, es ist aber schön zu sehen, dass unsere Arbeit während der Coronakrise wertgeschätzt wird.

GSCHWÄTZ: Reichen die Intensivplätze und die Beatmungsgeräte aus?

Brigitta H.: Derzeit ja. Wir bekommen Patienten mit Covid-19 hauptsächlich aus umliegenden Krankenhäusern. Sehr viele Patienten kommen aus dem Krankenhaus in Öhringen. Diese Patienten wurden dort meistens schon zwei bis drei Tage auf der dortigen Intensivstation behandelt und kommen oft in einem kritischen Zustand zur weiteren Beatmung und Therapie.

Auch positiv getestete Mitarbeiter müssen zur Arbeit erscheinen

GSCHWÄTZ: Sind auch bei Ihnen Ärzte und Pflegekräfte persönlich von Covid-19 betroffen?

Brigitta H.: Das bleibt in einer solchen Situation gar nicht aus.

Wir haben ein Schreiben vom RKI (Robert Koch Institut) erhalten, aus dem klar hervor geht, dass auch positiv getestete Mitarbeiter erst dann nicht mehr zur Arbeit kommen dürfen, wenn sie selbst Symptome zeigen. Das finde ich persönlich nicht in Ordnung, da man dennoch Multiplikator ist und den Virus dadurch weitergeben kann.

GSCHWÄTZ: In den Medien und sozialen Netzwerken liest man immer wieder, dass viele Pflegekräfte derzeit Minusstunden machen. Wie ist das zu erklären, wenn doch im Augenblick jede Pflegekraft benötigt wird?

Brigitta H.: Man kann eine Abteilung wie die Intensivstation nicht mit einer normalen, oder wie wir sagen, peripheren Station vergleichen. Auf einer Intensivstation gibt es neben den Beatmungsgeräten jede Menge anderer Geräte, deren Umgang nicht so einfach ist. Dazu benötigt man viele Jahre Erfahrung und eine entsprechende Weiterbildung und Schulungen. Die peripheren Stationen sind im Moment sehr leer, dass ist korrekt. Zum einen wurden aufgrund der Verordnung der Länder und des Bundes alle geplanten Eingriffe verschoben und zum anderen empfiehlt es sich im Moment auch nicht ins Krankenhaus zu gehen, wenn dass nicht unbedingt nötig ist. Dazu muss man wissen, dass sehr viele chronisch kranke Patienten ja generell zur Risikogruppe gehören. Aus den Gründen hat man derzeit einen Mangel an Pflegekräften auf Intensivstation und Pflegekräfte von peripheren Station haben keine Arbeit.

Ein Facharzt für Innere Medizin kann auch keine Operation durchführen, die sonst ein Chirurg macht. Es ist also leichter gesagt als getan, dass man einfach Kollegen von peripheren Stationen auf die Intensivstation setzt, um dort Patienten mit Beatmung zu versorgen. Hier hat man in der Politik in den letzten Jahren einfach zu wenig getan, denn Personalmangel in der Pflege ist keinesfalls erst ein Thema seit es Corona gibt.

GSCHWÄTZ: Frau H., abschließend noch eine Frage an Sie. Was  würden Sie Herrn Spahn sagen, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten?

Brigitta H.: Dazu muss man erst einmal sagen, dass unser Gesundheitssystem in den letzten Jahren systematisch kaputt gemacht wurde. Es werden jetzt Versprechungen und Beteuerungen gemacht, die nach Corona sicher alle wieder schnell vergessen sind.

Ich würde Herrn Spahn aber eine Frage stellen: Möchten Sie derzeit Patient auf einer Intensivstation sein, wo angelernte Hilfskräfte mit mangelhafter Schutzausrüstung Intensivpatienten betreuen?

Frau Brigitta H., vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview führte Carla Mosel




Bewohner dürfen ihre Zimmer wieder verlassen – Quarantänemaßnahmen in zwei Pflegeheimen aufgehoben – Nur noch 8 Pflegeheime in Quarantäne

Das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises hat die angeordneten Quarantänemaßnahmen für zwei Pflegeheime im Landkreis wieder aufgehoben, da keine Bewohner und auch keine Mitarbeiter getestet geworden oder Symptome entwickelt haben, die auf eine Erkrankung mit SARS-COV-2 hinweisen. Damit dürfen sich die Bewohner innerhalb des Heimes wieder frei bewegen. Das geht aus einer aktuellen Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises hervor.

Auch die Mitarbeiter des Heims müssen sich zuhause nicht mehr isolieren. Die für alle Heime grundsätzlich geltenden Besuchsbeschränkungen sowie verschärfte Hygienemaßnahmen bleiben bestehen.

Insgesamt stehen im Hohenlohekreis nun noch acht Pflegeheime unter Quarantäne, weil das Coronavirus entweder bei einem Bewohner oder einem Mitarbeiter nachgewiesen wurde.

Die Nennung der Häuser obliegt den jeweiligen Betreibern.

 




Corona: Was sich ab morgen in Künzelsau ändert & welche Veranstaltungen bis Juli abgesagt werden

Der Bund und die Länder haben am über das weitere Vorgehen in der Coronakrise entschieden. Es wurde beschlossen, dass die bisher geltenden Kontaktverbote zunächst bis zum 04. Mai 2020 fortgeführt werden. Es dürfen sich somit an öffentlichen Plätzen maximal zwei Personen mit einem Mindestabstand von 1,5 Metern aufhalten (ausgenommen sind Familien). Die weiteren Entscheidungen wirken sich folgendermaßen auf Künzelsau aus (anbei veröffentlichen wir eine aktuelle Pressemitteilung der Stadt Künzelsau):

Notfallbetreuung für Eltern in systemrelevanten Berufen

Die Kindertageseinrichtungen und Schulen in Künzelsau bleiben weiterhin geschlossen. Es wird jedoch auch nach den Osterferien eine Notfallbetreuung für die Kinder angeboten, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten. Über diese, bereits seit einigen Wochen geltende Regelung hinaus, hat die Bundesregierung beschlossen, die Notfallbetreuung für weitere Kinder zu öffnen. Schüler der siebten Klasse werden in die Notfallbetreuung mit einbezogen. Darüber hinaus sollen auch Eltern, die aufgrund ihres Berufes einen bestätigten Bedarf haben, diese in Anspruch nehmen dürfen. Sobald hier eine Konkretisierung der Bundes- bzw. Landesregierung dahingehend erfolgt ist, welche Familien unter diese Erweiterung fallen, wird das örtliche Angebot in den Kindertageseinrichtungen und Schulen, sofern möglich, entsprechend ergänzt. Meldungen bei Bedarf bitte an das Sekretariat der Georg-Wagner-Schule Künzelsau, E-Mail mailto:info@gewas-kuenzelsau.de oder Telefon 07940 / 98750-0. Welche Bereiche zur kritischen Infrastruktur zählen, ist unter https://km-bw.de/,Lde/Startseite/Ablage+Einzelseiten+gemischte+Themen/FAQS+Schulschliessungen zu finden.

Die Eltern werden über facebook, die städtische und die schulischen Webseiten sowie die Kita-App auf dem Laufenden gehalten.

Geschäfte bis 800 Quadratmeter dürfen ab 20. April 2020 wieder öffnen

Ab Montag, den 20. April 2020, dürfen Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern unter Einhaltung der Hygienevorgaben wieder öffnen. Weitere Informationen sind unter https://sozialministerium.baden-wuerttemberg.de/de/gesundheit-pflege/gesundheitsschutz/infektionsschutz-hygiene/informationen-zu-coronavirus/corona-verordnung-des-landes-baden-wuerttemberg/ zu finden.

Die Mischsortimentsregelung findet hier keine Anwendung. Autohändler, Fahrradhändler, Buchhandlungen, Wein- und Spirituosenhandlungen, Bibliotheken und Archive dürfen unabhängig von der Größe der Verkaufsfläche unter Einhaltung der Hygieneauflagen ab 20. April 2020 wieder öffnen. Auch der Außer-Haus-Verkauf von Gaststätten, Cafés und Eisdielen ist möglich.

Die Betriebe im Hotel- und Gaststättengewerbe bleiben weiterhin geschlossen. Die Möglichkeit, Waren und Speisen auch bequem von zu Hause aus zu bestellen besteht weiterhin. Auch der Künzelsauer Lieferservice kann weiterhin genutzt werden. Weitere Informationen unter http://www.kuenzelsau.de/kaufdaheim.

Absage von städtischen Veranstaltungen bis Juni

Bis einschließlich 15. Juni 2020 sind aufgrund des Coronavirus alle städtischen Veranstaltungen abgesagt. „Um die Ausbreitung des Coronavirus weiter zu verlangsamen und das Ansteckungs-Risiko zu minimieren, werden alle weiteren städtischen Veranstaltungen bis 15. Juni 2020 abgesagt“, erklärt Bürgermeister Stefan Neumann. Darüber hinaus werden der Krämermarkt am 24. Juni 2020 und das Jubiläumskonzert „50 Jahre Jugendmusikschule Künzelsau“ im Burggraben Schloss Stetten am 4. Juli 2020 vorsorglich abgesagt.

Folgende Veranstaltungen sind abgesagt:

  • Kindertheater „Cyrano“ am 05. Mai 2020
  • KÜNightLive mit „Gravity“ am 06. Mai 2020
  • Gesundheitsvortrag „Koronare Herzkrankheit – Untersuchung und Behandlung“ am 07. Mai 2020
  • Konzert der Jugendmusikschule Künzelsau und Marcali am 8. Mai 2020 und der damit verbundene Marcali-Austausch
  • Künzelsauer Abend am 13. Mai 2020
  • „1. Künzelsauer Anbaden – Wir starten aktiv und mit Genuss in den Sommer“ am 16. Mai 2020
  • Akademie für gesprochenes Wort „Zur Sprache gebracht“ am 14. Mai 2020
  • Theaterabend „Faust l – Reloaded“ am 28. Mai 2020
  • KÜNightLive mit „Little Miss Martin“ am 3. Juni 2020
  • Vortrag „Zurück zum Mond! Die Orion- Antriebs- und Versorgungseinheit ESM“ am 15. Mai 2020
  • Vortrag „Aktuelle Herausforderungen – Die Mission Maurer und die Ministerkonferenz“ am 12. Juni 2020

Bereits erworbene Karten können zurückerstattet oder im Fall der KÜNightLive auf einen anderen KÜNightLive-Termin umgebucht werden. Kontakt: Stadtverwaltung Künzelsau, Stuttgarter Straße 7, 74653 Künzelsau, Kultur- und Marketingbüro Renate Kilb, Telefon 07940 129-121, E-Mail renate.kilb@kuenzelsau.de.

Die Stadtbücherei ist ab Dienstag, den 21. April 2020, wieder regulär geöffnet

Folgende städtische Einrichtungen bleiben bis auf Weiteres geschlossen:

  • Stadtmuseum
  • Weltraumausstellung
  • das Hallenbad TOLLKün
  • das Jugendzentrum und Jugendblockhaus
  • die Jugendmusikschule
  • die Volkshochschule

 




Polizei soll Bäckereien an Ostersonntag geschlossen haben

Bäckereien durften trotz der Coronapandemie bislang geöffnet bleiben – auch an den Osterfeiertagen. Rund eine Woche vor Ostern änderte die baden-württembergische Landesregierung nach heftiger Kritik  – unter anderem von der  Gewerkschaft Verdi Baden-Württemberg und dem Deutschen Gewerkschaftsbund – ihre Pläne und änderte die Landesverordnung dementsprechen. An Karfreitag und Ostersonntag sollten die Bäckereien geschlossen bleiben, lediglich am Ostermontag durften sie öffnen und ihre Waren verkaufen.

Doch nicht bei jedem Bäcker im Hohenlohekreis und im Haller Kreis kam diese Änderung an und so gab es Bäckereien, die trotz des neuen Beschlusses am Ostersonntag offen hatten. Daraufhin sei es laut einer Pressemitteilung des Hohenloher Landtagsabgeordneten Anton Baron (AfD) zu Schließungen einzelner Filialen gekommen. Ob darüber hinaus ein Bussgeld verhängt wurde und welche Bäckereien geschlossen worden sind, ist bislang nicht bekannt, soll aber derzeit in einer kleinen Anfrage an den Landtag Baden-Württembergs geklärt werden. Baron hierzu : „Gemeinsam mit meinem Haller Fraktionskollegen Udo Stein erfrage ich daher nun die Einschätzung der Landesregierung zu ihrer eigenen Kommunikation und zu dem Schaden, den diese mutmaßlich für die Betriebe in der Region und landesweit angerichtet hat. Falls ein Fehler eingestanden wird, muss dies auch eine Übernahme der dadurch verursachten Mehrkosten bedeuten.“

Unter anderem geht es in der kleinen Anfrage auch darum, wie viele Lebensmittel durch die Schließung vernichtet werden mussten.

GSCHWÄTZ hat die Polizeidirektion Heilbronn gefragt, welche Bäckereien im Hohenlohekreis am Ostersonntag von der Polizei geschlossen wurden. Laut der Polizeidirektion Heilbronn wurden zwei Bäckereien im Hohenlohekreis geschlossen. Die Verhängung von Bußgeldern ist laut der Polizei Sache des Landratsamtes. Eine Antwort des Landratsamtes, ob hier Bußgelder verhängt wurden, steht noch aus.

Bäckerei. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv




Berner spendet Schutzausrüstung im Wert von 10.000 Euro an Hohenloher Kreisverwaltung – „Persönliche Schutzausrüstung derzeit Mangelware“

Berner Deutschland ist der Bitte der Hohenloher Kreisverwaltung um Spenden von Schutzausrüstung gefolgt. Ware im Wert von 10.000 Euro konnte am Freitag, 17. April, stellvertretend an Landrat Dr. Matthias Neth übergeben werden. Das geht aus einer aktuellen Pressemitteilung der Albert Berner Deutschland GmbH hervor.

Beschäftigte vor Ansteckung schützen

Kliniken, Arztpraxen, ambulante und stationäre Pflegedienste, Seniorenheime oder Bestatter – sie alle stehen momentan vor der Frage, wie sie ihre Beschäftigten vor einer Ansteckung mit dem neuartigen Corona-Virus bestmöglich schützen können. Das allein ist schon Herausforderung genug.

Extreme Verknappung

In diesen Tagen kommt jedoch noch eine weitere hinzu: Die persönliche Schutzausrüstung ist seit Wochen Mangelware – auch im Hohenlohekreis.
Dr. Matthias Neth, Landrat des Hohenlohekreises, Thomas Philippiak, Vorsitzender der Innovationsregion Hohenlohe, und Dr. Werner Reinosch, Ärztlicher Direktor der Hohenloher Krankenhaus gGmbH, hatten sich deshalb in einem gemeinsamen Brief an Hohenloher Unternehmen gewandt und um Spenden von Schutzkleidung gebeten.

„Es war vor dem Hintergrund der extremen Verknappung gar nicht so einfach, noch ein passendes Paket zu schnüren“, berichtet Joachim Kürten, Geschäftsführer der Albert Berner Deutschland GmbH. Auf dem Markt herrsche ein riesiger Wettbewerb. Der Bedarf an persönlicher Schutzausrüstung sei größer denn je. „Auch wir verzeichnen seit Wochen eine immer stärkere Nachfrage. Sobald die Regale aufgefüllt sind, sind sie praktisch schon wieder leer“, so Kürten.

Neth: „Langjährige Partnerschaft mit Berner“

Als internationales Handelsunternehmen verfüge die Berner Group über ein breites und gut aufgestelltes Partnernetzwerk. Berner Deutschland, Tochterunternehmen der Berner Group, sei es deshalb gelungen, ein Paket im Wert von 10.000 Euro zu schnüren – bestehend aus Atemschutzmasken, Einweghandschuhen, Schutzanzügen und anderen Produkten der persönlichen Schutzausrüstung.

Am 17. April 2020 wurde die Spende an das Landratsamt des Hohenlohekreises übergeben werden. Landrat Dr. Matthias Neth hat es stellvertretend in Empfang genommen: „Mit Berner verbindet uns eine langjährige und sehr gute Partnerschaft, auf die wir uns auch in Krisenzeiten stets verlassen können. Wir sind extrem dankbar für dieses außerordentliche Engagement unserer Gesellschaft und unserem Landkreis gegenüber. Das ist keinesfalls selbstverständlich.“

„Soziale und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, gehört zur DNA unserer Unternehmensgruppe – b.responsible, lautet einer unseren zentralen Werte“, betont Kürten und ergänzt: „Wir sind in der Region zu Hause. Viele unserer Mitarbeiter kommen aus Hohenlohe. Sie, ihre Familien und Freunde sind nicht nur hier beschäftigt, sondern wohnen und leben hier. Aus diesem Grund war es uns ein großes Anliegen, die Kreisverwaltung bestmöglich zu unterstützen. Gerade in schwierigen Zeiten gilt es, zusammenzustehen und Solidarität zu zeigen.“

Quelle: Pressemitteilung der Albert Berner Deutschland GmbH vom 17. April 2020




Wochenpläne, Arbeitsblätter, Checklisten, E-Mails, WhatsApp, Cloud, drive + der eigentliche Job – Eltern am Rande des Corona-Schulwahnsinns

Das werden wohl die längsten Sommerferien aller Zeiten – zumindest für viele Lehrer. Mindestens bis zum 04. Mai 2020 sollen die Schulen in Baden-Württemberg noch geschlossen bleiben, dann sollen zunächst die Abschlussklassen an den Grundschulen und den weiterführenden Schulen wieder mit dem Unterricht beginnen. Jeder redet jetzt schon über Hygiene- und Abstandsregeln, die es dann in den Bussen und Klassenzimmern einzuhalten gilt und wie das überhaupt möglich ist, diese einzuhalten bei den teilweise Hunderten von Schülern an einer Schule. Doch kaum wird über diejenigen gesprochen, die von den Schulschließungen derzeit immernoch am meisten betroffen sind: die Eltern.

Die Eltern haben bereits drei Wochen vor den Osterferien mit ihren Kindern gelernt, was das Zeug hält. Eine Mutter mit vier Kindern berichtete von 60 E-Mails mit Aufgaben, die sie teilweise erreicht habe. Dabei handelt es sich bei jedem Kind um eine andere Klassenstufe und in jeder Klasse wiederum um neue Lernmaterialien für fast jedes Unterrichtsfach. Sport, Religion. Geografie, alles soll gelernt werden. Teilweise erklären Eltern ihren Kindern Dinge, die sie sich selbst zunächst erstmal erklären müssen.Nicht jeder war in seiner Schulzeit ein Mathe-Ass oder ein Englischprofi.

Eine schier unlösbare Aufgabe für Eltern, zumal viele von ihnen parallel zu ihrer ehrenamtlichen Lehrertätigkeit oftmals noch ihren eigentlichen Beruf in Teil- oder sogar Vollzeit parallel zu ihrer ehrenamtlichen Lehrtätigkeit zu Hause ausüben. Man denke nur an Krankenschwestern oder Kassiererinnen, die nach einer derzeitigen 12-Stundenschicht zu Hause noch die Lehrplänge mit ihren Kindern durchgehen muss – über Wochen. 2 Jobs gleichzeitig – wie soll das gehen?

Nun also geht es in die Verlängerung dieser ehrenamtlichen Tätigkeit für mindestens drei weitere Wochen. Wie das die Eltern alles machen und schaffen sollen, sei dahingestellt. Die Lehrer, die weiterhin ihr volles Gehalt erhalten, verweisen darauf, dass sie nichts für diese Situation können. Natürlich können sie nichts für diese Situation, aber sie können in dieser Pandemiezeit eines: den Druck rausnehmen, sich auf die wesentlichen Fächer Deutsch, Mathe und Englisch konzentrieren und den Eltern und Schülern sagen: „Wir geben euch Aufgaben, aber wir wissen, wie schwer diese Situation für euch gerade ist. Daher: Auch wenn ihr diese Aufgaben nicht abarbeiten könnt mit euren Kindern, ist das nicht schlimm. Wir werden nach dieser Zeit gemeinsam den Unterrichtsstoff nachholen, notfalls mit Zusatzstunden.“

Und selbst wenn dieser Stoff nicht nachgeholt werden könnte, was soll’s? Wir leben immerhin in einer absoluten Ausnahmesituation.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann  

Lehrer spielen in Corona-Zeiten, das ist gar nicht so einfach, zumal viele Eltern oft noch ihren eigentlichen Beruf nebenher ausüben. Foto: adobe stock




Hohenlohe: Ohne medizinischen Sauerstoff werden die Patienten sofort blau – Pfleger berichtet von schockierenden Bildern

Es haben uns verschiedene Rückmeldungen von Mitarbeitern erreicht, die derzeit mit der Versorgung von Covid-19-Patienten in Krankenhäusern betraut sind. Die Aussagen sind teils erschreckend und bedrückend. Auch junge Menschen werden derzeit in den Kliniken behandelt, die keine Vorerkrankungen haben.

Ein Pfleger berichtet, dass viele der Erkrankten unter Sauerstoffnot und Kurzatmigkeit leiden, nimmt man ihnen nur für kurze Zeit die Sauerstoffbrille aus der Nase, werden die Patienten sofort blau. So was habe er zuvor in dem Ausmaß noch nicht erlebt und er mache seinen Beruf schon seit mehr als 30 Jahren. Wie haben sich die Kliniken auf die Versorgung mit Covid 19 Erkrankten in der Region vorbereitet?

In Öhringen wurden zwei Stockwerke für die Behandlung von Covid-19-Patienten eingerichtet. In den letzten beiden Wochen befanden sich dort um die 30 Patienten.

Die Intensivplätze wurden von sieben Betten auf zwölf Betten erhöht. Es stehen derzeit somit 12 Intensivbetten für 120.000 Einwohner zur Verfügung.

Interne Quellen haben berichtet, dass täglich ein bis zwei intensivpflichtige Patienten mit Covid-19 an andere Standorte verlegt werden mussten, um wieder freie Plätze auf der Intensivstation zu schaffen.

Das sei derzeit noch möglich, da Häuser wie Löwenstein und Gesundbrunnen noch Kapazitäten hätten.

Weiterverlegung der Patienten an andere Krankenhäuser

Das Diak hat auf Nachfrage von uns berichtet, dass es einen Klinikgebäudetrakt reaktiviert habe, der früher als Infektkrankenhaus genutzt wurde. So konnten für die Patienten mit Covid-19 verschiedene, von einander abgetrennte Bereiche geschaffen werden.

Das Diak in Schwäbisch Hall hat 20 Intensivbetten und kann diese noch um acht weitere Plätze erweitern, wenn die jetzigen Ressourcen nicht mehr für die Behandlung ausreichen. Das Diak hat, wie anderen Kliniken auch, aufgrund des Beschlusses der Regierung und der Länder alle geplanten Operationen verschoben, um so viele Beatmungsplätze wie möglich frei zu halten. Auch das Diak betonte auf unsere Presseanfrage, dass nicht nur ältere Patienten mit Vorerkrankungen an Covid-19 erkranken, sondern auch jüngere Menschen einen schweren Krankheitsverlauf erfahren können.

Auch Klinikpersonal infiziert

Ein Anzeichen für beginnendes Lungenversagen ist Kurzatmigkeit. Steigt die Atemfrequenz eines Erwachsenen, die normalerweise 12 bis 18 Atemzüge pro Minute beträgt, auf 25, 30 oder mehr, reicht die einfache Sauerstoffbrille nicht mehr aus und der Patient muss künstlich beatmet werden.

Auch das Klinikpersonal bleibt vor einer Infektion mit Covid-19 nicht verschont. Das Diak hat mitgeteilt, dass Mitarbeiter die Symptome zeigen, sofort in häusliche Quarantäne gehen. Ärzte und Pfleger appellieren daher an die Bürger, sich auch weiterhin an die beschlossenen Maßnahmen von Bund und Land zu halten, trotz des verlängerten Osterwochenendes.

Text: Carla Mosel