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Bewohner dürfen ihre Zimmer wieder verlassen – Quarantänemaßnahmen in zwei Pflegeheimen aufgehoben – Nur noch 8 Pflegeheime in Quarantäne

Das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises hat die angeordneten Quarantänemaßnahmen für zwei Pflegeheime im Landkreis wieder aufgehoben, da keine Bewohner und auch keine Mitarbeiter getestet geworden oder Symptome entwickelt haben, die auf eine Erkrankung mit SARS-COV-2 hinweisen. Damit dürfen sich die Bewohner innerhalb des Heimes wieder frei bewegen. Das geht aus einer aktuellen Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises hervor.

Auch die Mitarbeiter des Heims müssen sich zuhause nicht mehr isolieren. Die für alle Heime grundsätzlich geltenden Besuchsbeschränkungen sowie verschärfte Hygienemaßnahmen bleiben bestehen.

Insgesamt stehen im Hohenlohekreis nun noch acht Pflegeheime unter Quarantäne, weil das Coronavirus entweder bei einem Bewohner oder einem Mitarbeiter nachgewiesen wurde.

Die Nennung der Häuser obliegt den jeweiligen Betreibern.

 




Corona: Was sich ab morgen in Künzelsau ändert & welche Veranstaltungen bis Juli abgesagt werden

Der Bund und die Länder haben am über das weitere Vorgehen in der Coronakrise entschieden. Es wurde beschlossen, dass die bisher geltenden Kontaktverbote zunächst bis zum 04. Mai 2020 fortgeführt werden. Es dürfen sich somit an öffentlichen Plätzen maximal zwei Personen mit einem Mindestabstand von 1,5 Metern aufhalten (ausgenommen sind Familien). Die weiteren Entscheidungen wirken sich folgendermaßen auf Künzelsau aus (anbei veröffentlichen wir eine aktuelle Pressemitteilung der Stadt Künzelsau):

Notfallbetreuung für Eltern in systemrelevanten Berufen

Die Kindertageseinrichtungen und Schulen in Künzelsau bleiben weiterhin geschlossen. Es wird jedoch auch nach den Osterferien eine Notfallbetreuung für die Kinder angeboten, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten. Über diese, bereits seit einigen Wochen geltende Regelung hinaus, hat die Bundesregierung beschlossen, die Notfallbetreuung für weitere Kinder zu öffnen. Schüler der siebten Klasse werden in die Notfallbetreuung mit einbezogen. Darüber hinaus sollen auch Eltern, die aufgrund ihres Berufes einen bestätigten Bedarf haben, diese in Anspruch nehmen dürfen. Sobald hier eine Konkretisierung der Bundes- bzw. Landesregierung dahingehend erfolgt ist, welche Familien unter diese Erweiterung fallen, wird das örtliche Angebot in den Kindertageseinrichtungen und Schulen, sofern möglich, entsprechend ergänzt. Meldungen bei Bedarf bitte an das Sekretariat der Georg-Wagner-Schule Künzelsau, E-Mail mailto:info@gewas-kuenzelsau.de oder Telefon 07940 / 98750-0. Welche Bereiche zur kritischen Infrastruktur zählen, ist unter https://km-bw.de/,Lde/Startseite/Ablage+Einzelseiten+gemischte+Themen/FAQS+Schulschliessungen zu finden.

Die Eltern werden über facebook, die städtische und die schulischen Webseiten sowie die Kita-App auf dem Laufenden gehalten.

Geschäfte bis 800 Quadratmeter dürfen ab 20. April 2020 wieder öffnen

Ab Montag, den 20. April 2020, dürfen Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern unter Einhaltung der Hygienevorgaben wieder öffnen. Weitere Informationen sind unter https://sozialministerium.baden-wuerttemberg.de/de/gesundheit-pflege/gesundheitsschutz/infektionsschutz-hygiene/informationen-zu-coronavirus/corona-verordnung-des-landes-baden-wuerttemberg/ zu finden.

Die Mischsortimentsregelung findet hier keine Anwendung. Autohändler, Fahrradhändler, Buchhandlungen, Wein- und Spirituosenhandlungen, Bibliotheken und Archive dürfen unabhängig von der Größe der Verkaufsfläche unter Einhaltung der Hygieneauflagen ab 20. April 2020 wieder öffnen. Auch der Außer-Haus-Verkauf von Gaststätten, Cafés und Eisdielen ist möglich.

Die Betriebe im Hotel- und Gaststättengewerbe bleiben weiterhin geschlossen. Die Möglichkeit, Waren und Speisen auch bequem von zu Hause aus zu bestellen besteht weiterhin. Auch der Künzelsauer Lieferservice kann weiterhin genutzt werden. Weitere Informationen unter http://www.kuenzelsau.de/kaufdaheim.

Absage von städtischen Veranstaltungen bis Juni

Bis einschließlich 15. Juni 2020 sind aufgrund des Coronavirus alle städtischen Veranstaltungen abgesagt. „Um die Ausbreitung des Coronavirus weiter zu verlangsamen und das Ansteckungs-Risiko zu minimieren, werden alle weiteren städtischen Veranstaltungen bis 15. Juni 2020 abgesagt“, erklärt Bürgermeister Stefan Neumann. Darüber hinaus werden der Krämermarkt am 24. Juni 2020 und das Jubiläumskonzert „50 Jahre Jugendmusikschule Künzelsau“ im Burggraben Schloss Stetten am 4. Juli 2020 vorsorglich abgesagt.

Folgende Veranstaltungen sind abgesagt:

  • Kindertheater „Cyrano“ am 05. Mai 2020
  • KÜNightLive mit „Gravity“ am 06. Mai 2020
  • Gesundheitsvortrag „Koronare Herzkrankheit – Untersuchung und Behandlung“ am 07. Mai 2020
  • Konzert der Jugendmusikschule Künzelsau und Marcali am 8. Mai 2020 und der damit verbundene Marcali-Austausch
  • Künzelsauer Abend am 13. Mai 2020
  • „1. Künzelsauer Anbaden – Wir starten aktiv und mit Genuss in den Sommer“ am 16. Mai 2020
  • Akademie für gesprochenes Wort „Zur Sprache gebracht“ am 14. Mai 2020
  • Theaterabend „Faust l – Reloaded“ am 28. Mai 2020
  • KÜNightLive mit „Little Miss Martin“ am 3. Juni 2020
  • Vortrag „Zurück zum Mond! Die Orion- Antriebs- und Versorgungseinheit ESM“ am 15. Mai 2020
  • Vortrag „Aktuelle Herausforderungen – Die Mission Maurer und die Ministerkonferenz“ am 12. Juni 2020

Bereits erworbene Karten können zurückerstattet oder im Fall der KÜNightLive auf einen anderen KÜNightLive-Termin umgebucht werden. Kontakt: Stadtverwaltung Künzelsau, Stuttgarter Straße 7, 74653 Künzelsau, Kultur- und Marketingbüro Renate Kilb, Telefon 07940 129-121, E-Mail renate.kilb@kuenzelsau.de.

Die Stadtbücherei ist ab Dienstag, den 21. April 2020, wieder regulär geöffnet

Folgende städtische Einrichtungen bleiben bis auf Weiteres geschlossen:

  • Stadtmuseum
  • Weltraumausstellung
  • das Hallenbad TOLLKün
  • das Jugendzentrum und Jugendblockhaus
  • die Jugendmusikschule
  • die Volkshochschule

 




Polizei soll Bäckereien an Ostersonntag geschlossen haben

Bäckereien durften trotz der Coronapandemie bislang geöffnet bleiben – auch an den Osterfeiertagen. Rund eine Woche vor Ostern änderte die baden-württembergische Landesregierung nach heftiger Kritik  – unter anderem von der  Gewerkschaft Verdi Baden-Württemberg und dem Deutschen Gewerkschaftsbund – ihre Pläne und änderte die Landesverordnung dementsprechen. An Karfreitag und Ostersonntag sollten die Bäckereien geschlossen bleiben, lediglich am Ostermontag durften sie öffnen und ihre Waren verkaufen.

Doch nicht bei jedem Bäcker im Hohenlohekreis und im Haller Kreis kam diese Änderung an und so gab es Bäckereien, die trotz des neuen Beschlusses am Ostersonntag offen hatten. Daraufhin sei es laut einer Pressemitteilung des Hohenloher Landtagsabgeordneten Anton Baron (AfD) zu Schließungen einzelner Filialen gekommen. Ob darüber hinaus ein Bussgeld verhängt wurde und welche Bäckereien geschlossen worden sind, ist bislang nicht bekannt, soll aber derzeit in einer kleinen Anfrage an den Landtag Baden-Württembergs geklärt werden. Baron hierzu : „Gemeinsam mit meinem Haller Fraktionskollegen Udo Stein erfrage ich daher nun die Einschätzung der Landesregierung zu ihrer eigenen Kommunikation und zu dem Schaden, den diese mutmaßlich für die Betriebe in der Region und landesweit angerichtet hat. Falls ein Fehler eingestanden wird, muss dies auch eine Übernahme der dadurch verursachten Mehrkosten bedeuten.“

Unter anderem geht es in der kleinen Anfrage auch darum, wie viele Lebensmittel durch die Schließung vernichtet werden mussten.

GSCHWÄTZ hat die Polizeidirektion Heilbronn gefragt, welche Bäckereien im Hohenlohekreis am Ostersonntag von der Polizei geschlossen wurden. Laut der Polizeidirektion Heilbronn wurden zwei Bäckereien im Hohenlohekreis geschlossen. Die Verhängung von Bußgeldern ist laut der Polizei Sache des Landratsamtes. Eine Antwort des Landratsamtes, ob hier Bußgelder verhängt wurden, steht noch aus.

Bäckerei. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv




Berner spendet Schutzausrüstung im Wert von 10.000 Euro an Hohenloher Kreisverwaltung – „Persönliche Schutzausrüstung derzeit Mangelware“

Berner Deutschland ist der Bitte der Hohenloher Kreisverwaltung um Spenden von Schutzausrüstung gefolgt. Ware im Wert von 10.000 Euro konnte am Freitag, 17. April, stellvertretend an Landrat Dr. Matthias Neth übergeben werden. Das geht aus einer aktuellen Pressemitteilung der Albert Berner Deutschland GmbH hervor.

Beschäftigte vor Ansteckung schützen

Kliniken, Arztpraxen, ambulante und stationäre Pflegedienste, Seniorenheime oder Bestatter – sie alle stehen momentan vor der Frage, wie sie ihre Beschäftigten vor einer Ansteckung mit dem neuartigen Corona-Virus bestmöglich schützen können. Das allein ist schon Herausforderung genug.

Extreme Verknappung

In diesen Tagen kommt jedoch noch eine weitere hinzu: Die persönliche Schutzausrüstung ist seit Wochen Mangelware – auch im Hohenlohekreis.
Dr. Matthias Neth, Landrat des Hohenlohekreises, Thomas Philippiak, Vorsitzender der Innovationsregion Hohenlohe, und Dr. Werner Reinosch, Ärztlicher Direktor der Hohenloher Krankenhaus gGmbH, hatten sich deshalb in einem gemeinsamen Brief an Hohenloher Unternehmen gewandt und um Spenden von Schutzkleidung gebeten.

„Es war vor dem Hintergrund der extremen Verknappung gar nicht so einfach, noch ein passendes Paket zu schnüren“, berichtet Joachim Kürten, Geschäftsführer der Albert Berner Deutschland GmbH. Auf dem Markt herrsche ein riesiger Wettbewerb. Der Bedarf an persönlicher Schutzausrüstung sei größer denn je. „Auch wir verzeichnen seit Wochen eine immer stärkere Nachfrage. Sobald die Regale aufgefüllt sind, sind sie praktisch schon wieder leer“, so Kürten.

Neth: „Langjährige Partnerschaft mit Berner“

Als internationales Handelsunternehmen verfüge die Berner Group über ein breites und gut aufgestelltes Partnernetzwerk. Berner Deutschland, Tochterunternehmen der Berner Group, sei es deshalb gelungen, ein Paket im Wert von 10.000 Euro zu schnüren – bestehend aus Atemschutzmasken, Einweghandschuhen, Schutzanzügen und anderen Produkten der persönlichen Schutzausrüstung.

Am 17. April 2020 wurde die Spende an das Landratsamt des Hohenlohekreises übergeben werden. Landrat Dr. Matthias Neth hat es stellvertretend in Empfang genommen: „Mit Berner verbindet uns eine langjährige und sehr gute Partnerschaft, auf die wir uns auch in Krisenzeiten stets verlassen können. Wir sind extrem dankbar für dieses außerordentliche Engagement unserer Gesellschaft und unserem Landkreis gegenüber. Das ist keinesfalls selbstverständlich.“

„Soziale und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, gehört zur DNA unserer Unternehmensgruppe – b.responsible, lautet einer unseren zentralen Werte“, betont Kürten und ergänzt: „Wir sind in der Region zu Hause. Viele unserer Mitarbeiter kommen aus Hohenlohe. Sie, ihre Familien und Freunde sind nicht nur hier beschäftigt, sondern wohnen und leben hier. Aus diesem Grund war es uns ein großes Anliegen, die Kreisverwaltung bestmöglich zu unterstützen. Gerade in schwierigen Zeiten gilt es, zusammenzustehen und Solidarität zu zeigen.“

Quelle: Pressemitteilung der Albert Berner Deutschland GmbH vom 17. April 2020




Wochenpläne, Arbeitsblätter, Checklisten, E-Mails, WhatsApp, Cloud, drive + der eigentliche Job – Eltern am Rande des Corona-Schulwahnsinns

Das werden wohl die längsten Sommerferien aller Zeiten – zumindest für viele Lehrer. Mindestens bis zum 04. Mai 2020 sollen die Schulen in Baden-Württemberg noch geschlossen bleiben, dann sollen zunächst die Abschlussklassen an den Grundschulen und den weiterführenden Schulen wieder mit dem Unterricht beginnen. Jeder redet jetzt schon über Hygiene- und Abstandsregeln, die es dann in den Bussen und Klassenzimmern einzuhalten gilt und wie das überhaupt möglich ist, diese einzuhalten bei den teilweise Hunderten von Schülern an einer Schule. Doch kaum wird über diejenigen gesprochen, die von den Schulschließungen derzeit immernoch am meisten betroffen sind: die Eltern.

Die Eltern haben bereits drei Wochen vor den Osterferien mit ihren Kindern gelernt, was das Zeug hält. Eine Mutter mit vier Kindern berichtete von 60 E-Mails mit Aufgaben, die sie teilweise erreicht habe. Dabei handelt es sich bei jedem Kind um eine andere Klassenstufe und in jeder Klasse wiederum um neue Lernmaterialien für fast jedes Unterrichtsfach. Sport, Religion. Geografie, alles soll gelernt werden. Teilweise erklären Eltern ihren Kindern Dinge, die sie sich selbst zunächst erstmal erklären müssen.Nicht jeder war in seiner Schulzeit ein Mathe-Ass oder ein Englischprofi.

Eine schier unlösbare Aufgabe für Eltern, zumal viele von ihnen parallel zu ihrer ehrenamtlichen Lehrertätigkeit oftmals noch ihren eigentlichen Beruf in Teil- oder sogar Vollzeit parallel zu ihrer ehrenamtlichen Lehrtätigkeit zu Hause ausüben. Man denke nur an Krankenschwestern oder Kassiererinnen, die nach einer derzeitigen 12-Stundenschicht zu Hause noch die Lehrplänge mit ihren Kindern durchgehen muss – über Wochen. 2 Jobs gleichzeitig – wie soll das gehen?

Nun also geht es in die Verlängerung dieser ehrenamtlichen Tätigkeit für mindestens drei weitere Wochen. Wie das die Eltern alles machen und schaffen sollen, sei dahingestellt. Die Lehrer, die weiterhin ihr volles Gehalt erhalten, verweisen darauf, dass sie nichts für diese Situation können. Natürlich können sie nichts für diese Situation, aber sie können in dieser Pandemiezeit eines: den Druck rausnehmen, sich auf die wesentlichen Fächer Deutsch, Mathe und Englisch konzentrieren und den Eltern und Schülern sagen: „Wir geben euch Aufgaben, aber wir wissen, wie schwer diese Situation für euch gerade ist. Daher: Auch wenn ihr diese Aufgaben nicht abarbeiten könnt mit euren Kindern, ist das nicht schlimm. Wir werden nach dieser Zeit gemeinsam den Unterrichtsstoff nachholen, notfalls mit Zusatzstunden.“

Und selbst wenn dieser Stoff nicht nachgeholt werden könnte, was soll’s? Wir leben immerhin in einer absoluten Ausnahmesituation.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann  

Lehrer spielen in Corona-Zeiten, das ist gar nicht so einfach, zumal viele Eltern oft noch ihren eigentlichen Beruf nebenher ausüben. Foto: adobe stock




Hohenlohe: Ohne medizinischen Sauerstoff werden die Patienten sofort blau – Pfleger berichtet von schockierenden Bildern

Es haben uns verschiedene Rückmeldungen von Mitarbeitern erreicht, die derzeit mit der Versorgung von Covid-19-Patienten in Krankenhäusern betraut sind. Die Aussagen sind teils erschreckend und bedrückend. Auch junge Menschen werden derzeit in den Kliniken behandelt, die keine Vorerkrankungen haben.

Ein Pfleger berichtet, dass viele der Erkrankten unter Sauerstoffnot und Kurzatmigkeit leiden, nimmt man ihnen nur für kurze Zeit die Sauerstoffbrille aus der Nase, werden die Patienten sofort blau. So was habe er zuvor in dem Ausmaß noch nicht erlebt und er mache seinen Beruf schon seit mehr als 30 Jahren. Wie haben sich die Kliniken auf die Versorgung mit Covid 19 Erkrankten in der Region vorbereitet?

In Öhringen wurden zwei Stockwerke für die Behandlung von Covid-19-Patienten eingerichtet. In den letzten beiden Wochen befanden sich dort um die 30 Patienten.

Die Intensivplätze wurden von sieben Betten auf zwölf Betten erhöht. Es stehen derzeit somit 12 Intensivbetten für 120.000 Einwohner zur Verfügung.

Interne Quellen haben berichtet, dass täglich ein bis zwei intensivpflichtige Patienten mit Covid-19 an andere Standorte verlegt werden mussten, um wieder freie Plätze auf der Intensivstation zu schaffen.

Das sei derzeit noch möglich, da Häuser wie Löwenstein und Gesundbrunnen noch Kapazitäten hätten.

Weiterverlegung der Patienten an andere Krankenhäuser

Das Diak hat auf Nachfrage von uns berichtet, dass es einen Klinikgebäudetrakt reaktiviert habe, der früher als Infektkrankenhaus genutzt wurde. So konnten für die Patienten mit Covid-19 verschiedene, von einander abgetrennte Bereiche geschaffen werden.

Das Diak in Schwäbisch Hall hat 20 Intensivbetten und kann diese noch um acht weitere Plätze erweitern, wenn die jetzigen Ressourcen nicht mehr für die Behandlung ausreichen. Das Diak hat, wie anderen Kliniken auch, aufgrund des Beschlusses der Regierung und der Länder alle geplanten Operationen verschoben, um so viele Beatmungsplätze wie möglich frei zu halten. Auch das Diak betonte auf unsere Presseanfrage, dass nicht nur ältere Patienten mit Vorerkrankungen an Covid-19 erkranken, sondern auch jüngere Menschen einen schweren Krankheitsverlauf erfahren können.

Auch Klinikpersonal infiziert

Ein Anzeichen für beginnendes Lungenversagen ist Kurzatmigkeit. Steigt die Atemfrequenz eines Erwachsenen, die normalerweise 12 bis 18 Atemzüge pro Minute beträgt, auf 25, 30 oder mehr, reicht die einfache Sauerstoffbrille nicht mehr aus und der Patient muss künstlich beatmet werden.

Auch das Klinikpersonal bleibt vor einer Infektion mit Covid-19 nicht verschont. Das Diak hat mitgeteilt, dass Mitarbeiter die Symptome zeigen, sofort in häusliche Quarantäne gehen. Ärzte und Pfleger appellieren daher an die Bürger, sich auch weiterhin an die beschlossenen Maßnahmen von Bund und Land zu halten, trotz des verlängerten Osterwochenendes.

Text: Carla Mosel




Heilbronn: 200 Menschen bei Trauerfeier – Polizei erstattete Anzeige gegen die Beteiligten

Es waren wohl doch etwas mehr. Die zunächst von der Polizei gegenüber GSCHWÄTZ bestätigte Zahl von 100 Trauernden (wir berichteten) bei einer Trauerfeier in Heilbronn wurde nun auf 200 in einer aktuellen Pressemitteilung der Polizei bezüglich des Einsatzes auf dem Friedhof erhöht.

Etwa 200 Trauernde fanden sich am Mittwoch, den 15. April 2020, für eine Beerdigung auf dem Heilbronner Westfriedhof ein. Nach dem Tod eines 36-Jährigen hatte die Familie des Mannes die Trauerfeier über die sozialen Medien angekündigt. Nach Rücksprache mit der Polizei wurde die öffentliche Einladung von den Familienmitgliedern zwar wieder zurückgenommen, trotzdem fanden sich am Vormittag zirka 200 Anteilnehmende auf dem Friedhof ein.

Da die Abstandsregeln während der Predigt und dem gemeinsamen Gebet vor dem Eingangstor des Friedhofes nicht eingehalten wurden, erhoben die eingesetzten Streifen die Personalien der Anwesenden.

Im Nachgang werden nun Anzeigen gegen die Beteiligten gefertigt. Hierzu dauern die Ermittlungen noch an. Die eigentliche Beisetzung fand daraufhin im kleinen Personenkreis statt. Die Polizei war mit zahlreichen Einsatzkräften am Ort des Geschehens.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn




Futuristische Atemschutzmaske aus Hohenlohe – Neth: „Es macht keinen Sinn, jedem Bürger FFP2-Masken zu geben, wenn das Pflegepersonal keine hat“

Hat Landrat Dr. Matthias Neth Besuch aus dem All? Nein, unter diesem außerirdisch aussehenden Helm steckt Professor Dr. Ralph Wystup von der Hochschule Eisenach, der in Zusammenarbeit mit Hohenloher Firmen diese neuartige Atemschutzmaske entwickelt hat. Professor Dr. Buchhorn, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin am Caritas-Klinikum in Bad-Mergentheim, erklärt, wie die Idee zu einer solchen Schutzmaske entstand: „Wir haben uns überlegt, wie man die Kliniken unterstützen könnte – Beatmungsgeräte waren zu komplex, am drängendsten ist eine Schutzmaske. Mit dieser Maske können wir möglicherweise den Arbeitsschutz verbessern“. An diesem Projekt beteiligt waren neben Wystup und Buchhorn, Wystups Bruder Frederik, der ein Ingenieurbüro in Neuenstein betreibt, sowie die Firmen ebm-papst, Ziehl-Abegg, Ansmann und Jako. Alle Beteiligten haben ihre Kernkompetenzen zur Verfügung gestellt, Frederik Wystup die Entwicklung der Steuerungselektronik, Professor Buchhorn das medizinische Anforderungsprofil, ebm-papst die Lüftungstechnik, Ansmann die Akkus, Ziehl-Abegg seine Kapazitäten im 3-D-Druck und Jako sein textiles Know-How.

Produktion weltweit möglich

Herausgekommen ist bei dieser Zusammenarbeit bisher ein Funktionsmodell, das noch nicht serienreif ist, aber bereits zeigt, wohin das Projekt gehen kann: Die Hülle besteht aus einem leichten „Windjackenstoff“, der genügend luftdicht ist, um Außenluft fernzuhalten. Die Maske wird mit gefilterter Außenluft unter Überdruck gesetzt und hält sich durch den Überdruck selber in Form. Der Überdruck sorgt auch für Sicherheit, da selbst bei einer Verletzung der Maske keine möglicherweise kontaminierte Außenluft eindringen kann. Das Funktionsmuster funktioniert mit Standard-Akkus von Ansmann, sowohl Akku als auch das Gebläse von ebm sind in einem einfachen Rucksack untergebracht. Die Gebläse sind bereits heute in Beatmungshilfsgeräten, zum Beispiel Geräten zur Behandlung von Schlafapnoe, verbaut und somit schon im Markt bekannt und zertifiziert. Die Maske selbst besteht aus rein textilen Materialien, kann also überall dort produziert werden, wo textiles Know-How vorhanden ist, also praktisch überall auf der Welt.

„Der Markt ist nicht Deutschland, der Markt ist die ganze Welt.“

Ein weiterer Vorteil ist das geringe Gewicht der Maske. Die Entwickler gehen davon aus, dass die Maske zu einem äußerst konkurrenzfähigen Preis auf den Markt gebracht werden kann, Ralph Wystup betont: „Wir können voraussichtlich auf gutem Preisniveau anbieten, die Maske ist einfach zu bedienen und gut zu reparieren“ und sein Bruder Frederik ergänzt: „Die Maske ist tragbar und mit Akkutechnik, daher auch für Gebiete mit wenig Infrastruktur geeignet“. Davon ist auch Landrat Dr. Neth überzeugt: „Der Markt ist nicht Deutschland, der Markt ist die ganze Welt.“

„Ich sehe da eine Entwicklung von Low-End bis High-End.“

Obwohl die Maske etwas unförmig aussieht, sei sie doch recht bequem, meint Rainer Nase, Entwicklungsingenieur bei ebm: „Der Luftstrom verschafft eine gewisse Kühlung, auch die Luftfeuchtigkeit könnte reguliert werden.“ Die Maske ist groß genug, dass man zum Beispiel einen Bluetooth-Kopfhörer mit Noise-Cancelling-Technik darunter tragen und über Handy komunizieren kann. Nase denkt schon an die Zukunft: „Perspektivisch sehe ich da eine Entwicklung von Low-End bis High-End“. Frederik Wystup sieht ebenfalls weitreichende technische Möglichkeiten wie zum Beispiel Luftmessdatenübertragung und –kontrolle mit WLAN-Kommunikation zu Servern über die Maske. Auf der anderen Seite sei die Maske durch Preis und Einfachheit geradezu ideal für den Einsatz in Pflegeheimen und bei mobilen Pflegediensten, meint Ralph Wystup.

„Bis jetzt reine Privatveranstaltung“

Aber ganz so weit ist das Projekt noch nicht, denn Wystup betont: „Bis jetzt ist das eine reine Privatveranstaltung. Wir stehen jetzt am Scheidepunkt: Wollen wir das weitertreiben?“.
Eine Zertifizierung als Medizingerät wäre der nächste Schritt – der ist allerdings sehr aufwändig. Landrat Dr. Neth ist von den Erfolgsaussichten überzeugt und bietet dem Projektteam an, Kontakte zu speziellen Ansprechpartnern des Landes Baden-Württemberg an, die bei Zulassung und Zertifizierung unterstützen können: „Die Chance ist, dass wir in der Region gute Ressourcen haben. Der Charme ist die Zusammenarbeit vor Ort, was anderswo nicht gegeben ist.“ Ihn lässt auch die Idee der Beatmungsgeräte nicht los: „Die Masken lösen nicht alles, wenn man davon ausgeht, dass es weltweit eine Weile geht. Das Thema Beatmungsgeräte wollen wir nicht aus den Augen verlieren. Ich vermute, dass das Thema wiederkommt“. Äußerst zufrieden zeigen sich alle Projektteilnehmer mit der unkomplizierten Zusammenarbeit im Team, Dr. Walter Angelis, Technischer Leiter bei Ziehl-Abegg sagt: „Wir sind sehr stolz darauf, was in kurzer Zeit entstanden ist. Das ist ein Zeichen für die Politik.“

Zum Thema Schutzmasken für die Allgemeinheit betonte Landrat Neth: „Es macht keinen Sinn, jedem Bürger FFP2-Masken zu geben, wenn das Pflegepersonal keine hat.“

Auch Altenheime und Bestattungsunternehmen beklagen derweil einen Engpass an Schutzkleidung.

Text: Matthias Lauterer

Professor Ralph Wystup zieht die Atemschutzhaube an. Foto: GSCHWÄTZ

Professor Frank Wystup (rechts) präsentiert die Atemschutzhaube Landrat Dr. Matthias Neth (links). Foto: GSCHWÄTZ

Rainer Nase. Foto: GSCHWÄTZ

Professor Ralph Wystup. Foto: GSCHWÄTZ




Heilbronn: Rund 100 Menschen bei Beerdigung auf dem Westfriedhof

Wie ein Anrufer, der anonym bleiben wollte, am Mittwoch, den 15. April 2020, der GSCHWÄTZ-Redaktion mitgeteilt hat, soll an diesem Tag vormittags auf dem Westfriedhof in Heilbronn eine große Beerdigung mit zahlreichen Menschen stattgefunden haben. Momentan sind aufgrund der Coronapandemie auf den Friedhöfen lediglich maximal zehn Personen bei Beerdigungen erlaubt.

Auf GSCHWÄTZ-Nachfrage bestätigte die Polizei Heilbronn diesen Vorgang und auch, dass es sich um rund 100 Personen gehandelt habe. Die Beerdigung sei im Vorfeld bekannt gewesen, allerdings sei die Polizei nur als Unterstützung vom Heilbronner Ordnungsamt, das hier federführend war, hinzugezogen worden.

Warum diese Beerdigung trotz Corona-Verordnung mit derart vielen Menschen erlaubt wurde, ist bislang nicht bekannt.




„Verstorbene hochinfektiös“ – Nur noch 1 Friedhofsbläser erlaubt – Künzelsauer Bestatter berichten

Wenn systemrelevanten Berufsgruppen öffentlich gedankt wird, dann werden stets Ärzte, Pflegeberufe oder Lehrer genannt. Vom Bestattergewerbe spricht niemand, trotzdem gehört es zum systemrelevanten Bereich und auch auf diesen Beruf haben die Coronabedingten Einschränkungen und Vorschriften erhebliche Auswirkungen.

Am sichtbarsten sind die Beschränkungen bei der Trauerfeier selbst: „Die ganzen Rituale fallen weg“

Trauerhallen und Kirchen sind geschlossen, so dass die Trauerfeiern nur noch am Grab stattfinden können. Die Größe der Trauergemeinde ist eingeschränkt: Waren es bisher 10 Personen, wurde die Bestimmung kürzlich gelockert und es dürfen seit dieser Woche Angehörige der geraden Linie, deren Partner sowie weitere 5 Personen sowie der Pfarrer an der Trauerfeier teilnehmen. Der Sarg darf von den Trägern nur noch ans Grab gebracht werden, danach müssen sich die Träger entfernen Auch die Träger würden nämlich auf die Teilnehmer angerechnet, erläutert Robert Mayr vom Betattungsinstitut Dorn. Der Sarg wird erst nach der Zeremonie, wenn die Trauergemeinde nicht mehr am Grab ist, ins Grab gesenkt – der symbolische Erdwurf und das Besprengen mit Weihwasser müssen entfallen. „Die ganzen Rituale fallen weg, die Beerdigung ist auf ein Minimum reduziert“, sagt Petra Kunze von Landwehr Bestattungen aus Nagelsberg.

Offene Aufbahrung nicht erlaubt

Die üblichen Abstandsregeln sind während der Zeremonie einzuhalten. Eine offene Aufbahrung von Verstorbenen mit Covid-19 ist nicht erlaubt. Bei Verstorbenen ohne Covid-19 darf immer nur eine Person in die Aufbahrungshalle. In Künzelsau ist nur noch ein Friedhofsbläser erlaubt, der aber ebenfalls deutlichen Abstand halten muss. Der Blumenschmuck fällt eher karg aus, ist Mayr aufgefallen, da auch die Blumengeschäfte kaum Waren vorrätig hätten. Kondolenzlisten liegen nicht aus, da dann mehrere Menschen denselben Stift benutzen könnten.
Dafür sind die Bestattungsinstitute gehalten, die Daten der Besucher der Trauerfeiern aufzunehmen und diese im Bedarfsfall an die Gesundheitsämter weiterzugeben.

„Verstorbene sind hochinfektiös“

Nicht sichtbar sind die Corona-Regeln, die die Bestatter im Hintergrund beachten müssen: Ist ein Patient an Covid-19 verstorben, sind höchste Sicherheitsvorkehrungen vorgeschrieben. Mayr: „Entgegen der landläufigen Meinung sind Verstorbene hochinfektiös“, diese Verstorbenen müssten gemäß der Risikoklasse 3 der Biostoffverordnung behandelt werden: Vollschutz mit Schutzanzug und Maske ist verpflichtend. Im Normalfall sei Covid-19 auf den Todesbescheinigungen vermerkt, sagt Mayr, trotzdem frage er insbesondere bei im Heim verstorbenen „immer explizit nach Quarantänemaßnahmen im Heim“.

Über 15 Covid-Fälle schon bestattet

„10 bis 15, eher an die 15“ Covid-19-Fälle habe sein Institut bereits bestattet. Von bisher einem COVID-19 Fall berichtet Kunze: „Wir müssen die Verstorbenen genauso anfassen wie die Krankenschwester, die ihn in die Kühlung bringt“, sagt sie und beschreibt den veränderten Ablauf: „Der Verstorbene wird in eine luftdichte Plastikhülle gehüllt und danach noch vor Ort im Krankenhaus in den endgültigen Sarg gelegt und der Sarg verschlossen. Das alles muß in vollständiger Schutzkleidung geschehen.“

Mangel an Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel für Bestatter

Mayr leitet die Abteilung für materielle Ressourcen im Bestatternotfallteam der Innung und beklagt den Mangel an Schutzausrüstung und Desinfektionsmaterial. Die vorhandene Ausrüstung gehe vorrangig an medizinisches und pflegerisches Personal und die Bestatter bekämen nur, was dann noch verfügbar sei, „aber da fällt nichts runter. Wir sind systemrelevant, kriegen aber keine Schutzausrüstung“. Er berichtet von Preisen, die 10-40fach höher als bisher seien, ein Liter Desinfektionsmittel koste bis zu 70€. Petra Kunze berichtet: „Masken sind schwierig, Anzüge und Handschuhe haben wir noch“. Bestattungsunternehmen sind auf eine geringe Anzahl von infektiösen Verstorbenen vorbereitet, schließlich gebe es ja zum Beispiel auch Hepatitis-Kranke. Aber, so beklagt Mayr, „was wir früher im halben Jahr gebraucht haben, reicht im Moment für 2 Wochen“. Auch Kunze findet: „Das ist ein schwaches Zeichen. Wir hängen ganz am Ende und sind genauso gefährdet. Außer dass wir ein Schreiben haben, dass wir systemrelevant sind und auch mit Infektion arbeiten können.“

Angehörigengespräche per Telefon

Auch auf die Arbeit mit den Trauernden wirkt sich Corona aus: Schon der Kontakt mit den Hinterbliebenen hat sich verändert: Mayr berichtet bereits von Angehörigengesprächen per Telefon oder Video. Persönliche Gespräche finden wegen der Abstandsregeln nur noch mit maximal 2 Angehörigen statt. Aber auch ältere Angehörige selbst vermeiden oft den persönlichen Kontakt.

Im Großen und Ganzen sind sowohl Mayr als auch Kunze mit den behördlichen Maßnahmen einverstanden: „Es ist okay, dass die Leute zuhause bleiben sollen“, findet Kunze, schaut aber auch in die Zukunft: „Ob man das längerfristig durchsetzen kann, bezweifle ich.“ Mayr findet „es sind politisch unbequeme Entscheidungen, aber sehr verantwortungsvoll“. Er hat die Befürchtung, dass kleinere Betriebe auf der Strecke bleiben könnten: “Kleine Betriebe sind teils überfordert.“ Aber er sagt auch: „Das Chaos könnte sehr viel größer sein:“

Beide berichten, dass die Angehörigen auf die Einschränkungen sehr verständnisvoll reagieren, auch wenn eine Bestattung nicht so ablaufen kann, wie sie sich der Verstorbene gewünscht hätte.

„Da blutet einem das Herz“, sagt Mayr, wenn er den Hinterbliebenen erklären muss, dass sie ihren Angehörigen nach mehrwöchiger Kontaktsperre nicht wenigstens noch einmal aufgebahrt sehen dürfen. Und Petra Kunze berichtet von einem Angehörigen, der traurig meint: „Da wären so viele Leute gekommen. Das hat er nicht verdient, so eine kleine Beerdigung“.
Aber, so Kunze: „Wir helfen den Angehörigen, soweit es in unserer Macht steht, es geht trotz allem würdevoll“.

Text: Matthias Lauterer