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Künzelsau: Einbruch in Baustoffhandel

Einige Elektrogeräte und Werkzeuge wurden in der Zeit von Freitagabend, den 17. April 2020, 18.30 Uhr, bis Samstagmorgen, den 18. April 2020, 07.15 Uhr, aus einem Baustoffhandel in der Gaisbacher Straße in Künzelsau gestohlen. Unbekannten Tätern gelang es die Eingangstüre aufzuwuchten. Neben einem geringen Geldbetrag entwendeten die Einbrecher mindestens 18 Elektrogeräte wie z.B. Akku-Bohrer, Akku-Winkelschleifer. Ebenso stahlen sie diverses Werkzeug. Der Wert der entwendeten Geräte und Werkzeuge beträgt mehrere tausend Euro. Die Höhe des angerichteten Sachschadens kann noch nicht beziffert werden. Zeugen, welche verdächtige Beobachtungen im Bereich der Gaisbacher Straße gemacht haben, werden gebeten, sich mit dem Polizeirevier Künzelsau, Telelefon: 07940/9400, in Verbindung zu setzen.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn




Landrat Neth warnt: „Falls sich die Verdopplungszeiten wieder verschlechtern sollten, wäre alles verloren, was wir in den letzten Wochen erreicht haben“

Das Landratsamt Hohenlohekreis begrüßt die Änderungen der Corona-Verordnung Baden-Württemberg, die seit Montag, den 20. April 2020, gelten. Gleichzeitig, so warnt Landrat Dr. Matthias Neth in einer Pressemitteilung des Landratsamtes, berge jede Lockerung ein Risiko.

Die Landesregierung hat Regelungen zur schrittweisen Öffnung von Einzelhandel und weiteren Einrichtungen beschlossen. Vorangegangen waren bundesweit positive Entwicklungen in der Statistik. Das stimmt Landrat Dr. Matthias Neth laut der Mitteilung optimistisch: „Diese Lockerungen stellen einen ersten Schritt auf dem Weg zurück in ein Stück Normalität dar. Das vorbildliche Verhalten der Bürgerinnen und Bürger in den letzten Wochen zeigt jetzt Wirkung und wird belohnt.“

Obwohl durch die getroffenen Maßnahmen vorerst Schlimmeres verhindert werden konnte, kann keine Entwarnung gegeben werden. Deshalb ist es wichtig, auf die jetzt geltenden Lockerungen besonnen und mit Augenmaß zu reagieren. „Falls sich die Verdopplungszeiten wieder verschlechtern sollten, wäre alles verloren, was wir in den letzten Wochen erreicht haben“, so Neth.

Die Kreisverwaltung empfiehlt dringend das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung in der Öffentlichkeit, auch wenn derzeit keine Maskenpflicht für Baden-Württemberg besteht. Insbesondere im Nahverkehr oder beim Einkauf hilft der Träger einer Maske, seine Mitmenschen zu schützen. Landrat Dr. Matthias Neth appelliert an die Bevölkerung: „Ich bitte Sie, tragen Sie eine Maske und halten Sie Abstand. So zeigen Sie auch weiterhin besonderes Verantwortungsbewusstsein und Solidarität, und dafür danke ich Ihnen.“

Weil Schutzmasken derzeit knapp sind und vor allem dem medizinischen Personal vorbehalten sein sollen, entstehen viele kreative Ideen für Behelfsmasken. Diese sogenannten Alltags- oder Community-Masken können beispielsweise selbst genäht werden. Im Internet finden sich dazu zahlreiche Anleitungen, so auch auf der Homepage des Kreislandfrauenverbandes unter www.landfrauen-hohenlohe.de.

Quelle: Landratsamt Hohenlohekreis




Professor: Pandemieeindämmung nur durch „Fortführung oder sogar eine Verschärfung der Restriktionen für ein bis zwei Monate“ möglich

Nach dem Max-Planck-Institut und der Leopoldina hat in der letzten Woche auch das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) eine Forschungsarbeit zur weiteren Entwicklung der Corona-Epidemie vorgelegt: https://www.helmholtz-hzi.de/de/aktuelles/news/news-detail/article/complete/es-ist-zu-frueh-restriktionen-zu-lockern/

Im Gegensatz zu den beiden anderen Institutionen, die sich vornehmlich auf die vom Robert-Koch-Institut veröffentlichten Infiziertenzahlen beziehen und damit durch die bekannten Erfassungsungenauigkeiten (GSCHWÄTZ berichtete) die zukünftige Entwicklung eher unterschätzen, hat das HZI in seinen Prognosen zwei andere Datensätze berücksichtigt:
Zum einen die von den Krankenhäusern selbst gemeldete Belegung der Intensivbetten, zum anderen die Reproduktionszahl, das ist grob gesprochen die Anzahl der Personen, die ein Infizierter während seiner Krankheitsphase selber ansteckt.

Jede Entscheidung kann nun drei Szenarien auslösen

Die Analyse des HZI hat ergeben, daß die Reproduktionszahl in den letzten Wochen durch die angeordneten Maßnahmen kontinuierlich gesunken ist und zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bei etwa bei eins lag, das heißt, jeder Infizierte steckt eine weitere Person an. Zu Beginn der Pandemie ging man von drei bis vier Ansteckungen pro Infiziertem aus. Die Anzahl der Infizierten bleibt also im Wesentlichen konstant, das Gesundheitssystem kann die schweren Fälle weiterhin behandeln, ohne zusammenzubrechen. Seit der Veröffentlichung gibt es Hinweise darauf, daß die Reproduktionszahl nochmals leicht gesunken ist.

Das HZI sagt sehr deutlich, dass wir bei dieser Epidemie nicht nur jetzt , sondern bei jeder neuen Entscheidung am Scheidepunkt stehen, von wo aus es drei Szenarien gibt:

(A) Unkontrollierte Epidemie mit einer erheblicher Anzahl von Todesfällen und einem überlasteten Gesundheitssystem

(B) Langfristig andauernde Infektionen, die aber mit dem Gesundheitssystem bewältigt werden können

(C) Weitgehende Eindämmung der Epidemie

 „Eine Freigabe würde eine humanitäre Katastrophe bedeuten“

Würden wir jetzt radikal die Einschränkungen lockern, wie es von einigen sogar gefordert wird, kämen wir sehr schnell dazu, dass das Gesundheitssystem völlig überlastet wäre, warnt das HZI: „Stiege die zeitabhängige Reproduktionszahl des Virus wieder auf ihren Wert von vor einer Woche oder vor zehn Tagen, läge die Zahl der Intensivpatienten innerhalb weniger Monate in den Hunderttausenden und das Gesundheitssystem wäre komplett überfordert.“ Die Folgerung ist: „Eine Freigabe würde eine humanitäre Katastrophe bedeuten“

Keine Immunisierung der Bevölkerung zu erreichen

Bei einer Reproduktionszahl von ungefähr eins, wie sie durch die Maßnahmen inzwischen erreicht ist, „wären deutschlandweit auf ein ganzes Jahr dauerhaft Intensivbetten in der Größenordnung von zehntausend mit COVID-19-Patienten belegt. Laut Meyer-Hermann könne das Gesundheitssystem diese Situation gerade so verkraften, bei dieser Rate wäre jedoch nach einem Jahr nur etwa ein Prozent der Bevölkerung mit SARS-CoV-2 infiziert worden.“, so das HZI.

Professor Meyer-Hermann sagt es deutlich: „Eine Immunisierung der gesamten Bevölkerung ist unter Einhaltung der Kapazitäten des Gesundheitssystems nicht zu erreichen“.
Er denkt sogar über verschärfte Restriktionen nach, um eine weitere deutliche Reduzierung der Reproduktionszahl zu erreichen: „Je weiter wir die Reproduktionszahl absenken können, desto schneller ist die Notsituation vorbei, was vielleicht sogar für strengere Maßnahmen spricht“. Dafür wäre aber laut Meyer-Hermann die Fortführung oder sogar eine Verschärfung der Restriktionen für weitere ein bis zwei Monate notwendig.

Das sind klare Worte eines Forschers, der sich unabhängig von politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten äußern kann.
Nach dieser Zeit wäre möglicherweise Szenario C erreicht. Damit wäre das Virus zwar nicht verschwunden, könnte aber mit klassischen Methoden verfolgt und eingedämmt werden. Die Kapazitäten und Methoden der Gesundheitsämter zur Nachverfolgung von Infektionsketten könnten bei einer Reproduktionszahl von 0,2 möglicherweise wieder ausreichen.

// Das Virus ist den Messmethoden stets zwei Wochen voraus //

Letzte Woche haben sich die Verantwortlichen aus wirtschaftlich-politischen Aspekten bewusst für das Szenario B entschieden, und das nicht einmal bundeseinheitlich: In jedem Bundsland gelten andere Bestimmungen. Die Strategie ist, den Reproduktionsfaktor bei eins oder knapp darunter zu halten bei gleichzeitiger schrittweiser Lockerung der Maßnahmen, um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Bleibt diese Entscheidung so bestehen und gelingt es , den Faktor bei eins zu halten, werden wir laut der Analyse des HZI dauerhaft, zumindest bis zur Entwicklung eines Impfstoffs für Gesunde oder der Einführung eines wirksamen Medikaments für Infizierte, um die 10.000 Intensivpatienten versorgen müssen.

Das Monitoring des Reproduktionsfaktors ist schwierig, da der Virus den Beobachtern stets 10 bis 14 Tage voraus ist. Das bedeutet, dass die Reproduktionszahl schnell und unbemerkt steigen könnte und wir wieder am Anfang stehen. So sieht es auch Prof. Meyer-Hermann, der bei Anne Will auf den schmalen Grat hinweist, auf dem wir uns mit der politischen Entscheidung bewegen: „“Die Kanzlerin hat es explizit gesagt: Der Spielraum ist extrem klein. Das waren ihre Worte und damit hat sie verdammt nochmal Recht. (…) Wir können nicht sagen, wir probieren mal alles aus, sondern müssen jeden Schritt genau gucken. Und der dauert zwei Wochen, bis man weiß, ob es ein Problem gibt oder nicht.“

Text: Matthias Lauterer

Mehr Informationen:

https://www.helmholtz-hzi.de/de/aktuelles/news/news-detail/article/complete/es-ist-zu-frueh-restriktionen-zu-lockern/

https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.04.04.20053637v1.full.pdf+html

 

Professor Meyer-Hermann war kürzlich zu Gast bei Anne Will. Quelle: Screenshot




Aktuell Ohrenbach Vollsperrung & kein Netz

Aktuell gibt es eine Vollsperrung kurz vor dem Künzelsauer Teilort Ohrenbach aus Richtung Amrichshausen kommend. Derzeit haben die Einwohner in diesem Teilort auch kein Netz, sprich, das Internet und auch telefonieren funktioniert aktuell nicht. Auf GSCHWÄTZ-Nachfrage repariert Netcom BW derzeit die Problematik.




„Leider muss man sagen…“ – Klinikpersonal muss Einwegmaterialien mehrfach benutzen & sich selbst Schutzausrüstung besorgen, derweil explodieren die Preise für Schutzmasken

In Bayern soll es ab dem 27. April 2020 eine Maskenpflicht geben. https://scontent-muc2-1.xx.fbcdn.net/v/t1.15752-0/p480x480/93840246_276336166864989_8783167038957813760_n.png?_nc_cat=103&_nc_sid=b96e70&_nc_ohc=9wLGQi096K8AX_TgNSd&_nc_ht=scontent-muc2-1.xx&oh=e82e1a6ecbb5d5041ccb698a75ee5fe0&oe=5EC27107

Demnach rüstet der Freistaat als östlicher Nachbar Baden-Württembergs mit Atemschutzmasken für die Bevölkerung auf. Die Nachfrage steigt und das Angebot der Schutzausrüstung geht weiter zurück, da die Hersteller nicht mit der Produktion hinterherhinken. Bestellt man derzeit bei Trigema eine Atemschutzmaske, beträgt die Lieferzeit aktuell Mai 2020. Das dürfte nicht besser werden, sollte es auch in anderen Bundesländern wie Baden-Württemberg zu einer Maskenpflicht kommen.

Schon jetzt haben Altenheime, Bestattungsunternehmen und Klinikpersonal im Hohenlohekreis zu wenig Schutzausrüstung (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/2020/04/15/verstorbene-hochinfektioes-nur-noch-1-friedhofsblaeser-erlaubt-kuenzelsauer-bestatter-berichten/ . Hier fehlen unter anderem hochwertige Schutzmasken, die bei einem ständigen Umgang mit Covid-Patienten dringend geboten wären. So reicht laut Experten eine normale klinische Schutzmaske nicht aus, sondern es sollten FFp2-/FFP-3-Masken, wenn nicht sogar Komplettvisiere oder ein Komplettkopfschutz getragen werden, um eine Covid-19-Ansteckung bestmöglich zu verhindern (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/2020/04/14/taucherhelm-aus-stoff-hohenlohe-ingenieursteam-entwickelt-mit-hiesigen-firmen-schutzausruestung-fuer-medizinisches-personal-und-pflege-gewoehnliche-masken-nicht-ausreichend/). Firmen wie Berner und Ziehl-Abegg spenden Schutzausstattung und dennoch reicht es nicht für jeden, der sie bräuchte im Gesundheitswesen.

Eine Mitarbeiterin einer hiesigen Klinik berichtet gegenüber GSCHWÄTZ, dass Einwegmaterialien wegen eines Mangels teilweise mehrfach verwendet werden und Schutzausrüstung von den Mitarbeitern selbst organisiert werden müsse (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/2020/04/19/sehr-viele-patienten-kommen-aus-dem-krankenhaus-in-oehringen-klinik-mitarbeiterin-ueber-corona-alltag-auf-der-intensivstation/ )

Brigitta H: „Leider muss man auch hier sagen, dass wir uns da zum größten Teil selbst organisiert haben, um Schutzausrüstung zu bekommen. Eine Kollegin hat durch ihren Ehemann Kontakte zu einer Firma in Düsseldorf. Sie ist dann persönlich dort hingefahren, um die Schutzausrüstung abzuholen. Das war nur durch diesen Kontakt möglich. Von den Fachkräften für Hygiene gibt es die Order, dass wir Materialien, die eigentlich zum einmaligen Gebrauch gedacht sind, mehrfach verwenden müssen. Dazu gehören auch die FFP-2-Masken, die man zum Schutz über Nase und Mund trägt. Würden wir das nicht tun, hätten wir wahrscheinlich schon lange keine Schutzkleidung mehr.

Exorbitanter Maskenverschliss – Ärzte wenden Backofenmethode an

Niedernhalls Stadtverwaltung hat bereits vor geraumer Zeit seine Bürger dazu aufgerufen, 4.000 Schutzmasken zu nähen https://www.gschwaetz.de/2020/04/07/landratsamt-empfiehlt-mund-nasen-schutz-in-der-oeffentlichkeit-landfrauen-naehen-1-500-schutzmasken-fuer-pflegeheime-auch-niedernhaller-haben-ihre-ersten-schutzmasken-fertig/, wobei die selbst genähten Schutzmasken laut Experten nicht so gut schützen wie klinische Masken. Dennoch: Wenn jeder eine Maske trägt ist der Schutz besser als gar nichts. Der Vorteil gegenüber den klinischen Einwegmasken: Selbst genähte Masken kann man waschen und mehrfach verwenden. Die FFP2/FFP3-Masken kann man ebenfalls mehrfach verwenden, da man diese einfach in den Backofen zur Virenabtötung stecken kann. Auch hiesige Ärzte wenden diese Backenofenvirenabtötigung bei ihrer Maske derzeit an, um nicht einen exorbitanten Maskenverschleiss zu haben.

Preise mal kurz verzehnfacht

Will man sich als Privatmensch noch Masken sichern, sollte man schnell sein, denn die Preise steigen derzeit drastisch. Gab es vergangene Woche bei ebay noch 100 klinische Masken für rund 10 Euro, so kostet der gleiche Pack nun zwischen 100 und 150 Euro. Die Preise haben sich damit teilweise mehr als verzehnfacht. Die hochwertigeren FFP2-/FFP3-Masken gibt es ebenfalls noch, aber hier muss man mit Preisen für 30 Euro pro Maske rechnen. Auch bei Amazon findet man noch Masken.

Screenshot Verkauf Atemschutzmaske in ebay am 18. April 2020.

 

 




„Völlig unrealistisch“ – Können Autohersteller Beatmungsgeräte bauen? – Experte der Hochschule Heilbronn spricht Klartext

Die Hochschule Heilbronn hat angesichts der Coronapendemie ein Interview mit Patrick Balve, Professor für Logistikplanung und Organisation im Studiengang Produktion und Prozessmanagement (PPM) an der Hochschule Heilbronn (HHN), über die Herstellung von Beatmungsgeräten geführt.

HHN: Professor Balve, dass statt dem Pkw nun das Beatmungsgerät am Fließband gebaut wird, ist das denkbar?

Balve: Die Idee, dass jetzt Automobilhersteller binnen weniger Tage von der Montage eines Pkw auf Beatmungsgeräte umstellen könnten, ist völlig unrealistisch. Von der Geometrie und Größe sowie vom Fertigungsprinzip her, haben solche Geräte nichts mit Pkw zu tun. Möchte man einen Montagebereich auf ein grundlegend neues Erzeugnis umstellen, so gehen locker mehrere Monate ins Land. Und dann muss natürlich auch ein hohes, der Medizintechnik angemessenes Qualitätsniveau sichergestellt werden. Das braucht genauso viel Erfahrung wie bei der Herstellung eines Pkw – und damit Zeit. Sicherlich sinnvoll ist das Angebot der Automobilhersteller, oder auch der Zulieferindustrie, qualifiziertes Personal bereit zu stellen.

„Man braucht Vorlaufzeit, um die Montage und angrenzende Bereiche neu auszurichten.“

HHN: Sie lehren im Studiengang Produktion und Prozessmanagement – sind also ein wahrer Fachmann, wenn es ums Thema Produzieren geht. Warum können etablierte Hersteller solcher Geräte nicht einfach mehr herstellen?

Balve: Selbst führende Unternehmen mit einer beherrschten und eingeschwungenen Fertigung von Beatmungsgeräten können ihre Fertigungskapazität nicht ohne weiteres verdoppeln oder gar verdreifachen. Kurzfristig ginge das natürlich mit der Stammmannschaft durch Einführen zusätzlicher Schichten unter Ausnutzung der jeweiligen Arbeitszeitregelungen. Nicht jede Fertigungsstruktur ist aber geeignet, gleichzeitig auch höhere Stückzahlen zu verkraften. Damit wären wir wieder bei dem Problem, dass man Vorlaufzeit braucht, um die Montage und angrenzende Bereiche neu auszurichten. Und schließlich darf man nicht vergessen, dass wir ganze Zulieferketten auf die dann sprunghaft angestiegenen Bedarfe an Rohmaterialien, Teile und Vorkomponenten anpassen müssten. Als Ausweg könnte man zwar die Fertigung von Teilen im 3-D-Druck-Verfahren sehen – und auch dazu gibt es ja in der Region entsprechende Hilfsangebote – aber das betrifft nur ausgewählte Teile eines durchaus komplexen Beatmungsgeräts.

„Ganz ohne Nähmaschine, Betriebsmittel und entsprechende Textilien wird es nicht gehen.“

HHN: Stichwort Schutzausrüstung. Käme hier eine Produktion in Frage?

Balve: Was Firmen der Region anbieten, ist ja zunächst einmal die Bereitstellung von Atemschutz und Schutzkleidung. Beides wird aufgrund der häufig runtergefahrenen Produktion in den entsprechenden Betriebsbereichen vorübergehend nicht benötigt. Hier wird man aber nur die Mengen zu Verfügung stellen, die man in Übermaß auf Lager hat ohne dabei seine Möglichkeiten einzuschränken, in ein paar Wochen die Produktion wieder hochfahren zu können. Was die echte Herstellung von Filtermasken und Schutzkleidungen anbetrifft, da bin ich sicherlich kein Experte für, aber ganz ohne Nähmaschine, Betriebsmittel und entsprechende Textilien und Fasermaterialien wird es wohl nicht gehen, womit wir leider wieder bei der Beschaffungsproblematik wären.

Mit rund 8.400 Studierenden ist die Hochschule Heilbronn eine der größten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg. Ihr Kompetenz-Schwerpunkt liegt auf den Bereichen Technik, Wirtschaft und Informatik. An vier Standorten in Heilbronn, Heilbronn-Sontheim, Künzelsau und Schwäbisch Hall bietet die Hochschule mehr als 50 Bachelor- und Masterstudiengänge an. Die Hochschule pflegt enge Kooperationen mit Unternehmen aus der Region und ist dadurch in Lehre, Forschung und Praxis sehr stark vernetzt.

Quelle: Das Interview wurde von der Pressestelle der Hochschule Heilbronn zur Verfügung gestellt.

Patrick Balve ist Professor für Logistikplanung und Organisation im Studiengang Produktion und Prozessmanagement (PPM) an der Hochschule Heilbronn (HHN). Foto HHN

 




Künzelsau: „Wir wollen präsent sein“ – Hohenlohe4future melden sich am 24. April in Künzelsau und Öhringen zurück

Durch die Corona-Pandemie finden die Demonstrationen der die Fridays-for-future-Bewegung (fff) derzeit nur noch im Netz statt. Bereits seit längerer Zeit plante die fff-Bewegung am 24. April 2020 die nächsten Demonstrationen auf den Straßen weltweit. Dann grätschte die Corona-Pandemie dazwischen. Doch das Engagement gegen den Klimawandel geht weiter. Wir sprachen mit Vertretern von Hohenlohe4future (Hff) in Künzelsau.

GSCHWÄTZ: Wie viele Menschen sind bei Hohenlohe4future aktiv, in welchem Alter und von welchem Wohnort?

Hff: Wir sind zirka 15 Personen, die den „harten Kern“ bilden und die sich regelmäßig treffen und die Aktionen planen und das weitere Vorgehen besprechen. Viele weitere fleißige Hände helfen uns dann aber bei den Durchführungen und beim Bewerben. Die meisten sind aus Künzelsau und den umliegenden Gemeinden, einige aus dem Jagsttal und einige wenige aus Öhringen. Die Altersspanne ist dabei ziemlich groß, sie reicht von SchülerInnen 17 Jahre, bis hin zu RenterInnen – es ist also alles dabei.

GSCHWÄTZ: Gibt es angesichts der Coronapandemie noch konkrete Planungen für Aktionen am globalen Klimaaktionstag am 24. April 2020? Wenn ja, in welcher Form und wo?

Hff: Ja, die gab es. Allerdings ist die Planung im Moment bis auf weiteres auf Eis gelegt, was auch mit von den fridaysforfuture auf Bundesebene entschieden wurde. Es wird wegen der Coronakrise (leider) definitiv keine Demonstrationen an diesem Tag geben. Unsere Idee im Moment ist eine Informations- und Austauschveranstaltung zum Thema Klima und Nachhaltigkeit in der Künzelsauer Innenstadt. Wir möchten dazu eine Kombination aus wissenschaftlichen Informationen, Informationen darüber, was man selbst machen kann und Informationen darüber, was unsere Pläne als Hohenloheforfuture sind, präsentieren. Außerdem wollen wir nachhaltige Beispiele aufzeigen und dafür mit den Second-Hand-Läden und dem Weltladen zusammen auftreten. Da es in Öhringen eine Fridays-for-future-Grupppe gibt, die für dort etwas plant, werden wir wieder etwas in Künzelsau machen, so dass die For-future-Bewegung in zwei Städten im Hohenlohekreis präsent ist.

Wählen fff-Mitglieder automatisch grün?

GSCHWÄTZ: Sie sind engagiert im Klimaschutz. Wählen Sie dann automatisch auch grün oder anders formuliert: Spiegeln die Grünen die Ziele von fff wieder?

Hff: Die Bewegung an sich und auch wir positionieren uns zu keiner bestimmten Partei. Wir möchten viel mehr darauf aufmerksam machen, dass die Klimakrise ein Thema ist, das alle, egal zu welcher Partei man sich zugehörig fühlt, etwas angeht, da es unser aller Zukunft ist.

GSCHWÄTZ: In einer aktuellen Stellungnahme setzen Sie sich für ein „grüneres“ Künzelsau ein. Auch Ganerben-Achtklässler haben sich von Bürgermeister Stefan Neumann unlängst eine verstärkte Begrünung in Künzelsau bei einem Treffen im Rathaus gewünscht, unter anderem wünschen sie sich mehr Bäume am Wertwiesen, so dass hier ein Park entsteht, der grüner ist als jetzt. Gehen Ihre Gedanken in eine ähnliche Richtung?

Hff: Wie haben Anfang dieses Jahres Arbeitsgruppen gebildet und eine davon befasst sich mit dem Thema „Begrünung in der Stadt“, wo es unter anderem auch um solche Punkte geht.

GSCHWÄTZ: Was machen Sie privat, um „grüner“ zu leben?

Hff: Uns als Gruppe ist es auf jeden Fall wichtig, als gutes Beispiel voranzugehen. Natürlich gibt es dafür unterschiedliche Ansätze, die einen leben vegan oder vegetarisch, die anderen essen nur wenig Fleisch und die meisten achten dabei auch darauf, dass es biologische Lebensmittel sind. Viele von uns nutzen das Auto so wenig wie möglich, fahren mit den Zug in den Urlaub oder machen alle in alltäglichen Fahrten mit dem Fahrrad. Die einen kaufen nur second Hand, die anderen achten bei einer Neuanschaffung auf nachhaltig zertifizierte Kleidung und andere Gegenständen. Prinzipiell gilt hier natürlich immer die Frage: Brauche ich das? Kann ich mir das leihen? Kann ich mir das selber machen? Ein durchdachter und nachhaltiger Konsum ist uns wichtig. Ökostrom, Solathermie, Photovoltaik, grüne und blühende Gärten, all das kann man bei verschiedenen Mitgliedern unserer Gruppe finden. Trotzdem sind auch wir natürlich nicht perfekt und lernen immer Neues dazu und wollen und müssen uns auch noch weiterentwickeln.

Sind Elektroautos wirklich grüner?

GSCHWÄTZ: Es gibt Kritiker, die sagen, dass manche vermeintlich grünen Dinge nicht grün sind, im Gegenteil – etwa das Elektroauto und die Elektroroller, die letzten Endes die Umwelt ebenso belasten. Wie stehen Sie zu derartigen Aussagen? Ist Elektro der grüne Ausweg oder muss – wie an deren Bereichen auch – noch weiter an besseren grünen Technologien geforscht werden?

Hff: Prinzipiell ist der individuelle Verkehr an sich nicht unbedingt die „grüne“ Lösung, egal ob Elektro- oder Verbrennermotor. Auf jeden Fall muss weiter geforscht werden, da es bestimmt in Zukunft auch weiterhin Autos geben wird. Trotzdem muss zusätzlich eine Verkehrswende stattfinden, hin  zu einem Punkt, an dem so wenig Auto wie möglich gefahren wird. Ausgebaute Rad- und Fußwege müssen das Radfahren und Laufen wieder attraktiver machen. Genauso müssen die öffentlichen Verkehrsmittel attraktiver werden, in dem dieser, vor allem auf dem Land, weiter ausgebaut wird und die Preise günstiger werden. Ansonsten müssen Konzepte wie Carsharing, Ridesharing und Mitnahmenetzwerke weiter wachsen, damit auch diese mehr beziehungsweise überhaupt genutzt werden.

Klimaschutz in Hohenlohe im Jahr 2020

Anbei veröffentlichen wir eine Presseerklärung von Hohenlohe4future zum Thema Klimaschutz in Hohenlohe im Jahr 2020:

„Zu Beginn des Jahres 2020 könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Klimaschutzbewegung schon wieder auf dem Rückzug ist. Die Freitagsdemonstrationen der Fridays-for-future-Bewegung machen keine Schlagzeilen mehr, weil sie nicht mehr mit derselben Intensität wie im vergangenen Jahr stattfinden und derzeit andere Themen in den Vordergrund gerückt sind.

In Hohenlohe hat sich jedoch eine stabile Gruppierung unter der Überschrift „Hohenlohe4future“ gebildet, die sowohl in Öhringen als auch Künzelsau aktiv ist. Die Gruppenmitglieder sind untereinander bestens vernetzt.

Gespräche mit Bürgermeister Neumann – Konzepte aktiv umsetzen

In Künzelsau besteht die Gruppe aus zirca 15 Teilnehmern, die sich regelmäßig, etwa alle drei Wochen treffen, um Konzepte und Aktivitäten zu diskutieren und zu planen. So fand bereits ein sehr erfolgreiches Gespräch mit dem Künzelsauer Bürgermeister Neumann statt, in dem deutlich wurde, dass die Stadtverwaltung Künzelsau und Hohenlohe4future grundsätzlich an einem Strang ziehen. Auch wenn allen bewusst ist, dass für einige Veränderungen auf jeden Fall Zeit und Engagement nötig sein wird, ist die Bereitschaft groß, sich aktiv für eine bessere Zukunft für alle Hohenloher und die nachfolgenden Generationen einzusetzen. Die Hohenlohe4future-Mitglieder sehen sich hier in der Rolle der aktiven Bürgerinnen und Bürger, die nachfragen, Konzepte vorlegen und auch bereit dazu sind, bei der Umsetzung aktiv mitzuhelfen.

Bei Hohenlohe4future in Künzelsau werden derzeit folgende Themen in Arbeitsgruppen vertieft: Radfahren in Künzelsau und Hohenlohe, Mobilität in Hohenlohe, Begrünung und Mikroklima in der Stadt, Landwirtschaft und Ernährung.

Darüber hinaus unterstützen die Erwachsenen von Hohenlohe4future alle Jugendlichen und Schüler, die sich für Klimaschutz engagieren und eigene Aktionen planen.

Wer aktiv mitwirken möchte bei Hohenlohe4future kann sich an folgende Kontaktadresse wenden: kuenzelsau@parentsforfuture.de

 

 

 




Schwerer Unfall auf der A6: Hubschrauber im Einsatz

Am Sonntag, den 19. April 2020 gegen 19 Uhr kam es auf der A6 zwischen Nürnberg und Heilbronn auf Höhe Feuchtwangen-Nord und Kreuz Feuchtwangen/Crailsheim zu einem Unfall mit Verletzten.
Die Fahrbahn wurde auf einen Fahrstreifen verengt, es gab eine Unfallaufnahme auf dem rechten Fahrstreifen. Ein Rettungshubschrauber war laut Augenzeigen im Einsatz.



Ab sofort 1,99 Euro monatlich für GSCHWÄTZ – Warum?

Kennen Sie den Witz: Sagt der eine zum anderen: „Kann jeder Journalist werden?“ Antwort der andere: „Klar. Und mit diesem schönen Messerset kann auch jeder Chirurg werden.“

So einfach ist es eben dann doch nicht. Journalismus ist nicht einfach nur irgendetwas bloggen. Journalismus ist in erster Linie Handwerk. Dazu gehört zunächst die Recherche. Beim Lokaljournalismus, so wir wir ihn uns für den Hohenlohekreis auf die Fahnen geschrieben haben, sollten gute Journalisten nah am Volk sein, rausgehen, mit den Bürgern sprechen, wissen, was die Menschen bewegt, was vor Ort geschieht. Interviews mit Betroffenen jedweder Couleur führen und am Ende aus den gewonnen Eindrücken einen unabhängigen Artikel schreiben, analysieren, kommentieren anhand von Fakten – nicht durch Anzeigen verzahnt mit der Politik und/oder Wirtschaft, über die sie schreiben.

Als wir 2016 GSCHWÄTZ ins Leben gerufen haben, war dies unser Anspruch und ist es bis heute geblieben. Wir haben deshalb auf Werbepartnerschaften mit Google, lokalen Firmen und stattlichen Institutionen verzichtet. Auf unserer Internetseitseite poppen nicht unzählige Werbeanzeigen auf, wodurch man beim Lesen manchmal gar nicht mehr weiß, wo der Artikel weitergeht. Auf unserer Internetseite gibt es Lokaljournalismus pur, von hier. Unabhängig, kritisch. Alles unter der großen Frage: Was bedeutet das für mein Ländle? Wir sind da. Wir sind vor Ort. Und wir schreiben im Interesse der Menschen, die hier leben, stets auf der Suche nach der Wahrheit.

Entscheiden Sie selbst, ob Sie den Lokaljournalismus vor Ort mit 1,99 Euro monatlich unterstützen möchten, damit er auch weiterhin stark bleibt.

Wir sagen schon mal DANKE.

Ihr GSCHWÄTZ-Redaktionsteam




„Sehr viele Patienten kommen aus dem Krankenhaus in Öhringen“ – Klinik-Mitarbeiterin über Corona-Alltag auf der Intensivstation

In einem Interview mit GSCHWÄTZ berichtet eine Pflegefachkraft für Anästhesie- und Intensivmedizin wie sich derzeit ihr Berufsalltag in der Coronapandemie darstellt. Brigitta H. (der Name wurde auf Wunsch geändert) arbeitet in einer Klinik in Baden-Württemberg. Sie ist seit über 20 Jahren auf Intensivstationen mit Beatmungsplätzen tätig, doch eine solche Situation hat sie noch nicht erlebt.

Covid-Patienten lassen sich schwieriger beatmen

Es kämen auch in anderen Jahren Patienten durch Folgen einer saisonale Grippe auf Intensivstation, aber nicht in der Häufigkeit wie zur Zeit. Brigitta H. erklärt weiter, dass der Anteil an Patienten, die beatmet werden müssen und das mit teils schweren Verläufen, deutlich höher ist als zu anderen Zeiten einer saisonalen Grippe. Die Patienten mit Covid-19 lassen sich zudem sehr viel schwieriger beatmen. Sie müssten unter der Beatmung oft in Bauchlage gebracht werden. Bei schweren Verläufen einer normalen Grippe kann man gut beobachten, dass diese Patienten von einer solchen Bauchlagerung unter der Beatmung schnell profitieren, dass dauert bei Patienten mit Covid-19 sehr viel länger.

GSCHWÄTZ-Mitarbeiterin Carla Mosel hat Brigitta H. einige Fragen gestellt, wie die derzeitige Situation auf ihrer Intensivstation ist.

Mitarbeiter haben ihre Schutzkleidung selbst organisiert

GCHWÄTZ: Wie sieht Ihr Alltag im Moment aus und reicht das Pflegepersonal auf Ihrer Intensivstation?

Brigitta H.: Das Personal mit entsprechendem Fachhintergrund reicht keineswegs aus. Die Besetzung in den einzelnen Schichten ist zum Teil um 50 Prozent geringer als das eigentlich der Fall ist und das bei voller Belegung der Intensivstation. Derzeit besteht mein Alltag auch viel daraus, dass ich Hilfskräfte einlernen muss, die uns dann hauptsächlich bei der Körperpflege der Patienten unterstützen können. Das kostet natürlich auch wieder Zeit. Unsere Übersunden sind in den letzten vier Wochen in die Höhe geschellt. Ich hätte eigentlich derzeit eine Woche Urlaub gehabt, den ich aufgrund der jetzigen Situation aufgegeben habe. Wenn auch andere Kollegen nicht solche Entbehrungen bringen würden, wäre eine qualifizierte Versorgung der Patienten gar nicht möglich. Aus dem Grund wurden auch Kollegen auf Intensivstation zurückgeholt, die eigentlich in anderen Bereichen arbeiten und das teilweise schon sehr lange.

GCHWÄTZ: Steht Ihnen und Ihren Kollegen ausreichend Schutzkleidung zur Verfügung?

Brigitta H.: Leider muss man auch hier sagen, dass wir uns da zum größten Teil selbst organisiert haben, um Schutzausrüstung zu bekommen. Eine Kollegin hat durch ihren Ehemann Kontakte zu einer Firma in Düsseldorf. Sie ist dann persönlich dort hingefahren, um die Schutzausrüstung abzuholen. Das war nur durch diesen Kontakt möglich. Von den Fachkräften für Hygiene gibt es die Order, dass wir Materialien, die eigentlich zum einmaligen Gebrauch gedacht sind, mehrfach verwenden müssen. Dazu gehören auch die FFP-2-Masken, die man zum Schutz über Nase und Mund trägt. Würden wir das nicht tun, hätten wir wahrscheinlich schon lange keine Schutzkleidung mehr.

Pizza vom Lieferservice

GSCHWÄTZ: Wie ist die Stimmung auf Ihrer Station?

Brigitta H.: Derzeit haben wir noch eine relativ gute Stimmung, da man sich gegenseitig motiviert. Schön ist auch zu sehen, dass Angehörige und auch Leute aus der Bevölkerung es einem danken. Wir bekommen im Moment einfach mal vom Lieferservice Pizza gebracht, die Angerhörige bestellt haben. Da geht es uns ja nicht um die Pizza an sich, es ist aber schön zu sehen, dass unsere Arbeit während der Coronakrise wertgeschätzt wird.

GSCHWÄTZ: Reichen die Intensivplätze und die Beatmungsgeräte aus?

Brigitta H.: Derzeit ja. Wir bekommen Patienten mit Covid-19 hauptsächlich aus umliegenden Krankenhäusern. Sehr viele Patienten kommen aus dem Krankenhaus in Öhringen. Diese Patienten wurden dort meistens schon zwei bis drei Tage auf der dortigen Intensivstation behandelt und kommen oft in einem kritischen Zustand zur weiteren Beatmung und Therapie.

Auch positiv getestete Mitarbeiter müssen zur Arbeit erscheinen

GSCHWÄTZ: Sind auch bei Ihnen Ärzte und Pflegekräfte persönlich von Covid-19 betroffen?

Brigitta H.: Das bleibt in einer solchen Situation gar nicht aus.

Wir haben ein Schreiben vom RKI (Robert Koch Institut) erhalten, aus dem klar hervor geht, dass auch positiv getestete Mitarbeiter erst dann nicht mehr zur Arbeit kommen dürfen, wenn sie selbst Symptome zeigen. Das finde ich persönlich nicht in Ordnung, da man dennoch Multiplikator ist und den Virus dadurch weitergeben kann.

GSCHWÄTZ: In den Medien und sozialen Netzwerken liest man immer wieder, dass viele Pflegekräfte derzeit Minusstunden machen. Wie ist das zu erklären, wenn doch im Augenblick jede Pflegekraft benötigt wird?

Brigitta H.: Man kann eine Abteilung wie die Intensivstation nicht mit einer normalen, oder wie wir sagen, peripheren Station vergleichen. Auf einer Intensivstation gibt es neben den Beatmungsgeräten jede Menge anderer Geräte, deren Umgang nicht so einfach ist. Dazu benötigt man viele Jahre Erfahrung und eine entsprechende Weiterbildung und Schulungen. Die peripheren Stationen sind im Moment sehr leer, dass ist korrekt. Zum einen wurden aufgrund der Verordnung der Länder und des Bundes alle geplanten Eingriffe verschoben und zum anderen empfiehlt es sich im Moment auch nicht ins Krankenhaus zu gehen, wenn dass nicht unbedingt nötig ist. Dazu muss man wissen, dass sehr viele chronisch kranke Patienten ja generell zur Risikogruppe gehören. Aus den Gründen hat man derzeit einen Mangel an Pflegekräften auf Intensivstation und Pflegekräfte von peripheren Station haben keine Arbeit.

Ein Facharzt für Innere Medizin kann auch keine Operation durchführen, die sonst ein Chirurg macht. Es ist also leichter gesagt als getan, dass man einfach Kollegen von peripheren Stationen auf die Intensivstation setzt, um dort Patienten mit Beatmung zu versorgen. Hier hat man in der Politik in den letzten Jahren einfach zu wenig getan, denn Personalmangel in der Pflege ist keinesfalls erst ein Thema seit es Corona gibt.

GSCHWÄTZ: Frau H., abschließend noch eine Frage an Sie. Was  würden Sie Herrn Spahn sagen, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten?

Brigitta H.: Dazu muss man erst einmal sagen, dass unser Gesundheitssystem in den letzten Jahren systematisch kaputt gemacht wurde. Es werden jetzt Versprechungen und Beteuerungen gemacht, die nach Corona sicher alle wieder schnell vergessen sind.

Ich würde Herrn Spahn aber eine Frage stellen: Möchten Sie derzeit Patient auf einer Intensivstation sein, wo angelernte Hilfskräfte mit mangelhafter Schutzausrüstung Intensivpatienten betreuen?

Frau Brigitta H., vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview führte Carla Mosel