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Krautheim: Deutlich alkoholisiert mit dem Roller unterwegs

In der Krautheimer Innenstadt stellten die Beamten des Polizeireviers Künzelsau laut einer Pressemitteilung der Polizeidirektion Heilbronn am Montagabend, den 20. April 2020, gegen 18.00 Uhr, einen betrunkenen Mann fest, der mit seinem Moped unterwegs war. Eine vor Ort durchgeführter Alkoholtest ergab, dass der 58-Jährige mit deutlich über einem Promille unterwegs war. In der Folge wurde ihm eine Blutprobe entnommen. Eine Anzeige wegen Trunkenheit im Straßenverkehr folgt.




Brand eines Mehrfamilienhauses in Ohrenbach – Feuerwehr Künzelsau rückt mit mehr als 30 Mann aus – Straße über mehrere Stunden blockiert

Am Dienstag, den 21. April 2020, gab es einen Schwelbrand  in der Dachisolierung eines Mehrfamilienhauses in Künzelsau-Ohrenbach. Die Feuerwehr Künzelsau war laut eigenen Angaben mit 30 bis 35 Mann, unter anderem mit zwei Atemschutztrupps, vor Ort. ÜDas Feuer war laut der Polizei gegen 14.30 Uhr gemeldet worden. Über mehrere Stunden am Nachmittag war die Büttelbronner Straße durch die Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr, der Polizei und des Deutschen Roten Kreuzes blockiert. Verletzt wurde niemand.

Kreisbrandmeister Torsten Rönisch erklärte gegen 16 Uhr gegenüber GSCHWÄTZ, dass die Brandursache noch unklar sei. Er führte näher aus, dass das Dach nun teilweise abgedeckt werden müsse, um zu prüfen, wie weit es hochgebrannt habe. Danach werde es wieder zugedeckt. Gegen 16 Uhr rauchte es noch unter den Dachziegeln hervor.

Am Gebäude entstand laut der Polizei ein Schaden von rund 20.000 Euro. Helfer vor Ort meinten gegenüber GSCHWÄTZ, dass es ein Glück war, dass dieser Schwelbrand tagsüber ausgebrochen sei. Nachts sei die Chance geringer, dass man ihn rechtzeitig bemerkt hätte.

Die Polizei schickte unterdessen laut eigenen Angaben mehrere Schaulustige nach Hause, die gegen die aktuell geltende Corona-Verordnung verstießen.

Mehrere Feuerwehrautos waren vor Ort. Foto: GSCHWÄTZ

 

Feuerwehr mit Atemschutzmaske. Foto: GSCHWÄTZ

Kreisbrandmeister Torsten Rönisch

 

Dieses Mehrfamilienhaus (rechts) war im oberen Dachgeschoss von einem Schwelbrand betroffen. Foto: GSCHWÄTZ

Auch das Deutsche Rots Kreuz war vor Ort. Verletzt wurde aber niemand. Foto: GSCHWÄTZ




++++ Eilmeldung: Maskenpflicht in Baden-Württemberg ab 27. April ++++

Laut einer aktuellen Mitteilung des Nachrichtensenders ntv gibt es ab Montag, den 27. April 2020, eine Maskenpflicht in Baden-Württemberg. Die Schutzmasken müssen nicht überall getragen werden, die Maskenpflicht ist zunächst beschränkt auf den Einzelhandel und öffentlichen Nahverkehr.




Bundestag prüft Verfassungsmäßigkeit einer Vermögensabgabe zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie

Wird es nun zu einer Vermögensabgabe wie nach den ersten beiden Weltkriegen kommen? https://www.diw.de/de/diw_01.c.412461.de/presse/glossar/vermoegensabgabe.html

Auf der Internetseite des Bundestages ist derzeit ein Dokument einsehbar, dass den Namen trägt: „Verfassungsmäßigkeit einer Vermögensabgabe zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie“. Erstellt wurde es von den Wissenschaftlichen Diensten des Bundestages. Ein Erstellungsdatum ist nicht ersichtlich. https://www.bundestag.de/resource/blob/691376/2feb28d7057bf918bd18254ab06d95ad/WD-4-041-20-pdf-data.pdf

Notlage des Staates

In dem Dokument heißt es: „Der folgende Sachstand befasst sich mit der Möglichkeit der erneuten Einführung einer einmaligen Vermögensabgabe zur teilweisen Finanzierung der Corona-Krise. Auf diese Weise könnten Wohlhabende durch einmalige Zahlungen zur Refinanzierung des Staates herangezogen werden.“ Eine erste rechtliche Einordnung habe laut den Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages eine Rechtmäßigkeit einer solchen Abgabe ergeben. Allerdings müsse sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen.

Es werde „eine existenzbedrohende finanzielle Notlage des Staates vorausgesetzt“ wird, in der weder eine Steigerung der Einnahmen aus den übrigen Steuern noch eine Ausweitung der Kreditaufnahme oder eine entsprechende Ausgabenkürzung möglich ist. Wann eine solche finanzielle Notlage besteht, ist eine Frage des Einzelfalls und wurde von den beiden Autoren nicht abschließend geklärt. Zu beachten ist jedoch, dass allein die Tatsache, dass die Grenzen der Steuerbelastung und der Kreditaufnahme erreicht sind, nicht ausreichend ist. Vielmehr wird im Ergebnis gefordert, dass es sich um ein Ereignis handelt, das in seinen außerordentlichen Finanzwirkungen vermutlich nicht nochmals auftreten wird.“

Vor der Coronakrise stand der Staat laut dem Dokument sehr gut da. So heißt es: „Seit 2014 bis jetzt musste der Bund keine neuen Kredite aufnehmen. Der Überschuss des Bundesbetrug am Ende des Jahres 2019 13,3 Milliarden Euro. Die Verschuldung Deutschlands in Prozent des Bruttoinlandsprodukts gemäß des Maastricht-Vertrages wurde seit 2012 kontinuierlich von 80,7 Prozent auf 60,9 Prozent im Jahr 2018 zurückgeführt.

Zur Bewältigung der Kosten der Corona-Pandemie hat der Deutsche Bundestag nun einen Nachtragshaushalt für 2020 mit einer Nettokreditaufnahme in Höhe von 155,987 Milliarden Euro beschlossen. „Die Corona-Pandemie stelle eine außergewöhnliche Notsituation dar, die sich der Kontrolle des Staates entziehe und die staatliche Finanzlage erheblich beeinträchtige. Deshalb sei im Jahr 2020 eine Überschreitung der zulässigen Kreditobergrenze gemäß Art. 115 des Grundgesetzes geboten.

Wie lange hält Deutschlands Wirtschaft einen Shut-down durch?

Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung zeigt sich auch beim Ökonomenpanel auf die Frage, wie lange Deutschland den gegenwärtigen Shutdown durchhalten kann, bevor das Risiko einer wirtschaftlichen Destabilisierung zu groß wird. Im Durchschnitt ergebe sich aus den Einschätzungen der teilnehmenden Ökonomen ein Zeitraum von maximal 11 Wochen, die Schätzungen variierten aber wegen der großen Unsicherheiten und der Unmöglichkeit einer seriösen Berechnung von 0 bis 50 Wochen, wobei 95 Prozent zwischen 0 und 24 Wochen lägen.

 

 




Künzelsau: Einbruch in Baustoffhandel

Einige Elektrogeräte und Werkzeuge wurden in der Zeit von Freitagabend, den 17. April 2020, 18.30 Uhr, bis Samstagmorgen, den 18. April 2020, 07.15 Uhr, aus einem Baustoffhandel in der Gaisbacher Straße in Künzelsau gestohlen. Unbekannten Tätern gelang es die Eingangstüre aufzuwuchten. Neben einem geringen Geldbetrag entwendeten die Einbrecher mindestens 18 Elektrogeräte wie z.B. Akku-Bohrer, Akku-Winkelschleifer. Ebenso stahlen sie diverses Werkzeug. Der Wert der entwendeten Geräte und Werkzeuge beträgt mehrere tausend Euro. Die Höhe des angerichteten Sachschadens kann noch nicht beziffert werden. Zeugen, welche verdächtige Beobachtungen im Bereich der Gaisbacher Straße gemacht haben, werden gebeten, sich mit dem Polizeirevier Künzelsau, Telelefon: 07940/9400, in Verbindung zu setzen.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn




Landrat Neth warnt: „Falls sich die Verdopplungszeiten wieder verschlechtern sollten, wäre alles verloren, was wir in den letzten Wochen erreicht haben“

Das Landratsamt Hohenlohekreis begrüßt die Änderungen der Corona-Verordnung Baden-Württemberg, die seit Montag, den 20. April 2020, gelten. Gleichzeitig, so warnt Landrat Dr. Matthias Neth in einer Pressemitteilung des Landratsamtes, berge jede Lockerung ein Risiko.

Die Landesregierung hat Regelungen zur schrittweisen Öffnung von Einzelhandel und weiteren Einrichtungen beschlossen. Vorangegangen waren bundesweit positive Entwicklungen in der Statistik. Das stimmt Landrat Dr. Matthias Neth laut der Mitteilung optimistisch: „Diese Lockerungen stellen einen ersten Schritt auf dem Weg zurück in ein Stück Normalität dar. Das vorbildliche Verhalten der Bürgerinnen und Bürger in den letzten Wochen zeigt jetzt Wirkung und wird belohnt.“

Obwohl durch die getroffenen Maßnahmen vorerst Schlimmeres verhindert werden konnte, kann keine Entwarnung gegeben werden. Deshalb ist es wichtig, auf die jetzt geltenden Lockerungen besonnen und mit Augenmaß zu reagieren. „Falls sich die Verdopplungszeiten wieder verschlechtern sollten, wäre alles verloren, was wir in den letzten Wochen erreicht haben“, so Neth.

Die Kreisverwaltung empfiehlt dringend das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung in der Öffentlichkeit, auch wenn derzeit keine Maskenpflicht für Baden-Württemberg besteht. Insbesondere im Nahverkehr oder beim Einkauf hilft der Träger einer Maske, seine Mitmenschen zu schützen. Landrat Dr. Matthias Neth appelliert an die Bevölkerung: „Ich bitte Sie, tragen Sie eine Maske und halten Sie Abstand. So zeigen Sie auch weiterhin besonderes Verantwortungsbewusstsein und Solidarität, und dafür danke ich Ihnen.“

Weil Schutzmasken derzeit knapp sind und vor allem dem medizinischen Personal vorbehalten sein sollen, entstehen viele kreative Ideen für Behelfsmasken. Diese sogenannten Alltags- oder Community-Masken können beispielsweise selbst genäht werden. Im Internet finden sich dazu zahlreiche Anleitungen, so auch auf der Homepage des Kreislandfrauenverbandes unter www.landfrauen-hohenlohe.de.

Quelle: Landratsamt Hohenlohekreis




Professor: Pandemieeindämmung nur durch „Fortführung oder sogar eine Verschärfung der Restriktionen für ein bis zwei Monate“ möglich

Nach dem Max-Planck-Institut und der Leopoldina hat in der letzten Woche auch das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) eine Forschungsarbeit zur weiteren Entwicklung der Corona-Epidemie vorgelegt: https://www.helmholtz-hzi.de/de/aktuelles/news/news-detail/article/complete/es-ist-zu-frueh-restriktionen-zu-lockern/

Im Gegensatz zu den beiden anderen Institutionen, die sich vornehmlich auf die vom Robert-Koch-Institut veröffentlichten Infiziertenzahlen beziehen und damit durch die bekannten Erfassungsungenauigkeiten (GSCHWÄTZ berichtete) die zukünftige Entwicklung eher unterschätzen, hat das HZI in seinen Prognosen zwei andere Datensätze berücksichtigt:
Zum einen die von den Krankenhäusern selbst gemeldete Belegung der Intensivbetten, zum anderen die Reproduktionszahl, das ist grob gesprochen die Anzahl der Personen, die ein Infizierter während seiner Krankheitsphase selber ansteckt.

Jede Entscheidung kann nun drei Szenarien auslösen

Die Analyse des HZI hat ergeben, daß die Reproduktionszahl in den letzten Wochen durch die angeordneten Maßnahmen kontinuierlich gesunken ist und zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bei etwa bei eins lag, das heißt, jeder Infizierte steckt eine weitere Person an. Zu Beginn der Pandemie ging man von drei bis vier Ansteckungen pro Infiziertem aus. Die Anzahl der Infizierten bleibt also im Wesentlichen konstant, das Gesundheitssystem kann die schweren Fälle weiterhin behandeln, ohne zusammenzubrechen. Seit der Veröffentlichung gibt es Hinweise darauf, daß die Reproduktionszahl nochmals leicht gesunken ist.

Das HZI sagt sehr deutlich, dass wir bei dieser Epidemie nicht nur jetzt , sondern bei jeder neuen Entscheidung am Scheidepunkt stehen, von wo aus es drei Szenarien gibt:

(A) Unkontrollierte Epidemie mit einer erheblicher Anzahl von Todesfällen und einem überlasteten Gesundheitssystem

(B) Langfristig andauernde Infektionen, die aber mit dem Gesundheitssystem bewältigt werden können

(C) Weitgehende Eindämmung der Epidemie

 „Eine Freigabe würde eine humanitäre Katastrophe bedeuten“

Würden wir jetzt radikal die Einschränkungen lockern, wie es von einigen sogar gefordert wird, kämen wir sehr schnell dazu, dass das Gesundheitssystem völlig überlastet wäre, warnt das HZI: „Stiege die zeitabhängige Reproduktionszahl des Virus wieder auf ihren Wert von vor einer Woche oder vor zehn Tagen, läge die Zahl der Intensivpatienten innerhalb weniger Monate in den Hunderttausenden und das Gesundheitssystem wäre komplett überfordert.“ Die Folgerung ist: „Eine Freigabe würde eine humanitäre Katastrophe bedeuten“

Keine Immunisierung der Bevölkerung zu erreichen

Bei einer Reproduktionszahl von ungefähr eins, wie sie durch die Maßnahmen inzwischen erreicht ist, „wären deutschlandweit auf ein ganzes Jahr dauerhaft Intensivbetten in der Größenordnung von zehntausend mit COVID-19-Patienten belegt. Laut Meyer-Hermann könne das Gesundheitssystem diese Situation gerade so verkraften, bei dieser Rate wäre jedoch nach einem Jahr nur etwa ein Prozent der Bevölkerung mit SARS-CoV-2 infiziert worden.“, so das HZI.

Professor Meyer-Hermann sagt es deutlich: „Eine Immunisierung der gesamten Bevölkerung ist unter Einhaltung der Kapazitäten des Gesundheitssystems nicht zu erreichen“.
Er denkt sogar über verschärfte Restriktionen nach, um eine weitere deutliche Reduzierung der Reproduktionszahl zu erreichen: „Je weiter wir die Reproduktionszahl absenken können, desto schneller ist die Notsituation vorbei, was vielleicht sogar für strengere Maßnahmen spricht“. Dafür wäre aber laut Meyer-Hermann die Fortführung oder sogar eine Verschärfung der Restriktionen für weitere ein bis zwei Monate notwendig.

Das sind klare Worte eines Forschers, der sich unabhängig von politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten äußern kann.
Nach dieser Zeit wäre möglicherweise Szenario C erreicht. Damit wäre das Virus zwar nicht verschwunden, könnte aber mit klassischen Methoden verfolgt und eingedämmt werden. Die Kapazitäten und Methoden der Gesundheitsämter zur Nachverfolgung von Infektionsketten könnten bei einer Reproduktionszahl von 0,2 möglicherweise wieder ausreichen.

// Das Virus ist den Messmethoden stets zwei Wochen voraus //

Letzte Woche haben sich die Verantwortlichen aus wirtschaftlich-politischen Aspekten bewusst für das Szenario B entschieden, und das nicht einmal bundeseinheitlich: In jedem Bundsland gelten andere Bestimmungen. Die Strategie ist, den Reproduktionsfaktor bei eins oder knapp darunter zu halten bei gleichzeitiger schrittweiser Lockerung der Maßnahmen, um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Bleibt diese Entscheidung so bestehen und gelingt es , den Faktor bei eins zu halten, werden wir laut der Analyse des HZI dauerhaft, zumindest bis zur Entwicklung eines Impfstoffs für Gesunde oder der Einführung eines wirksamen Medikaments für Infizierte, um die 10.000 Intensivpatienten versorgen müssen.

Das Monitoring des Reproduktionsfaktors ist schwierig, da der Virus den Beobachtern stets 10 bis 14 Tage voraus ist. Das bedeutet, dass die Reproduktionszahl schnell und unbemerkt steigen könnte und wir wieder am Anfang stehen. So sieht es auch Prof. Meyer-Hermann, der bei Anne Will auf den schmalen Grat hinweist, auf dem wir uns mit der politischen Entscheidung bewegen: „“Die Kanzlerin hat es explizit gesagt: Der Spielraum ist extrem klein. Das waren ihre Worte und damit hat sie verdammt nochmal Recht. (…) Wir können nicht sagen, wir probieren mal alles aus, sondern müssen jeden Schritt genau gucken. Und der dauert zwei Wochen, bis man weiß, ob es ein Problem gibt oder nicht.“

Text: Matthias Lauterer

Mehr Informationen:

https://www.helmholtz-hzi.de/de/aktuelles/news/news-detail/article/complete/es-ist-zu-frueh-restriktionen-zu-lockern/

https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.04.04.20053637v1.full.pdf+html

 

Professor Meyer-Hermann war kürzlich zu Gast bei Anne Will. Quelle: Screenshot




Aktuell Ohrenbach Vollsperrung & kein Netz

Aktuell gibt es eine Vollsperrung kurz vor dem Künzelsauer Teilort Ohrenbach aus Richtung Amrichshausen kommend. Derzeit haben die Einwohner in diesem Teilort auch kein Netz, sprich, das Internet und auch telefonieren funktioniert aktuell nicht. Auf GSCHWÄTZ-Nachfrage repariert Netcom BW derzeit die Problematik.




„Leider muss man sagen…“ – Klinikpersonal muss Einwegmaterialien mehrfach benutzen & sich selbst Schutzausrüstung besorgen, derweil explodieren die Preise für Schutzmasken

In Bayern soll es ab dem 27. April 2020 eine Maskenpflicht geben. https://scontent-muc2-1.xx.fbcdn.net/v/t1.15752-0/p480x480/93840246_276336166864989_8783167038957813760_n.png?_nc_cat=103&_nc_sid=b96e70&_nc_ohc=9wLGQi096K8AX_TgNSd&_nc_ht=scontent-muc2-1.xx&oh=e82e1a6ecbb5d5041ccb698a75ee5fe0&oe=5EC27107

Demnach rüstet der Freistaat als östlicher Nachbar Baden-Württembergs mit Atemschutzmasken für die Bevölkerung auf. Die Nachfrage steigt und das Angebot der Schutzausrüstung geht weiter zurück, da die Hersteller nicht mit der Produktion hinterherhinken. Bestellt man derzeit bei Trigema eine Atemschutzmaske, beträgt die Lieferzeit aktuell Mai 2020. Das dürfte nicht besser werden, sollte es auch in anderen Bundesländern wie Baden-Württemberg zu einer Maskenpflicht kommen.

Schon jetzt haben Altenheime, Bestattungsunternehmen und Klinikpersonal im Hohenlohekreis zu wenig Schutzausrüstung (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/2020/04/15/verstorbene-hochinfektioes-nur-noch-1-friedhofsblaeser-erlaubt-kuenzelsauer-bestatter-berichten/ . Hier fehlen unter anderem hochwertige Schutzmasken, die bei einem ständigen Umgang mit Covid-Patienten dringend geboten wären. So reicht laut Experten eine normale klinische Schutzmaske nicht aus, sondern es sollten FFp2-/FFP-3-Masken, wenn nicht sogar Komplettvisiere oder ein Komplettkopfschutz getragen werden, um eine Covid-19-Ansteckung bestmöglich zu verhindern (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/2020/04/14/taucherhelm-aus-stoff-hohenlohe-ingenieursteam-entwickelt-mit-hiesigen-firmen-schutzausruestung-fuer-medizinisches-personal-und-pflege-gewoehnliche-masken-nicht-ausreichend/). Firmen wie Berner und Ziehl-Abegg spenden Schutzausstattung und dennoch reicht es nicht für jeden, der sie bräuchte im Gesundheitswesen.

Eine Mitarbeiterin einer hiesigen Klinik berichtet gegenüber GSCHWÄTZ, dass Einwegmaterialien wegen eines Mangels teilweise mehrfach verwendet werden und Schutzausrüstung von den Mitarbeitern selbst organisiert werden müsse (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/2020/04/19/sehr-viele-patienten-kommen-aus-dem-krankenhaus-in-oehringen-klinik-mitarbeiterin-ueber-corona-alltag-auf-der-intensivstation/ )

Brigitta H: „Leider muss man auch hier sagen, dass wir uns da zum größten Teil selbst organisiert haben, um Schutzausrüstung zu bekommen. Eine Kollegin hat durch ihren Ehemann Kontakte zu einer Firma in Düsseldorf. Sie ist dann persönlich dort hingefahren, um die Schutzausrüstung abzuholen. Das war nur durch diesen Kontakt möglich. Von den Fachkräften für Hygiene gibt es die Order, dass wir Materialien, die eigentlich zum einmaligen Gebrauch gedacht sind, mehrfach verwenden müssen. Dazu gehören auch die FFP-2-Masken, die man zum Schutz über Nase und Mund trägt. Würden wir das nicht tun, hätten wir wahrscheinlich schon lange keine Schutzkleidung mehr.

Exorbitanter Maskenverschliss – Ärzte wenden Backofenmethode an

Niedernhalls Stadtverwaltung hat bereits vor geraumer Zeit seine Bürger dazu aufgerufen, 4.000 Schutzmasken zu nähen https://www.gschwaetz.de/2020/04/07/landratsamt-empfiehlt-mund-nasen-schutz-in-der-oeffentlichkeit-landfrauen-naehen-1-500-schutzmasken-fuer-pflegeheime-auch-niedernhaller-haben-ihre-ersten-schutzmasken-fertig/, wobei die selbst genähten Schutzmasken laut Experten nicht so gut schützen wie klinische Masken. Dennoch: Wenn jeder eine Maske trägt ist der Schutz besser als gar nichts. Der Vorteil gegenüber den klinischen Einwegmasken: Selbst genähte Masken kann man waschen und mehrfach verwenden. Die FFP2/FFP3-Masken kann man ebenfalls mehrfach verwenden, da man diese einfach in den Backofen zur Virenabtötung stecken kann. Auch hiesige Ärzte wenden diese Backenofenvirenabtötigung bei ihrer Maske derzeit an, um nicht einen exorbitanten Maskenverschleiss zu haben.

Preise mal kurz verzehnfacht

Will man sich als Privatmensch noch Masken sichern, sollte man schnell sein, denn die Preise steigen derzeit drastisch. Gab es vergangene Woche bei ebay noch 100 klinische Masken für rund 10 Euro, so kostet der gleiche Pack nun zwischen 100 und 150 Euro. Die Preise haben sich damit teilweise mehr als verzehnfacht. Die hochwertigeren FFP2-/FFP3-Masken gibt es ebenfalls noch, aber hier muss man mit Preisen für 30 Euro pro Maske rechnen. Auch bei Amazon findet man noch Masken.

Screenshot Verkauf Atemschutzmaske in ebay am 18. April 2020.

 

 




„Völlig unrealistisch“ – Können Autohersteller Beatmungsgeräte bauen? – Experte der Hochschule Heilbronn spricht Klartext

Die Hochschule Heilbronn hat angesichts der Coronapendemie ein Interview mit Patrick Balve, Professor für Logistikplanung und Organisation im Studiengang Produktion und Prozessmanagement (PPM) an der Hochschule Heilbronn (HHN), über die Herstellung von Beatmungsgeräten geführt.

HHN: Professor Balve, dass statt dem Pkw nun das Beatmungsgerät am Fließband gebaut wird, ist das denkbar?

Balve: Die Idee, dass jetzt Automobilhersteller binnen weniger Tage von der Montage eines Pkw auf Beatmungsgeräte umstellen könnten, ist völlig unrealistisch. Von der Geometrie und Größe sowie vom Fertigungsprinzip her, haben solche Geräte nichts mit Pkw zu tun. Möchte man einen Montagebereich auf ein grundlegend neues Erzeugnis umstellen, so gehen locker mehrere Monate ins Land. Und dann muss natürlich auch ein hohes, der Medizintechnik angemessenes Qualitätsniveau sichergestellt werden. Das braucht genauso viel Erfahrung wie bei der Herstellung eines Pkw – und damit Zeit. Sicherlich sinnvoll ist das Angebot der Automobilhersteller, oder auch der Zulieferindustrie, qualifiziertes Personal bereit zu stellen.

„Man braucht Vorlaufzeit, um die Montage und angrenzende Bereiche neu auszurichten.“

HHN: Sie lehren im Studiengang Produktion und Prozessmanagement – sind also ein wahrer Fachmann, wenn es ums Thema Produzieren geht. Warum können etablierte Hersteller solcher Geräte nicht einfach mehr herstellen?

Balve: Selbst führende Unternehmen mit einer beherrschten und eingeschwungenen Fertigung von Beatmungsgeräten können ihre Fertigungskapazität nicht ohne weiteres verdoppeln oder gar verdreifachen. Kurzfristig ginge das natürlich mit der Stammmannschaft durch Einführen zusätzlicher Schichten unter Ausnutzung der jeweiligen Arbeitszeitregelungen. Nicht jede Fertigungsstruktur ist aber geeignet, gleichzeitig auch höhere Stückzahlen zu verkraften. Damit wären wir wieder bei dem Problem, dass man Vorlaufzeit braucht, um die Montage und angrenzende Bereiche neu auszurichten. Und schließlich darf man nicht vergessen, dass wir ganze Zulieferketten auf die dann sprunghaft angestiegenen Bedarfe an Rohmaterialien, Teile und Vorkomponenten anpassen müssten. Als Ausweg könnte man zwar die Fertigung von Teilen im 3-D-Druck-Verfahren sehen – und auch dazu gibt es ja in der Region entsprechende Hilfsangebote – aber das betrifft nur ausgewählte Teile eines durchaus komplexen Beatmungsgeräts.

„Ganz ohne Nähmaschine, Betriebsmittel und entsprechende Textilien wird es nicht gehen.“

HHN: Stichwort Schutzausrüstung. Käme hier eine Produktion in Frage?

Balve: Was Firmen der Region anbieten, ist ja zunächst einmal die Bereitstellung von Atemschutz und Schutzkleidung. Beides wird aufgrund der häufig runtergefahrenen Produktion in den entsprechenden Betriebsbereichen vorübergehend nicht benötigt. Hier wird man aber nur die Mengen zu Verfügung stellen, die man in Übermaß auf Lager hat ohne dabei seine Möglichkeiten einzuschränken, in ein paar Wochen die Produktion wieder hochfahren zu können. Was die echte Herstellung von Filtermasken und Schutzkleidungen anbetrifft, da bin ich sicherlich kein Experte für, aber ganz ohne Nähmaschine, Betriebsmittel und entsprechende Textilien und Fasermaterialien wird es wohl nicht gehen, womit wir leider wieder bei der Beschaffungsproblematik wären.

Mit rund 8.400 Studierenden ist die Hochschule Heilbronn eine der größten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg. Ihr Kompetenz-Schwerpunkt liegt auf den Bereichen Technik, Wirtschaft und Informatik. An vier Standorten in Heilbronn, Heilbronn-Sontheim, Künzelsau und Schwäbisch Hall bietet die Hochschule mehr als 50 Bachelor- und Masterstudiengänge an. Die Hochschule pflegt enge Kooperationen mit Unternehmen aus der Region und ist dadurch in Lehre, Forschung und Praxis sehr stark vernetzt.

Quelle: Das Interview wurde von der Pressestelle der Hochschule Heilbronn zur Verfügung gestellt.

Patrick Balve ist Professor für Logistikplanung und Organisation im Studiengang Produktion und Prozessmanagement (PPM) an der Hochschule Heilbronn (HHN). Foto HHN