Robert-Koch-Insititut will 2.000 Kupferzeller unter die Lupe nehmen
Ein Team des Robert Koch-Instituts (RKI) untersucht in der Gemeinde Kupferzell, wie verbreitet das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 vor Ort ist. Rund 2.000 Erwachsene aus der Gemeinde Kupferzell im Hohenlohekreis werden in den nächsten Tagen zur Studie „Corona-Monitoring lokal“ eingeladen. Im Studienprogramm vorgesehen sind ein Rachenabstrich, eine Blutentnahme und eine Befragung unter anderem zu klinischen Symptomen, Vorerkrankungen und Gesundheitsverhalten. Ein Team des RKI ist ab 18. Mai 2020 vor Ort, die Untersuchungen beginnen in den darauffolgenden Tagen und finden voraussichtlich bis 06. Juni 2020 in zwei Studienzentren statt. Das geht aus einer gemeinsamen Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises und der Gemeinde Kupferzell hervor.
RKI möchte wissen, wie viele Menschen schon Antikörper entwickelt haben
Bei einem Hinweis auf eine aktuell bestehende Infektion mit SARS-CoV-2 meldet sich die Studienärztin beziehungsweise der Studienarzt umgehend bei den Betroffenen. Die übrigen Teilnehmenden erhalten ihre Ergebnisse innerhalb von vier Wochen per Post. Somit erfahren die Teilnehmenden, ob sie bereits eine Infektion mit SARS-CoV-2 durchgemacht haben. Am „CORONA-MONITORING lokal“ können nur Personen teilnehmen, die vom RKI zur Studie eingeladen wurden. Dazu wurden Erwachsene über ein Zufallsverfahren beim Einwohnermeldeamt ausgewählt und schriftlich eingeladen. Die Teilnahme ist freiwillig.
Welche Menschen besonders gefährdet?
Mit der Studie wollen Wissenschaftler des RKI herausfinden, wie viele Menschen bereits Antikörper gegen das neuartige Coronavirus gebildet haben. Weiterhin soll erforscht werden, wie hoch der Anteil von Infektionen ohne Krankheitssymptome ist, welche Menschen häufiger von der Erkrankung Covid-19 betroffen sind und wie oft die Erkrankung so schwer verläuft, dass Menschen im Krankenhaus oder auf der Intensivstation behandelt werden müssen.
Kupferzell einer von vier ausgewählten Orten
Mit „Corona-Monitoring lokal“ untersucht das RKI insgesamt 8.000 Menschen an vier besonders von der Corona-Pandemie betroffenen Orten.
Weitere Informationen (ab 19. Mai 2020): http://www.rki.de/corona-monitoring-lokal
Landrat Dr. Matthias Neth und Bürgermeister Christoph Spieles rufen zur Teilnahme auf
Laut dem baden-württembergischen Gesundheitsminister Manne Lucha leisten die Kupferzeller Bürger „einen wichtigen Beitrag dazu, dass wir mehr über das Coronavirus erfahren.“ Das Robert Koch-Institut (RKI) wird ab nächster Woche im Hohenlohekreis die Studie zum neuartigen Coronavirus durchführen. „Wir wollen mit der Studie weitere Antworten auf Fragen rund um das Virus und seine Verbreitung geben können“, so Dr. Thomas Lampert, Leiter der Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring am RKI, über die Ziele.
Insbesondere wird dabei untersucht, bei wie vielen Menschen sich Antikörper nachweisen lassen und wie hoch der Anteil von Infektionen ohne Krankheitssymptome ist. Auch die Fragen, ob manche Personengruppen häufiger von einer Infektion betroffen sind und wie oft eine Erkrankung so schwer verläuft, dass diese im Krankenhaus oder auf der Intensivstation
behandelt werden muss, sollen betrachtet werden.
Landrat Neth: „Wir begrüßen die Studie“
„Trotz starker Betroffenheit ist die Bewältigung der Corona-Epidemie in Baden-Württemberg bisher gut gelungen. Für eine mögliche zweite Welle sind weitere Erkenntnisse über das Virus jedoch von großer Bedeutung“, unterstreicht Gesundheitsminister Manne Lucha. Landrat Dr. Matthias Neth betont: „Wir begrüßen die Studie und sind gerne bereit, das Robert Koch-Institut in jeder erdenklichen Hinsicht zu unterstützen. Wir bitten daher alle Kupferzeller Bürger, die zur Teilnahme eingeladen wurden, bei der Studie mitzumachen.“
Denn „je mehr Teilnehmer die Studie hat, umso aussagekräftiger sind die Ergebnisse und desto besser können wir alle das Virus verstehen,“ so Dr. Antje Haack-Erdmann, Leiterin des
Gesundheitsamtes im Hohenlohekreis.
RKI beginnt mit Kupferzell
Kupferzell ist der erste Untersuchungsort der geplanten Studie. Insgesamt will das RKI die Zahl von 2.000 Teilnehmenden in Kupferzell erreichen. Weitere besonders betroffene Gebiete in
Deutschland sollen folgen. „Im März war die Gemeinde Kupferzell von einer hohen Anzahl an Neuinfektionen besonders stark betroffen und wurde so zu einem der „Hotspots“ im Hohenlohekreis“, ergänzt Christoph Spieles, Bürgermeister der Gemeinde Kupferzell. „Deswegen ist es in unserem ureigenen Interesse, so viel wie möglich über das Coronavirus zu
erfahren. Hierbei unterstützen wir das Robert Koch-Institut gerne.“
Auch Stefan Brockmann, der beim Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg das Kompetenzzentrum Gesundheitsschutz leitet, begrüßt die Studie des RKI im Hohenlohekreis: „Es ist wichtig, in der Fläche Daten zu generieren, um mehr Erkenntnisse über SARS-CoV-2 zu sammeln und so die Immunitätslage und die Verbreitung des Virus besser beurteilen zu können.“
Kupferzell besonders geeignet
Dass Kupferzell ausgewählt wurde, liegt insbesondere an einigen Gegebenheiten vor Ort, so die Pressemittelung des Landratsamtes des Hohenlohekreises: Sowohl die Einwohnerzahl Kupferzells als auch die relativ isolierte Lage im ländlichen Raum (im Gegensatz zu einer Großstadt) würden sehr gut zu den Voraussetzungen der Studie passen. Das Untersuchungsteam ist ab Anfang nächster Woche vor Ort. Die Studie wird in den darauffolgenden Tagen beginnen und sich über drei Wochen erstrecken. Die Probanden werden nach wissenschaftlichen Kriterien ausgewählt und persönlich angeschrieben. Freiwillige Meldungen sind nicht möglich. Auch das Ersetzen einer Person durch eine andere ist nicht möglich. Damit wird sichergestellt, dass die Ergebnisse der Studie möglichst aussagekräftig sind.
Freiwillige Meldungen sind nicht möglich
Die Untersuchungen finden in einem mobilen Studienzentrum und in Untersuchungsräumen statt. Die genaue Anschrift finden die Teilnehmer in der Terminbestätigung. Bei jedem Teilnehmenden seien, so die Pressemitteilung, „jeweils eine Blutentnahme, ein Rachenabstrich sowie eine Befragung (unter anderem zu Vorerkrankungen und Gesundheitsverhalten) vorgesehen“. Das Blut wird auf Antikörper untersucht, die eine durchgemachte Infektion anzeigen. Im Rachenabstrich wird mit einem sogenannten PCR-Test direkt nach dem Virus gesucht, um eine mögliche aktuelle Infektion zu untersuchen. Die Blutentnahme und den Rachenabstrich führen medizinisch qualifizierte und geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Robert Koch-Instituts durch. Im Studienzentrum ist außerdem ein Arzt oder eine Ärztin anwesend. Insgesamt dauert die Teilnahme etwa 20 Minuten. Bis die Ergebnisse der Studie vorliegen, wird es mehrere Wochen dauern.
Informationen zum Robert Koch-Institut gibt aus auf: http://www.rki.de/DE/Content/Institut/institut_node.html

Symbolfoto Blutabnahme. Foto: adobe stock







