Auf einen „großen Bahnhof“ hatte Ziehl-Abegg (ZA) wegen der Corona-Beschränkungen verzichtet, und so traf man sich am 01. Juli 2020 „im kleinen Kreis“ zum symbolischen ersten Spatenstich für das neue Produktionsgebäude im Gewerbepark Hohenlohe. „Wir haben versprochen, dass wir was tun – und wir tun was“, wendet sich ZA-Vorstandschef Peter Fenkl an Christoph Spieles, den Vorsitzenden des Zweckverbands Gewerbepark Hohenlohe.
Fast 10.000 Quadratmeter Fläche
8.400qm Fläche wird die neue Fertigungshalle haben, in der modernste energieeffiziente Ventilatoren produziert werden sollen. Das Investitionsvolumen liegt bei 16 Millionen Euro, 200 neue Arbeitsplätze sollen dort geschaffen werden. Fenkl stellt sich selber die Frage: „Wahnsinn, Ignoranz, Dummheit oder unternehmerische Weitsicht?“ und geht natürlich von Letzterem aus, denn ZA habe „immer in Krisen investiert, damit wir, wenn der Markt zurückkommt, dem Markt folgen können“. Zwar spricht Fenkl von einer Wette auf die Zukunft, ist aber überzeugt: „Wir glauben, dass das die Produkte sind, die die Welt braucht.“
„Wahnsinn, Ignoranz, Dummheit oder unternehmerische Weitsicht?“
Bereits vor zwei Jahren war die Wirtschaftsministerin des Landes Baden-Württemberg, Dr.Nicole Hoffmeister-Kraut, bei der Eröffnung der Werkshalle im Gewerbepark. Fenkl sieht das als gutes Zeichen: „Wenn Sie uns bei der neuen Halle wieder so viel Glück bringen, dann ist das perfekt.“
Folgen der Pandemie enorm
„2018 war der Wachstumsmotor Baden-Württemberg in voller Fahrt“, schaut die Ministerin auf damalige Probleme wie Fachkräftemangel zurück. 2 Jahre später seien die Folgen der Pandemie enorm. Sie verweist auf die hohe Exportquote Baden-Württembergs und weiß genau, dass die Maßnahmenpakete von Bundes- und Landesregierung wenig Einfluß auf den Export haben können. Daher hätte sie sich von der Bundesregierung noch mehr Anreize für die Industrie gewünscht. Insbesondere eine Prämie für den Kauf von Autos mit modernsten und CO2-armen Verbrennungsmotoren vermißt sie: Damit wäre auch eine Unterstützung der Zulieferindustrie gewährleistet gewesen. Trotz allem geht sie davon aus, dass die Pakete der Regierungen greifen werden: Nicht nur der Konsum der Bürger, sondern auch die Investitionsbereitschaft der Industrie würden durch die Programme unterstützt – im Endeffekt sei der Erfolg aber eine auch eine Frage der Psychologie.
„Sie setzen um“
Hoffmeister-Kraut sieht Baden Württembergs Stärke in den Familienunternehmen, die regional verwurzelt sind und langfristige Verantwortung übernehmen und sich in die Region einbringen, das sei keine Selbstverständlichkeit.
„Sie setzen eine positive Botschaft – und nicht nur eine Botschaft: Sie setzen um“, wendet sie sich anerkennend zu Familie Ziehl und dem Vorstand der Firma. „Das ist beispielhaft für andere Unternehmen in diesem Land.“
Landrat Neth bedankt sich für den Mut des Unternehmens
Landrat Dr.Matthias Neth sieht Wirtschaft und Politik in einer gemeinsamen Verantwortung für die Raumschaft. Er bedankt sich für den Mut des Unternehmens und freut sich, dass die Investition nicht wegen Corona zurückgehalten wurde: „Das ist gelebte Verantwortung.“ Das Thema Verantwortung nutzt Neth und bedankt sich nicht nur bei ZA, sondern bei allen Unternehmen für die Unterstützung in der Hochphase der Corona-Pandemie. 20.000 Masken und Visiere seien dem Kreis von vielen Unternehmen zur Verfügung gestellt worden, ZA habe zum Beispiel die 3D-Drucker auf die Produktion von Visieren umgestellt. Außerdem habe ZA im Campus Künzelsau und in der Grundschule Bieringen für eine neue Lüftung gesorgt, s odaß Prüfungen und Unterricht möglich gemacht wurden. Er bedankt sich bei allen Unternehmen, die den Kreis in der Krise unterstützt haben und bittet die Ministerin, kurz wegzuhören: „Auf Zuruf Dinge hinzubekommen, das geht bei uns. Es gilt halt das Hohenloher Landrecht.“
„Es gilt das Hohenloher Recht“
ZA konnte im Jahr 2019 ein Umsatzplus von 8,6 Prozent erreichen. „Von einer Steigerung sprechen wir dieses Jahr nicht“, sagt Rainer Grill, Pressesprecher des Unternehmens. Trotz Corona wirdZA die Zahl der Ausbildungsplätze nicht reduzieren und sieht sich auch an dieser Stelle in der Verantwortung.
Text: Matthias Lauterer
ZA im Gewerbepark Hohenlohe (gemäß Angaben von ZA)
Bausumme: 16 Mio Euro (Gebäude mit 10 Verladerampen)
112 weitere Stellplätze für Mitarbeiter
Nutzfläche zusätzlich: 8.400 Quadratmeter, davon 1.000 für Büros
Produktionsfläche insgesamt im Gewerbepark bisher: 44.240 Quadratmeter
Mitarbeiter insgesamt im Gewerbepark: ca. 850 (2.400 in Hohenlohe gesamt, 4.300 weltweit)
Über Ziehl-Abegg (Angaben stammen von ZA)
Ziehl-Abegg (Künzelsau, Baden-Württemberg, Deutschland) gehört laut eigenen Angaben zu den international führenden Unternehmen im Bereich der Luft-, Regel und Antriebstechnik. Beispiele für Einsatzgebiete der Produkte sind Wärme- und Kälteanlagen oder Reinraum- und Agraranlagen. Ziehl-Abegg hat schon in den fünfziger Jahren die Basis für moderne Ventilatorenantriebe gesetzt: Außenläufermotoren, die auch noch heute weltweit Stand der Technik sind. Ein weiterer Bereich sind elektrische Motoren, die beispielsweise in Aufzügen, medizinischen Anwendungen (Computertomographen) oder Tiefsee-Unterwasserfahrzeugen für Antrieb sorgen. Das Thema Elektromobilität im Straßenverkehr wurde 2012 bei Ziehl-Abegg Automotive angesiedelt.
Das High-Tech-Unternehmen besticht durch eine hohe Innovationskraft. Ziehl-Abegg (alle Angaben sind bezogen auf das Jahr 2019) beschäftigt 2.400 Mitarbeiter in süddeutschen Produktionswerken. Weltweit arbeiten für das Unternehmen 4.300 Mitarbeiter. Diese verteilen sich global auf 16 Produktionswerke, 29 Gesellschaften und 113 Vertriebsstandorte. Die rund 30.000 Artikel werden in mehr als 100 Ländern verkauft. Der Umsatz liegt bei 633 Mio. Euro. Etwa 80 Prozent der Umsätze werden im Export erzielt.
Emil Ziehl hat die Firma 1910 in Berlin als Hersteller von Elektromotoren gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Firmensitz nach Süddeutschland verlegt. Die Ziehl-Abegg SE ist nicht börsennotiert und befindet sich in Familienbesitz.
Weitere Informationen auf www.ziehl-abegg.de

Ein Unternehmer, wie er im Buche steht: Uwe Ziehl. Foto: GSCHWÄTZ

Christoph Spieles, Bürgermeister von Kupferzell. Foto: GSCHWÄTZ

Der obligatorische Spatenstich. Foto: GSCHWÄTZ

Hohenlohes Landrat Dr. Matthias Neth (2. von rechts) hatte nur lobende Worte. Foto: GSCHWÄTZ

Der Erweiterungsbau. Foto: GSCHWÄTZ

ZA-Vorstandschef Peter Fenkl. Foto: GSCHWÄTZ

Dennis Ziehl. Foto: GSCHWÄTZ

Sindia Ziehl. Foto: GSCHWÄTZ

Baden-Württembergs Wirtschafstministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut. Foto: GSCHWÄTZ