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Mehr Geld für Personal, Kinderbetreuung sowie für die anstehenden Wahlen

In der Sitzung des Gemeinderates vom Dienstag, den 13. Oktober 2020, stellte Ulrich Walter, stellvertretender Stadtkämmerer in Künzelsau, den Haushaltsvorschlag 2021 sowie die Finanzvorschau 2021 bis 2024 vor. Walter plant mit Erträgen von 49,473 Millionen Euro und Aufwendungen von 49,606 Millionen Euro. Das veranschlagte Ergebnis beträgt also etwa 137.000 Euro. Gegenüber 2020, wo noch mit einem Ergebnis von 935.000 Euro gerechnet wird, ist das deutlich weniger. Walter begründet das mit coronabedingten Mindereinnahmen auf der einen Seite und höheren Umlagen, Mehrausgaben für Personal, insbesondere in der Kinderbetreuung, sowie einer Sonderbelastung für die anstehenden Wahlen im nächsten Jahr auf der Ausgabenseite.

Mehr Geld fürWahlen 2021

Walter stellt vor der Haushaltsberatung im Gemeinderat klar: „Es muss aber klar sein, dass keine großen Wünsche mehr drin sein werden. Wenn Neues hinzukommen soll, muss es woanders eingespart werden.“ Er betont, dass der Haushaltsausgleich bereits durch Einsparungen in verschiedenen Bereichen erreicht wurde, allerdings: „Kindergärten und Schulen wurden von den vorgenommenen Einsparungen jedoch ausgenommen.“

Mehrausgaben beim Personal

Über zwölf Millionen Euro sollen aus dem Kernhaushalt trotz der Einsparungen investiert werden. Wichtige geplante Investitionen sind unter anderem 480.000 Euro für Feuerwehrfahrzeuge der Abteilungen Amrichshausen und Kocherstetten, 440.000 Euro für den Neubau des Sportvereinszentrums, vier Millionen Euro für den Bau eines Kinderhauses in Künzelsau, eine Million Euro für die Sanierung der Sporthalle der Georg-Wagner-Schule am Kocher, 950.000 Euro für das Dorfgemeinschaftshaus Nagelsberg, 450.000 Euro für die Sanierung der Sudetenhalde, 500.000 Euro für die Sanierung der Straßenbeleuchtung, je eine Million Euro für Hochwasserschutz in der Würzburger Straße und das Starkregenrisikomanagement, so eine Mitteilung der Stadtverwaltung.

Am heutigen Dienstag, den 20. Oktober 2020, findet ab 19 Uhr in der Stadthalle Künzelsau in öffentlicher Sitzung die erste Beratung dieses Haushaltsentwurfs statt.

Text: Matthias Lauterer

Gemeinderatssitzung in der Stadthalle in Künzelsau am 13.10. 2020. Foto: GSCHWÄTZ

Erste Vorbereitungen für die Sanierung der Sudetenhalde wurden bereits getroffen. Foto: GSCHWÄTZ

Der Gemeinderat tagt wegen Corona in der Stadthalle. Foto: GSCHWÄTZ




Vollsperrung der L 1046 zwischen Bieringen und Oberkessach ab 26. Oktober 2020

Das Landratsamt Hohenlohekreis teilt mit, dass die Landesstraße L 1046 zwischen Bieringen und Oberkessach bis zur Einmündung der K 2325 von Aschhausen für den Gesamtverkehr gesperrt werden.

Die Straßenmeisterei Künzelsau führe in diesem Zeitraum die stellenweise Sanierung der Fahrbahndecke und parallel Gehölzarbeiten durch. Je nach Verlauf der Bauarbeiten sei es möglich, dass die Sperrung früher aufgehoben werden kann.

Die überörtliche Umleitung erfolgt ab Bieringen über die K 2323  – Aschhausen – K 2325 zur L 1046 und umgekehrt.

 

 

 




„Wir haben es anders gemacht als üblich“

„Man muss es authentisch machen“, sagt Marlene Metz zum Erfolgsrezept für ihren Hofladen in Neufels in einer Pressemitteilung des Bauernverbands Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V. Sie und ihr Mann Tobias mögen die Mischung aus alt und neu – was man auf dem Hof, direkt an der Straße, auch gut sehen kann. Historische Hauselemente wurden geschickt in einen Neubau integriert, heißt es weiter in der Mitteilung. Ein alter Dachstuhl wird zur Präsentationshilfe für die frisch geernteten Kürbisse, die zum Verkauf ausliegen. Darauf nehmen gerade bis zu 15 Sorten Zierkürbisse, fünf Sorten Speisekürbisse und kleine und große Schnitzkürbisse Platz und warten auf Kunden. „Wir wollen immer unseren eigenen Weg finden, wie wir leben und halt sind. So macht es schließlich auch kein anderer!“

„Unsere Produkte kommen maximal aus einem Umkreis von 20 Kilometern“

Der Hofladen startete in den 90er-Jahren in einer alten Milchkammer. Seit dem Umbau und einem Neustart in 2016, hauptsächlich mit ihren eigenen Kartoffeln, haben die jungen Landwirte ihr Sortiment deutlich erweitert. Dafür suchten sie sich Lieferanten, die zu ihnen passen. „Uns ist wichtig, dass unsere Partner ähnlich strukturiert sind wie wir. Im Durchschnitt kommen unsere Produkte maximal aus einem Umkreis von 20 Kilometern“, betonen die beiden. Um die richtigen Produzenten für ihr Hofladenangebot zu finden, sind sie selbst zu den einzelnen Betrieben gefahren und haben nachgefragt, ob diese sie beliefern wollen. „Wir haben es anders herumgemacht als üblich“, freut sich Marlene Metz. Normalerweise kommt der Anbieter zum Händler. Es war und ist den Landwirten wichtig, dass sie keine Standardprodukte haben.

„Es ist unser Getreide“

Dass ihr Konzept aufgeht, zeigt reger Betrieb im Hofladen. Die Kunden kaufen gern die feldfrischen Kartoffeln und Zwiebeln, Käse und Mehl, Wurst in Dosen, Essiggurken und Fruchtaufstrich im Glas sowie Obstbrand aus eigener Produktion. Für den Käse aus der Milch der eigenen Kühe kommt dreimal im Jahr eine mobile Käserei aus dem Allgäu. Die traditionell produzierten Käseleiber werden bis zur Verkaufsreife dann auf dem Hof gepflegt, wie Tobis Metz erklärt. Zum Mehl sagen die beiden: „Da wollen wir das eigene haben. Es ist unser Getreide – wir bauen wir ja eh an. Man muss nur sehen, dass der Weizen gelingt“. Anbau und Ernte sehen sie als Routine, der Verkauf ist nach eigenen Angaben eine andere Herausforderung. Fertiges Mehl zuzukaufen und ins Regal zu stellen, ist einfacher. Sie wissen aber auch, dass man mit eigenen Produkten die Kunden besser anzieht. Zu ihrem Hof müssen die Kunden extra kommen, zusätzlich zum Einkauf im Supermarkt. Diese kommen hauptsächlich aus dem Kochertal und nehmen eine Anfahrt von 10 bis 15 Kilometer zum Hofladen der Familie Metz in Kauf.

„Das erspart den Kunden weitere Wege“

 Bieten wir Kürbisse an, braucht es für die Suppe auch den Ingwer dazu. Das erspart den Kunden weitere Wege.“ Es fühlt sich an wie eine Reise durch Hohenlohe, wenn man die Regale im Hofladen durchschaut: Der Wein kommt aus Ingelfingen, die Äpfel aus Kirchensall, der Traubensaft aus Michelbach und der Jogurt aus Marlach. „Die Aroniaprodukte sind aus Bretzfeld und laufen besonders gut“, freut sich Marlene Metz. Dass die Ladenbetreiber aus Neufels mit ihrem Angebot auch die Region unterstützen wollen, kann man nicht übersehen. Auch deshalb möchten sie nach Möglichkeit nicht auf größere Vermarkter zurückgreifen. „Und wir schauen immer, was wir auf dem Hof haben und was wir daraus machen können. Für uns passt das“, versichern Marlene und Tobias Metz.

Quelle: Pressemitteilung des Bauernverbands Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V.

Marlene und Tobias Metz wollen ihren eigenen Weg finden. Foto: Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V.

Im Angebot des Hofladens finden sich viele Produkte aus eigener Produktion. Foto: Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V.

Auch die Kartoffeln kommen von den eigenen Feldern. Foto: Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V.




FDP und AfD kritisieren Kupferzeller Netzbooster

Wie die FDP-Bundestagsabgeordnete und umweltpolitische Sprecherin der Partei, Judith Skudelny mitteilt, hat ihr die Bundesregierung auf entsprechende Anfrage mitgeteilt: „Bei der Auswahl des Standortes wurden insbesondere der mögliche Erkenntnisgewinn aus dem Pilotprojekt sowie dessen Wirtschaftlichkeit berücksichtigt.“ Die Bundesregierung weiter: Der Netzbooster „ist eine Punktmaßnahme, keine Streckenmaßnahme“ und „Der geplante Netzbooster ist also nicht aus dem BBPIG herausgefallen.“

Skudelny dazu: „Die Antwort der Bundesregierung wirft mehr Fragen auf als sie beantwortet. Sie vergibt damit die Chance, wichtige Informationen an die Betroffenen zu liefern. Ich werde daher gemeinsam mit der FDP-Bundestagsfraktion einen umfangreichen Fragenkatalog an die Bundesregierung stellen, um Licht ins Dunkle zu bringen.“

FDP-Kreisrat des Hohenlohekreises und Vorsitzender der FDP Hohenlohe Michael Schenk weiter: „Wir brauchen ein offenes und transparentes Verfahren. Vor allem muss die TransNet GmbH alle bisherigen Planung und die Frage zum tatsächliche geplanten Standort offenlegen.“

Der AfD-Landtagsabgeordnete Anton Baron hat den in Kupferzell geplanten Netzbooster am Donnerstag im Landtag thematisiert: Laut Baron war Minister Untersteller „zwar auch nicht davon begeistert“, dass über den Netzbooster nicht im Bundestag abgestimmt wird. Baron weiter: „Untersteller sah jedoch gleichzeitig keinen Anlass, die Abläufe hier zu ändern. Grundsätzlich lobte er den Netzbooster überschwänglich. Dieser stünde für Versorgungssicherheit – diese war vor der irrationalen Energiewendepolitik jedoch niemals in Gefahr! Weiterhin betonte er, dass das Land Baden-Württemberg keinen Einfluss auf die Entscheidungen der Firma TransnetBW habe. Diese befindet sich jedoch über die Konzernmutter EnBW zu fast 50 Prozent im Eigentum des Landes. Dass die Landesregierung hier die Verantwortung von sich weist, ist also gelebte Doppelmoral. Ich werde mich weiterhin gegen den Bau der Riesenbatterie in der Nähe von Wohnbebauungen einsetzen.“

Anton Baron. Foto: Landtagsbüro Anton Baron




„Wir fühlen uns als Menschen zweiter Klasse“

Fünf „Klötze“ sollen ihnen vors Haus gesetzt werden, so empfinden Anwohner aus dem Kapellenweg das Bauprojekt „Sigloch-Areal“ (wir berichteten). Vorgesehen sind fünf laut dem Architekten sehr hochwertige Häuser mit je 2 Vollgeschossen und einer Penthouse-Etage und insgesamt 30 Tiefgaragenstellplätzen. Das erscheint auf den ersten Blick als moderat, werden doch anderswo in Künzelsau höhere Gebäude errichtet. Den Anwohnern ist das zuviel: Eines der Häuser würde den Kapellenweg so weit überragen, dass es bei einem Wohnhaus oberhalb des Kapellenwegs die Höhe der Regenrinne erreichen würde. Zusätzlich plant das Architekturbüro eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Penthauses, die nochmals 1,20m hoch sein darf.

Der bestehende Bebauungsplan sieht in dem Gebiet eingeschossige Bebauung vor, keine dreigeschossige. Kein Wunder, dass die Anwohner mit dieser Planung nicht zufrieden sein wollen.

Anwohner sehen manipulatives Vorgehen

Besonders verärgert zeigen sie sich darüber, dass ausgerechnet das am meisten betroffene Gebäude in den Unterlagen des Architekturbüros gar nicht eingezeichnet ist. „Wie sollen Gemeinderäte korrekte Entscheidungen treffen, wenn Informationen unterschlagen werden?“, fragt eine Anwohnerin, die nicht genannt werden will. Die Anwohner unterstellen dem planenden Architekturbüro manipulative Absicht, denn diese Unterlagen wurden dem Gemeinderat als Entscheidungsgrundlage vorgelegt.

„Wir fühlen uns als Menschen  zweiter Klasse“, sagen uns die Anwohner und deshalb haben sie noch vor der entscheidenden Gemeinderatssitzung reagiert und die Gemeinderäte über ihre Sicht der Dinge informiert. Einige Gemeinderäte haben sich  daraufhin die Situation persönlich angesehen. „Aus der Tiefgarage hat man dann eine bessere Aussicht als von uns“, findet ein Anwohner und ist empört. Schließlich habe man das Haus im Vertrauen auf den bestehenden Bebauungsplan erworben und habe dementsprechende Renovierungen begonnen.

Auch wenn es baurechtlich keinen Anspruch auf Aussicht gibt, meint einer der Anwohner: „Den Campanile werde ich dann nicht mehr sehen“ und meint damit den markanten Turm der Pauluskirche.

Gefährliche Situation für Fußgänger

Nicht nur die schiere Höhe des Gebäudes und die wegfallende Aussicht verstört die Anwohner: Der Kapellenweg ist sehr schmal und bietet keine Möglichkeit, dass Fahrzeuge aneinander vorbeifahren können. Selbst wenige weitere Fahrzeuge, immerhin zwanzig Stellplätze sind über den Kapellenweg geplant, könnten an der Einmündung zum Zollstockweg einen regelrechten Stau erzeugen. Bereits heute ergäben sich gefährliche Situationen, wenn Autos und Fußgänger sich begegnen. Besonders schlimm ist das für die Schulkinder, denn „die Fußgänger müssen in Türeingänge flüchten“, beobachtet ein Anwohner die heutige Verkehrssituation. „Der Kapellenweg ist der Hauptschulweg für die Kinder aus dem Südhang.“

Nach der Gemeinderatssitzung vom 13. Oktober 2020 zeigen sich die Anwohner erleichtert: „Wir haben uns vom Gemeinderat gut vertreten gefühlt.“

Text: Matthias Lauterer

So stellen sich die Architekten die geplanten Häuser vor. Bild: Stadt Künzelsau / Sitzungsunterlagen

Vorher-Nachher: Die schraffierte Fläche entspricht ungefähr dem geplanten Neubau. Montage: GSCHWÄTZ

Lageplan der geplanten Häuser. Bild: Stadt Künzelsau / Sitzungsunterlagen

 




Stadt Ingelfingen: „Das Trinkwasser ist wieder einwandfrei“

Seit Freitag, den 09. Oktober 2020, warnte die Stadt Ingelfingen, die Bürger der Teilorte Dörrenzimmern, Eberstal, Diebach sowie die Höfe Bobachshof, Bühlhof, Hochholzhöfe, Jägerhaus, Rodachshof, Wasser nicht mehr direkt aus dem Wasserhahn zu trinken, sondern nur noch in abgekochter Form (wir berichteten).

Die Stadt Ingelfingen teilt jetzt mit, dass der Störfall in der Trinkwasserversorgungsanlage vollständig behoben ist. Das Wasser aus dem Hochbehälter Dörrenzimmern sei wieder einwandfrei. Analysen hätten eine einwandfreie Trinkwasserqualität ergeben, das Leitungswasser könne wieder als Trinkwasser benutzt werden.

Die Stadt bittet, folgendes zu beachten: „Lassen Sie in Ihrem Haus an eigenen Wasserhähnen, besonders in der Küche, das Wasser so lange laufen, bis es kühl, klar und sauber aus dem Waserhahn fließt.“




„Riesenschock für uns“

Der überraschende Tod von Annawech-Bandmitglied Peter Botsch aus Künzelsau (wir berichteten: https://www.gschwaetz.de/2020/10/15/peter-botsch-stirbt-an-leukaemie/ hat auch bei seinen Musikerkollegen Bestürzung ausgelöst.

„Ich vermisse seine ruhige Art“

Harry Weber von Annawech sagte gegenüber GSCHWÄTZ auf Nachfrage: „Das ist wirklich tragisch. Für uns war das ein Riesenschock und ist nach wie vor noch unfassbar.“ Für Harry Weber war der Peter Botsch „der ruhige Pol. Ich vermisse auf jeden Fall seine ruhige Art, seinen herrlich trockenen Humor, seine feine Beobachtungsgabe und seine Lieder, die daraus entstanden sind über seine Hohenloher Mitmenschen.“ Er sei einer ein Freund der leisen und nicht der lauten Töne gewesen.“

Auch seine Krankheit sei „kein Thema gewesen, dass er nach aussen gekehrt hat. Er hat das zwar im Freundekreis gesagt, aber er ist damit nicht an die Öffentlichkeit gegangen“, sagt Weber.

Wie es mit der Hohenloher Mundartband Annawech nun weitergeht, darüber konnte Weber zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts sagen: „Wir wissen momentan gar nicht, wie es in dieser Hinsicht weitergeht.“

Die Beerdigung von Liedermacher und Möbelspezialist Peter Botsch ist am Freitag, den 23. Oktober 2020, 13 Uhr, in Künzelsau. Es sollen auch Annawechlieder gespielt werden, sagte die Familie Botsch gegenüber GSCHWÄTZ. Die Sitzplätze in der Kirche sind der Familie vorbehalten. Die Beerdigung wird nach außen übertragen. Die Familie bittet, von Beileidsbezeugungen am Grab abzusehen.

Im Video oben gibt es noch einmal den Auftritt der Band Annawech in Künzelsau 2018 zu sehen – inklusive einem Interview mit Peter Botsch.

 




Coronalage Hohenlohe: Sportverein betroffen

Am 15.Oktober 2020 seien dem Gesundheitsamt des Hohenlohekreises insgesamt 12 neue Corona-Infektionen gemeldet worden, teilt das Landratsamt mit. Die Infizierten befänden sich in Quarantäne, die Fallermittler haben rund 100 Kontaktpersonen der Kategorie ersten Grades ermittelt. Für sie hat das Gesundheitsamt ebenfalls eine häusliche Quarantäne angeordnet und eine Testung empfohlen.

Betroffen seien auch ein Sportverein aus der Gemeinde Bretzfeld und Schülerinnen und Schüler der Kaufmännischen Schule Öhringen. Drei Personen befänden sich derzeit in stationärer Behandlung.

Noch überschreitet der Hohenlohekreis keine der beiden Warnstufen. Quelle: Screenshot DIE ZEIT, 15.10.2020




„Wir müssen jetzt zwar Maulkorb tragen, aber wir lassen uns den Mund nicht verbieten“

„Alle Hohenloher bitten wir: Steht uns Kupferzellern zur Seite und kämpft mit uns!“ Auf diesen leidenschaftlichen Aufruf einer Aktivistin folgt zustimmendes Nicken. Und der geforderte Rückhalt in der Bevölkerung ist selbstredend: 563 Menschen versammelten sich am vergangenen Sonntag, den 11. Oktober 2020, vor der Carl-Julius-Weber-Halle in Kupferzell. Birgit Kühnle von der Bürgerinitiative „Ein Herz für Hohenlohe“ klärt über den Grund der Versammlung auf: „Wir haben gemeinsam mit der IG Metall zum Sternmarsch für ein batteriekraftwerkfreies Kupferzell aufgerufen. Es ging in Belzhag, Feßbach und Hesselbronn mit Musik, Protestschildern und Tohuwabohu los. Wir wollen erreichen, dass mehr Menschen hingucken.“

„Das ist sehr, sehr enttäuschend“

„Wir sind mündige Bürger. Wir wollen nicht mehr belogen werden.“ Obwohl der Platz vor der Carl-Julius-Weber-Halle gut gefüllt ist, war der Weg dahin nicht für alle Menschen gleichermaßen problemlos. Jürgen Kürschner erzählt: „Wir haben den Marsch in Feßbach begonnen und waren zu Beginn des Marsches überrascht, dass wir nicht wie geplant durch die Ortschaft gehen durften, sondern, auf eine Anordnung vom Landratsamt, über die Pampa durch den Wald hierher geschickt wurden. Das ist sehr, sehr enttäuschend.“

„Die Probe wird ganz klar hier in Kupferzell stattfinden“

„Wir brauchen in Kupferzell keine Mega-Batterie für Profithaie.“ Die Bürger vertreten eine klare Meinung. „Booster nicht bei uns!“, rufen die Demonstrierenden immer wieder im Chor. Diese klare Linie fährt auch die IG Metall, wie Saskia Genthner, Geschäftsführerin der IG Metall Schwäbisch Hall verrät: „Wir sind der Auffassung, dass unsere Aufgabe als IG Metall nicht am Werkstor endet. Wir tragen auch Verantwortung für die Region und deshalb stehen wir diesem Projekt genauso kritisch gegenüber wie viele unserer Mitglieder.“ Die 34-Jährige betont: „Man muss es einfach ganz klar sagen: Die Technologie Booster in der Größe, wie er hier in Kupferzell geplant ist, die gibt es noch nicht, die ist noch nicht erprobt. Die Probe wird ganz klar hier in Kupferzell stattfinden. Das hier wird die Erprobung des Boosters und ihr werdet die Betroffenen sein“.

„Wir sind für die Energiewende“

„Wir wollen keine Megabatterie.“ Dr. Marion Kühnle steht auf der Bühne und hält einen Plan für das Stromnetz 2050 von der Transnet in der Hand. Sie bezweifelt den Mehrwert des Netzboosters und weiterer Hochspannungsleitungen für die Bevölkerung und erklärt: „Die Transnet hat zusätzlich vor, hier noch einmal die Schaltanlage zu vergrößern, die Leitungen zu verdoppeln und die vierfache Menge durchzujagen. Und das, wo wir eigentlich nachhaltig wirtschaften wollen, wo jeder guckt, dass er wenig Strom verbraucht, wo er Geräte und Waschmaschinen kauft, die fast nichts brauchen.“ Für die Ziele der Bürgerinitiative findet Dr. Kühnle klare Worte: „Uns ist klar, es muss sich etwas tun, damit die Klimaerwärmung nicht weitergeht. Wir sind für die Energiewende, aber nicht durch die weltgrößte Batterie direkt neben einer Wohnbebauung ohne Risikoanalyse, ohne Arbeitsschutz und ohne Naturschutz-Gutachten.“ Diese Meinung teilt auch Friedrich Hack: „Ich bin hier, weil ich die Veranstaltung tatkräftig unterstützen möchte. Das, was die Transnet hier vorhat, ist nicht richtig. Es gehört nicht an einen Ortsrand! Energiewende ganz klar ja, aber es muss immer mit der Bevölkerung vereinbar sein. Ich sehe es so: Das Volk hat die Macht, wir müssen uns wehren und wir müssen uns in eine positive und für alle vertretbare Richtung bewegen.“

„Wenn wir zustammenstehen, werden wir so eine Gefahr abwenden“

„Profitgier auf Bürgerkosten – nicht mit uns.“ Heidegret Mayer von der Schutzgemeinschaft ländlicher Raum Hohenlohe wählt Worte der Hoffnung: „Hohenlohe ist groß. Wir sind kein Ballungsraum, ich glaube, das ist unser Problem. Die in Stuttgart oder Berlin denken: ‚Das sind bloß so ein paar hintendrum, mit denen kann man das machen‘. Aber ich denke, wenn wir durchhalten, wenn wir zusammenstehen, als Menschen, die hier zusammen leben, als Menschen, die wissen, wie wunderschön das hier ist und wie bedroht es ist, wie gefährdet es ist, dann werden wir auch so eine Gefahr wie euren Netzbooster abwenden.“ Als Mayer der Menge zuruft „Wir müssen jetzt zwar Maulkorb tragen, aber wir lassen uns den Mund nicht verbieten“, antworten die Menschen mit tosendem Applaus.

„Das ist einfach schlichtweg eine Sauerei“

„Wir sind keine Versuchskaninchen. Booster nein danke.“ Klare Worte findet auch Christoph Spieles, der Bürgermeister von Kupferzell: „Die Gefahren und Sicherheitslücken, die eben noch bestehen, wurden uns bisher in keiner ausreichenden Prüfung vorgelegt. Das ist einfach schlichtweg eine Sauerei.“ Die Protestierenden belohnen diese deutliche Stellungnahme mit kräftigem Beifall. So müsse das auch sein, stellt Friedrich Hack klar: „Die Politiker sind für uns da. Sie sind dafür da, unsere Interessen, die Interessen der Bürger, zu vertreten. Das ist Demokratie. Ich sage immer: ‚Die stehen auf meiner Lohnliste‘.“ Die Stimmung ist herzlich, leidenschaftlich und kämpferisch. Doch das emotionale Highlight des Tages ist der Auftritt von Lilli Kühnle. Die Tochter von Dr. Marion Kühnle hat eigens für die Kundgebung ein Lied komponiert und getextet. Wenn die 15-Jährige mit zarter Stimme gefühlvoll einstimmt: „Nein, wir wollen keinen Booster. Nein, wir wollen keinen Brand. Nein, wir sind nicht die Versuchskaninchen“, wirken die Umstehenden plötzlich gerührt und nachdenklich.

Text: Priscilla Dekorsi

Dr. Marion Kühnle (links) und Birgit Kühnle von der Bürgerinitiative „Ein Herz für Hohenlohe“ bezweifeln den Mehrwert des Netzboosters. Foto: GSCHWÄTZ

Die Bürger vertreten eine klare Meinung. Foto: GSCHWÄTZ

Die Kupferzeller befürchten, nur die Versuchskaninchen zu sein. Foto: GSCHWÄTZ

 




Reinhold-Würth-Hochschule wegen Corona geschlossen

Wegen der aktuellen Corona-Lage finden ab kommenden Montag, den 19. Oktober 2020, an den vier Standorten der Hochschule Heilbronn (HHN) – unter anderem die Reinhold-Würth-Hochschule Campus Künzelsau – keine Präsenzveranstaltungen mehr statt. Studenten werden nur noch online lernen, das gilt auch für die Erst- und Zweitsemester. Lediglich vereinzelte Labore, die ein Hygienekonzept vorgelegt haben, sollen dann geöffnet sein. Auch die Drucker in den Gebäuden können die Studenten weiterhin benutzen.

Diese Entscheidung wurde von der Hochschulleitung nach Absprache mit der Stadtverwaltung und dem Gesundheitsamt getroffen. „Das ist die vernünftigste Lösung“, findet HHN-Pressesprecher Torsten Robert im Gespräch mit GSCHWÄTZ. „Auch die meisten anderen Hochschulen in Baden-Württemberg machen das so.“