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„Viele Studios wird es nächstes Jahr nicht mehr geben“

80 Prozent der Menschen, die ins Fitnessstudio gehen, verfolgen beim Training medizinische Ziele. Das Training verschafft ihnen Schmerzlinderung, einen physischen und psychischen Ausgleich und eine Besserung von ernst zu nehmenden Krankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck. Nicht zu vergessen ist der Reha-Sport, der Patienten nach schweren Krankheitsverläufen wieder ein normales Leben ermöglicht.

„Jeder hat seine Hausaufgaben gemacht, nur unser Staat nicht“

„Ich spreche jetzt einmal für alle Selbstständigen, die etwas zu verlieren haben“, sagt Michael Maibaum, Leiter des Fitnessstudios Corpus 2000 in Künzelsau-Gaisbach. „Wir alle haben akribisch danach geschaut, dass Regeln eingehalten und Vorgaben erfüllt werden. Ich kenne keinen einzigen Fall – auch von den Kollegen – wo es in einem Fitnessstudio einen nachweisbaren Corona-Fall gegeben hätte.“

Dem 54-Jährigen ist der Schock über die erzwungenen Schließungen aller Fitnessstudios ab dem zweiten November deutlich anzumerken. Diese Maßnahmen seien unverhältnismäßig und willkürlich. „Jeder hat seine Hausaufgaben gemacht, nur unser Staat nicht. Bei uns im Studio herrscht eine einhundertprozentige Transparenz, wir können jeden Besuch nachvollziehen, haben stimmige Konzepte. Jetzt stellt sich die Frage, wo man die Schlange zuerst köpft. Natürlich am Kopf! Das sind aber nicht die Fitnessstudios. Ich komme aus dem Kopfschütteln schon gar nicht mehr heraus.“

„Da kannst du deine Hausaufgaben machen, wie du willst – du hast keine Chance“

Der vierfache Vater ist enttäuscht: „Wir haben die letzten Monate hart dafür gearbeitet, alle Vorgaben umzusetzen. Es fühlt sich einfach scheiße an, jetzt trotzdem schließen zu müssen. Ich fühle mich verarscht von unserer Regierung, ganz einfach! Was haben die für ein Recht, in einer Demokratie, einfach meinen Laden zuzumachen, weil irgendwelche Zahlen in den Raum geschmissen werden? Was können wir dafür, wenn sich Menschen in den Ballungsgebieten nicht an die Regeln halten und sich Corona deshalb dort rasend schnell verbreitet? Hier auf dem Land bekommt man davon nichts mit! Doch da werden jetzt wir dafür bestraft! Wir müssen jetzt dafür büßen! Manche mit ihrer Existenz und manche mit sehr, sehr viel Geld. Es geht nicht nur um diesen einen Monat, in dem wir keine Beiträge gezahlt bekommen, sondern es geht um die Folgeschäden. Der November ist eigentlich unser umsatzstärkster Monat, im November schließen wir die meisten Neuverträge ab. Nun haben wir keine Möglichkeit mehr dazu, doch die Kündigungen kommen trotzdem. Da kannst du deine Hausaufgaben machen, wie du willst – du hast keine Chance! Jetzt waren wir gerade am Abfangen des letzten Lockdowns, haben gesagt: ‚Okay, es geht langsam wieder aufwärts‘ – Jetzt machen sie uns wieder zu.“

„Ich fühle mich beschissen, auf den Arm genommen, verarscht“

Auch im EnergieLaden in Künzelsau ist der Leidensdruck groß. Patric Donner, der Inhaber des Studios, sieht vor allem „dem Rattenschwanz“, der auf die Schließungen folgen wird, mit Schrecken entgegen. Außerdem merke man nun besonders, welche Branchen eine schlagfertige Lobby hätten: „Man stelle sich einmal vor, dass Mercedes geschlossen würde. Das ist unvorstellbar. Sanktioniert werden die Kleinen. Wir haben in Hygienekonzepte investiert und die Verordnungen, wie vorgeschrieben, umgesetzt. Nun müssen wir trotzdem schließen. Ich fühle mich beschissen, auf den Arm genommen, verarscht – Was soll ich sagen? Die Botschaft aus Frau Merkels Ansage war ja, dass die Gesundheitsämter nicht mehr nachvollziehen könnten, woher die Infektionen kämen. Als Reaktion darauf müssen nun Fitnessstudios und Kneipen geschlossen werden, die wiederum absolut transparent darlegen können, wer wann bei ihnen trainiert hat. Das ist absolut widersprüchlich. Ganz nach dem Motto: ‚Wir wissen nicht mehr, was wir machen sollen, also schließen wir eben die, die man am einfachsten nehmen kann.‘“

„Ich ernähre meine Kinder, muss unser Zuhause bezahlen“

Der 50-Jährige sieht, wie so viele in seiner Branche, einer ungewissen Zukunft entgegen. Er sagt ganz klar: „Ich möchte mir überhaupt nicht ausmalen, noch mehr Mitglieder zu verlieren. Ich ernähre meine Kinder, muss unser Zuhause bezahlen. Ich muss ja auch die Geräte im Studio noch abbezahlen. Wenn ich keine Mitglieder mehr habe, habe ich keine Kohle mehr. Der Rattenschwanz zieht sich da weiter, so wie überall.“

„Wir können keinerlei staatliche Hilfen erwarten, denn diese beziehen sich immer auf die Umsätze des Vorjahres.“

Den Studio-Betreibern steht eine Entschädigung von bis zu 75 Prozent des Umsatzes im November 2019 zu. Doch diese ist ungleich verteilt und nur oberflächliche Symptombekämpfung, wie Maibaum erklärt: „Also vom Grundgedanken her ist die Idee mit den 75 Prozent schon in Ordnung, doch das Problem sind die Folgeschäden, die langfristig definitiv Schwierigkeiten bereiten werden. Das hat man nach dem ersten Lockdown schon bemerkt und jetzt kommt das zweite Mal. Alleine heute sind schon wieder fünf oder sechs Kündigungen reingekommen. Denken Sie doch einmal weiter: Unsere Kinder und deren Kinder können diese Scheiße noch abbezahlen. Was glauben Sie, wo die Regierung das Geld für die zig Milliarden her nimmt, die die Wirtschaft wieder ankurbeln sollen?“ Doch einige Studios fallen komplett durch das Netz der staatlichen Hilfen. „Wir haben unser MG Studio in Kupferzell im Februar dieses Jahres eröffnet“, erklärt Lisa Löchner, Studioleiterin des MG Studios in Kupferzell. Die 25-Jährige hat eine positive, dynamische Ausstrahlung und ein Lachen, das ansteckt. Wenn sie über die Zukunft ihres Studios spricht, wirkt sie plötzlich ganz nachdenklich: „Wir können keinerlei staatliche Hilfen erwarten, denn diese beziehen sich immer auf die Umsätze des Vorjahres. Wenn es die eben nicht gibt, dann kann man 75 Prozent von nichts erwarten.“ Die junge Frau appelliert an ihre Mitglieder: „Bleibt geduldig und schenkt uns weiterhin Euer Vertrauen!“

Das MG Studio bezieht in seiner Pressemitteilung klar Stellung: „Im Frühjahr haben wir die Maßnahmen wegen der unsicheren Faktenlage respektiert. Heute fehlt hierfür aus unserer Sicht jegliche Grundlage.“

Text und Video: Priscilla Dekorsi

 




„Alles, was mit Freizeit zu tun hat, ist jetzt eingeschränkt“

Am kommenden Samstag, den 07. November 2020, veranstaltet die Gruppe „Zusammenhalt Öhringen“ einen Demonstrationszug durch Öhringen. Treffpunkt ist um 15.30 Uhr auf dem Marktplatz, heißt es in einer Pressemitteilung. Thema sollen die Zwangsschließungen sein, die im Zuge des neuerlichen Lockdowns light in Kraft getreten sind. Organisatorin ist die Outdoor-Trainerin Dajana Wildt, die selbst von den Schließungen betroffen ist. „Alles, was mit Freizeit zu tun hat, das soziale Leben ist jetzt eingeschränkt“, bedauert sie. „Der Ausgleich zum Alltag fehlt.“

Einige Maßnahmen seien möglicherweise sinnvoll, so die Organisatorin, keineswegs aber die Schließungen der Gastronomie, der Hotellerie, der körpernahen Dienstleister, der Vereine und Schausteller. Diese seien für lediglich weniger als ein Prozent aller Ansteckungen verantwortlich, habe eine Studie des Robert-Koch-Instituts gezeigt. Bereits die Schließungen im Frühjahr seien zudem für viele Betriebe existenzgefährdend gewesen.

Die Demonstration ist mit 100 Teilnehmern angemeldet. Die Resonanz vor allem in den sozialen Netzwerken sei sehr gut, sagt die Organisatorin. Auch aus Heilbronn hätten sich Teilnehmer angekündigt.

„Zusammenhalt Öhringen“ betont, dass die Demonstration unter freiem Himmel und unter Einhaltung der Abstands- und Hygienemaßnahmen stattfinden wird.

 




Verkaufsoffener Sonntag

Aufgrund der Pandemie-Einschränkungen musste der traditionelle Herbstmarkt, der für den kommenden Sonntag, den 08. November 2020, in Künzelsau geplant war, abgesagt werden. Der verkaufsoffene Sonntag der Werbegemeinschaft Künzelsau findet an diesem Tag allerdings statt.

Die Geschäfte in der Innenstadt haben von 12 bis 17 Uhr geöffnet.




Corona-Zahlen auf einen Blick

Das Landratsamt Hohenlohekreis hat laut einer Pressemitteilung auf seiner Homepage www.corona-im-hok.de eine neue Seite freigeschaltet, die eine aktuelle Übersicht über die Corona-Lage in den Städten und Gemeinden des Kreises bietet. Dieses Dashboard ist auch direkt über https://gdi-hohenlohekreis.de/m/covid19 anwählbar und enthält neben den Entwicklungen seit März auch die derzeit aktuellen Zahlen. Die Daten werden täglich zwischen 18 und 20 Uhr aktualisiert.

Umfassende Informationen

„Über das Dashboard können wir die Bürgerinnen und Bürger des Hohenlohekreises umfassend und zeitnah über die aktuelle Corona-Lage im Kreis informieren“, erklärt Andre Völkner in der Mitteilung. Er ist Leiter der Stabsstelle GIS im Landratsamt Hohenlohekreis, die die Seite umgesetzt hat. „Es können die derzeit aktiven Fälle, die Gesundmeldungen, die Todesfälle und die K1-Kontakte im gesamten Kreisgebiet eingesehen werden.“ Zudem seien diese Zahlen auch aufgeteilt für die einzelnen Kommunen sowie die 7-Tage-Inzidenz nach der Berechnung des Landesgesundheitsamtes hinterlegt.

Übermittlungsverzug

Die Zahlen aus dem Dashboard stimmen nicht immer exakt mit den Zahlen des Landesgesundheitsamts, des Sozialministeriums oder des Robert Koch-Instituts überein. Grund dafür ist der Melde- und Übermittlungsverzug zwischen den einzelnen Behörden. Auch kann es sein, dass die Zahl der derzeit aktiven Fälle geringer ist als die zur Berechnung der 7-Tage-Inzidenz relevanten Fälle, da das Meldedatum insbesondere bei symptomatisch erkrankten Personen oft erst einige Tage nach Erkrankungsbeginn erfolgt und die verbleibende Quarantänezeit dieser Personen eventuell weniger als sieben Tage beträgt.

Öhringer Kindergarten betroffen

Am Mittwoch, den 04. November 2020, lag die 7-Tages-Inzidenz im Hohenlohekreis bei 110,1 pro 100.000 Einwohner. Durch einen Fall in einem Kindergarten in Öhringen musste dort für 21 Kinder und 3 Mitarbeiterinnen die Quarantäne angeordnet werden. Die Kontaktpersonenermittlung läuft. Das Landratsamt Hohenlohekreis appelliert an alle Bürger, die eine Quarantäneverfügung erhalten, dass diese Auflagen im Interesse aller streng eingehalten werden, da sonst die Infektionsketten nicht sicher unterbrochen werden können. Bei Verstößen drohen Bußgelder.

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes Hohenlohekreis

 




Neuer Chef bei der Künzelsauer Kriminalpolizei

Klaus Ullenbruch heißt der neue Leiter der Künzelsauer Kriminalpolizei. Der Kriminalhauptkommissar tritt die Nachfolge von Erster Kriminalhauptkommissar a. D. Rainer Ott an, welcher bereits im April dieses Jahres in den Ruhestand ging.

Am Mittwoch setzte Polizeipräsident Hans Becker im Rahmen einer kleinen, corona-konformen Feierstunde Kriminalhauptkommissar Ullenbruch offiziell in sein Amt ein. Bereits im September hatte dieser sein Büro im Dienstgebäude in der Schillerstraße bezogen. Dabei handelte es sich für den 50-Jährigen um eine Rückkehr in wohlbekannte Gefilde. Bereits vor der Polizeireform, in den Jahren 2005 bis 2015, ermittelte er beim Dezernat für Bekämpfung von Eigentums- und Rauschgiftdelikten bei der Kriminalpolizei Künzelsau. Gelernt hat der dreifache Vater sein Handwerk bei der Kriminalpolizei in Tauberbischofsheim. Anschließend folgte ein Studium an der Hochschule der Polizei in Villingen-Schwenningen. Nach erfolgreichem Abschluss im Jahr 1999 verschlug es den frischgebackenen Kommissar nach Ludwigsburg zum Dezernat „Organisierte Kriminalität“, bevor er nach sechs Jahren schließlich im Hohenlohekreis seinen Dienst aufnahm.

Im Jahr 2015 hieß sein nächstes Ziel Heilbronn. Bei der Kriminalpolizeidirektion Heilbronn war er erneut als Ermittler im Bereich „Organisierte Kriminalität“ tätig. Zudem wirkte er als Leiter mehrerer Ermittlungsgruppen, vor allem bei der Bekämpfung von Straftaten gegen ältere Menschen mit. Nebenamtlich kam er als stellvertretender Leiter der sogenannten „Verhandlungsgruppe“ des Polizeipräsidiums Mannheim für die Sektion Heilbronn mehrere Male bei kriminalpolizeilichen Sonderlagen, wie Erpressungen, Geiselnahmen usw., zum Einsatz. Der neue Künzelsauer Kripoleiter kann also auf eine langjährige Berufserfahrung bauen. Dass er nicht nur als Ermittler einen langen Atem hat, beweist der begeisterte Sportler und Hobby-Läufer immer wieder als Finisher zahlreicher, auch internationaler, Marathons.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn




Corona: Auch Landratsamtsmitarbeiter hat’s erwischt

Am Dienstag, den 03. November 2020 hat das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises insgesamt 22 neue Corona-Fälle an das Landesgesundheitsamt gemeldet. Die 7-Tages-Inzidenz liegt damit bei 107,4 pro 100.000 Einwohner. Mehrere Fälle in der Kreisverwaltung führen dazu, dass für Mitarbeiter eine Quarantäne angeordnet wurde. Die Ermittlung aller Kontaktpersonen der heute gemeldeten Fälle dauert derzeit noch an. Allen K1-Personen wird stets eine Testung dringend nahegelegt.

Allen K1-Personen empfiehlt das Landratsamt eine Testung

„Ich appelliere an die Vernunft und Verantwortung jedes Einzelnen. Es kann jede oder jeden von uns treffen – aber genauso kann jeder Einzelne durch sein Verhalten dazu beitragen, dass eine weitere Verbreitung unterbrochen wird“, ruft Landrat Dr. Matthias Neth die Bevölkerung dazu auf, die vom Land erlassenen Maßnahmen konsequent einzuhalten und Kontakte zu reduzieren, wo immer es möglich ist. „Für uns alle werden es schwierige Wochen werden.“

 




Landrat Neth: „Ich freue mich sehr, dass die Landesregierung das Potenzial erkannt hat, das in der Strecke steckt“

Wie berichtet hat die Landesregierung grünes Licht für die Reaktivierung der Kochertalbahn gegeben. Der Landrat und Bürgermeister im Hohenlohekreis freuen sich sehr über diese Entscheidung. Anbei veröffentlichen wir hierzu eine Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau:

Christian von Stetten: „Einsatz hat sich gelohnt“

„Seit Gründung der Bürgerinitiative haben wir auf diese positive Entscheidung der Landesregierung hingearbeitet und freuen uns jetzt sehr, dass sich die Arbeit gelohnt hat“, so Bundestagsabgeordneter Christian Freiherr von Stetten. „Wenn wir mit unserer Machbarkeitsstudie zu einer positiven Bewertung im Verkehrsministerium in Stuttgart beitragen konnten, hat sich der Einsatz unserer Vereinsmitglieder gelohnt.“

„Meilenstein“

Auch Hohenlohes Landrat Dr. Matthias Neth freut sich über diese Entscheidung: „Ich freue mich sehr, dass die Landesregierung das Potenzial erkannt hat, das in der Strecke steckt. Damit ist ein weiterer Meilenstein geschafft. Die Verwaltung wird für den Kreishaushalt 2021 Mittel für eine neue Machbarkeitsstudie einstellen.“

Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann kann sich diesen Worten nur anschließen: „Die Freude ist riesengroß. Ich danke allen, die sich für die Reaktivierung der Kochertalbahn eingesetzt haben und nenne stellvertretend Landrat Dr. Neth und den Kreistag, die Bürgermeister von Kupferzell und Waldenburg und besonders die Bürgerinitiative und unseren Bundestagsabgeordneten Christian Freiherr von Stetten.“

Künzelsaus Bürgermeister dankt allen Beteiligten für ihr Engagement

Neumann betont: „Der Anschluss ans Schienennetz ist für Künzelsau und für die gesamte Region enorm wichtig und eine hervorragende Grundlage für eine gute Entwicklung unseres Raumes in der Zukunft. Die Erfahrung zeigt, dass die Schiene besser angenommen wird als der Bus. Deshalb haben wir die historische Trasse der Kochertalbahn und Trassenvarianten, die durch Gaisbach führen, freigehalten. Flächen für einen Bahnhof in den Kocherwiesen mit Park- und Ride-Parkplätzen können dort geschaffen werden – und sind im Eigentum der Stadt“

Von Waldenburg über den Gewerbepark Hohenlohe, nach Gaisbach bis zum Bahnhof nach Künzelsau soll die Bahn fahren

„Die starke Trasse wird nicht nur den Gewerbepark Hohenlohe mit knapp 4.000 Arbeitsplätzen und Künzelsau mit rund 13.000 Arbeitsplätzen ans Schienennetz anbinden. Das Landratsamt, das neue Kreishaus, bekommt eine Bahn-Haltestelle (Bahnhof Künzelsau) quasi vor die Haustüre. Rund 11.000 Berufseinpendler kommen täglich nach Künzelsau und mehr als 7.000 Schüler und Studenten. Die Pendler zur Firmenzentrale Würth, zu den Museen Würth und zum Carmen Würth Forum sind außerdem potenzielle Bahnnutzer und Frequenzbringer“, so Neumann.

Finanzierung ist noch zu klären.

Die Finanzierung sei allerdings laut Neumann noch zu klären: „Wie sich die Beteiligung der Kommunen und des Landkreises finanziell, beim Bau und beim Betrieb der Bahn darstellt, ist noch zu klären und auch abhängig von der Unterstützung des Bundes und Landes. Heute können wir dazu keine Aussage treffen – nur so viel: Wir möchten den Schienenanschluss und sind, auch gestärkt nach der Reaktivierungs-Entscheidung des Verkehrsministeriums, bereit uns dafür zu engagieren.“

Auch Kupferzells Bürgermeister freut sich

Christoph Spieles, Bürgermeister in Kupferzell, hält die Reaktivierung der Kochertalbahn ebenfalls für sinnvoll: „Aus verkehrspolitischen und ökologischen Gründen ist das eine gute Nachricht. Jetzt müssen wir schauen, wie es weitergeht und welche Streckenvariante realisiert werden kann. Offene Fragen werden wir gemeinsam lösen.“

Waldenburgs Bürgermeister a.D. sieht einen klaren Wettbewerbsvorteil mit der Bahn

„Ich freue mich sehr, dass das Land die Kochertalbahn fördert und unser Einsatz dadurch honoriert wird. Der Gewerbepark Hohenlohe hat sich zu einem Anziehungspunkt für Unternehmen entwickelt. Alle Menschen, die dort tätig sind, sind potentielle Stadtbahnfahrer. Außerdem sehe ich einen klaren Wettbewerbsvorteil für unsere Stadt und unsere Region.“

 




Kochertalbahn: Alle Signale auf Grün

Seit dem 15. Mai 1991 ist die Kochertalbahn zwischen Bahnhof Waldenburg und Forchtenberg Geschichte, die Personenbeförderung wurde bereits zum 31. Mai 1981 eingestellt. Die damalige Trasse ist heute größtenteils ein gut frequentierter Radweg. Nur ein paar vereinzelte Reste von Signalanlagen oder Kilometersteinen erinnern noch daran, dass auf diesem Radweg früher Menschen und Güter transportiert wurden.

Verein treibt Planungen voran

In den fast  40 Jahren seit der Stilllegung des Personenverkehrs haben sich die verkehrspolitischen Akzente verschoben, insbesondere der ökologische Aspekt einer Bahnstrecke wird inzwischen anders bewertet. Daher hat sich im Herbst 2017 eine „Bürgerinitiative: Wir bauen die neue Kochertalbahn“ gegründet. Seit 2019 ist diese als gemeinnütziger Verein mit inzwischen etwa 200 Mitgliedern im Vereinsregister eingetragen. Christian von Stetten, Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des Vereins sagt: „Die 200 Mitglieder unserer Bürgerinitiative sind fest davon überzeugt, dass aus verkehrspolitischen und ökologischen Gründen nun der richtige Zeitpunkt für eine Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Waldenburg und Künzelsau gekommen ist.“ In Hohenlohe habe sich seit der Streckenstilllegung im Jahr 1981 viel verändert: Künzelsau sei zum Schul- und Hochschulstandort mit vielen Schülern und Studenten herangewachsen, die Bevölkerungszahl in Künzelsau und Kupferzell ist gestiegen, und allein im Gewerbepark Hohenlohe seien etwa 6.000 Arbeitsplätze entstanden. All das spreche für eine Reaktivierung der Bahnstrecke.

Private Machbarkeitsstudie

Daher hat der Verein im Dezember 2018 ein Gutachten zur Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Waldenburg und Künzelsau – unter Berücksichtigung neuer Haltepunkte im „Gewerbepark Hohenlohe“ und in Künzelsau-Gaisbach – im Dezember 2018 in Auftrag gegeben. Von Stetten: „Das Gutachten wurde im Frühjahr 2020 fertiggestellt und hat zahlreiche positive technische Entwicklungen mit berücksichtigt.“

Die Kochertalbahn ist dabei

Parallel dazu wurde im Bund beschlossen, dass derartige Projekte mit bis zu 75% bezuschusst werden und der Verkehrsminister des Landes Baden-Württemberg hat ein Programm zur Reaktivierung alter Bahnstrecken aufgelegt. 41 Strecken habe eine erste Ausscheidungsrunde überwunden, heute, am 03. November 2020, gab das Verkehrsministerium die Entscheidung bekannt, welche der 41 Strecken weiterverfolgt werden: Da das Land mit Fahrgastzahlen von bis zu 1500 Passagieren täglich rechnet, ist die Kochertalbahn dabei.

Detailplanungen können jetzt beginnen

Die Landesregierung wird jetzt, so von Stetten, die weiteren Planungen an sich ziehen und den Hohenlohekreis um eine tiefergehende Detailuntersuchung bitten.

Text: Matthias Lauterer
GSCHWÄTZ berichtete:
https://www.gschwaetz.de/2020/06/19/kommt-die-kochertalbahn/
https://www.gschwaetz.de/2020/07/17/christian-von-stetten-wir-koennen-das-aus-eigener-kraft-stemmen-einzugsbereich-bis-nach-ingelfingen-und-ins-jagsttal-moeglich/
Die Machbarkeitsstudie auf der Seite der „Bürgerinitiative Wir bauen die neue Kochertalbahn e.V.“: http://www.kochertal-bahn.de/gallery/FINAL_Abschlussbericht_Kochertalbahn_Machbarkeitsstudie.pdf

Planungsalternativen für die Kochertalbahn. Quelle: kochertal-bahn.de




Schluss mit lustig

Nach der Enthauptung eines Lehrers in Frankreich gab es laut der französischen Regierung am Montagabend, den 02. November 2020, einen Terroranschlag mit vermutlich islamistischem Hintergrund an sechs Schauplätzen in Wien in Österreich. Die Täter schossen scheinbar wahllos auf Menschen. Videos zeigen das Geschehen. Mindestens vier Passanten (Stand: 03. N0vember 2020, 10 Uhr) starben. Ein mutmaßlicher Angreifer wurde erschossen. Bei ihm wurde eine Pistole, eine Langwaffe und eine Machete gefunden. Das berichtet unter anderem der Tagesspiegel https://www.tagesspiegel.de/politik/terroranschlag-in-oesterreich-weiteres-opfer-stirbt-in-krankenhaus-insgesamt-fuenf-tote-bei-anschlag-in-wien/26583870.html.

Schweigeminute auch an Schulen im Hohenlohekreis

Nur rund zwei Wochen vorher, Mitte Oktober 2020, wurde ein weiteres enges Nachbarland Deutschlands, Opfer einer islamistisch motivierten Tat. Ein Lehrer wurde bei Paris in Frankreich enthauptet, weil er die Mohammed-Karikaturen der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo zum Unterrichtsthema gemacht hatte. https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/lehrer-bei-paris-enthauptet-motiv-wieder-mohammed-karikaturen-17007055.html. Diverse Schulen auch im Hohenlohekreis legten eine solidarische Schweigeminute für den enthaupteten Lehrer ein.

617 Kilometer sind es von Künzelsau nach Wien

Man fragt sich schlichtweg: Was soll das alles? War am Montag, den 02. November 2020, das große mediale Thema in Deutschland der November-Lockdown wegen steigender Coronazahlen, sollte am Dienstag, den 03. November 2020, eigentlich das große Thema die US-Wahl sein. Nun grätschen Islamisten dazwischen und erschießen mal kurz ein paar Passanten – und das nicht irgendwo auf der Welt, sondern ganz nah an der deutschen Grenze. In Wien. Rund 617 Kilometer sind es von Künzelsau nach Wien.

Durch die Coronakrise steigt auch das Aggressionspotenzial in Europa

Bislang blieb Deutschland von Tragödien wie in Frankreich und Österreich verschont. Die Frage ist nur: Wie lange noch? Und wie lange ist die europäische Gesellschaft bereit, islamistische Attentate im Herzen Europas zu tolerieren? Die Coronakrise lässt Geduldsfäden kürzer werden, während die Anspannung und das Aggressionspotenzial steigt. Nie dagewesene Existenzängste ergreifen allmählich die breite Mitte der Gesellschaft – und dann auch noch Attentäter, die scheinbar wahllos auf Passanten in einem Vergnügungsviertel schießen.

Klare Trennung zwischen Staat und Kirche gibt es nicht überall

Wie reagieren kultivierte Europäer darauf? Wir müssen nun unsere Werte und unser Rechtssystem hochhalten. Was ist uns wichtig, wofür stehen wir ein? Was geht und was geht eben nicht? Aber das gelingt nicht mit Pauschalisierungen. Richtig ist: Nicht jeder, der Muslim ist und an den Islam glaubt, ist ein Islamist. Richtig ist aber auch: Während es bei uns in Europa eine klare Trennung von Staat und Kirche gibt, scheint die Religion in anderen Kulturen eine weit höhere Stellung zu genießen als bei uns.

Werte verteidigen

Bereits die heutige Schullektüre „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing, die 1779 (also vor mehr als 2 Jahrhunderten) veröffentlicht wurde, machte die drei Weltreligionen, den Islam, das Judentum und das Christentum zum Gegenstand der Betrachtungen. In der Ringparabel geht es im Wesentlichen um Toleranz. Wir haben in unserer westlichen, christlich geprägten Welt Toleranz als einer unserer wesentlichen Werte – Toleranz und Freiheit.

Es darf nun nicht nach dem Motto „Auge um Auge“ verfahren werden

Nicht mehr tolerierbar sind aber Handlungen, die das Leben von anderen gefährden oder gar vernichten. Das wäre eine falsche verstandene Toleranz. Es geht nicht darum, dass wir nun nach dem alttestamentlichen „Auge um Auge“ verfahren, sondern darum, dass die europäischen Länder zusammenstehen, auch öffentlich, und unsere Werte mit aller Konsequenz verteidigen – durch unser Rechtssystem und durch eine scharfe Verurteilung der Handlungen. Unabdingbar wäre des Weiteren, wenn sich muslimische Verbände, die hier in Europa beheimatet sind, sich dem anschlössen und etwa die Anschläge in Österreich ebenfalls verurteilen.

Lehrer haben nicht klein beigegeben in Frankreich

Den Anfang haben Schulen in Frankreich gemacht, in dem sie hinsichtlich der Mohammed-Karikaturen eben nicht klein beigegeben haben, sondern sie die Karikaturen nach der Enthauptung des Lehrers nun explizit zum Unterrichtsgegenstand auch an anderen Schulen erklärt haben.

Auch wir Medien haben die Aufgabe, für unsere Werte einzustehen und diese zu verteidigen. Und wie könnten wir das besser, als im Namen der Meinungs- und Pressefreiheit und der Toleranz die Mohammed-Karikaturen ebenfalls zu veröffentlichen – in Solidarität mit Charlie Hebdo und dem Lehrer, der sein Leben lassen musste für die wichtigsten Werte, die wir haben.

Text: Dr. Sandra Hartmann

Jetzt erst recht – nach diesem Motto haben viele deutsche Tageszeitungen die Mohammed-Karikaturen aus Solidarität zu Charlie Hebdo vor fünf Jahren ebenfalls abgedruckt. Quelle: NTV

Mohammed Karikatur, veröffentlicht in der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo.

 

 




Mehr Natur für Künzelsau

Seit Mitte Oktober werden die im Rahmen des Projekts „Natur nah dran“ ausgewählten Flächen in Künzelsau vorbereitet, um sie in blühende Blumenwiesen und Wildstaudenflächen umzuwandeln, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung. So wurde das alte Erdreich von Rasen- und Beet-Flächen in den Wertwiesen ausgebaggert und mit einem Gemisch aus Schotter und Kompost wieder aufgefüllt. Dies sei nötig, damit die Wildblumen und Wildstauden dort gedeihen können – sie benötigen einen sehr mageren Boden um wachsen zu können. „Das neu eingebrachte Schotter-Kompost-Gemisch hat außerdem den Vorteil, dass es nahezu unkrautfrei ist“, so Sebastian Frey in der Mitteilung. „Durch den teilweisen Bodenaustausch werden die im Boden schlummernden Samen von weniger erwünschten und sich schnell ausbreitenden Pflanzen wie Melde, Knöterich oder Weißklee entfernt. Die Blumensamen und Stauden die nun ausgebracht werden, sind für relativ trockene Standorte geeignet und haben einen verhältnismäßig geringen Pflegeaufwand“, erklärt der Diplom Landschaftsökologe aus Neckarsulm. Er berät die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs im Auftrag des NABU bei der Neuanlage der naturnahen Grünflächen.

Ursprünglichen landschaftlichen Zustand kopieren

Sebastian Frey hat sich in der letzten Oktober-Woche mit dem stellvertretenden Bauhofleiter Jochen Lutz und zwei Gärtnern des städtischen Bauhofs in den Wertwiesen getroffen. Auf seinem Klemmbrett hat er eine lange Liste mit Pflanzen, die alle in den Boden kommen. Am Rand der Parkplätze werden die teils noch bestehenden Sträucher mit heimischen Wildsträuchern und Wildrosen zu einer gemischten blühenden Hecke ergänzt. Sie dient als Nistgehölz für Vögel und Insekten. Die Wildformen unter anderem von Königskerze, Steppensalbei, Natternkopf, Färberkamille oder Lein werden in den neuen Saumstreifen und den Blumenwiesen Nahrung und Unterschlupf für Insekten und Kleinlebewesen sein. „Wir möchten eine Kopie eines ursprünglichen landschaftlichen Zustandes erreichen“, sagt Sebastian Frey.

Wertvolle Lebensräume brauchen Zeit sich zu entwickeln

Schon ab dem nächsten Frühjahr erwarten das Bauhofteam und NABU-Projektleiter Martin Klatt eine reiche Blüte für Tiere wie Mauerbienen, Stieglitze oder Schachbrettfalter. „Es braucht jetzt etwas Geduld, aber in den nächsten ein bis zwei Jahren werden sich die Flächen zu wertvollen und langjährigen Lebensräumen entwickeln.“

Start in den Wertwiesen

Weitere naturnahe Flächen sollen im Stadtgebiet noch geschaffen werden. „Heute sind wir mit Sebastian Frey noch entlang des Kochers im Innenstadtbereich unterwegs, um zu schauen, wo wir noch Flächen naturnah umgestalten können“, so Jochen Lutz. „Der Rat des Fachmanns ist für uns in der praktischen Umsetzung sehr wertvoll und hilft uns auch weiter bei der richtigen Pflege der neuen naturnahen Grünflächen.“ Die ersten, in Künzelsau mit „Natur nah dran“ umgewandelte Flächen liegen in den Wertwiesen. An diesen Grünflächen werden vorübergehend Schilder aufgestellt, die kurz und knapp erklären, warum Baggerarbeiten stattgefunden haben und Substrat eingearbeitet wurde. Später werden diese durch feste Infotafeln ersetzt, die auf die wertvollen Lebensräume für die biologische Vielfalt hinweisen.

Landesweites Projekt

Künzelsau ist eine von 15 Städten und Gemeinden, die sich erfolgreich um eine Teilnahme am landesweiten Projekt „Natur nah dran“ für 2020 beworben hatten. Das Kooperationsprojekt des NABU und des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg (UM) unterstützt von 2016 bis 2020 jährlich bis zu 15 Kommunen bei der Anlage naturnaher Grünflächen. Jede teilnehmende Kommune erhält eine Zuwendung in Höhe von 50 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben, maximal 15.000 Euro.

Weitere Informationen sowie kurze Videos zum Projekt gibt es unter http://www.Naturnahdran.de.

 

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau

Austausch unter Experten (v.l.): Gärtner des Baufhofs, der stellvertretende Bauhofleiter Jochen Lutz und der Landschaftsökologe Sebastian Frey. Foto: Stadtverwaltung Künzelsau

 

Die Grasnarbe wird abgetragen und ein Schottergemisch eingebracht. Foto: Stadtverwaltung Künzelsau