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„Die Menschen machen das, was schnell geht und bequem ist“

Für eine große Überraschung sorgte Prof. Dr. Otto Weidmann (FWV), als er in der Kreistagssitzung vom 07. Dezember 2020 vorschlug, doch anstelle der Kochertalbahn eine Shuttlebuslinie mit Elektrofahrzeugen zu planen. GSCHWÄTZ hat bei Prof.Dr. Weidmann nachgefragt, warum er einen Bus anstelle einer Bahn bevorzugt.

Defizite im Hohenlohekreis: Verkehr, Studienplätze, Digitalisierung

Er holt ein wenig aus und beschreibt drei Defizite, die er im Hohenlohekreis sieht: Verkehr, Versorgung mit Studienplätzen und Digitalisierung. Mit einer überregionalen Lösung der Verkehrssituation, die zum Beispiel die Hochschulstandorte in Heilbronn, Schwäbisch-Hall und Künzelsau anbindet, könnte das Angebot für Studierende aus dem Hohenlohekreis verbessert werden.

Blick über die Grenzen des Hohenlohekreises hinaus

Dazu bräuchte es aber, so Weidmann, einen Blick über die Grenzen des Hohenlohekreises hinaus: Die Anbindung auf dem Schienenweg nach Schwäbisch-Hall und darüber hinaus nach Crailsheim sowie nach Heilbronn müsse verbessert werden. Dazu könnte eine häufigere und schnellere Anbindung von Bad Mergentheim nach Künzelsau das System ergänzen.

Verbund von Stadtbahn, Regionalbahn und e-Shuttle-Bus

Eine Verdichtung des Takts der Stadtbahn, sowie eine Weiterführung der Strecke über Cappel hinaus bis Waldenburg mit nur einem weiteren Halt in Neuenstein, sieht er als unbedingt notwendig an. Die Strecke bis Waldenburg müßte dafür elektrifiziert werden. Genauso sei es unabdingbar, die Regionalbahnstrecke nach Schwäbisch-Hall zu intensivieren. Immer wieder angeführtes Problem sei der Ausbau des Tunnels vor Schwäbisch-Hall, der zu niedrig für eine Oberleitung sei. Die Lösung könnten Hybridfahrzeuge sein, die diese Strecke ohne Tunnelbauarbeiten bedienen könnten. Sowohl Lokomotiven mit Dieselmotor als auch S-Bahn-Züge mit Wasserstoff-Brennstoffzellenantrieb sind derzeit bereits im Einsatz. Er kann sich einen Viertelstundentakt auch auf der Regionalbahnstrecke vorstellen.

„Die Menschen machen das, was schnell geht und bequem ist“

In Ergänzung zum intensivierten Schienenverkehr schlägt Weidmann einen schnellen und elektrischen Shuttlebus vor. „Mit einem elektrischen Antrieb und regenerativ erzeugtem Strom ist der ökologische Vorteil der Bahn weg“, meint Weidmann. Den Geschwindigkeitsvorteil, den die Bahn bei einem Stau auf der B19 hätte, sieht er nicht: Einerseits sei ja der 4-spurige Ausbau der B19 in Planung, andererseits könnte der Bus auch auf gut ausgebauten Landwirtschaftswegen neben der B19 fahren – versenkbare Poller würden den Zugang zu diesen Wegen regeln. Man habe in Öhringen mit einem derartigen System schon gute Erfahrungen gemacht. Vor allem sieht er aber mit dem Bus eine umsteigefreie Anschlußmöglichkeit des Hochschulstandorts Hofratsmühle. Für ihn ein ganz wichtiges Argument, denn „Die Menschen machen das, was schnell geht und bequem ist“. Eine Befragung von Studierenden habe ergeben, dass diese einen direkte Verbindung zur Hofratsmühle wünschten. Und vor allem könne man mit einer Buslinie das Problem des „Begleitverkehrs“ vermeiden, da keine zwei unterschiedlichen Verkehrsmittel im Nahverkehr dieselbe Strecke bedienen dürfen.

Hohenlohekreis hat bereits Erfahrungen mit Elektrobussen

Der NVH nutzt bereits heute Elektrobusse, wie sie in Weidmanns Konzept vorkommen im Linienverkehr und hat daher beim Betrieb dieser Fahrzeuge schon Erfahrungen gesammelt.

Anbindung Jagsttal und Bad Mergentheim

Als Ergänzung zum E-Shuttle von Waldenburg bis Künzelsau könnte, so Weidmann,  ein Schnellbus nach Bad Mergentheim dienen, der möglicherweise nur einen Haltepunkt in Dörzbach hat.

Schnittstelle Individualverkehr zu Kollektivverkehr

„Sie werden auf dem Land nicht auf das Auto verzichten können“, sagt Weidmann. Er plädiert daher für „Schienenverkehr in der Stadt, auf der Straße übers Land“, das heißt: Mit dem Auto zum Shuttlebus und mit dem Shuttlebus zur Bahn. „Damit die Leute mit dem Zug fahren, braucht es drei Dinge: Schnelligkeit, Takt und Anschlüsse“ – genau das sieht er mit seinen Ideen gewährleistet.

Kosten und Finanzierung

Ökonomisch spreche vieles für eine Shuttlebuslösung: Die Investitionskosten seien sehr gering, da die „Strecke“ bereits vorhanden ist und der Streckenausbau ohnehin in Planung ist. Anschaffungs- und Betriebskosten der Busse dürften auch niedriger sein als für die Bahnen. „Mit 10 bis 20 Millionen können Sie da eine ganze Menge machen.“ Für einen Bruchteil des eingesparten Geldes könne man die Regionalbahnstrecke für einen besseren Taktverkehr ertüchtigen, meint Weidmann fast schon euphorisch.

„Das Ganze steht und fällt mit der Förderung“

Die in Aussicht gestellten Fördergelder für die Kochertalbahn kommen allerdings aus einem Programm für die „Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken“. „Wir können uns ausrechnen, wann wir so viel Geld noch einmal bekommen“, sagt Weidmann und sieht es als Aufgabe der Politik, Alternativen mit Druck aus der Region zu ermitteln. Der Hohenlohekreis als die Mitte der Region, könne hier der Treiber sein. Weidmann sieht in seinem Konzept eine „Win-Win-Win-Win“-Situation, da einfach alle Beteiligten einen Vorteil bekämen, Schwäbisch-Hall, der Hohenlohekreis sowie Kreis und Stadt Heilbronn, denn „Heilbronn ersäuft im Verkehr“. Zwar geht Weidmann  von weiteren Programmen in der Zukunft aus, aber „Wenn der politische Wille da ist, kann man die Mittel in Berlin sicherlich umwidmen“.

Er begrüßt, dass auch die vom Kreistag in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie nicht nur die Kochertalbahn betrachtet, sondern auch die Anforderungen an die übergeordneten Verkehre. „Die Kochertalbahn-Diskussion kann sehr nützlich sein.“

Viele ÖPNV-Projekte in Baden-Württemberg

Im Kreis Schwäbisch-Hall hat man den Anschluß ans S-Bahn-Netz der Stadt Nürnberg beschlossen, Verkehrsminister Winfried Hermann will den Anteil des ÖPNV verdoppeln und das landesweite e-Ticket für den ÖPNV ist in der Erprobung. Der prinzipielle politische Wille im Land Baden-Württemberg zur Verbesserung des ÖPNV-Angebots ist also vorhanden.

Text: Matthias Lauterer

Wasserstoff-Brennstoffzellen-Zug im Liniendienst. Foto: Alstom

 




Luftreinigungsversuch in der Grundschule Kocherstetten

Luftreinigung ist ein großes Stichwort, um die Verbreitung des Coronavirus in Innenräumen, wie zum Beispiel Klassenzimmern, zu unterbinden. Diverse Konzepte wurden vorgestellt, zum Beispiel ein „Eigenbauprojekt“, das vom Max-Planck-Institut in Mainz entworfen wurde. Auch in der Johann-Friedrich-Mayer-Schule in Kupferzell wurde in Zusammenarbeit mit ebm-papst eine Luftreinigungseinheit zu Versuchszwecken aufgebaut (GSCHWÄTZ berichtete).

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass Luftreinigungsanlagen mit geeigneten Filtern in der Lage sind, die Corona-Viren-Konzentration und damit das Infektionsrisiko erheblich herabzusetzen.

Private Initiative ermöglicht den Versuch

Auch in der Grundschule Kocherstetten ist seit einer Woche eine Luftreinigung im Versuchseinsatz, in zwei Klassenzimmern stehen 4 handelsübliche Luftreinigungsgeräte, die stufenlos geregelt werden können. „Eine ziemliche Hau-Ruck-Aktion war das“, meint Sonja Wystup. Sie ist Mutter eines Schülers, Elektroingenieurin und Initiatorin des Projekts, und erklärt: „Wir verwenden HEPA13-Filter, die Staub, Pollen, Bakterien und Viren bis hinunter zu 0,3µm ausfiltern. Da Viren nicht vereinzelt in der Luft herumfliegen, sondern in der Luft immer in Tröpfchen eingeschlossen sind, erreichen die Filter einen Luftreinigungsgrad von 99,98 % laut Herstellerangabe.“ Vier Reinigungsgeräte stehen in jedem der beiden Klassenzimmer, jedes Gerät reinigt bis zu 400m³ Raumluft in der Stunde.

Sinnvolle Ergänzung zum Lüften, aber kein Ersatz

Was die Geräte nicht filtern ist Kohlendioxid, auch führen sie der Raumluft keinen Sauerstoff zu. Sonja Wystup sieht daher die Filtergeräte als sinnvolle Ergänzung, nicht etwa als Ersatz für das Lüften, zum Beispiel auch in der Heuschnupfenzeit.

Unterschiedliche technische Ansätze für unterschiedliche Gebäudevoraussetzungen

Die Geräte saugen die Luft unten an und geben sie gereinigt nach oben wieder in den Raum ab – ein anderer Ansatz wie zum Beispiel die vom MPI Mainz entwickelte Anlage, die aussieht wie mehrere Dunstabzugshauben, die man aus der Küche kennt.

Sie sieht stark unterschiedliche Voraussetzungen bei den Schulgebäuden: „Kocherstetten ist ein Altbau, da herrschen ganz andere Voraussetzungen als bei modernen Schulen“. Ideal für das Lüften sei ein Klassenzimmer mit Fenstern auf beiden Seiten und ein wenig Wind. „Aber unter diesen Gesichtspunkten sind die Schulen nicht gebaut worden – hätten wir ideale Bedingungen, würde Lüften ausreichen.“

Diese idealen Bedingungen sind aber in Schulen in der Regel nicht gegeben. Auch seien die Verhältnisse in Schulen sehr unterschiedlich: „Pauschalaussagen kann man nicht treffen“. Zum Beispiel habe Kocherstetten sehr hohe Räume, wie sie in modernen Schulgebäuden nicht mehr anzutreffen sind.

Und so will Sonja Wystup vorrangig Daten sammeln, um diese für eine Produktentwicklung bereitzustellen. Nicht nur Qualität der Luftreinigung und der Energieverbrauch sind Kriterien, es soll auch ermittelt, werden, welche technischen Anforderungen an derartige Geräte gestellt werden müssen. Und natürlich will man Erfahrungen mit der Lautstärke der Geräte sammeln: 60 db ist der Geräuschpegel bei Maximalleistung. Dieser Pegel ist ungefähr der Lärmpegel eines normalen Gesprächs, liegt also deutlich über der sogenannten Konzentrationsschwelle. Aus diesem Grund wurde die Geräteanzahl überdimensioniert, damit die Geräte bei einem geringen Lärmpegel arbeiten können.

Lehrer und Lehrerinnen können ausprobieren

Die Lehrer:innen der Grundschule Kocherstetten sind in den Versuch einbezogen. Sie haben jetzt die Möglichkeit, die Geräte auszuprobieren und ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Lautstärke im Unterricht noch tolerierbar ist.

Positives Feedback des Rektors

Steffen Gahm, Rektor der Grundschule, gibt nach den ersten Tagen ein positives Feedback über die Geräte: „Wir freuen uns, diese Möglichkeit zu erhalten. Es war zunächst ein ungewohntes Gefühl, ein ständiges Brummen zu hören, man hat sich aber doch schnell daran gewöhnt. Auch von den Kindern kam bisher keine Rückmeldung, dass dies störend wäre. Man hatte schon sehr schnell das Gefühl, deutlich frischere Luft zu atmen. Zudem ist die Handhabung sehr einfach und somit im Alltag leicht umsetzbar.“

Warten auf eine Entscheidung des Landes

Sonja Wystup ist überzeugt, dass das Land bald eine Entscheidung treffen muss, ob Luftreinigungsanlagen in größerem Maßstab eingesetzt werden sollen. Bis dahin will sie genügend Know-How aufgebaut haben, um dann dazu beitragen zu können sinnvolle Lösungen für Schulen anbieten zu können.

Sonja Wystup bedankt sich insbesondere bei dem Ingenieurdienstleister Xares GmbH, Neuenstein für die zur Verfügungsstellung der Geräte und an den Gerätehersteller Frico GmbH, Dörzbach-Hesslachshof. „Ohne deren Engagement wäre die Privatinitiative nicht möglich.“

Text: Matthias Lauterer

 

Je vier dieser Luftreiniger stehen in den beiden Klassenzimmern der Grundschule Kocherstetten. Bild: Steffen Gahm/Grundschule Kocherstetten

Die Luftreiniger sind recht unauffällig. Bild: Steffen Gahm/Grundschule Kocherstetten

Die Luftreiniger sind recht unauffällig. Bild: Steffen Gahm/Grundschule Kocherstetten

Die Luftreiniger sind recht unauffällig. Bild: Steffen Gahm/Grundschule Kocherstetten




Jetzt erst mal den Stecker ziehen

Wie oft hat man sich schon danach gesehnt, gaaanz ruhige Weihnachten ohne die bucklige Verwandtschaft verbringen zu dürfen. Et voila, nun tritt dieses unverhoffte Glück ohne Familienknatsch ein und schon passt es auch wieder keinem. Dabei beschert der Weihnachtslockdown ganz unverhoffte Freuden – kein Einkaufsmarathon bis zum Schluss mehr – was man hat, das hat man – oder auch nicht und kann stattdessen beten, dass die Amazongeschenke wegen der überlasteten Post noch rechtzeitig an Heiligabend da sind. Aber selbst wenn nicht: Man sieht sich ja sowieso nicht, um die Packerl direkt zu übergeben. Das heißt: Eigentlich braucht man am 24. ja nur vorsorgen für die handvoll Menschen, die mit mir mit unterm Weihnachtsbaum sitzen dürfen. Den Rest kann ich entspannt im Januar bedienen. So sieht alles doch schon gleich viel entspannter aus.

Es gibt kein Vereinsleben mehr und kein Musikleben, Treffen von Freunden dürfen nur noch zwischen 2 Haushalten stattfinden. Dann verzichtet man einfach gänzlich drauf und geht lieber mal öfter im Wald spazieren. Denn urlauben geht ja auch nur noch unter ganz erschwerten Bedingungen. Hört sich alles schlimm an? Ach, i wo. Das ist bloß alles eine Frage der Perspektive.

Nichtstun so akzeptiert wie nie

Runterfahren heißt das Zauberwort. Den Stecker ziehen, sich ausklinken aus unserem Hamsterradleben. Wollten Sie schon immer tun? Jetzt haben Sie gezwungenermaßen die Gelegenheit dazu. Und dafür müssen Sie sich bei keinem entschuldigen, etwas nicht erledigt zu haben oder keine Lust zu haben, irgendwohin zu gehen. Denn: In diesem Lockdown scheint die Zeit stillzustehen. Und Nichtstun so akzeptiert zu sein wie noch nie.

Ich bin in mich gegangen und habe mir überlegt, was ich neben meiner Arbeit (arbeiten darf man ja noch, leider, zumindest in meinem Berufsfeld), so alles mit meiner gewonnenen Freizeit anfangen kann, bis alles wieder seinen gewohnten Gang nimmt und habe mir folgende Punkte notiert:

1. Friedhöfe besuchen und meinen verstorbenen Freunden und Verwandten einen Besuch abstatten

2. Scharade und Glücksrad (mit der Tafel meiner Kinder) spielen mit der Familie (der engsten)

3. Freunde anrufen

4. lesen

5. meine alte Yoga-CD suchen und die wieder jeden Tag machen

6. meinen Kindern eine adäquate Erziehung verpassen, die Hausarbeit inkludet

7. Achtsam sein mir selbst gegenüber (was mag ich mir Gutes tun, vielleicht ein Schaumbad oder eine Tafel Schokolade?)

8. Achtsam sein meinen Mitmenschen gegenüber (anstatt „Nein“ oder „keine Zeit“ lieber sagen: „Klar, lass uns reden, komm vorbei auf eine Tasse Tee“)

9. spazieren gehen (wenn mir das mit 16 jemand gesagt hätte, dass ich das mal meine Wunschliste schreibe, hätte es mich geschüttelt)

10. Weihnachtslieder anhören

Jetzt bloß keinen Stress

Selbst die Verkäuferinnen in Künzelsau schienen am Dienstag, den 15. Dezember 2020, an ihrem letzten Arbeitstag vor dem zweiten Coronalockdown, ganz entspannt zu sein. Aber Frauen genießen diese Entspanntheit stets unter Vorbehalt. Darf man sich jetzt überhaupt zurücklehnen und entspannen? Ich müsste doch eigentlich arbeiten. Dann sitzt man Zuhause mit einem schlechten Gewissen und gehört dafür direkt geohrfeigt. Denn: Man kann nichts daran ändern, dass man nun zu Hause hockt. Dann genießt diese Zeit einfach, verdammt nochmal. Ladet eure Akkus auf. Eine Ladeninhaberin hat ernsthaft überlegt, ob sie ständig für ihre Kunden erreichbar sein sollte, falls noch jemand ein Geschenk braucht. Das ist sehr löblich von ihr, aber wie viel Aufwand und wie viel Dauerstrom stehen den 11,90 Euro entgegen, die sie dann in dieser Zeit einnimmt?

Wenn nicht jetzt, wann dann? Wann dann fahren wir mal runter? Lasst uns alle gemeinsam den Stecker ziehen – aber die Weihnachtsbeleuchtung kann ruhig anbleiben. Die wirkt so schön kuschelig.

Eine GSCHWÄTZ-Kolumne von Christine Müller

 




„Informations- und Pressefreiheit gehört zu den unveräußerlichen Grundlagen einer demokratischen Gesellschaft“

Julian Assange, der Gründer der Internet-Plattform WikiLeaks, hat den Stuttgarter Friedenspreis 2020 der Initiative „Die Anstifter“ erhalten. Diese setzt sich für Frieden und Zivilcourage ein. Die Friedenspreis-Feier auf dem Stuttgarter Schlossplatz am Sonntag, den 13. Dezember 2020, war ein Versuch, die Welt noch einmal auf das Schicksal des australischen Politaktivisten aufmerksam zu machen. Annette Ohm-Reinicke, Vorsitzende der „AnStifter“ erläuterte: „Als zivilgesellschaftliche Organisation treten die Anstifter für die Möglichkeit freier öffentlicher Meinungsbildung ein. Eine Bedingung dafür ist der uneingeschränkte Zugang zu Informationen. Julian Assange nahm sich mit Wikileaks das Recht, kompromisslos zu informieren. Dieses Handeln zu schützen heißt nicht nur, das Recht auf uneingeschränkte Pressefreiheit zu verteidigen, sondern auch an die Selbstverständlichkeit zu erinnern, dass uneingeschränkte Informationsfreiheit eine Bedingung für demokratisches Denken und Handeln überhaupt ist. Eine schlecht informierte Gesellschaft bietet den besten Boden, Fake News sowie Propaganda auf den Leim zu gehen und dadurch autoritäre Gruppen oder gar Regierungen zu stärken. Solchen Entwicklungen treten wir entgegen.“

„Informations- und Pressefreiheit wurde einst gegen Tyrannen und Despoten erstritten“

Ohm-Reinicke weiter: „Informations- und Pressefreiheit ist ein Recht, das einst gegen Tyrannen und Despoten erstritten wurde. Seit der ersten Erklärung der Menschenrechte von 1789 gehört es in Europa zu den unveräußerlichen Grundlagen einer demokratischen Gesellschaft. Die scharfe Repression gegen Julian Assange richtete sich auch gegen die Verwirklichung einer umfassenden politischen Information aller Menschen. Mit der Verleihung des Friedenspreises an Julian Paul Assange setzen die AnStifterinnen und AnStifter ein Zeichen, das Recht auf bedingungslose Informations- und Pressefreiheit nicht nur zu schützen, sondern durchzusetzen.“

„Um solche Vorgänge öffentlich zu machen, braucht es Mut und Aufklärungswillen“

Bascha Mika war viele Jahre Chefradakteurin der taz und in gleicher Funktion bei der Frankfurter Rundschau. Sie sollte im Rahmen der Friedens-Gala der AnStifter die Laudatio halten. Weil diese Veranstaltung aufgrund der Corona-Verordnungen verschoben wurde, gab sie folgende Stellungnahme ab: „Stellen Sie sich vor: Eine Straße in Bagdad. Ein US-Kampfhubschrauber. Darin Männer, die ihren Spaß haben wollen. Indem sie auf Zivilisten schießen. Anpeilen, Feuer! Die Soldaten mähen zwölf Menschen nieder, darunter zwei Journalisten. „Collateral Murder“ heißt das Video, das dieses Kriegsverbrechen dokumentiert. Wikileaks hat es veröffentlicht. So wie viele andere geheime Dokumente, die Regierungen, Banken, Militärs, Sektenführer und Firmenbosse an den Pranger stellen. Wegen ihrer korrupten Machenschaften, ihres Machtmissbrauchs, ihrer Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Um solche Vorgänge öffentlich zu machen, braucht es Mut und Aufklärungswillen. Beides hat Julian Assange mit Wikileaks bewiesen – dafür soll er büßen! Dafür büßt der Gründer der Enthüllungsplattform bereits seit Jahren mit seiner Freiheit, mit seiner psychischen und physischen Gesundheit.“

„Lasst Julian Assange sofort frei“

„Ich habe es noch nie erlebt, dass sich eine Gruppe demokratischer Staaten zusammengeschlossen hat, um ein einzelnes Individuum so lange Zeit bewusst zu isolieren, zu dämonisieren und zu missachten.“ Das sagt Nils Melzer, UN-Sonderberichterstatter für Folter. Er meint die Regierungen Schwedens, Ecuadors, Großbritanniens und der USA. Sie alle wollen, dass Julian Assange für den Rest seines Lebens im Gefängnis verrottet. Weil er mit der publizistischen Arbeit von Wikileaks für Freiheit gestritten hat. Weil er als Whistleblower für Menschenrechte, für Gerechtigkeit und eine offene Gesellschaft eingetreten ist. Julian Assange ist zum Symbol für Aufklärung und die Freiheit des Wortes geworden. Wer ihn verfolgt, verübt einen Anschlag auf die Meinungsfreiheit und will Whistleblower einschüchtern. Deshalb fordern wir im Namen des AnStifter-FriedensPreises: Lasst Julian Assange sofort frei.“

„Bravo, bravo, bravo“

Anstifter Hans Graef über die Entscheidung für Assange als Preisträger: „Bravo, bravo, bravo. Ich denke täglich an ihn und freue mich über die Entscheidung. Das ist es, was der mutige Journalist Julian Assange in dieser Zeit braucht. Eine breite Öffentlichkeit, die sich mit ihm solidarisiert, für ihn streitet und ihn nicht vergisst.“

Haft wegen Verstoßes gegen Kautionsauflagen

Julian Assange hatte unter anderem die Kriegsverbrechen der US-Armee im Irak bekannt gemacht. Von 2012 bis 2019 hielt sich der heute 49-Jährige in der ecuadorianischen Botschaft in London auf, weil ihm die Auslieferung nach Schweden drohte. Zwei Frauen hatten ihn 2010 bei der schwedischen Polizei wegen sexueller Vergehen angezeigt. Die Ermittlungen wurden zwischenzeitlich eingestellt. 2019 schließlich wurde Assange in der Botschaft verhaftet, nachdem ihm der ecuadorianische Präsident das Asylrecht entzogen hatte. Weil Assange gegen Kautionsauflagen verstoßen hatte, wurde er zu einem knappen Jahr Haft verurteilt.

Entscheidung über Auslieferung Anfang Januar

Zurzeit sitzt der Australier im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh. Am 04. Januar 2021 soll vor dem englischen Gericht Old Bailey die Entscheidung fallen, ob er an die USA ausgeliefert wird. Dort drohen ihm 175 Jahre Haft. Das Verfahren zuvor wurde nicht nur aufgrund seiner langen Dauer immer wieder kritisiert. So sollen Vertreter von Nichtregierungsorganisation sowie Pressevertreter keinen Zutritt zum Gerichtssaal bekommen haben – offizieller Grund: Corona. Die stattdessen eingerichtete Video-Übertragung war nicht für jeden verfügbar oder übertrug das Geschehen nur bruchstückhaft.

WikiLeaks-Chefredakteur Kristinn Hrafnsson befürchtet, dass Assanges Auslieferung aufgrund seines kritischen Gesundheitszustandes für ihn den Tod bedeuten würde. Bei diesem politischen Prozess geht es um mehr als nur ein Einzelschicksal. Es geht um einen der Grundpfeiler unserer Demokratie. Es geht um die Presse- und Informationsfreiheit.

Text: Priscilla Dekorsi

Die Initiative „Die AnStifter“ vergab den Preis auf dem Stuttgarter Schlossplatz. Foto: GSCHWÄTZ

Informations- und Pressefreiheit wurde einst gegen Tyrannen und Despoten erstritten. Foto: GSCHWÄTZ

Die Friedenspreis-Feier ist ein Versuch, die Welt noch einmal auf das Schicksal von Julian Assange aufmerksam machen. Foto: GSCHWÄTZ

Uneingeschränkte Informationsfreiheit ist eine Bedingung für demokratisches Denken und Handeln. Foto: GSCHWÄTZ

 




4. Kurz.Film.Fest in Künzelsau

Am Donnerstag, den 14. Januar 2021, veranstalten Studierende des sechsten Semesters des Studienganges Betriebswirtschaft mit dem Schwerpunkt Kultur- und Freizeitmanagement der Reinhold-Würth-Hochschule in Künzelsau das 4. Kurz.Film.Fest – erstmals in einer digitalen Streaming-Auflage. Das Filmfest, das in den vergangenen drei Jahren großen Anklang fand, zeigt Kurzfilme junger Filmemacher. In knapp bemessener Zeit – teilweise in nur wenigen Minuten – werden Geschichten erzählt, die rühren, informieren oder gar das Publikum zum Lachen und Nachdenken bringen. Aufgrund der Corona-Pandemie haben die Studierenden unter Leitung von Professorin Raphaela Henze diesen Abend in einem Online-Format vorbereitet. Die Kurzfilme werden online gestreamt. Aber auch in diesem Jahr wird wieder durch eine Expertenjury und das Publikum abgestimmt, wer am Ende die begehrten Preise erhält.

Die Filme werden von 20 bis 22 Uhr online gezeigt. Danach erfolgt eine Q&A-Session mit den Filmemachern. Die Teilnahme ist kostenlos und ab 18 Jahren möglich. Interessierte sollten sich unter Angabe des vollständigen Namens und Geburtsdatums per E-Mail an BK-hs.heilbronn@gmx.de bis spätestens 13. Januar 2021 anmelden. Die Anmeldedaten werden selbstverständlich umgehend nach dem kurz.film.fest wieder gelöscht und nicht weitergegeben. Weitere Informationen findet man zudem unter https://www.facebook.com/kurzfilmfest/.

 




Bis 2030 sollen doppelt so viele Menschen auf Bus und Bahn umsteigen

Ein zentrales Ziel für den Klimaschutz ist die Verdopplung der Nachfrage im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bis 2030 (Bezugsjahr 2010). Verkehrsminister Winfried Hermann stellte am Mittwoch, den 09. Dezember 2020, laut einer Pressemitteilung in einer Online-Veranstaltung Vertretern der Land- und Stadtkreise sowie der Verkehrsverbünde, der Verkehrsunternehmen und der Fahrgastverbände den ÖPNV-Report Baden-Württemberg vor. Darin wird beschrieben, wie der ÖPNV in den unterschiedlichen Regionen bisher aufgestellt ist und mit welchen Mitteln mehr Fahrgäste im ÖPNV gewonnen werden können. Die Studie analysiert den Status quo des ÖPNV auf Ebene der Verkehrsverbünde, der Stadt- und Landkreise sowie der Städte und Gemeinden. Dabei wird auch ein Vergleich gezogen mit ähnlich strukturierten vorbildlichen Best Practice-Regionen im In- und Ausland hinsichtlich der Angebotsqualität, des Preis-Leistungs-Verhältnisses und der Nachfrage im ÖPNV.

„Viele Kreise setzen den Angebotsausbau fort“

Minister Hermann sagte in der Mitteilung: „Der Quervergleich mit Regionen in der Schweiz und Österreich zeigt eines sehr deutlich: Die Verdopplung der Nachfrage im ÖPNV bis 2030
kann erreicht werden. Aber das erfordert eine gemeinsame Kraftanstrengung des Landes sowie der Stadt- und Landkreise als Aufgabenträger des ÖPNV. Viele Kreise machen sich hier im Rahmen ihrer Nahverkehrspläne bereits auf den Weg und setzen
den Angebotsausbau fort. Dazu zählt auch ein flächendeckendes Mindestangebot eines verlässlichen Stundentakts von 5 bis 24 Uhr, den das Land im Rahmen des Zielkonzepts 2025 für den regionalen Schienenverkehr als Mindeststandard bereits definiert hat. Aber für eine klimafreundliche Verkehrswende muss flächendeckend in allen Bereichen noch deutlich mehr in die Angebotsverbesserung investiert werden, im Schienenverkehr, im Stadtverkehr und im Busverkehr in der Fläche“, betonte Minister Hermann.

„Landkreise und kreisfreie Städte müssen ebenfalls ihr Angebot verbessern“

Die wichtigsten Hebel seien dabei eine deutliche Takt- und Fahrplanverdichtung, eine attraktive Kombination aus Taktdichte und preiswertem Tarif sowie eine bessere Verknüpfung von Bus und Bahn mit dem Fahrrad im Umweltverbund. Der Verkehrsminister machte deutlich: „Bund und Land haben bereits die Fördermittel für die Infrastruktur massiv ausgeweitet. Nun kommt es im nächsten Schritt darauf an, dass auch deutlich stärker in den Betrieb und in Fahrplanverdichtungen investiert wird. Landkreise und kreisfreie Städte müssen ebenfalls ihr Angebot ausbreiten und verbessern.“

Deutlich besseres Angebot in Österreich und der Schweiz

Denn der Vergleich zeigt, dass Best-Practice-Regionen in der Schweiz und in Österreich ein deutlich besseres Fahrplanangebot aufweisen, als viele Regionen in Baden-Württemberg. Die Analyse ergibt auch, dass in Regionen mit dichtem Fahrplanangebot der Marktanteil des ÖPNV spürbar höher ist. Minister Hermann betonte daher: „Nur mit durchgehend dichtem Fahrplanangebot – auch im Freizeitverkehr am Wochenende – kann der ÖPNV eine echte Alternative zum Pkw darstellen“. Und auch flexible Bedienformen könnten zu Zeiten und in Räumen mit schwacher Nachfrage eine wichtige ergänzende Rolle spielen. Dazu müssen Nutzungshürden jedoch abgebaut und die Regelungen vereinheitlicht werden.

„Das sind sehr gute Voraussetzungen für den weiteren Ausbau des ÖPNV“

Ein besonders positives Ergebnis der Studie ist, dass ein Großteil der Bevölkerung in Baden-Württemberg bereits heute eine ÖPNV-Haltestelle in kurzer Zeit erreichen kann: Zu Fuß kommen rund 86 Prozent aller Einwohner in maximal fünf Minuten zu einer Bus- oder Bahn-Haltestelle. Mit dem Fahrrad erreichen rund 68 Prozent aller Einwohner in maximal 15 Minuten sogar eine Bahnhaltestelle. „Das sind sehr gute Voraussetzungen für den weiteren Ausbau des ÖPNV. Und die schnelle Erreichbarkeit der Bushaltestellen zu Fuß und der Bahnhaltepunkte mit dem Fahrrad zeigt auch, wie wichtig die Optimierung der Fußwege und die Verknüpfung von ÖPNV und Rad durch den Ausbau guter Fahrradabstellanlagen an den Haltestellen ist. Auch das muss daher ein wichtiger Fokus in den nächsten Jahren sein“, erklärte Minister Herrmann.

ÖPNV einen Schritt nach vorne bringen

Die Ergebnisse des ÖPNV-Reports Baden-Württemberg fließen nun in den Strategieprozess ein, den das Verkehrsministerium im Juli 2020 begonnen hat. Die ÖPNV-Zukunftskommission wurde einberufen, um Ziel- und Maßnahmenempfehlungen für die ÖPNV-Strategie 2030 zu erarbeiten. Gemeinsam mit Experten aus allen relevanten Handlungsfeldern werden Ideen und Maßnahmen diskutiert, die den ÖPNV neu und groß denken sowie ihn strategisch einen weiten Schritt nach vorne bringen. Darüber hinaus bietet das Verkehrsministerium von Anfang 2021 an bis zu 25 Stadt- und Landkreisen eine auf ihre regionale Situation explizit zugeschnittene Präsentation der Ergebnisse des ÖPNV-Reports an.

Quelle: Pressemitteilung des Ministeriums für Verkehr Baden-Württemberg




Mit dem Fahrzeug mehrfach überschlagen

Am Sonntag, den 13. Dezember 2020, kam um 14.20 Uhr der 18-jährige Fahrer eines Opel Corsa allein beteiligt von der Fahrbahn ab. Der junge Mann musste von der Feuerwehr aus seinem Fahrzeug befreit werden. Er hatte zuvor aus bislang nicht abschließend geklärter Ursache die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren, wodurch er auf der Landstraße von Crispenhofen in Richtung Westernhausen in einer Linkskurve nach links von der Fahrbahn abkam. Vermutlich überschlug sich das Fahrzeug mehrfach und blieb letztendlich an der dortigen Böschung hängen. Hierbei wurde das Fahrzeug derart beschädigt, dass die Feuerwehr die Fahrertür aufschneiden musste, um den 18-Jährigen zu befreien. Dieser kam mit Verdacht auf Gehirnerschütterung und Prellungen ins Krankenhaus.
Am Pkw entstand ein Sachschaden von rund 3.000 Euro, der entstandene Flurschaden wird auf etwa 300 Euro geschätzt. Die Feuerwehr war mit 36 Mann und 7 Fahrzeugen, die Rettung mit einem Rettungswagen und einer Notärztin vor Ort. Die Landstraße musste zur Unfallaufnahme und Fahrzeugbergung für 45 Minuten voll gesperrt werden.
Quelle: Polizeipräsidium Heilbronn

 




Dr. Helmut Stoffel ist neuer Leiter des Veterinäramts

Dr. Helmut Stoffel hat seit dem 1. Dezember 2020 die Leitung des Veterinäramtes und Lebensmittelüberwachung des Hohenlohekreises übernommen, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes. Der 58-Jährige folgt auf Dr. Thomas Pfisterer, der zum Veterinäramt des Rems-Murr-Kreises gewechselt ist.

Dr. Stoffel bringt viel Erfahrung mit. Bevor er zuletzt das Veterinäramt des Main-Tauber-Kreises leitete, war er zuvor bereits als stellvertretender Leiter des Veterinäramtes des Hohenlohekreises tätig. Zu seinen Aufgabengebieten gehörte die Fachbereichsleitung für Tiergesundheit und Tierschutz, außerdem war er langjähriger Laborleiter der Trichinenuntersuchungsstellen des Hohenlohekreises.

„Wir freuen uns, mit Herrn Dr. Stoffel einen erfahrenen Leiter für das Veterinäramt gewonnen zu haben“, begrüßte ihn Landrat Dr. Matthias Neth laut Mitteilung und wünschte ihm alles Gute für seine Tätigkeit. Auch der Leiter des Dezernats für Ländlichen Raum, Dr. Wolfgang Eißen, freut sich auf die Zusammenarbeit: „Dr. Stoffel kennt den Hohenlohekreis gut und wird nur wenig Eingewöhnungszeit benötigen. Sein Erfahrungsschatz wird uns sehr helfen.“

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes Hohenlohekreis




„Unser Ziel ist es, gestärkt aus der Krise hervorzugehen und für die Zeit nach COVID-19 brauchen wir dafür unsere gesamte Mannschaft“

Die Corona-Krise bedeutet nicht nur für die Menschen Einschränkungen. Viele haben Angst vor der Zukunft, weil sie nicht wissen, was noch alles auf sie zukommt. Doch auch Unternehmen sehen sich zunehmend vor Probleme gestellt. Viele müssen staatliche Unterstützung anfordern und rechnen damit, Personal abbauen zu müssen. GSCHWÄTZ hat bei Firmen in der Region nachgefragt, wie sie durch die Krise kommen.

Effiziensprogramm „R. Stahl 2020“ läuft seit 2018

Das Waldenburger Explosionsschutz-Unternehmen R. Stahl AG hat 2018 das Effizienzprogramm „R. STAHL 2020“ gestartet und damit eine neue Konzernorganisation mit global verantwortlichen Funktionsbereichen eingeführt. „Ziel dieser Neuaufstellung war die Führung aller konzernweiten Tochtergesellschaften nach Konzernbereichen in einer klassischen Matrixorganisation, die naturgemäß auch zu einer Verschlankung der Belegschaft geführt hat“, schreibt Unternehmenssprecher Dr. Thomas Kornek auf die GSCHWÄTZ-Anfrage. „Der damit verbundene sehr selektive Personalabbau war im Wesentlichen im Jahr 2019 abgeschlossen.“

Leichter Personalaufbau

So hätte sogar ein leichter Personalaufbau stattgefunden: Gegenüber dem Stand zum 31. Dezember 2019 mit damals 1.669 Mitarbeiter arbeiteten zum 30. September 2020 1.688 Menschen für die R. Stahl AG, 826 davon am Standort in Waldenburg. „Den enormen gesundheitlichen und gesamtwirtschaftlichen Herausforderungen der COVID-19-Pandemie konnten wir mit einer Vielzahl von Maßnahmen erfolgreich begegnen, die in weiten Teilen ohne die früheren Erfolge aus unserem Effizienzprogramm auch nicht möglich gewesen wären“, so Dr. Kornek weiter. „Einen Covid-19-bedingten Personalabbau konnten wir dadurch vermeiden und davon gehen wir nach heutigem Stand auch weiterhin aus.“ Das Ziel des Unternehmens sei eher, gestärkt aus der Krise hervorzugehen. „Für die Zeit nach Covid-19 brauchen wir dafür unsere gesamte Mannschaft.“

 




„Entscheidender Faktor, um die Pandemie unter Kontrolle zu bekommen“

Der Hohenlohekreis sucht für den Betrieb des Kreisimpfzentrums in der Hohenlohe-Sporthalle in Öhringen medizinisches Personal, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamts. Gesucht werden zum Start Mitte Januar Ärzte und Apotheker. Ebenso benötigt werden medizinische Fachangestellte, medizinisch-technische Assistenten und pharmazeutisch-technische Assistenten, Gesundheits- und Krankenpfleger sowie Personen mit vergleichbaren Qualifikationen wie Notfallsanitäter, Rettungssanitäter und Rettungshelfer.  Auch Medizinstudierende, bevorzugt im letzten Ausbildungsabschnitt, können sich melden. Die nichtärztlichen Kräfte sollen in Zusammenarbeit mit dem ärztlichen Personal die Menschen im Impfzentrum begleiten und, soweit die fachlichen Voraussetzungen vorliegen, auch selbst impfen.

Tägliche Öffnungszeiten

Voraussichtlich ist das Impfzentrum täglich von 7 bis 21 Uhr geöffnet. Die Zeiten sollen im Schichtbetrieb abgedeckt werden. Hierzu werden bevorzugt Vollzeitkräfte gesucht, tage- und stundenweiser Einsatz ist auch möglich. Die Arbeit wird angemessen vergütet.

„Wir wissen, dass dies noch einmal eine große Kraftanstrengung erfordert“

„Das Personal ist neben der Verfügbarkeit der Impfdosen der entscheidende Faktor, wenn der Betrieb des Kreisimpfzentrums ein Erfolg werden soll“, sagt Landrat Dr. Matthias Neth in der Mitteilung. Er hofft, dass sich möglichst viele Menschen mit der entsprechenden Ausbildung melden. „Damit verbunden ist natürlich auch die Hoffnung, die Pandemie unter Kontrolle zu bekommen“, erklärt Neth weiter und appelliert an die Solidarität innerhalb der Bevölkerung. „Wir wissen, dass dies noch einmal eine große Kraftanstrengung erfordert. Aber ich bin davon überzeugt, dass sie sich lohnt.“

Kontakt

Interessierte wenden sich unter Angabe eines Kurzlebenslaufes sowie Informationen zu Qualifizierung, beruflicher Erfahrung und möglichem Arbeitsumfang per E-Mail an personal-kiz@hohenlohekreis.de. Mitarbeiter des Landratsamtes Hohenlohekreis beantworten von montags bis donnerstags zwischen 9 und 16 Uhr sowie freitags von 9 bis 12 unter Telefon 07940/18 813 und 07940/18 730 Fragen zum Thema. Über diese Kontakte ist keine Terminvergabe im Kreisimpfzentrum möglich. Wie die Termine vergeben werden, wird rechtzeitig bekannt gegeben.

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes Hohenlohekreis