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Ehrung für herausragendes Engagement

Nachdem die Familie Haag aus Forchtenberg in diesem Jahr bereits den Kulturlandschaftspreis des Schwäbischen Heimatbundes erhalten hat, wurde die Familie nun für ihr herausragendes Engagement auch mit dem Deutschen Landschaftspflegepreis 2020 geehrt. Dieter Haag erhielt den zweiten Preis in der Kategorie „Engagierte Person“. Der Landschaftspflegepreis ist mit 2.500 Euro dotiert und zeichnet Projekte sowie Personen für ihre herausragenden Leistungen zum Erhalt und zur Entwicklung der Kulturlandschaften aus. Er geht in diesem Jahr an Projekte in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und mit Familie Haag aus dem Hohenlohekreis auch nach Baden-Württemberg. Pandemiebedingt wurden die Preisträger im Rahmen der Online-Mitgliederkonferenz des Deutschen Verbandes für Landschaftspflege bekannt gegeben.

Weidetierhaltung in Steilhängen

Dieter Haag ist Schaf- und Ziegenhalter, der durch Weidetierhaltung einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der einzigartigen Landschaft des Kochertals leistet. In Kooperation mit dem Landschaftserhaltungsverband Hohenlohekreis trägt er gemeinsam mit seinen Söhnen zur Offenhaltung ehemaliger Weinberglagen bei, die sich auf bis zu 200 Meter aufragenden Steilhängen erstrecken. Darüber hinaus wird durch die Beweidung ein großflächiges Verbundsystem geschaffen, das zur Erhöhung der Artenvielfalt beiträgt.

Der Deutsche Landschaftspflegepreis wird seit 2005 jährlich verliehen. Der Deutsche Verband für Landschaftspflege als Dachverband der 181 Landschaftspflegeverbände und -organisationen lobt den Landschaftspflegepreis für herausragende Projekte sowie außerordentliches Engagement von Privatpersonen und Unternehmen aus.

Weitere Informationen zu den Preisträgerinnen und Preisträgern sind unter http://www.dvl.org abrufbar. Ab Mitte Januar 2021 stehen dort auch Filmporträts zur Verfügung.

Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Verbands für Landschaftspflege (DVL)




Und der Inzidenzwert steigt und steigt und steigt

Am Wochenende hat das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises insgesamt 44 neue Corona-Infektionen an das Landesgesundheitsamt gemeldet, davon 42 am Samstag, den 19. Dezember 2020, und zwei am Sonntag, den 20. Dezember 2020. Die 7-Tage-Inzidenz war am Samstag voon 175 auf 182,0 gestiegen und liegt am Sonntagabend bei 182,9 pro 100.000 Einwohner.

Bestätigt wurden unter anderem 13 Fälle in bereits betroffenen Pflegeeinrichtungen im Kreis. Weitere Informationen zum Coronavirus sowie das Dashboard mit den einzelnen Zahlen pro Gemeinde sind unter www.corona-im-hok.de zu finden.

 




Frau übersieht Rettungswagen

Blaulicht und Sirenen sorgen im Straßenverkehr meist dafür, dass Einsatzfahrzeuge von anderen Verkehrsteilnehmern wahrgenommen werden. Nicht so bei einem Unfall am Donnerstagmorgen auf einer Landstraße bei Krautheim. Eine 28-Jährige war gegen 8.45 Uhr in ihrem Seat auf der Strecke von Krautheim-Gommersdorf in Richtung Krautheim unterwegs, als sie hinter sich einen Rettungswagen mit Sondersignal bemerkte. Wohl in der Annahme, dass der Rettungswagen geradeaus in Richtung der Krautheimer Ortsmitte weiterfahren würde, bog die Frau nach rechts in Richtung Altkrautheim ab, um dem Einsatzfahrzeug Platz zu machen. Beim Versuch von dort wieder auf die Landstraße zu gelangen, hatte die 28-Jährige vermutlich übersehen, dass der Rettungswagen ebenfalls abgebogen war. Als die Seat-Fahrerin nach links in die Austraße abbog, kollidierte sie mit dem Rettungswagen, der gerade zum Überholen angesetzt hatte, wie die Polizei am Freitag mitteilte.

Die 28-Jährige wurde bei dem Zusammenstoß leicht verletzt und von Rettungskräften in ein Krankenhaus gebracht. Allerdings nicht von der Besatzung, die ohnehin am Ort des Geschehens war. Deren Fahrzeug musste ebenso wie der Seat abgeschleppt werden. Bei dem Unfall entstand ein Schaden in Höhe von insgesamt knapp 17.000 Euro.

Quelle: Polizeipräsidium Heilbronn




Vierbeiniges Opfer am vierten Advent – wem gehört dieser Hund?

Bei einem Unfall auf der K2386 bei Neuenstein gab es ein vierbeiniges Opfer. Es war kein gewöhnlicher Unfall, keine zwei Autos. Zwischen Mangoldsall und der Kreuzung nach Kirchensall fuhr ein VW Up entlang und krachte plötzlich mit einem Mischlingshund zusammen. Der kleine, etwa kniehohe Hund mit schwarem, leicht gelocktem Fell hatte keine Chance. Er starb.
Die Polizei suchte am vierten Advent nach den Herrchen und Frauchen, denn der Hund hatte ein braunes Lederhalsband mit weißen Kreuzen, aber keine Hundemarke. Hinweise an das Polizeipräsidiums Heilbronn: 07131/1049



„Ich lasse mir das trotzdem nicht vermiesen“

Weihnachten – das Fest der Liebe, an dem die Familien zusammenkommen. Man trifft sich, es gibt leckeres Essen, viele singen unterm Weihnachtsbaum und – für die Kinder ganz wichtig – Weihnachtsgeschenke. Doch wie ist das in diesem Jahr, wenn sich auch während der Feiertage wegen der Corona-Pandemie nur eine begrenze Anzahl an Personen treffen darf? GSCHWÄTZ-Reporter Dr. Felix Kribus hat sich in Künzelsau umgehört. Er hat die Umfrage vor den neuesten Bestimmungen (am 13. Dezember 2020) gemacht, weshalb manche Aussagen nicht ganz auf dem aktuellen Stand sind – vor allem hinsichtlich der Anzahl der Personen, die zu privaten Weihnachtsfeiern zusammenkommen dürfen. Aktuell dürfen nicht mehr wie ursürnglich beim so genannten Lockdown light zehn Personen zusammenkommen, sondern neben dem eigenen familiären Haushalt noch vier weitere Personen. Näheres hierzu gibt es auf der Seite des baden-württembergischen Regierungspräsidiums: https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/alle-meldungen/meldung/pid/bund-und-laender-einigen-sich-auf-lockdown-ab-16-dezember/

GSCHWÄTZ: Wie verändert werden Sie dieses Jahr Weihnachten feiern aufgrund von Corona?

Kathrin aus Lampoldshausen: Ja, die ganze große Verwandtschaft, die Cousinen und Cousins kommen nicht zur Oma. Da dürfen nur die Kinder kommen und die ganzen anderen nicht, weil wir eine große Familie sind. Aber ansonsten im familiären Kreis.

Peter aus Ingelfingen: Im eingeschränkten familiären Kreis.

Kathrin: Zu Hause, wir gehen nicht Essen.

GSCHWÄTZ: Jetzt gibt es ja verschärfte Personenbeschränkungen – das betrifft Sie auch?

Kathrin: Am Heiligabend und ersten Weihnachtsfeiertag sind wir fünf, am zweiten sind wir mehr als fünf, da sind dann aber die Cousinen und Cousins wieder ausgeladen.

Florian und Cathrin, Kupferzell:

Florian: Wir werden getrennt feiern, wir feiern die letzten Jahre schon getrennt. Wir haben zwar frisch eine Familie gegründet, aber wir wollen doch auch mit unseren Familien feiern im kleinen Kreis, soweit es denn möglich ist. Wir wollen uns trotzdem diese Feierlichkeiten offen lassen, weil wir nicht wissen,  wie die Bundesregierung entscheidet. Daher werden wir einfach abwarten. Aber der Plan ist, dass wir mit unseren Familien feiern.

Cathrin: Quasi jeder mit seinen Eltern.

Carmen aus Meersburg: Ich feiere im kleinen Familienkreis; nur mit meinen Kindern. Meine Eltern werde ich nicht besuchen, nirgends hinfahren. Ich bleibe zu Hause.

GSCHWÄTZ: Jetzt gibt es ja die eingeschränkte Freiheit – an Weihnachten darf man dann nur noch mit einer begrenzten Personenzahl feiern. Betrifft Sie das?

Carmen: Nein, weil ich mich nur mit den Kindern treffe, nicht. Hätte ich aber freie Wahl, wären wir viel mehr.

GSCHWÄTZ: Das heißt, es schränkt Sie schon ein?

Carmen: Ja, aber das ist machbar.

Daniela aus Künzelsau: Auf jeden Fall feiern wir reduziert von der Personenzahl her, wobei letzten Endes noch nicht ganz entschieden ist: Ich habe noch meine Mutter und meine Tante, die kommen aus dem Remstal, und da muss man schauen, ob wir’s machen dürfen, wie wir’s machen dürfen. Das wird’s dann aber auch von der Personenzahl gewesen sein.

Gerlinde aus Ingelfingen: Ich habe Kinder und Enkelkinder, wir werden uns schon treffen, aber wir werden das im Rahmen halten bis zu den vorgegebenen Personen. Sonst aber ruhiger, viel lesen, ausruhen, gemütlich spazieren gehen. Also wesentlich ruhiger als sonst, aber ich freue mich drauf.

GSCHWÄTZ: Trotz Corona?

Gerlinde: Trotz Corona. Ich lasse mir das trotzdem nicht vermiesen.

GSCHWÄTZ: Das ist eine gute Einstellung. Wir haben ja bald auch Neujahr, wie gehen Sie ins neue Jahr, mit welchen Gefühlen auch jetzt mit Blick auf Corona?

Gerlinde: Mit viel, viel Hoffnung. Ich hoffe doch, dass wir das überstehen, wenn wir alle solidarisch sind in Deutschland beziehungsweise eigentlich in der ganzen Welt. Ja, mit viel Hoffnung, dass sich das überwinden lässt und dass wir da rauskommen und dass es nicht so viele Leute gibt, die damit noch sterben müssen.

Cathrin: Es ist schon eine gewisse Ungewissheit da, man hat keine Planungssicherheit, sag ich mal. Unsere kleine Tochter geht jetzt frisch in den Kindergarten, ich habe wieder angefangen zu arbeiten. Das ist die Frage, wird der Kindergarten noch mal zumachen, muss man seinen Urlaub jetzt gut aufsparen? Die letzten Jahre konnte man ja schon vorher gut planen, was man im Sommer macht. Das würde man sich jetzt nicht trauen.

Florian: Die Frage ist natürlich auch, mit welcher Einstellung geht man das Thema an, ob man dann wirklich optimistisch an das Thema geht oder eben pessimistisch.

GSCHWÄTZ: Mit welcher gehen Sie denn rein?

Florian: Ich denke, dass wir beide recht optimistisch in das Thema gehen, das hat aber auch damit was zu tun, wie weit man schon betroffen ist, ob man vielleicht auch Freunde oder Verwandte verloren hat durch Corona oder auch im nahen Umkreis die Einschläge langsam näher kommen. Das war bei uns zum Glück noch nicht der Fall, wir sind weitestgehend von Corona verschont geblieben und das hoffen wir natürlich auch weiterhin.

Daniela: Skeptisch, ich bin schon beunruhigt. Ich denke, man sollte jetzt wirklich einschneidende Maßnahmen ergreifen, nochmal hart durchgreifen. Die Frage ist, was kommt danach, was ist die langfristige Strategie.

GSCHWÄTZ: Werden Sie sich impfen lassen?

Daniela: Ja.

GSCHWÄTZ: Sie sind zuversichtlich?

Daniela: Ja, warum nicht? Ich habe da keine Skepsis.

Florian: Ich bin mal gespannt wie die Impfungen sich bemerkbar machen, wie die einschlagen. Ob tatsächlich die große Gesundheitswende kommt und wir die Freiheit zurückkriegen. Ich bin echt gespannt.

Text: Dr. Felix Kribus

 

Florian und Cathrin aus Kupferzell feiern Weihnachten getrennt voneinander. Foto: GSCHWÄTZ

Alle Jahre wieder: Künzelsau strahlt trotz Corona und Einschränkungen im weihnachtlichen Lichterglanz. Foto: GSCHWÄTZ




Letzte Abfuhr von Leichtverpackungen in grüner Tonne

Die Abfallwirtschaft Hohenlohe informiert:

Bis Mittwoch, 30.12.20, finden die letzten Abfuhren von Leichtverpackungen in den Bezirken Bretzfeld, Ingelfingen, Künzelsau, Mulfingen und Pfedelbach Bezirk 1 über die grüne Tonne statt. Bitte befüllen Sie danach nur noch Gelbe Säcke und stellen diese zur Abfuhr bereit. Die Abfuhrtermine für den Gelben Sack stehen in der Abfall-App „Abfallinfo HOK“ und im neuen Abfallkalender. Die ersten Abfuhren von Leichtverpackungen über den Gelben Sack finden in den genannten Bezirken zwischen 05.01. und 15.01.21 statt. Bis 31.12.20 haben Sie die Möglichkeit, Leichtverpackungen auch auf dem Recyclinghof abzugeben.

Weitere Informationen unter www.abfallwirtschaft-hohenlohekreis.de/neu-ab-2021

Die Abfall-App „Abfallinfo HOK“ erinnert an alle Abfuhrtermine. Sie steht in den gängigen App-Stores kostenlos zum Download zur Verfügung.

Kunststoffmüll Symbolfoto. Quelle: adobe stock




„Das ist sicher nur ein grippaler Infekt“

„Das ist sicher nur ein grippaler Infekt“, sagte ihr Hausarzt. Es war Mitte März 2020, zu Beginn des ersten harten Lockdowns in Deutschland, als Daniela H., wohnhaft im Hohenlohekreis, (der Name wurde von der Redaktion auf Wunsch geändert), bei ihrem Hausarzt sitzt und dieser einen Coronatest als nicht nötig erachtet.

Bei 28 Grad mit Wärmflasche im Bett

Einige Tage zuvor hatte Daniela H. noch Besuch von einer Freundin. Es war Donnerstag. Da ging es Daniela noch gut. Von Donnerstag auf Freitag verschlechterte sich der Zustand der 44-Jährigen rapide. „Ich weiß noch, dass es draußen für diese Jahreszeit ungewöhnlich warm war, an die 28 Grad am Tag. Aber ich lag nachts mit einer Wärmflasche im Bett, weil ich so gefroren habe.“ Starke Kopf – und auch Gliederschmerzen kamen hinzu. Corona war bekannt. Daniela H. ist Lehrerin, sie hat Kontakt mit vielen Menschen. Einige ihrer Schüler waren in den Faschingsferien Skifahren gewesen – im Nachhinein mit ein Coronatreiber in Deutschland. Verwandte von Daniela hatten zwar kein Corona, befanden sich aber in Quarantäne, weil sie ebenfalls in einem Skigebiet Ski fahren waren, das im Nachhinein als Coronahotspot deklariert wurde. Daniela H. habe ihren Arzt gefragt, ob es sein kann, dass sie Corona habe. „Das ist sicher nur ein grippaler Infekt.“

An die 41 Grad Fieber

Währenddessen habe Danielas Mann Kontakt mit dem Gesundheitsamt des Hohenlohekreises aufgenommen und gefragt, ob man seine Frau nicht mal testen wolle in Bezug auf Corona. Er habe auch gesagt, dass sie Lehrerin sei. Nach zwei oder drei Anrufen des Ehemannes und eine Woche später habe Daniela H. einen Termin in der Abstrichstelle Belzhag bekommen. Tagelang liegt Daniela H. teilweise mit 40,8 Grad Fieber im Bett, berichtet sie gegenüber GSCHWÄTZ. „Da habe ich ernsthaft darüber nachgedacht, ins Krankenhaus zu gehen. Ich habe in dieser Zeit nur noch geschlafen, fernsehen oder lesen ging gar nicht mehr. Ich hatte das Gefühl, die Lunge brennt. Aber ich hatte keinen Husten, eher Beengungsgefühle.“ Daniela H. hat mit Salbutamol inhaliert und das Schlafzimmerfenster während der Hochphase ihrer Erkrankung immer offen gehabt. Früher hatte sie mit Asthma zu kämpfen, aber sie ist keine „aktive Asthmatikerin“, wie sie selbst sagt.

Das erste Ergbebnis war negativ

Das Ergebnis des Coronatests kam wiederum erst eine Woche nach der Testung. Da war Daniela H. schon zwei Wochen krank und eigentlich schon wieder auf dem Weg der Besserung. „Ich konnte wieder am Esstisch sitzen und lag nicht mehr im Bett.“ Das Fieber war auf 39 Grad gesunken.

Das erste Testergebnis war negativ. Wie konnte das sein? Hatte sie doch kein Corona gehabt? Wiederum vier Tage später kam das korrigierte positive Ergebnis. Das Gesundheitsamt habe ihr mitgeteilte, dass sie ab sofort für zehn Tage in Quarantäne sei. Daniela H. fragte, ob das ein Witz sei. Schließlich sei sie die vergangenen 2,5 Wochen bereits zu Hause gewesen.

Rund 2,5 Wochen nach den ersten Symptomen bekommt sie erst das positive Coronaergebnis

Rund 2,5 Wochen hat es bei Daniela H. gedauert von den ersten Symptomen bis zum positiven Ergebnis. In dieser Zeit hat sie mit ihrer Familie weiterhin wie gewohnt zusammengelebt und hätte prinzipiell alle Familienmitglieder anstecken können. Doch weder ihr Ehemann ist in dieser Zeit krank geworden, noch ihre Tochter. Lediglich ihr Sohn habe es ebenfalls mit derselben, allerdings wesentlich leichteren Symptomatik erwischt. Getestet sei er jedoch nicht geworden. Warum erkranken die einen, während die anderen nicht erkranken oder sind sie erkrankt, nur hatten sie keine Symptome? Die Familie nahm im Mai 2020 an einer Heidelberger Kinder-Corona-Studie teil. Das Ergebnis: Die Hälfte der Familie hatte nicht nur keine Symptome, sondern auch keinerlei Coronaantikörper im Körper, während die andere Hälfte der Familie sowohl teilweise heftige Symptome entwickelte und ihre Körper daraufhin Antikörper gebildet hatten. So richtig nachvollziehen kann man das Virus in dieser Hinsicht nicht.

„Soll ich ins Krankenhaus gehen?“

„Ich war in meinem Leben noch nie so krank gewesen“, sagt Daniela H., die heute wieder täglich Sport macht, nur ihr Geschmacks- und Geruchssinn sei auch nach einem halben Jahr noch nicht vollständig zurückgekehrt. In den schlimmsten Tagen ihrer Krankheit habe sie überlegt, ob sie ins Krankenhaus gehen soll, ob sie eventuell sogar beatmet werden muss. Aber Daniela H. hat Angst vor Krankenhäusern, als Kind sei sie zu oft schon darin gewesen. Ihr Körper hat es auch ohne künstliche Beatmung geschafft, mit der Krankheit umzugehen. Hat sie danach Angst gehabt, zurück in die Schule zu gehen und möglicherweise wieder angesteckt zu werden? „Nein, ich habe gedacht, ich habe ja jetzt Antikörper. Aber habe ich jetzt noch genug Antikörper?“, fragt sie sich heute. Wir haben mittlerweile Dezember 2020. Deutschland befindet sich im zweiten harten Lockdown. „Aber selbst wenn ich nochmal Corona kriegen würde, weiß ich, dass mein Körper das durchstehen kann.“ Lässt sie sich impfen?, wollen wir von ihr wissen. „Wenn ich mich impfen lasse, dann frühestens ab Herbst 2021. Ich möchte das erstmal beobachten.“ Daniela H. ist vorsichtig geworden. „Ich meide Kontakte, ich trage immer eine Maske, auch auf dem Parkplatz. Ich gehe einkaufen, wenn nicht so viel los ist.“

Als Lehrer schwierig, als Coronamaßnahmen im Unterricht umzusetzen

Wie sieht sie als von Corona betroffene Lehrerin die Maßnahmen in der Schule? „Ausreichend sind die Maßnahmen nicht. Es gibt Lehrer, die haben ein CO2-Messgerät im Klassenzimmer stehen. Das misst den CO2-Gehalt in der Luft. Ich versuche, alle 20 Minuten zu lüften, aber das gelingt nicht immer. Manchmal ist man so im Arbeitsfluss mit den Kindern drin, dass man es schlicht und einfach vergisst. Wenn man lüftet, frieren die Kinder. Da braucht man dann in dieser Zeit gar nicht zu unterrichten. Eigentlich ist der zweite Lockdown viel zu spät gekommen. Warum hat man nicht viel früher etwas gemacht? Dann hätten wir normale Weihnachten haben können.“

 

 




Inzidenzwert steigt auf 175, K1-Rückverfolgungen werden immer schwieriger

Durch die anhaltend hohen Inzidenzwerte scheinen K1-Rückverfolgungen im Hohenlohekreis immer schwieriger zu werden. Das zeigen die Grafiken auf der Internetseite des Landratsamtes des Hohenlohekreises http://www.corona-im-hok.de

Demnach gab es in den vergangenen Tagen teilweise nur noch marginale bei den Kontaktpersonen-1-Zahlen, obwohl der Inzidenzwert teilweise stark nach in die Höhe sprang. Bis vor kurzem gab es zu jedem Covid-Fall im Durchschnitt vier bis sechs direkte Kontaktpersonen, dann fiel die Zahl teilweise noch vor dem harten Lockdown seit Mittwoch, den 16. Dezember 2020, stark ab.

Der Inzidenzwert wurde als wichtiger Messwert in Deutschland herangezogen, weil man gesagt hat, bis zu einem Inzidenzwert von 50 (50 Neuerkrankte pro Woche) können Kontaktpersonen von Coronabetroffenen nachverfolgt werden. Sollte der Messwert ansteigen, dann wird eine Rückverfolgung der Kontaktpersonen immer schwieriger.

Derzeit liegt der 7-Tage-Inzidenzwert im Hohenlohekreis bei 175,8 pro 100.000 Einwohner. Im Hohenlohekreis wurden am 17. Dezember 2020 insgesamt 39 neue Corona-Fälle gemeldet.

Coronazahlen vom 17. Dezember 2020. Quelle: Landratsamt des Hohenlohekreises




Geänderte Öffnungszeiten der städtischen Einrichtungen

In Künzelsau gelten während der Feiertage über Weihnachten und den Jahreswechsel für die städtischen Einrichtungen teilweise geänderte Öffnungs- und Betriebszeiten, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung. Das Bürgerbüro im Rathaus ist vom 24. bis 27. Dezember 2020 und vom 31. Dezember 2020 bis einschließlich 3. Januar 2021 geschlossen. Ansonsten gelten die üblichen Öffnungszeiten: Montag bis Freitag durchgehend von 8.30 bis 18.30 Uhr sowie Samstag von 9 bis 13 Uhr.

Die Bergbahn fährt am Donnerstag, 24. Dezember 2020, von 6.15 bis 15 Uhr. Am Freitag, den 25. Dezember, und Samstag, den 26. Dezember 2020, von 9 bis 20 Uhr. Am letzten Tag des Jahres kann man die Bahn von 6.15 bis 17 Uhr nutzen und am ersten Tag des neuen Jahres von 9 bis 20 Uhr. Am darauffolgenden Feiertag, Mittwoch, den 6. Januar 2021, fährt ist die Bergbahn von 9 bis 20 Uhr in Betrieb. Dann fährt sie wie gewohnt im Viertel-Stunden-Takt.

Die Stadtbücherei im Alten Rathaus ist vom 24. Dezember 2020 bis 11. Januar 2021 geschlossen.

Den Wochenmarkt im kleineren Rahmen gibt es über das Weihnachtsfest und den Jahreswechsel von 8 bis 12.30 Uhr am Unteren Markt: am Dienstag, 22. Dezember, am Donnerstag, 24. Dezember, am Dienstag, 29. Dezember sowie am Donnerstag, 31. Dezember 2020. Am Dienstag, den 5. Januar 2021, fällt der Wochenmarkt aus. Ab Freitag, den 8. Januar 2021, bieten die Markthändler wieder wie gewohnt dienstags und freitags ihre frischen Waren auf dem Wochenmarkt an.

Das Stadtmuseum in der Scharfengasse und das Hallenbad TollKÜN bleiben aufgrund der Corona-Einschränkungen weiterhin bis mindestens Sonntag, den 10. Januar 2021, geschlossen. Schwimmunterricht der Schulen kann voraussichtlich nach den Weihnachtsferien weiterhin stattfinden.

Im Notfall – wichtige städtische Telefonnummern

Verschiedene städtische Einrichtungen sind im Notfall unter folgenden Telefonnummern zu erreichen: Abwasserbeseitigung unter 0173/699 1955, der Bauhof unter 0175/581 1203 und die Wasserwerke unter 0173/704 0213.

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau

 

Schnee – kein Thema für die Bergbahn. Sie verbindet auch über die Feiertage Künzelsau mit dem Wohngebiet Taläcker. Foto: Stadtverwaltung Künzelsau

Wer noch Lesestoff über die Feiertage braucht: Die Stadtbücherei im Alten Rathaus Künzelsau ist noch bis Mittwoch, den 23. Dezember 2020, geöffnet. Foto: Olivier Schniepp, Foto Linke GmbH




„Wir haben es nicht geschafft, den Skinhead zu einem Nicht-Skinhead zu machen“

Am Sonntag, den 13. Dezember 2020, kam Querdenken-Gründer Michael Ballweg auf die Querdenken-Demo nach Öhringen und hat mit Priscilla Dekorsi über die Ziele von Querdenken gesprochen, über mögliche rechtsradikale Tendenzen und warum er die Bundesrepublik Deutschland nicht mehr als Rechtsstaat empfindet.

„Vielleicht hat mich das Universum  jetzt direkt an die Stelle gestellt, wo ich vielleicht jetzt sein soll“

Anbei veröffentlichen wir das Video-Transkript ungekürzt in voller Länge – mit kritischen redaktionellen Anmerkungen, wo wir sie für nötig erachtet haben:

Ballweg: Ich bin Michael Ballweg, bin 46, war jahrelang Unternehmer, ich hab mich ganz früh selbstständig gemacht und wollte dieses Jahr eigentlich eine Weltreise machen, ich hab nämlich festgestellt vor zwei Jahren bei einem Unfall, dass das  Leben vielleicht doch schneller mal endlich ist, als man sich ich vorstellen kann. Ich habe dann angefangen, meine Firma umzustrukturieren, so dass ich die jetzt interessanterweise direkt Anfang des Jahres zwei Tage vor Corona des Hauptprodukt noch verkauft habe und dann eigentlich gemerkt habe: Vielleicht hat mich das Universum  jetzt direkt an die Stelle gestellt, wo ich vielleicht jetzt sein soll und, ja, für was für Werte stehe ich? Für Frieden, für Freiheit, auch für Demut. Ich sehe diese Aufgabe, die ich jetzt gerade habe, sehr auch demütig. Wie viele tolle Leute, die ich jetzt kennenlernen kann. Auch was wir hier tun,was wir auf der Welt bewegen. Weil die Ereignisse, die wir hier an anstoßen, die strahlen ja weltweit aus.Und von daher: Frieden, Freiheit, Demut und auch Freude auf das, was kommt.

„Ich habe dann in einer Facebook-Gruppe gepostet, dass ich bereit wäre, 25 000 Euro zur Verfügung zu stellen“

Dekorsi: Warum hast du die Querdenken-Initiative gegründet? Gab es ein Schlüsselerlebnis?

Ballweg: Es gab kein Schlüsselerlebnis in dem Sinne. Aber mir ging es halt wie so vielen. Ich hatte ein schlechtes Bauchgefühl. Ich bin ein Mensch, der sehr stark auf seine Intuition hört und auf das, was das Bauchgefühl sagt. Und der Verstand kommt dann auch immer wieder mal und kontrolliert natürlich. Aber insgesamt versuche ich, mehr auf den Bauch zu hören. Ich habe dann in einer Facebook-Gruppe gepostet, dass ich bereit wäre, 25 000 Euro zur Verfügung zu stellen für einen Rechtsanwalt, der mir hilft, offizielle Demos zu organisieren. Da bin ich erstmal aus der Gruppe rausgeflogen, weil die Leute gesagt haben, wir wollen nicht friedlich demonstrieren. Und das mit dem Demos meldet man nicht an, das macht das alles unangemeldet.“

„Na gut, laufen wir halt mal die Königsstraße hoch und runter“

Aber das wollte Ballweg nicht, so habe er die ersten kleinen Demos mit 180 Leuten auf dem Stuttgarter Schlossplatz. „Meine Frau und ich haben unseren Freundeskreis angeschrieben, aber da hat natürlich keiner sich gemeldet. Da haben wir gedacht: Na gut, laufen wir halt mal die Königsstraße hoch und runter. Und wenn in zwei Monaten alles wieder vorbei ist, lassen wir uns doch gerne auslachen. Und da waren 180 da. Und dann die Woche drauf von 500. Und dann sind wir auf einen Cannstatter Wasen, was uns auch wieder viel Kritik eingebracht hat in der Form: Warum müssen wir unbedingt der Innenstadt demonstrieren. Da hat das Ganze dann seinen seinen Lauf genommen.

„Sofortige Beendung aller Einschränkungen der Grundrechte“

Dekorsi: Für welche Ziele steht Querdenker ein und wie seien die Ziele erreicht werden?

Ballweg: Das die Abschaffung der Corona-Maßnahmen, die sofortige Beendung aller Einschränkungen der Grundrechte. Das zweite ist die Rücknahme von Artikel 143 Grundgesetz. Den kennt wahrscheinlich der eine oder andere noch nicht. Da wurde ganz kurzfristig dieses Jahr eingeführt. Der soll nämlich den Föderalismus in der Bundesrepublik abschaffen, sodass es ein noch zentralistischteres Element wird und am Ende eben auch die Umsetzung von Artikel 146. Das heißt nicht, wir wollen eine neue Verfassung, aber wir wollen das Grundgesetz so verbessern, dass eben die Dinge, die jetzt passiert sind, nicht mehr passieren können, nämlich dass die Parlamente sich selbst entmächtigen und auf Verordnungsbasis monatelang, vielleicht jahrelang regiert werden soll von der Bundeskanzlerin gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten.

[Anmerkung der GSCHWÄTZ-Redaktion: Eine Änderung des Artikels 143 des deutschen Grundgesetzes ist uns nur insofern bekannt, als dass der Artikel tatsächlich in diesem Jahr eine Veränderung erfahren hat, auch im Bezug auf die Auswirkkungen der Coronapandemie, aber nur insofern, dass der Bund die Kommunen entschädigen soll für einen Rückgang der Gewerbesteuern in diesem Zuge: Artikel 143h: „Als Folgewirkung der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 gewährt der Bund im Jahr 2020 einmalig einen pauschalen Ausgleich für Mindereinnahmen aus der Gewerbesteuer zugunsten der Gemeinden und zu gleichen Teilen mit dem jeweiligen Land. Der Ausgleich wird von den Ländern an die Gemeinden auf Grundlage der erwarteten Min-dereinnahmen weitergeleitet. Bestehen in einem Land keine Gemeinden, so steht der Ausgleich durch den Bund dem Land zu. Der den Ländern vom Bund zum Ausgleich geleistete Betrag berücksichtigt zusätzlich Auswirkungen der Mindereinnahmen ge-mäß Satz 1 auf Zu- und Abschläge sowie auf Zuweisungen gemäß Artikel 107 Ab-satz 2. Das Nähere regelt ein Bundesgesetz, das der Zustimmung des Bundesrates bedarf. Der Ausgleich bleibt bei der Bemessung der Finanzkraft nach Artikel 107 Ab-satz 2 unberücksichtigt. Artikel 106 Absatz 6 Satz 6 gilt entsprechend.“]

Querdenker-Videos werden von youtube gelöscht

Dekoris: Hat sich in deinem Leben durch Querdenken etwas verändert? Wie hat Dein Umfeld reagiert?

Ballweg: Es hat sich sehr, sehr viel geändert. Also ja, es ist etwas Wunderbares entstanden. Mit viel, viel Herz und Liebe sind wir doch alle dabei.Ein tolles Team. Es ist wie in allen Teams. Da gibt’s euphorische Phasen und Ernüchterungsphasen, Erschöpfungsphasen.Deshalb freuen wir uns jetzt auch, dass andere Teams nun  Demos organisieren. In der ganzen Bundesrepublik sind ja jetzt immer Demonstrationen, sodass wir uns jetzt auch ein bisschen auf die Arbeit im Hintergrund und auf die Vorbereitung von dem was kommt, konzentieren können. Der Wolfgang hatte vorhin gesagt, es gibt viele Projekte, die jetzt anlaufen. Ein schönes Projekt wird sein: Ab dem 21. 1. wird es ein YouTube-Ersatz geben nur für Querdenken, den wir gemeinsam auch mit KenFM und mit Nuoviso-TV und noch ein paar anderen Großen entwickeln, sodass wir dort auch unabhängiger werden und uns nicht mehr drum kümmern müssen, was als nächstes gelöscht wird.“ Dabei verweist Ballweg darauf, dass ein Youtube-Kanal eines Querdenken-Anhängers anscheinend gelöscht wurde.

Anmerkung: Auch die GSCHWÄTZ-Redaktion kennt diese Vorgehensweise von youtube. Vor wenigen Tagen wurde ein von der Redaktion GSCHWÄTZ auf youtube hochgeladenes Video über eine Querdenken-Demo in Öhringen von youtube entfernt. Youtube gab als Grund an, dass hier medizinische Falschinformationen verbreitet würden. Unter anderem hatte ein Vater auf der Demo davon gesprochen, dass das Maskentragen bei Kindern nicht nur zu Konzentrationsproblemen führen, sondern auch schwere Hirnschäden verursachen könne.

„Ich hatte ja gesagt, ich habe Querdenken auch gegründet, weil mir diese Welt, wie sie uns von der Bundesregierung präsentiert wird, nicht mehr gefällt“

Dekorsi: Ich habe schon von vielen Querdenkern den Begriff Querdenker-Familie gehört.

Ballweg: Also ich würde sagen, auf jeden Fall, weil wir sind eine große Menschheitsfamilie. Wir arbeiten ja von Anfang an mit einer Energie, die nach vorne geht und alle Menschen, die sich von der Energie im Moment angezogen fühlen, mitnehmen möchte. Und es werden immer mehr. Ich hatte ja gesagt, ich habe Querdenken auch gegründet, weil mir diese Welt, wie sie uns von der Bundesregierung präsentiert wird, nicht mehr gefällt. Wir haben es selbst in der Hand, unsere eigene schöne Welt zu machen. Und da sind wir dabei. Und schön, dass die ganze Familie mitmacht, weil das sind ja auch die, die Dinge, die WHO abschaffen möchte. Die Familie soll ja abgeschafft werden, sie ist nicht mehr notwendig, die familiären Strukturen. Und ich erachte die als sehr, sehr wohl notwendig.Und deshalb sind wir eine große Familie, die zusammen an diesem Ziel arbeitet.

Anmerkung der Redaktion GSCHWÄTZ: Dass die WHO die Familie abschaffen möchte, hierfür konnten wir aufgrund unserer Recherchen bislang keine Belege finden. Auch Michael Ballweg nennt hier keine Belege für seine Äusserungen.

„Bundesregierung wirft uns Stöckchen vor die Füße“

Dekorsi: In der Familie wird ja auch manchmal gezofft. Wie ist die Diskussionskultur bei Querdenken?

Ballweg: Ich muss sagen, es weht im Moment gar nicht so viel diskutiert, weil wir dieses große Ziel vor Augen haben beziehungsweise weil die Bundesregierung und auch die Landesregierung uns ja immer weiter beschäftigt und immer wieder Stöckchen vor die Füße wirft, mit denen wir wieder Arbeit haben. Insofern sind wir gar nicht so viel am Diskutieren, sondern wir arbeiten eigentlich alle auf das gleiche Ziel hin. Wir wissen alle, dass es ein Marathon wird, dass jeder seine Energie ein Stück weit einteilen muss. Und natürlich gibt es auch mal die eine oder andere Diskussion. Aber wir versuchen, uns immer nach vorne zu richten und zu sagen: Worauf fokussieren wir uns jetzt von der Energie? Ist es das wirklich wert, hier einen Konflikt zu führen, der vielleicht auch schon in der Vergangenheit liegt? Wie können wir denn in Zukunft noch besser zusammenarbeiten?

„Ich stehe jetzt sehr unter Beschuss“

Dekorsi: Vergangene  Woche hat Sonja Erdmann [Anmerkung der Redaktion: Organisatorin der Querdenken-Demos in Öhringen] die Selbstorganisation der Ortsgruppen sehr gelobt. Also dass man unter Einhaltung des Manifests die Freiheit hat, die Veranstaltung so zu gestalten, wie man möchte. Warum ist das so wichtig?

Ballweg: Es ist ein Baustein. Ich hatte immer gesagt, ich mache die Demos eigentlich in Stuttgart. Weil ich vor meiner Haustüre in meinem Umfeld was ändern möchte. Wir sind dann nach Berlin gegangen. Ich bin so ein Mensch, der sagt, ich gehe den Weg des geringsten Widerstandes. Wir haben dann geguckt, wo kann man unbeschränkt demonstrieren, und das war dann halt zu diesem Zeitpunkt Berlin. Ansonsten steht Querdenken ja ganz klar für Selbstbestimmung, Eigenverantwortung, Eigeninitiative. Und das reflektiert dann auch wieder das, was Sonja gesagt hat, nämlich dass alle Gruppen unabhängig sind. Und dadurch werden wir natürlich auch weniger angreifbar, weil man sieht ja: Ich stehe jetzt sehr unter Beschuss. Aber selbst wenn ich mal nicht mehr weitermachen könnte, warum auch immer, möchte ich natürlich alle bitten, trotzdem weiterzumachen und sich nicht entmutigen zu lassen.

„Es hat ja noch kein Politiker, der uns angreift, mit uns gesprochen“

Dekorsi: A propos Manifest. A propos Manifest über das, was ich gerade angesprochen habe. Chiara hat letzte Woche Auszüge daraus vorgetragen.Und da geht es um Grundrechte. Es geht um Respekt und es geht um Friedlichkeit. Wie passt das zusammen, dass Querdenken jetzt vom Verfassungsschutz überwacht wird? Wie kann man das mit diesem Manifest vereinbaren und mit diesen Grundsätzen?

Ballweg: Ja, ich würde sagen gar nicht, oder? Es hat ja noch kein Politiker, der uns angreift, mit uns gesprochen. Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass wir am 29. August 2020 vom Bundespräsidenten empfangen worden wären. Ich kann sagen, das war nicht so. Unser Presseteam arbeitet gerade dran und so wie es vorhin auch schon gesagt wurde: Der Verfassungsschutz, kann uns gerne beobachten. Da kann er noch was über Demokratie lernen. Und er darf auch gerne bei mir direkt anfragen. er muss mich nicht beobachten, er darf auch direkt mit mir reden. Ich gebe bereitwillig Auskunft über unsere Motive und Ziele.

„Es gibt sicherlich den ein oder anderen mit einer extremeren Meinung“

Dekorsi: Querdenker werden ja oft in die rechte Ecke geschoben. Hast du schon gewaltbereite rechtsextreme Querdenker getroffen?

Ballweg: Es gibt sicherlich den einen oder anderen, wie es vorhin auch schon gesagt wurde, der vielleicht mal eine extremere, polarisierende Meinung hat. Ich hab’s aber auch schon oft gesagt, ich selbst bin auf dem Dorf groß geworden. Wir hatten immer so eine Runde, wo wir abends an einem Brunnen ein Bier getrunken haben und da war auch immer ein Skinhead dabei. Wir haben es nicht geschafft, den Skinhead zu einem nicht Skinhead zu machen. Er hat es aber auch nicht geschafft, an den Tisch noch einem zum Skinhead zu machen. Und deshalb ist es wichtig: Ja, es gibt vielleicht diese Position, aber eine Demonstration ist eben auch eine Demonstration ohne Eintrittskarte und ohne Eingangskontrolle. Auch ohne Gedankenkontrolle übrigens. Und ich denke, es ist wichtig, dass man miteinander redet, statt übereinander und dann auch die Positionen austauscht. Ich rede mit allen, die friedlich für eine freiheitlich demokratische Grundordnung stehen. Und dieser Dialog ist wichtig, weil sobald ich anfange, Menschen auszugrenzen, habe ich auch das Risiko, dass die Positionen extremer werden.

„Gewalt ist kein Thema“

Dekorsi: Also zum Thema Meinungsfreiheit innerhalb der Initiative. Gab es schon Redebeiträge, wo du dir gedacht hast, das kann ich gar nicht unterschreiben? Und wie gehst du damit um? Wie viel Meinungsfreiheit kann eine Initiative vertragen? Gibt’s Grenzen?

Ballweg: Natürlich gibt’s die Grenzen. Also wir haben ja gesagt, Gewalt ist kein Thema. Ich persönlich muss dazu sagen, ich finde auch diese historischen Vergleiche nicht glücklich, weil sie unseren Kritikern eine Angriffsfläche geben. Und ich schätze da Daniele Ganser sehr. Der hat sich jetzt, trotz dass er Historiker ist, zwischenzeitlich mal geäußert und hat auch zu der Pandemie Stellung bezogen. Aber eigentlich sollte er serst in fünf Jahren darüber berichten, weil er Historiker ist und dann kann er es nicht wirklich beurteilen. Ich würde auf die historische nVergleiche verzichten, um eben auch keine Angriffsfläche zu bieten. Und es wird sich sowieso erst in zwei, drei Jahren zeigen, ob die Vergleiche gerechtfertigt waren oder nicht.

Polizeigewalt?

Dekorsi: Zum Thema Polizeigewalt. Dieses Jahr sind ja Bilder von Wasserwerfern um die Welt gegangen oder auch von Menschen, die zu Boden geworfen wurden. Was sind deine Erfahrungen dazu?

Ballweg: Ich muss sagen, nach dem 29. August 2020 in Berlin ist tatsächlich dann ein Bild in mir zerbrochen. Es heißt ja immer, die Polizei, dein Freund und Helfer. Die Klage beim Bundesverfassungsgericht lief noch und es wurde [Die Demo] geräumt, ohne dass die Entscheidung von dem Bundesverfassungsgericht abgewartet wurde. Es war wie hier, nur friedliche Menschen und die Polizei ist da massiv vorgegangen. Deshalb glaube ich bei vielen hat der 29. August 2020 ein Trauma hinterlassen, was dann auch aufgearbeitet werden muss. Deshalb ist es schön zu sehen, dass es hier so friedlich ist. Wir waren auch in Baden-Württemberg bisher immer gut begleitet von der Polizei. Wir werden sehen, wie sich das weiterentwickelt. Ich habe schon gehört vom  Gerhardt, das gestern in Ludwigsburg die Stimmung nicht nicht mehr so entspannt war. In Heilbronn auch nicht mehr. Also von daher, wir gehen dann eben dorthin, wie hier Öhringen, wenn wir hier willkommen sind.

Anmerkung der GSCHWÄTZ-Redaktion: Die Polizei wollte tatsächlich die Demo gegen die staatlichen Coronamaßnahmen am 29. August 2020 in Berlin auflösen, allerdings schien sie kaum gegen die Demo-Menschenmenge anzukommen. Hier geht’s direkt zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=lRHq6UkDvSc

„Wir sehen ja auch, wie wir uns drangsalieren lassen müssen“

Dekorsi: Ist Deutschland noch ein demokratischer Rechtsstaat?

Ballweg: Nach meinem Verständnis nein, weil wenn so viele Grundrechte eingeschränkt sind und selbst das Bundesverfassungsgericht dagegen entscheidet, können wir im Moment nicht mehr von einem demokratischen Rechtsstaat sprechen. Auch insbesondere, wenn politische Gegner so diffamiert werden. Über die Presse werden auch Machtmechanismen einseitig ausgenutzt. Wir sehen ja auch, wie wir uns drangsalieren lassen müssen. Hier zum Glück nicht, aber wenn ich eben gestern wie ich vorhin gesagt habe, den Apfelesser sehe, der von der Polizei aufgefordert wird, schneller den Apfel zu essen, wenn ein Bus, der zur Demo fährt, in Dresden von der Polizei abgewiesen wird mit der Begründung, regierungskritische Demonstrationen sind nicht mehr erwünscht. Dann muss ich sagen, dann erinnert mich das nicht an eine Demokratie.

Dekorsi: Gibt es einen Moment, einen Redebeitrag oder einen anderen Moment, der dich ganz besonders berührt hat und geprägt hat?

Ballweg: Also ich muss sagen, es gab eine Demo in Weiden, die war eine tolle Energie, die wir auf einer großen Wiese und da hatten wir so ein Mantra gesungen und es war ein sehr schönes Friedens-Mantra. Ein anderer Punkt war der: Wir hatten auch eine super schöne Demo in Leonberg, damals auf der Leonberger Heide, auf dem ehemaligen Golfplatz, und da gabs sondern superschönen Regenbogen hinterher und ein sehr schönes Abendrot.Das sind dann so Momente, wo man merkt: Die Energie wirkt. Ich träume einfach von der Welt, wo alle Menschen, es hört sich ein bisschen platt an, in Frieden und Freiheit leben können, wo jeder seiner Bestimmung folgen kann. Also das heißt auch, dass Kinder in einem Erziehungssystem leben, wo sie nicht erzogen werden, gewissen Systemen zu folgen, sondern wo sie ihrer Bestimmung folgen können. Wo wir auch respektvoll mit unserer Natur umgehen und auch die Kraft der Natur nutzen, um uns selber gesund zu halten.

Querdenken-Gründer Michael Ballweg spricht an der Querdenken-Demo in Öhringen am Sonntag, den 13. Dezember 2020. Foto: GSCHWÄTZ

Querdenken-Demo in Öhringen am Sonntag, den 13. Dezember 2020. Foto: GSCHWÄTZ

Querdenken-Demo in Öhringen am Sonntag, den 13. Dezember 2020. Foto: GSCHWÄTZ

Querdenken-Gründer Michael Ballweg an der Querdenken-Demo in Öhringen am Sonntag, den 13. Dezember 2020. Foto: GSCHWÄTZ

Querdenken-Demo in Öhringen am Sonntag, den 13. Dezember 2020. Foto: GSCHWÄTZ

Querdenken-Demo in Öhringen am Sonntag, den 13. Dezember 2020. Foto: GSCHWÄTZ

Interview mit Querdenken-Gründer Michael Ballweg an der Querdenken-Demo in Öhringen am Sonntag, den 13. Dezember 2020. Foto: GSCHWÄTZ