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„Das ist sicher nur ein grippaler Infekt“

„Das ist sicher nur ein grippaler Infekt“, sagte ihr Hausarzt. Es war Mitte März 2020, zu Beginn des ersten harten Lockdowns in Deutschland, als Daniela H., wohnhaft im Hohenlohekreis, (der Name wurde von der Redaktion auf Wunsch geändert), bei ihrem Hausarzt sitzt und dieser einen Coronatest als nicht nötig erachtet.

Bei 28 Grad mit Wärmflasche im Bett

Einige Tage zuvor hatte Daniela H. noch Besuch von einer Freundin. Es war Donnerstag. Da ging es Daniela noch gut. Von Donnerstag auf Freitag verschlechterte sich der Zustand der 44-Jährigen rapide. „Ich weiß noch, dass es draußen für diese Jahreszeit ungewöhnlich warm war, an die 28 Grad am Tag. Aber ich lag nachts mit einer Wärmflasche im Bett, weil ich so gefroren habe.“ Starke Kopf – und auch Gliederschmerzen kamen hinzu. Corona war bekannt. Daniela H. ist Lehrerin, sie hat Kontakt mit vielen Menschen. Einige ihrer Schüler waren in den Faschingsferien Skifahren gewesen – im Nachhinein mit ein Coronatreiber in Deutschland. Verwandte von Daniela hatten zwar kein Corona, befanden sich aber in Quarantäne, weil sie ebenfalls in einem Skigebiet Ski fahren waren, das im Nachhinein als Coronahotspot deklariert wurde. Daniela H. habe ihren Arzt gefragt, ob es sein kann, dass sie Corona habe. „Das ist sicher nur ein grippaler Infekt.“

An die 41 Grad Fieber

Währenddessen habe Danielas Mann Kontakt mit dem Gesundheitsamt des Hohenlohekreises aufgenommen und gefragt, ob man seine Frau nicht mal testen wolle in Bezug auf Corona. Er habe auch gesagt, dass sie Lehrerin sei. Nach zwei oder drei Anrufen des Ehemannes und eine Woche später habe Daniela H. einen Termin in der Abstrichstelle Belzhag bekommen. Tagelang liegt Daniela H. teilweise mit 40,8 Grad Fieber im Bett, berichtet sie gegenüber GSCHWÄTZ. „Da habe ich ernsthaft darüber nachgedacht, ins Krankenhaus zu gehen. Ich habe in dieser Zeit nur noch geschlafen, fernsehen oder lesen ging gar nicht mehr. Ich hatte das Gefühl, die Lunge brennt. Aber ich hatte keinen Husten, eher Beengungsgefühle.“ Daniela H. hat mit Salbutamol inhaliert und das Schlafzimmerfenster während der Hochphase ihrer Erkrankung immer offen gehabt. Früher hatte sie mit Asthma zu kämpfen, aber sie ist keine „aktive Asthmatikerin“, wie sie selbst sagt.

Das erste Ergbebnis war negativ

Das Ergebnis des Coronatests kam wiederum erst eine Woche nach der Testung. Da war Daniela H. schon zwei Wochen krank und eigentlich schon wieder auf dem Weg der Besserung. „Ich konnte wieder am Esstisch sitzen und lag nicht mehr im Bett.“ Das Fieber war auf 39 Grad gesunken.

Das erste Testergebnis war negativ. Wie konnte das sein? Hatte sie doch kein Corona gehabt? Wiederum vier Tage später kam das korrigierte positive Ergebnis. Das Gesundheitsamt habe ihr mitgeteilte, dass sie ab sofort für zehn Tage in Quarantäne sei. Daniela H. fragte, ob das ein Witz sei. Schließlich sei sie die vergangenen 2,5 Wochen bereits zu Hause gewesen.

Rund 2,5 Wochen nach den ersten Symptomen bekommt sie erst das positive Coronaergebnis

Rund 2,5 Wochen hat es bei Daniela H. gedauert von den ersten Symptomen bis zum positiven Ergebnis. In dieser Zeit hat sie mit ihrer Familie weiterhin wie gewohnt zusammengelebt und hätte prinzipiell alle Familienmitglieder anstecken können. Doch weder ihr Ehemann ist in dieser Zeit krank geworden, noch ihre Tochter. Lediglich ihr Sohn habe es ebenfalls mit derselben, allerdings wesentlich leichteren Symptomatik erwischt. Getestet sei er jedoch nicht geworden. Warum erkranken die einen, während die anderen nicht erkranken oder sind sie erkrankt, nur hatten sie keine Symptome? Die Familie nahm im Mai 2020 an einer Heidelberger Kinder-Corona-Studie teil. Das Ergebnis: Die Hälfte der Familie hatte nicht nur keine Symptome, sondern auch keinerlei Coronaantikörper im Körper, während die andere Hälfte der Familie sowohl teilweise heftige Symptome entwickelte und ihre Körper daraufhin Antikörper gebildet hatten. So richtig nachvollziehen kann man das Virus in dieser Hinsicht nicht.

„Soll ich ins Krankenhaus gehen?“

„Ich war in meinem Leben noch nie so krank gewesen“, sagt Daniela H., die heute wieder täglich Sport macht, nur ihr Geschmacks- und Geruchssinn sei auch nach einem halben Jahr noch nicht vollständig zurückgekehrt. In den schlimmsten Tagen ihrer Krankheit habe sie überlegt, ob sie ins Krankenhaus gehen soll, ob sie eventuell sogar beatmet werden muss. Aber Daniela H. hat Angst vor Krankenhäusern, als Kind sei sie zu oft schon darin gewesen. Ihr Körper hat es auch ohne künstliche Beatmung geschafft, mit der Krankheit umzugehen. Hat sie danach Angst gehabt, zurück in die Schule zu gehen und möglicherweise wieder angesteckt zu werden? „Nein, ich habe gedacht, ich habe ja jetzt Antikörper. Aber habe ich jetzt noch genug Antikörper?“, fragt sie sich heute. Wir haben mittlerweile Dezember 2020. Deutschland befindet sich im zweiten harten Lockdown. „Aber selbst wenn ich nochmal Corona kriegen würde, weiß ich, dass mein Körper das durchstehen kann.“ Lässt sie sich impfen?, wollen wir von ihr wissen. „Wenn ich mich impfen lasse, dann frühestens ab Herbst 2021. Ich möchte das erstmal beobachten.“ Daniela H. ist vorsichtig geworden. „Ich meide Kontakte, ich trage immer eine Maske, auch auf dem Parkplatz. Ich gehe einkaufen, wenn nicht so viel los ist.“

Als Lehrer schwierig, als Coronamaßnahmen im Unterricht umzusetzen

Wie sieht sie als von Corona betroffene Lehrerin die Maßnahmen in der Schule? „Ausreichend sind die Maßnahmen nicht. Es gibt Lehrer, die haben ein CO2-Messgerät im Klassenzimmer stehen. Das misst den CO2-Gehalt in der Luft. Ich versuche, alle 20 Minuten zu lüften, aber das gelingt nicht immer. Manchmal ist man so im Arbeitsfluss mit den Kindern drin, dass man es schlicht und einfach vergisst. Wenn man lüftet, frieren die Kinder. Da braucht man dann in dieser Zeit gar nicht zu unterrichten. Eigentlich ist der zweite Lockdown viel zu spät gekommen. Warum hat man nicht viel früher etwas gemacht? Dann hätten wir normale Weihnachten haben können.“

 

 




Inzidenzwert steigt auf 175, K1-Rückverfolgungen werden immer schwieriger

Durch die anhaltend hohen Inzidenzwerte scheinen K1-Rückverfolgungen im Hohenlohekreis immer schwieriger zu werden. Das zeigen die Grafiken auf der Internetseite des Landratsamtes des Hohenlohekreises http://www.corona-im-hok.de

Demnach gab es in den vergangenen Tagen teilweise nur noch marginale bei den Kontaktpersonen-1-Zahlen, obwohl der Inzidenzwert teilweise stark nach in die Höhe sprang. Bis vor kurzem gab es zu jedem Covid-Fall im Durchschnitt vier bis sechs direkte Kontaktpersonen, dann fiel die Zahl teilweise noch vor dem harten Lockdown seit Mittwoch, den 16. Dezember 2020, stark ab.

Der Inzidenzwert wurde als wichtiger Messwert in Deutschland herangezogen, weil man gesagt hat, bis zu einem Inzidenzwert von 50 (50 Neuerkrankte pro Woche) können Kontaktpersonen von Coronabetroffenen nachverfolgt werden. Sollte der Messwert ansteigen, dann wird eine Rückverfolgung der Kontaktpersonen immer schwieriger.

Derzeit liegt der 7-Tage-Inzidenzwert im Hohenlohekreis bei 175,8 pro 100.000 Einwohner. Im Hohenlohekreis wurden am 17. Dezember 2020 insgesamt 39 neue Corona-Fälle gemeldet.

Coronazahlen vom 17. Dezember 2020. Quelle: Landratsamt des Hohenlohekreises




Geänderte Öffnungszeiten der städtischen Einrichtungen

In Künzelsau gelten während der Feiertage über Weihnachten und den Jahreswechsel für die städtischen Einrichtungen teilweise geänderte Öffnungs- und Betriebszeiten, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung. Das Bürgerbüro im Rathaus ist vom 24. bis 27. Dezember 2020 und vom 31. Dezember 2020 bis einschließlich 3. Januar 2021 geschlossen. Ansonsten gelten die üblichen Öffnungszeiten: Montag bis Freitag durchgehend von 8.30 bis 18.30 Uhr sowie Samstag von 9 bis 13 Uhr.

Die Bergbahn fährt am Donnerstag, 24. Dezember 2020, von 6.15 bis 15 Uhr. Am Freitag, den 25. Dezember, und Samstag, den 26. Dezember 2020, von 9 bis 20 Uhr. Am letzten Tag des Jahres kann man die Bahn von 6.15 bis 17 Uhr nutzen und am ersten Tag des neuen Jahres von 9 bis 20 Uhr. Am darauffolgenden Feiertag, Mittwoch, den 6. Januar 2021, fährt ist die Bergbahn von 9 bis 20 Uhr in Betrieb. Dann fährt sie wie gewohnt im Viertel-Stunden-Takt.

Die Stadtbücherei im Alten Rathaus ist vom 24. Dezember 2020 bis 11. Januar 2021 geschlossen.

Den Wochenmarkt im kleineren Rahmen gibt es über das Weihnachtsfest und den Jahreswechsel von 8 bis 12.30 Uhr am Unteren Markt: am Dienstag, 22. Dezember, am Donnerstag, 24. Dezember, am Dienstag, 29. Dezember sowie am Donnerstag, 31. Dezember 2020. Am Dienstag, den 5. Januar 2021, fällt der Wochenmarkt aus. Ab Freitag, den 8. Januar 2021, bieten die Markthändler wieder wie gewohnt dienstags und freitags ihre frischen Waren auf dem Wochenmarkt an.

Das Stadtmuseum in der Scharfengasse und das Hallenbad TollKÜN bleiben aufgrund der Corona-Einschränkungen weiterhin bis mindestens Sonntag, den 10. Januar 2021, geschlossen. Schwimmunterricht der Schulen kann voraussichtlich nach den Weihnachtsferien weiterhin stattfinden.

Im Notfall – wichtige städtische Telefonnummern

Verschiedene städtische Einrichtungen sind im Notfall unter folgenden Telefonnummern zu erreichen: Abwasserbeseitigung unter 0173/699 1955, der Bauhof unter 0175/581 1203 und die Wasserwerke unter 0173/704 0213.

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau

 

Schnee – kein Thema für die Bergbahn. Sie verbindet auch über die Feiertage Künzelsau mit dem Wohngebiet Taläcker. Foto: Stadtverwaltung Künzelsau

Wer noch Lesestoff über die Feiertage braucht: Die Stadtbücherei im Alten Rathaus Künzelsau ist noch bis Mittwoch, den 23. Dezember 2020, geöffnet. Foto: Olivier Schniepp, Foto Linke GmbH




„Wir haben es nicht geschafft, den Skinhead zu einem Nicht-Skinhead zu machen“

Am Sonntag, den 13. Dezember 2020, kam Querdenken-Gründer Michael Ballweg auf die Querdenken-Demo nach Öhringen und hat mit Priscilla Dekorsi über die Ziele von Querdenken gesprochen, über mögliche rechtsradikale Tendenzen und warum er die Bundesrepublik Deutschland nicht mehr als Rechtsstaat empfindet.

„Vielleicht hat mich das Universum  jetzt direkt an die Stelle gestellt, wo ich vielleicht jetzt sein soll“

Anbei veröffentlichen wir das Video-Transkript ungekürzt in voller Länge – mit kritischen redaktionellen Anmerkungen, wo wir sie für nötig erachtet haben:

Ballweg: Ich bin Michael Ballweg, bin 46, war jahrelang Unternehmer, ich hab mich ganz früh selbstständig gemacht und wollte dieses Jahr eigentlich eine Weltreise machen, ich hab nämlich festgestellt vor zwei Jahren bei einem Unfall, dass das  Leben vielleicht doch schneller mal endlich ist, als man sich ich vorstellen kann. Ich habe dann angefangen, meine Firma umzustrukturieren, so dass ich die jetzt interessanterweise direkt Anfang des Jahres zwei Tage vor Corona des Hauptprodukt noch verkauft habe und dann eigentlich gemerkt habe: Vielleicht hat mich das Universum  jetzt direkt an die Stelle gestellt, wo ich vielleicht jetzt sein soll und, ja, für was für Werte stehe ich? Für Frieden, für Freiheit, auch für Demut. Ich sehe diese Aufgabe, die ich jetzt gerade habe, sehr auch demütig. Wie viele tolle Leute, die ich jetzt kennenlernen kann. Auch was wir hier tun,was wir auf der Welt bewegen. Weil die Ereignisse, die wir hier an anstoßen, die strahlen ja weltweit aus.Und von daher: Frieden, Freiheit, Demut und auch Freude auf das, was kommt.

„Ich habe dann in einer Facebook-Gruppe gepostet, dass ich bereit wäre, 25 000 Euro zur Verfügung zu stellen“

Dekorsi: Warum hast du die Querdenken-Initiative gegründet? Gab es ein Schlüsselerlebnis?

Ballweg: Es gab kein Schlüsselerlebnis in dem Sinne. Aber mir ging es halt wie so vielen. Ich hatte ein schlechtes Bauchgefühl. Ich bin ein Mensch, der sehr stark auf seine Intuition hört und auf das, was das Bauchgefühl sagt. Und der Verstand kommt dann auch immer wieder mal und kontrolliert natürlich. Aber insgesamt versuche ich, mehr auf den Bauch zu hören. Ich habe dann in einer Facebook-Gruppe gepostet, dass ich bereit wäre, 25 000 Euro zur Verfügung zu stellen für einen Rechtsanwalt, der mir hilft, offizielle Demos zu organisieren. Da bin ich erstmal aus der Gruppe rausgeflogen, weil die Leute gesagt haben, wir wollen nicht friedlich demonstrieren. Und das mit dem Demos meldet man nicht an, das macht das alles unangemeldet.“

„Na gut, laufen wir halt mal die Königsstraße hoch und runter“

Aber das wollte Ballweg nicht, so habe er die ersten kleinen Demos mit 180 Leuten auf dem Stuttgarter Schlossplatz. „Meine Frau und ich haben unseren Freundeskreis angeschrieben, aber da hat natürlich keiner sich gemeldet. Da haben wir gedacht: Na gut, laufen wir halt mal die Königsstraße hoch und runter. Und wenn in zwei Monaten alles wieder vorbei ist, lassen wir uns doch gerne auslachen. Und da waren 180 da. Und dann die Woche drauf von 500. Und dann sind wir auf einen Cannstatter Wasen, was uns auch wieder viel Kritik eingebracht hat in der Form: Warum müssen wir unbedingt der Innenstadt demonstrieren. Da hat das Ganze dann seinen seinen Lauf genommen.

„Sofortige Beendung aller Einschränkungen der Grundrechte“

Dekorsi: Für welche Ziele steht Querdenker ein und wie seien die Ziele erreicht werden?

Ballweg: Das die Abschaffung der Corona-Maßnahmen, die sofortige Beendung aller Einschränkungen der Grundrechte. Das zweite ist die Rücknahme von Artikel 143 Grundgesetz. Den kennt wahrscheinlich der eine oder andere noch nicht. Da wurde ganz kurzfristig dieses Jahr eingeführt. Der soll nämlich den Föderalismus in der Bundesrepublik abschaffen, sodass es ein noch zentralistischteres Element wird und am Ende eben auch die Umsetzung von Artikel 146. Das heißt nicht, wir wollen eine neue Verfassung, aber wir wollen das Grundgesetz so verbessern, dass eben die Dinge, die jetzt passiert sind, nicht mehr passieren können, nämlich dass die Parlamente sich selbst entmächtigen und auf Verordnungsbasis monatelang, vielleicht jahrelang regiert werden soll von der Bundeskanzlerin gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten.

[Anmerkung der GSCHWÄTZ-Redaktion: Eine Änderung des Artikels 143 des deutschen Grundgesetzes ist uns nur insofern bekannt, als dass der Artikel tatsächlich in diesem Jahr eine Veränderung erfahren hat, auch im Bezug auf die Auswirkkungen der Coronapandemie, aber nur insofern, dass der Bund die Kommunen entschädigen soll für einen Rückgang der Gewerbesteuern in diesem Zuge: Artikel 143h: „Als Folgewirkung der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 gewährt der Bund im Jahr 2020 einmalig einen pauschalen Ausgleich für Mindereinnahmen aus der Gewerbesteuer zugunsten der Gemeinden und zu gleichen Teilen mit dem jeweiligen Land. Der Ausgleich wird von den Ländern an die Gemeinden auf Grundlage der erwarteten Min-dereinnahmen weitergeleitet. Bestehen in einem Land keine Gemeinden, so steht der Ausgleich durch den Bund dem Land zu. Der den Ländern vom Bund zum Ausgleich geleistete Betrag berücksichtigt zusätzlich Auswirkungen der Mindereinnahmen ge-mäß Satz 1 auf Zu- und Abschläge sowie auf Zuweisungen gemäß Artikel 107 Ab-satz 2. Das Nähere regelt ein Bundesgesetz, das der Zustimmung des Bundesrates bedarf. Der Ausgleich bleibt bei der Bemessung der Finanzkraft nach Artikel 107 Ab-satz 2 unberücksichtigt. Artikel 106 Absatz 6 Satz 6 gilt entsprechend.“]

Querdenker-Videos werden von youtube gelöscht

Dekoris: Hat sich in deinem Leben durch Querdenken etwas verändert? Wie hat Dein Umfeld reagiert?

Ballweg: Es hat sich sehr, sehr viel geändert. Also ja, es ist etwas Wunderbares entstanden. Mit viel, viel Herz und Liebe sind wir doch alle dabei.Ein tolles Team. Es ist wie in allen Teams. Da gibt’s euphorische Phasen und Ernüchterungsphasen, Erschöpfungsphasen.Deshalb freuen wir uns jetzt auch, dass andere Teams nun  Demos organisieren. In der ganzen Bundesrepublik sind ja jetzt immer Demonstrationen, sodass wir uns jetzt auch ein bisschen auf die Arbeit im Hintergrund und auf die Vorbereitung von dem was kommt, konzentieren können. Der Wolfgang hatte vorhin gesagt, es gibt viele Projekte, die jetzt anlaufen. Ein schönes Projekt wird sein: Ab dem 21. 1. wird es ein YouTube-Ersatz geben nur für Querdenken, den wir gemeinsam auch mit KenFM und mit Nuoviso-TV und noch ein paar anderen Großen entwickeln, sodass wir dort auch unabhängiger werden und uns nicht mehr drum kümmern müssen, was als nächstes gelöscht wird.“ Dabei verweist Ballweg darauf, dass ein Youtube-Kanal eines Querdenken-Anhängers anscheinend gelöscht wurde.

Anmerkung: Auch die GSCHWÄTZ-Redaktion kennt diese Vorgehensweise von youtube. Vor wenigen Tagen wurde ein von der Redaktion GSCHWÄTZ auf youtube hochgeladenes Video über eine Querdenken-Demo in Öhringen von youtube entfernt. Youtube gab als Grund an, dass hier medizinische Falschinformationen verbreitet würden. Unter anderem hatte ein Vater auf der Demo davon gesprochen, dass das Maskentragen bei Kindern nicht nur zu Konzentrationsproblemen führen, sondern auch schwere Hirnschäden verursachen könne.

„Ich hatte ja gesagt, ich habe Querdenken auch gegründet, weil mir diese Welt, wie sie uns von der Bundesregierung präsentiert wird, nicht mehr gefällt“

Dekorsi: Ich habe schon von vielen Querdenkern den Begriff Querdenker-Familie gehört.

Ballweg: Also ich würde sagen, auf jeden Fall, weil wir sind eine große Menschheitsfamilie. Wir arbeiten ja von Anfang an mit einer Energie, die nach vorne geht und alle Menschen, die sich von der Energie im Moment angezogen fühlen, mitnehmen möchte. Und es werden immer mehr. Ich hatte ja gesagt, ich habe Querdenken auch gegründet, weil mir diese Welt, wie sie uns von der Bundesregierung präsentiert wird, nicht mehr gefällt. Wir haben es selbst in der Hand, unsere eigene schöne Welt zu machen. Und da sind wir dabei. Und schön, dass die ganze Familie mitmacht, weil das sind ja auch die, die Dinge, die WHO abschaffen möchte. Die Familie soll ja abgeschafft werden, sie ist nicht mehr notwendig, die familiären Strukturen. Und ich erachte die als sehr, sehr wohl notwendig.Und deshalb sind wir eine große Familie, die zusammen an diesem Ziel arbeitet.

Anmerkung der Redaktion GSCHWÄTZ: Dass die WHO die Familie abschaffen möchte, hierfür konnten wir aufgrund unserer Recherchen bislang keine Belege finden. Auch Michael Ballweg nennt hier keine Belege für seine Äusserungen.

„Bundesregierung wirft uns Stöckchen vor die Füße“

Dekorsi: In der Familie wird ja auch manchmal gezofft. Wie ist die Diskussionskultur bei Querdenken?

Ballweg: Ich muss sagen, es weht im Moment gar nicht so viel diskutiert, weil wir dieses große Ziel vor Augen haben beziehungsweise weil die Bundesregierung und auch die Landesregierung uns ja immer weiter beschäftigt und immer wieder Stöckchen vor die Füße wirft, mit denen wir wieder Arbeit haben. Insofern sind wir gar nicht so viel am Diskutieren, sondern wir arbeiten eigentlich alle auf das gleiche Ziel hin. Wir wissen alle, dass es ein Marathon wird, dass jeder seine Energie ein Stück weit einteilen muss. Und natürlich gibt es auch mal die eine oder andere Diskussion. Aber wir versuchen, uns immer nach vorne zu richten und zu sagen: Worauf fokussieren wir uns jetzt von der Energie? Ist es das wirklich wert, hier einen Konflikt zu führen, der vielleicht auch schon in der Vergangenheit liegt? Wie können wir denn in Zukunft noch besser zusammenarbeiten?

„Ich stehe jetzt sehr unter Beschuss“

Dekorsi: Vergangene  Woche hat Sonja Erdmann [Anmerkung der Redaktion: Organisatorin der Querdenken-Demos in Öhringen] die Selbstorganisation der Ortsgruppen sehr gelobt. Also dass man unter Einhaltung des Manifests die Freiheit hat, die Veranstaltung so zu gestalten, wie man möchte. Warum ist das so wichtig?

Ballweg: Es ist ein Baustein. Ich hatte immer gesagt, ich mache die Demos eigentlich in Stuttgart. Weil ich vor meiner Haustüre in meinem Umfeld was ändern möchte. Wir sind dann nach Berlin gegangen. Ich bin so ein Mensch, der sagt, ich gehe den Weg des geringsten Widerstandes. Wir haben dann geguckt, wo kann man unbeschränkt demonstrieren, und das war dann halt zu diesem Zeitpunkt Berlin. Ansonsten steht Querdenken ja ganz klar für Selbstbestimmung, Eigenverantwortung, Eigeninitiative. Und das reflektiert dann auch wieder das, was Sonja gesagt hat, nämlich dass alle Gruppen unabhängig sind. Und dadurch werden wir natürlich auch weniger angreifbar, weil man sieht ja: Ich stehe jetzt sehr unter Beschuss. Aber selbst wenn ich mal nicht mehr weitermachen könnte, warum auch immer, möchte ich natürlich alle bitten, trotzdem weiterzumachen und sich nicht entmutigen zu lassen.

„Es hat ja noch kein Politiker, der uns angreift, mit uns gesprochen“

Dekorsi: A propos Manifest. A propos Manifest über das, was ich gerade angesprochen habe. Chiara hat letzte Woche Auszüge daraus vorgetragen.Und da geht es um Grundrechte. Es geht um Respekt und es geht um Friedlichkeit. Wie passt das zusammen, dass Querdenken jetzt vom Verfassungsschutz überwacht wird? Wie kann man das mit diesem Manifest vereinbaren und mit diesen Grundsätzen?

Ballweg: Ja, ich würde sagen gar nicht, oder? Es hat ja noch kein Politiker, der uns angreift, mit uns gesprochen. Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass wir am 29. August 2020 vom Bundespräsidenten empfangen worden wären. Ich kann sagen, das war nicht so. Unser Presseteam arbeitet gerade dran und so wie es vorhin auch schon gesagt wurde: Der Verfassungsschutz, kann uns gerne beobachten. Da kann er noch was über Demokratie lernen. Und er darf auch gerne bei mir direkt anfragen. er muss mich nicht beobachten, er darf auch direkt mit mir reden. Ich gebe bereitwillig Auskunft über unsere Motive und Ziele.

„Es gibt sicherlich den ein oder anderen mit einer extremeren Meinung“

Dekorsi: Querdenker werden ja oft in die rechte Ecke geschoben. Hast du schon gewaltbereite rechtsextreme Querdenker getroffen?

Ballweg: Es gibt sicherlich den einen oder anderen, wie es vorhin auch schon gesagt wurde, der vielleicht mal eine extremere, polarisierende Meinung hat. Ich hab’s aber auch schon oft gesagt, ich selbst bin auf dem Dorf groß geworden. Wir hatten immer so eine Runde, wo wir abends an einem Brunnen ein Bier getrunken haben und da war auch immer ein Skinhead dabei. Wir haben es nicht geschafft, den Skinhead zu einem nicht Skinhead zu machen. Er hat es aber auch nicht geschafft, an den Tisch noch einem zum Skinhead zu machen. Und deshalb ist es wichtig: Ja, es gibt vielleicht diese Position, aber eine Demonstration ist eben auch eine Demonstration ohne Eintrittskarte und ohne Eingangskontrolle. Auch ohne Gedankenkontrolle übrigens. Und ich denke, es ist wichtig, dass man miteinander redet, statt übereinander und dann auch die Positionen austauscht. Ich rede mit allen, die friedlich für eine freiheitlich demokratische Grundordnung stehen. Und dieser Dialog ist wichtig, weil sobald ich anfange, Menschen auszugrenzen, habe ich auch das Risiko, dass die Positionen extremer werden.

„Gewalt ist kein Thema“

Dekorsi: Also zum Thema Meinungsfreiheit innerhalb der Initiative. Gab es schon Redebeiträge, wo du dir gedacht hast, das kann ich gar nicht unterschreiben? Und wie gehst du damit um? Wie viel Meinungsfreiheit kann eine Initiative vertragen? Gibt’s Grenzen?

Ballweg: Natürlich gibt’s die Grenzen. Also wir haben ja gesagt, Gewalt ist kein Thema. Ich persönlich muss dazu sagen, ich finde auch diese historischen Vergleiche nicht glücklich, weil sie unseren Kritikern eine Angriffsfläche geben. Und ich schätze da Daniele Ganser sehr. Der hat sich jetzt, trotz dass er Historiker ist, zwischenzeitlich mal geäußert und hat auch zu der Pandemie Stellung bezogen. Aber eigentlich sollte er serst in fünf Jahren darüber berichten, weil er Historiker ist und dann kann er es nicht wirklich beurteilen. Ich würde auf die historische nVergleiche verzichten, um eben auch keine Angriffsfläche zu bieten. Und es wird sich sowieso erst in zwei, drei Jahren zeigen, ob die Vergleiche gerechtfertigt waren oder nicht.

Polizeigewalt?

Dekorsi: Zum Thema Polizeigewalt. Dieses Jahr sind ja Bilder von Wasserwerfern um die Welt gegangen oder auch von Menschen, die zu Boden geworfen wurden. Was sind deine Erfahrungen dazu?

Ballweg: Ich muss sagen, nach dem 29. August 2020 in Berlin ist tatsächlich dann ein Bild in mir zerbrochen. Es heißt ja immer, die Polizei, dein Freund und Helfer. Die Klage beim Bundesverfassungsgericht lief noch und es wurde [Die Demo] geräumt, ohne dass die Entscheidung von dem Bundesverfassungsgericht abgewartet wurde. Es war wie hier, nur friedliche Menschen und die Polizei ist da massiv vorgegangen. Deshalb glaube ich bei vielen hat der 29. August 2020 ein Trauma hinterlassen, was dann auch aufgearbeitet werden muss. Deshalb ist es schön zu sehen, dass es hier so friedlich ist. Wir waren auch in Baden-Württemberg bisher immer gut begleitet von der Polizei. Wir werden sehen, wie sich das weiterentwickelt. Ich habe schon gehört vom  Gerhardt, das gestern in Ludwigsburg die Stimmung nicht nicht mehr so entspannt war. In Heilbronn auch nicht mehr. Also von daher, wir gehen dann eben dorthin, wie hier Öhringen, wenn wir hier willkommen sind.

Anmerkung der GSCHWÄTZ-Redaktion: Die Polizei wollte tatsächlich die Demo gegen die staatlichen Coronamaßnahmen am 29. August 2020 in Berlin auflösen, allerdings schien sie kaum gegen die Demo-Menschenmenge anzukommen. Hier geht’s direkt zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=lRHq6UkDvSc

„Wir sehen ja auch, wie wir uns drangsalieren lassen müssen“

Dekorsi: Ist Deutschland noch ein demokratischer Rechtsstaat?

Ballweg: Nach meinem Verständnis nein, weil wenn so viele Grundrechte eingeschränkt sind und selbst das Bundesverfassungsgericht dagegen entscheidet, können wir im Moment nicht mehr von einem demokratischen Rechtsstaat sprechen. Auch insbesondere, wenn politische Gegner so diffamiert werden. Über die Presse werden auch Machtmechanismen einseitig ausgenutzt. Wir sehen ja auch, wie wir uns drangsalieren lassen müssen. Hier zum Glück nicht, aber wenn ich eben gestern wie ich vorhin gesagt habe, den Apfelesser sehe, der von der Polizei aufgefordert wird, schneller den Apfel zu essen, wenn ein Bus, der zur Demo fährt, in Dresden von der Polizei abgewiesen wird mit der Begründung, regierungskritische Demonstrationen sind nicht mehr erwünscht. Dann muss ich sagen, dann erinnert mich das nicht an eine Demokratie.

Dekorsi: Gibt es einen Moment, einen Redebeitrag oder einen anderen Moment, der dich ganz besonders berührt hat und geprägt hat?

Ballweg: Also ich muss sagen, es gab eine Demo in Weiden, die war eine tolle Energie, die wir auf einer großen Wiese und da hatten wir so ein Mantra gesungen und es war ein sehr schönes Friedens-Mantra. Ein anderer Punkt war der: Wir hatten auch eine super schöne Demo in Leonberg, damals auf der Leonberger Heide, auf dem ehemaligen Golfplatz, und da gabs sondern superschönen Regenbogen hinterher und ein sehr schönes Abendrot.Das sind dann so Momente, wo man merkt: Die Energie wirkt. Ich träume einfach von der Welt, wo alle Menschen, es hört sich ein bisschen platt an, in Frieden und Freiheit leben können, wo jeder seiner Bestimmung folgen kann. Also das heißt auch, dass Kinder in einem Erziehungssystem leben, wo sie nicht erzogen werden, gewissen Systemen zu folgen, sondern wo sie ihrer Bestimmung folgen können. Wo wir auch respektvoll mit unserer Natur umgehen und auch die Kraft der Natur nutzen, um uns selber gesund zu halten.

Querdenken-Gründer Michael Ballweg spricht an der Querdenken-Demo in Öhringen am Sonntag, den 13. Dezember 2020. Foto: GSCHWÄTZ

Querdenken-Demo in Öhringen am Sonntag, den 13. Dezember 2020. Foto: GSCHWÄTZ

Querdenken-Demo in Öhringen am Sonntag, den 13. Dezember 2020. Foto: GSCHWÄTZ

Querdenken-Gründer Michael Ballweg an der Querdenken-Demo in Öhringen am Sonntag, den 13. Dezember 2020. Foto: GSCHWÄTZ

Querdenken-Demo in Öhringen am Sonntag, den 13. Dezember 2020. Foto: GSCHWÄTZ

Querdenken-Demo in Öhringen am Sonntag, den 13. Dezember 2020. Foto: GSCHWÄTZ

Interview mit Querdenken-Gründer Michael Ballweg an der Querdenken-Demo in Öhringen am Sonntag, den 13. Dezember 2020. Foto: GSCHWÄTZ

 




„Die Menschen machen das, was schnell geht und bequem ist“

Für eine große Überraschung sorgte Prof. Dr. Otto Weidmann (FWV), als er in der Kreistagssitzung vom 07. Dezember 2020 vorschlug, doch anstelle der Kochertalbahn eine Shuttlebuslinie mit Elektrofahrzeugen zu planen. GSCHWÄTZ hat bei Prof.Dr. Weidmann nachgefragt, warum er einen Bus anstelle einer Bahn bevorzugt.

Defizite im Hohenlohekreis: Verkehr, Studienplätze, Digitalisierung

Er holt ein wenig aus und beschreibt drei Defizite, die er im Hohenlohekreis sieht: Verkehr, Versorgung mit Studienplätzen und Digitalisierung. Mit einer überregionalen Lösung der Verkehrssituation, die zum Beispiel die Hochschulstandorte in Heilbronn, Schwäbisch-Hall und Künzelsau anbindet, könnte das Angebot für Studierende aus dem Hohenlohekreis verbessert werden.

Blick über die Grenzen des Hohenlohekreises hinaus

Dazu bräuchte es aber, so Weidmann, einen Blick über die Grenzen des Hohenlohekreises hinaus: Die Anbindung auf dem Schienenweg nach Schwäbisch-Hall und darüber hinaus nach Crailsheim sowie nach Heilbronn müsse verbessert werden. Dazu könnte eine häufigere und schnellere Anbindung von Bad Mergentheim nach Künzelsau das System ergänzen.

Verbund von Stadtbahn, Regionalbahn und e-Shuttle-Bus

Eine Verdichtung des Takts der Stadtbahn, sowie eine Weiterführung der Strecke über Cappel hinaus bis Waldenburg mit nur einem weiteren Halt in Neuenstein, sieht er als unbedingt notwendig an. Die Strecke bis Waldenburg müßte dafür elektrifiziert werden. Genauso sei es unabdingbar, die Regionalbahnstrecke nach Schwäbisch-Hall zu intensivieren. Immer wieder angeführtes Problem sei der Ausbau des Tunnels vor Schwäbisch-Hall, der zu niedrig für eine Oberleitung sei. Die Lösung könnten Hybridfahrzeuge sein, die diese Strecke ohne Tunnelbauarbeiten bedienen könnten. Sowohl Lokomotiven mit Dieselmotor als auch S-Bahn-Züge mit Wasserstoff-Brennstoffzellenantrieb sind derzeit bereits im Einsatz. Er kann sich einen Viertelstundentakt auch auf der Regionalbahnstrecke vorstellen.

„Die Menschen machen das, was schnell geht und bequem ist“

In Ergänzung zum intensivierten Schienenverkehr schlägt Weidmann einen schnellen und elektrischen Shuttlebus vor. „Mit einem elektrischen Antrieb und regenerativ erzeugtem Strom ist der ökologische Vorteil der Bahn weg“, meint Weidmann. Den Geschwindigkeitsvorteil, den die Bahn bei einem Stau auf der B19 hätte, sieht er nicht: Einerseits sei ja der 4-spurige Ausbau der B19 in Planung, andererseits könnte der Bus auch auf gut ausgebauten Landwirtschaftswegen neben der B19 fahren – versenkbare Poller würden den Zugang zu diesen Wegen regeln. Man habe in Öhringen mit einem derartigen System schon gute Erfahrungen gemacht. Vor allem sieht er aber mit dem Bus eine umsteigefreie Anschlußmöglichkeit des Hochschulstandorts Hofratsmühle. Für ihn ein ganz wichtiges Argument, denn „Die Menschen machen das, was schnell geht und bequem ist“. Eine Befragung von Studierenden habe ergeben, dass diese einen direkte Verbindung zur Hofratsmühle wünschten. Und vor allem könne man mit einer Buslinie das Problem des „Begleitverkehrs“ vermeiden, da keine zwei unterschiedlichen Verkehrsmittel im Nahverkehr dieselbe Strecke bedienen dürfen.

Hohenlohekreis hat bereits Erfahrungen mit Elektrobussen

Der NVH nutzt bereits heute Elektrobusse, wie sie in Weidmanns Konzept vorkommen im Linienverkehr und hat daher beim Betrieb dieser Fahrzeuge schon Erfahrungen gesammelt.

Anbindung Jagsttal und Bad Mergentheim

Als Ergänzung zum E-Shuttle von Waldenburg bis Künzelsau könnte, so Weidmann,  ein Schnellbus nach Bad Mergentheim dienen, der möglicherweise nur einen Haltepunkt in Dörzbach hat.

Schnittstelle Individualverkehr zu Kollektivverkehr

„Sie werden auf dem Land nicht auf das Auto verzichten können“, sagt Weidmann. Er plädiert daher für „Schienenverkehr in der Stadt, auf der Straße übers Land“, das heißt: Mit dem Auto zum Shuttlebus und mit dem Shuttlebus zur Bahn. „Damit die Leute mit dem Zug fahren, braucht es drei Dinge: Schnelligkeit, Takt und Anschlüsse“ – genau das sieht er mit seinen Ideen gewährleistet.

Kosten und Finanzierung

Ökonomisch spreche vieles für eine Shuttlebuslösung: Die Investitionskosten seien sehr gering, da die „Strecke“ bereits vorhanden ist und der Streckenausbau ohnehin in Planung ist. Anschaffungs- und Betriebskosten der Busse dürften auch niedriger sein als für die Bahnen. „Mit 10 bis 20 Millionen können Sie da eine ganze Menge machen.“ Für einen Bruchteil des eingesparten Geldes könne man die Regionalbahnstrecke für einen besseren Taktverkehr ertüchtigen, meint Weidmann fast schon euphorisch.

„Das Ganze steht und fällt mit der Förderung“

Die in Aussicht gestellten Fördergelder für die Kochertalbahn kommen allerdings aus einem Programm für die „Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken“. „Wir können uns ausrechnen, wann wir so viel Geld noch einmal bekommen“, sagt Weidmann und sieht es als Aufgabe der Politik, Alternativen mit Druck aus der Region zu ermitteln. Der Hohenlohekreis als die Mitte der Region, könne hier der Treiber sein. Weidmann sieht in seinem Konzept eine „Win-Win-Win-Win“-Situation, da einfach alle Beteiligten einen Vorteil bekämen, Schwäbisch-Hall, der Hohenlohekreis sowie Kreis und Stadt Heilbronn, denn „Heilbronn ersäuft im Verkehr“. Zwar geht Weidmann  von weiteren Programmen in der Zukunft aus, aber „Wenn der politische Wille da ist, kann man die Mittel in Berlin sicherlich umwidmen“.

Er begrüßt, dass auch die vom Kreistag in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie nicht nur die Kochertalbahn betrachtet, sondern auch die Anforderungen an die übergeordneten Verkehre. „Die Kochertalbahn-Diskussion kann sehr nützlich sein.“

Viele ÖPNV-Projekte in Baden-Württemberg

Im Kreis Schwäbisch-Hall hat man den Anschluß ans S-Bahn-Netz der Stadt Nürnberg beschlossen, Verkehrsminister Winfried Hermann will den Anteil des ÖPNV verdoppeln und das landesweite e-Ticket für den ÖPNV ist in der Erprobung. Der prinzipielle politische Wille im Land Baden-Württemberg zur Verbesserung des ÖPNV-Angebots ist also vorhanden.

Text: Matthias Lauterer

Wasserstoff-Brennstoffzellen-Zug im Liniendienst. Foto: Alstom

 




Luftreinigungsversuch in der Grundschule Kocherstetten

Luftreinigung ist ein großes Stichwort, um die Verbreitung des Coronavirus in Innenräumen, wie zum Beispiel Klassenzimmern, zu unterbinden. Diverse Konzepte wurden vorgestellt, zum Beispiel ein „Eigenbauprojekt“, das vom Max-Planck-Institut in Mainz entworfen wurde. Auch in der Johann-Friedrich-Mayer-Schule in Kupferzell wurde in Zusammenarbeit mit ebm-papst eine Luftreinigungseinheit zu Versuchszwecken aufgebaut (GSCHWÄTZ berichtete).

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass Luftreinigungsanlagen mit geeigneten Filtern in der Lage sind, die Corona-Viren-Konzentration und damit das Infektionsrisiko erheblich herabzusetzen.

Private Initiative ermöglicht den Versuch

Auch in der Grundschule Kocherstetten ist seit einer Woche eine Luftreinigung im Versuchseinsatz, in zwei Klassenzimmern stehen 4 handelsübliche Luftreinigungsgeräte, die stufenlos geregelt werden können. „Eine ziemliche Hau-Ruck-Aktion war das“, meint Sonja Wystup. Sie ist Mutter eines Schülers, Elektroingenieurin und Initiatorin des Projekts, und erklärt: „Wir verwenden HEPA13-Filter, die Staub, Pollen, Bakterien und Viren bis hinunter zu 0,3µm ausfiltern. Da Viren nicht vereinzelt in der Luft herumfliegen, sondern in der Luft immer in Tröpfchen eingeschlossen sind, erreichen die Filter einen Luftreinigungsgrad von 99,98 % laut Herstellerangabe.“ Vier Reinigungsgeräte stehen in jedem der beiden Klassenzimmer, jedes Gerät reinigt bis zu 400m³ Raumluft in der Stunde.

Sinnvolle Ergänzung zum Lüften, aber kein Ersatz

Was die Geräte nicht filtern ist Kohlendioxid, auch führen sie der Raumluft keinen Sauerstoff zu. Sonja Wystup sieht daher die Filtergeräte als sinnvolle Ergänzung, nicht etwa als Ersatz für das Lüften, zum Beispiel auch in der Heuschnupfenzeit.

Unterschiedliche technische Ansätze für unterschiedliche Gebäudevoraussetzungen

Die Geräte saugen die Luft unten an und geben sie gereinigt nach oben wieder in den Raum ab – ein anderer Ansatz wie zum Beispiel die vom MPI Mainz entwickelte Anlage, die aussieht wie mehrere Dunstabzugshauben, die man aus der Küche kennt.

Sie sieht stark unterschiedliche Voraussetzungen bei den Schulgebäuden: „Kocherstetten ist ein Altbau, da herrschen ganz andere Voraussetzungen als bei modernen Schulen“. Ideal für das Lüften sei ein Klassenzimmer mit Fenstern auf beiden Seiten und ein wenig Wind. „Aber unter diesen Gesichtspunkten sind die Schulen nicht gebaut worden – hätten wir ideale Bedingungen, würde Lüften ausreichen.“

Diese idealen Bedingungen sind aber in Schulen in der Regel nicht gegeben. Auch seien die Verhältnisse in Schulen sehr unterschiedlich: „Pauschalaussagen kann man nicht treffen“. Zum Beispiel habe Kocherstetten sehr hohe Räume, wie sie in modernen Schulgebäuden nicht mehr anzutreffen sind.

Und so will Sonja Wystup vorrangig Daten sammeln, um diese für eine Produktentwicklung bereitzustellen. Nicht nur Qualität der Luftreinigung und der Energieverbrauch sind Kriterien, es soll auch ermittelt, werden, welche technischen Anforderungen an derartige Geräte gestellt werden müssen. Und natürlich will man Erfahrungen mit der Lautstärke der Geräte sammeln: 60 db ist der Geräuschpegel bei Maximalleistung. Dieser Pegel ist ungefähr der Lärmpegel eines normalen Gesprächs, liegt also deutlich über der sogenannten Konzentrationsschwelle. Aus diesem Grund wurde die Geräteanzahl überdimensioniert, damit die Geräte bei einem geringen Lärmpegel arbeiten können.

Lehrer und Lehrerinnen können ausprobieren

Die Lehrer:innen der Grundschule Kocherstetten sind in den Versuch einbezogen. Sie haben jetzt die Möglichkeit, die Geräte auszuprobieren und ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Lautstärke im Unterricht noch tolerierbar ist.

Positives Feedback des Rektors

Steffen Gahm, Rektor der Grundschule, gibt nach den ersten Tagen ein positives Feedback über die Geräte: „Wir freuen uns, diese Möglichkeit zu erhalten. Es war zunächst ein ungewohntes Gefühl, ein ständiges Brummen zu hören, man hat sich aber doch schnell daran gewöhnt. Auch von den Kindern kam bisher keine Rückmeldung, dass dies störend wäre. Man hatte schon sehr schnell das Gefühl, deutlich frischere Luft zu atmen. Zudem ist die Handhabung sehr einfach und somit im Alltag leicht umsetzbar.“

Warten auf eine Entscheidung des Landes

Sonja Wystup ist überzeugt, dass das Land bald eine Entscheidung treffen muss, ob Luftreinigungsanlagen in größerem Maßstab eingesetzt werden sollen. Bis dahin will sie genügend Know-How aufgebaut haben, um dann dazu beitragen zu können sinnvolle Lösungen für Schulen anbieten zu können.

Sonja Wystup bedankt sich insbesondere bei dem Ingenieurdienstleister Xares GmbH, Neuenstein für die zur Verfügungsstellung der Geräte und an den Gerätehersteller Frico GmbH, Dörzbach-Hesslachshof. „Ohne deren Engagement wäre die Privatinitiative nicht möglich.“

Text: Matthias Lauterer

 

Je vier dieser Luftreiniger stehen in den beiden Klassenzimmern der Grundschule Kocherstetten. Bild: Steffen Gahm/Grundschule Kocherstetten

Die Luftreiniger sind recht unauffällig. Bild: Steffen Gahm/Grundschule Kocherstetten

Die Luftreiniger sind recht unauffällig. Bild: Steffen Gahm/Grundschule Kocherstetten

Die Luftreiniger sind recht unauffällig. Bild: Steffen Gahm/Grundschule Kocherstetten




Jetzt erst mal den Stecker ziehen

Wie oft hat man sich schon danach gesehnt, gaaanz ruhige Weihnachten ohne die bucklige Verwandtschaft verbringen zu dürfen. Et voila, nun tritt dieses unverhoffte Glück ohne Familienknatsch ein und schon passt es auch wieder keinem. Dabei beschert der Weihnachtslockdown ganz unverhoffte Freuden – kein Einkaufsmarathon bis zum Schluss mehr – was man hat, das hat man – oder auch nicht und kann stattdessen beten, dass die Amazongeschenke wegen der überlasteten Post noch rechtzeitig an Heiligabend da sind. Aber selbst wenn nicht: Man sieht sich ja sowieso nicht, um die Packerl direkt zu übergeben. Das heißt: Eigentlich braucht man am 24. ja nur vorsorgen für die handvoll Menschen, die mit mir mit unterm Weihnachtsbaum sitzen dürfen. Den Rest kann ich entspannt im Januar bedienen. So sieht alles doch schon gleich viel entspannter aus.

Es gibt kein Vereinsleben mehr und kein Musikleben, Treffen von Freunden dürfen nur noch zwischen 2 Haushalten stattfinden. Dann verzichtet man einfach gänzlich drauf und geht lieber mal öfter im Wald spazieren. Denn urlauben geht ja auch nur noch unter ganz erschwerten Bedingungen. Hört sich alles schlimm an? Ach, i wo. Das ist bloß alles eine Frage der Perspektive.

Nichtstun so akzeptiert wie nie

Runterfahren heißt das Zauberwort. Den Stecker ziehen, sich ausklinken aus unserem Hamsterradleben. Wollten Sie schon immer tun? Jetzt haben Sie gezwungenermaßen die Gelegenheit dazu. Und dafür müssen Sie sich bei keinem entschuldigen, etwas nicht erledigt zu haben oder keine Lust zu haben, irgendwohin zu gehen. Denn: In diesem Lockdown scheint die Zeit stillzustehen. Und Nichtstun so akzeptiert zu sein wie noch nie.

Ich bin in mich gegangen und habe mir überlegt, was ich neben meiner Arbeit (arbeiten darf man ja noch, leider, zumindest in meinem Berufsfeld), so alles mit meiner gewonnenen Freizeit anfangen kann, bis alles wieder seinen gewohnten Gang nimmt und habe mir folgende Punkte notiert:

1. Friedhöfe besuchen und meinen verstorbenen Freunden und Verwandten einen Besuch abstatten

2. Scharade und Glücksrad (mit der Tafel meiner Kinder) spielen mit der Familie (der engsten)

3. Freunde anrufen

4. lesen

5. meine alte Yoga-CD suchen und die wieder jeden Tag machen

6. meinen Kindern eine adäquate Erziehung verpassen, die Hausarbeit inkludet

7. Achtsam sein mir selbst gegenüber (was mag ich mir Gutes tun, vielleicht ein Schaumbad oder eine Tafel Schokolade?)

8. Achtsam sein meinen Mitmenschen gegenüber (anstatt „Nein“ oder „keine Zeit“ lieber sagen: „Klar, lass uns reden, komm vorbei auf eine Tasse Tee“)

9. spazieren gehen (wenn mir das mit 16 jemand gesagt hätte, dass ich das mal meine Wunschliste schreibe, hätte es mich geschüttelt)

10. Weihnachtslieder anhören

Jetzt bloß keinen Stress

Selbst die Verkäuferinnen in Künzelsau schienen am Dienstag, den 15. Dezember 2020, an ihrem letzten Arbeitstag vor dem zweiten Coronalockdown, ganz entspannt zu sein. Aber Frauen genießen diese Entspanntheit stets unter Vorbehalt. Darf man sich jetzt überhaupt zurücklehnen und entspannen? Ich müsste doch eigentlich arbeiten. Dann sitzt man Zuhause mit einem schlechten Gewissen und gehört dafür direkt geohrfeigt. Denn: Man kann nichts daran ändern, dass man nun zu Hause hockt. Dann genießt diese Zeit einfach, verdammt nochmal. Ladet eure Akkus auf. Eine Ladeninhaberin hat ernsthaft überlegt, ob sie ständig für ihre Kunden erreichbar sein sollte, falls noch jemand ein Geschenk braucht. Das ist sehr löblich von ihr, aber wie viel Aufwand und wie viel Dauerstrom stehen den 11,90 Euro entgegen, die sie dann in dieser Zeit einnimmt?

Wenn nicht jetzt, wann dann? Wann dann fahren wir mal runter? Lasst uns alle gemeinsam den Stecker ziehen – aber die Weihnachtsbeleuchtung kann ruhig anbleiben. Die wirkt so schön kuschelig.

Eine GSCHWÄTZ-Kolumne von Christine Müller

 




„Informations- und Pressefreiheit gehört zu den unveräußerlichen Grundlagen einer demokratischen Gesellschaft“

Julian Assange, der Gründer der Internet-Plattform WikiLeaks, hat den Stuttgarter Friedenspreis 2020 der Initiative „Die Anstifter“ erhalten. Diese setzt sich für Frieden und Zivilcourage ein. Die Friedenspreis-Feier auf dem Stuttgarter Schlossplatz am Sonntag, den 13. Dezember 2020, war ein Versuch, die Welt noch einmal auf das Schicksal des australischen Politaktivisten aufmerksam zu machen. Annette Ohm-Reinicke, Vorsitzende der „AnStifter“ erläuterte: „Als zivilgesellschaftliche Organisation treten die Anstifter für die Möglichkeit freier öffentlicher Meinungsbildung ein. Eine Bedingung dafür ist der uneingeschränkte Zugang zu Informationen. Julian Assange nahm sich mit Wikileaks das Recht, kompromisslos zu informieren. Dieses Handeln zu schützen heißt nicht nur, das Recht auf uneingeschränkte Pressefreiheit zu verteidigen, sondern auch an die Selbstverständlichkeit zu erinnern, dass uneingeschränkte Informationsfreiheit eine Bedingung für demokratisches Denken und Handeln überhaupt ist. Eine schlecht informierte Gesellschaft bietet den besten Boden, Fake News sowie Propaganda auf den Leim zu gehen und dadurch autoritäre Gruppen oder gar Regierungen zu stärken. Solchen Entwicklungen treten wir entgegen.“

„Informations- und Pressefreiheit wurde einst gegen Tyrannen und Despoten erstritten“

Ohm-Reinicke weiter: „Informations- und Pressefreiheit ist ein Recht, das einst gegen Tyrannen und Despoten erstritten wurde. Seit der ersten Erklärung der Menschenrechte von 1789 gehört es in Europa zu den unveräußerlichen Grundlagen einer demokratischen Gesellschaft. Die scharfe Repression gegen Julian Assange richtete sich auch gegen die Verwirklichung einer umfassenden politischen Information aller Menschen. Mit der Verleihung des Friedenspreises an Julian Paul Assange setzen die AnStifterinnen und AnStifter ein Zeichen, das Recht auf bedingungslose Informations- und Pressefreiheit nicht nur zu schützen, sondern durchzusetzen.“

„Um solche Vorgänge öffentlich zu machen, braucht es Mut und Aufklärungswillen“

Bascha Mika war viele Jahre Chefradakteurin der taz und in gleicher Funktion bei der Frankfurter Rundschau. Sie sollte im Rahmen der Friedens-Gala der AnStifter die Laudatio halten. Weil diese Veranstaltung aufgrund der Corona-Verordnungen verschoben wurde, gab sie folgende Stellungnahme ab: „Stellen Sie sich vor: Eine Straße in Bagdad. Ein US-Kampfhubschrauber. Darin Männer, die ihren Spaß haben wollen. Indem sie auf Zivilisten schießen. Anpeilen, Feuer! Die Soldaten mähen zwölf Menschen nieder, darunter zwei Journalisten. „Collateral Murder“ heißt das Video, das dieses Kriegsverbrechen dokumentiert. Wikileaks hat es veröffentlicht. So wie viele andere geheime Dokumente, die Regierungen, Banken, Militärs, Sektenführer und Firmenbosse an den Pranger stellen. Wegen ihrer korrupten Machenschaften, ihres Machtmissbrauchs, ihrer Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Um solche Vorgänge öffentlich zu machen, braucht es Mut und Aufklärungswillen. Beides hat Julian Assange mit Wikileaks bewiesen – dafür soll er büßen! Dafür büßt der Gründer der Enthüllungsplattform bereits seit Jahren mit seiner Freiheit, mit seiner psychischen und physischen Gesundheit.“

„Lasst Julian Assange sofort frei“

„Ich habe es noch nie erlebt, dass sich eine Gruppe demokratischer Staaten zusammengeschlossen hat, um ein einzelnes Individuum so lange Zeit bewusst zu isolieren, zu dämonisieren und zu missachten.“ Das sagt Nils Melzer, UN-Sonderberichterstatter für Folter. Er meint die Regierungen Schwedens, Ecuadors, Großbritanniens und der USA. Sie alle wollen, dass Julian Assange für den Rest seines Lebens im Gefängnis verrottet. Weil er mit der publizistischen Arbeit von Wikileaks für Freiheit gestritten hat. Weil er als Whistleblower für Menschenrechte, für Gerechtigkeit und eine offene Gesellschaft eingetreten ist. Julian Assange ist zum Symbol für Aufklärung und die Freiheit des Wortes geworden. Wer ihn verfolgt, verübt einen Anschlag auf die Meinungsfreiheit und will Whistleblower einschüchtern. Deshalb fordern wir im Namen des AnStifter-FriedensPreises: Lasst Julian Assange sofort frei.“

„Bravo, bravo, bravo“

Anstifter Hans Graef über die Entscheidung für Assange als Preisträger: „Bravo, bravo, bravo. Ich denke täglich an ihn und freue mich über die Entscheidung. Das ist es, was der mutige Journalist Julian Assange in dieser Zeit braucht. Eine breite Öffentlichkeit, die sich mit ihm solidarisiert, für ihn streitet und ihn nicht vergisst.“

Haft wegen Verstoßes gegen Kautionsauflagen

Julian Assange hatte unter anderem die Kriegsverbrechen der US-Armee im Irak bekannt gemacht. Von 2012 bis 2019 hielt sich der heute 49-Jährige in der ecuadorianischen Botschaft in London auf, weil ihm die Auslieferung nach Schweden drohte. Zwei Frauen hatten ihn 2010 bei der schwedischen Polizei wegen sexueller Vergehen angezeigt. Die Ermittlungen wurden zwischenzeitlich eingestellt. 2019 schließlich wurde Assange in der Botschaft verhaftet, nachdem ihm der ecuadorianische Präsident das Asylrecht entzogen hatte. Weil Assange gegen Kautionsauflagen verstoßen hatte, wurde er zu einem knappen Jahr Haft verurteilt.

Entscheidung über Auslieferung Anfang Januar

Zurzeit sitzt der Australier im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh. Am 04. Januar 2021 soll vor dem englischen Gericht Old Bailey die Entscheidung fallen, ob er an die USA ausgeliefert wird. Dort drohen ihm 175 Jahre Haft. Das Verfahren zuvor wurde nicht nur aufgrund seiner langen Dauer immer wieder kritisiert. So sollen Vertreter von Nichtregierungsorganisation sowie Pressevertreter keinen Zutritt zum Gerichtssaal bekommen haben – offizieller Grund: Corona. Die stattdessen eingerichtete Video-Übertragung war nicht für jeden verfügbar oder übertrug das Geschehen nur bruchstückhaft.

WikiLeaks-Chefredakteur Kristinn Hrafnsson befürchtet, dass Assanges Auslieferung aufgrund seines kritischen Gesundheitszustandes für ihn den Tod bedeuten würde. Bei diesem politischen Prozess geht es um mehr als nur ein Einzelschicksal. Es geht um einen der Grundpfeiler unserer Demokratie. Es geht um die Presse- und Informationsfreiheit.

Text: Priscilla Dekorsi

Die Initiative „Die AnStifter“ vergab den Preis auf dem Stuttgarter Schlossplatz. Foto: GSCHWÄTZ

Informations- und Pressefreiheit wurde einst gegen Tyrannen und Despoten erstritten. Foto: GSCHWÄTZ

Die Friedenspreis-Feier ist ein Versuch, die Welt noch einmal auf das Schicksal von Julian Assange aufmerksam machen. Foto: GSCHWÄTZ

Uneingeschränkte Informationsfreiheit ist eine Bedingung für demokratisches Denken und Handeln. Foto: GSCHWÄTZ

 




4. Kurz.Film.Fest in Künzelsau

Am Donnerstag, den 14. Januar 2021, veranstalten Studierende des sechsten Semesters des Studienganges Betriebswirtschaft mit dem Schwerpunkt Kultur- und Freizeitmanagement der Reinhold-Würth-Hochschule in Künzelsau das 4. Kurz.Film.Fest – erstmals in einer digitalen Streaming-Auflage. Das Filmfest, das in den vergangenen drei Jahren großen Anklang fand, zeigt Kurzfilme junger Filmemacher. In knapp bemessener Zeit – teilweise in nur wenigen Minuten – werden Geschichten erzählt, die rühren, informieren oder gar das Publikum zum Lachen und Nachdenken bringen. Aufgrund der Corona-Pandemie haben die Studierenden unter Leitung von Professorin Raphaela Henze diesen Abend in einem Online-Format vorbereitet. Die Kurzfilme werden online gestreamt. Aber auch in diesem Jahr wird wieder durch eine Expertenjury und das Publikum abgestimmt, wer am Ende die begehrten Preise erhält.

Die Filme werden von 20 bis 22 Uhr online gezeigt. Danach erfolgt eine Q&A-Session mit den Filmemachern. Die Teilnahme ist kostenlos und ab 18 Jahren möglich. Interessierte sollten sich unter Angabe des vollständigen Namens und Geburtsdatums per E-Mail an BK-hs.heilbronn@gmx.de bis spätestens 13. Januar 2021 anmelden. Die Anmeldedaten werden selbstverständlich umgehend nach dem kurz.film.fest wieder gelöscht und nicht weitergegeben. Weitere Informationen findet man zudem unter https://www.facebook.com/kurzfilmfest/.

 




Bis 2030 sollen doppelt so viele Menschen auf Bus und Bahn umsteigen

Ein zentrales Ziel für den Klimaschutz ist die Verdopplung der Nachfrage im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bis 2030 (Bezugsjahr 2010). Verkehrsminister Winfried Hermann stellte am Mittwoch, den 09. Dezember 2020, laut einer Pressemitteilung in einer Online-Veranstaltung Vertretern der Land- und Stadtkreise sowie der Verkehrsverbünde, der Verkehrsunternehmen und der Fahrgastverbände den ÖPNV-Report Baden-Württemberg vor. Darin wird beschrieben, wie der ÖPNV in den unterschiedlichen Regionen bisher aufgestellt ist und mit welchen Mitteln mehr Fahrgäste im ÖPNV gewonnen werden können. Die Studie analysiert den Status quo des ÖPNV auf Ebene der Verkehrsverbünde, der Stadt- und Landkreise sowie der Städte und Gemeinden. Dabei wird auch ein Vergleich gezogen mit ähnlich strukturierten vorbildlichen Best Practice-Regionen im In- und Ausland hinsichtlich der Angebotsqualität, des Preis-Leistungs-Verhältnisses und der Nachfrage im ÖPNV.

„Viele Kreise setzen den Angebotsausbau fort“

Minister Hermann sagte in der Mitteilung: „Der Quervergleich mit Regionen in der Schweiz und Österreich zeigt eines sehr deutlich: Die Verdopplung der Nachfrage im ÖPNV bis 2030
kann erreicht werden. Aber das erfordert eine gemeinsame Kraftanstrengung des Landes sowie der Stadt- und Landkreise als Aufgabenträger des ÖPNV. Viele Kreise machen sich hier im Rahmen ihrer Nahverkehrspläne bereits auf den Weg und setzen
den Angebotsausbau fort. Dazu zählt auch ein flächendeckendes Mindestangebot eines verlässlichen Stundentakts von 5 bis 24 Uhr, den das Land im Rahmen des Zielkonzepts 2025 für den regionalen Schienenverkehr als Mindeststandard bereits definiert hat. Aber für eine klimafreundliche Verkehrswende muss flächendeckend in allen Bereichen noch deutlich mehr in die Angebotsverbesserung investiert werden, im Schienenverkehr, im Stadtverkehr und im Busverkehr in der Fläche“, betonte Minister Hermann.

„Landkreise und kreisfreie Städte müssen ebenfalls ihr Angebot verbessern“

Die wichtigsten Hebel seien dabei eine deutliche Takt- und Fahrplanverdichtung, eine attraktive Kombination aus Taktdichte und preiswertem Tarif sowie eine bessere Verknüpfung von Bus und Bahn mit dem Fahrrad im Umweltverbund. Der Verkehrsminister machte deutlich: „Bund und Land haben bereits die Fördermittel für die Infrastruktur massiv ausgeweitet. Nun kommt es im nächsten Schritt darauf an, dass auch deutlich stärker in den Betrieb und in Fahrplanverdichtungen investiert wird. Landkreise und kreisfreie Städte müssen ebenfalls ihr Angebot ausbreiten und verbessern.“

Deutlich besseres Angebot in Österreich und der Schweiz

Denn der Vergleich zeigt, dass Best-Practice-Regionen in der Schweiz und in Österreich ein deutlich besseres Fahrplanangebot aufweisen, als viele Regionen in Baden-Württemberg. Die Analyse ergibt auch, dass in Regionen mit dichtem Fahrplanangebot der Marktanteil des ÖPNV spürbar höher ist. Minister Hermann betonte daher: „Nur mit durchgehend dichtem Fahrplanangebot – auch im Freizeitverkehr am Wochenende – kann der ÖPNV eine echte Alternative zum Pkw darstellen“. Und auch flexible Bedienformen könnten zu Zeiten und in Räumen mit schwacher Nachfrage eine wichtige ergänzende Rolle spielen. Dazu müssen Nutzungshürden jedoch abgebaut und die Regelungen vereinheitlicht werden.

„Das sind sehr gute Voraussetzungen für den weiteren Ausbau des ÖPNV“

Ein besonders positives Ergebnis der Studie ist, dass ein Großteil der Bevölkerung in Baden-Württemberg bereits heute eine ÖPNV-Haltestelle in kurzer Zeit erreichen kann: Zu Fuß kommen rund 86 Prozent aller Einwohner in maximal fünf Minuten zu einer Bus- oder Bahn-Haltestelle. Mit dem Fahrrad erreichen rund 68 Prozent aller Einwohner in maximal 15 Minuten sogar eine Bahnhaltestelle. „Das sind sehr gute Voraussetzungen für den weiteren Ausbau des ÖPNV. Und die schnelle Erreichbarkeit der Bushaltestellen zu Fuß und der Bahnhaltepunkte mit dem Fahrrad zeigt auch, wie wichtig die Optimierung der Fußwege und die Verknüpfung von ÖPNV und Rad durch den Ausbau guter Fahrradabstellanlagen an den Haltestellen ist. Auch das muss daher ein wichtiger Fokus in den nächsten Jahren sein“, erklärte Minister Herrmann.

ÖPNV einen Schritt nach vorne bringen

Die Ergebnisse des ÖPNV-Reports Baden-Württemberg fließen nun in den Strategieprozess ein, den das Verkehrsministerium im Juli 2020 begonnen hat. Die ÖPNV-Zukunftskommission wurde einberufen, um Ziel- und Maßnahmenempfehlungen für die ÖPNV-Strategie 2030 zu erarbeiten. Gemeinsam mit Experten aus allen relevanten Handlungsfeldern werden Ideen und Maßnahmen diskutiert, die den ÖPNV neu und groß denken sowie ihn strategisch einen weiten Schritt nach vorne bringen. Darüber hinaus bietet das Verkehrsministerium von Anfang 2021 an bis zu 25 Stadt- und Landkreisen eine auf ihre regionale Situation explizit zugeschnittene Präsentation der Ergebnisse des ÖPNV-Reports an.

Quelle: Pressemitteilung des Ministeriums für Verkehr Baden-Württemberg