Der Künzelsauer Bürgermeister Stefan Neumann hat Großes vor: Er will sich am 14. März 2021 zum Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Backnang wählen lassen. Backnang ist mit etwa 35.000 Einwohnern rund doppelt so groß wie Künzelsau und liegt im S-Bahn-Bereich von Stuttgart. Das Amt des Oberbürgermeisters ist vakant geworden, weil der Backnanger Oberbürgermeister Frank Nopper kürzlich zum Nachfolger Fritz Kuhns als Oberbürgermeister von Stuttgart gewählt wurde.
Bisher sechs Kandidaten
Die Nachfolge Noppers anzutreten wird nicht leicht, haben die Backnanger doch wahrscheinlich die Persönlichkeit Noppers gewählt: Immerhin erreichte er bei der letzten Wahl 2018 mit über 85 Prozent der abgegebenen Stimmen mehr als doppelt so viele Stimmen wie seine Partei, die CDU, bei der Stadtratswahl. Bisher haben sich sechs Kandidaten zur Wahl gestellt, die Bewerbungsfrist endet am 18. Februar 2021, es könnten also noch weitere Kandidaten hinzukommen.
Vier Gegenkandidaten aus dem Rems-Murr-Kreis
Maximilian Friedrich (33), amtierender Bürgermeister von Berglen, einer 6.400-Seelen Gemeinde in der Nähe von Backnang, ist der Kandidat mit der meisten Verwaltungserfahrung. Er wurde im Alter von 25 Jahren in dieses Amt gewählt, damals der jüngste Bürgermeister Deutschlands, und im Juni 2020 im Amt bestätigt. Er ist auch Vorsitzender der Fraktion der Freien Wähler im Kreistag des Rems-Murr-Kreises. Hinzu kommt, dass er in Backnang geboren ist und diese Wahl zu seiner Herzensangelegenheit erklärt hat.
Er hat bereits den Ironman-Triathlon auf Hawaii bestritten
Ebenfalls am ersten Tag der Bewerbungsfrist hat Jörg Bauer (51), ein Bauunternehmer aus Backnang und Mitglied des Stadtrats für das „Bürgerforum Backnang“, seine Unterlagen abgegeben. Beide werden daher auf dem Stimmzettel vor Stefan Neumann stehen. Bauer weiß laut eigenen Angaben „wie man komplexe Projekte entwickelt und umsetzt“, Ausdauer ist eine seiner Eigenschaften: Er hat bereits den Ironman-Triathlon auf Hawaii bestritten.
Einer lud bereits zum Burkini-Schwimmen ein
Ebenfalls aus Backnang kommt Marco Schlich (45), ein Bauingenieur und lokaler DIE-PARTEI-Vorsitzender. Er wurde überregional bekannt, als er 2019 zum Burkini-Schwimmen im Backnanger Schwimmbad Wonnemar einlud. Er ist im Klimaschutz engagiert und tritt als Einzelkandidat ohne Unterstützung einer Partei an.
Der Bankfachwirt Roland Stümke (52), auch er aus Backnang, tritt als parteiunabhängiger Kandidat an, macht aber keinen Hehl daraus, dass er Mitglied der LINKEN ist. Auch er war und ist in der Baubranche tätig: Viele Jahre als selbständiger Immobilienmakler, jetzt bei einem Unternehmen, das Fertighäuser vertreibt.
Außer Neumann kommt nur noch der 62-jährige Jörg Lesser aus Karlsruhe und nicht aus der Region Backnang. Er bezeichnet sich selbst als „Privatier“, ist im Landesvorstand von DIE PARTEI und sagt über sich selbst: „Grundsätzlich bin ich dafür und dagegen. Je nachdem, wie politisch und populistisch sich das am besten verwerten lässt. Ich bin Politiker – trauen Sie meinen Wahlversprechen nicht!“
Bewerbungsfrist bis 18. Februar
Noch bis zum 18. Februar können sich Kandidaten bewerben, hohe Hürden sieht das Wahlrecht in Baden-Württemberg für eine Kandidatur nicht vor. Es kann daher sein, dass sich noch weitere Kandidaten, etwa von SPD oder GRÜNEN, bewerben. Insbesondere ist noch mit Dauerkandidaten wie Fridi Miller zu rechnen, die in Künzelsau bereits gegen Stefan Neumann angetreten ist.
Erste Einschätzung
Aus der Ferne ist es natürlich schwierig, die Chancen der einzelnen Kandidaten zu bewerten. Stefan Neumann, der von der CDU unterstützt wird, dürfte durchaus gute Chancen haben. Die CDU ist in Backnang traditionell stark, hat aber bei der letzten Kommunalwahl 6,5 Prozent verloren, wurde dennoch mit knapp unter 29 Prozent stärkste Fraktion. Da Bürger gerne Verwaltungsfachleute auf dem Posten des Bürgermeisters sehen, mag auf dem Papier Neumanns stärkster Gegner Maximilian Friedrich sein, der einen ähnlichen Werdegang wie Neumann hat. Er ist kommunalpolitisch gut vernetzt, ist eine bekannte Person im Kreis und geht dazu noch als Lokalmatador ins Rennen.
85 Prozent wie Vorgänger Frank Nopper dürfte keiner der Kandidaten im ersten Wahlgang erreichen.
Text: Matthias Lauterer

Die bisher bekannten Kandidaten für das Amt des Backnanger OB:
oben v.l. Jörg Bauer, Maximilian Friedrich, Jörg Lesser
unten v.l.: Stefan Neumann, Marco Schlich, Roland Stümke
Quelle: jeweiliger Kandidat