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Wenn Frauen streiken

Ein witziges zweiminütiges Video geistert derzeit durch die WhatsApp-Gruppen. Der Urheber ist das Satireformat browser ballett.

Es zeigt verzweifelte Männer mit schreienden Babys in ihren Armen, die um Hilfe rufen: „Helfen Sie meinem Baby. Was hat es denn? Bauchweh? Hunger? Es macht so komische Geräusche.“ Frauen verweigern in dem Videoclip ihre Hilfe, andere Frauen gehen auf die Straße mit Plakaten, auf denen unter anderem steht: „Heute nimmst du die Kinder.“ Eine Stimme aus dem Off sagt: „Alle Frauen weltweit sind heute in den Streik getreten. Sie fordern Gleichberechtigung. Der Kampf der Geschlechter geht in die letzte Runde.“ Ein Endzeitszenario wird ausgerufen, es zeigt leere Büros und den fallenden Dax. „Dr größte Börsencrash der Geschichte“, kommentiert die Stimme aus dem Off.Männer in Meetings werden gezeigt, einer sagt: „Normalerweise würde ich jetzt die Ideen meiner Assistentin vorschlagen, aber die streikt jetzt auch.“

Hintergrund ist vermutlich die im Zuge der Coronapandemie seit rund einem Jahr andaueren andauernenden massiven Doppelbelastung von Frauen, die den Spagat zwischen homeoffice / Arbeit und homeschooling neben dem Haushalt stemmen müssen.




„Eltern sehen, wie sie selber überfordert sind“

Es wird das letzte Mal sein, dass er bei einer Landtagswahl kandidiert, verrät Arnulf von Eyb im GSCHWÄTZ-Interview. Nur 17 Stimmen Vorsprung hatte der 65-Jährige bekommen bei der CDU-Nominierungsveranstaltung im Hohenlohekreis. Im GSCHWÄTZ-Interview (Teil 1) sagt er uns, warum er mit der Werte-Union und der AfD nicht viel anfangen kann, Eltern überfordert sind mit der Homeschooling-Situation und die Hohenloher auf hohem Niveau jammern.
Am Sonntag, den 14. März 2021, sind Landtagswahlen in Baden-Württemberg. GSCHWÄTZ veröffentlicht ab sofort alle Informationen zu den Landtagswahlen – inklusive Kandidatenchecks mit Interviews mit Landtagskandidaten des Wahlkreises Hohenlohe (unter anderem der #SPD , den #Grünen , der #AFD und der #FDP ) sowie einem ausführlichen Wahlcheck. Also. SCHWÄTZ MER.

GSCHWÄTZ: Ich darf heute zum Wahlcheck für die Landtagswahlen in Baden-Württemberg am 14. März 2021 Arnulf von Eyb bei uns in der GSCHWÄTZ-Redaktion begrüßen. Er ist der CDU Landtagskandidat für den Hohenlohekreis und das wurde er mit einem hauchdünnen Ergebnis bei der Nominierung. Waren die 17 Stimmen Vorsprung zu ihrem Mitbewerber überraschend für Sie, dass es nur so hauchdünn war?

„Ich wusste natürlich, dass es Gegenstimmen gibt“

von Eyb: Also ich wusste natürlich, dass es Gegenstimmen gibt und ich wusste auch, dass es eine, ja, wie soll ich sagen, eine gewisse Stimmung gab, die mir kritisch gegenüberstand. Aber wie das bei Wahlen so ist, man weiß es nie im Vorfeld, und es hat auf jeden Fall gereicht. Und das ist für mich entscheidend. Ich bin ein liberaler Mensch und ich bin ein ruhiger und unaufgeregter Politiker, das werde ich auch bleiben. Ich haue keine Schlagworte raus, sondern ich mache meine Arbeit, so gut ich sie sie kann. Und der ein oder andere hätte vielleicht irgendwie etwas Kritisches in der einen oder anderen Richtung verlangt, aber ich habe es nicht getan. Ich weiß auch, warum ich das getan habe. Und ich glaube, die Arbeit eines Politikers bedeutet letztendlich, solide Arbeiten das ganze Jahr über und nicht in der Sekunde irgendeiner Stimmung nachgehen. Das mache ich nicht. Und das könnte auch der Grund sein, weshalb der eine oder andere sagt, ich bin vielleicht zu wenig konservativ. Dabei bin ich urkonservativ, aber eben in dem Sinne, wie ich es für richtig erachte.

Kein Anhänger der Werteunion, also des konservativen Flügels der CDU

GSCHWÄTZ: Wurde Ihnen das gesagt, dass Sie zu wenig konservativ sind?

von Eyb: Es gibt hier eine gewisse Strömung, die es auch innerhalb der CDU gibt, diese so genannte Werte-Union [Anm. d. Red.: konservative Bewegung in der CDU]. Das wurde mir auch ganz offen gesagt, dass ich zu merkelfreundlich sei. Und das ist auch nicht richtig. Aber ich bin ein liberaler Mensch und ich glaube, dass die Politik in Deutschland relativ gut läuft. Das sagen ja auch die Umfragen, und mit der Werte-Union kann ich persönlich nicht sehr viel anfangen. Das habe ich gesagt. Ich habe auch gesagt, dass ich mit der AfD nicht wahnsinnig viel anfangen kann und der eine oder andere sagt dann, dann ist er mir einfach zu liberal, ich möchte jemand, der vielleicht etwas konservativer ist, in einer ganz bestimmten Richtung, das verstehe ich nicht unter Konservatismus.

GSCHWÄTZ: Könnte das auch der Grund sein, dass Sie vielleicht von manchen als zu liberal empfunden werden, dass die AfD hier so ungemein punkten konnte vor fünf Jahren?  Anton Baron hat ja über 17 Prozent bei den letzten Landtagswahlen erzielt.

AfD konnte im Hohenlohekreis bei den letzten Landtagswahlen wegen der Flüchtlingskrise so viel punkten, vermutet Arnulf von Eyb

von Eyb: Ja gut, damals war das sicherlich dem Umstand geschuldet, dass die Flüchtlingskrise noch nicht verarbeitet war, dass sehr viele da eine Bedrohung gesehen haben und vor allen Dingen auch manche Wähler, die dann möglicherweise aus einer ganz bestimmten Ecke zu uns gekommen sind. Also ganz offen ausgesprochen, die dann vielleicht auch die Sorge gehabt haben, dass ihnen etwas weggenommen wird. Jetzt sind sie mühsam hier angekommen und haben vielleicht die Sorge, dass sie zu kurz kommen oder ähnliches. Ich weiß es nicht. Ich kann es nicht genau sagen.

„Manche Bürger, die möglicherweise aus einer ganz bestimmten Ecke zu uns bekommen sind und dann vielleicht Sorge haben, dass ihnen etwas weggenommen wird“, wählen die AfD

GSCHWÄTZ: Wie schätzen Sie denn heute, also 2021, die Stimmung im Land ein? Für die CDU? Für die AfD? Was denken Sie, wieviel  Prozent wird es geben im März?

von Eyb: Also ich kann ja nur das sagen, was die Demoskopen so uns erzählen oder sagen oder berichten. Und mal sind die Grünen vorne, mal sind wir vorne, dann ist es Gleichstand. Aber ich glaube auf jeden Fall, die AfD wird nicht mehr so stark sein in Hohenlohe wie vor einigen Jahren. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass die Menschen merken, dass da eigentlich nichts Positives gearbeitet wird. Da wird sehr viele Schlagwörter rausgehauen und da werden alle möglichen Positionen eingenommen, die in meinen Augen einfach nicht tragbar sind. Und ich glaube, die werden ein paar Prozent weniger haben. Und ich hoffe natürlich, dass ein Teil der Wähler, die damals vor Enttäuschung zur AfD gegangen sind, dass die vielleicht auch zur CDU zurückkehren, wenn sie überhaupt bei uns gewesen sind. Also die Demoskopen sagen uns, es wird nicht so sein, dass wir alle diejenigen, die nicht mehr AfD wählen, dass wir die bekommen, die gehen vielleicht auch zu anderen Parteien oder sie gehen vielleicht gar nicht mehr wählen.

GSCHWÄTZ: Die AfD kritisiert ja den Kurs der Kanzlerin bezüglich den ganzen Corona-Maßnahmen. Sie haben gerade gesagt, manche schätzen sie als Merkel-Anhänger ein. Dabei sind sie das eigentlich gar nicht. Wie sehen Sie denn diese ganze Corona-Politik?

„52-jährige Chefin schwer an Corona erkrankt“

von Eyb: Ich habe gerade eben mit einem Oberarzt gesprochen von einer Klinik außerhalb des hohen Hohenlohekreises, der mir erzählt hat, dass seine 52-jährige Chefin, eine eigentlich gesunde Frau, schwer an Corona erkrankt ist und er behandelt gerade ein 15-jähriges Mädchen. Also ich glaube, Corona ist eine große Gefahr und ich glaube, weil es eine große Gefahr ist, müssen wir uns alle danach richten, dass wir so wenig Potenziale schaffen, um andere Menschen in Gefahr zu bringen und diese Politik trage ich im Wesentlichen mit. Es gibt immer Details, wo man irgendetwas anders sehen könnte, aber im Wesentlichen glaube ich, dass es richtig ist, den Versuch zu unternehmen, dass möglichst wenig Menschen die Chance haben, andere anzustecken. Und das ist halt nur mit Beschränkungen möglich. Anders ist es nicht denkbar.

„Coronapolitik trage ich im Wesentlichen mit“

GSCHWÄTZ: Warum hat man nicht einfach im Frühjahr 2020, wir machen einen kompletten Shutdown. Gleich am Anfang haben ja viele auch gesagt, das Land komplett herunterfahren, 2 Wochen, 3 Wochen, 4 Wochen. Dann wäre vielleicht vieles schon schneller überstanden gewesen, womit wir jetzt immer noch zu kämpfen haben.

Kompletter Shutdown gleich am Anfang der Pandemie wäre vielleicht eine gute Option gewesen, aber „man ist nach einer gewissen Entwicklung immer schlauer als vorher“

von Eyb: Ja, da stimme ich zu. Aber das Problem ist halt, dass man nach einer gewissen Entwicklung immer schlauer ist wie vorher. Ich bin überzeugt, wenn man gesehen hätte, dass man mit vier Wochen oder sechs Wochen radikal runterfahren das Problem in den Griff kriegt…aber jeder Ministerpräsident hat natürlich auch irgendwie die Befürchtung gehabt, dass sein Land vielleicht besonders schlecht wegkommt. Der Einzelhandel stöhnt, die Gastronomie stöhnt. Alles verständlich. Und dass man da vielleicht gehofft hat, mit weniger harten Maßnahmen doch zum Ziel zu kommen, ist in meinen Augen verständlich.

„Es gibt kein „Staatslehrbuch dafür“

GSCHWÄTZ: Und zum anderen mussten Politiker wie auch Wissenschaftler erst einmal selbst überprüfen, was ist das überhaupt, was da auf uns zukommt. Da steht man ja am Anfang auch als Kommunalpolitiker wahrscheinlich erst einmal da und muss sich erst mal einlesen, 0der?

„Im internationalen Vergleich steht Deutschland gut da“

von Eyb: Ja, es ist wie mit der Flüchtlingskrise Es gibt kein Staatslehrbuch, wo man auf die Seite 943 geht und bis 1350 liest, wie man eine Pandemie bewältigt. Das hat es auch bei der Flüchtlingskrise nicht gegeben. Dann heißt das, die Politik muss versuchen, mit den Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen, das Beste draus zu machen. Und ich glaube, wenn wir in den internationalen Vergleich schauen, dass es Deutschland so schlecht gar nicht gemacht hat,

„Eltern kommen auf mich zu, die fordern, dass die Schulen wieder aufgemacht werden sollen, dass man sie entlastet von der Situation zu Hause, der sie nicht mehr gewachsen sind“

GSCHWÄTZ: Kommen denn Bürger aus dem Hohenlohekreis  gezielt auf sie zu, die nun durch die Coronaßnahmen allmählich am Limit fahren?

von Eyb: Ja, das kriege ich mit. Und zwar nicht täglich, sondern quasi stündlich. Mich rufen Eltern an, die zum Beispiel fordern, dass die Schule wieder aufgemacht wird. Die fordern, dass man sie endlich auch entlastet von der Situation zu Hause, der sie nicht mehr gewachsen sind. Es rufen mich immer auch Eltern an, die sagen, sie haben Angst um Opa und Oma, sie haben Angst, dass irgendetwas passiert. Sie wollen, dass die Schule überhaupt nur noch digital geführt wird. Also das Meinungsspektrum, das ist so irrsinnig weit, dass ich kürzlich in einem Interview gesagt habe: Ich möchte jetzt alles sein, nur nicht die Verantwortung für das Kultusministerium zu haben. Und wir sehen es hier an der armen Frau Dr. Eisenmann, in welchem Spannungsverhältnis sie jeden Tag kommt. Es gibt radikale Forderungen in die eine Richtung. Es gibt radikale Forderungen in die andere Richtung und irgendwie muss man Ausgleich finden. Und ich finde, das macht sie prima.

GSCHWÄTZ: Sie ist auch mittlerweile ein bisschen auf Distanz zu dem Kurs von unserem Ministerpräsidenten gegangen, was  die Schulen betrifft. Da hat sie ja ganz klar darauf, dass man alles dafür tun müsse, die Schulen so früh wie möglich wieder zu öffnen. Da kam der Herr Kretschmann ein bisschen hinterher gehängt.

„Eltern sehen, wie sie selber überfordert sind“

von Eyb: Also wenn ich die Stimmungslage, die mir bekannt ist, bewerte und ich kann nur bewerten das, was ich hier höre, dann wünscht sich der größte Teil der Eltern  eine vernünftige Beschulung. Sie sehen  vielleicht gewisse Schwierigkeiten im Nahverkehr. Das mag sein. Oder in der Schülerbeförderung, sag ich mal so, aber sie wollen auf jeden Fall, dass die Schulen wieder aufgemacht werden. Sie sehen zum einen das Argument, Schüler stecken sich nicht so leicht an. Und wenn man es ordentlich macht, dann ist ja auch in der Vergangenheit aus diesem Bereich relativ wenig passiert. Und sie sehen einfach, wie sie selber überfordert sind. Also wenn eine Mutter, auch wenn sie noch so gebildet ist und noch so viele technische Möglichkeiten hat, wenn die zwei Kinder hat und nebenher noch Home Büro machen soll, wie soll sie das bewältigen? Das bewältigt sie kaum und irgendwann ist man dann so genervt, dass man zum Hörer greift oder mich anruft. Oder. Oder eine SMS schreibt. Oder WhatsApp-Nachrichten. Also meine Nummer ist ja vielen Menschen bekannt und ich werde bestürmt mit entsprechenden E-Mails. Und ich antworte jedem so gut es geht. Und in den Gesprächen kommt dann eben manchmal doch heraus, dass sie nicht alles so verstanden haben, weil die Erläuterungen, die jeden Tag notwendig sind, sind ja auch schwierig. Man kann den Einzelnen ja nicht immer im Detail berichten, was da im Hintergrund an Überlegungen angestellt werden, um die Pandemie im Griff zu kriegen. Aber wenn man mit den Menschen sich unterhält das Gespräch endet fast immer relativ freundschaftlich. Aber ich rede natürlich auch mit älteren Menschen und die sagen mir manchmal also lieber einmal ehrlich. Es ist sicherlich schwierig für unsere Enkel oder Urenkel. Aber wir haben ganz andere Sachen ertragen müssen über eine viel längere Zeit. Wir hatten kein Skype, wir hatten kein Radio, wir hatten kein Telefon. Wir hatten keine Geräte, die man ein iPhone nennt oder wo man mit Freunden immerhin noch in Kontakt treten kann. Das hatten wir alles nicht. Und die glauben nicht, dass die Kinder einen so bleibenden Schaden davontragen, dass wir nachher alle in psychologische Beratung schicken müssen. Also so schlimm wird es hoffentlich nicht kommen.

„In den Gesprächen kommt dann eben manchmal doch heraus, dass sie nicht alles so verstanden haben, weil die Erläuterungen, die jeden Tag notwendig sind, sind ja auch schwierig“

GSCHWÄTZ: Also ist das Jammern auf hohem Niveau?

von Eyb: Ja, also zuweilen denkt man, es ist vielleicht auch mal ganz gut, wenn man den ein oder anderen erlebt. Es kann nicht immer schneller, höher, weiter gehen, dass man auch mal merkt, es gibt Restriktionen, da muss man sich eine Zeitlang zusammenreissen. Und sehr, sehr viele Eltern erzählen mir auch, dass ihre Kinder völlig neue Fähigkeiten entwickeln, dass sie zum Beispiel wieder miteinander spielen, dass sie sich auch wieder für das Buch interessieren. Oder ich bin Präsident des Bundes der Deutschen Musiker, Landesverband Baden-Württemberg. Was da alles läuft mit Fernschulunterricht. Also es ist nicht alles ganz mies, was damit zusammenhängt. Natürlich wünscht sich keiner, dass es länger geht, wie auch nur eine Stunde länger als unbedingt notwendig.

GSCHWÄTZ: Was denken Sie denn, wie lange der Lockdown noch geht?

von Eyb: Ich bin zwar ein sehr optimistischer Mensch, aber ich möchte den Menschen auch nichts versprechen, was ich dann in irgendeiner Form für selber nicht glaubhafter erachte. Ich glaube, das erste halbe Jahr des Jahres 2021 werden wir uns noch relativ zurücknehmen müssen und ab der zweiten Hälfte ist hoffentlich auch genügend Impfstoff da. Dann können wir die Menschen impfen und dann wird sich das alles entspannen. Davon bin ich ziemlich überzeugt.

„Das erste halbe Jahr des Jahres 2021 werden wir uns noch relativ zurücknehmen müssen“

GSCHWÄTZ: Sie sind 65, nächsten Monat werden Sie 66. Haben Sie selber schon Corona gehabt oder jemand aus Ihrem näheren Umfeld?

von Eyb: Ja, also ich selber zum Glück nicht. Ich schon mehrmals getestet worden, weil ich jedes Mal, wenn ich in den Landtag komme, die Möglichkeit habe, dann lasse ich mich testen. Es war bisher immer negativ. Das ist so schön. Und ich habe allerdings auch Bekannte, die an Corona erkrankt waren. Ich habe auch einen jungen Mann, der erkrankt ist und der mich dann eben auch angegeben hat beim Gesundheitsamt als K1-Person. Mit dem habe ich vor wenigen Tagen gesprochen. Der schmeckt noch nichts und riecht noch nichts. Also ein 20-jähriger junger Mann, pumperlgsund, wie man so schön sagt. Aber er sagt: Nehmen Sie das bitte nicht auf die leichte Schulter.

GSCHWÄTZ: Haben Sie persönlich Angst vor Erkranken?

Arnulf von Eyb hat keine Angst, an Corona zu erkranken

von Eyb: Nein, aus irgendwelchen Gründen hab ich das nicht. Zum einen bin ich vorsichtig und ich glaube auch, dass das die beste Methode ist. Aber wenn ich erkranken würde, dann hoffe ich natürlich, dass ich nicht so schwer erkranken würde, dass ich an irgendeine Maschine angeschlossen werden muss. Weil das ist ja die Krux. Wir wissen, derjenige, der an die Maschine angeschlossen wird, der hat eine relativ große Wahrscheinlichkeit, dass er das nicht überlebt.

„Weil das ist ja die Krux. Wir wissen, derjenige, der an die Maschine angeschlossen wird, der hat eine relativ große Wahrscheinlichkeit, dass er das nicht überlebt.“

GSCHWÄTZ: Sie haben vorhin gesagt, dass wenn Sie gewählt werden, wird das Ihre letzte Amtsperiode sein. Wenn Sie jetzt zurückblicken auf Ihre Jahre als Landtagsabgeordneter, was waren denn Ihre Höhepunkte?

von Eyb: Es gab zwei Höhepunkte, die aber ja sicherlich mit einem negativen Vorzeichen versehen waren. Das war einmal das Jagstunglück, und das waren die Wassermassen, die über Braunsbach hereingefallen sind und auch Schäden, die wir in Künzelsau hatten, hier unmittelbar neben ihrem Büro, Sie wissen es ja, da war ein Loch, vor der CDU-Geschäftsstell e [Anm. d. Red.: am oberen Bach, neben der Redaktion GSCHWÄTZ], da hätte ein Auto verschwinden können. Und als ich dann nach Braunsbach gefahren bin, zwei Stunden später, bin ich schon mal gar nicht reingekommen. Ich musste einen Riesenumweg fahren.  Und als ich das gesehen habe, habe ich den Bürgermeister Harsch gebeten – übrigens ein ganz toller Typ. Typ ist der falsche Ausdruck, Eine tolle Persönlichkeit, wollte ich sagen. Herr Harsch, tun Sie mir einen Gefallen und lassen Sie fünfmal hintereinander abzählen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein solches Unglück in Braunsbach nicht zu einem Todesfall geführt hat. Er hat fünfmal abzählen lassen. Es ist keiner unter den Massen verschwunden. Aber die damit zusammenhängenden Herausforderungen an das Land und an die Abgeordneten, die waren enorm. Und mittlerweile: Das Land hat es gut gemanagt. Braunsbach hat es gut gemacht. Tolle Bevölkerung. Viele Menschen haben geholfen und das waren die beiden ganz großen Herausforderungen.

Jagstunglück und Hochwasser in bleibender Erinnerung

Und das Jagstunglück. Wenn man selber Angler ist, eine Zeitlang war ich Präsident des Landesfischereiberbandes, wenn man da sieht, wie die Menschen darum kämpfen, möglichst viele Fische herauszunehmen, um sie irgendwo zwischenzulagern, und diese Anstrengungen, dieses ehrenamtliche Engagement, das Helfen, da jeder hat irgendwie eine Idee. Der eine kennt den, der andere kennt den und der dritte kennt dann jemand, der einen Bagger hat, damit man irgendwo einen Jagstarm abschottet, damit die Fische, die da drin sind, entsprechend überleben. Das war schon ein tolles Erlebnis, aber natürlich: Die Ausgangslage war kritisch, ausgesprochen kritisch.

Ansonsten leben wir doch in einem wunderbaren Land hier in Hohenlohe.

Das Interview führte GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann

Arnulf von Eyb im Gespräch mit GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann. Foto: GSCHWÄTZ

Arnulf von Eyb stand GSCHWÄTZ Rede und Antwort. Foto: GSCHWÄTZ

 

 




Lichter aus. Ein totaler Shutdown muss kommen

Und wieder war es nichts. Die Hoffnungen von vielen Eltern und Schüler, zurück in den normalen Schulalltag in die Schulen zu dürfen, zerplatzte am Donnerstag, den 28. Januar 2021, als der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann nicht zum ersten Mal alle zuvor gestreuten Hoffnungen auf baldige Schul- und Kitaöffnungen zu nichte machte. Angesichts der Mutationen des Coronavirus‘, die es nun in Baden-Württemberg gäbe, seien Lockerungen der Coronamaßnahmen derzeit nun überhaupt nicht mehr vorstellbar.

Überhaupt nicht mehr vorstellbar

Hierzu gab es vor allem in den sozialen Medien diverse hämische ironische Kommentare à la: ,Die Virusmutation sei ja nun ganz überraschend aufgetaucht.‘ In der Tat berichteten diverse Medien bereits im Dezember 2020 von der neuen Mutante in Baden-Württemberg. Also fragt man sich derweil schon, was diese Salamitaktik der Regierung soll, den Bürgern stets Hoffnung auf eine baldige Beendigung der Coronamaßnahmen zu geben, um dann den Traum in letzter Minute platzen zu lassen. Warum sagt man nicht gleich: Stellt euch auf drei Monate Lockdown ein? Damit wäre zumindest die Glaubwürdigkeit in die Politik nicht dermaßen am Wanken.

Auf und nieder, immer wieder

Knapp ein Jahr geht dieser Lockdown-Marathon schon. Auf und nieder, immer wieder. Ein baldiges Ende ist durch die Mutationen derweil erst einmal nicht in Sicht – und damit gehen auch erst einmal die Dauerdoppelbelastungen von vielen Familien weiter, die in einer coronaisolierten Welt leben, die gefühlt nur noch aus homeschooling, homeoffice und Kurzarbeit besteht.

Von Anfang ein knallharter Shutdown

Viele Freizeitaktivitäten sind gestrichen, diverse Läden zu, einige Firmen vor der Insolvenz. Selbst ein Friseurbesuch ist derzeit verboten. Die sozialen Kontakte sollen auf ein Minimum reduziert werden. Die große Frage: Wie lange hält das Volk das noch durch? Wäre es nicht sinnvoller gewesen, wenn man zu Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 sofort einen strikten Shutdown-Kurs gefahren hätte? Das habe ich jüngst Arnulf von Eyb, den CDU-Landtagsabgeordneten des Hohenlohekreises, im einem Video-Interview zur bevorstehenden Landtagswahl gefragt. Er sagte sinngemäß: Sicher, wenn man das alles immer vorher wüsste.

Stoppen wir das Virus. Jetzt

Damals war das Virus neu für Deutschland. Nun nicht mehr. Wir wissen inzwischen viel mehr, auch die Politiker. Nun haben wir eine zweite Chance. Eine Mutation, die weitaus schlimmer ist als die erste Variante, soll in Deutschland angekommen sein. Warum nicht jetzt die neuen Erkenntnisse nach einem Coronajahr nutzen und den totalen Shutdown verhängen? Einen Monat alles herunterfahren. Kein Unterricht mehr, kein arbeiten mehr. Die Doppel- und Dreifachbelastung hätte damit für viele zum ersten Mal seit langer Zeit ein Ende. Und auch die finanziellen Folgen eines knallharten Shutdownkurses wären angesichts der immensen Kosten, die der vorherrschende langwierige Dauerhalblockdown verursacht, vorzuziehen. Denn: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Stoppen wir das Virus. Jetzt.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann




Kreisimpfzentrum (KIZ) Öhringen ab Freitag wieder in Betrieb

An diesem Freitag, 29. Januar 2021, öffnet das Kreisimpfzentrum (KIZ) Öhringen erneut seine Türen. Bis einschließlich Sonntag werden täglich laut dem Landratsamt des Hohenlohekreises insgesamt rund 600 Dosen des Biontech-Impfstoffes an Menschen aus der laut Impfverordnung des Bundes am höchsten priorisierten Gruppe verimpft, sprich Menschen über 80 Jahre sowie medizinisches Personal mit hohem Risiko, mit Covid-Patienten in Berührung zu kommen.

Viele Termine bereits ausgebucht

Die Termine für dieses Wochenende (29.01. – 31.01.) sowie für das nächste Wochenende vom 5. bis 7. Februar sind bereits ausgebucht. Termine für die folgenden Wochenenden werden freigeschaltet, sobald die definitive Zusage zur Lieferung von Impfstoff durch das Land Baden-Württemberg erfolgt ist. „Wir gehen derzeit davon aus, dass wir Anfang kommender Woche, voraussichtlich am Dienstag, 2. Februar, neue Termine freischalten können“, erklärt Mike Weise, Leiter des KIZ Öhringen. „Die genaue Zahl wird sich dann wieder an der Zahl der verfügbaren Impfdosen orientieren.“ Die Termine sind ausschließlich über die Servicenummer 116117 oder online unter www.impfterminservice.de buchbar. Andere Servicenummern, die Corona-Hotline des Gesundheitsamtes, das Landratsamt Hohenlohekreis oder gar über die Rettungsleitstellen haben keinerlei Einfluss auf die Terminvergaben.

Kurz vor dem Termin Dasein reicht

Bei der Online-Buchung ist darauf zu achten, den Prozess ganz bis zum Ende durchzuführen, bis eine Terminbestätigung per E-Mail versendet wird. Sonst besteht die große Gefahr, dass Termine mehrfach vergeben werden und dadurch Impfungen nicht durchgeführt werden können.

Die Erfahrungen des ersten Impf-Wochenendes haben gezeigt, dass viele Impflinge teilweise lange vor ihrem Termin bereits am Kreisimpfzentrum waren. Dies sei jedoch nicht notwendig, wie Mike Weise erklärt: „Die Zeitfenster und Abläufe sind so gewählt, dass es im Normalfall nicht zu Verzögerungen kommt. Das bedeutet, es reicht, wenn man kurz vor dem vereinbarten Termin am KIZ ankommt. Das erspart Wartezeiten vor der Halle, gerade bei der derzeit kalten Witterung. Wir möchten nicht, dass unsere Besucher zum Impfen kommen und mit einer Erkältung nach Hause gehen.“

Die Maskenpflicht wird durch das Sicherheitspersonal im Landratsamt kontrolliert.

Das Landratsamt Hohenlohekreis weist darauf hin, dass in Anlehnung an die neue Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg für Besucher des Landratsamtes ab sofort eine Pflicht zum Tragen medizinischer Masken besteht. Unter medizinischen Masken sind OP-Masken oder FFP2-Masken respektive Masken der Normen KN 95/N 95 zu verstehen. Normale Alltagsmasken reichen nicht mehr aus. Die Maskenpflicht wird durch das Sicherheitspersonal im Landratsamt kontrolliert.

Für die ersten beiden Wochen (vom 22.01. – 24.01. sowie 29.01. – 31.01.) standen im KIZ in Öhringen 1.170 Impfdosen zur Verfügung.




Bildung in Zeiten von Corona

Der Landtagsabgeordnete Anton Baron lädt am Dienstag, den 02. Februar 2021, wieder zu einer Videoveranstaltung mit einem AfD-Fachpolitiker. Ab 20 Uhr diskutiert er mit dem Bildungsexperten der Landtagsfraktion und langjährigen Lehrer Dr. Rainer Balzer.

Die Zugangsdaten sind öffentlich auf Youtube und Facebook unter Anton Baron MdL einsehbar. Es wird um das aktuelle Thema „Bildung in Zeiten von Corona“ und um die bildungspolitischen Zielsetzungen der AfD gehen. Fragen an den Referenten können wieder an anton.baron@afd-bw.de mitgeteilt werden.

Quelle: Pressemitteilung des Landtagsbüros von Anton Baron




Über Künzelsauer Zukunftsthemen diskutieren

„Wir gestalten gemeinsam unsere Zukunft in Künzelsau“, lautet die Devise des diesjährigen Neujahrsempfangs der Stadt Künzelsau, heißt es in einer Pressemitteilung. „Für gewöhnlich findet der Neujahrsempfang im Rathaus mit vielen Menschen statt, die sich über Künzelsau und die Schwerpunktthemen informieren, das Rathaus kennenlernen und in Austausch kommen. Ausfallen lassen wollen wir den Neujahrsempfang nicht. Deshalb wird am Freitag, 29. Januar 2021 um 18 Uhr ein digitaler Neujahrsempfang via LiveStream aus der Stadthalle als Ersatz übertragen“, so Bürgermeister Stefan Neumann.

Strategie 2030

Mit der Strategie 2030 hat der neu gewählte Gemeinderat mittel- und langfristige Ziele für Künzelsau festgelegt. Zwei Schwerpunktthemen
der Strategie 2030 sind das Thema „Zukunft Wohnen“ und das Thema „Zukunft Klima“. Beim digitalen Neujahrsempfang werden über diese
Themen informiert und diskutiert. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Stefan Neumann hält Professor Dr. Michael Braungart (Leuphana Universität Lüneburg; BRAUNGART EPEA – Internationale Umweltforschung, Hamburg) einen Impulsvortrag zum Thema Cradle-to-Cradle als Innovationschance für die Region im Bau- und Architektursektor.

Cradle-to-Cradle

„Cradle-to Cradle – also von der Wiege bis zur Wiege – ist ein Gestaltungsprinzip, welches sich der Natur als Vorbild nähert, mit dem Ziel,
eine sichere und potenziell unendliche Nutzung von Materialien zu ermöglichen. Hierdurch entstehen gesunde Materialien und Produkte,
die entweder in biologische oder technische Sphären zurückgehen können. Mit dem Cradle-to-Cradle-Konzept bekommt der Bausektor eine besondere und zusätzliche Bedeutung, um Dinge zu erreichen, die für Umwelt und Gesundheit gleichermaßen geeignet sind“, informiert der Cradle-to-CradlePionier.

Podiumsdiskussion

Im Anschluss findet eine Podiumsdiskussion mit dem Moderator Hans-Peter Archner statt. „Es ist großartig, dass sich Künzelsau so ehrgeizige Ziele setzt bis 2030. Und wenn das jemand schafft, dann die Hohenloherinnen und Hohenloher mit so vielen Weltmarktführern und der Lust auf Innovationen bei gesunder Bodenständigkeit. Ich freue mich, als gebürtiger Nagelsberger den digitalen Neujahrsempfang begleiten zu dürfen,“ so Hans-Peter Archner. Er war von 1998 bis 2003 Programmchef von SWR 1 Baden-Württemberg und bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 2017 Chef vom SWR Fernsehen Baden-Württemberg und Stellvertretender Landessendedirektor. Dort war Hans-Peter Archner unter anderem verantwortlich für „SWR Aktuell Baden-Württemberg“, die „Landesschau“ und die „Regionale Unterhaltung“ mit Sendungen wie dem „Treffpunkt“ oder der „Fasnet“ im SWR Fernsehen. Gäste der Podiumsdiskussion sind Christine Tritschler, Architektin und Stadtplanerin ORplan, Harald Braun, erster Vorsitzender des kaufmännischen Vereins Künzelsau und Vorstand der Volksbank Hohenlohe, und Anja Wanck, Schülerin am Schlossgymnasium Künzelsau und Mitglied bei Hohenlohe 4 Future. Mit den Gästen aus den Bereichen Bau, Wirtschaft und Nachhaltigkeit wird über aktuelle Projekte und Themen in Künzelsau diskutiert. Auch Professor Dr. Michael Braungart und Bürgermeister Stefan Neumann werden an der Podiumsdiskussion teilnehmen.

Die digitale Veranstaltung wird am Freitag, 29. Januar 2021 um 18 Uhr als Live-Stream über den YouTube-Kanal der Stadt Künzelsau
unter http://www.youtube.com/stadtkuenzelsau übertragen. Fragen können vorab oder auch während des Live-Streams per
E-Mail an helen.buehler@kuenzelsau.de gestellt werden. Während der Veranstaltung können außerdem direkt über die Chat-Funktion in
YouTube Fragen gestellt werden.

Weitere Informationen zur Strategie 2030 sind unter http://www.kuenzelsau.de/strategie2030 zu finden.

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau

 

Hans-Peter Archner moderiert den Abend. Foto: privat




Atemprobleme nach Impfung

Unlängst haben wir über eine junge Frau berichtet, die im Pflegebereich im Hohenlohekreis arbeitet und massive Nebenwirkungen nach der zweiten Covid-19-Impfung bekommen hat https://www.gschwaetz.de/2021/01/26/das-fing-mit-knubbel-am-hals-an/). Verstärkend hinzu kamen neben den zahlreichen Nebenwirkungen, die sie hatte, wie etwa Ausschlag am ganzen Körper, Schwellungen und Fieber, nun auch zeitweise Atemnot.

Atemnot wird bislang nicht bei den gängigen Nebenwirkungen aufgezählt. Daher ergänzen wir unseren vorangegangenen Artikel um diese Information. Mittlerweile ist die Frau wieder auf dem Weg der Besserung. Sie hat das Paul-Ehrlich-Institut über ihre heftigen Nebenwirkungen informiert. Das Institut erfasst speziell solche Daten, die Frau hat bislang noch keine Antwort darauf erhalten.

Die Redaktion GSCHWÄTZ hat eine Presseanfrage diesbezüglich an das Paul-Ehrlich-Institut gestellt. Eine Antwort steht noch aus.

 




Ehefrau teilte sich mit einem anderem Mann Wohnung in München

Der dritte Verhandlungstag im Dörzbacher / Hohebacher Scheunenbrandprozess (GSCHWÄTZ berichtete bereits vom ersten und vom zweiten Tag) am Montag, den 25. Januar 2021, vor dem Landgericht Heilbronn brachte an einigen Ecken etwas Licht ins Dunkel, warf aber gleichzeitig neue Fragen auf. Beschuldiger ist Bernd K.. Dieser wiederum stellt eine Dörzbacher Familie in den Fokus seines Leidens – und Liebens.

Wichtige Zeugin nicht verhandlungsfähig

Die Ehefrau, mit der der Beschuldigte Bernd K. laut eigenen Aussagen eine Liebelei gehabt haben soll und die wahrscheinlich wichtigste Zeugin, sei verhandlungsunfähig erkrankt. Das Gericht hatte daher ihren Schwager geladen, um Einblicke in das Verhältnis der Familie zu Bernd K. sowie in die Entwicklungen, die zur Eskalation des Scheunenbrandes führten, zu bekommen. Bernd K. beschuldigte insbesondere am ersten Prozesstag eine Dörzbacher Familie, ihn in den existenziellen Ruin getrieben zu haben. Vorausgegangen soll laut Bernd K. eine heimliche Liebelei sein mit der Ehefrau. Ihr Schwager sagte nun vor Gericht aus.

Eine ominöse Wohnung in München

M. hat angeblich weder mit seinem Bruder noch seiner Schwägerin jemals über eine etwaige Beziehung seiner Schwägerin zu Bernd K. gesprochen. Über eine eventuelle Beziehung seiner Schwägerin zu Bernd K. sagt er daher lediglich: „Darüber kann ich keine Auskunft geben, sie haben sich gut verstanden. Aber da muss man nicht gleich was vermuten.“ Auf konkretes Befragen des Anwaltes bestätigt M, dass seine Schwägerin eine Wohnung in München habe, die sie vor ein paar Jahren zeitweise mit einem Mann zusammen bewohnt habe. Er stellt in den Raum, dass diese Konstellation einzig aufgrund der bekannt hohen Mietpreise in München zustande gekommen sein mag. Seinen Bruder beschreibt er als einen sehr toleranten Menschen. Ob er auch bezüglich der Treue in der Ehe tolerant sei, fragt der Anwalt: „Da denke ich, dass er auch tolerant ist.“

Stühlerücken zu Beginn

Der Verhandlungstag begann mit einem großen Stühlerücken, da dem Beschuldigten sein Stuhl plötzlich nicht mehr bequem genug war. Zwar gab es im Saal nur Stühle desselben Typs – aber, nun ja.

„Das hätte eine halbe Stunde später anders ausgesehen“

Erster Zeuge war am dritten Prozesstag Feuerwehrkommandant H., der mit als erster am Tatort angekommen war. Er berichtete von Flammen an einer Ecke der Scheune, die „unverzüglich mit einem Feuerlöscher gelöscht werden konnte“. Die weiteren Brandnester seien mit Wasser unschädlich gemacht worden. Er konnte aber nach Vorlage von Bildmaterial und auf eindringliche Fragen der Vorsitzenden Richterin Bezold und dem Rechtsanwalt des Beschuldigten, Michael Donath, nicht genau sagen, ob die Flammen nur im Brandnest züngelten oder schon auf die Scheune übergegriffen hatten. Ob tatsächlich die Scheune gebrannt hat, ist für den Vorwurf der Brandstiftung wichtig. Pfosten und Tor sind jedenfalls, das war auf den Bildern zu sehen, angekokelt. „Das hätte eine halbe Stunde später anders ausgesehen“, sagt H.

Angekokelte Scheune

Kennengelernt habe er den Beschuldigten beim Freitagsstammtisch der Motorradfreunde, an dem Bernd K. gelegentlich teilgenommen habe. H. berichtete davon, dass Bernd K. bei einem Treffen der Motorradfreunde von einer Beziehung zu der Ehefrau erzählt habe, auch sei die Beziehung sozusagen Dorftratsch gewesen. Auf die Frage des Anwalts, von wem er denn sonst noch von der angeblichen Beziehung gehört habe, konnte er unter großen Schwierigkeiten drei Männer benennen. Auch Dr. Heinrich, der dem Prozess als psychiatrischer Sachverständiger folgt, findet: „Herr H, Sie eiern“ und auch Richterin Bezold meint: „Da hat man sich doch das Maul zerrissen.“

Schon vorher gezündelt

Auslöser der Eskalation sei ein Vorfall im ersten Lockdown, als die Freitagsstammtische nicht mehr stattfinden konnten: Es sei zu einem scharfen Wortwechsel zwischen H und K gekommen, als K auf dem Gelände der Motorradfreunde ein Lagerfeuer angezündet habe. Er als Feuerwehrmann habe Bernd J. aufgefordert, das  Feuer umgehend zu löschen, auch weil es seit einiger Zeit nicht mehr geregnet habe. Da Bernd K. nicht einsichtig gewesen sei, habe sich das aufgeschaukelt, er sei auch laut geworden, und er habe ihm einen Platzverweis ausgesprochen. Seitdem habe er keinen persönlichen Kontakt mehr zu Bernd K. gehabt.

Beleidigender Facebook-Kommentar

Am 3. Juni 2020 hat der Beschuldigte dann einen langen Kommentar auf der Facebook-Seite unseres Magazins GSCHWÄTZ veröffentlicht [Anmerkung: Aufgrund des Inhalts wurde der Kommentar von der Redaktion gelöscht], in dem unter anderem die Dörzbacher Feuerwehr unflätigst beschimpft wurde.

„Volltrottel“

Am 25. Juni 2020 habe er dann, nach einer E-Mail Bernd K.s, in der H. unter anderem als „Volltrottel“ bezeichnet wurde und ihm unterstellt wurde, er sei von der Familie der Ehefrau, mit der Bernd K. nach eigenen Angaben angeblich eine Liebelei hatte, „zur Feindaufklärung in den Weinberg geschickt“ worden, als letztes verbleibendes Mittel Strafantrag gestellt. Außerdem sei er in der Mail für den Tod eines Mädchens am 25. Januar 2005, genau vor 16 Jahren, verantwortlich gemacht worden. Als E. davon berichtet, merkt man, dass ihn dieses Ereignis heute noch mitnimmt. Aber „außer dem Namen des Mädchens war alles falsch. Alles in irgendeiner Form zusammengereimt.“

Über Bernd K. erzählt er, dass dieser sich „immer gerne in den Mittelpunkt gerückt habe“. Ob er psychische Auffälligkeiten feststellen konnte? „Im Vorfeld eigentlich nicht“, er sei „ein Schwätzer und Angeber“ gewesen, aber eher als Wesenszug, nicht im Sinne einer Krankheit. Aber er halte ihn inzwischen für gefährlich: „Jemand die Scheune abbrennen, ist was anderes. Wenn einer Schaden anrichtet, ist das was anderes“.

Während der Befragung verschiebt der Beschuldigte seinen Stuhl immer mehr in Richtung des Zeugen und begleitet dessen Aussage mit aussagestarker Mimik – Naserümpfen, Hochziehen der Augenbrauen, mehrere unterschiedliche Arten des Lächelns.

Verschiedene Strafanträge aus der Dörzbacher Bevölkerung

Aufgrund der verschiedenen Strafanträge aus der Dörzbacher Bevölkerung versucht Anwalt Donath recht subtil, die Möglichkeit einer Verschwörung gegen seinen Mandanten in den Raum zu stellen, allzu weit kommt er damit jedoch nicht.

Bernd K. selbst will sein Fragerecht einmal mehr für ausschweifende Erklärungen nutzen, wird aber von Richter Thiel nachdrücklich daran erinnert, dass er in diesem Stadium des Prozesses nur direkte Fragen an den Zeugen stellen darf.

Sichtlich erschöpft von der Befragung verlässt E den Saal.

Beendetes Mietverhältnis

Danach wird der bereits eingangs erwähnte Schwager der Ehefrau hereingerufen, der als Verwalter unter anderem für die vermieteten Wohnungen der Dörzbacher Familie, die im Fokus der Ansculdigen von Bern K. steht, verantwortlich ist, hereingerufen. Er berichtet von einer „Zweizimmerwohnung“, die Bernd K. in einem regulären Mietverhältnis bewohnt habe und nennt Details wie etwa die Höhe der Miete. Von einem „repräsentativen Beraterbüro“, wie es Bernd K. am ersten Verhandlungstag bezeichnet hatte, ist nicht die Rede.

„Randprobleme“ seien aufgetreten, so habe sich Bernd K. mit dem Hausmeister überworfen, einer Mieterin unschöne Dinge gesagt und einer Cousine sei er durch Sprüche so aufgefallen, dass sie gesagt habe, „man müsse ein wenig Abstand halten.“

Die Sprache  ist sehr distanziert und vorsichtig, er deutet viel an, manches bleibt im Unkonkreten – ein klares Ja oder Nein kommt ihm kaum über die Lippen.

Auch hier: Eskalation hat einen Anfangspunkt

Auch in der Beziehung der Familie zu Bernd K. gibt es wieder diesen einen Punkt, den man als Beginn der Eskalation sehen kann. Hier ist es der Schornsteinfegerbesuch, den Bernd K. am ersten Tag bereits erwähnt hatte. Laut M hatte K bei einem Holzofen die Ofentür „zum Entlüften“ offen stehen lassen. Beim Fegen des Schornsteins ist daher Russ ausgetreten. „Dafür muss man Ingenieur studiert haben“, habe der Schwager zu Bernd K. gesagt. Er kann es bis heute nicht verstehen, wieso man eine Ofenklappe tagsüber geöffnet lasse. Auch das vorgebrachte Argument von Bernd K., dass man den Mietern den Besuch des Schornsteinfegers einige Tage vorher anzukündigen habe, zieht nicht: Der Schornsteinfeger komme ohne Ankündigung.

Nach weiteren Beleidigungen, unter anderem gegenüber dem Hausmeister, habe die Familie das Mietverhältnis mit Bernd K. dann gekündigt, darauf kam keine Reaktion. Eine fristlose Kündigung mit Hilfe eines Rechtsanwalts führte dann dazu, dass bernd K. kurz vor einem angekündigten Räumungstermin ausgezogen sie  – und die Wohnung leer zurückgelassen habe, auch die Möbel, die Bestandteil der Wohnung und Eigentum der Familie waren, wie die Küche und den Herd. Töpfe und Gerätschaften seien im Müll gelandet. Bern K. habe selbst die EnBW dazu gebracht, den Stromzähler abzubauen. Daraufhin habe man seine Motorräder und Werkzeuge als Pfand in Verwahrung genommen, auch wegen Mietrückständen.

„Da laufen ganz viele Dinge nebenher“

„Da laufen ganz viele Dinge nebenher“, stellte Richterin Bezold fest und so stellt sich auch heraus, dass das Gericht in Öhringen auf Antrag der Familie ein Kontaktverbot nach dem Gewaltschutzgesetz erlassen hatte, welches der Beschuldigte durch dauernde E-mails umging. „Das ist ein Aktenordner voll“, sagte der Schwager. „Wir sind mit E-mails ganz gut versorgt worden.“ Auf die Frage, ob man geantwortet habe, antwortet der Schwager in der für ihn typischen Ausdrucksweise nicht „nein“ sondern: „Das war einseitig.“

Während über das Kontaktverbot gesprochen wurde, will Bernd K. wissen, wer denn das beantragt habe. Als die Richterin bestätigt, das der Antrag von der Ehefrau gestellt wurde, wirkt er schlagartig niedergeschlagen und konsterniert.

In besagten E-mails wurde die Familie erheblich beschimpft und bedroht, von „Blutrache“ ist die Rede und davon, dass Bernd K. die Familie „wirtschaftlich und politisch fertigmachen“ wolle. Während der Befragung des Schwagers sitzt Bernd K. diesem zugewandt mit locker übereinandergeschlagenen Beinen, beim Verlesen der Mail lächelt Bernd K. – man könnte vermuten, aus Stolz über seine Formulierungen.

Auf die Frage des Gutachters, über den psychischen Zustand von Bernd K antwortet der Schwager wieder ausschweifend: „Wie er sich geriert und wie er schreibt, das sind zwei verschiedene Welten.“ Später wird er deutlicher, als er berichtet, dass in den E-mail-Verteilern selbst das Bundeskanzleramt und der Bundespräsidenten auftauchten: „Ein normaler Mensch wird so etwas nicht machen.“

Bernd K. spricht den Schwager konkret darauf an, was es mit den von Bernd K. am ersten Verhandlungstag in den Raum geworfenen Schulden der Dörzbacher Familie in Höhe von 1,2 Millionen Euro auf sich habe. M weiß von diesen Schulden nichts: „Ich führe seit Jahrzehnten die Bücher, das ist mir nicht bekannt.“

Text: Matthias Lauterer

 

 

 




Kostenlose Papiertüten für die Betty

Die verstärkte Aufklärungsarbeit der Abfallwirtschaft zum besseren Müll-Trennen zeigt Wirkung, schreibt die Abfallwirtschaft Hohenlohekreis in einer Pressemitteilung. Es hätte deutlich mehr Anfragen an der Servicehotline gegeben und auch die Nachfrage nach den kostenlosen Papiertüten für die Baby-Betty habe in den letzten Monaten stark zugenommen. Hintergrund für die verstärkte Aufklärungsarbeit der Abfallwirtschaft war die Testphase für die Sonderleerungen der BioEnergieTonne Betty und der Restmülltonne. Nachdem die Testphase erfolgreich abgeschlossen wurde, sind Sonderleerungen für falsch befüllte Bettys und überfüllte Restmülltonnen künftig kostenpflichtig.

Größerer Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz

„Unsere Informationen kommen in der Bevölkerung an“, freut sich der Geschäftsführer der Abfallwirtschaft, Sebastian Damm, laut der Mitteilung. Es konnte erreicht werden, dass sich die Bürger mehr mit dem Thema Abfall beschäftigen und durch bessere Müll-Trennung einen größeren Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten. Besonders wichtig sei die richtige „Müll-Trennung“ beim Bioabfall. Deshalb wolle man vor allem hier Unterstützung leisten, so Damm.

Besser keine Tüten im Mülleimer

Die Abfallwirtschaft empfiehlt nach wie vor, Zeitungspapier oder Papiertüten für die BioEnergieTonne Betty zu verwenden. Die kostenlosen Papiertüten können sich die Bürger des Hohenlohekreises auf den Rathäusern oder direkt bei der Abfallwirtschaft in Künzelsau abholen. Die Papiertüten der Abfallwirtschaft binden die Feuchtigkeit und verrotten zu 100 Prozent auch in der Schnellkompostierung. Noch umweltfreundlicher und ressourcenschonender ist es, die Abfälle ohne jede Tüte einfach in einem rostfreien Stahlbehälter oder Plastikeimer zu sammeln und diesen regelmäßig zu leeren und grob zu reinigen. Abfallberater Rainer Mugler weist darauf hin, wie wichtig es sei, dass das Ausgangsmaterial die höchste Qualität habe, um den weiteren Verwertungsprozess nicht zu gefährden. Im Biomüll dürfen keine Fremdstoffe  wie Plastik oder Abfall, welcher in den Restmüll gehört, enthalten sein. Enthalte der Bioabfall keine Fremdkörper, dann müssten diese auch nicht aufwändig heraussortiert werden.

 Biologisch abbaubare Tüten

Bioplastiktüten sind zur Nutzung in der BioEnergieTonne nicht verboten. Die richtigen Tüten müssen aber nach DIN-Norm als biologisch abbaubar gekennzeichnet sein. Laut eines Hintergrundpapiers des Umweltbundesamtes zum Thema biologisch abbaubare Kunststoffe sind Bioplastiktüten teilweise oder ganz aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais, Holz oder pflanzlichem Öl hergestellt. Biologisch abbaubar bedeute, dass sich das Material innerhalb von zwölf Wochen zu über 90 Prozent zu Wasser, Kohlenstoffdioxid und Biomasse zersetze. Viele Biokunststoffe würden daher nicht zu wertvollem Humus zerfallen, sondern lediglich zu Wasser und CO2. Der daraus entstehende Kompost biete so keine Nährstoffe für Ackerböden oder Gärten.

Zusätzliche Gebühr

Gelangen andere Kunststofftüten in die Betty, geht ihr kompletter Inhalt für die Kompostierung verloren, denn dann wird sie beim nächsten Abfuhrtermin gesperrt und als Restmülltonne gekennzeichnet und kann nur zur nächsten Restmüllabfuhr bereitgestellt werden. Die Leerung verursacht eine zusätzliche Gebühr, die auf dem nächsten Bescheid berechnet wird. In der von September 2020 bis Januar 2021 durchgeführten Testphase der Abfallwirtschaft wurden die Hohenloher über die richtige Mülltrennung informiert. Ab 01. Februar 2021 erfolgen nun die ersten Gebührenberechnungen als Sonderleerungen bei falsch befüllten Betty. Ein Beiblatt im aktuellen Gebührenbescheid informiert über den Ablauf und die Kosten zur Sonderleerung.

Informationen

Weitere Informationen gibt es auf der Homepage http://www.abfallwirtschaft-hohenlohekreis.de/sonderleerung und über die App „Abfallinfo HOK“. Sie steht in den gängigen App-Stores kostenlos zum Download zur Verfügung. Bei Fragen ist das Team der Service-Hotline unter Telefon 07940/18 555 zu erreichen.

Quelle: Pressemitteilung der Abfallwirtschaft Hohenlohekreis

 

 




Schaffe, schaffe, Corona vertue

Im Hohenlohekreis wurde am Dienstag, den 25. Januar 2021, lediglich ein neuer Corona-Fall gemeldet. Die 7-Tage-Inzidenz liegt jetzt bei 43,5 pro 100.000 Einwohner, mit einer weiter fallenden Tendenz. Das Dashboard mit den aktuellen Zahlen findet sich unter https://lra-hok.maps.arcgis.com/apps/opsdashboard/index.html#/d770da3ea38643bbbd662a3e05bad5a9.

Die Gründe für die jetzt niedrigen Zahlen könnten sein, dass Hohenlohe weniger dicht besiedelt ist als manch anderer Kreis, sich die Menschen deshalb weniger begegnen. Und wie ein GSCHWÄTZ-Leser vermutet: „Die Leute murren nicht, sondern halten sich an Regeln. Gehen arbeiten statt zu shoppen und können sich mit sich selbst beschäftigen, ohne dauernd Gruppenspaß zu suchen.“ Das möge er an den „holprigen Dickschädeln“. Das seien keine Querdenker sondern Selbstdenker.