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Jagsttal nach wie vor schwarz, in Künzelsau und Öhringen viele grüne Wähler und generell jede Menge Nicht-Wähler

Die Städter haben ihr Kreuz vermehrt bei den GRÜNEN gemacht, die Jagsttäler eher bei der CDU.Rund 62 Prozent der Wähler:innen hat von dem Wahlrecht Gebrauch gemacht. Damit gab es rund 38 Prozent Nichtwähler. Diese Zahl ist baden-württemberg-weit ähnlich hoch.

So hat der Hohenlohekreis in den einzelnen Städten und Gemeinden bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg am 15. März 2021 gewählt:

Landtagswahlen in Baden-Württemberg am 14. März 2021. Ergebnisse des Hohenlohekreises. Quelle: Landratsamt

Landtagswahlen in Baden-Württemberg am 14. März 2021. Ergebnisse des Hohenlohekreises. Quelle: Landratsamt

Landtagswahlen in Baden-Württemberg am 14. März 2021. Ergebnisse des Hohenlohekreises. Quelle: Landratsamt

 




Grün, grüner, Greta-Ländle

Es war ja schon ein wenig vorhersehbar. Erst die Coronapleiten unter Jens Spahn (Masken nein, dann doch, erst reicht Stoff, dann am besten ffp-2 oder 3, dannn Impfstoff für alle, dann reicht es nicht, dasselbe mit den Schnelltests), hinzukam zu allem Überfluss nun auch noch der der Maskenskandal von diversen CDU-Granden, die sehr gut an dem Aberkauf von Coronaschutzmasken verdient haben. Dann die Serienpleite beim homepschooling, mit dieser Serienpleite wird wohl auf ewgi die baden-württembergische Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann (CDU) verbunden sein.

Die Grünen überrennen alle

Nun also das böse Erwachen bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg am 14. März 2021 für die einst stärkste Kraft im Ländle, die CDU. Was früher so normal war wie Milch im Kaffee, nämlich das Kreuz bei der CDU, ist überholt. Hier die Wahlergebnisse von 20 Uhr:

Schwache Wahlbeteiligung

Laut der ARD-Hochrechnung von 19.58 Uhr werden die Grünen mit 32,4 Prozent klar stärkste Partei. Die CDU kommt auf 23,6 Prozent, die SPD auf 11,6 Prozent, die FDP auf 10,4 Prozent und die AfD auf 10,1 Prozent. Die Linke verpasst mit 3,5 Prozent erneut deutlich den Einzug in den Landtag, auch die Freien Wähler bleiben mit 3,0 Prozent draußen. Die sonstigen Parteien erreichen zusammen 5,4 Prozent. Die Wahlbeteiligung sank laut Prognose von 18 Uhr um knapp acht Prozentpunkte auf 62,5 Prozent.

Die Grünen profitieren vom Greta-Effekt

Und auch wenn es viele nicht hören wollen von den Grünen (auch die Hohenloher Landtagskandidatin der Grünen, Catherine Kern – die damit erstmals den Sprung ins baden-württembergische Landesparlament schafft – hat GSCHWÄTZ gegenüber gesagt, dass die Grünen an sich gut seien und Greta Thunberg man diesen erwarteten Erfolg nicht zuschreiben könne) ist es doch so, dass sich seit Gretas Protest und der Klimabewegung, die sich als fridays for future formiert hat, so einiges an grünem Denken auch in der breiten Masse breitgemacht hat. Und das kommt den Grünen natürlich zu Gute. Sicherlich weit mehr als ihre Realpolitik.

Im Hohenlohekreis sieht es mit etwas über 82.000 Wahlberechtigten ähnlich aus wie für Gesamt-Baden-Württemberg:

Landtagswahl in Baden-Württemberg am 14.03.2021. Ergebnisse des Hohenlohekreises. Quelle: Landratsamt des Hohenlohekreises

Landtagswahl in Baden-Württemberg am 14.03.2021. Ergebnisse des Hohenlohekreises. Quelle: Landratsamt des Hohenlohekreises

 




Stefan Neumann derzeit weit abgeschlagen hinter Maximilian Friedrich

Heute findet nicht nur die Landtagswahl in Baden-Württemberg statt, sondern auch die Oberbürgermeisterwahl in Backnang. Auch für Künzelsau wird dieses Ergebnis möglicherweise große Auswirkungen haben, bewirbt sich um das Amt des Rathauschefs unter anderem Stefan Neumann, der derzeit noch in Künzelsau Bürgermeister ist.

Aktuell sind laut zvw elf von 36 Wahlbezirken ausgezählt. Maximilian Friedrich liegt mit großem Abstand vorne (47,61 Prozent).

Auf Platz rangiert jedoch bereits Stefan Neumann, allerdings mit derzeit lediglich 22,81 Prozent der Stimmen. Die anderen Bewerber sind noch weiter abgeschlagen auf den hinteren Plätzen:

Jörg Bauer: 14,19 Prozent

Stefan Braun: 5,76 Prozent

Julia Papadopoulos: 3,66 Prozent

Roland Stümke: 2,47 Prozent

Marco Schlich: 1,35 Prozent

Stand: 19.37 Uhr

Auf folgendem Youtube-Kanal verkündet der zweite Bürgermeister der Stadt Backnang das endgültige Ergebnis:

https://www.youtube.com/watch?v=MsEHfnfLgfs




„Gerade auch um ein Übergreifen in umliegende, weniger betroffene Landkreise abzuwenden, müsste die Landesregierung die betroffenen Städte und Gemeinden stärker unterstützen“

Aus Sicht der fünf Bürgermeister und Oberbürgermeister aus Bad Mergentheim, Crailsheim, Künzelsau, Öhringen und Schwäbisch Hall muss das Land Baden-Württemberg bei der Pandemiebekämpfung mehr Verantwortung übernehmen, wenn die Lage in einzelnen Landkreisen außer Kontrolle ist. Dies geht aus einer aktuellen Pressemitteilung des Fachkräftenetzwerks Hohenlohe Plus hervor.

In Schwäbisch Hall und Crailsheim scheinen derzeit die Inzidenzwerte zu explodieren

„Gerade auch um ein Übergreifen in umliegende, weniger betroffene Landkreise abzuwenden, müsste die Landesregierung die betroffenen Städte und Gemeinden stärker unterstützen“, erklärt Schwäbisch Halls Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim. Das Sozialministerium Baden-Württemberg hat jüngst, laut einem Bericht der Südwestpresse, die für Montag, den 15. März 2021, geplanten Schulöffnungen für Grundschüler sowie Fünft- und Sechstklässler in Schwäbisch Hall gestoppt. 

Shopping-Ansturm in weniger betroffenen Kreisen: Schlange stehen beim C&A in Heilbronn

Am Samstag, den 13. März 2021, lag der 7-Tage-Inzidenzwert in Schwäbisch Hall bei 216. Angestrebt wird von Bund und Ländern derzeit mindestens 35. Davon ist auch die Nachbarstadt Crailsheim weit entfernt, die am 12. März 2021 einen Inzidenzwert von 523,2 auf ihrer Internetseite verkündete. Laut dem SWR sind davon 70 Prozent Mutationen.

Ganz unverständlich sind die Forderungen der Bürgermeister sicher nicht angesichts der Fotos von der Heilbronner Innenstadt, die aufgrund eines niedrigen Inzidenzwertes ihre Einkaufsgeschäfte in der Innenstadt im Gegensatz zum Umland wieder öffnen durfte und beinahe zusammenbrach unter dem „Shopping“-Ansturm, der daraufhin einsetzte. Der Inzidenzwert steigt seitdem wieder an.

Die Bürgermeister sind besorgt um ihre Innenstädte

„Gefordert sind Strategien und Strukturen, die ein flexibles Vorgehen ermöglichen“, sagen die Bürgermeister in der Pressemiteilung und machen auch konkrete Vorschläge hierzu. Unter anderem sei eine noch schnellere Durchimpfung in Hotspot-Gebieten ihrer Meinung nach sinnvoll und dabei „unter anderem mit mobilen Impfteams zu agieren und eine gezielte Unterstützung der Hausärzte beim Impfen vorzunehmen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass es zu einer Ausstrahlung aus den stark betroffenen Regionen in weniger stark betroffene Regionen kommt.“

Einzelhandel ist laut den Bürgermeistern „kein Infektionstreiber“

„Ein aktives Entgegenwirken durch eine Hotspot-Strategie der Landesregierung würde zudem die heimische Wirtschaft in den betroffenen Gebieten vor extremen Schäden und
Insolvenzen bewahren“, ergänzt Crailsheims Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer. Neben dem gezielten Vorgehen in Hotspot-Situationen sprechen sich die fünf Bürgermeister und Oberbürgermeister bei dann sinkenden Inzidenzwerten für eine kontrollierte Öffnungsstrategie des Einzelhandels aus. „Dieser Bereich ist kein Infektionstreiber. Es muss unser Ziel sein, die Einkaufsstruktur zu erhalten, damit unsere Mittelzentren auch nach der Pandemie noch attraktive Möglichkeiten bieten“, erläutern Öhringens Oberbürgermeister Thilo Michler, Bad Mergentheims Oberbürgermeister Udo Glatthaar und der Künzelsauer Bürgermeister Stefan Neumann übereinstimmend.




Keine „Wahlparty“ im Landratsamt

Das Landratsamt informiert, dass der Abend der Landtagswahl in Baden-Württemberg am 14. März 2021 auch im Landratsamt Hohenlohekreis coronabedingt anders ablaufen wird als in der Vergangenheit. So wird es in diesem Jahr keine offizielle Präsentation der Wahlergebnisse im Landratsamt geben. Das geht aus einer Pressemitteilung des Landratsamtes hervor.

Ergebnisse ab etwa 20 Uhr online einsehbar

Die Ergebnisse des Wahlkreises 21 Hohenlohe werden im Anschluss an die Meldung an die Landeswahlleitung (voraussichtlich nach 20 Uhr) auf der Seite www.hohenlohekreis.de bekannt gegeben. Dort wird unter „Aktuelles“ ein Link hinterlegt sein, über den die Ergebnisse in Tabellenform aufbereitet werden und abrufbar sind.

Die Veröffentlichung im Internet darf jedoch erst nach Eingang aller Schnellmeldungen und erst nach Übermittlung des vorläufigen amtlichen Wahlergebnisses an die Landeswahlleitung erfolgen. Zwischenergebnisse aus dem Gemeinden dürfen online nicht veröffentlicht werden. Diese werden lediglich im Foyer des Landratsamtes ausgehängt.

Auch die Bürgermeisterwahl in Backnang ist am Wahlsonntag

Mit Spannung erwarten die Künzelsauer auch die heutige Wahl des neuen Oberbürgermeisters in Backnang. Stefan kandidiert hier für das Amt des Oberbürgermeisters. Falls er gewinnt, muss sich Künzelau auf die Suche nach einem neuen Rathauschef machen. Aber auch dort gibt es keine Wahlparty, wie die Stadt Backnang informiert. Die Wahlergebnisse sollen ebenfalls am Abend online verkündet werden, zum einen auf der städtischen Internetseite Backnang und zum anderen auf dem städtischen youtube-Kanal. Eine mögliche Neuwahl falls kein Kandidat die erforderliche Mehrheit holt, ist für den 28. März 2021 geplant.




Warum nicht einfach Busfahrer sein, wenn’s mit dem Gastrogewerbe gerade nicht so klappt?

Ceyhan Akin betreibt in Forchtenberg eine Sportsbar, die coronabedingt seit mehreren Monaten zum zweiten Mal nicht öffnen darf. Er hat sich zum Ziel gesetzt, die lokalen Landtagsabgeordneten auf ihren Veranstaltungen zu besuchen und sie über die sehr schwierige finanzielle Situation der Gastronomie aufmerksam zu machen. Vor kurzem haben wir über seine Begegnung mit dem SPD-Kandidaten Patrick Wegener berichtet, der ruhig und verständnisvoll reagierte und sich anhörte, was der Barbetreiber zu sagen hatte.

Am 12. März besuchte Akin nun zuerst den CDU-Infostand und damit verbunden den CDU-Landtagsabgeordneten Arnulf von Eyb in Künzelsau und im Anschluss daran den Infostand der Grünen mit der Landtagskandidatin Catherine Kern in Niedernhall. Beide Kandidaten wies er auf seine finanzielle Lage hin und filmte ihre Reaktionen.

Während Arnulf von Eyb Akin darauf verwiesen hat, dass er keine Zeit habe, da er gerade Wahlwerbung macht und man könne sich gerne nach der Wahl gerne einmal unter vier Augen unterhalten, schritt Barbara Bruhn von den Grünen ein und stellte sich vor Catherine Kern. Sie verwies Akin darauf, dass der Hohenlohekreis händeringend Busfahrer suche und da Akin von seinem ursprünglichen Beruf Kraftfahrer sei, hätte er ja in dieser schweren Zeit als Busfahrer arbeiten können.

Akins Fazit nach den Gesprächen: Am besten hat in seinen Augen der SPD-Kandidat Patrick Wegener reagiert.

Hier geht’s direkt zu den drei kurzen Videos von Ceyhan Akin:

https://www.facebook.com/ceyhan.akin.9

 

 




Auf die Straße für den Last-Minute-Stimmenfang

Traditionell zeigen sich am letzten Marktfreitag vor der Wahl nochmals die Kandidaten für die Landtagssitze in der Künzelsauer Innenstadt. Am 12. März 2021 waren drei Parteien mit Ihren Wahlkreiskandidaten vertreten: Für die CDU suchte Arnulf von Eyb, der bei der letzten Wahl den Wahlkreissitz erobern konnte, den Kontakt zu den Wählern, die SPD war mit Patrick Wegener vertreten. Am sichtbarsten war aber Uwe Wirkner von der FDP, der einen großen Schirm aufgebaut hatte.

War das Publikumsinteresse anfangs gering, konnte man eine halbe Stunde nach dem Aufbau der Stände alle Kandidaten im Gespräch mit Bürgern sehen.

Mit regionalen Wahlergebnissen ist am Sonntag, den 14. März, ab 20 Uhr zu rechnen.

Die Wahllokale sind bis 18 geöffnet, mit dem Ergebnis des Hohenlohekreises kann ab etwa 20 Uhr gerechnet werden.

Text: Matthias Lauterer

Straßenwahlkampf 2021 – Arnulf von Eyb (CDU) im Gespräch. Foto: GSCHWÄTZ

Straßenwahlkampf 2021 – Patrick Wegener (SPD) Foto: GSCHWÄTZ

 

Straßenwahlkampf 2021 – Uwe Wirkner (FDP) (rechts) Foto: GSCHWÄTZ




30.550 Euro Corona-Bußgelder durch das Landratsamt Hohenlohekreis

Ein anonymer Brief an Landrat Dr. Matthias Neth, in dem der Landrat aufgefordert wird, die Einhaltung der Corona-Auflagen durch das lokale Handwerk und Gewerbe zu kontrollieren, erreichte auch die GSCHWÄTZ-Redaktion.

Der anonyme Schreiber des Briefs wirft allgemein den Politikern „Unfähigkeit“ sowie zwei Künzelsauer Friseursalons ein nicht-corona-gerechtes Verhalten vor.

Friseurbetriebe widersprechen den Vorwürfen

S.Süleyman vom Salon Hair-Concept kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen: Am ersten Tag nach der Wiederöffnung habe es einen großen Andrang gegeben, aber selbst da sei nicht gegen die Maskenpflicht und die sonstigen Regeln verstoßen worden. Das sei aber ohnehin eine einmalige Situation gewesen: „Im Moment haben wir nur zwei bis drei Kunden gleichzeitig im Salon“.

Tülay Koyunseven von Tülay Haardesign in der Keltergasse weist ebenfalls alle erhobenen Vorwürfe von sich: „Wir tragen Maske.“ Dass die Vorwürfe des Briefschreibers gar nicht stimmen können, erkenne sie allein daran, dass bei ihr gar nicht so viele Friseurinnen beschäftigt sind, wie der Briefschreiber bei der Arbeit gesehen haben will.

Behörden werden dem Fall nachgehen

Das Landratsamt bestätigt den Eingang des anonymen Schreibens. Allerdings sei der Landrat nicht der richtige Adressat, daher habe man das Schreiben zuständigkeitshalber an die Stadtverwaltung Künzelsau übergeben, denn „derartige Kontrollen obliegen vorrangig den Ortspolizeibehörden“, teilt Sascha Sprenger, Pressesprecher des Hohenlohekreises, mit. Auch „anonyme Anzeigen werden überprüft und gegebenenfalls geahndet.“

Von einer Untätigkeit der Behörden könne aber keine Rede sein: „Wir haben seit Beginn der Corona-Maßnahmen Bußgelder (ohne Gebühren und Auslagen) in Höhe von 30.550 Euro verhängt“, so Sascha Sprenger, Pressesprecher des Hohenlohekreises. Dazu kommen noch die Gelder, die im Bereich der Großen Kreisstadt Öhringen angefallen sind.

Text: Matthias Lauterer

 




„Es ist schwer, seine Freunde nicht um sich zu haben“

In Zeiten von Corona und dem deswegen entstandenen Lockdown wurden die sozialen Kontakte ziemlich eingeschränkt. Zum Teil sind auch viele verloren gegangen. Man hat sich nicht wie jeden Tag üblich in der Schule getroffen und konnte miteinander reden, Quatsch machen und sich umarmen. Und bei uns Schülern gab es zeitweise wenig Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen in Person. Auch mir fällt das über eine so lange Zeitspanne immer noch nicht leicht – meine Freunde nicht um mich herum zu haben.

Der Austausch findet jetzt über soziale Netzwerke satt

Ich habe jedoch das Glück in einer Zeit zu leben, in der es die sozialen Netzwerke gibt, über die man sich austauschen kann und in ständigem Kontakt mit seinen Freunden steht. Aber auch hier muss man immer auch selbst etwas dafür tun, denn nur erwarten funktioniert auf Dauer nicht. In dieser Zeit haben wahrscheinlich auch viele Eltern gemerkt, dass soziale Netzwerke auch einmal anders genutzt werden können, sinnvoller. Jedoch ist es nicht das gleiche, wie wenn man sich persönlich gegenüberstehen würde.

In so einer Zeit muss man kreativ sein

Es ist sehr traurig, wenn man selbst mitbekommt, wie man vereinsamt und wie man sich auch immer weiter auseinanderlebt, wenn man den Kontakt nicht regelmäßig hält, also habe ich mir etwas einfallen lassen für mich und meine Freunde. Zuerst musste ich für diese Idee aber einkaufen gehen. Im Einkaufswagen landeten Dinge wie Chips, Gummibärchen, Capri Sonne und kleine Erfrischungsgetränke. Nach dem Einkauf habe ich alles auf sechs Kartons aufgeteilt, für sechs Freunde von mir und habe auf jedes Päckchen eine Notiz geschrieben: „Liebe/r… Ich würde mich sehr freuen, wenn du nächsten Samstag um 20.00 Uhr bei einem Video-Anruf dabei sein könntest, hierfür benötigst du dann den Inhalt des Päckchens. Liebe Grüße“

Man hat immer ein Grinsen in den Gesichtern erkennen können

Um es dann umzusetzen, mussten die Päckchen verteilt werden. Zum Glück hatte ich jemanden, der mir mit dieser Aufgabe helfen konnte. Mit Maske und Päckchen habe ich dann vor den Haustüren meiner Freunde gestanden und das Päckchen überreicht. An jeder Tür hat sich das Gleiche abgespielt: Erst Verwirrung und dann hat man immer ein Grinsen auf den Gesichtern erkennen können. Manchmal habe ich auch schon direkt zu hören bekommen, dass sie auf jeden Fall dabei wären, was mich natürlich sehr gefreut hat.

Anfangs war es etwas holprig

Um Punkt 20 Uhr ging es los: Ich habe die ganze Truppe angerufen und zusammengetrommelt. Am Anfang lief es etwas holprig, aber auf meine Mädels ist Verlass, sodass wir die Jungs auch ziemlich schnell zum Auftauen gebracht haben. Als der Ball mal ins Rollen gekommen war, gab es kein Halten mehr. Wir haben uns ausgetauscht über unseren Alltag und einander viel gefragt. Aber wir haben auch Quatsch gemacht, was die Stimmung auch sehr aufgelockert hat. Nach einer Stunde haben sich die ersten leider schon verabschiedet, aber den Rest hat das nicht davon abgehalten, weiter zu telefonieren. Am Schluss waren es dann nur noch wir Mädels, denn uns ist der Gesprächsstoff nicht ausgegangen. Wir haben noch ewig telefoniert, das hat man dann auch ein paar Wochen später an der Telefonrechnung gemerkt. Dennoch sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir das nochmal wiederholen müssen. Auch wenn es an das Treffen in Person nicht rankommt, war es dennoch lustig.

Text: Cora-Lee Pusker

 

Cora-Lee Pusker (rechts unten) trifft sich in Corona-Zeiten mit ihren Freunden virtuell. Foto: GSCHWÄTZ




„So ein Handeln muss auch immer verhältnismäßig sein“

Samstag, den 20. Februar 2021, 21.40 Uhr – wenige Stunden vor Aufhebung der nächtlichen Ausgangssperre im Hohenlohekreis: An der Aral-Tankstelle in Öhringen ist so gut wie nichts los, die Straßen sind wie leergefegt. Es geht ein eisiger Wind, die Außentemperatur beträgt rund vier Grad. Plötzlich fährt ein silberner BMW vor. Christian Endresz aus Bretzfeld steigt aus. Der 42-Jährige kommt gerade aus dem wenige hundert Meter entfernten Krankenhaus. Er hat seine Partnerin mit einer Schnittverletzung in die Notaufnahme gebracht. „Im Moment ist das so, dass man als Begleitperson das Krankenhaus nicht betreten darf. Aufgrund der Anwohner hatte ich nicht die Möglichkeit, im laufenden Auto sitzenzubleiben und auf meine Partnerin zu warten“, erklärt Endresz. „Als logische Schlussfolgerung wollte ich mir, während ich auf meine Partnerin gewartet habe, kurz an der benachbarten Tankstelle einen Kaffee holen und die Toilette benutzen.“

Post vom Ordnungsamt

Was dann geschieht, beschreibt Endresz so: Auf einmal kommen zwei Beamte auf Endresz zu. Der 42-Jährige erklärt den Polizisten seine Situation und sie nehmen die Personalien des Vertriebsaußendienstlers auf. Wenige Tage später bekommt Endresz Post vom Ordnungsamt –  es geht um eine „Anhörung im Bußgeldverfahren“. Ihm wird ein Verstoß gegen die Corona-Verordnung vorgeworfen, denn er habe sich ohne triftigen Grund auf dem Tankstellengelände aufgehalten.

„So ein Handeln muss immer verhältnismäßig sein“

Rechtsanwalt Dr. Maximilian Ohlenschlager vertritt Endresz in diesem Fall. „Staatliches Eingriffshandeln bedarf zunächst einmal einer Eingriffsgrundlage. Die haben wir in Form der Corona-Verordnung. Das ändert aber nichts daran, dass zuerst einmal von den Behörden geprüft werden muss, ob ein Tatbestand vorliegt oder ob eine Ausnahme davon zu machen ist. Auf der nächsten Ebene muss so ein Handeln natürlich auch immer verhältnismäßig sein“, erklärt der Rechtsanwalt. Der 31-Jährige fährt fort: „Meinem Mandanten wird vorgeworfen, dass er sich außerhalb der Zeiten, in denen er sich hätte frei bewegen dürfen, ohne triftigen Grund außerhalb seiner Meldeadresse in Bretzfeld bewegt hat. Das ist gerade nicht der Fall, denn wir haben hier eine Ausnahmevorschrift, die zutreffend ist: Notfallmedizinische Versorgung. Mein Mandant hat als Begleitperson eine Person, die nicht in der Lage war, sich selbst in diese notfallmedizinische Versorgung zu begeben, dabei unterstützt, diese zu erhalten.“

„Der Mann hat sichfeste Beweise vorgelegt“

Endresz befindet sich derzeit noch im Anhörungsverfahren.  Ohlenschlager erläutert: „Wir haben jetzt schriftlich zu dem Sachverhalt Stellung dazu genommen und erklärt, warum dieses polizeiliche Handeln nicht rechtens war. Ich gehe davon aus, dass die Behörde keinesfalls nach dem, was hier glaubhaft vorgetragen wurde, den Bußgeldbescheid erlassen wird, weil – und das muss man sich auch vor Augen führen – wenn der Grund dargelegt ist, dann ist es an der Behörde, diese Gründe als inplausibel darzulegen und auch im Einzelfall zu widerlegen. Das wird hier nicht geschehen, denn der Mandant hat stichfeste Beweise vorgelegt.“

„Wenn Sie sich nicht dagegen wehren, dann müssen Sie auch zahlen“

Unterstützung eines Anwalts im Falle eines Widerspruchs gegen den Vorwurf einer Ordnungswidrigkeit kostet rund 500 Euro. Bekommt man Recht, übernimmt diese Kosten die Staatskasse. „Wenn man in einer ähnlichen Situation ist wie mein Mandant, dann macht es auf jeden Fall Sinn, sich dagegen zu wehren“, rät der junge Rechtsanwalt. „Was man nicht vergessen darf: Wenn ein Bußgeldbescheid erlassen wurde, dann ist der zunächst einmal in der Welt. Wenn Sie sich nicht dagegen wehren, dann müssen Sie ihn auch zahlen. Deswegen mein Tipp: Wenn ein Bußgeldbescheid erlassen wurde und man das Gefühl hat, man wurde ungerecht behandelt, nicht lange zögern – gehen Sie schnell entweder zu mir oder zu einem meiner Kollegen und legen Sie dagegen Einspruch ein, damit der Erfolg des Rechtsmittels auch geprüft werden kann.“ „Denn“, so resümiert Ohlenschlager, „was ganz wichtig ist, ist, dass das Vertrauen in den Rechtsstaat, auch infolge derartiger Maßnahmen, wie sie gerade mein Mandant geschildert hat, nicht erschüttert wird.“

Text: Priscilla Dekorsi