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„Kontrollverlust, Angst, Unvermögen, Einsamkeit, Wut –all das nimmt zu“

Der Ulmer Professor Manfred Spitzer, Psychiater und Neurowissenschaftler, warnt vor der Nutzung von elektronischen Medien im Kindesalter. Am 11. Februar 2020, kurz vor dem Beginn der Corona-Pandemie, war er in der Stadthalle Künzelsau zu Gast (GSCHWÄTZ berichtete). Ein weiterer geplanter Vortrag in Künzelsau konnte wegen des ersten Lockdowns nicht stattfinden.

„Ein laufender Fernseher beeinträchtigt die Sprachentwicklung“

Durch das „Distance-Learning“ sind die Schüler:innen inzwischen auf die intensive Nutzung elektronischer Medien angewiesen. Grund genug für GSCHWÄTZ-Redakteur Matthias Lauterer, bei Prof. Spitzer nachzufragen, mit welchen Auswirkungen auf die Kinder und Jugendlichen er rechnet.

GSCHWÄTZ: Sehr geehrter Herr Spitzer, können Sie kurz darstellen, welche Probleme durch Nutzung der elektronischen Medien in der kindlichen Entwicklung Sie bereits vor der Corona-Zeit in Ihren Forschungsarbeiten festgestellt haben?

Spitzer: Meine Mitarbeiter und ich haben zwar einiges selbst erforscht, aber bei dieser Frage geht es nicht darum, was ein kleines Team an Erkenntnissen gewonnen hat, sondern darum, was man ganz allgemein aus wissenschaftlicher Sicht weiß. Und das ist mittlerweile recht viel.

GSCHWÄTZ: Gibt es Aussagen darüber, ob und inwieweit die tägliche Nutzungszeit einen Einfluß auf die kindliche Entwicklung hat?

Elektronische Medien schaden Kindern umso mehr, je kleiner sie sind.“

Spitzer: Elektronische Medien schaden Kindern umso mehr, je kleiner sie sind. So beeinträchtigen Bildschirmmedien die Sprachentwicklung, also ein laufender Fernseher beispielsweise – sogar wenn er nur im Nebenraum steht.

„Störungen der Selbstkontrolle“

Smartphones lenken ab, auch von Kindern, wenn die Eltern sie in deren Anwesenheit nutzen. Das führt schon bei Einjährigen zu unruhigeren Nächten. Ab einem Alter von drei bis vier Jahren machen Medien mehr Aufmerksamkeitsstörungen, später mehr emotionale Störungen und Störungen des Willens beziehungsweise der Selbstkontrolle. All das ist nachgewiesen, unter anderem auch in einer großen, von deutschen Kinderärzten durchgeführten Studie.

GSCHWÄTZ: Welche Forderungen zur Nutzung elektronischer Medien im Kindesalter haben Sie vor der Corona-Zeit bereits aufgestellt?

Spitzer: Ebenso wie Kinderärzte sehe ich auf stundenlange tägliche Mediennutzung von Kindern sehr kritisch. Und auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät im Hinblick auf Bildschirmmedien und Kinder ganz klar: weniger ist besser.

 „Es hat sich längst herumgesprochen, das Kinder an Computern weniger lernen als im normalen Unterricht“

GSCHWÄTZ: Jetzt sind vor allem größere Kinder und Jugendliche gezwungen, sich durch „Distance-learning“ mehrere Stunden täglich mit elektronischen Medien zu beschäftigen, teils aktiv als Unterricht, teils passiv, wenn Videos als Lehrmittel verwendet werden. Wie passt dies zu Ihren Forschungen über die Entwicklung der Kinder?

Spitzer: Nun, es hat sich längst herumgesprochen, das Kinder an Computern weniger lernen als im normalen Unterricht.

 Veränderte Lebensweise führt auch zu körperlichen Symptomen

Ungünstig ist auch, dass Kinder in Zeiten von Corona nun noch mehr Zeit sitzend vor Bildschirmen verbringen, weniger Bewegung haben und oftmals mehr Snacks essen – und dadurch an Gewicht zunehmen.

Eine Studie der Deutschen Angestelltenkrankenkasse (DAK) untersuchte im Längsschnitt die Folgen der Corona-Krise für die Mediennutzung. Hierzu wurde eine bereits im September 2019 stattgefundene Befragung von 1221 Kindern und Jugendlichen (Alter: 10 bis 17 Jahre) sowie je eines Elternteils (Alter: 28-75 Jahre) zur Nutzung von digitalen Spielen und sozialen Online Medien nochmals im Zeitraum vom 20. bis 30. April 2020, also einen Monat nach Beginn des deutschen Lockdown bzw. etwa zwei Wochen nach dem Scheitelpunkt der Pandemie in Deutschland, wiederholt. Untersucht wurde die Nutzung digitaler Computerspiele und sozialer Online-Medien, wobei sich folgendes Bild ergab:

DAK-Untersuchung ergibt deutliche Zunahme der Bildschirmnutzung in der Pandemie

An Schultagen nahm die mit beidem verbrachte Zeit von 3 Stunden 15 Minuten im September 2019 auf 5 Stunden 32 Minuten im April 2020 zu, an Wochenenden und in den Ferien von 5 Stunden 34 Minuten, im September auf 7 Stunden und 14 Minuten. Wohlgemerkt, Netflix, Apple-TV und Disney+ sowie das gute alte Fernsehen sind mit diesen Zahlen nicht erfasst. Das kommt noch oben drauf.

Übergewicht führt zu Folgeerkrankungen

Die gesundheitlichen Auswirkungen von Übergewicht im Kindes- und Jugendalter sind hinlänglich bekannt. Hinzu kommt, dass Gewicht viel leichter zu- als abgenommen wird und daher aus übergewichtigen Kindern und Jugendlichen sehr oft übergewichtige Erwachsene werden. Die Folgen – Bluthochdruck und Diabetes (Typ II) – und damit die Langzeitfolgen Schlaganfall, Herzinfarkt und Krebs sind ebenfalls bekannt und schwerwiegend.

GSCHWÄTZ: Welche Folgen befürchten Sie für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen durch diese mehrstündige Nutzung der elektronischen Medien? Die private Nutzung bleibt ja ebenfalls bestehen.

Spitzer: Lassen Sie mich neben dem, was ich bereits angeführt habe, noch etwas weniger Bekanntes ausführen: Bekanntermaßen trat die Corona-Pandemie in China zuerst auf und führt dort zu einem strikten Lockdown mit Schulschließung und häuslicher Quarantäne für Millionen von Menschen von Januar bis Mai 2020. Auch die Schule begann im Juni wieder, was es chinesischen Wissenschaftlern ermöglichte, während dieses Monats das Ausmaß der Kurzsichtigkeit von Schulkindern im Alter von 6 bis 13 Jahren zu messen. Dies war Teil einer seit dem Jahr 2015 laufenden Studie, bei der insgesamt 123.535 Kinder untersucht wurden, also etwa 20.000 Kinder pro Jahr. Dies erfolgte deshalb, weil ich China mittlerweile 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen kurzsichtig sind, vor allem, weil sie zu lange in die Nähe auf ihr Smartphone schauen.

Chinesische Regierung verbannt Smartphones aus Schulen

In der genannten Untersuchung wurde nun gefunden, dass sich die Geschwindigkeit der Entwicklung von Kurzsichtigkeit unter dem Lockdown verdreifacht hat – bei den 6- bis 8-jährigen. Dies war der chinesischen Regierung Anlass genug, Smartphones aus den Schulen zu verbannen – und das, obwohl Schule und Hausaufgaben dort seit Jahren am Smartphone erfolgen.

GSCHWÄTZ: Welche Maßnahmen können Sie den Lehrern empfehlen, um die eventuellen Folgen in Grenzen zu halten? Welche Unterrichtsmethoden wären aus Ihrer Sicht empfehlenswert?

„Unterricht wird nicht automatisch besser, wenn man Computer verwendet. Im Gegenteil.“

Spitzer: Wie oben bereits gesagt: Unterricht wird nicht automatisch besser, wenn man Computer verwendet. Im Gegenteil: das Ausmaß der Ablenkung nimmt zu und es wird deutlich weniger gelernt. Das sage nicht etwa ich; das sagen vielmehr sehr viele Untersuchungen, die es dazu gibt.

GSCHWÄTZ: Und was empfehlen Sie den Schülern und ihren Eltern?

„Weniger ist besser“

Spitzer: Wie ebenfalls oben gesagt: weniger ist besser! Eltern kleiner Kinder sollten vor allem wissen, dass ihr Verhalten vom Kind kopiert wird. Wenn also Eltern beim Abendessen auf ihr Smartphone schauen, brauchen sie sich nicht zu wundern, wenn ihre Kinder (1) auch ein Smartphone haben möchten und (2) beim Abendessen auch draufschauen werden.

GSCHWÄTZ: Sind Ihnen als Psychiater bereits Fälle bekannt, dass die Lockdown-Maßnahmen zu erheblichen Krankheitsbildern bei Lehrern, Schülern oder Eltern geführt haben und können Sie uns den einen oder anderen charakteristischen Fall schildern?

Während des ersten Lockdowns kam es nicht zu den befürchteten Zunahmen von Depression und Angst oder gar Suizidversuchen.

Spitzer: Während des ersten Lockdowns kam es nicht zu den befürchteten Zunahmen von Depression und Angst oder gar Suizidversuchen. Man wusste, dass es vorübergeht, sah, dass es Erfolg hatte, und über den Sommer schien es, als habe man den Schrecken hinter sich.

Jetzt im März ist es vollkommen anders

Das war im Herbst und ist jetzt im März vollkommen anders: Kontrollverlust, Angst, Unvermögen, Einsamkeit, Wut –all das nimmt zu. Und bei Menschen, die ohnehin „am Rande der Dekompensation sind“, kommt es dann jetzt tatsächlich zu mehr Angst und Depression. Dies zeigen die neuesten Untersuchungen hierzu sehr deutlich. Vor allem junge Menschen sind betroffen und mehr Frauen als Männer.

GSCHWÄTZ: Rechnen Sie aufgrund der Corona-Maßnahmen wie Kontaktbeschränkung und Distance-Learning beziehungsweise deren Konsequenzen (wirtschaftliche Unsicherheit, Zukunftsangst) mit einer steigenden Fallzahl im psychologischen und psychiatrischen Bereich?

Spitzer: Ja. Man weiß beispielsweise schon lange, dass mehr Arbeitslosigkeit zu mehr Suiziden führt.

Empfehlung für das persönliche Verhalten

GSCHWÄTZ: Welche Empfehlungen für das eigene Verhalten und das Verhalten im Familienkreis können Sie geben, um mit möglichst wenig psychischer Belastung über die Coronazeit zu kommen?

Spitzer: (1) Körperlicher Abstand ist nicht das gleiche wie sozialer Abstand (man kann ja telefonieren) und meint definitiv auch nicht „verordnete Einsamkeit“ (wie es zuweilen missverstanden wurde).

„Halten Sie auf jeden Fall Kontakt mit Familie und Freunden

Halten Sie auf jeden Fall Kontakt mit Familie und Freunden, jetzt noch bewusster, weil man sich eben nicht zufällig oder einfach so trifft. Man muss sich schon drum kümmern. Täglich rausgehen halte ich ebenfalls für wichtig.

Gehen Sie kreativ mit Ihrer Zeit um

(2) Kreativ mit der vielen Zeit, die manche jetzt im Lockdown haben, umgehen. Also sich nicht überlegen, was man alles nicht tun darf oder kann, sondern überlegen, was man jetzt aktiv tun kann.

Nutzen Sie die positiven Effekte der Natur

(3) In meinem nächsten Buch (Titel: Naturerleben, erscheint bei Klett) habe ich mich mit den positiven Effekten der Natur auf uns Menschen, die man in den letzten Jahren sehr eingehend untersucht hat, ausgiebig beschäftigt.

GSCHWÄTZ: Herr Prof. Spitzer, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Die Fragen stellte Matthias Lauterer

 

Prof. Dr. Manfred Spitzer. Foto: Universität Ulm




Statt Karfreitag am Gründonnerstag

Wegen des Feiertags „Karfreitag“ wird der Wochenmarkt in Künzelsau von Freitag, 2. April auf Gründonnerstag, 1. April
2021 vorverlegt, das geht aus einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung in Künzelsau hervor: „Auch jetzt während der Corona-Zeit bieten die Händler, in der Regel dienstags und freitags am Vormittag, ein umfangreiches Angebot am Unteren Markt.

So gebe es frische regionale Produkte wie Obst und Gemüse, Milchprodukte, Backwaren, Eier, Fisch von der Küste und mehr. Die meisten Anbieter sind Selbstvermarkter und verkaufen am Marktstand, was sie selbst erzeugt haben.




Corona: Offenere Kommunikation tut Not

Der Hohenlohekreis hat Stand heute, 22. März 2021, eine 7-Tage-Inzidenz von knapp unter 200, Tendenz weiter steigend. In der Gemeinde Krautheim sind aktuell 24 von ungefähr 5.000 Bürger:innen erkrankt: Wären die alle innerhalb der letzten Woche erfaßt worden, wäre das eine 7-Tages-Inzidenz, die nahe der 500er-Marke liegt. In der Ministerpräsidentenkonferenz soll heute beraten werden, welche Maßnahmen bei Inzidenzen ab 100 getroffen werden sollen – diese Marke scheint für den Hohenlohekreis derzeit außer Reichweite.

Informationspolitik des Landrats in der Kritik

Die Informationspolitik des Landrats steht in der Kritik: Kreisrat Michael Schenk (FDP) stellte in der Sitzung vom 15. März 2021 die Frage, warum die Namen von betroffenen Unternehmen nicht genannt würden. Es klingt einleuchtend: Wenn sich Kontaktpersonen zum Unternehmen proaktiv freiwillig testen lassen könnten, könnte die Nachvollziehbarkeit verbessert werden, indem mehr potentielle Infektionsketten ermittelt werden können. Immerhin bestätigte Landrat Neth: „Die Anregung wird mitgenommen“, er beruft sich auf unterschiedliche Auffassungen von Bund und Land beim Datenschutz. Das Bundesinnenmisterium jedenfalls teilte Schenk auf Anfrage mit: „Die Nennung des Namens einer von Corona betroffenen Institution liegt hingegen im Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit. Die Behörde vor Ort entscheidet nach Abwägung zwischen dem Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit und der Grundrechte – wie das Persönlichkeitsrecht, einschließlich datenschutzrechtlicher Vorgaben – ob die Nennung des Namens einer Einrichtung notwendig ist – etwa um weitere Kontakte zu ermitteln.“

Offenheit bei Unternehmenskommunikation wäre hilfreich

Aber auch die betroffenen Unternehmen müssen sich fragen lassen, wem es nützt, wenn solche Informationen unter den Teppich gekehrt werden. Vermeintliche Sicherheit durch Unwissenheit kann langfristig nicht Ziel einer modernen Unternehmenskommunikation sein.

Eine Corona-Infektion ist keine Schande

Es ist keine Schande, von Corona betroffen zu sein – es kann buchstäblich jeden treffen, trotz bester Hygienekonzepte. Schlimmer ist es, wenn in den Gerüchteküchen der Whats-App- und Telegramm Gruppen Gerüchte auftauchen, die sich verselbständigen. Diese Gerüchte helfen niemandem – außer denen, die bedrohliche Meldungen benötigen, um zu manipulieren.

Kommunikation macht Infektionsketten sichtbar

Es wäre allerdings eine Hilfe, wenn Unternehmen offen kommunizieren würden: Jeder, der Kontakt zum Unternehmen hatte, und sei es ein Lieferfahrer, der nur kurz auf dem Hof steht, hätte die Chance, sich testen zu lassen. Die Infrastruktur dafür ist ja inzwischen vorhanden. Im negativen Fall hätte die Person eine persönliche Sicherheit, im positiven Fall hätte das Gesundheitsamt einen Ansatzpunkt für die Weiterverfolgung einer potentiellen Infektionskette. Gerade der Lieferfahrer liefert ja nicht nur bei einem Unternehmen an.

Gerade bei einem „diffusen Geschehen“, wenn eine große Anzahl von Infektionen nicht nachvollzogen werden kann, ist jeder Ansatzpunkt  wichtig und sinnvoll, um das Geschehen eindämmen zu können.

Ein Kommentar von Matthias Lauterer




Bald wieder Hotspot? Corona-Fälle in Hohenloher Unternehmen mehren sich

In der Gerüchteküche brodelt es: Bei mehreren Unternehmen im Kocher- und Jagsttal soll es zu Corona-Ausbrüchen gekommen sein, teilweise in zweistelliger Anzahl.

Von REISSER-Schraubentechnik wurde die Infektion eines Mitarbeiters bestätigt. „Die Tests der Kontakte waren alle negativ“, zeigte sich Delia Pander, bei REISSER für PR zuständig, erleichtert.

Größerer Infektionsherd in Forchtenberger Unternehmen?

Bei einem Forchtenberger Unternehmen soll es einen größeren Infektionsherd geben, die Rede ist von 13 Infektionen. Dieses Unternehmen wollte auf GSCHWÄTZ-Anfrage bisher keine Stellung beziehen beziehungsweise verwies darauf, dass man keine Zeit habe, auf eine solche Anfrage zu antworten. Auch ein Unternehmen in Schöntal soll, so will es die Gerüchteküche wissen, von einem größeren Ausbruch betroffen sein.

Größere Offenheit im Umgang mit Corona gefordert

In der Kreistagssitzung vom 15. März 2021 wurde das Thema „Offenheit im Umgang mit Corona“ angesprochen: Der Landrat wurde gebeten, zukünftig die Namen von Unternehmen zu nennen, die von Corona betroffen sind. Es wurde das Argument vorgebracht, dass sich bei einer  Veröffentlichung des Unternehmens Menschen, die mit den Unternehmen Kontakt hatten, umgehend freiwillig testen lassen könnten und auf diese Weise möglicherweise weitere Infektionsketten frühzeitig erfaßt werden könnten.

Text: Matthias Lauterer

 




Männer stürmen in Asylbewerberunterkunft und attackieren Bewohner

Am Mittwochabend, den 17. März 2021, kam es laut einer Polizeimeldung in der Asylbewerberunterkunft in Kupferzell zu einer körperlichen Auseinandersetzung. Gegen 20 Uhr klopften bislang Unbekannte an der Eingangstür des Gebäudes in der Straße „Untere Vorstadt“. Nachdem die Tür durch einen Bewohner geöffnet wurde, stürmten zwei Männer ins Innere, beleidigten und attackierten die vier Bewohner, sowie einen Gast.

Die anwesenden Personen konnten die Angriffe abwehren und aus dem Gebäude flüchten. Durch den Angriff wurden drei Bewohner des Hauses leicht verletzt. Eine medizinische Behandlung musste jedoch nicht erfolgen. Nach aktuellem Stand der Ermittlungen konnte ein fremdenfeindlicher Hintergrund bisher nicht festgestellt werden.

Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen und sucht Zeugen, die den Vorfall beobachten konnten oder in diesem Bereich eine verdächtige Wahrnehmung machen konnten. Diese werden gebeten sich bei der Kriminalpolizei Heilbronn, Telefon 07131/104 4444, zu melden.




Die Coronawelle schwappt über: Von Crailsheim über Schwäbisch Hall nach Hohenlohe

Das Kreisimpfzentrum Öhringen (KIZ) hat vom Sozialministerium des Landes Baden-Württemberg die Warteliste mit Impfwilligen erhalten und arbeitet diese selbst ab. Am Dienstag, den 23. März, und Mittwoch, den 24. März 2021, werden laut dem Landratsamt des Hohenlohekreises die Mitarbeiter:innen des KIZ alle Personen anrufen, welche auf der Warteliste des Callcenters 116 117 vermerkt sind. Diese erhalten dann einen Termin zur Erstimpfung für das kommende Wochenende vom 26. bis 28. März 2021. Eine Impfstoffauswahl ist aufgrund der geringen Verfügbarkeit nach wie vor nicht möglich.

Impfstoffauswahl nicht möglich

Am vergangenen Wochenende haben im Kreisimpfzentrum Öhringen (KIZ) insgesamt knapp 2.000 Erst- und Zweitimpfungen mit dem Impfstoff von BioNTech stattgefunden. In den nächsten Tagen werden neue Impftermine freigeschaltet.

Im Hohenlohekreis wurden am 21. März 2021, Stand: 16 Uhr, insgesamt 5 neue Corona-Fälle gemeldet. Die 7-Tage-Inzidenz liegt bei 191,7 pro 100.000 Einwohner.

Wer bekommt einen Termin zugewiesen

Man bekommt derzeit einen Impftermin zugewiesen, wenn man sich in der aktuell korrekten „Kategorie“ befindet, also entweder Risikopatient ist und/oder 70 Jahre und/oder einen bestimmten Beruf ausübt, etwa Lehrer ist.

 




„Ganz besonders möchte ich Sie deshalb in dieser Zeit um die Einhaltung der Coronaregeln bitten“

In einem Brief wandte sich Niedernhalls Bürgermeister Beck an die Einwohner des Baugebiets Bachäcker in Niedernhall. Der Anlass: „In den vergangenen Tagen wurde uns mitgeteilt, dass sich vermehrt Kinder im Alter bis einschließlich 14 Jahren gemeinsam zum Spielen im Baugebiet Bachäcker aufhalten.“ Beck verweist darauf, dass derzeit nur Zusammenkünfte von einem Haushalt und einer weiteren Person erlaubt sind. „Das Spielen von beispielsweise drei oder mehr Kindern aus verschiedenen Haushalten ist daher auch weiterhin im Freien nicht erlaubt. Zumal Spielen bei Kindern mit Abstandsregeln nahezu unmöglich ist.“

„Spielen mit Abstandsregeln nahezu unmöglich“

Weiter heißt es in dem Brief: „Aus der Bevölkerung wurde uns berichtet, dass diese Coronavorgabe unter anderem in Ihrem Wohnumfeld nicht eingehalten wird. Bevor dies nun tatsächlich und auch namentlich angezeigt wird, möchte ich mit diesem Schreiben nochmal ganz allgemein auf diese Vorgaben hinweisen.“

Achim Beck betont: „Auch wenn die Pandemie und die damit verbundenen Coronaverordnungen für unsere Kinder und Familien einen harte und unangenehme, sogar teils unerträgliche Zeit darstellen, sind es nun mal Vorgaben, die Sie als Bürger:innen einzuhalten und wir als Stadtverwaltung darauf achtzugeben haben.“

Ganz besonders möchte Beck deshalb um die Einhaltung der Coronavorgaben bitten. Denn eine Schließung von Kitas und Schulen in Niedernhall solle vermieden werden.

Brief von Niedernhalls Bürgermeister Achim Beck an Teile seiner Bürger.

Polizeistreife in Niedernhall. Foto: privat

Polizeistreife in Niedernhall. Foto: privat




„Rein freundschaftliche und nachbarschaftliche Besuche sind nicht mehr möglich“

Vom Landkreis Schwäbisch Hall wurde am Samstag, den 20. März 2021 eine Ausgangssperre für den Zeitraum 5 Uhr bis 21 Uhr verhängt. Ziel der Allgemeinverfügung ist es das Bummeln und Verweilen im öffentlichen Raum einzuschränken und die Kontaktbeschränkungen zu verschärfen, heißt es auf der Seite des Landkreises.
Frisöre können weiterhin besucht werden
Die bisherigen Beschränkungen der Corona-Verordnung gelten jedoch weiterhin fort. Das bedeutet, öffentliche Einrichtungen die geöffnet sind, wie beispielsweise Frisöre, Buchläden und Baumärkte können weiterhin besucht werden. Dabei ist die 20 qm Regelung zu beachten. Auch der Besuch von Lebenspartnern, sowie die Fahrt zur Arbeit ist weiterhin erlaubt. Im öffentlichen Raum ist es gestattet alleine oder mit einer weiteren nicht im selben Haushalt lebenden Person oder mit Angehörigen des eigenen Hausstandes zur Bewegung an die frische Luft zu gehen. Kinder unter 14 Jahren zählen dabei nicht mit. Auch das Abholen von Essen in der Gastronomie sowie die Fahrt zu Corona-Testungen ist weiterhin möglich. „Mit der Ausgangsbeschränkungen am Tag sollen Gruppenbildungen und damit mögliche Infektionsquellen vermieden werden. Wir rufen Bürgerinnen und Bürger auf, die Kontakte auf ein absolutes Minimum zu reduzieren und die Wohnung nur aus dringendem Grund zu verlassen“, so Landrat Gerhard Bauer.

Änderung der Allgemeinverfügung: Nun explizit Freundschaftsbesuche verboten

Durchfahrten des Landkreises Schwäbisch Hall ist weiterhin möglich. Die Allgemeinverfügung wurde heute nochmals angepasst. Rein freundschaftliche und nachbarschaftliche Besuche im Landkreis und aus anderen Landkreisen sowie Fahrten zu diesem Zweck in andere Landkreise und im Landkreis Schwäbisch Hall sind nicht mehr möglich. Besuche von Lebenspartnern sowie Familienangehörigen sind unter Einhaltung der Corona-Verordnung weiterhin erlaubt. Es wird empfohlen, nur wirklich notwendige Fahrten und Einkäufe vorzunehmen.

Auch Umzüge gelten als triftige Gründe. Die Kontaktbeschränkungen der Corona – Verordnung müssen allerdings eingehalten werden.

Die Allgemeinverfügung ist befristet bis 29. März 2021. Sobald die 7-Tagesinzidenz des Landkreises an drei aufeinander folgenden Tagen einen Wert von 200 unterschreitet, gilt sie als aufgehoben.




„Persönliche Gründe“

Der traditionsreiche Blumenladen Röger in Niedernhall schließt. Das geht aus einer Mitteilung im städtischen Amtsblatt hervor.

Darin heißt es von der Inhaberin Sandra Röger: „Aus persönlichen Gründen werde ich zum 05. April 2021 schweren Herzens meinen Laden schließen.“ Röger bedankt sich bei ihren Kunden für das entgegengebrachte Vertrauen und die „schönen Begegnungen“.

Bis einschließlich Ostern ist der Blumenladen noch geöffnet. Kunden können hier noch Osterdeko, Salatsetzlinge, Zimmer- und Frühlingspflanzen, Blumenerde sowie Blumensträuße kaufen.

Viele Teile aus Keramik und Glas gibt es zu reduzierten Preisen.

 




Immer höhere Inzidenzen – Wird jetzt alles wieder zugemacht?

Es ist wie beim Tanzen: Erst zwei Schritte vor, dann wieder drei zurück, oder drei Schritte vor, dann wieder zwei zurück. Sehnsüchtig warteten die Bürger:innen in Deutschland auf Lockerungen hinsichtlich der Coronamaßnahmen. Die Inzidenzwerte fielen. Im Hohenlohekreis befand er sich bis vor kurzem fast mustergültig bis 35. Dann kam der Ausbruch in einem Logistikzentrum im Raum Künzelsau (wir berichteten), inklusive dem Nachweis der britischen Mutation. Wenige Tage später nur war der Inzidenzwert wieder dreistellig. Es folgten weitere Ausbrüche, insbesondere in Kitas. Auch in Crailsheim, Schwäbisch Hall und vielen anderen Landkreisen klettern die Inzidenzwerte in Rekordzeit auf ein Höchstniveau. Der Hohenlohekreis hat einen aktuellen Inzidenzwert von 158.

Der nächste Lockdown droht

Nun verkündet Jens Spahn am Freitag, den 19. März 2021, in einer Pressekonferenz mit Lars Schaade, dem Vizepräsidenten des Robert-Koch-Instituts (RKI), und dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach das, was die einen schon befürchtet, beziehungsweise die anderen erhofft haben: Es werde erst einmal keine weiteren Coronalockerungen geben, im Gegenteil. Eventuell gehe es wieder zurück in den vollständigen Lockdown.

Spahn appellierte an die Bundesländer, möglichst ähnliche Vorgehensweisen bei den Coronamaßnahmen anzuwenden.

„Es liegen ziemlich herausfordernde Wochen vor uns“

„Diese Woche hat uns vor Augen geführt, wie unberechenbar dieses Virus ist. Ich verstehe die Sehnsucht nach schnellen Lösungen. Die gibt es aber nicht“, sagte Spahn und unterstrich: „Wir sind in der dritten Welle, die Zahlen steigen, der Anteil der Mutationen ist groß. Es liegen ziemlich herausfordernde Wochen vor uns.“

Spahn zeigte auf, dass es noch ein langer Weg sein werde, bis es richtige Öffnungen geben könne. Denn es gäbe nach wie vor nicht genügend Impfstoff in Europa. Selbst wenn nun alles reibungslos klappen würde, würde es noch mehrere Wochen dauern, bis allein die Risikogruppen geimpft wären.

„Wir werden noch einen langen Atem brauchen“

Erst dann können wir auch über breitere Öffnungen der Gesellschaft reden. Wir werden also noch einen langen Atem brauchen.“

Es sei geplant, dass ab dem 19. April 2021 auch in Hausarztpraxen geimpft werde. „Ich hätte nichts dagegen, wenn wir damit früher beginnen könnten.“

An Ostern sollen die Menschen möglichst nicht reisen und das Fest selbst in kleinstem Kreis feiern. Denn bei einer sich abzeichnenden Inzidenz von 200 und mehr in den Städten und Gemeinden werde es, so der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, eine Überlastung der Intensivstationen geben.

Intensivbettenbelegung DIVI-Zentralregister. Stand: 20.03.2021. Quelle: ntv