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Kinderschuhe vor dem alten Rathaus in Künzelsau

In den sozialen Medien verbreitet sich ein Aktionsaufruf, mit Kinderschuhen vor den Rathäusern ein Zeichen für das Wohl der Kinder in Corona-Zeiten zu setzen. Die Aktion läßt sich auf Julia Hammer aus Zwickau, selbst Mutter zweier schulpflichtiger Kinder, zurückführen, die wohl als erste zu einem solchen Zeichen aufgerufen hat. Sie rief zur „Schuhniederlegung“ am 20. März 2021 in Zwickau auf – seitdem verbreitet sich der Aufruf rasant in ganz Deutschland.

Aktion verbreitet sich von Zwickau bundesweit

Auslöser der Aktion, so Julia Zimmer, waren die erneuten Schul- und Kita-Schließungen in Sachsen: „Ich habe geweint, als ich das gehört habe“, sagt sie. Ein Zeichen für die Kinder wollte sie setzen, von der Resonanz war sie überrascht: „Die Aktion war eigentlich nur für die Zwickauer Kinder geplant. Dass sich das dann so entwickelt, damit habe ich nicht gerechnet.“

Kritiker vermuten politisch motivierte Unterwanderung

Doch die Aktion findet nicht nur Zustimmung: Kritiker fühlen sich an die „Schuhe von Majdanek“ erinnert, andere unterstellen eine Nähe zu den Querdenkern oder ähnlichen Organisationen. Zumindest für ihre eigene Aktion widerspricht Hammer vehement: Sie sei weder Corona-Leugnerin noch Querdenkerin noch Mitglied einer Partei. Sie sei für sich zu dem Schluss gekommen, „Man muss etwas tun, man muss für die Kinder ein Zeichen setzen.“ Trotzdem wird in den sozialen Medien immer wieder der Verdacht geäußert, dass  zumindest die nachfolgenden Aktionen von politischen Gruppierungen unterwandert seien. Allein die schnelle Verbreitung lasse auf die Nutzung eines Netzwerks schließen.

Aktion auch in Künzelsau

Von diesen möglichen politischen Hintergründen weiß Tatjana Fuchs, die über facebook zu einer derartigen Aktion in Künzelsau am 24. März 2021 aufgerufen hatte, nichts: „Es geht darum, dass unsere Kinder gehört werden“, dass die Anliegen der Kinder endlich einmal öffentlich vorgebracht werden. Genauso denken etwa 10 Mütter, die zu Beginn der Aktion auf dem Platz am alten Rathaus verstreut standen. Nicht nur Schuhe wurden auf die Rathaustreppe gestellt, auch Kuscheltiere und Botschaften der Kinder oder der Eltern sind zu sehen: einem Kind fehlt vor allem der Fußballverein. Immer wieder kommt jemand und stellt ein weiteres Paar Schuhe dazu. Es ist eine stille Veranstaltung.

Befremdliches Telefonat mit dem Landratsamt

Im Vorfeld der Aktion ging es nicht so ruhig zu: Tatjana Fuchs berichtet, dass das Landratsamt die Personalabteilung ihres Arbeitgebers angerufen hätte, um mit ihr zu sprechen. Der Arbeitgeber habe gut reagiert und sie davon informiert. Offenbar gab es unterschiedliche Meinungen, ob es sich bei der Aktion um eine Demonstration handelt,  die angemeldet werden muss und für die das Landratsamt auch Auflagen erteilen kann oder nicht.

Fast als Drohung empfunden

Bei einem späteren Telefonat mit dem Landratsamt fühlte sie sich eingeschüchtert: Man habe ihr mitgeteilt, dass sie damit rechnen müsse, dass die Polizei öfter vorbeifahre und dass sie für eventuelle Folgekosten aufzukommen habe. „Das empfand ich fast als Drohung“, sagt sie. Sie äußert die Befürchtung, dass derartige Anrufe für einen Mitarbeiter auch Konsequenzen des Arbeitgebers haben könnten.

Text: Matthias Lauterer

Schuhaktion 24. März 2021 in Künzelsau. Schuhe, Kuscheltiere und Botschaften auf der Rathaustreppe. Foto: GSCHWÄTZ

Schuhaktion 24. März 2021 in Künzelsau. (verpixelt) Foto: GSCHWÄTZ

Schuhaktion 24. März 2021 in Künzelsau. Schuhe, Kuscheltiere und Botschaften auf der Rathaustreppe. Foto: GSCHWÄTZ

 

 




Neue Leiterin im Büro von Landrat Dr. Neth

Dr. Julia Hammerich wird Ende April die Leitung des Amtes Obere Kreisorgane, Geschäftsstelle Kreistag, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Landratsamt Hohenlohekreis übernehmen. Wie das Landratsamt mitteilt, wird sie damit Nachfolgerin von Silke Bartholomä, die zu diesem Zeitpunkt in den Mutterschutz und anschließend in Elternzeit geht. Bartholomä hatte das Amt im Dezember 2015 von Ursula Mühleck übernommen.

Werdegang

Die neue Büroleiterin war zuletzt als stellvertretende Fachdienstleiterin im Bereich Infektionsschutz und Umwelthygiene des Gesundheitsamts tätig. Promoviert hat Dr. Hammerich 2019 an der Technischen Universität Kaiserslautern auf dem Gebiet der Neurobiologie. Neben der Position im Gesundheitsamt verfügt sie über Führungserfahrung durch die Supervision von technischen Mitarbeitern und Studenten während ihrer Doktorarbeit sowie durch die Koordination eines Teilprojekts an der Universität Heidelberg im Auftrag des dortigen Max-Planck-Instituts für medizinische Forschung mit mehreren Mitarbeitern.

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes Hohenlohekreis




Freiwillige kostenlose Schnelltests für alle Sitzungsteilnehmer und Besucher

Die Kreisverwaltung bietet vor der kommenden Sitzung des besonderen beschließenden Ausschusses zur Vorbereitung der Wahl des Landrats/der Landrätin am Montag, den 29. März 2021, Corona-Schnelltests an. Die Nutzung des Testangebotes ist freiwillig und kostenlos und richtet sich an alle teilnehmenden Gremiumsmitglieder, Verwaltungsmitarbeiter und Besucher. Das geht aus einer Pressemitteilung des Landratsamtes hervor.

„Wir appellieren an alle Teilnehmenden, das Testangebot zu nutzen,“ so der erste Landesbeamte Gotthard Wirth. „Durch die Corona-Schnelltests möchten wir die Sicherheit bei Gremiensitzungen noch weiter erhöhen, um frühzeitig mögliche Corona-Infektionen von teilnehmenden Personen festzustellen und unser Umfeld noch mehr zu schützen.“ Das bestehende Hygienekonzept wird dadurch nicht ersetzt.

Bis Freitag anmelden

Eine Anmeldung zum Schnelltest ist erforderlich und nur bis Freitag, 26. März 2021, 9 Uhr, unter kreistag@hohenlohekreis.de möglich. Es ist dazu die Nennung des Vor- und Nachnamens der Person, die an der Sitzung teilnimmt und bei der ein Schnelltest durchgeführt werden soll, zwingend notwendig.

Nach erfolgter Anmeldung werden die angemeldeten Personen eine Terminbestätigung mit der Nennung des Termins und näheren Details zum Ablauf der Schnelltestung erhalten. Der Schnelltest wird voraussichtlich im Zeitfenster von 13.00 bis 13.30 Uhr in der Arztpraxis von Dr. med. Jens Ehrmann (Bachwiesenstraße 1, 74676 Niedernhall) durchgeführt.

Vom Sitzungsort (Stadthalle Niedernhall) liegt die Praxis zira fünf Gehminuten entfernt. Bei einem positiven Testergebnis muss sich die betroffene Person umgehend in Isolation begeben, ein anschließender PCR-Test wird zur Bestätigung des Schnelltest-Ergebnisses dringend empfohlen. Bei Personen mit Symptomen, die auf eine Corona-Infektion hinweisen könnten (Atemwegserkrankung, Fieber etc.), ist die Teilnahme an der Sitzung sowie die Wahrnehmung des Testangebots untersagt. In diesen Fällen wird eine PCR-Testung beim Hausarzt oder bei einer Abstrichstelle empfohlen.




Inzidenz steigt weiter

Das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises hat am Mittwoch, 24. März 2021, insgesamt 69 neue Corona-Infektionsfälle an das Landesgesundheitsamt gemeldet. Die 7-Tage-Inzidenz im Hohenlohekreis steigt damit auf 224,6 pro 100.000 Einwohner.

Etwas weniger als die Hälfte der Betroffenen war bereits als Kontaktperson der Kategorie 1 zu einem anderen Fall in Quarantäne. Neu betroffen sind einige Schulen und Kitas: eine Kinderbetreuungseinrichtung sowie eine Schule im Großraum Künzelsau, eine Schule im Kochertal und eine Kinderbetreuungseinrichtung im Jagsttal. Zudem wurden zahlreiche weitere Fälle in bereits betroffenen Unternehmen und in bereits betroffenen Schulen bestätigt.




„Entweder konsequent oder inkonsequent, aber das ewige Hin und Her muß aufhören“

Dieser auf den ersten Blick unsinnige Spruch stammt wohl von Robert Gernhardt. Wenn man ein wenig darüber nachdenkt, paßt er dennoch recht gut auf die Corona-Politik der Bundesregierung und der Ministerpräsidenten.

In Gefahr und großer Not bringt der Mittelweg den Tod

Ein Sprichwort sagt „in Gefahr und großer Not bringt der Mittelweg den Tod“. Immer wieder ist bei der Corona-Bekämpfung stolz von Kompromissen, also Mittelwegen,  die Rede, wo doch kompromißloses und rein zielorientiertes Handeln erforderlich wären. Viele der Kompromisse werden anschließend in Verordnungen  gegossen, die von Gerichten gekippt werden: Letzte Woche erst stellte ein Gericht in Nordrhein-Westfalen fest, dass es nicht begründet sei, Buchhandlungen zu öffnen und Elektromärkte nicht und setzte die entsprechende Verordnung kurzerhand mit sofortiger Wirkung außer Kraft.

Osterlockdown als Beispiel schlechter Entscheidungen

Am ganz frühen Dienstagmorgen, 23. März 2021, wurde das Wort vom Kompromiß wieder einmal bemüht: auf einen Osterlockdown, bei dem am Karsamstag trotzdem die Lebensmittelgeschäfte offen haben, habe man sich nach mehrstündiger Beratung als Kompromißformel geeinigt. Bodo Ramelow, Ministerpräsident von Thüringen, will von dieser Beratung nichts mitbekommen haben: Mehrere Stunden saß er ohne Reaktion aus Berlin vor dem Bildschirm und will hat dann erst vom beschlossenen Kompromiss erfahren, erzählt er freimütig.

Bundeskanzlerein Merkel: „Allein mein Fehler“

Und am heutigen Mittwoch, 24. März 2021, tritt dann die Bundeskanzlerin  vor die Öffentlichkeit und verkündet, dass sie sich entschlossen hat, die Verordnung für den Oster-Lockdown nicht zu unterzeichnen. Die Verordnung »war in der Kürze der Zeit nicht gut genug umsetzbar, wenn sie überhaupt jemals so umsetzbar ist, dass Aufwand und Nutzen in einem halbwegs vernünftigen Verhältnis stehen«. Viele Gegenargumente haben die Kanzlerin erreicht: Die Unterbrechung internationaler Lieferketten wurde von der Industrie bemängelt, die Hartz-IV-Zahlungen könnten nicht am Gründonnerstagsruhetag, den 1. April, sondern erst nach Ostern überwiesen werden, kritisierten Sozialverbände und auch Fragen der Lohnfortzahlung seien nicht geklärt. Kann man so etwas nicht schon abklären, bevor man einen solchen Vorschlag zur Abstimmung stellt? Die Bundeskanzlerin bewies jedenfalls Rückgrat und nahm alles auf ihre Kappe: »Dieser Fehler ist einzig und allein mein Fehler. Denn am Ende trage ich für alles die letzte Verantwortung qua Amt.«

Eigentlich gibt es gar keine entscheidungsbefugte „Ministerpräsidentenkonferenz“

Damit hat man am frühen Dienstag nach vielstündiger Sitzung genaugenommen gar nichts Handfestes beschlossen. Wieder einmal hat die „Ministerpräsidentenkonferenz“, die es als Entscheidungsgremium im Grundgesetz gar nicht gibt, Dinge beschlossen, die in keiner Weise realisierbar sind. Wieder einmal wurde ein nicht umsetzbarer Kompromiss gefeiert. Es entsteht der Eindruck, dass diese Konferenz das Hauptziel hat, die Autorität von Angela Merkel zu demontieren, und nicht das Ziel, das Coronavirus endlich einzudämmen.

Die Menschen sind „mütend“

Derartige Entscheidungen fördern das Vertrauen der Bevölkerung in die Lösungskompetenz der Entscheider nicht. Dass die Menschen „mütend“ – dieses Wortgebilde aus „müde“ und „wütend“ nutzte Markus Lanz zur Beschreibung der Stimmung im Land – sind, ist nicht verwunderlich.

Ministerpräsidenten verwässern Entscheidungen

Man muß sich wirklich fragen, warum der Bund ein Infektionsschutzgesetz hat, in dem er sich große Entscheidungsbefugnis gegeben hat, wenn am Ende regelmäßig 16 Ministerpräsidenten, die in Kommentaren bereits als „Kindergarten“ oder „schwer erziehbare Selbstdarsteller“ bezeichnet werden, jegliche angeblich gemeinsame Entscheidung verwässern.

Der einzige, der sich freut, ist der Virus

Statt Konsequenz bei der Corona-Bekämpfung gibt es Inkonsequenz – und die vom Virus gebeutelten Menschen haben weiterhin keinerlei persönliche und wirtschaftliche Perspektive. Der einzige, der sich freut, ist der Coronavirus. Er rechnet schon fest mit einer vierten Welle.

Ein Kommentar von Matthias Lauterer




Hohenlohekreis über 200 Inzidenz

Das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises hat am Dienstag, den 23. März 2021, insgesamt 40 neue Corona-Infektionsfälle an das Landesgesundheitsamt gemeldet. Die 7-Tage-Inzidenz liegt damit bei 213,9 pro 100.000 Einwohner. Betroffen sind unter anderem drei Kinderbetreuungseinrichtungen im Großraum Öhringen, weshalb für mehr als 70 Kontaktpersonen eine Quarantäne angeordnet wurde. Zudem gab es weitere Fälle in bereits betroffenen Unternehmen.

Kreisverwaltungsmitarbeiter können sich kostenlos testen lassen

„Schnelltests stellen einen wichtigen Baustein zur Bekämpfung der Corona-Pandemie dar, weil so symptomfreie aber dennoch infizierte Personen ausfindig gemacht werden können“, betont Landrat Dr. Matthias Neth. „Deshalb möchte ich ausdrücklich alle Bürger:innen dazu ermutigen, die kostenlosen Testmöglichkeiten in Anspruch zu nehmen.“ Seit dieser Woche besteht auch für Mitarbeiter:innen und Mitarbeiter der Kreisverwaltung ein freiwilliges betriebliches Testangebot. Zudem wird an den Schulen in der Trägerschaft des Hohenlohekreises allen Schüler:innen sowie dem Personal eine regelmäßige Testung ermöglicht. Hierzu besteht der Kontakt zu den niedergelassenen Ärzten, welche oft auch in ihren Praxen Tests durchführen.

„Zeitnah flächendeckendes Angebot“

Alle Anbieter von Schnelltests sind aufgrund einer Allgemeinverfügung des Ministeriums für Soziales und Integration Baden-Württemberg dazu verpflichtet, ihr Angebot dem Gesundheitsamt unter gesuamt@hohenlohekreis.de und der jeweils zuständigen Ortspolizeibehörde mitzuteilen. Sofern der Leistungserbringer der Veröffentlichung zustimmt, werden diese Daten dann in der Liste auf der Homepage ergänzt. Das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises geht davon aus, dass zeitnah ein flächendeckendes Angebot zur Verfügung steht.

Jede/r Bürger:in Anspruch auf einen kostenlosen Test pro Woche

Durch die vom Bund finanzierten „Bürgertests“ hat jede asymptomatische Person auch ohne konkreten Anlass einen Anspruch auf mind. einen kostenfreien Test pro Woche. Bei Symptomen einer Corona-Infektion soll Kontakt mit dem Hausarzt aufgenommen werden.

Bei einem positiven Schnelltest-Ergebnis muss sich die betroffene Person umgehend in häusliche Absonderung begeben. Da Schnelltests gegenüber PCR-Tests eine höhere Fehlerrate aufweisen, wird ein PCR-Test zur Bestätigung empfohlen. Zudem ist die Teststelle zu einer namentlichen Meldung an das Gesundheitsamt verpflichtet.

Generell gilt, betont das Landratsamt: !Da die Schnelltests keine absolute Sicherheit bieten, sind die Hygiene- und Abstandsregeln auch nach einem negativen Testergebnis zu beachten und einzuhalten.“

Die vorhandenen Schnelltestangebote können in Form einer Liste oder, wie hier, in Form einer Karte abgerufen werden.

Schnelltestangebote im Hohenlohekreis. Grafik: Landratsamt des Hohenlohekreises. Stand: 24. März 2021

 




Supermärkte schließen

Beim Coronagipfel vom Bund und Ländern am Montag, den 22. März 2021, gibt es nun folgende Beschlüsse:

Inwieweit die Länder diesen Beschlüssen eins zu eins folgen oder ob es hier wie in der Vergangenheit Abweichungen von Bundesland zu Bundesland gibt, ist bislang nicht bekannt. Baden-Württemberg hat des Öfteren derartige Beschlüsse für sich wenige Tage später modifiziert.

Was das für die Schulen bedeutet, ist ebenfalls noch nicht bekannt.




„Kontrollverlust, Angst, Unvermögen, Einsamkeit, Wut –all das nimmt zu“

Der Ulmer Professor Manfred Spitzer, Psychiater und Neurowissenschaftler, warnt vor der Nutzung von elektronischen Medien im Kindesalter. Am 11. Februar 2020, kurz vor dem Beginn der Corona-Pandemie, war er in der Stadthalle Künzelsau zu Gast (GSCHWÄTZ berichtete). Ein weiterer geplanter Vortrag in Künzelsau konnte wegen des ersten Lockdowns nicht stattfinden.

„Ein laufender Fernseher beeinträchtigt die Sprachentwicklung“

Durch das „Distance-Learning“ sind die Schüler:innen inzwischen auf die intensive Nutzung elektronischer Medien angewiesen. Grund genug für GSCHWÄTZ-Redakteur Matthias Lauterer, bei Prof. Spitzer nachzufragen, mit welchen Auswirkungen auf die Kinder und Jugendlichen er rechnet.

GSCHWÄTZ: Sehr geehrter Herr Spitzer, können Sie kurz darstellen, welche Probleme durch Nutzung der elektronischen Medien in der kindlichen Entwicklung Sie bereits vor der Corona-Zeit in Ihren Forschungsarbeiten festgestellt haben?

Spitzer: Meine Mitarbeiter und ich haben zwar einiges selbst erforscht, aber bei dieser Frage geht es nicht darum, was ein kleines Team an Erkenntnissen gewonnen hat, sondern darum, was man ganz allgemein aus wissenschaftlicher Sicht weiß. Und das ist mittlerweile recht viel.

GSCHWÄTZ: Gibt es Aussagen darüber, ob und inwieweit die tägliche Nutzungszeit einen Einfluß auf die kindliche Entwicklung hat?

Elektronische Medien schaden Kindern umso mehr, je kleiner sie sind.“

Spitzer: Elektronische Medien schaden Kindern umso mehr, je kleiner sie sind. So beeinträchtigen Bildschirmmedien die Sprachentwicklung, also ein laufender Fernseher beispielsweise – sogar wenn er nur im Nebenraum steht.

„Störungen der Selbstkontrolle“

Smartphones lenken ab, auch von Kindern, wenn die Eltern sie in deren Anwesenheit nutzen. Das führt schon bei Einjährigen zu unruhigeren Nächten. Ab einem Alter von drei bis vier Jahren machen Medien mehr Aufmerksamkeitsstörungen, später mehr emotionale Störungen und Störungen des Willens beziehungsweise der Selbstkontrolle. All das ist nachgewiesen, unter anderem auch in einer großen, von deutschen Kinderärzten durchgeführten Studie.

GSCHWÄTZ: Welche Forderungen zur Nutzung elektronischer Medien im Kindesalter haben Sie vor der Corona-Zeit bereits aufgestellt?

Spitzer: Ebenso wie Kinderärzte sehe ich auf stundenlange tägliche Mediennutzung von Kindern sehr kritisch. Und auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät im Hinblick auf Bildschirmmedien und Kinder ganz klar: weniger ist besser.

 „Es hat sich längst herumgesprochen, das Kinder an Computern weniger lernen als im normalen Unterricht“

GSCHWÄTZ: Jetzt sind vor allem größere Kinder und Jugendliche gezwungen, sich durch „Distance-learning“ mehrere Stunden täglich mit elektronischen Medien zu beschäftigen, teils aktiv als Unterricht, teils passiv, wenn Videos als Lehrmittel verwendet werden. Wie passt dies zu Ihren Forschungen über die Entwicklung der Kinder?

Spitzer: Nun, es hat sich längst herumgesprochen, das Kinder an Computern weniger lernen als im normalen Unterricht.

 Veränderte Lebensweise führt auch zu körperlichen Symptomen

Ungünstig ist auch, dass Kinder in Zeiten von Corona nun noch mehr Zeit sitzend vor Bildschirmen verbringen, weniger Bewegung haben und oftmals mehr Snacks essen – und dadurch an Gewicht zunehmen.

Eine Studie der Deutschen Angestelltenkrankenkasse (DAK) untersuchte im Längsschnitt die Folgen der Corona-Krise für die Mediennutzung. Hierzu wurde eine bereits im September 2019 stattgefundene Befragung von 1221 Kindern und Jugendlichen (Alter: 10 bis 17 Jahre) sowie je eines Elternteils (Alter: 28-75 Jahre) zur Nutzung von digitalen Spielen und sozialen Online Medien nochmals im Zeitraum vom 20. bis 30. April 2020, also einen Monat nach Beginn des deutschen Lockdown bzw. etwa zwei Wochen nach dem Scheitelpunkt der Pandemie in Deutschland, wiederholt. Untersucht wurde die Nutzung digitaler Computerspiele und sozialer Online-Medien, wobei sich folgendes Bild ergab:

DAK-Untersuchung ergibt deutliche Zunahme der Bildschirmnutzung in der Pandemie

An Schultagen nahm die mit beidem verbrachte Zeit von 3 Stunden 15 Minuten im September 2019 auf 5 Stunden 32 Minuten im April 2020 zu, an Wochenenden und in den Ferien von 5 Stunden 34 Minuten, im September auf 7 Stunden und 14 Minuten. Wohlgemerkt, Netflix, Apple-TV und Disney+ sowie das gute alte Fernsehen sind mit diesen Zahlen nicht erfasst. Das kommt noch oben drauf.

Übergewicht führt zu Folgeerkrankungen

Die gesundheitlichen Auswirkungen von Übergewicht im Kindes- und Jugendalter sind hinlänglich bekannt. Hinzu kommt, dass Gewicht viel leichter zu- als abgenommen wird und daher aus übergewichtigen Kindern und Jugendlichen sehr oft übergewichtige Erwachsene werden. Die Folgen – Bluthochdruck und Diabetes (Typ II) – und damit die Langzeitfolgen Schlaganfall, Herzinfarkt und Krebs sind ebenfalls bekannt und schwerwiegend.

GSCHWÄTZ: Welche Folgen befürchten Sie für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen durch diese mehrstündige Nutzung der elektronischen Medien? Die private Nutzung bleibt ja ebenfalls bestehen.

Spitzer: Lassen Sie mich neben dem, was ich bereits angeführt habe, noch etwas weniger Bekanntes ausführen: Bekanntermaßen trat die Corona-Pandemie in China zuerst auf und führt dort zu einem strikten Lockdown mit Schulschließung und häuslicher Quarantäne für Millionen von Menschen von Januar bis Mai 2020. Auch die Schule begann im Juni wieder, was es chinesischen Wissenschaftlern ermöglichte, während dieses Monats das Ausmaß der Kurzsichtigkeit von Schulkindern im Alter von 6 bis 13 Jahren zu messen. Dies war Teil einer seit dem Jahr 2015 laufenden Studie, bei der insgesamt 123.535 Kinder untersucht wurden, also etwa 20.000 Kinder pro Jahr. Dies erfolgte deshalb, weil ich China mittlerweile 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen kurzsichtig sind, vor allem, weil sie zu lange in die Nähe auf ihr Smartphone schauen.

Chinesische Regierung verbannt Smartphones aus Schulen

In der genannten Untersuchung wurde nun gefunden, dass sich die Geschwindigkeit der Entwicklung von Kurzsichtigkeit unter dem Lockdown verdreifacht hat – bei den 6- bis 8-jährigen. Dies war der chinesischen Regierung Anlass genug, Smartphones aus den Schulen zu verbannen – und das, obwohl Schule und Hausaufgaben dort seit Jahren am Smartphone erfolgen.

GSCHWÄTZ: Welche Maßnahmen können Sie den Lehrern empfehlen, um die eventuellen Folgen in Grenzen zu halten? Welche Unterrichtsmethoden wären aus Ihrer Sicht empfehlenswert?

„Unterricht wird nicht automatisch besser, wenn man Computer verwendet. Im Gegenteil.“

Spitzer: Wie oben bereits gesagt: Unterricht wird nicht automatisch besser, wenn man Computer verwendet. Im Gegenteil: das Ausmaß der Ablenkung nimmt zu und es wird deutlich weniger gelernt. Das sage nicht etwa ich; das sagen vielmehr sehr viele Untersuchungen, die es dazu gibt.

GSCHWÄTZ: Und was empfehlen Sie den Schülern und ihren Eltern?

„Weniger ist besser“

Spitzer: Wie ebenfalls oben gesagt: weniger ist besser! Eltern kleiner Kinder sollten vor allem wissen, dass ihr Verhalten vom Kind kopiert wird. Wenn also Eltern beim Abendessen auf ihr Smartphone schauen, brauchen sie sich nicht zu wundern, wenn ihre Kinder (1) auch ein Smartphone haben möchten und (2) beim Abendessen auch draufschauen werden.

GSCHWÄTZ: Sind Ihnen als Psychiater bereits Fälle bekannt, dass die Lockdown-Maßnahmen zu erheblichen Krankheitsbildern bei Lehrern, Schülern oder Eltern geführt haben und können Sie uns den einen oder anderen charakteristischen Fall schildern?

Während des ersten Lockdowns kam es nicht zu den befürchteten Zunahmen von Depression und Angst oder gar Suizidversuchen.

Spitzer: Während des ersten Lockdowns kam es nicht zu den befürchteten Zunahmen von Depression und Angst oder gar Suizidversuchen. Man wusste, dass es vorübergeht, sah, dass es Erfolg hatte, und über den Sommer schien es, als habe man den Schrecken hinter sich.

Jetzt im März ist es vollkommen anders

Das war im Herbst und ist jetzt im März vollkommen anders: Kontrollverlust, Angst, Unvermögen, Einsamkeit, Wut –all das nimmt zu. Und bei Menschen, die ohnehin „am Rande der Dekompensation sind“, kommt es dann jetzt tatsächlich zu mehr Angst und Depression. Dies zeigen die neuesten Untersuchungen hierzu sehr deutlich. Vor allem junge Menschen sind betroffen und mehr Frauen als Männer.

GSCHWÄTZ: Rechnen Sie aufgrund der Corona-Maßnahmen wie Kontaktbeschränkung und Distance-Learning beziehungsweise deren Konsequenzen (wirtschaftliche Unsicherheit, Zukunftsangst) mit einer steigenden Fallzahl im psychologischen und psychiatrischen Bereich?

Spitzer: Ja. Man weiß beispielsweise schon lange, dass mehr Arbeitslosigkeit zu mehr Suiziden führt.

Empfehlung für das persönliche Verhalten

GSCHWÄTZ: Welche Empfehlungen für das eigene Verhalten und das Verhalten im Familienkreis können Sie geben, um mit möglichst wenig psychischer Belastung über die Coronazeit zu kommen?

Spitzer: (1) Körperlicher Abstand ist nicht das gleiche wie sozialer Abstand (man kann ja telefonieren) und meint definitiv auch nicht „verordnete Einsamkeit“ (wie es zuweilen missverstanden wurde).

„Halten Sie auf jeden Fall Kontakt mit Familie und Freunden

Halten Sie auf jeden Fall Kontakt mit Familie und Freunden, jetzt noch bewusster, weil man sich eben nicht zufällig oder einfach so trifft. Man muss sich schon drum kümmern. Täglich rausgehen halte ich ebenfalls für wichtig.

Gehen Sie kreativ mit Ihrer Zeit um

(2) Kreativ mit der vielen Zeit, die manche jetzt im Lockdown haben, umgehen. Also sich nicht überlegen, was man alles nicht tun darf oder kann, sondern überlegen, was man jetzt aktiv tun kann.

Nutzen Sie die positiven Effekte der Natur

(3) In meinem nächsten Buch (Titel: Naturerleben, erscheint bei Klett) habe ich mich mit den positiven Effekten der Natur auf uns Menschen, die man in den letzten Jahren sehr eingehend untersucht hat, ausgiebig beschäftigt.

GSCHWÄTZ: Herr Prof. Spitzer, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Die Fragen stellte Matthias Lauterer

 

Prof. Dr. Manfred Spitzer. Foto: Universität Ulm




Statt Karfreitag am Gründonnerstag

Wegen des Feiertags „Karfreitag“ wird der Wochenmarkt in Künzelsau von Freitag, 2. April auf Gründonnerstag, 1. April
2021 vorverlegt, das geht aus einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung in Künzelsau hervor: „Auch jetzt während der Corona-Zeit bieten die Händler, in der Regel dienstags und freitags am Vormittag, ein umfangreiches Angebot am Unteren Markt.

So gebe es frische regionale Produkte wie Obst und Gemüse, Milchprodukte, Backwaren, Eier, Fisch von der Küste und mehr. Die meisten Anbieter sind Selbstvermarkter und verkaufen am Marktstand, was sie selbst erzeugt haben.




Corona: Offenere Kommunikation tut Not

Der Hohenlohekreis hat Stand heute, 22. März 2021, eine 7-Tage-Inzidenz von knapp unter 200, Tendenz weiter steigend. In der Gemeinde Krautheim sind aktuell 24 von ungefähr 5.000 Bürger:innen erkrankt: Wären die alle innerhalb der letzten Woche erfaßt worden, wäre das eine 7-Tages-Inzidenz, die nahe der 500er-Marke liegt. In der Ministerpräsidentenkonferenz soll heute beraten werden, welche Maßnahmen bei Inzidenzen ab 100 getroffen werden sollen – diese Marke scheint für den Hohenlohekreis derzeit außer Reichweite.

Informationspolitik des Landrats in der Kritik

Die Informationspolitik des Landrats steht in der Kritik: Kreisrat Michael Schenk (FDP) stellte in der Sitzung vom 15. März 2021 die Frage, warum die Namen von betroffenen Unternehmen nicht genannt würden. Es klingt einleuchtend: Wenn sich Kontaktpersonen zum Unternehmen proaktiv freiwillig testen lassen könnten, könnte die Nachvollziehbarkeit verbessert werden, indem mehr potentielle Infektionsketten ermittelt werden können. Immerhin bestätigte Landrat Neth: „Die Anregung wird mitgenommen“, er beruft sich auf unterschiedliche Auffassungen von Bund und Land beim Datenschutz. Das Bundesinnenmisterium jedenfalls teilte Schenk auf Anfrage mit: „Die Nennung des Namens einer von Corona betroffenen Institution liegt hingegen im Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit. Die Behörde vor Ort entscheidet nach Abwägung zwischen dem Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit und der Grundrechte – wie das Persönlichkeitsrecht, einschließlich datenschutzrechtlicher Vorgaben – ob die Nennung des Namens einer Einrichtung notwendig ist – etwa um weitere Kontakte zu ermitteln.“

Offenheit bei Unternehmenskommunikation wäre hilfreich

Aber auch die betroffenen Unternehmen müssen sich fragen lassen, wem es nützt, wenn solche Informationen unter den Teppich gekehrt werden. Vermeintliche Sicherheit durch Unwissenheit kann langfristig nicht Ziel einer modernen Unternehmenskommunikation sein.

Eine Corona-Infektion ist keine Schande

Es ist keine Schande, von Corona betroffen zu sein – es kann buchstäblich jeden treffen, trotz bester Hygienekonzepte. Schlimmer ist es, wenn in den Gerüchteküchen der Whats-App- und Telegramm Gruppen Gerüchte auftauchen, die sich verselbständigen. Diese Gerüchte helfen niemandem – außer denen, die bedrohliche Meldungen benötigen, um zu manipulieren.

Kommunikation macht Infektionsketten sichtbar

Es wäre allerdings eine Hilfe, wenn Unternehmen offen kommunizieren würden: Jeder, der Kontakt zum Unternehmen hatte, und sei es ein Lieferfahrer, der nur kurz auf dem Hof steht, hätte die Chance, sich testen zu lassen. Die Infrastruktur dafür ist ja inzwischen vorhanden. Im negativen Fall hätte die Person eine persönliche Sicherheit, im positiven Fall hätte das Gesundheitsamt einen Ansatzpunkt für die Weiterverfolgung einer potentiellen Infektionskette. Gerade der Lieferfahrer liefert ja nicht nur bei einem Unternehmen an.

Gerade bei einem „diffusen Geschehen“, wenn eine große Anzahl von Infektionen nicht nachvollzogen werden kann, ist jeder Ansatzpunkt  wichtig und sinnvoll, um das Geschehen eindämmen zu können.

Ein Kommentar von Matthias Lauterer