In diesem Jahr ging das Wachstum nicht wie gewohnt weiter für den Schrauben-Giganten Würth. Den massiven Gewinneinbruch (wir berichteten) begründete das Unternehmen unter anderem mit gestiegenen Rohstoffpreisen. Dass Würth diese nur bedingt an die Kunden weitergeben konnte, liegt vermutlich an der allgemein angespannten wirtschaftlichen Lage vieler seiner Kunden. Denn: Seit zwei Jahren boomt es nach der stetigen Zinsanhebung bei den Banken unter anderem auch bei der Baubranche nicht mehr. Und aufgrund der allgemeinen Inflation in Kombination mit der anhaltenden Rezession sitzt das Geld allgemein nicht mehr so locker – bei Firmen wie auch bei Privatmenschen.
Insolvenzen reihen sich wie Perlen an einer Schnur
Seit geraumer Zeit reihen sich daher auch Insolvenzen aneinander wie Perlen an der Schnur. Betroffen sind unter anderem große Namen wie Illig Maschinenbau in Heilbronn oder der Einzelhändler Depot.
Massive Stellenstreichungen von ebenso namhaften Unternehmen wie ZF und SAP beschleunigen die Abwärtsspirale von Inflation / Rezession und Konsumflaute / Entlassungen.
Insgesamt eine sechsstellige Zahl von Arbeitnehmenden in Baden-Württemberg betroffen
Die Stellenstreichungen von ZF und SAP betreffen insgesamt mindestens 24.000 Menschen – rund 14.000 bei ZF sowie rund 10.000 bei SAP. Der Gewinneinbruch von Würth mit dem Ansetzen diverser Kostenschrauben betrifft über 88.000 Mitarbeitende plus die daran gekoppelten Kunden von Würth. Die Insolvenz von Illig und Depot im unterfränkischen Niedernberg betreffen rund 5000 Mitarbeitende – 600 bei Illig und 4400 bei Depot. Wie der SWR berichtet, melden seit 2023 deutlich mehr Unternehmen in Baden-Württemberg insolvenz an als noch die Jahre zuvor.
Den Handel und das Baugewerbe hat es am härtesten getroffen
Am härtesten hat es in Baden-Württemberg die Branchen Baugewerbe und den Handel getroffen. Das zeigt die Auswertung des Statistischen Landesamtes. Im Baugewerbe mussten gut 180 Betriebe in den ersten sechs Monaten des Jahres einen Insolvenzantrag stellen. Im Einzelhandel traf es fast 140 Geschäfte. Auch im Gastgewerbe nahm die Zahl der Pleiten zu.
Im ersten Halbjahr 2023 verzeichnen die Statistiker auch eine leichte Zunahme bei den Privatinsolvenzen: Insgesamt beantragten im ersten Halbjahr in Baden-Württemberg gut 4.600 Menschen die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens – das sind 4 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2022. Mehr als 60 Prozent der Privatinsolvenzen wurden von Verbrauchern, beispielsweise Arbeitnehmern, Rentnern, Arbeitslosen oder Auszubildenden gestellt.
Auch bundesweit immer mehr Insolvenzen
Auch bundesweit war die Zahl der Unternehmensinsolvenzen zuletzt kräftig gestiegen. Im Juli beantragten mit 23,8 Prozent fast ein Viertel mehr Firmen Insolvenzverfahren als im Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt im August nach vorläufigen Angaben mitteilte. Vielen Unternehmen machen die Konjunkturflaute zu schaffen, zum Beispiel wegen gestiegener Kosten etwa für Energie und Materialien sowie gewachsene Kreditkosten wegen des Zinsanstiegs. Experten sehen aber keine Pleitewelle, sondern sprechen von „Normalisierung“.
Dadurch steigt die allgemeine Verunsicherung unter den Verbrauchern und Arbeitnehmern. Zusätzlich trägt am Ende die Milliarden, die derzeit in den Ukraine-Krieg von der Bundesregierung gepumpt werden, ebenfalls am Ende der Steuerzahler und damit die derzeit immer kleiner werdende die Arbeitnehmerschaft, auf die immer mehr Finanzverpflichtungen lasten, zusätzlich zu der hohen Inflation.
Hier kann im Grunde nur noch ein Schuldenschnitt helfen
Die Bundesrepublik ist derzeit t mit satten 2 461,4 Milliarden Euro verschuldet (1. Quartal 2024). Faktisch ist diese hohe Schuldensumme nicht mehr auf normalem Wege abzubezahlen. Nur noch ein Schuldenschnitt könnte hier helfen. Das würde aber wiederum zu einer weiteren massiven Inflation des Geldes führen. Das heißt, die Inflation würde sich weiter beschleunigen und der Euro – und damit auch die Löhne – wären immer weniger wert beziehungsweise man könnte sich immer weniger von seinem Geld kaufen.
Ein ähnliches Szenario erlebte Deutschland das letzte Mal vor 100 Jahren. Die Wirtschaftswunderjahre waren vorbei. Die Wahlen standen Ende der 1930er bevor. Die Bevölkerung war finanziell am Boden und der schlechten Politik überdrüssig. Das Ergebnis kennen wir alle. Es wäre daher dringend geboten, dass die aktuelle Politik Deutschland schleunigst wieder zu einem attraktiven Wirtschaftsstandort etabliert – und das nicht in Form einer führenden Feldherrschaft im Ukraine-Krieg.